Damian Duchamps' Blog

Schleichers Kernthesen zur Zukunft von Bildung

Posted in Schulentwicklung, Schulpolitik by damianduchamps on Mai 15, 2010

Andreas Schleicher hat viele Kritiker, was ich nicht unbedingt nachvollziehen kann. Vielleicht passt seinen Kritikern nicht, was er sagt, widerspricht es doch vielen alten Vorstellungen von Schule und dem Schulsystem. Wer wie einige meiner älteren Kollegen der felsenfesten Überzeugung ist, dass Leistung nur mit dem Gymnasium gekoppelt erreichbar ist, und man die Guten herunterzieht, wenn man in heterogenen Lerngruppen in einer Schulform für alle bis Klasse 10 unterrichtet, der wird sich mit Ideen wie den Kernthesen nicht anfreunden können. In seinen Thesen bringt Andreas Schleicher keine neuen Erkenntnisse, doch wie das der Sinn von Thesen ist, bringt er die Dinge einfach mal gut auf den Punkt.

Einen Teil von dem, was er sagt, hatte ich in meinem einleitenden Referat zu meiner Fortbildung eingebracht (siehe Fortbildungsdesaster – FAIL). Ein Teilnehmer nickte ab und zu mal einmal zustimmend, der Rest reagierte nicht, entweder weil man es nicht verstand oder nicht akzeptierte. In manchen Äußerungen wurden meine Aussagen zur Wissensgesellschaft sogar angegriffen.

Was ich an der gegenwärtigen Situation so bedrückend finde ist, dass unsere Entscheidungsträger zwar gerne das Thema Bildung in die Politik tragen und damit auch Wahlkampf machen, doch zu wirklich tiefgreifenden Reformen können sie sich nicht durchringen. Es geht hier natürlich auch um verwurzelte Tradition, Weltanschauungen und zu wahrende Privilegien. Die Gymnasien verteidigen wie eh und je ihre Position. Solange sie auf ihrer bevorzugten Stellung beharren, wird eine Änderung des Gesamtsystems nicht möglich sein. Die Gymnasien scheinen auf dem Weg zur neuen „Hauptschule“ zu werden. Hauptschule meinte ja einmal die Schule, auf welche die Mehrheit der Schüler geht. Wenn der Trend anhält, dann werden wir bald ein zweigliedriges System haben, mit einem Gymnasium, welches mit 60 – 70% mehr als die Hälfte aller Schüler aufnimmt und eine Mittelschule/ Verbundschule, welche den traurigen Rest aufnimmt. Im allgemeinen Schülerrückgang wird Gymnasium um jeden Schüler kämpfen und nur schwierige Fälle an die Müllschule abgeben, auf der die Mehrheit der Migrantenkinder und Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen landen wird. Alleine schon diese Zusammensetzung wird dafür sorgen, dass jeder der kann, sein Kind am Gymnasium anmeldet. Dazu kommt der Trend, dass mittlerweile viele Ausbildungsstellen ohnehin bevorzugt an Abiturienten vergeben werden. Das sind dann vielleicht die Studenten, die zum Studieren „zu doof sind“.

Einen Ausweg sehe ich nur, wenn die Vorstellungen von Leuten wie Herrn Schleicher zur Grundlage der Entwicklung unseres Schulsystems gemacht werden. Wie er selbst sagt, zeigen andere Länder deutlich, dass es anders gehen kann. Ich frage mich, warum wir noch mehr junge Menschen in unserem absolut an den Bedürfnissen der Zeit vorbei strukturierten Bildungssystem ruinieren müssen. Wohl denen, welche die Möglichkeit haben, Schulen im Sinne von Herrn Schleichers Kernthesen, zu besuchen, weil es zufällig eine solche in ihrer Region gibt oder die Eltern finanzstark genug sind, ihren Kindern den Besuch einer solchen zu bezahlen. Pech für die Anderen. Soll das die Zukunft sein?

Zukunft von Bildung – Kernthesen

2005 keine Blogs – heute keine Blogs

Posted in Alltag, Tools by damianduchamps on Mai 13, 2010

Heute stieß ich auf ein altes Blog, das ich mal angelegt hatte bei Blogger.de. Damals hatte ich mich für die Plattform interessiert wegen der Software auf der sie läuft. Ich hatte das Blog schon vergessen. Letztmalig war ich 2008 drauf. Boggen war für Schulen auch damals schon aktuell. Im Blog schrieb ich etwas darüber:

Donnerstag, 7. April 2005

Blogging in der Schule und kein Schwein interessiert es …

So ist das in der Schule und mit den Lehrern: Man hat ein tolles Instrument und keiner nutzt es, niemand interessiert sich dafür. Es ist zum …
Sag ich jetzt lieber nicht! Schade ist es allemal. Man könnte so vieles damit machen und einfach ist es noch dazu, so dass auch unbedarfte Anfänger ohne große Kenntnisse sich an diese Sache wagen können mit einer Klasse. Aber es wird nie etwas daraus, da der Alltagslehrer vom Alltag dermaßen gedrückt wird, dass ihm oder ihr für derartige schöne und nützliche Dinge keine Zeit bleiben. So muss dieses hier leider unentdeckt bleiben und ungenutzt.

Geändert hat sich seither nicht viel. An meiner Schule nutzt niemand Blogs. Ein Kollege ließ mal Schüler der Sechs oder Sieben in ein Blog eintragen, was sie über verschiedene Insekten gefunden hatten. Ein Referendar baute sich mal ein Blog für ein Webquest. Das war alles. Außer mir nutzt niemand so etwas an meiner Schule. Und dabei ist es so einfach und es war auch damals schon sehr einfach. Blogger.de ist da sogar recht gut geeignet für Schule. Es ist sehr einfach zu bedienen, einfacher als WordPress z.B..

