Damian Duchamps' Blog

Erreicht die deutsche OER Bewegung die Zielgruppe Lehrer?

Posted in Creative Commons, OER by damianduchamps on April 2, 2013

Beim Thema der freien Bildungsinhalte (OER) hakt es an vielen Ecken und Enden, wenn man auf die deutsche Bildungslandschaft schaut. Nur wenige engagieren sich für das Thema, erstellen freie Bildungsinhalte, klären auf und werben. Die Zahl der Nutzer von freien Bildungsinhalten ist etwas größer, doch gemessen an der Zahl der in Deutschland am Bildungssystem beteiligten Akteure muss man feststellen – kaum jemand  kennt überhaupt den Begriff oder die Idee dahinter. Das ist schon vielen in der OER Bewegung* aufgefallen, wenn sie sich in den Lehrerzimmern der eigenen Schule umhören.

Die Aktiven in der OER Szene blieben so bisher leider weitestgehend unter sich. Mit anderen Worten – die OER Bewegung schmort im eigenen Saft. Wer eine Online Veranstaltung zum Thema anbietet, predigt in der Regel zum Chor. Ich denke, genau an dieser einen Stelle liegt das Hauptproblem von freien Bildungsinhalten in Deutschland. Die eigentliche Zielgruppe, Lernende und Lehrende werden nicht erreicht. Vor allem aber Lehrerinnen und Lehrer gilt es, zu erreichen, denn sie könnten enorm profitieren von der Nutzung freier Bildungsinhalte und stellen zudem die Brücke zu den Lernenden dar, denen sie die Nutzung freier Bildungsinhalte nahebringen könnten.

Wer mit Begriffen wie OER, freie Bildungsinhalte (oder wie auch immer man OER übersetzen mag), Creative Commons und ähnlich nichts anfangen kann, wird im Berufsalltag auch nicht danach suchen. Viele Lehrerinnen und Lehrer, die ich aus meinem Berufsalltag kenne, ob aus dem eigenen Kollegium oder über Fortbildungen, nutzen das Internet regelmäßig zur Vorbereitung von Unterricht. Referendarinnen und Referendaren konnte ich dabei oft über die Schulter schauen. An erster Stelle stehen dabei wohl noch immer Arbeitsblätter zu bestimmten Themen. Auch Bildmaterial wird gesucht, um selbsterstellte Materialien zu illustrieren. Deutlich seltener gesucht werden Audio- und Videomaterialien. Extrem selten werden Materialien gesucht ,um ein eigenes Online Lernangebot zu erstellen, und nach Online Kursen zur Nutzung im eigenen Unterricht habe ich noch nie jemanden suchen sehen.

Bei der Suche wird in der Regel die Suchmaschine Google bemüht. Dass Google Ergebnisse filtern lässt nach Bildern, falls solche gesucht werden, ist  manchem mittlerweile aufgefallen. Der Link dazu ist über den Suchergebnissen dafür leicht genug zu entdecken. Suchergebnisse werden angeklickt, kurz auf Tauglichkeit bewertet und eventuell heruntergeladen, um eine Bewertung vornehmen zu können. Alles muss schnell gehen, denn im Berufsalltag ist die Zeit knapp. Passt oder passt nicht, bzw. lässt sich mit wenig Aufwand anpassen oder notfalls auch nachgestalten, sind nach meinen Beobachtungen die einzigen Entscheidungskriterien. An das Urheberrecht denkt dabei kaum einer, denn die Verunsicherung durch den „Schultrojaner“ ist schon lange aus dem Bewusstsein der meisten verschwunden. Einige Lehrerinnen und Lehrer haben für sich Materialbörsen wie 4teachers entdeckt oder sogar ZUM. Unter welchen Bedingungen die dort angebotenen Materialien nutzbar sind, als OER oder nicht OER, ist ihnen dabei nicht bewusst und von daher als Nutzungskriterium nicht relevant. Es lässt sich einfach herunterladen und das reicht.

Das ist so, obwohl man sich in der deutschsprachigen OER Szene eben durchaus Gedanken macht und bemüht. Nachdem die OER Bewegung 2012 zeitweise  etwas abflaute, ist nun neuer Schwung in die Bewegung gekommen. Wikimedia Deutschland engagiert sich, es gibt Online Kurse zum Thema, bei P2PU entsteht eben ein Kurs, Hangouts werden veranstaltet und man beschäftigt sich auf Barcamps damit, direkt wie auf dem OERCamp oder am Rande wie auf den EduCamps. Blogs und soziale Netzwerke wie Twitter, Facebook und Google+ werden von den Akteuren der OER Szene genutzt, um Informationen zum Thema zu verbreiten und es gab sogar eine OER-Anhörung im Landtag Düsseldorf.

