Damian Duchamps' Blog

Lehrerfortbildung (NRW) oh mein Gott

Posted in Kompetenzen, Schulentwicklung by damianduchamps on Dezember 15, 2010

Ich bin schon selbst seit Jahren in der Lehrerfortbildung tätig. Mein Erfolg schwankt. In den letzten Jahren konnte ich meinen Erfolg nicht wirklich messen, denn es gibt kaum jemanden, so scheint es, der gegenwärtig fortgebildet werden möchte. Ich kann das gut nachvollziehen, denn wer heute Lehrer ist, wird von allen Seiten zugeworfen und ist froh, wenn dabei das eigentliche Kerngeschäft, der Unterricht nicht auf der Strecke bleibt.

Fortbildung halte ich für extrem wichtig. Ohne Fortbildung wird sich in der Schullandschaft nichts bewegen. Unterrichtsentwicklung an den Schulen braucht Fortbildung, um Lehrer professionell weiterzuentwickeln.

Auch ich möchte gerne meinen Teil dazu beitragen und glaube, vor allem durch mein Wissen im Bereich der neueren Medien im Zusammenhang mit Unterricht anderen etwas davon abgeben zu können.

Seit einiger Zeit bin ich auch, weil ich das Fach unterrichte, Fachmoderator für Englisch. Ich sehe ein, dass ich als Fachmoderator entsprechende Qualifikationen benötigte. Ja, ich bestehe sogar darauf, auf den allerneusten Stand der Fachdidaktik gebracht zu werden. Ich möchte sicher sein, meinen Kolleginnen und Kollegen das zu vermitteln, was aktuell ist und dem Stand der Forschung entspricht.

Anders als lange Jahre zuvor darf jetzt tatsächlich auch nur noch fortbilden, wer qualifiziert wurde. Bisher war das nicht so. Natürlich gibt es Fortbildungen für die so genannten Fachmoderatoren schon lange. Trotzdem tummelten sich in der Fortbildung viele, die alleine aufgrund ihres Interesses qualifiziert waren. Mit der neuen Vorgabe möchte man von Seiten der Landesregierung die Qualität der Fortbildung sichern, quasi so wie man auch auf Ebene der Schulen die Qualität von Unterricht durch Lernstandserhebungen und zentrale Prüfungen sicherstellen will. Das macht Sinn.

Kürzlich war ich selbst auf einer solchen Fortbildung für Fachmoderatoren. Es ist nicht die erste Fortbildung des Landes, welche ich erleben durfte, jedoch die erste als Fachmoderator und die erste mit dem Anspruch Qualität der Fortbildung sichern zu wollen. Rund 25 Fachmoderatorinnen und -Moderatoren saßen dort sage und schreibe sechs Personen gegenüber, welche die Veranstaltung durchführten. Später kam noch eine weitere Person hinzu, und die Person, welche verantwortlich zeichnet für diese Art von Fortbildungen, war ebenfalls den halben Tag zugegen. Die die Fortbildung durchführenden Personen, stellen wohl auch jene Personen dar, unter deren Federführung die Fortbildungsinhalte entstehen.

Im Laufe der Fortbildung hatte jede dieser Personen ihre Rolle. Jeder hatte einen Part und trug etwas vor oder leitete eine Arbeitsphase. Für mich war das der absolute Overkill. Es war nicht so, dass die Moderatoren sich nicht große Mühe mit der Fortbildung gaben. Trotzdem kam bei den Teilnehmern nicht gerade übermäßig große Begeisterung auf. Das hatte mehrere Ursachen. Die Inhalte waren nicht wirklich neu. In der Praxisphase versuchte man mit den Teilnehmern eine kooperative Lernform (wobei ich bei solchem Ansinnen mit Lehrern häufig vermute, der Fortbildende möchte sein oder ihr Moderationgeschick unter Beweis stellen). Zunächst sollten die Teilnehmer etwas in Einzelarbeit erarbeiten, dann dieses in einer ausgelosten Gruppe zusammenführen und anschließend dem Plenum vorstellen. Für den Gegenstand, um welchen es bei dieser Aufgabe ging, brachte das keinerlei Gewinn. Das Ergebnis, welches nichts anderes als exemplarische Beispiele darstellte, wurde anschließend im Plenum kleingekaut, ohne die Sache irgendwie weiter zubringen.

Zuvor hatte es schon zwei Präsentationen mit Hilfe von PowerPoint gegeben. Eine weitere folgte später. Auffällig war bei allen dreien, dass die Moderatoren nicht in der Lage waren, die Präsentierfunktion im Vollbildsmodus zu nutzen. Man war sich allerdings schon bewusst, dass die Darstellung recht klein ausfiel und fragte sogar nach, ob man es hinten noch lesen könne.

