Damian Duchamps' Blog

#OER – eine Frage des Formats?

Posted in Medienwelt by damianduchamps on Dezember 17, 2011

Bei der Arbeit an der Informationsseite zum Thema Creative Commons Lizenzen und Bildung, cc-your-edu.de habe ich mich auch mit dem Thema Erstellung von Materialien, die dann unter CC Lizenz veröffentlicht werden sollen, beschäftigt. Die Mehrheit aller von Lehrerinnen und Lehrern erstellten Unterrichtsmaterialien wird gegenwärtig sicherlich die Form eines Arbeitsblattes haben. Und solange Unterricht noch nicht überwiegend rein digitale Formate nutzt, wird sich daran auch sicher nichts ändern.

Auf der Seite CC erstellen erkläre ich, wie man ein Arbeitsblatt unter Verwendung von Creative Commons lizenziertem Bild- und Textmaterial erstellt und es anschließend selbst mit einer Creative Commons Lizenz versieht. Dabei war ich auch auf die Frage nach den Dateiformaten gestoßen. Welche Dateiformate genutzt werden, hängt vor allem von der auf den Rechnern der Nutzer installierten Textverarbeitung ab.

Auf den Rechnern von Lehrerinnen und Lehrern wird man gegenwärtig vermutlich zu einem Großteil eine Version von Microsoft Word finden. Der Anteil der Rechner mit anderen Textverarbeitungen wird insgesamt nicht einmal 30% betragen. OpenOffice soll im Januar 2010 einen Marktanteil von 21,5% in Deutschland gehabt haben. Auch bei Schülern wird die Verteilung nicht viel anders aussehen. Viele werden Microsoft Office nutzen, selbst wenn es eine Raubkopie ist. OpenOffice kennt nach meinen Erfahrungen nur ein Teil der Schüler. An meiner eigenen Schule hat sich das mittlerweile geändert, da ich es in der Schule einsetze und Schülern immer wieder als kostenlose Alternative empfehle.

Unter  CC erstellen empfehle ich das DOC Format von MS Word, da es von allen mir bekannten Textverarbeitungen gelesen werden kann und es selbst für Smartphones und Tablets Apps (oft kostenlos) gibt, mit denen dieses Format angezeigt werden kann. Allerdings rate ich auch dazu, auf ungewöhnliche Schriftarten, softwarespezifische Effekte und ähnlich zu verzichten, um ein Maximum an Kompatibilität zu allen Plattformen zu erreichen.

Eigentlich wäre PDF das ideale Format, wenn es um eine konsistente Darstellung über alle Platformen hinweg geht. Genau mit diesem Anspruch wurde PDF sogar entwickelt, um eine einheitliche Darstellung auf allen Plattformen (und Druckern) zu gewährleisten. Für freie Bildungsmaterialien verbietet sich PDF jedoch, da dieses Format keine freie Nachnutzung durch Bearbeitung, Veränderung, usw. zulässt. Es wurde dafür auch nicht konzipiert.

Auch bei Twitter heute für mich ein Thema

Wie es der Zufall wollte, kam die Formatfrage heute auch in Twitter für mich auf. Ich hatte heute auf einen Tweet von @segu_geschichte reagiert,

RT @Th_Schulportal: Lernort: Ausstellung „Reformation und Bauernkrieg“ – Werkstattarbeit – http://schulportal-thueringen.de/web/guest/medi

und bemängelt, dass die dort angebotene sehr schöne Werkstatt zum Thema nur als PDF angeboten wird.

@segu_geschichte @Th_Schulportal und die Werkstatt dazu ist #CC lizenziert BY-NC-SA, als PDF jedoch nicht veränderbar.

Auch für  @segu_geschichte stellte sich die Frage nach dem richtigen Format:

Welches Dateiformat könnte sich für Verbreitung von #oer #cc in Zukunft durchsetzen? Evtl. neue technische Entwicklungen? @cc_your_edu

Ganz klar begründen konnte @segu_geschichte  auch, warum für die eigenen Veröffentlichungen derzeit pdf die beste Lösung ist.

