Damian Duchamps' Blog

Geld alleine löst keine Probleme

Posted in Schulentwicklung, Schulpolitik by damianduchamps on Mai 25, 2010

Deutschland muss sparen. So viel ist klar. Wenn es aber um die Frage geht, wo gespart werden kann und soll, dann scheiden sich die Geister. Für die einen ist der Bereich Bildung und Forschung definitiv ein Kandidat und für andere geht hier gar nichts und man möchte die Ausgaben sogar noch steigern in den kommenden Jahren. Was ist nun richtig? Oder muss die Frage vielleicht völlig anders gestellt werden?

Die FAZ griff das Thema am 24. Mai mit dem Artikel Sparen an der Bildung – aber richtig auf und versucht, eine Position in der Mitte zu finden (Dank für den Hinweis auf den Artikel an @janschuette). Der Autor, Winand von Petersdorff, ist der Meinung, dass man durchaus Ansätze zum Sparen finden kann, nämlich dort, wo Ausgaben nichts oder wenig bewirken. Als Extrembeispiele führt er Hochschulen an, die nicht einmal wissen, wie sie die Fülle an Geld sinnvoll ausgeben sollen. Richtig weist er darauf hin, dass zwischen der ins Bildungssystem investierten Geldmenge und  dem, was dabei herauskommt, nicht unbedingt ein proportionaler Zusammenhang bestehen muss. Die Gesamtschulen zeigen, denke ich, wie richtig er mit dieser Aussage liegt. Entsprechend erteilt er der Forderung nach kleineren Klassen zur Verbesserung des Lernerfolges eine klare Absage und stützt sich dabei auf Ergebnisse wissenschaftlicher Studien. Diesen Studien widerspreche ich auch nicht, denn Klassengröße ist nicht das entscheidende Kriterium für eine Verbesserung von Unterricht. Von daher stimme ich ihm hier auch zu. Allerdings würde ich nicht soweit gehen, nun auch gleich zu sagen, man könne Klassen ohne Nachteile vergrößern, um damit dann Personal (sprich Geld) zu sparen.

Eines stellt Winand von Petersdorff absolut richtig fest, Geld, welches für Bildung ausgegeben wird, kommt eher denen zu Gute, die es nicht brauchen als denen, die es am nötigsten hätten. Die schlechtere Stellung von Kindern aus bildungsfernen Schichten zeigt sich an vielen Stellen, von der Empfehlung der Grundschulen für eine weiterführende Schule, zur Entscheidung der Eltern dieser Kinder für eine Sekundarschule und eben auch darin, wie wenig diese Kinder von Bildungsausgaben profitieren. Eine Lösung dieses Problems sieht von Petersdorff im Timing von Bildungsinvestitionen. Um die nachteiligen Effekte der sozialen Herkunft  auf den Bildungserfolg zu reduzieren, spricht er sich für Investitionen in die frühkindliche Bildung aus. Aus der Sicht eines Hauptschullehrers kann ich dieses nur unterstützen. Viele der Kinder, mit denen ich zu tun habe, kommen mit großen Defiziten in verschiedensten Bereichen an meine Schule. Für Hauptschulen, deren Klientel sich heute überwiegend auf die Kinder bildungsferner Schichten beschränkt, ist das Alltag. Viele der Defizite, mit denen wir zu kämpfen haben, lassen sich auf Versäumnisse in der frühen Kindheit und Kindheit zurückführen. Wir als Schule können nur noch notdürftig kitten, doch beheben können wir die Defizite häufig nicht und so verfolgen sie diese Kinder ein Leben lang.

Die Übel, die unser Bildungssystem plagen, haben auch mit Geld zu tun und damit, wer von Bildungsinvestitionen profitiert und wer nicht. Für mich ist die zentrale Frage jedoch eine andere. Wie kann man die Struktur unseres Bildungssystems ändern, so dass alle davon gleichermaßen profitieren?

Ich glaube, Schule muss sich grundlegend verändern. Wer glaubt, unser bestehendes System durch Mehrausgaben zu besseren Ergebnissen zu bringen, kommt nicht vom Fleck. Was wir brauchen, ist eine neue Struktur, eine Revolution, wie Sir Ken Robinson fordert. Außerdem benötigen wir einen Unterricht, der Schülern als Individuen gerecht wird und ihnen ihre eigenen Lernwege ermöglicht. Das geht jedoch nicht ohne Lehrer, die in der Lage sind, anders zu unterrichten. Lehrer müssen fortgebildet werden, und es ist nicht mit ein paar Veranstaltungen hier und da und dort getan. Es muss eine nachhaltige Fortbildung sein, die Lehrer zu kompetenten Lehrern des 21. Jahrhunderts macht. Das kann nur über Wochen und Monate gehen, praktisch und unterrichtsbegleitend. Dafür braucht es Ressourcen. Lehrer müssen freigestellt werden für Fortbildung. Aus eigenen Mitteln können die meisten Schulen dieses derzeit kaum leisten.

An Hauptschulen wäre das vielleicht noch machbar, durch Vergrößerung der Klassen, da diese etwas kleiner sind als an anderen Schulformen. An Realschulen und Gymnasien mit Klassengrößen von 30 und mehr Schülern halte ich diesen Weg jedoch nicht für gangbar. Und in dem Moment, wo man zu der Lösung käme, größere Klassen wären machbar, würden findige Ministerialbeamte sofort den Stellenschlüssel, sprich das Schüler zu Lehrer Zahlenverhältnis, erhöhen und damit diese Möglichkeit zunichtemachen.

Die Lösung wäre, meiner Meinung nach, eine Zuteilung weiterer Lehrkräfte an die Schulen, um Lehrer über längere Zeiträume für Fortbildung freizusetzen. Das muss zumindest für eine Umbauphase von vermutlich fünf bis sieben Jahren möglich sein. Damit könnte man die Lehrer, die derzeit an Schulen arbeiten und noch auf mindestens 20 Jahre die Mehrheit in den Kollegien stellen, auf einen aktuellen Stand von schülerorientiertem Unterricht bringen. Fortbildung ist selbstverständlich für alle verpflichtend. Außerdem ist die Lehrerausbildung selbst auf den diesen Stand zu bringen, um nicht weiter Lehrernachwuchs zu produzieren, der in seinen Kompetenzen auf dem Stand von vor 20 Jahren ist. Mit einer auf diesem Weg bewirkten Veränderung von Schule könnte zudem der Lehrerberuf wieder zu einem attraktiven Beruf werden. Wir brauchen kluge Köpfe für die Schulen, die klügsten Köpfe überhaupt.

Beginnen sollte man am besten sofort. Es sind bereits zu viele Kinder in unserem System auf der Strecke geblieben. Schulen und Lehrer, die sich auf einen schülerorientierten Unterricht verstehen und diesen seit Jahren erfolgreich praktizieren, gibt es ausreichend. Von ihnen könnten wir lernen.

Eine Antwort

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