Fortbildungsdesaster – FAIL

Posted in Alltag by damianduchamps on Mai 12, 2010

Gelegentlich mache ich auf Fortbildungen und mein Schwerpunkt sind die Medien, die neuen Medien oder genauer, das Netz, Web 2.0. Heute hatte ich wieder eine solche Fortbildung und für mich war sie ein Desaster. Dabei hatte alles gut begonnen. Schon vor einiger Zeit hatte ich mit der Schulleitung das Thema abgesprochen. Das Kollegium, so sagte man mir, wolle etwas mehr wissen über die neuen Medien und Unterricht. Gut, dachte ich mir, das wäre doch eine wäre doch eine Gelegenheit für eine praktische Fortbildung, vielleicht in Form von Blended-Learning. Damit habe ich bisher gute Erfahrungen gemacht. Man bearbeitet als Teilnehmer verschiedene Themen, jede Woche ein anderes, und nutzt dabei Werkzeuge des Internet und Web 2.0: Chat, Forum, Wiki, Blog, Mindmap, Datei-upload und so weiter. Dabei ist ist man dann entsprechend den Aufgabenstellungen tätig, kooperiert, recherchiert, strukturiert, produziert und kommuniziert. Abschließend trifft man sich noch einmal in einer Runde und tauscht seine Erfahrungen aus und überlegt auch noch, wie man das nun in Schule umsetzen kann. Man sollte dann also einen guten Einblick haben und vielleicht das eine oder andere mal im Unterricht probieren. Und wenn das Interesse sehr groß ist, vertieft man das Thema anschließend in weiteren Veranstaltungen.

Um der Veranstaltung ein wenig Offenheit zu geben, schickte ich vor meiner Präsentation eine Webseite voraus, ein Google Doc. Dort hatte ich einige wichtige Links gesammelt. Zu bearbeiten war das Doc nicht. Es eröffnete den Teilnehmern jedoch die Möglichkeit, anonym am rechten Rand zu Chatten. Ich forderte die Teilnehmer auf, doch einfach hineinzutippen, was ihnen durch den Kopf ging, während ich ihnen etwas über Web 2.0 und Schule erzählen würde. Außerdem hatte ich ein Doc für Notizen vorbereitet. Das fanden die Teilnehmer nach einigen Fehleingaben der Adresse auch. Und nachdem geklärt war, dass der Firefox auf den Schulrechnern den Chat nicht anzeigte und jedermann nach IE gewechselt hatte, waren alle drin. Einige tippten auch, Belangloses und „Kaffeepause“. Es funktionierte, gut.

Ich eröffnete die Veranstaltung also mit meiner kleinen Präsentation (siehe unten) und versuchte dem nicht ganz zwanzigköpfigen Kollegium zunächst die tiefgreifenden Entwicklungen zu verdeutlichen, die gerade in im Zusammenhang mit der zunehmenden Vernetzung unserer Gesellschaft und der Berufswelt stattfinden und wie dieses sich auf Bildung auswirkt. Das Kollegium welches Schüler auf dem zweiten Bildungsweg zu weiterführenden Abschlüssen bringt, hörte zunächst interessiert zu. Es kamen dann aber schnell die ersten Einwände. Gegen Ende meines Vortrages kam es dann sogar zu Grundsatzdiskussionen.

Lehramtsstudium als Masterstudiengang = Mogelpackung?

Posted in Schulpolitik by damianduchamps on Mai 10, 2010

Ich hatte mich bereits vorher auf dieser Seite mit der Veränderung des Lehramtsstudiums auseinandergesetzt (siehe Folgen einer verfehlten Einstellungspolitik und Lehramtsstudium wird Masterstudium). In Gesprächen wurde ich auf einige weitere Dinge aufmerksam, und greife das Thema deshalb noch einmal auf.

Im Mai 2009 wurde vom Landtag NRW wie in anderen Bundesländern auch das Gesetz zur Reform der Lehrerausbildung beschlossen. In einer entsprechenden Pressemittleilung der Landesregierung zu den Eckpunkten der neuen Lehrerausbildung heißt es: „Das Lehramtsstudium wird auf Bachelor- und Masterstudiengänge umgestellt. Dies geschieht in Folge des 1999 europaweit begonnenen „Bologna-Prozesses“. Damit hält das Gesetz die Balance zwischen der geforderten Professionalisierung für den Lehrerberuf einerseits und der gewünschten Offenheit des Studiums in den ersten Jahren andererseits.“ (1)

Auf den ersten Blick klingt das zunächst gut. Wer Lehramt studiert, kann darauf setzen, dass sein Master überall als gleichwertig anerkannt wird und wer sich noch umentscheidet und doch nicht in den Schuldienst gehen möchte, der kann auch dieses tun. Mit dieser Offenheit ergibt sich für die Planung von Seiten der Schulministerien bezüglich des Lehrernachwuchses jedoch ein Problem. Schon 2008 hieß es dazu in einem Artikel der GEW zur Lehrereinstellung: „Verschärft werde die Situation noch dadurch, dass mit der Umstellung von Bachelor- auf Masterstudiengänge keine verlässlichen Aussagen mehr über die Zahl der künftigen Absolventen von Lehramtsstudiengängen zu machen sind.“ (2) Bisher konnte man noch relativ verlässlich abschätzen, wie viel Nachwuchs an den Universitäten ausgebildet wird, und das bereits mehrere Jahre im Voraus. In Zukunft ist dieses nicht mehr möglich.

