Damian Duchamps' Blog

Rechtliche Hürden der Mediennutzung im Lehreralltag

Posted in Medienwelt by damianduchamps on November 21, 2010

Mediennutzung bewegt sich im schulischen Alltag oft in einer rechtlichen Grauzone. Aus diesem Grund verbindet sich für viele Lehrer die Mediennutzung häufig mit einem Gefühl der Unsicherheit oder auch der Angst, etwas Illegales zu tun. Manch einer verzichtet zum Teil aus genau diesem Grund auf eine häufigere Mediennutzung. Andere ignorieren rechtliche Aspekte und tun und lassen schon seit Jahren oder Jahrzehnten, was sie wollen, denn gezielte Kontrollen gibt es zum Glück bisher nicht. Ich frage mich allerdings schon seit langer Zeit, ob es notwendig ist, diesen Zustand auf Dauer beizubehalten. Eine deutliche Veränderung des Copyright zu Gunsten der Bildung scheint mir dringend notwendig. Bisherige Gesetzesinitiativen gingen eindeutig nicht weit genug, da die Interessen der Rechteinhaber von der Politik deutlich stärker bewertet wurden.

Im Unterrichtsalltag können Medien eine Bereicherung sein, um Inhalte zu transportieren. Verwendung finden sie an vielen Stellen von Seiten der Lehrer wie auch Schüler.

Für mich trennt sich die Welt dieser Medien grob in zwei Bereiche, die kommerzielle, von den Bildungsverlagen bereitgestellte und die andere.

Mit Ersterer habe ich keine Probleme. Die Produktion von Medien kostet in der Regel Geld und je anspruchsvoller die Medien sind, umso teurer ist ihre Herstellung. Das gilt für Bildmaterial wie auch für Audio-und Videomaterial oder Animationen. Bildungsverlage investieren in die Produktion und müssen entsprechend über Lizenzgebühren oder einen Kaufpreis entlohnt werden. Das sehe ich ein und das respektiere ich.

Da ist dann aber auch noch der andere Bereich, der Bereich der Medien, welcher nicht speziell von Bildungsverlagen für Bildung produziert wird. Natürlich werden Medien auch hier nicht ohne Einsatz von Geldmitteln produziert. Eine Ausnahme mögen vielleicht die Produktionen von Privatleuten sein, die dieses zum Privatvergnügen oder zum allgemeinen Wohl erstellen.

Eine Quelle für Medien sind seit Jahrzehnten Fernsehen und Radio und seit einigen Jahren auch die Onlineportale derselben. Hier finden sich sowohl speziell für Bildung erstellte Inhalte wie auch Inhalte, welche für ein allgemeines Publikum bereitgestellt werden. Für Bildung ist die Verwendung dieser Inhalte nicht uneingeschränkt möglich. Für mich ist das ein Unding. Folgt man den Regeln, die vom Gesetzgeber vorgegeben sind, darf man Sendungen aus dem Fernsehen wohl aufnehmen und speichern, muss dabei jedoch genau beachten, in welchem Rahmen man sie vorführt und wann sie wieder zu löschen sind. Einige der Regeln wurden in den letzten Jahren zwar gelockert, doch für meinen Begriff sind die Vorgaben noch immer viel zu eng. Viele Pädagogen sind deswegen genau genommen Straftäter. Momentan dürfen aus dem Fernsehen aufgenommene Inhalte genau ein Jahr lang aufbewahrt werden ab letztem Sendetermin. Danach ist der Pädagoge zur Löschung verpflichtet. Eine Ausnahme gilt nur dann, wenn der gespeicherte Inhalt weiterhin im Sendeprogramm des Ursprungssenders verfügbar ist, also z.B. kurz vor Ablauf von 12 Monaten wieder einmal gesendet wird. Zwei Sender der ARD, WDR und SWR kooperieren hier sehr vorbildlich, um Pädagogen eine langfristige Speicherung zu ermöglichen. In einem Jahr hat der eine Sender die Sendung im Angebot und im darauf folgenden Jahr der andere. Leider trifft dieses nur für einen ganz kleinen Teil aus dem großen Angebot an für Bildung brauchbaren Materialien zu. Hat ein Lehrer beispielsweise einen interessanten Beitrag aus dem Bereich Naturwissenschaften oder Geschichte oder Politik aufgenommen und gespeichert und dieser wird vor Ablauf eines Jahres ab Sendetermin nicht erneut gesendet, was eher die Regel ist, so verpflichtet ihn der Gesetzgeber zur Löschung des Inhalts. Pädagogen sind, was Medien angeht, eher Sammler und Jäger. Das ist eigentlich vernünftig. Habe ich beispielsweise einen guten Film gefunden und dieser hat sich im Unterricht bewährt, so macht es für mich keinen Sinn, den Film zu löschen, da ich dann nicht mehr auf ihn zugreifen kann. Unterrichtsmaterial, welches ich in genauer Abstimmung auf das Filmmaterial erarbeitet habe, würde damit hinfällig.