All das hat bisher aber recht wenig daran geändert, dass die Thematik die eigentliche Zielgruppe, die Lehrer, so gut wie nicht erreicht. Ich vermute, wenn 5% aller Lehrerinnen und Lehrer an unseren Schulen mit der Thematik vertraut sind und zum regelmäßigen Nutzerkreis gehören, dürfte das schon extrem hoch gegriffen sein.

Über die Ursachen der mangelnden Bekanntheit haben sich schon viele den Kopf zerbrochen. Sicherlich liegt es auch am Namen bzw. der Benennung, womit man sich bei uns schwer tut. Doch das ist nur ein sekundäres Problem. Wie die Werbung und ungewöhnliche Produktnamen immer wieder belegen, prägen wir uns auch diese ein, wenn sie entsprechend geschickt beworben werden und so allgegenwärtig sind, dass wir ihnen nicht ausweichen können.

Präsenz ist enorm wichtig. Hat man sich erst einmal auf eine einheitliche Benennung geeinigt und vor allem auf ein prägnantes Logo/ Design, muss nur noch Präsenz geschaffen werden. Die Creative Commons Icons sind eher  nicht dafür geeignet, da sie zu klein und farblos sind.

Um eine Ankoppelung an die internationale OER Bewegung nicht zu verlieren, sollte ein Logo genutzt werden, welches sich an international gebräuchliche Logos anlehnt aber noch um etwas ergänzt ist wie „frei nutzbar“ oder ähnlich. Man könnte so z.B. das noch recht neue, blauweiße international verbreitete OER Logo mit den Händen/ Buchseiten nutzen.

Auch wenn OER sich an Lernende generell richten, ist und bleiben für mich die Hauptzielgruppe Lehrerinnen und Lehrer als Lernmittler. Wie kann man diese erreichen, wenn man auf offizielle Unterstützung durch Kultusministerien weitestgehend verzichten muss? Und wie kann man sie erreichen, wenn sie den Begriff OER gar nicht kennen, wie oben beschrieben, nicht danach suchen und nie eine erweiterte Google Suche nutzen?

Über Webseiten, die sich theoretisch mit dem Thema auseinander setzen, so wie etwa diese Seite selbst, erreicht man die Zielgruppe definitiv nicht, da Lehrerinnen und Lehrer gar nicht wissen, dass es solche Seiten gibt. Seiten wie diese hier tauchen zudem auch nicht in den Suchergebnissen auf, wenn man nach Materialien für den Unterricht sucht (außer man schafft es, die Seite entsprechend für die Suche über SEO zu optimieren). Auch über soziale Netzwerke, so sie denn von Lehrenden überhaupt genutzt werden, wird man das Thema ebenfalls kaum an die Zielgruppe herantragen können. Wer würde als Lehrer oder Lehrerin überhaupt auf die Idee kommen gerade dort, also etwa bei Twitter, Facebook oder Google+, nach Materialien für die Unterrichtsvorbereitung zu suchen oder Informationen über solche Materialien?

Die Hauptrolle bei der Verbreitung der OER Idee kommt meiner Meinung nach gegenwärtig den Webseiten, Portalen und Bildungsservern zu, welche selbst freie Bildungsinhalte anbieten, denn auf diese werden Lehrende am ehesten stoßen, wenn sie bei der Unterrichtsvorbereitung mittels der einfachen Google Suche nach Materialien suchen. Dass es sich dann um OER handelt, muss dort deutlicher herausstellt werden. Das OER Logo muss omnipräsent sein, groß und deutlich zu sehen, größer und deutlicher als normal bis ein größerer Bekanntheitsgrad erreicht ist und später kleiner. Eventuell sollte man Mittel der Online Werbung nutzen, wie das sich über einen Teil der Seite schiebende Feld, welches kurz darauf aufmerksam macht, dass es sich um frei nutzbare Materialien handelt und dass man dazu weitere Informationen erhalten kann. Dieses Feld sollte dann jedoch nicht abschrecken und direkt beim ersten Besuch auf der Seite angezeigt werden. Angebotene OER Materialien müssen ebenfalls das Logo tragen, soweit dadurch das Material nicht entstellt wird, wie im Fall von vielen Fotos etwa. Wichtig ist auch, dass die Materialien gut zu entdecken sind über einfache Google Suchen, indem sie entsprechend mit Meta Informationen versehen sind, die über die Creative Commons Lizenzangaben hinausgehen.

