Damian Duchamps' Blog

Schulisches Innovationspotential ist begrenzt

Posted in Schulentwicklung by damianduchamps on Mai 4, 2010

Von Seiten der zuständigen Ministerien ist Schulentwicklung zwar erwünscht, wird aber als solche nicht dirigistisch vorangetrieben. Aus offiziellem Schriftwerk wird deutlich, dass man in NRW z.B. sehr stark auf Herrn Klippert und seine Methoden setzt, doch niemand schreibt vor, dass alle nun danach arbeiten müssen. Stattdessen setzt man allgemein verbindliche Standards und entlässt die Schulen in (vermeintliche) Eigenständigkeit. Dass Schulen etwas unternehmen, um die Standards zu erfüllen, versucht man mittels der QA ein wenig zu forcieren. Schule muss sich also von innen heraus wandeln.

Doch wer Schule von innen heraus verändern will, der steht vor einem riesigen Problem – schulisches Innovationspotential ist begrenzt. Das ist nicht neu und ich habe es vor Jahren einmal mehr auf einem mehrtägigen Seminar mit dem Unternehmensberater Klaus Dyrda gehört, den die Landesregierung NRW durch die Lande schickte, um Fortbildungen zum Thema Schulentwickung zu machen.

Jetzt, wo meine eigene Schule in ihrem zweiten Versuch steckt, sich zu verändern, erinnerte ich mich wieder daran. Dyrda und Partner waren durch diverse Untersuchungen darauf gekommen, dass Schulen wesentlich weniger innovatives Potential haben als man erwarten würde, erschreckend wenig. Es waren pro Lehrer der Schule nur wenige Stunden im ganzen Schuljahr. Verschiedene Faktoren sind dafür verantwortlich, allen voran die Belastung durch Arbeit und Familie. Wer fünf oder sechs Korrekturen hat, Klassenlehrer ist und dazu noch Hausfrau oder Familienvater, dem bleibt nur wenig Zeit, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, sowohl praktisch als auch im Kopf. Für Schulleitungen gilt Ähnliches. Unterricht und administrative Aufgaben, die mit dem Konzept eigenständige Schule eher zunehmen, belegen den Terminplan nahezu komplett.

Und trotz allen dem schaffen es einzelne Schulen doch, sich durch Innovation zu verändern. Das ist erstaunlich und grenzt schon fast an ein Wunder. Wie gelingt es ihnen? Verschiedene „Erfolgs“-Szenarien sind vorstellbar, die auch in Koppelung möglich sind.

  1. Schulleitung hat den Willen, Schule zu verändern, arbeitet mehr als das Soll und schafft sich zusätzliche Freiräume, indem Aufgaben delegiert werden.
  2. Eine Minigruppe von Idealisten und Masochisten opfert sich, um Entwicklung zu betreiben und in ihre Schule zu tragen.
  3. Es gibt genug junge, motivierte Lehrerinnen und Lehrer, die meist noch ohne Familie sind, und ihre Schule verändern wollen.
  4. Die Schule hat eine Steuergruppe, die motiviert ist, und durch Umverteilung von Entlastungsstunden ausreichend Freiraum hat, eine Entwicklung in Gang zu bringen.
  5. Innovative Lehrer vernetzen sich untereinander, auch über die Schule hinaus und bündeln ihre Kräfte. Nicht jeder muss so das Rad neu erfinden. Synergieeffekte kommen zum Tragen.

Ich denke, von allen fünf Szenarien ist nur die Vier alleine für sich als Einzelstrategie erfolgversprechend. Eins und Zwei werden für sich gestellt wenig Aussichten auf Erfolg haben, also eher scheitern. Die Drei hat ebenfalls gute Chancen, die Fünf alleine vermutlich eher weniger. In Kopplung steigen die Chancen auf Erfolg dann jedoch deutlich, vor allem wenn die letzten drei Szenarien kombinieren werden.