Mit der Einführung der neuen Abschlusses soll die Bezahlung der Lehrer gerechter werden. Tatsache ist, die Bezahlung ist ungerecht. Dass am Gymnasium höhere Gehälter gezahlt werden, ist ein Privileg, hat mit Studium und Arbeitsaufwand oder -bedingungen jedoch nichts zu tun. Gymnasiallehrer werden mir da vielleicht widersprechen. Für mich bleibt es aber unverständlich, dass Schulleiter an vielen Grundschulen schlechter bezahlt werden als Lehrer an Gymnasien. Ist die Arbeit der Grundschulleiter weniger Wert? Genauso fragt sich der Sek I Lehrer, ob seine Arbeit in den unteren Jahrgängen denn einfacher und weniger belastend ist als die in der Oberstufe, oder ob seine höhere Beanspruchung in Bezug auf Erziehung nicht ebenso viel gilt wie die wissenschaftlichere oder stofflich weitergehende Bildungsarbeit der Oberstufenkollegen. Mit der Umstellung auf den Masterstudiengang soll das alles besser werden. Nur die Grundschullehrer könnten das Nachsehen haben, wenn sie ausgegliedert werden und über eine andere Qualifizierungsschiene ihr Gehaltsanspruch reduziert werden kann (siehe „Die neue Lehrerausbildung stärkt die schulformbezogene Differenzierung und Gleichwertigkeit für alle Lehrämter. Dies geschieht durch die Einführung eines eigenständigen Grundschullehramtes und die Angleichung der Ausbildungszeiten.“ (1)). Das hatte man in NRW schon einmal vor, als man die Grundschullehrerausbildung an Fachhochschulen verlegen wollte. Als Nicht-Uniabsolventen wollte man sie gehaltlich nach unten stufen. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Mit dem Master wird einiges gleich, nicht jedoch alles und überall.

In Deutschland müssen Lehrer mit dem Zustand leben, dass ihre Bezahlung Ländersache ist. Zwar gelten für in allen Bundesländern die für den öffentlichen Dienst verbindlichen Gehaltsstufungen, doch liegt es in der Hoheit der Länder zu entschieden, welche Lehrer welcher Besoldungsgruppe zugeordnet werden. So kommt es zu der Ungleichbezahlung von Lehrern bei gleicher Arbeit in verschiedenen Bundesländern. Nordrhein Westfälische Städte und Gemeinden in Grenzregionen zu Nachbarbundesländern mit höherer Besoldungsstufe können ein Lied von den Folgen der Ungleichbehandlung singen. Wo nur eine Autobahnabfahrt weiter nach Hessen hinein ein Lehrer anstelle von A12 gleich mit A13 bezahlt wird, da fällt für viele die Entscheidung leicht. Man geht nach Hessen. Aus dem Raum Siegen kenne ich die Geschichten von Stellen, die unbesetzt bleiben mussten, da der Bewerber kurz vor Schuljahresbeginn noch eine Zusage aus Hessen erhielt, die Stelle kurzfristig absagte und diese daraufhin nicht mehr schnell genug neu zu besetzen war.

Mit der Umstellung der Lehrämter auf Masterabschlüsse wird es zu einer Umstrukturierung der Gehälter kommen. Ein Master ist immerhin keine Abschluss, der mit einem derzeitigen akademischen Abschluss gleichzusetzen ist, soweit ich das verstehe. Noch findet sich über die neuen Gehälter nichts. Es ist jedoch zu erwarten, dass die Gehälter für Neulehrer mit Masterabschluss unter den derzeitigen liegen werden. In Zeiten knapper öffentlicher Kassen passt das. Damit eröffnet sich allerdings ein neues Problem. Wird der Lehrerberuf dadurch nicht weiter an Attraktivität verlieren? Welcher Mann wird diesen Beruf einer Anstellung in der freien Wirtschaft bevorzugen, wenn er davon eine Existenz aufbauen möchte und eine Familie ernähren muss? Schon jetzt ist die Zahl der im Lehramtsstudium befindlichen jungen Menschen deutlich zu gering um den prognostizierten Bedarf zu decken. Geringere Gehälter machen den Beruf unattraktiv und wird dazu führen, dass der Trend zum Frauenüberhang in den Grundschulen sich auch auf die anderen Schulformen ausbreitet.

Wenn sich bei uns niemand mehr findet für den Lehrerberuf, wer wird dann Schule in Zukunft machen? Werden wir Bildungsgastarbeiter aus europäischen Schwellenländern haben, die hier mehr verdienen können als zu Hause? Im Gesundheitswesen hatten wir das mit den Krankenschwestern aus Korea schon vor Jahrzehnten. Undenkbar wären sie also nicht, die Bildungsgastarbeiter.

Wer bis hier gelesen hat, der wird denken, ich bin gegen den Masterstudiengang. Ich bin da nicht grundsätzlich gegen. Es gefällt mir jedoch nicht, wie diese Sache umgesetzt wird. Was noch nicht angesprochen wurde sind der Praxisteil und der Vorbereitungsdienst. Durch das Praxissemester wird der Vorbereitungsdienst gekürzt. Das Praxissemester hat für die Schulen einen sehr üblen Beigeschmack. Zum einen kann man so natürlich Stellen sparen. Jede Schule wird verpflichtet werden, die Studenten im Praxissemester zu übernehmen. Sie werden einen Teil der Ausbildung der Nachwuchslehrer mittragen, ohne Entlastung. Dafür spart man Fachleiter. Bei denen ist die Situation derzeit ohnehin bereits desolat. Man hört von Fachleitern, die gleich zwei Seminare betreuen müssen, da man niemanden mehr findet, der dumm genug ist, ohne entsprechende Vergütung, für das Spritgeld alleine diesen Job zu machen.

Ich denke, es war durchaus sinnvoll die Ausbildung für Lehrämter zu verändern. Es müssen allerdings die Rahmenbedingungen stimmen, und die stimmen hier ganz sicher nicht. Die Leidtragenden sind wie immer die alten, die Schüler, die Lehrer und die Eltern – sprich die Gesellschaft.

Schulbücher sind langweilig

Posted in Alltag, Schulentwicklung by damianduchamps on Mai 8, 2010

Vor sechs Jahren wurde an meiner Schule ein neues Englischlehrwerk eingeführt. Bis dahin fand der Englischunterricht mit Büchern statt, die teilweise schon die Eltern jüngerer Schüler kannten. Das Buch wurde bis vor zwei Jahren noch immer in einer leicht überarbeiteten „New“ Variante aufgelegt und dann mit Erscheinen des letzten Bandes des neuen Lehrwerks endlich aus dem Programm genommen. Das alte Englischbuch mit seinen Bildern aus den Siebzigern und frühen Achtzigern fand ich schon eine Zumutung. Die Inhalte waren längst nicht mehr zeitgemäß. Künstler, die den Kindern nichts mehr sagten, sollten zu englischsprachiger Kommunikation anregen und klobige Steinzeit PCs zum Schreiben über moderne Technik motivieren.