Es wird nie leicht sein, die Aufmerksamkeit der aktiv in der Bildung tätigen Personen für das Thema OER zu gewinnen, selbst wenn man, wie etwa in NRW, das Thema tatsächlich durch das Kultusministerium auf eine offizielle Schiene heben sollte. Selbst wenn man OER auf Bildungsservern anbietet, so wie in Rheinland-Pfalz, reicht das leider noch nicht aus, denn nicht jeder Lehrer kennt das Angebot dort. Von daher denke ich, müssen sowohl die OER Entdeckbarkeit als auch der OER Wiedererkennungswert als solche gesteigert werden und quasi die visuelle Qualität einer Marke bekommen. Erst dann werden Lehrer in der Masse aufmerksam werden und gezielt danach suchen und vielleicht auch Interesse entwickeln am theoretischen Hintergrund der freien Nachnutzbarkeit von OER.

 

*“Deutsche OER Bewegung“ bezeichnet hier keine Bewegungen mit organisierten Strukturen, denn diese gibt es nicht. Vielmehr ist gemeint die Summe aller zu diesem Thema aktiven Personen und Institutionen (Lehrerinnen und Lehrer, Edublogger, Lehrende und Forschende an Universitäten, Betreiber von Portalen und Bildungsservern, die Zentrale für Politische Bildung, Wikimedia, usw.).

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16 Antworten

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  1. Daniel Groß said, on April 2, 2013 at 2:48 pm

    Die Erfahrungen, die Du hier beschreibst, habe ich ebenfalls gemacht. Selbst unter medienaffinen Kolleginnen und Kollegen ist OER häufig ein Fremdwort, und wer sich nicht in den sozialen Netzwerken bewegt, hat nahezu keine Chance, über den Begriff so zu stolpern, dass man einen Augenblick innehält und nachforscht, was dahinter steckt. Von daher halte ich es für eine gute Idee, mehr Werbung auf den von Dir genannten Seiten (Bildungsserver etc.) zu machen (und dazu gehört zweifelsfrei ein einheitliches Logo mit Wiedererkennungswert).

    Das kann aber erst der Anfang sein. Die Tatsache, dass qualitativ hochwertige OER-Materialien nur wenig genutzt werden bzw. wenig Beachtung erhalten (ZUM-Wiki, aber auch der von Dir angesprochene Omega-Server in Rheinland-Pfalz), hat meines Erachtens noch einen viel tiefer liegenden Grund, nämlich den mangelnden Druck, diese benutzen zu *müssen*.

    Momentan besteht keine Notwendigkeit, OER zu nutzen, da Lehrerinnen und Lehrer das Urheberrecht – so sie sich mit der nicht unkomplizierten Gesetzeslage und der Vereinbarung zwischen dem VBM und der KMK auskennen – genau so lax handhaben wie die Schülerinnen und Schüler. Was spricht dagegen, ein urheberrechtlich geschütztes Bild für ein Arbeitsblatt zu verwenden oder die Vereinbarung in die ein oder andere Richtung etwas auszudehnen? Die meisten Kolleginnen und Kollegen stören sich doch noch niemals daran, mit ihrer Klasse (besonders vor den Ferien) „normale“ DVDs zu gucken, die nur für die Privatvorführung lizenziert sind. Wo kein Kläger, da kein Richter… Insofern hätte der Schultrojaner, der netzpolitisch natürlich ein Desaster gewesen wäre, der OER-Bewegung sicherlich nicht geschadet.

    Das Zielpublikum für OER, und insbesondere für größere OER-Projekte wie den Schulbuch-o-mat und dergleichen, ist daher momentan doch eher auf denjenigen Kollegiumskreis beschränkt, der häufig aktiv mit digitalen Medien arbeitet, sich urheberrechtlicher Problematiken bewusst ist und offen für individualisierende Unterrichtsformen ist. Das dürften allerdings nicht deutlich mehr als die von Dir erwähnten 5% sein. Dennoch gilt es, zunächst diese Gruppe als Zielgruppe auszumachen und mit ins Boot zu holen, um dann vielleicht zunächst bei 10% zu landen.