Als letztes Bonbon wurde eine ganz besondere Software vorgestellt. Es ging um eine Software, bei der man nur wenig „programmieren“ müsse. Mittels einer Präsentation, welche man sich geliehen hatte, wurde das Programm vorgestellt. Anschließend zeigte man das Programm selbst und Aufgaben, welche man damit nach Angaben der Moderatoren noch am Abend zuvor erstellt hatte. Zwei Moderatoren erklärten. Keiner von beiden schienen sonderlich gut eingearbeitet in das Programm. Zwar wurde kurz angerissen, wofür die Software zu verwenden sei, doch wie sie im Schulalltag am besten untergebracht wird, dazu gab es kaum Informationen. Anschließend wurde noch darauf hingewiesen, dass man heute auch mit der Software zu den Lehrwerken recht gut Übungen zum Ausdrucken erstellen könne, Multiple-Choice, Lückentexte, Auswahlaufgaben und ähnlich. Die Software, um welche es zuvor gegangen war, heißt Hot Potatoes. Dazu glaube ich, braucht man nichts mehr sagen.

Ich habe auch von anderen Fortbildungen zu den Kernfächern teilweise ähnlich interessante Geschichten gehört, jedoch auch positive Beispiele. Wenn ich mir allerdings vorstelle, dass viele Fortbildungen für Fachmoderatoren die Qualität der Fortbildung haben, welche ich kürzlich erleben durfte, dann frage ich mich, wie dadurch die Qualität von Fortbildung für Lehrer gesichert werden soll.

Gerüchtweise hörte ich, zum Thema Neue Medien gebe es bisher in der Fortbildung für Fachmoderatoren so gut wie nichts, bezogen auf das Fach Englisch und den Regierungsbezirk, zu welchem diese Fortbildungen gehören. So, wie man es mir sagte, dürfen Fachmoderatoren nur Fortbildung anbieten, welche den Modulen der Fortbildung entsprechen, welche sie selbst genossen haben. Kommt da im schlimmsten Fall nichts nach zum Lernen mit den Möglichkeiten der digitalen Welt, dürfte ich ganz offiziell mein Spezialwissen in diesem Bereich in Fortbildungen nicht vermitteln. Toll!

Am Ende der Fortbildung gab es für alle Teilnehmer einen Evaluationsbogen, wie sich das heute gehört. Einzutragen waren, unterschieden nach theoretischem Teil und praktischem Teil, Pluspunkte, Minuspunkte und Anregungen. Man evaluiert sich selber. Reicht das? Ich glaube nicht. Wer sichert die Qualität der Fortbildungen für die Fachmoderatoren? Die Person, welche den Morgen über der Veranstaltung beiwohnte, da sie zu ihrem Verantwortungsbereich gehört, saß mit vorne, trug das eine andere bei, welches auf der Linie dessen lag, was die vorne vortrugen, und nickte sonst nur zustimmend. Sie ist nicht vom Fach und damit für mich auch nicht ausreichend qualifiziert.

Die Qualität der Fortbildung war für mich und einige andere Teilnehmer nicht nur in dieser Hinsicht fragwürdig. Es gab ein Flip Chart, welches beschrieben wurde und einige Folien, auf welchen die Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse sammelten. Für den Fachbereich gibt es auf der Plattform des Landes (auf Webweaver basierend wie lo-net) eine eigene Gruppe mitMail, Kalender, Chat, Dateiablage und seit neuestem auch Wiki, um das Auffinden der Materialien in der Dateiablage zu vereinfachen. Das alles trägt den Charakter von Fortbildungen von vor 10 oder mehr Jahren. Es gab kein WLAN währender der Fortbildung, keine gemeinsam zu bearbeitende Onlinedokumentation, etwa in Form eines Etherpad oder eines Google Doc.

Das war mein Eindruck von der Fortbildung für die Fortbildung, und er war nicht gut. Aber vielleicht war das die Ausnahme und alles wird noch gut, denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Und vielleicht ist es ja auch nicht bei allen Bezirksregierungen so wie bei meiner, hoffe ich.

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9 Antworten

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  1. Sigi said, on Dezember 15, 2010 at 8:08 pm

    OMG – no comment- aber sowas hab ich auch schon erlebt! Leider sitzen an den verantwortlcihen Stellen immer noch Leute, die auf dem Weg ins 20.Jahrhundert stehen geblieben sind- das ist eine Schande- und ein Fall für den Rechnungshof!
    Aber lass dich nicht entmutigen- auch ich habe Fortbildungen gemacht, die nicht linientreu waren- und das hat den Leuten Spaß gemacht! Bin übrigens auch Englischlehrerin (gewesen). Mach weiter so und lass dich nicht beirren! Und am besten gehst du auf solche Schulungen garnicht mehr hin!