Mit dem neuen Lehrwerk wurde es eigentlich nicht wirklich besser. Zwar sind die Bilder  und Bezüge aktueller, sogar neue Medien werden auch häufiger erwähnt und zu ihrer Nutzung wird stellenweise angeregt, doch trotzdem kann ich mich nicht des Gefühls erwehren – diese Bücher sind vollkommen langweilig. Muss es mich wundern, wenn meine Schüler diese Bücher nicht sonderlich motivierend finden?

Bücher der Zukunft sind multimedial und interaktiv

Um die Zukunft der Schulbücher macht man sich seit einiger Zeit Gedanken. Ein Schweizer Startup versucht sich mit der Plattform Akili am Markt zu platzieren. Man entwickelt eine Plattform, die auf verschiedenen Betriebssystemen, auch mobil, interaktive Schulbücher darstellen kann. Verbunden damit ist eine Shoplösung, über die dann entsprechend aufbereitete Bücher vertrieben werden. Zwei Beispielbücher waren beim herunterladbaren Client dabei in der Version 2.99 dabei. Die aktuelle Version kommt scheinbar ohne oder funktioniert bei mir nicht. Die Bücher, die ich gesehen hatte, erinnerten mich eher an einfache Webseiten mit integrierten Videoclips und Animationen. Ergänzt wurde das dann durch ein paar Abfragen im Stil von HotPotatos. Aufregend fand ich das nicht. Matthew Herren, der zum Kern des Teams gehört, versicherte mir jedoch, die Plattform könne deutlich mehr. Man wolle das aber noch nicht öffentlich zeigen.

Damals fand ich, wenn man Schülbücher digital umsetzen will, aber dem Paradigma des Schulbuches, wie wir es kennen, noch nah bleiben möchte, dann wäre eine Lösung wie die Waitrose Live, dem Kundenmagazin einer englischen Supermarktkette, noch am interessantesten. Diese (Flash basierte) Lösung bietet ein medienangereichertes interaktives Informationsangebot, das sehr ansprechend gestaltet ist. Ich könnte mir schon vorstellen, dass auch Schüler hier mehr Anregung fänden, sich mit Inhalten auseinanderzusetzten. Ein Format wie dieses erlaubt es, in Bild, Film und Ton, Inhalte einzubinden und Zusatzinformationen anzubieten. Das könnten Ergänzungsmaterialien sein, Wörterbuch- und Sachinformationen im Kontextmenü und Differenzierungsangebote.

Dialoge würden anders als in unseren gegenwärtigen Büchern zunächst in kleinen Videoclips angeboten und nicht in Textform. Texte sollten abrufbar sein, so dass Schüler mitlesen oder -sprechen können. Sie sollten auch so angeboten werden, dass Schüler ähnlich wie in Playstation Singstar oder Karaoke, eine Rolle im Dialoge mit Prompts als Hilfe übernehmen können, wenn sie alleine üben wollen. Es wäre noch weit mehr möglich in diesem oder ähnlichen Formaten, interaktive Übungen mit Feedback, kreative Angebote, Inhalte innerhalb des „Buches“ zu erstellen, ähnlich wie bei Scrapblog, Bildergeschichten zu Texten zu basteln und so weiter. Die Firma, die hinter dem Konzept steht und die Plattform für Firmen wie Waitrose oder Magazine bereitstellt, Ceros scheint sich mit Bildungsinhalten allerdings nicht zu beschäftigen. Bei Akili sagte man mir 2009, man könne Inhalte ähnlich darstellen.

In einem elektronischen Format wie dem von Ceros könnte man also durchaus interessantere, schüleraktivierendere Englischbücher erstellen. Auch für andere Fächer wäre das Konzept gut vorstellbar, denn auch die Bücher anderer Fächer glänzen nicht unbedingt durch weniger Gähneffekte. Alles was es außerdem braucht, ist noch ein elektronisches Gerät zur Darstellung, ein Notebook, Tablett-Computer oder was immer sonst demnächst in den Schulen als Begleiter der Schüler anzutreffen sein wird.

Wer so weit denkt, der wird sich fragen, ob es der Schulbücher überhaupt noch bedarf. Die Frage habe ich mir natürlich auch gestellt.

Wir brauchen keine Schulbücher – aber etwas brauchen wir

Schule braucht didaktisch aufbereitetes Material. Es braucht dieses nicht immer, doch in Teilbereichen wird es nicht ohne gehen. Mein Fach Englisch ist ein solcher Bereich. Warum? Fremdsprachenlerner wachsen erwerben Fremdsprachen in Deutschland als Zweitsprache und fangen damit recht spät an. Ein Vergleich zum Erwerb der Muttersprache ist nicht möglich. Zwar versucht man nach neuerer Didaktik genau dieses, nämlich sich an einen natürlichen Spracherwerb anzulehnen, doch die geringe Wochenstundenzahl Englischunterricht macht ein echtes Eintauchen in die Sprache kaum möglich. Selbst bilinguale Schule kommen nur ein Stück an einen natürlichen Spracherwerb heran, allerdings deutlich näher als nicht bilinguale Schulen.

Es gibt durchaus Lernmaterial aus englischsprachigen Ländern, das dem Lernniveau unserer Schüler entspricht. Für unsere Schüler passt es trotzdem nicht und je älter unsere Schüler sind, umso weniger passt es. Lernmaterialien als englischsprachigen Ländern orientieren sich am Lernalter von Kindern, die in diesen Ländern aufwachsen, und die sind von ihrem Lebensalter um mindesten zwei Jahre unter dem Alter, mit dem unsere Schüler beginnen, Englisch zu lernen. Gerade da sind die Unterschiede in Bezug auf Inhalte jedoch gigantisch. Was ein vierjähriges Kind in England oder den USA fesselt, interessiert einen Grundschüler in Deutschland genauso wenig wie einen Grundschüler in einem englischsprachigen Land. Da unsere Schüler Englisch weitaus langsamer lernen als englische Kinder, weitet sich die Kluft der Interessen mehr und mehr.