Dass bei dieser Regelung natürlich die Interessen der Rechteinhaber berücksichtigt wurden, ist klar. Bildungsverlage haben kein Interesse an einer Konkurrenz. Die öffentlich-rechtlichen Sender produzieren konkurrierendes Material. Meiner Meinung nach ist es jedoch keine Lösung, Pädagogen bei der Nutzung des Materials der öffentlich-rechtlichen Sender zu gängeln. Viel eher sollte die Industrie sich dem Wettbewerb stellen und besseres Material produzieren und es eventuell auch über bessere Preise in größerem Umfang abzusetzen.

Material, welches von den öffentlich-rechtlichen Sendern produziert wurde, ist von der Öffentlichkeit bezahlt, und die Öffentlichkeit sollte auch alle Rechte daran haben, diese Materialien ohne jegliche Einschränkung im Bildungsbereich einzusetzen. Das gilt sowohl für Video- als auch Audio- und Bildmaterial oder Animationen.

Die Länder versuchen hier ein wenig Abhilfe zu schaffen mit dem System EDMOND, einer Online Medien on Demand Plattform. Dieses ist die Nachfolge des Medienangebots in Form physikalischer Medien bei den Bildstellen und Medienzentren in Städten und Kreisen. Mit dem Angebot in EDMOND hat es allerdings seine Tücken. Das Angebot ist mit Ausnahme der Landeslizenzen regional beschränkt. Das bedeutet, wenn eine Stadt oder ein Kreis entsprechend vermögend ist und Geld in Lizenzen investiert, so steht den Lehrern der jeweiligen Stadt beziehungsweise des jeweiligen Kreises ein großes Medienangebot zur Verfügung. Anders sieht das jedoch dort aus, wo kein Geld vorhanden ist, oder man nicht bereit ist, die hohen Kosten für EDMOND Lizenzen zu tragen. Dort ist das Angebot gering. Insgesamt ist das Angebot an Medien bei EDMOND ohnehin recht bescheiden, vergleicht man es mit dem üppigen Angebot außerhalb der Plattform. Die Plattform ist ein lobenswerter Versuch, scheitert jedoch an verschiedenen Punkten. EDMONT ist ein Projekt der Bundesländer und leidet genau darunter. Die Plattform stellt den kleinsten gemeinsamen Nenner dar, auf welche sich die Experten der Länder einigen konnten. Was wirklich möglich wäre, lässt sich nicht realisieren, da die Vorstellungen der Bundesländer nicht unter einen Hut zu bringen sind. Abhilfe würde hier nur schaffen, die Plattform dem Bund zu unterstellen. Der nächste Punkt, an dem es hakt, sind auch hier die Lizenzen. Wer als Lehrer Materialien herunter lädt, erhält Materialien mit einem Verfallsdatum. Sobald die Lizenz abgelaufen ist, etwa die Lizenz, welche der Kreis, in welchem die Schule beheimatet ist, erworben hat, so muss der Lehrer das Medium von seinem Rechner löschen. Das größte Problem, welches die Plattform hat, stellt meiner Meinung nach die Konkurrenz von außerhalb der Plattform dar. Mittlerweile gibt es im Internet ein gigantisches Angebot an Material, ob Film, Bild oder Ton, zu jedem Gebiet. Es ist oft leicht zu finden und häufig auch ohne Probleme herunter zu laden. Kritiker werfen oft ein, dass die Qualität nicht über alles gewährleistet ist. Das stimmt sowohl in Bezug auf die inhaltliche als auch die technische Qualität dieser Medien. Wenn eine Plattform wie EDMOND mit umsonst konkurrieren muss, ist klar, wer gewinnt, wenn die Bedingungen auf der Plattform selbst wie zuvor beschrieben sind. Wäre EDMOND leichter benutzbar und vor allem durchsuchbar wie etwa YouTube und das Angebot entsprechend vielfältig und für alle Nutzergruppen gleich, so wäre EDMOND für Lehrer die erste Wahl. Da dieses nicht so ist, dümpelt die Plattform der Länder seit Jahren vor sich hin. Sie wird viel beworben, findet jedoch aufgrund der beschriebenen Mängel keine Nutzer.