    Dazu müssen wir diese Kolleginnen und Kollegen gezielt ansprechen und sie auch „dort abholen, wo sie stehen“. Sofern sie also noch nicht im Netz sonderlich aktiv sind, heißt das für mich, dass wir entsprechende Informationen auch analog per Mundpropaganda weitergeben müssen und insbesondere an vorhandene Fortbildungsveranstaltungen (beispielsweise Moodleschulungen oder zentrale Fortbildungsverasnstaltungen wie die iMedia in Rheinland-Pfalz) anknüpfen sollten. Und natürlich darauf hoffen, dass sich vielleicht politisch doch noch etwas mehr tut.

    Das ist jetzt wieder recht unzufriedenstellend, aber wir sehen es ja in gleichem Maße bei der Vermittlung grundlegender Medienkompetenzen: So lange alles so weiter laufen kann wie bisher, werden nur Idealisten und Visionäre in kleinen Schritten wenig ändern können. Für eine gelungene Bottom-up Bewegung fehlt noch immer der Veränderungsdruck.

  2. […] "Mit anderen Worten – die OER Bewegung schmort im eigenen Saft. Wer eine Online Veranstaltung zum Thema anbietet, predigt in der Regel zum Chor. Ich denke, genau an dieser einen Stelle liegt das Hauptproblem von freien Bildungsinhalten in Deutschland. Die eigentliche Zielgruppe, Lernende und Lehrende werden nicht erreicht. Vor allem aber Lehrerinnen und Lehrer gilt es, zu erreichen, denn sie könnten enorm profitieren von der Nutzung freier Bildungsinhalte und stellen zudem die Brücke zu den Lernenden dar, denen sie die Nutzung freier Bildungsinhalte nahebringen könnten."  […]

  3. […] "Mit anderen Worten – die OER Bewegung schmort im eigenen Saft. Wer eine Online Veranstaltung zum Thema anbietet, predigt in der Regel zum Chor. Ich denke, genau an dieser einen Stelle liegt das Hauptproblem von freien Bildungsinhalten in Deutschland. Die eigentliche Zielgruppe, Lernende und Lehrende werden nicht erreicht. Vor allem aber Lehrerinnen und Lehrer gilt es, zu erreichen, denn sie könnten enorm profitieren von der Nutzung freier Bildungsinhalte und stellen zudem die Brücke zu den Lernenden dar, denen sie die Nutzung freier Bildungsinhalte nahebringen könnten."  […]

  4. Herr Rau said, on April 2, 2013 at 6:38 pm

    Ich weiß, es ist nur eine Redewendung, wenn du schreibst, der OER-Freund „predigt in der Regel zum Chor.“ Trotzdem wirkt auf mich als Interessierten die OER-Bewegung manchmal wie eine Religion, und das schreckt mich ab. Was will „die Bewegung“ denn überhaupt, weiß man das? Freies Material schaffen/fördern, und gleichzeitig eigenverantwortliches Lernen bei Schülern erzeugen („die Brücke zu den Lernenden“)? Gibt es da Einigkeit? An dem einen sind alle Lehrer interessiert, am anderen nicht. Lehrer haben gar kein Problem damit, freies Material zu nutzen, wenn sie es finden. Und wenn es welches gibt, finden sie das auch – Quellen für gutes Material sprechen sich selbst bei meinen weniger internetnahen Kollegen herum.

    Was für Material wollen oder brauchen die Kollegen denn? Wenn es um die Mehrheit geht: Konventionelle Schulbücher und Arbeitshefte. Ich beobachte sehr interessiert den schulbuch-o-mat, auch wenn der nicht für mein Fach ist. Sonst gibt es wenig, das ich brauche. Ein pdf-Begleitband zur Lektüre wäre für meine Schüler praktisch.
    Ich bin überzeugt: Wenn man den Kollegen erst mal tolles Material präsentiert, das sie gerne verwenden, dann werden sie es auch verwenden. (Und danach kann man dazu übergehen, sie zum Produzieren zu bewegen.) Es müsste halt erst mal welches da sein. Ich habe noch keinen Moodlekurs gesehen, der mich überzeugt hat. Allerdings sind Deutschlehrer meiner Generation berüchtigt dafür, ohne Buch zu arbeiten, weil sie mit den existierenden nie zufrieden sind.