Wir brauchen also didaktisiertes Material, das heißt, Material, welches sowohl authentisch ist, als auch dem Lernniveau der Schüler angemessen. Es muss ihnen das Gefühl vermitteln, es mit echter, gelebter englischer Sprache zu tun zu haben, ohne sie zugleich zu überfordern. Richtig ist der heutige didaktische Ansatz, dass ein Sprachlernender nicht unbedingt jedes Wort verstehen muss, denn das lässt sich auch in Realität nie ausschließen.

Das „Schulbuch“ der Zukunft

Für mich ist das Lernen der Zukunft modular aufgebaut. Der Nachfolger des Schulbuches ist ein modulares Angebot. Ziel des Englischunterrichtes wird auch in Zukunft der Erwerb dieser Fremdsprache sein. Der Fremdsprachenlerner soll zunehmend in der Lage sein, in der Fremdsprache zu kommunizieren, Informationen zu finden, Zugang zu einer fremden Kultur erlangen und natürlich in die Lage versetzt werden, an der fremden die eigene Kultur zu reflektieren. Außerdem sollte der Fremdsprachenlerner zunehmend über die Methoden verfügen, sich sprachlich eigenständig weiterzuentwickeln und sogar andere Sprachen zu lernen.

Ich stelle mir vor, dass Schule Schülern eine Lernumgebung für die Fremdsprache zur Verfügung stellt. Das kann eine Plattform sein oder ähnlich. Es wird ein Nachfolger des Buches sein. Hier stellt der Lehrer Schülern entsprechend ihren Lernniveau Module zur Verfügung. Es gibt ein Fundamentum, welches für alle verbindlich ist, um sicherzustellen, dass alle in eine Richtung gehen und bei einem groben Thema sind. Das muss sein, denke ich, denn Sprache muss in Kommunikation verwendet werden und sollte auch gesprochen werden von Angesicht zu Angesicht. Kommunikation innerhalb einer Lerngruppe setzt voraus, dass es ein gemeinsames Thema gibt. Das Fundamentum sollte seine Inhalte so anbieten, dass möglichst viele Wahrnehmungskanäle angesprochen werden. Alle Inhalte sollten deshalb in verschiedenen Formen vorliegen, so dass Lerner wählen können. Zum Fundamentum kommt hinzu ein Additum, das eine inhaltlich differenzierende Vertiefung erlaubt.

Gerade das Angebot aller Inhalte über verschiedene Kanäle halte ich für sehr wichtig, denn zum einen lernen Menschen verschieden, auch Fremdsprachen, und zum anderen erlaubt es so endlich dem Lehrer, als Sprachmodell zurückzutreten.

Ich habe das Thema eigentlich nur angerissen. Man kann da noch eine Menge hinzufügen. Mir ging es hier um eines, vor allem, darum dass unsere Schulbücher schon lange nicht mehr zeitgemäß sind und lernergerecht ohnehin nicht. Sie verführen nicht nur uniformem linearem Lehren und Lernen, sondern drängen oft sogar noch dazu.

Ausblick

Vielleicht langweilen mich unsere Bücher auch, weil ich selbst viel in der Welt des Web 2.0 unterwegs bin. Dass wir unsere Kinder, deren Gehirne ohnehin anders ticken, mit diesen Büchern nicht mehr vom Hocker reißen können, wundert mich selbst deswegen schon lange nicht mehr und ich versuche, das Angebot anzureichern, wann immer ich kann.

Schulbücher, die in Anlehnung an das Waitrose Magazin gestaltet sind, könnten ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Schulen oder Fachkonferenzen könnten auch hier aus einem Angebot wählen, welche Inhalte, Übungen und sonstigen Materialien sie für ihre Lerner haben wollen, und sich so ihre schuleigenes Buch zusammenstellen.

Da innerhalb der nächsten zehn Jahre ein elektronischer Begleiter ohnehin in die Hand eines jeden Schülers kommen wird, bin ich optimistisch, dass auch das alte beschränkte und starre Papierbuch uns nicht mehr lange langweilen wird und freue mich auf eine neue individuellere und anregendere Form des Lernens.

Ergänzungen

(@SchleicherEDU) schreibt im Mai 2010 in seinen Thesen zur Zukunft der Bildung: „Neue Technologien können dabei neue Perspektiven eröffnen: Sie schaffen authentische Kontexte die viel spannender sind als langweilige Schulbücher.“ Herr Schleicher trifft den Nagel auf den Kopf. Authentische Kontexte braucht das Lernen, nicht die abgestandenen oft lebensfernen Angebote aus Schulbüchern. In einer Zeit, in der die Entwicklung sehr schnell ist und die Halbwertzeit von Wissen schrumpft, kann das Papierbuch einfach nicht mehr mithalten.

Siehe auch Schulbücher und ihre Zukunft bei Monsieur Becker und Schulbücher und freie Unterrichtsmaterialien (und mein Kommentar dort) bei Herrn Larbig.

Folgen einer verfehlten Einstellungspolitik

Posted in Alltag, Schulpolitik by damianduchamps on Mai 6, 2010

An meiner Schule, einer Hauptschule überwiegen die älteren Kolleginnen und Kollegen deutlich, und das bereitet mir seit geraumer Zeit Sorgen. Als ich vor fast 11 Jahren an die Schule kam, war ich mit 35 Jahren fast der Jüngste. Es kamen dann zwar noch einige wenige Jüngere hinzu in den folgenden Jahren. Am Übergewicht der „Alten“ änderte das nichts. Für mich war dieser Zustand Grund, mir die Zahlen der Altersverteilung von Lehrer an Schulen in NRW einmal genauer anzusehen.