Ein anderer Bereich, der für mich im Argen liegt, ist Bildmaterial. Es versteht sich von selbst, dass es nicht rechtmäßig ist, Material aus Druckwerken zu kopieren, die von Bildungsverlagen erstellt wurden und nicht als Kopiervorlagen vorgesehen wurden. Andere Materialien, aus Büchern, die nicht für den Bildungsbereich speziell erstellt wurden, aus Zeitschriften und Zeitungen und anderen Druckwerken sollten für Bildung frei nutzbar sein. Es reicht, wenn die Zielgruppen, für welche diese Materialien gedruckt werden, dafür bezahlen. Deshalb sehe ich kein Problem darin, wenn Pädagogen etwa Fotos, Skizzen, Illustrationen und Zeichnungen für Arbeitsblätter verwenden. Im Alltag wird dieses vielfach praktiziert. Der Pädagoge bedient sich dort, wo er das findet, was er benötigt. Er bewegt sich dabei jedoch rechtlich in einer Grauzone. Im Tagesgeschäft macht man sich darum wenig Gedanken. Ganz anders verhält sich das jedoch in dem Moment, wo ich mein Material mit dem Kollegen einer anderen Schule austauschen möchte oder gar auf einer Onlineplattform für andere Lehrer zum Download anbieten möchte. Viele exzellente Arbeitsmaterialien, welche von Lehrern erstellt wurden, schlummern deswegen in irgendwelchen Schubladen oder auf irgendwelchen Festplatten und können anderen Lehrern nicht zur Verfügung gestellt werden, da sich alternatives Bildmaterial, ohne einschränkende Rechte, nicht findet. Nicht jeder Lehrer ist ein Künstler oder hat die Zeit, solche Medien selbst zu erstellen. Solange der Pädagoge mit seinen Arbeitsmaterialien keine finanziellen Ziele verfolgt und sie kostenfrei zur Verfügung stellt, sollte es möglich sein, jegliche Materialien, solange sie nicht speziell für Lehrwerke produziert wurden und mit entsprechenden Rechten behaftet sind, zu verwenden, auch Texte.

Ich denke, es wäre an der Zeit, das Copyright in Bezug auf Nutzung im Bildungsbereich noch einmal deutlich zu überarbeiten und zu vereinfachen. Deutschland will eine Bildungsrepublik sein. Zur Bildung werden Medien benötigt. In diesem Fall darf die Politik sich nicht zum Lakaien der Rechteinhaber machen und vor allem deren Interessen vertreten. Mit Bildung lässt sich Geld verdienen, und das ist auch in Ordnung so. Bildung ist ebenfalls nicht umsonst zu haben. Trotzdem sollte in Bezug auf das Copyright ein deutlicher Unterschied gemacht werden zur Nutzung durch Konsumenten oder gewerbliche Nutzung. Staatliche Bildungsinstitutionen sollten das uneingeschränkte Recht haben, jegliche Medien im Rahmen ihres Bildungsauftrages in jeglicher Form zu verwenden und untereinander auszutauschen. Ausgenommen von diesem Recht sollten lediglich die Produkte sein, welche von Bildungsverlagen zur Verwendung durch genau diese Zielgruppe, die staatlichen Schulen, produziert werden. Copyright darf nicht so ausgelegt sein, dass diesen Verlagen, durch Beschränkung der Nutzungsmöglichkeiten von Medien, welche sie nicht erstellt haben, ein Schutz vor Wettbewerb gegeben wird. Vielmehr sollen diese Bildungsverlagen sich dem Wettbewerb stellen und durch bessere und kostengünstigere Angebote überzeugen.