Aus eigener Erfahrung kann ich das bestätigen, auch wenn die Mitglieder der Steuergruppe meiner Schule kaum über Entlastungen verfügen. Es gab eine kleine Gruppe von Lehrerinnen und Lehrern, die Bedarf für Veränderungen sah und Veränderungen wollte. Eine Steuergruppe wurde gebildet. In dieser gibt es eine Arbeitsteilung in Abhängigkeit vom Freiraum, den die einzelnen für Innovation haben. Die Vordenker und – arbeiter legen vor, erstellen Konzepte und treiben die gemeinsame Entwicklungsarbeit voran, und über die Vernetzung nach außen bringen sie neuen Input für die weitere Arbeit in die Schule hinein. Gemeinsam baut die Steuergruppe dann darauf auf und bringt die Konzepte zu Reife und von dort zur Umsetzung.

Ich kann mir vorstellen, an anderen Schulen verlaufen Innovationsprozesse ähnlich, oder vielleicht auch ganz anders?

4 Antworten

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  1. Pat said, on Mai 4, 2010 at 8:52 pm

    Mal ganz abgesehen davon, dass Schulentwicklung ein immens wichtiges Thema ist – was befähigt ausgerechnet einen Unternehmensberater zu diesem Thema Fortbildungen abzuhalten?

    • damianduchamps said, on Mai 4, 2010 at 9:43 pm

      So ganz sicher bin ich mir da auch nicht, wie Dyrda & Partner und Schulentwicklung zusammenkamen. Fakt ist zumindest, dass um den Zeitraum 2002/2003 der Unternehmensberater ganz stark in dieser Sache involviert war. Damals hörte ich mal, dass es Connections zur Landesregierung gäbe. Eine andere Möglichkeit wäre noch die Schiene Bertelsmann Stiftung.
      Was die damals so erzählten, machte durchaus Sinn und es gab viele Schulen, die ihre Steuergruppen direkt durch Dyrda & Partner geschult bekamen. Auch andere Institutionen des Landes wurden so geschult und in Themenbereichen von Schulentwicklung bis über Entwicklung von Medienkonzepten angeleitet. Dyrda & Partner haben sich vermutlich auf diese Art damals ein weiteres Standbein geschaffen. Auch heute haben sie noch einen Schwerpunkt auf diesem Bereich. Ob sie aber noch nachgefragt sind wie damals, kann ich nicht beurteilen.

      • Dyrda said, on September 2, 2010 at 9:16 pm

        Danke für die angenehme Empfehlung, die ich per Zufall sehe.

        Ja wir sind noch immer dabei. Inzwischen ist der Bildungsbereich das Hauptgeschäftsfeld der Unternehmensberatung. Wir arbeiten inzwischen in allen Bundesländern und z.T. auch im Ausland mit unseren Innovationskonzepten für den Bildungsbereich. Die stark nachgefragten Themen sind zur Zeit nicht nur die Steuergruppenqualifizierungen und das schulische Qualitätsmanagement (Inspektion, SEIS, Evaluationsberater u.a.), sondern auch die von uns entwickelte kompetenzorientierte Unterrichtsentwicklung, die Implementierung von Bildungsstandards in den einzelnen Bundesländern, die Schulleiterfortbildung und Einzelthemen wie die Teamentwicklung, das Konfliktmanagement und das Selbst- und Zeitmanagement im Bildungsbereich. Seit 2009 arbeiten wir bundesweit im Projekt Lernen vor Ort des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

    • scheppler said, on Mai 5, 2010 at 12:55 pm

      Auch im Rahmen der Projekte der Initiative D21 habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, wie wertvoll die Einblicke und Empfehlungen von Außen und auch besonders aus der Wirtschaft für Schule sein kann. Der Fremdblick schärft häufig die Wahrnehmung und ermöglicht den gerade bei Neuerungen notwendigen, freien Blick.


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