In vielen Kollegien deutscher Schulen ist der Altersdurchschnitt erschreckend hoch. Das ist mittlerweile wirklich keine Neuigkeit mehr. Schon 2004 waren knapp die Hälfte (47,2%) aller rund 150.000 hauptberuflichen Lehrer in NRW 50 Jahre oder älter (1). Zu Beginn des aktuellen Schuljahres hat sich die Lage nicht verbessert. Im Gegenteil, der Anteil dieser Altersgruppe stieg auf  51,42% an. Insgesamt sieht es in NRW zu Beginn des aktuellen Schuljahres 2009/2010 mit der absoluten Altersverteilung an den verschiedenen Schulformen aus wie folgt (2):

Aus den Gesamtdaten habe ich zur Verdeutlichung ein Diagramm erstellt:

Wie man im Diagramm deutlich sieht und auch in der Tabelle an den Prozentwerten ablesen kann, sind an allen Schulformen zusammen genommen mehr als die Hälfte aller Lehrerinnen und Lehrer 50 oder mehr Jahre alt. An den Hauptschulen sieht es es besonders dramatisch aus. Hier liegt dieser Wert sogar bei 63,74 %. Das war mir bisher nicht bekannt. Erklärbar ist der Wert schon. Einmal spiegelt die Altersverteilung wie an allen Schulen den Einstellungsstop in den Achtzigern wieder. Dann findet sich darin auch die Schulpolitik der Partei wieder, die vor der aktuellen Landesregierung über Jahrzehnte die Schulpolitik in NRW bestimmte. Während ihrer langen Regierungszeit hungerte die SPD die Hauptschulen systematisch aus, da sie nicht ins ideologische Konzept passten. Mit schwindendem Ruf sanken die Anmeldezahlen und damit der Lehrerbedarf. Neueinstellungen junger Lehrer fanden kaum noch statt.

An meiner Hauptschule sieht die Altersverteilung eher noch ungünstiger aus. Fast die Hälfte aller Lehrerinnen und Lehrer wird in den kommenden 10 Jahren pensioniert.

Für mich sind mit der gegenwärtigen Altersverteilung verschiedene Probleme verbunden.

  1. Ältere Lehrer neigen eher zu krankheitsbedingten Ausfällen. Viele Vertretungsstunden sind die Folge.
  2. Krankheitsbedingte Ausfälle älterer Lehrer dauern häufig länger als bei jüngeren Lehrern. Ersatz bei längerfristigen Erkrankungen ist von den Schulämtern oft nicht zu bekommen. In Folge kommt es zu mehr Vertretungsstunden auf lange Zeit oder Streichungen im Stundenplan.
  3. Mit zunehmendem Alter sinkt die Belastbarkeit vieler Lehrern deutlich ab. In Folge steigt das Ausfallrisiko. Die Bereitschaft zu zusätzlichem Engagement sinkt, wie man verstehen kann.
  4. Leider schwindet mit zunehmendem Alter bei vielen Lehrern auch der Zugang zu jungen Menschen.
  5. Lehrer, die nicht weit vom Ende ihrer beruflichen Laufbahn entfernt sind, können und wollen sich oft nicht mehr professionell weiterentwickeln. Hier stagniert Schulentwicklung am ehesten.

Für eine Schulform wie die Hauptschule, bei der der Anteil an Erziehungsarbeit im Unterricht einen deutlich größeren Umfang als an anderen Schulformen einnimmt, ist die Altersverteilung mehr als ungünstig. Gerade die Schule, die die schwierigsten Schüler hat, braucht die belastbarsten Lehrer. Die aber hat diese Schulform nur in unzureichendem Anteil.

Was mir persönlich große Sorgen bereitet, ist das Thema Erfahrung. Zwar mögen ältere Kollegen nicht mehr so leicht zu bewegen sein, eine Schule zu verändern, doch sie verfügen über ein Kapital, das für jede Schule von enorm großer Bedeutung ist, Erfahrung. Mit der anstehenden Pensionierungswelle – und eine Welle wird es werden – bricht der Hauptschule und auch den meisten anderen Schulformen die Erfahrung in kurzer Zeit weg. Die Erfahrung aus 30 Jahren Schuldienst ist nicht vergleichbar mit 10 oder 15 Jahren aktiver Unterrichtszeit. Mit einem Mal rutscht die kleine Gruppe der jetzt Mitte Vierzigjährigen die Abteilung Alter und Erfahrung. In Folge wird man auch die Mitglieder dieser Gruppe vermehrt in Schulleitungsrollen drängen, ob sie wollen oder nicht. Alles das finde ich sehr besorgniserregend.

Was man an dem Diagramm oben übrigens noch gut sehen kann, ist die insgesamt schrumpfende Zahl der Lehrkräfte. Bei den derzeit jungen Lehrern tut sich bereits ein riesiges Loch auf. Und es fehlt der Nachwuchs. Wie passend kommen da Studien, die zeigen, dass kleinere Klassen keine Vorteile bringen – Kleine Klassen bringen wenig (Tagespiegel 20.04.2010).

Wer die Tabelle als Google Doc ansehen möchte: http://bit.ly/lehreralter20092010

Schulisches Innovationspotential ist begrenzt

Posted in Schulentwicklung by damianduchamps on Mai 4, 2010

Von Seiten der zuständigen Ministerien ist Schulentwicklung zwar erwünscht, wird aber als solche nicht dirigistisch vorangetrieben. Aus offiziellem Schriftwerk wird deutlich, dass man in NRW z.B. sehr stark auf Herrn Klippert und seine Methoden setzt, doch niemand schreibt vor, dass alle nun danach arbeiten müssen. Stattdessen setzt man allgemein verbindliche Standards und entlässt die Schulen in (vermeintliche) Eigenständigkeit. Dass Schulen etwas unternehmen, um die Standards zu erfüllen, versucht man mittels der QA ein wenig zu forcieren. Schule muss sich also von innen heraus wandeln.