  2. damianduchamps said, on Dezember 15, 2010 at 8:18 pm

    Leider muss ich die Fortbildungen ja machen, um fortbilden zu dürfen. Ich werde mir die nächsten mal antun und hoffen. Wenn es nicht besser wird, muss ich die Sache überdenken. Ob ich eventuell eine Chance hätte, selbst etwas anzuschieben eine Ebene höher, ist schwer zu beurteilen.

  3. Julius said, on Dezember 15, 2010 at 9:44 pm

    Und ich dachte eigentlich, dass es nach der Uni (ich beziehe mich dabei insbesondere auf erziehungswissenschaftliche und fachdidaktische Seminare) nicht noch schlechter gehen kann …

    • Andreas Sander said, on Dezember 16, 2010 at 12:52 am

      @Julius Genau das habe ich mir auch gedacht.😉

  4. […] This post was mentioned on Twitter by Sigi Jakob and Lisa Rosa, Werner Prüher. Werner Prüher said: Gilt auch für OÖ RT @networking_lady: Lehrerfortbildung (NRW) oh mein Gott – ein Lehrer am Verzweifeln: http://tinyurl.com/2ut3rdj […]

  5. (vils)rip said, on Dezember 16, 2010 at 6:55 am

    Machten die Fortbildenden einen zugänglichen und kommunikativen Eindruck? Falls ja, dann könntest du ihnen evtl. ein Exposé zukommen lassen, in dem du beschreibst, was *du* dir an Neuerungen für die Fortbildung gewünscht hättest. – Die Tatsache allerdings, dass sie das fast zehn Jahre alte HotPotatoes anpreisen, als ob das der letzte Schrei wäre, lässt mich Negatives vermuten. Da besteht dann die Gefahr, dass man sich in die Nesseln setzt.
    In dem Fall bleibt nichts anderes übrig, als solche Termine abzusitzen … und in deinen eigenen Veranstaltungen das zu machen, was du selbst wichtig findest.
    Bei der Gelegenheit erinnere ich an die Linkliste, die im Vorfeld für meine Fortbildung entstanden ist – falls du’s schon kennst, ignorier’s einfach😉 -> Neue Formen des Lehrens und Lernens

  6. Uwe said, on Dezember 16, 2010 at 6:55 am

    Kommt mir verdammt bekannt vor – auch in das Lamento des ersten Absatzes kann ich gern einstimmen. Bei allem Frust – Du wirst lachen – ermutigt es doch auch wieder, dass diese Erfahrungen nicht singulär sind. Nicht nur die Leidenserfahrung, sondern auch der Wille, daran etwas zu ändern.
    Hotpot als Stand der Dinge ist aber wirklich lustig🙂
    Solidarische Grüße,
    Uwe

  7. Lutz Berger said, on Dezember 16, 2010 at 6:56 am

    und während ich das lese, nicke ich heftig und verbeisse ich mich tiefer und tiefer in die tischplatte. ich stelle mir die der fortbildung vorangegangene ausschreibung und projektbeschreibung vor, die zahllosen meetings und protokolle, die evaluation der referenten und ihre seitenlangen qualifikationsnachweise, just to name a few …

    same procedure im kommunalen und eu-kontext, wenn es um studien, prozessbegleitungen und andere gelddruckmaschinen geht: eigentlich alles transparent, gut gemeint, hochqualifiziert und organisiert – aber was am ende rauskommt, ist erbärmlich. und unterm strich, incl. direkten & indirekten kosten, hemmungslos überteuert!

    lädt die excel-orga zur organisierten verantwortungslosigkeit ein? oder ist es schlicht ein systemfehler?

  8. Maik Riecken said, on Dezember 16, 2010 at 6:56 am

    War doch eine Superfortbildung.

    Meine beste Fortbildung lief so: Man verpflichtete aus der gesamten Region Leute aus den Fachschaften für die Teilnahme (weiteste Entfernung: 100km Anreise).

    Der Fortbilder empfing uns mit der Aussage, dass es zum Fortbildungsgegenstand seitens der übergeordneten Stelle keine weiteren Information gibt (ging um zentrale Prüfungen).

    Du hast also im Vergleich zu dem, was ich desöfteren geboten bekommen habe, die absolute Sahne erlebt.

    Gruß,

    Maik


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