Damian Duchamps' Blog

ADZNRW – 1. Regionaltreffen – Tag 2

Posted in Diverses by damianduchamps on April 25, 2010

Eine Session in der es grundsätzlich um die Rolle der Computer in der Schule geht, gab es dann nicht, unter anderem weil die beiden Personen, die einiges in Frage gestellt hatten am zweiten Tag nicht anwesend waren. Am Sonntag trat die Technik eindeutig in den Hintergrund, war aber trotzdem immer präsent, in den Tweets, die zwischendurch geschrieben wurden, den Mitschriften auf Notebooks (siehe ADZ BarCamp in Köln), dem Geocaching Abenteuer und der Twitter-Schnelleinführung kurz vor Ende des Treffens. Die eingeplanten Pausen entschleunigten das Programm und erlaubten nicht nur die Stärkung mit Obst und Getränken zwischendurch, sondern auch die interessanten Gespräche, zu denen sonst keine Möglichkeit bestanden hätte. Zunächst begann alles jedoch wie am Vortag mit der Erstellung des Sessionplans.

Lernen und Wissenschaffen

Inhaltlich war der Sonntag nicht minder anregend als der Samstag. Unter Lernen und Wissenschaffen stellte Hans-Josef Heck (@hansjosefheck) Überlegungen vor, die er sich im Rahmen ausgehend von einer vor 42 Jahren entstandenen Diplomarbeit zum Thema gemacht hat. Die sich anschließende Diskussion war teilweise kontrovers und bewegte sich doch sehr auf der Metaebene. Was Herr Heck vorstellte, scheint mir, soweit ich es verstanden habe, schon konsensfähig. Ich denke, ich werde mich mit dem Thema noch einmal beschäftigen. Es gibt eine Webseite mit mehr Informationen: Wissenschaffen und Handeln

Lernbüro

Die Internationale Friedensschule ist faszinierend. Auch wenn sie nicht die Vorstellung der Gründungsmitglieder in allem verwirklicht, was diese sich vorstellten, so finden sich hier doch Mengen an Dingen, von der Lehrer an anderen Schulen derzeit nur träumen können. Das fängt bei der Ausstattung an und hört bei den Formen des Lehrens und Lernens auf. Dorothea Vielmetter, Klassenlehrerin in der 6b, führte und in den Trakt der Sekundarstufe und in ihren Klassenraum. Was sie uns dort vorstellte, war die Methode Lernbüro, welches diese Schule in Anlehnung an die Max-Brauer-Schule (Hamburg) und die Bodenseeschule (Friedrichshafen) entwickelt hat. In den ersten beiden Stunden eines jeden Schultages arbeiten die Schüler der Doppelklassen eigenständig an ihren Aufgaben, die für eine bestimmte Zeit jeweils aus einem Fachgebiet stammen. Die Lehrerin fungiert als Lernberaterin, welche die Schüler aufsuchen können, wenn sie Fragen haben. Über ein Brett mit Klammern mit Namen können Schüler sich für ein Gespräch anmelden. Im Lernbüro  arbeiten Schüler überwiegend in Einzelarbeit und über kleine Steckampeln signalisieren sie, ob sie angesprochen werden können oder lieber ungestört arbeiten möchten. Was zu Lernen ist, gibt ein Kompetenzraster vor. Mit grünen Punkten werden erreichte Kompetenzen markiert. Ein Logbuch dokumentiert, die tägliche Arbeit, die mit der Planung des Lernmaterials beginnt, welches ein Schüler bearbeiten möchte und mit einem Abgleich von Zielen und Erreichtem endet. Eine Checkliste im Logbuch gibt vor, welche Aufgaben auf jeden Fall zu bearbeiten sind und dokumentieren Lernfortschritt. Über Smileys geben Lehrer Feedback zum Arbeitsverhalten.