Doch wer Schule von innen heraus verändern will, der steht vor einem riesigen Problem – schulisches Innovationspotential ist begrenzt. Das ist nicht neu und ich habe es vor Jahren einmal mehr auf einem mehrtägigen Seminar mit dem Unternehmensberater Klaus Dyrda gehört, den die Landesregierung NRW durch die Lande schickte, um Fortbildungen zum Thema Schulentwickung zu machen.

Jetzt, wo meine eigene Schule in ihrem zweiten Versuch steckt, sich zu verändern, erinnerte ich mich wieder daran. Dyrda und Partner waren durch diverse Untersuchungen darauf gekommen, dass Schulen wesentlich weniger innovatives Potential haben als man erwarten würde, erschreckend wenig. Es waren pro Lehrer der Schule nur wenige Stunden im ganzen Schuljahr. Verschiedene Faktoren sind dafür verantwortlich, allen voran die Belastung durch Arbeit und Familie. Wer fünf oder sechs Korrekturen hat, Klassenlehrer ist und dazu noch Hausfrau oder Familienvater, dem bleibt nur wenig Zeit, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, sowohl praktisch als auch im Kopf. Für Schulleitungen gilt Ähnliches. Unterricht und administrative Aufgaben, die mit dem Konzept eigenständige Schule eher zunehmen, belegen den Terminplan nahezu komplett.

Und trotz allen dem schaffen es einzelne Schulen doch, sich durch Innovation zu verändern. Das ist erstaunlich und grenzt schon fast an ein Wunder. Wie gelingt es ihnen? Verschiedene „Erfolgs“-Szenarien sind vorstellbar, die auch in Koppelung möglich sind.

  1. Schulleitung hat den Willen, Schule zu verändern, arbeitet mehr als das Soll und schafft sich zusätzliche Freiräume, indem Aufgaben delegiert werden.
  2. Eine Minigruppe von Idealisten und Masochisten opfert sich, um Entwicklung zu betreiben und in ihre Schule zu tragen.
  3. Es gibt genug junge, motivierte Lehrerinnen und Lehrer, die meist noch ohne Familie sind, und ihre Schule verändern wollen.
  4. Die Schule hat eine Steuergruppe, die motiviert ist, und durch Umverteilung von Entlastungsstunden ausreichend Freiraum hat, eine Entwicklung in Gang zu bringen.
  5. Innovative Lehrer vernetzen sich untereinander, auch über die Schule hinaus und bündeln ihre Kräfte. Nicht jeder muss so das Rad neu erfinden. Synergieeffekte kommen zum Tragen.

Ich denke, von allen fünf Szenarien ist nur die Vier alleine für sich als Einzelstrategie erfolgversprechend. Eins und Zwei werden für sich gestellt wenig Aussichten auf Erfolg haben, also eher scheitern. Die Drei hat ebenfalls gute Chancen, die Fünf alleine vermutlich eher weniger. In Kopplung steigen die Chancen auf Erfolg dann jedoch deutlich, vor allem wenn die letzten drei Szenarien kombinieren werden.

Aus eigener Erfahrung kann ich das bestätigen, auch wenn die Mitglieder der Steuergruppe meiner Schule kaum über Entlastungen verfügen. Es gab eine kleine Gruppe von Lehrerinnen und Lehrern, die Bedarf für Veränderungen sah und Veränderungen wollte. Eine Steuergruppe wurde gebildet. In dieser gibt es eine Arbeitsteilung in Abhängigkeit vom Freiraum, den die einzelnen für Innovation haben. Die Vordenker und – arbeiter legen vor, erstellen Konzepte und treiben die gemeinsame Entwicklungsarbeit voran, und über die Vernetzung nach außen bringen sie neuen Input für die weitere Arbeit in die Schule hinein. Gemeinsam baut die Steuergruppe dann darauf auf und bringt die Konzepte zu Reife und von dort zur Umsetzung.

Ich kann mir vorstellen, an anderen Schulen verlaufen Innovationsprozesse ähnlich, oder vielleicht auch ganz anders?

Kinder wollen lernen

Posted in Gelesen by damianduchamps on Mai 3, 2010

Auf den Text „Was unsere Kinder lernen wollen“ stieß ich über (@schb) und weil mir vor allem ein Ausschnitt darin gut gefällt, habe ich ihn hier festgehalten. Man kann es einfach nicht besser sagen, auch wenn es schon so oft gesagt wurde.

„Die ersten fünf Lebensjahre machen zeitlich etwa ein Drittel der Kindheit aus. In diesen wenigen Jahren durchlaufen die Kinder deutlich mehr als die Hälfte ihrer gesamten Entwicklung. In den ersten fünf Lebensjahren eignen sich die Kinder ein bis acht Wörter pro Tag an. Ihr Wortschatz wächst bis zum fünften Lebensjahr auf 1500 bis 8000 und mehr Wörter an. Zusätzlich machen sich die Kinder mit den grammatikalischen Regeln der Wort- und Satzbildung vertraut. Kleine Kinder sind Lerngenies. Dabei sind sie in keine Schule gegangen und hatten keine Prüfungen zu bestehen. Warum soll dieses beeindruckende Lernvermögen den Kindern mit dem Eintritt in die Schule plötzlich abhandengekommen sein? Warum sollen sie nur noch unter strengster Anleitung von Erwachsenen lernen und sich weiterentwickeln können? Eigentlich wollen die Kinder immer noch lernen – aber auf ihre Weise.

Und wenn man das so liest, dann kann man sich nur fragen, wieso wir den Kindern das Lernen so dermaßen vermiesen müssen. Warum, warum, warum …?

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Google Docs – ein Meilenstein für Schule

Posted in Tools by damianduchamps on Mai 1, 2010

Für mich stellt Google Docs, seit es in seinem Funktionsumfang kürzlich mit Features von Etherpad erweitert wurde, einen echten Meilenstein für die Umsetzung von kollaborativem Arbeiten in der Schule dar. Vielen, die von Google Docs gehört haben, ist das, glaube ich, noch nicht klar – und viele mehr wissen nicht einmal, dass es dieses Programm und diese Möglichkeiten überhaupt gibt. Naja, wer hat überhaupt je schon von kollaborativem Arbeiten gehört?

