Damian Duchamps' Blog

Präsentieren – oft mehr Schein als Sein

Posted in Tools by damianduchamps on April 29, 2010

Durch @MatthiasHeil wurde ich auf dieses Fundstück aufmerksam: When PowerPoint Does More Harm Than Good [Presentations] http://j.mp/bFr81a. Da geht es um PowerPoint Präsentationen und das Militär. „It’s dangerous because it can create the illusion of understanding“, sagt da ein General und genau das, finde ich trifft im schulischen Kontext leider oft zu.

Für meine Begriffe wird Präsentieren als Kompetenz viel zu hoch gehängt. Früher gestalteten Schüler Plakate im Unterricht, um Inhalte zu visualisieren oder die Ergebnisse einer Gruppenarbeit festzuhalten und für eine Zeit aufzubewahren oder vielleicht für eine größere Zielgruppe auszustellen. Lehrer dachten dabei vor allem an Ergebnissicherung. Plakate brauchen Material und Platz und beides ist nicht immer leicht verfügbar. Der Aufwand ist nach heutigem Maßstab unverhältnismäßig hoch gemessen an der Kurzlebigkeit des Endproduktes.

In den Kernlehrplänen (NRW) heißt es zum Präsentieren z.B.:

Sie können Ergebnisse der eigenen Arbeit präsentieren, u. a.

  • Notizen mit einfachen Informationen anfertigen, um einen eigenen Beitrag vorzubereiten,
  • eine vorbereitete einfach strukturierte Präsentation zu einem vertrauten Thema klar vortragen. (a)

oder:

Medien zur Präsentation und ästhetischen Produktion nutzen (b)

oder:

Präsentationstechniken anwenden: Medien zielgerichtet und sachbezogen einsetzen, z. B. Tafel, Folie, Plakat, PC-Präsentationsprogramm (c)

oder auch:

Arbeitsergebnisse zusammenhängend mit mediengerechter Unterstützung präsentieren (d)

Präsentieren meint natürlich nicht nur digitale Präsentation. Es geht um das Darstellen und Vorstellen vor einer Gruppe von Mitschülern, um freies Sprechen mit und ohne Notizen. Dieses zu vermitteln ist auf jeden Fall notwendig, auch zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit.

Mit Powerpoint bekam das Präsentieren eine neue Dimension. Hatte man vorher nur Overhead Folien, die man mühsam mit Folienschreibern gestalten musste, oder  Plakate, die zu beschriften, bemalen und bekleben waren, eröffneten sich mit PowerPoint und ähnlichen Programmen ungeahnte Möglichkeiten. Material zur Illustration ist mit dem Internet kein Problem mehr und Vorlagen und Assistenten lassen auch wenig versierte Anwender schnell optisch eindrucksvolle Präsentationen erstellen. Das Ergebnis sieht nicht nur bunt und eindrucksvoll aus, sondern bedeutet auch noch Nutzung der neuen Medien. Man ist modern. Soweit so gut.

Mit den computergestützen Präsentation und der Leichtigkeit, mit der diese erstellt werden können, setzte jedoch mancherorts eine wahre Inflation der PowerPoint Präsentationen ein. Aus den USA liest man vermehrt Kritik dahingehend. Präsentationen verkommen zu voluminösen Darstellungen banaler Inhalte, die fehlende Tiefgründigkeit mit opulenten Effekten und Bilderfluten kaschieren. Gefördert wurde dieses in den USA durch eine vermehrte Forcierung auf computergestütztes Präsentieren und Lehrer die sich in ihrer Notengebung mehr am Schein als Sein orientierten.

Für Lehrer bieten Präsentationen mit PowerPoint und ähnlicher Software erstellt, auf den ersten Blick tatsächlich Vorteile. Man hat etwas Handfestes in der Hand, um Noten zu vergeben. Lehrer fallen aber leicht, so meine Beobachtung, in die Falle, in welche auch amerikanische Lehrer liefen, und bewerten Optik und Effekt-Gimmicks stärker als Inhalte. Ist es Unwissen oder Bequemlichkeit? Ich weiß es nicht.

Wie gut, dass  unsere Lehrer dann doch noch nicht so medienvertraut sind und dauernd Präsentationen erstellen lassen. Oder sollten sie nicht doch mehr davon verstehen, dass sie dann, wenn ein Schüler zu Hause eine Präsentation für eine Biologiereferat erstellt hat, sich nicht von der Technik, die sie selbst nicht beherrschen, blenden lassen?

Eine Antwort

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  1. Andrea Üllenberg said, on April 29, 2010 at 4:36 pm

    All dieses ist einfach nur richtig und ich denke natürlich, dass Lehrer PowerPoint beherrschen sollten.

    Für PowerPoint spricht allerdings, dass der Prozess der Folienerstellung häufig zu einem besseren Durchdringen des Stoffes führt und über die „Leichtigkeit des Klicks“ vielleicht mehr Erkenntnis entstehen kann als mit Schere, Klebstoff und Folienschreiber.

    Allerdings habe ich es auch schon erlebt, dass sich selbst (oder gerade) erwachsene Seminar-Teilnehmer von ihrer eigenen Präsentation haben blenden lassen und dachten, sie hätten das Thema wirkich verstanden. Einen Lehrer, der in seinem Fachbereich fit ist, sollte man so aber natürlich nicht blenden können.

    Herzliche Grüße

    Andrea Üllenberg


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