@cc_your_edu Für #segu ist pdf zurzeit die beste Lösung (direkter Adressat: Schüler); doc/rtf/odt zu umständlich / uneinheitlich

@cc_your_edu Wenn die Adressaten Schüler sind, sind Fragen von Gestaltung / graphischen Elementen etc. wesentlich

Ein Beispiel für einen Beitrag zu freien Bildungsmedien zum Thema Geschichte, bei dem der Autor das OpenOffice Format ODT gewählt hatte, gab es von  @segu_geschichte auch.

Welches ist das ideale Dokumentenformat für Arbeitsblätter als freie Bildungsmaterialien (OER)?

Das ideale Format für digital erstellte Arbeitsblätter muss Ansprüchen aus verschiedenen Lagern genügen.

  • Freie Bildungsmaterialien (OER) fordert maximale Kompatibilität zu möglichst vielen Plattformen und die Möglichkeit der uneingeschränkten Nachnutzung. Das bedeutet, das Material muss sich ohne Schwierigkeiten abwandeln und kopieren lassen.
  • Für Nutzer, hier die Lernenden, sollten Bildungsmaterialien nicht nur inhaltlich ansprechend sein, auch die graphische Gestaltung sollte anregend sein, um das Interesse zu steigern. Darüber hinaus kann die graphische Gestaltung durch Strukturierung und Veranschaulichung wesentlich zum Inhalt beitragen. Form und Inhalt hängen oft eng zusammen.
  • Durch die Plattformen, welche Lehrern wie Schülern als Nutzer von Bildungsmaterialien zur Verfügung steht, muss das Bildungsmaterial möglichst verlustfrei bzw. kompatibel dargestellt werden können, um es entweder auszudrucken, am Bildschirm anzuzeigen oder auch digital weiter zu verwerten.

Gegenwärtig gibt es keine Lösung, die allen Forderungen gerecht wird.

  • Die Forderung nach graphisch ansprechend gestalteten Arbeitsblättern, die sich mit maximaler Kompatibilität verlustfrei auf alle digitalen Plattformen übertragen lassen und auch druckbar sind ohne Verluste, lässt sich leicht durch das PDF Format erfüllen. Perfekt, möchte man denken, doch das PDF Format erlaubt keine Nachnutzung, da es dafür nie angelegt wurde. Bilder und Texte sind fest im PDF verankert. TExt lässt sich zwar markieren und kopieren und Werkzeuge zum Bearbeiten von PDF Dateien gibt es ebenfalls. Auch konvertieren lässt sich PDF in gängige Dokumentformate. Dabei gehen jedoch Formatierungen verloren und eine wirkliche Bearbeitung ist kaum möglich.
  • Die Forderung nach uneingeschränkter Nachnutzung eines Arbeitsblattes lässt sich in Bezug auf seine Abwandelbarkeit nur erfüllen, wenn es mittels eines Textverarbeitungsprogrammes erstellt und in seinem Format abgespeichert wurde. Solange sich die Gestaltung eines Arbeitsblattes mittels Textverarbeitung auf ein Minium an Gestaltung durch die Möglichkeiten der Textverarbeitung selbst beschränkt und lediglich zusätzliche Grafiken eingefügt werden, lässt sich eine recht große Kompatibilität über alle Plattformen und Textverarbeitungen hinweg erreichen, wenn das Arbeitsblatt als DOC oder RTF abgespeichert wird. Auf der Strecke bleiben damit aber viele Gestaltungsmöglichkeiten, die ein Arbeitsblatt deutlich bereichern können. Sobald Gestaltungsmöglichkeiten der Textverarbeitung genutzt werden, die über dieses Minimum hinaus gehen, geht die Kompatibilität verloren und die Anzeige auf anderen Plattformen und Textverarbeitungen führt zu Verlusten in der Darstellung. Das trifft nicht nur auf Unterschiede zwischen MS Office und OpenOffice oder anderen Textverarbeitungen zu sondern, betrifft schon unterschiedliche MS Office Versionen oder auch Installationen gleicher Versionen auf unterschiedlichen Betriebssystemen oder Betriebssystemversionen.
  • Die Forderung nach uneingeschränkter Nachnutzbarkeit durch jedermann lässt sich nur realisieren, wenn das digitale Arbeitsblatt in einem Format vorliegt, welches von möglichst allen Nutzern dargestellt und abgewandelt werden kann. Das setzt entweder ein universelles Format voraus oder eine Software, die sich auf jedem Computer, Smartphone und Tablet PC befindet. Im Fall von PDF wäre das zumindest in Bezug auf die Darstellung kein Problem, denn dafür hat wirklich fast jedes der zuvor genannten Geräte ein Anzeigeprogramm. Für Textverabeitungsdateien gibt es keine Software, welche auf nahe zu allen genannten Geräten eine verlustfreie Darstellung garantiert.

