Damian Duchamps' Blog

Facebook, ja – aber bitte richtig!

Posted in Medienwelt by damianduchamps on Oktober 2, 2011

Willst du dabei sein, bist du bei Facebook! Das soziale Netzwerk mit Ursprung in den USA erfreut sich auch bei uns in Deutschland einer immer größeren Beliebtheit. Wer heute in seiner Peer Group dabei sein möchte, kann gar nicht anders als ebenfalls Mitglied in dem Netzwerk zu werden, in welchem sich die Mehrheit der Altersgenossen befindet. Und so verdrängt Facebook, welches auch hier zunächst überwiegend im Universitätsumfeld Zuspruch fand, mehr und mehr die Netzwerke, welche als einheimische Nachahmung in den Jahren zuvor entstanden sind, Schueler VZ, Schueler CC, Schueler Profile, Lokalisten, Wer-Kennt-Wen und ähnlich. Die Gefahren, vor denen Kritiker sozialer Netzwerke warnen, sind damit nicht weniger geworden.

Gefährdungspotential sieht man, seit Kinder und Jugendliche soziale Netzwerke nutzen, vor allem in der unbedarften und freizügigen Art und Weise, in welcher sie dort mit anderen umgehen und sich selbst darstellen. Dazu kommt noch die Gefährdung durch Pädophile und Cybermobbing. Alle diese Themen sind auch weiterhin aktuell und wichtig, haben aber ihre Gewichtung in der öffentlichen Debatte gegeneinander verschoben. Dass die größte Gefährdung in sozialen Netzwerken von Fremden ausgeht und vor allem auf der sexuellen Schiene stattfindet, davon redet man heute weitaus seltener als noch vor wenigen Jahren. Kinder und Jugendliche sind aufgeklärter in ihrer Nutzung des Internets. Wenn sie gefährdet sind, dann kommen die Täter meist aus dem eigenen Umfeld und es geht um Cybermobbing, nicht sexuelle Anmache und Nachstellung. Noch immer aber klaffen Welten zwischen den Vorstellungen von Erwachsenen und ihrem Nachwuchs bezüglich der Selbstdarstellung. Wie viel darf ins Netz und was? Gerade bei Facebook scheint dieses Thema besonders kritisch, da sich hier der Umgang mit zunächst höchst privaten Daten mehrfach stark verändert hat.

Entsprechend versuchen Erwachsene auf Kinder und Jugendliche einzuwirken. Sie bekommen so vor allem zu hören, was sie bloß nicht tun sollen auf Facebook. Gib nicht zu viel von dir Preis, stell keine Bilder ein, die dir später mal zum Nachteil gereichen können, schreibe keine solchen und solchen Sachen, und so geht es weiter. Viele Erwachsene sähen ihre Kinder lieber nicht in sozialen Netzwerken. Sehr konstruktiv ist das nicht. Hätten unsere Vorfahren so ihre Kinder den Umgang mit dem Feuer gelehrt, säßen wir noch heute in Höhlen. Ebenso wie das Feuer zu unserem Leben gehört, so gehören gegenwärtig auch die sozialen Netzwerke im Internet dazu.

In diesem Zusammenhang hörte ich kürzlich Guy Kawasaki in einem Podcast (Triangulation # 26). Auch er hat Kinder und beschäftigt sich mit dem Thema. Natürlich kennt auch er die möglichen Probleme mit Facebook. Allerdings geht er das Thema von einer anderen Seite an, richtig, wie ich finde. Warum, so fragt er, bringen wir den Kindern und Jugendlichen nicht bei, wie sie Facebook so nutzen, dass es ihnen einen Gewinn bringt? Wenn wir doch wissen, dass Personalchefs auf Facebook (und auch bei anderen sozialen Netzwerken) schnüffeln oder schnüffeln lassen, um mehr über ihre Bewerber um Ausbildungsplätze, Praktika und Jobs zu erfahren, warum nutzen wir das nicht als Chance?

Deswegen sollten wir Kindern und Jugendlichen beibringen bzw. sie dazu motivieren, sich auf Facebook positiv darzustellen. Anstatt Bilder von Partys einzustellen, die später nur peinlich sind und einen falschen Eindruck vom Partygewohnheiten und Alkoholkonsum geben, sollten sie lieber Fotos von ihrem sozialen Engagement einstellen, der Hilfe beim Altennachmittag, mit dem Müllsack bei der Reinigungsaktion am Wanderpfad und ähnlich, von ihrem Engagement in Vereinen (Sport, Feuerwehr, Angeln, Tiere, …), von Praktika und Erfolgen bei schulischen Wettbewerben. Im Netz sollten sie den Schwerpunkt ihrer Selbstdarstellung verschieben von der Dokumentation ihrer abendlichen geselligen Wochenendaktivitäten hin zu dem, was meist den größten Teil ihres Alltags ausmacht, Hobby, Familie, Schule, Ausbildung, Verein, Sport und ähnlich. So können sie zum einen vermeiden, dass andere im Netz von ihnen nicht mehr als eine einseitig verzerrte Darstellung finden, und zum anderen ein positives Selbstbild von sich verbreiten, welches ihre wahren Werte vermittelt und Personalchefs auch Seiten von ihnen zeigt, die sie in ihren Bewerbungsschreiben und -gesprächen vielleicht nicht einbringen. Eine Nutzung von Facebook, um in Kontakt zu bleiben, zu spielen, sich zu verabreden und wie immer man sonst die Dienste dieses Anbieters nutzt, schließen sich damit natürlich nicht aus.