    Volle Zustimmung bei der Rolle von Bildungsserver. Von denen muss qualitativ hochwertiges OER-Material ausgehen.

    (Fußnote zu Daniel Groß: Die Rechtslage beim Zeigen von DVDs ist unklar, soweit ich weiß. Ich stelle mich wie viele andere auf den Standpunkt, dass das nicht öffentlich ist. Und damit geht das. Ist letztlich ungeklärt. Allerdings ist das Zeigen von Filmen vor Ferien eh ein Unding.)

  5. Aus meiner (Grundschul-)Sicht hat das Thema OER für den „normalen“ Lehrer zu wenig Relevanz. Zum einen, weil es keine Notwendigkeit gibt, auf OER zu setzen. Es gibt Unmengen an herkömmlich lizensiertem Material und um evtl. Kopierbeschränkungen werden ingoriert, da es sowieso niemand kontrolliert.
    Und selbst wenn man denn auf OER setzen möchte, dann wird man sehr schnell merken, dass es einfach wenig Material gibt. An diesem Punkt ist das Thema „OER“ für viele Kollegen dann einfach vorbei. Da mag es in der Theorie noch so viele positive Punkte geben, aber wenn man sie nicht live erleben kann, wird das die Masse wenig beeindrucken. Auch nicht mit einem Logo oder einer zentralen Suchmaschine.
    Lehrer haben ja durchaus Interesse an der Weitergabe und dem Austausch von selbsterstellten Materialien, ansonsten hätte es in den Materialbörsen kein so großes Angebot. Aber das was Lehrer in der Regel selbst erstellen sind AddOns, Gimmicks und andere Kleinigkeiten. Sie haben allesamt nicht das Potenzial, die „großen Lösungen“ der Verlage abzulösen, wie Lehrwerke und groß angelegte Konzepte zur Förderung der Verlage. Mit dem schulbuch-o-mat entsteht jetzt erstmals so eine große Lösung. Hier wird sich erstmals zeigen müssen, was OER wirklich leisten kann, aber selbst dann gibt es keine großen Lösungen für andere Fächer und Schulformen.
    Je länger ich die Diskussionen um OER betrachte, frage ich mich auch, was „die Bewegung“ eigtl. will. Den Einsatz von Material wird man nicht erzwingen können. Hier wird sich Material durch seine Vorteile anbieten müssen. Die Erstellung von OER-Material wird man, so es den von den Lehrern unentgeltlich geschehen soll auch nicht erzwingen können.

    • damianduchamps said, on April 3, 2013 at 10:31 am

      Ich stimme zu, dass die Relevanz von OER bisher für viele eher gering ist, auch weil man es mit dem Urheberrecht im Alltag nicht so genau nimmt.
      Ein Problem besteht sicher auch in der noch nicht sehr umfangreichen Menge an verfügbaren OER. Es sind eher einzelne OER Inseln, die zudem nicht immer leicht zu lokalisieren sind.
      Bei OER geht es ganz sicher nicht darum, die „“großen Lösungen“ der Verlage abzulösen“, sondern darum, eine Alternative anzubieten.
      OER ist ein Angebot. Jeder kann es nutzen, niemand muss. Zwang zur Nutzung, das ist und war nie eine Intention derer, die sich für OER einsetzen.

  6. medienistik said, on April 3, 2013 at 10:14 am

    @Damien Duchamps: Erst einmal vielen Dank, dass du das Thema OER wieder auf die Agenda bringst und so einen durchdachten und lesenswerten Text dazu verfasst hast.

    Viele der Punkte, die du ansprichst, teile ich, vor allem die Forderung nach mehr Werbung und „Aufklärung“.

    Deine Forderung: „Angebotene OER Materialien müssen […| das Logo tragen.“ teile ich jedoch nicht, weil ich dafür das Logo schlichtweg zu hässlich finde. Der Gedanke, dass das einmal „omnipräsent“ sein wird, macht mir regelrecht Angst🙂. Dabei gibt es durchaus Alternativen – das hier finde ich z. B. schön: http://oerconsortium.org/discipline-specific/

    Ich glaube auch nicht, dass man ein Logo braucht, denn OER wird m. E. ohnehin nie so etwas wie eine Marke werden. Eine Marke braucht nämlich einen einheitlichen Qualitätsstandard und den haben OER-Materialien einfach nicht.