Fazit

Ein wirklich ideales Dokumentenformat für Arbeitsblätter als freie Bildungsmaterialien gibt es derzeit nicht.

Aus meiner Sicht gibt es derzeit nur zwei Formate für digitale Dokumente, welche es erlauben diese Dokumente auf möglichst vielen Plattformen und Textverarbeitungsprogrammen anzuzeigen und zu bearbeiten. Das sind DOC und RTF. DOC hat sich als Quasi-Standard in Büros etabliert und wird deswegen von fast jeder anderen Textverarbeitung angezeigt und kann dort auch bearbeitet werden. Je nach Textverarbeitungssoftware kann die Kompatibilität variieren. Das RTF Format ist ein einfacherer Standard, der aus Austauschformat Verwendung findet und von vielen Textverarbeitungen dargestellt und bearbeitet werden kann.

OpenOffice ist zwar für die großen Betriebssysteme verfügbar, doch das native Format der Textverarbeitung ODT findet nur unter den Ablegern und Klonen von OpenOffice Kompatibilität. Von daher scheint es mir derzeit für OER Material nicht geeignet.

Die Schwierigkeiten, welche sich bei Textverarbeitungsdokumenten durch das Dokumentenformat und den Anspruch auf uneingeschränkte Nachnutzbarkeit ergeben, lassen sich genauso auf andere Office Formate übertragen, auf Tabellenkalkulation, Präsentation und  Datenbanken.

Zur Zeit wählen viele Autoren, die ihre  Arbeitsblätter online zur Verfügung stellen, das PDF Format, da es zumindest in Bezug auf die Darstellung das universellste Format ist. Moderne Textverarbeitungen machen das Abspeichern als PDF heute auch leichter als noch vor Jahren. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit, als MS Office Dateien mit Macro Viren verseucht sein konnten, hat sich auch bei vielen eine Abneigung gegen diese Dateien erhalten, wenn sie aus unbekannten Quellen stammen. Arbeitsblätter im DOC Format findet man deswegen heute nach meinen Erfahrungen deutlich seltener als Arbeitsblätter im PDF Format.

In dem Moment, wo Arbeitsmaterialien im schulischen Alltag nur noch digital existieren und genutzt werden, wird sich die Formatfrage vermutlich nicht mehr stellen. HTML und CSS sind universelle Standards, die schon jetzt auf nahezu allen Plattformen einheitlich angezeigt werden. Auch die Nachnutzbarkeit ist kaum eingeschränkt. Bis wir jedoch einen schulischen Alltag haben, der diesen Punkt erreicht hat, wird noch einige Zeit vergehen. Solange werden wir uns mit den Formatfragen herumschlagen müssen, außer wir finden eine brauchbare Lösung.

Deswegen ist es jetzt vielleicht an der Zeit, sich Gedanken über die Formatfrage zu machen.