Es gibt Länder, die in vielen Bereichen des Copyrights in Bezug auf Bildung deutlich fortschrittlicher sind. In den USA beispielsweise dürfen Lehrer zur Erstellung von Unterrichtsmaterial aus allen möglichen Büchern kopieren, ob es sich um Kunst Druckbände handelt, Geschichtsbücher oder Kochbücher.

Eine Lockerung des Copyright sollte auch dringend in Bezug auf online verfügbaren Medien stattfinden. Zwar gibt es mittlerweile Creative Commons, doch das Angebot dort ist noch recht beschränkt und wird nie den Umfang des gesamt verfügbaren Materials im Internet erreichen. Es gibt sogar einen speziellen Creative Commons Education Bereich und einige Lehrerportale sammeln lizenzfreies Material für ihre Mitglieder. Es reicht jedoch lange nicht aus, um das abzudecken, was benötigt wird. Wollen Schüler beispielsweise in einem Wiki, Blog, in einer online Präsentation, auf einer Webseite, in einem Podcast oder selbst erstellten Videoclip Material aus dem Internet verwenden, so machen sie sich entweder strafbar, wenn sie wahllos verwenden, was sie finden, oder müssen mit einem stark eingeschränkten, meist unergiebigem Angebot vorlieb nehmen. Natürlich sollten Schüler lernen, dass es ein Copyright gibt, welches sie als Privatpersonen oder Firmen beachten müssen, doch sollten sie als Schüler jegliche Medien zu Lernzwecken verwenden dürfen. Wenn sie beispielsweise eine Präsentation über einen beliebten Künstler oder ihren Sportverein erstellen möchten, so sollte es möglich sein, dafür Bilder und Logos und Videosequenzen, selbst von Bundesligavereinen, verwenden zu dürfen, und diese im Endprodukt auch für alle Welt sichtbar darzustellen, ohne sich strafbar zu machen. Sie verfolgen keinerlei kommerziellen Interessen, wollen die Urheber oder Rechteinhaber nicht schädigen, sondern wollen sich erproben, wollen lernen und zeigen was sie können. Solches darf nicht an einem Copyright scheitern, welches einseitig die Position von Urhebern und Rechteinhabern vertritt.

Schüler sollten in diesem Zusammenhang jedoch lernen, dass es zum guten Ton gehört, Urheber und Quellen zu benennen, wenn deren Material verwendet wird.

Beim Copyright steht, so konnte ich hoffentlich deutlich machen, eindeutig ein Handlungsbedarf, um dieses Bezug auf den staatlichen Bildungsbereich anzupassen. Die Lobby der Rechteinhaber ist stark. Sie haben das Geld, um ihre Interessen gegenüber der Politik zu vertreten. Wie so oft hat die Bildung hier kaum eine Stimme und kann sich deswegen politisch nicht durchsetzen.

Auf weitere Punkte, wie internationale Rechte bei Onlinemedien, die Nutzung von Kauf-DVDs und ähnlich und die Hürden bei der schulischen Mediennutzung durch die schulische Infrastruktur selbst, möchte ich hier nicht eingehen, da sie den Rahmen dieses ohnehin langen Beitrags sprengen würden.

Eine Antwort

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  1. Julius said, on November 22, 2010 at 10:14 am

    Staatliche Bildungsinstitutionen sollten das uneingeschränkte Recht haben, jegliche Medien im Rahmen ihres Bildungsauftrages in jeglicher Form zu verwenden und untereinander auszutauschen. Ausgenommen von diesem Recht sollten lediglich die Produkte sein, welche von Bildungsverlagen zur Verwendung durch genau diese Zielgruppe, die staatlichen Schulen, produziert werden.

    Ich finde diese Zweiteilung schwierig, denn wer sagt denn, dass zum Beispiel in Wissensmagazinen Beiträge nicht auch, wenn auch nicht unbedingt primär, für schulische Kontexte hergestellt wurden? Sollten die normalen Zeitschriftenverlage (und andere) für ihre Arbeit, die im Bildungsbereich verwendet wird, nicht auch irgendwie entschädigt werden, auch wenn sie ja ihr Geld normalerweise mit Werbeanzeigen und Zeitschriftenverkäufen verdienen? Ist es vielleicht sinnvoller, eine Art Mediennutzungsflatrate einzuführen?


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