    Stattdessen sollten die Anbieter, allen voran die Bundeszentrale für politische Bildung (siehe: http://werkstatt.bpb.de/2013/03/open-educational-development-oed/), versuchen, qualitativ hochwertige Materialien mit einem hohen Gebrauchswert zu erstellen, dann werden sich diese Materialien früher oder später auch durchsetzen.

    Lehrerinnen und Lehrer hingegen, die privat OER-Materialien erstellen wollen, sollten versuche Marktlücken zu finden, die von den Verlagen nicht abgedeckt werden. OER-Materialien leben davon, dass sie aktuell und ungewöhnlich, aber gleichzeitig auch praxisbezogen sind.

    @Daniel Groß So einen großen „Veränderungsdruck“ braucht man gar nicht, um OER nutzen zu können. Wie alle anderen Materialien auch füllt OER eine Lücke aus. Niemand kann ernsthaft wollen, dass die Schulbuchverlage alle pleite gehen. Auf dem OER-Camp gab es ja auch einen interessanten Vortrag darüber, was Verlage eigentlich leisten (ich erlaube mir dazu mal einen Link auf meinen Blog: http://medienistik.wordpress.com/2012/09/23/quo-vadis-schulbuch-das-oer-camp-in-bremen/)

    @Herr Rau Wegen der DVDs stimme ich dir zu – auch hier ganz uneigennützig ein Verweis auf meinen Blog😉 http://medienistik.wordpress.com/2012/02/24/durfen-im-handel-erworbene-dvds-im-unterricht-gezeigt-werden/

    @akismetblablabla Dass es so wenig OER-Material gibt, liegt daran, dass es einfach sehr viel Arbeit ist, die nicht vergütet wird. Wenn man nicht den Antrieb hat, sich für „die Bewegung“ einzusetzen, wird man sich kaum monatelang hinsetzen und an coolen Materialien feilen. Was wir wollen, sind neue Unterrichtsideen, die Vernetzung von Lehrkräften untereinander, die gemeinsame Suche nach dem Unterricht der Zukunft. Die Schulbuchverlage üben momentan zu viel Macht aus – faktisch bestimmen sie und nicht der Lehrplan, was gelehrt wird. Wenn „denen da oben“ (und das sind wie gesagt eher die Verlage als die Kultusminister) etwas nicht passt, findet es in der Schule auch kaum statt und das darf nicht sein. Ich finde man kann OER gut mit Open Source Software vergleichen. Und so wie Firefox gerade die Werbeindustrie vor den Kopf stößt (http://www.heute.de/Firefox-legt-sich-mit-Online-Werbern-an-27274666.html) sollten auch OER-Materialien die Verlage „ärgern“, neue Wege gehen und somit wieder für mehr Wettbewerb um die Zukunft unserer Gesellschaft sorgen, denn darum geht es letzten Endes bei jeder Diskussion um Unterricht und Schule.

    • damianduchamps said, on April 3, 2013 at 11:14 am

      Im Grunde genommen ist OER weltweit schon etwas wie eine Marke. Vielleicht ist Marke auch nicht der treffende Ausdruck. Eventuell passt das Wort ‚Klasse‘ mehr. Und wie bei allen diesen sind die Grenzen fließend. Das ist vergleichbar zu der Frage: wann ist ein Tisch ein Tisch und wann ist es kein Tisch mehr, sondern eine Bank oder ein Hocker? Für mich geht das auch nicht unbedingt mit Qualitätsstandards einher. (Selbst die Materialien von Verlagen weisen nicht immer die höchsten Qualitätsstandards auf.) Vielmehr definieren sich OER über ein Set von Eigenschaften, bezüglich derer es eine mehr oder weniger große Übereinstimmung gibt. Ein Tisch ist eben auch ein Tisch, ob er aus Massivholz von einem Tischler gebaut wurde oder als Pressspankonstruktion in der Fabrik entstand.