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4 Antworten

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  1. Maik Riecken said, on Oktober 3, 2011 at 9:32 am

    Ja und nochmal ja! Ich sehe bloß eine Reihe von Herausforderungen:
    a) Einige aus der „Web-Erwachsenenwelt“ propagieren das Ende des Versteckspiels als Ideal, d.h. die Ineinssetzung von virtuell-real, bzw. dulden diese Differenzierung gar nicht erst. Damit fordern sie implizit genau das Gegenteil…
    b) Eine erfolgreiche „Selbstvermarktung“ gelingt selbst vielen Erwachsenen nicht – Jugend zeichnet sich für mich gerade dadurch aus, dass man sucht – Reflexion möglicher Auswirkungen (die Voraussetzung dieser Filterung) widerspricht m.E. der Freiheit dieser Suche.
    c) Die Strategie basiert auf der Annahme, das jeder selbst kontrollieren kann, welche Daten von ihm im Netz auftauchen. Das stimmt in FB m.E. nicht. Einen Großteil der Daten speisen Dritte über mich ein und werden durch FB dazu explizit verleitet „Um dir besser Freunde vorschlagen zu können…“
    d) FB entwickelt sich zum Monopolisten, der die Regeln zunehmend bestimmt. Das ist nicht nur Wirtschaftspolitisch eine Herausforderung.
    e) Der einzige „Schutz“ ist genau die von dir geforderte „Selbstvermarktung“ – den Gedanken habe ich bei Köhntopp vor wenigen Jahren das erste Mal gelesen – das kollidiert mit b)

    Es ist nicht mehr so einfach, leider…

  2. Martin Kurz said, on Oktober 3, 2011 at 9:41 am

    Lieber Damian,

    ein ganz wichtiger und wunderbarer Gedanke, den du hier ausführst: eine positive Selbstvermarktung, ähnlich einem „sozialen Portfolio“. Als Lehrer, der selbst recht intensiv FB für den Unterricht benutzt ein recht griffig formulierter Tipp. Maik hat (wie meistens leider😉 ) hat mit seinen Mahnungen natürlich recht. Ich möchte es anders auch formulieren: den Weg Soziale Netze zu benutzen sollten wir sicher gehen.

  3. Andreas Kalt said, on Oktober 3, 2011 at 10:33 am

    Den Gedanken finde ich ebenfalls gut. Allerdings ist die Umsetzung mit einer Firma wie FB meines Erachtens utopisch. Selbst ein bewusster Umgang mit dem Grad der Öffentlichkeit (Partyfotos schließt Du ja ein – alles andere wäre auch unrealistisch für junge Menschen) wurde in der Vergangenheit von FB zunichte gemacht, indem global Sichtbarkeitseinstellungen geändert wurden oder indem man eben Dritten erlaubt, Daten über einen einzustellen. Nur wer mit großem Aufwand versucht, die Privatsphäreeinstellungen und deren regelmäßige Änderung zu überschauen, hat eine Chance, da bewusst und verantwortungsvoll vorzugehen.

    Mit anderen Netzwerken mag Dein Ansatz funktionieren, FB ist meines Erachtens zu respektlos und skrupellos. Die werden immer versuchen, ihre Nutzer zu verschaukeln, so dass sie mehr von sich preisgeben als gewünscht.

    Ich habe gerade neulich einen Artikel mit ziemlich gegensätzlichem Titel als Deiner geschrieben: Jetzt aber wirklich: Raus aus Facebook

  4. Andreas Kalt said, on Oktober 5, 2011 at 8:26 pm

    Mir ist noch ein Punkt eingefallen, der es unwahrscheinlich macht, dass die Jugendlichen Facebook tatsächlich im Sinne einer positiven, proactiven Gestaltung ihrer Online-Präsenz nutzen, wie Kawasaki das vor Augen hat: Facebook ist das Äquivalent der Gespräche auf dem Schulhof, auf dem Nachhauseweg, am Wochenende unter Gleichaltrigen. Es kommt ziemlich seltsam rüber, wenn man da von seinem Praktikum oder vom gewonnenen Lesepreis berichtet. »Streber« ist wohl das Unwort, das anderen Gleichaltrigen da schnell in den Sinn kommt und das diese Art der Facebooknutzung meines Erachtens extrem unwahrscheinlich macht.


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