Meine ersten Erfahrungen mit echtem kollaborativem Arbeiten liegen schon fast sieben Jahre zurück. Damals gab es auf dem Mac ein kostenloses Programm mit dem Namen Hydra, später SubEthaEdit. Mit einer Schülergruppe erstellte ich ein Drehbuch für einen Film. Die Schüler saßen dann an drei oder vier Macs und über das lokale Netz konnten alle gemeinsam, zeitgleich am Drehbuch arbeiten. Jeder schrieb seine Rolle und legte ihren Text fest. Die verschiedenen Schreibenden waren an ihren Textfarben zu unterscheiden. Das fertige Drehbuchstück wurde dann jeweils in eine Textverarbeitung kopiert und dort abgespeichert. Seit ich dieses Programm kennengelernt hatte, träumte ich davon, so etwas auch für anderen Unterricht einsetzen zu können, mit mehr Schülern und plattformunabhängig.

Das Programm, welches als erstes in diese Richtung ging, war Etherpad, das ich in seiner Beta kennenlernte. Ich habe es auch genutzt für verschiedene kleinere Unterrichtsprojekte, wünschte mir aber schon noch mehr, eine bessere Möglichkeit, online erstellte Dokumente zu verwalten und einige wenige Formatierungsmöglichkeiten.

Google Docs ist endlich das, was ich suche. Es bietet eine sehr einfache Textverarbeitung mit den gängigsten Formatierungen und einer Rechtschreibkorrektur. Dokumente lassen sich in Ordnern ablegen und verwalten. Freigaben sind einfach zu handhaben. Es gibt eine Versionskontrolle.

Bis zu 50 User können zeitgleich an einem Dokument arbeiten und Beiträge ihrer Mitautoren in Echtzeit verfolgen. Dateien lassen sich in Formaten, die z gängigen Office-Lösungen kompatibel sind, online und lokal abspeichern. Es ist möglich, Dateien vom Rechner auf Google Docs hochzuladen. Google Docs ist plattformunabhängig. Mitautoren müssen nicht über einen Google Account verfügen, um mitarbeiten zu können. Die Webadresse des Dokuments reicht.

Was mir besonders gut an Google Docs gefällt und was es so wertvoll für Schule macht, sind zwei Dinge. Es ist kostenlos und es ist sehr niederschwellig angelegt. Selbst User mit geringen Vorkenntnissen können es leicht bedienen. Alles, was ein Lehrer benötigt, der es im Unterricht einsetzen möchte, ist ein eigener Google Account. Das Anlegen und Einpflegen von Schüler-Usernamen und Kennwortlisten entfällt.

Google Docs bietet als weiteren Vorteil Schülern wie Lehrern die Möglichkeit, von zu Hause direkt auf die Dokumente zugreifen zu können.

Natürlich hat Google Docs auch Nachteile. Es ist von einer funktionierenden und guten Internetverbindung abhängig und es bietet einen deutlich geringeren Funktionsumfang als lokal installierte Textverarbeitungen. Außerdem ist es möglich, dass bei anonymem Zugriff (User ohne Anmeldung und Nutzerkennung) ein einzelner Schüler die Arbeit einer ganzen Gruppe an einem Dokument zu Fall bringen kann, indem er etwa immer wieder alles löscht oder Unsinn schreibt. In einem PC-Raum mit 15 Arbeitsplätzen kann der Übeltäter schwierig zu lokalisieren sein,  wenn er Unterstützung aus der Lerngruppe hat. Meiner Erfahrung nach kommen solche Fälle aber eher selten vor. Insgesamt überwiegen die Vorteile, die sich durch kollaboratives Schreiben ergeben deutlich.

Damit das gemeinsame Schreiben und Überarbeiten erfolgreich verläuft, braucht es gewisser Regeln, um das Chaos zu vermeiden, welches sich einstellen kann, wenn Schülergruppen noch keine Erfahrung mit kollaborativem Arbeiten haben. Ein Beispiel für solche Regeln finden sich in dem hervorragenden Blogpost von Maik Riecken, Deutsch kollaborativ mit GoogleDocs, auf den ich über einen Tweet von @MatthiasHeil stieß.

Mit dem hier beschrieben stellt Google Docs für mich die wichtigste Neuerung des Jahres 2010 von für Schule und Unterricht interessanter Software dar. Ich halte dieses Angebot wirklich für einen Meilenstein auf dem Weg zu einem Unterricht, der die Möglichkeiten des Netzes gewinnbringend umsetzten möchte.

Aus diesem Grund werde ich dieses Tool ab sofort in meinen Fortbildungen so vielen Lehrern wie möglich ans Herz legen, vor vielen anderen Lösungen.

Google Docs wird sich weiterentwickeln. Schon jetzt ist es von dem ursprünglichen Onlineeditor Writely, aus dem es entstand, nachdem Google diese Software erwarb, weit voran geschritten. Der heutige Stand wird nicht das Ende sein. Und auch die Konkurrenz schläft nicht. Mircsoft geht mit Microsoft Docs unter http://docs.com an den Start. Dieses ist eine Online-Lösung die mit der Desktopversion von Office 2010 verknüpft zusammenarbeiten soll. Über Facebook und lokale Netzte von Office Anwendern soll es möglich sein, Dokumente mit Facebook Kontakten und Mitarbeitern zu teilen. Das ist aber noch weit hinter Google Docs zurück. Für Schulen ist dieses Angebot damit noch nicht interessant. Man darf gespannt sein, wie sich der Markt für kollaborative Dokumentbearbeitung entwickeln wird.

Mit Online Tabellenkalkulation, Formularen, Mindmaps, Bild-, Audio- und Videobearbeitung eröffnet sich ein ganz neuer Horizont für Schule und Unterricht. Aber dazu mehr in einem anderen Post.

Siehe auch Kollaboratives Schreiben auf Wikipedia