Das Lernmaterial wird von den Lehrern erarbeitet. Ein Lehrer erarbeitet ein Themengebiet aus. Es werden Materialien erstellt, die das Grundwissen abdecken, welches jeder Schüler erreichen muss, und zusätzliche Materialien, die eine Vertiefung erlauben, wenn Schüler schneller mit dem Basismaterial abschließen. Das erarbeitete Material wird anschließend von einem Kollegen überarbeitet und dabei vor allem auf Fehler durchgesehen. In der Praxis zeigen sich Fehler (inhaltlich, Aufgabenstellung, etc.) schnell und können korrigiert werden. Die Materialien sind selbsterklärend und bieten Selbstkontrolle. Es ist ausreichend viel Material zu jedem Themengebiet vorhanden, dass alle Schüler beschäftigt sind. Dafür bedarf es dann keiner Kopien für jedermann. Überprüfen, ob sie fit sind, können sich die Schüler mittels Tests, die sie schreiben, wenn sie sich bereit fühlen. Erstaunt erfuhren wir, dass es Klassenarbeiten gibt. Die gibt es, so die Überlegungen der Schule, um die Schüler auf unvermeidbare Prüfungssituationen (Lernstandserhebung ACHT) und die dort herrschenden Regeln vorzubereiten. Felix Schaumburg (@schb) brachte einen Vorschlag ein, wie auf Klassenarbeiten verzichtet werden könne: „Klassenarbeiten als „Expertenqualifikation“. Jede/r Schüler/in schreibt in einem Jahr in drei Bereichen eine Arbeit, um sich besonders zu qualifizieren.“ Dorothea Vielmetter fand diesen Vorschlag sehr interessant und konnte so mit ihrer Vorstellung des Lernbüros nicht nur ihr Wissen weitergeben, sondern auch selbst etwas mitnehmen. Selbstgesteuertes Lernen braucht Zeit, mehr als man zunächst vermuten möchte. Es funktioniert jedoch, und Zeit hat man an dieser Schule, deren Wochenpensum um zehn Stunden über dem vom Land vorgeschriebenen liegt, sowieso. Nachmittags arbeiten die Schüler in Projekten. Das ist dann auch ein Ausgleich zum Morgen, denn im Projekt arbeiten Schüler nicht alleine. Alle, die wir da saßen, waren fasziniert von der Welt, die sich uns da eröffnete, und gerne hätte man noch mehr mitgenommen. Nun, wer mehr erfahren will, der ist von der Schule herzlichst zum Hospitieren eingeladen – eine Woche Vorlaufzeit ist erbeten, wer sich anmeldet.

Völlig neu war mir die Thematik nicht, da ich mich im Rahmen meines ersten Versuchs, meine Hauptschule gemeinsam mit einigen Kollegen zu verändern, intensiv damit beschäftigt hatte. So dicht dran an der Wirklichkeit war ich bisher jedoch noch nie und das war schon toll.

Experimentelles Lernen

Das war dann die letzte Session des Tages. Zwei Teilnehmer des BarCamps, Viktoria Herber (@ViktoriaHD) und ihr Kollege (Name nicht parat) vom Kompetenzzentrum Frühzünder stellten ihre Arbeit, vor allem mit Mitarbeitern von Kitas vor. Anschließend entspann sich eine interessante Diskussion um experimentelles Lernen im Gegensatz zu herkömmlichem Lernen. Anknüpfungspunkte an vorherige Sessions waren schnell hergestellt und das Konzept kam an.

Twitter

Kurz vor Ende gab es noch eine Einführung in Twitter für alle, die es bisher nicht kannten und deren Interesse durch die EDU Twitterer geweckt worden war. Zahlreiche neue Twitter Konten wurden eingerichtet und die Neu-Twitterer (komischen Wort) machten sich mit ersten Tweets und Personen, denen sie folgen, auf den Weg, das Realtime Web selbst zu erfahren.

Regionales Netzwerk

Dieses erste Treffen war nicht nur BarCamp, sondern hatte auch zum Ziel, ein Regionales Netzwerk zu etablieren. Alle Teilnehmer waren sich einig, wir wollen weitermachen. Die Internationale Friedensschule möchte gerne wieder Treffpunkt sein. Vor den Ferien wird es wohl kein Treffen mehr geben können, und mehr als vierteljährliche Treffen werden wohl nicht drin sein. So wird das nächste Treffen nach den Ferien liegen müssen, jedoch noch vor der großen ADZ Konferenz in Bregenz. Vielleicht wird nicht jeder jedes Mal dabei sein können, doch über eine ausführlichere Dokumentation als bei diesem ersten Treffen, sollte es auch denen, die nicht kommen können, möglich sein, an den Ergebnissen teilzuhaben. Eine Mailingliste soll zukünftig den Austausch von Informationen ermöglichen. Mein Dank geht an Guido Brombach (@gibro), der diese Veranstaltung wirklich gut gemanagt hat.

Eine Antwort

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  1. […] Interessant für mich war die Mischung der Teilnehmer. Es waren da die Web 2.0 Nerds und die anderen und beide Gruppen waren mit zumindest zum Teil von einander abweichenden Erwartungen gekommen. Die Themen des Barcamps waren eindeutig in mehr “Lernen mit und durch neue Medien” und “Schule und Lernen” generell getrennt. Beide Seiten waren aber insgesamt offen für die andere Seite, wobei einige der Teilnehmer schon ihre Schwierigkeiten mit, vor allem, Arbeiten mit dem Computer und online hatten. Da gab es dann Versuche, Grundsatzdiskussionen zu starten, doch das war nicht Ziel der einzelnen Sessions. Wohl aber wäre es möglich gewesen, eine solche Session für den Sonntag zu planen. Tag 2 – mehr dazu im folgenden Post […]


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