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8 Antworten

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  1. Jan said, on Dezember 18, 2011 at 10:42 am

    was hälst du von google docs? warum hast du das komplett raus gelassen? dadurch, dass dabei im netz gearbeitet wird, hätten alle nutzer die gleiche darstellung des dokuments. und man kann es beliebig teilen und weiter bearbeiten…

    • damianduchamps said, on Dezember 18, 2011 at 12:28 pm

      Google Docs finde ich persönlich gut und nutze es oft. Nicht aufgeführt habe ich es, da es an sich kein natives Format besitzt.Es kann allerdings das DOC Format bedienen. Google Doc verfügt über die von mir beschriebenen minimalen Formatierungsmöglichkeiten. Reichen die aber aus, um ein wirklich ansprechendes Arbeitsblatt zu gestalten? In den Augen vieler User wird das wohl nicht der Fall sein.

  2. segu_geschichte (@segu_geschichte) said, on Dezember 18, 2011 at 12:17 pm

    Nicht nur eine interessante Diskussion, sondern für OER-Anbieter eine zukunftsweisende Frage: Welchen Arbeitsaufwand steckt man heute in die Erstellung von Formaten, die man evtl. später wieder komplett umarbeiten muss? Zum Blogbeitrag zu ergänzen ist noch der Aspekt, dass für OER-Angebote die Software zum Lesen/Bearbeiten frei verfügbar sein sollte (was bei MS Word ja nicht der Fall ist).

    Aus segu-Ersteller-Sicht bietet (wie im Blog skizziert) pdf zurzeit die meisten Vorteile. Zusätzlicher Aspekt: Schüler_innen sollen die segu-Arbeitsblätter ausdrücklich handschriftlich bearbeiten, von daher ist das „starre“ pdf-Format aus segu-Sicht unproblematisch.

    Mich würden aber andere Meinungen – insbesondere von Nutzern einerseits und Experten im Bereich eLearning andererseits – interessieren:

    2 Fragen:

    1. Frage an Nutzer/Lehrer_innen: Welche Erwartungen werden an segu-Materialien oder OER-Lernmaterialien im allgemeinen gestellt? Sind direkt an Schüler_innen adressierte Materialien als pdf sinnvoll? Oder werden andere Formate gewünscht?

    2. Frage an eLearning-Experten: Was würden Sie OER-Anbietern raten: Welches Format wird sich am ehesten etablieren?

    • damianduchamps said, on Dezember 18, 2011 at 12:35 pm

      Die Frage ist vielleicht auch: welche Erwartungen haben wir an OER Materialien?

      a) Reicht es uns, wenn wir frei zur Verfügung gestellte Materialien haben, egal ob sie Abwandlung zulassen oder nicht?

      b) Erwarten wir von OER Materialien, dass sie eine uneingeschränkte Nachnutzung zulassen?

  3. […] #OER – eine Frage des Formats? Bei der Arbeit an der Informationsseite zum Thema Creative Commons Lizenzen und Bildung, cc-your-edu.de habe ich mich auch mit dem Thema Erstellung von Materialien, die dann unter CC Lizenz verö… Source: damianduchamps.wordpress.com […]

  4. Andre said, on Januar 12, 2012 at 2:24 pm

    Hallo,
    wie ich seinerzeit bereits mittels Twitter geantwortet hatte, gibt es bei den unter CC lizenzierten Materialien in unseren Lernobjekten folgende Möglichkeiten einer (Nach)Bearbeitung und Anpassung durch z. B. den Lehrer:
    a) Download der zip-Datei am Ende der Dateiliste. Darin befinden sich neben den pdf´s (für die Schülerhand) auch die doc´s oder rtf´s (für die Lehrerhand).
    b) Natürlich kann man den Text einer pdf (sofern keine bearbeitbaren Versionen vorhanden sind) auch kopieren, einfügen und anpassen. Immer wieder ist es so, dass doc oder rtf nicht die besten Formate sind (Größe, Formatsicherheit, Layout, …).
    Hier nochmals der Link zur Werkstattarbeit mit der genannten zip am Ende der Dateiliste:
    https://www.schulportal-thueringen.de/web/guest/media/detail?tspi=2868
    Und ein Hinweis: Bekommen wir von Medienpartnern CC-Materialien nur als pdf, dann stellen wir natürlich auch keine anderen Versionen ein …


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