Damian Duchamps' Blog

Google Docs – ein Meilenstein für Schule

Posted in Tools by damianduchamps on Mai 1, 2010

Für mich stellt Google Docs, seit es in seinem Funktionsumfang kürzlich mit Features von Etherpad erweitert wurde, einen echten Meilenstein für die Umsetzung von kollaborativem Arbeiten in der Schule dar. Vielen, die von Google Docs gehört haben, ist das, glaube ich, noch nicht klar – und viele mehr wissen nicht einmal, dass es dieses Programm und diese Möglichkeiten überhaupt gibt. Naja, wer hat überhaupt je schon von kollaborativem Arbeiten gehört?

Meine ersten Erfahrungen mit echtem kollaborativem Arbeiten liegen schon fast sieben Jahre zurück. Damals gab es auf dem Mac ein kostenloses Programm mit dem Namen Hydra, später SubEthaEdit. Mit einer Schülergruppe erstellte ich ein Drehbuch für einen Film. Die Schüler saßen dann an drei oder vier Macs und über das lokale Netz konnten alle gemeinsam, zeitgleich am Drehbuch arbeiten. Jeder schrieb seine Rolle und legte ihren Text fest. Die verschiedenen Schreibenden waren an ihren Textfarben zu unterscheiden. Das fertige Drehbuchstück wurde dann jeweils in eine Textverarbeitung kopiert und dort abgespeichert. Seit ich dieses Programm kennengelernt hatte, träumte ich davon, so etwas auch für anderen Unterricht einsetzen zu können, mit mehr Schülern und plattformunabhängig.

Das Programm, welches als erstes in diese Richtung ging, war Etherpad, das ich in seiner Beta kennenlernte. Ich habe es auch genutzt für verschiedene kleinere Unterrichtsprojekte, wünschte mir aber schon noch mehr, eine bessere Möglichkeit, online erstellte Dokumente zu verwalten und einige wenige Formatierungsmöglichkeiten.

Google Docs ist endlich das, was ich suche. Es bietet eine sehr einfache Textverarbeitung mit den gängigsten Formatierungen und einer Rechtschreibkorrektur. Dokumente lassen sich in Ordnern ablegen und verwalten. Freigaben sind einfach zu handhaben. Es gibt eine Versionskontrolle.

Bis zu 50 User können zeitgleich an einem Dokument arbeiten und Beiträge ihrer Mitautoren in Echtzeit verfolgen. Dateien lassen sich in Formaten, die z gängigen Office-Lösungen kompatibel sind, online und lokal abspeichern. Es ist möglich, Dateien vom Rechner auf Google Docs hochzuladen. Google Docs ist plattformunabhängig. Mitautoren müssen nicht über einen Google Account verfügen, um mitarbeiten zu können. Die Webadresse des Dokuments reicht.

Was mir besonders gut an Google Docs gefällt und was es so wertvoll für Schule macht, sind zwei Dinge. Es ist kostenlos und es ist sehr niederschwellig angelegt. Selbst User mit geringen Vorkenntnissen können es leicht bedienen. Alles, was ein Lehrer benötigt, der es im Unterricht einsetzen möchte, ist ein eigener Google Account. Das Anlegen und Einpflegen von Schüler-Usernamen und Kennwortlisten entfällt.

Google Docs bietet als weiteren Vorteil Schülern wie Lehrern die Möglichkeit, von zu Hause direkt auf die Dokumente zugreifen zu können.

Natürlich hat Google Docs auch Nachteile. Es ist von einer funktionierenden und guten Internetverbindung abhängig und es bietet einen deutlich geringeren Funktionsumfang als lokal installierte Textverarbeitungen. Außerdem ist es möglich, dass bei anonymem Zugriff (User ohne Anmeldung und Nutzerkennung) ein einzelner Schüler die Arbeit einer ganzen Gruppe an einem Dokument zu Fall bringen kann, indem er etwa immer wieder alles löscht oder Unsinn schreibt. In einem PC-Raum mit 15 Arbeitsplätzen kann der Übeltäter schwierig zu lokalisieren sein,  wenn er Unterstützung aus der Lerngruppe hat. Meiner Erfahrung nach kommen solche Fälle aber eher selten vor. Insgesamt überwiegen die Vorteile, die sich durch kollaboratives Schreiben ergeben deutlich.

Damit das gemeinsame Schreiben und Überarbeiten erfolgreich verläuft, braucht es gewisser Regeln, um das Chaos zu vermeiden, welches sich einstellen kann, wenn Schülergruppen noch keine Erfahrung mit kollaborativem Arbeiten haben. Ein Beispiel für solche Regeln finden sich in dem hervorragenden Blogpost von Maik Riecken, Deutsch kollaborativ mit GoogleDocs, auf den ich über einen Tweet von @MatthiasHeil stieß.

Mit dem hier beschrieben stellt Google Docs für mich die wichtigste Neuerung des Jahres 2010 von für Schule und Unterricht interessanter Software dar. Ich halte dieses Angebot wirklich für einen Meilenstein auf dem Weg zu einem Unterricht, der die Möglichkeiten des Netzes gewinnbringend umsetzten möchte.

Aus diesem Grund werde ich dieses Tool ab sofort in meinen Fortbildungen so vielen Lehrern wie möglich ans Herz legen, vor vielen anderen Lösungen.

Google Docs wird sich weiterentwickeln. Schon jetzt ist es von dem ursprünglichen Onlineeditor Writely, aus dem es entstand, nachdem Google diese Software erwarb, weit voran geschritten. Der heutige Stand wird nicht das Ende sein. Und auch die Konkurrenz schläft nicht. Mircsoft geht mit Microsoft Docs unter http://docs.com an den Start. Dieses ist eine Online-Lösung die mit der Desktopversion von Office 2010 verknüpft zusammenarbeiten soll. Über Facebook und lokale Netzte von Office Anwendern soll es möglich sein, Dokumente mit Facebook Kontakten und Mitarbeitern zu teilen. Das ist aber noch weit hinter Google Docs zurück. Für Schulen ist dieses Angebot damit noch nicht interessant. Man darf gespannt sein, wie sich der Markt für kollaborative Dokumentbearbeitung entwickeln wird.

Mit Online Tabellenkalkulation, Formularen, Mindmaps, Bild-, Audio- und Videobearbeitung eröffnet sich ein ganz neuer Horizont für Schule und Unterricht. Aber dazu mehr in einem anderen Post.

Siehe auch Kollaboratives Schreiben auf Wikipedia

4 Antworten

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  1. Andreas Sander said, on Mai 10, 2010 at 7:35 am

    Sehe ich genauso wie du. Vor kurzer Zeit habe ich noch, was Kollaboration betrifft, auf Etherpad-Lösungen geschworen. Seit dem Google-Feature-Update spricht jetzt eigentlich alles für Google Docs.

  2. Saem said, on Dezember 7, 2012 at 10:24 am

    Es spricht alles für Google Docs, außer, dass es von Google ist😉


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