      In dem Zusammenhang wäre es aber sicher hilfreich, wenn man eben deutlicher darauf hinweisen würde, dass es sich bei angebotenen OER um eben solche handelt. Und dabei könnte eben ein Logo helfen, a) die Zuordnung zu OER für den Nutzer zu erleichtern, wie auch b) den Wiedererkennungswert zu erhöhen. Wiedererkennen sollte der Nutzer das Logo und dann wissen, „aha, hier finde ich OER“. Die Creative Commons Logos leisten dieses schon heute, jedoch eher schlecht als recht, da sie meist zu versteckt platziert werden und zudem sehr unauffällig sind. „Omnipräsent“ sollte ein OER Logo sein, an den Orten, wo man OER findet und auf dem Materialien selbst, dort und nur dort. Das machen Verlage mit ihren Namen und Logos in der Regel nicht anders.

      Ob OER bei uns eine Lücke füllt, sich als Alternative zu Verlagsmaterialien sieht oder als Ergänzung – alles ist möglich. Wer sich an das Gesetz halten möchte, indem er Verlagsmaterialien gemäß den Nutzungsbedingungen nutzt oder nicht über die Finanzmittel verfügt, wird Alternativen suchen, und wer im Angebot der Verlage bestimmte Inhalte vermisst, wird nach Materialien suchen, welche diese Lücken füllen.

      Sicherlich ist auch eine Rolle für OER vorstellbar, durch welche ein Handlungsdruck bei den Verlagen aufgebaut wird.

  7. angelica_laurençon said, on April 3, 2013 at 6:40 pm

    Hallo Damien,
    Es ist nicht nur ein deutsches, sondern eine europäisches Syndrom.

    Die „Wissensvermittler“, von der Grundschule bis zu den Universitäten sind zutiefst reaktionär, kleinkariert und total ein- und festgefahren im „Lehren as usual…“ Jeder Versuch, eine Online Plattform wie Moodle zu beleben, mit Open Source, Creative Commons und Open Online Kursen, wird schnell durch die leidigen Urheberrechte, geistigen Eigentum usw. gekippt. Als ob wir nicht alle von anderen gelernt und abgeschrieben hätten…

  8. Martina Grosty said, on April 4, 2013 at 11:22 am

    Ein großes Problem ist in meinen Augen die Haltung der Lehrer. Material sammeln? Na, klar es erleichtert doch die Arbeit. Material teilen? Um Gottes willen. Da wurde doch soviel Arbeit verwendet – wenn sie den verwendet wurde und nicht nur Copy & Paste genutzt wurde.
    Ich habe mir in einer Smartboard Fortbildung anhören müssen, wozu eine Dokumentenkamera sinnvoll ist. Man spart sich ja mit Hilfe dieses Gerätes sogar noch den Weg zum Kopierer. Schulbuch runterlegen, abfotographieren und den Schülern als PDF mitgeben. (Betreffende Kollegien arbeitet in der Lehrerfortbildung)
    Unter diesen Umständen kann eine OER Bewegung garnicht richtig entstehen. Dazu muss sich erstmal die Grundhaltung vieler Lehrer ändern.

    • damianduchamps said, on April 4, 2013 at 11:35 am

      Wie überall im Leben gibt es auch bei den Lehrern solche und solche. Eine Kultur des Teilens hat es aber schon immer gegeben, zumindest innerhalb von Kollegien oder Teams. Dass diese Kultur des Teilens auch über Kollegien hinaus möglich ist, zeigen Portale wie 4teachers.de oder ZUM, die man auf jeden Fall als erfolgreich bezeichnen kann.

  9. frandevol said, on April 9, 2013 at 10:19 am

    „Die Aktiven in der OER Szene blieben so bisher leider weitestgehend unter sich. Mit anderen Worten – die OER Bewegung schmort im eigenen Saft. Wer eine Online Veranstaltung zum Thema anbietet, predigt in der Regel zum Chor. Ich denke, genau an dieser einen Stelle liegt das Hauptproblem von freien Bildungsinhalten in Deutschland. Die eigentliche Zielgruppe, Lernende und Lehrende werden nicht erreicht.“

    Genau.
    Aber warum werden sie nicht erreicht? Einen entscheidenden Punkt zeigt meiner Meinung nach der Satz „Wer eine Online Veranstaltung anbietet…“ auf.
    Soll OER wirklich viele Lehrer erreichen, muss man sich auf den Weg machen, auch den „teildigitalen“ Lehrer mit ins Boot zu holen – die Gruppe, die zwar im Internet Material sucht, aber nicht mit Blogs und Webinars, Hangouts und Chats vertraut ist und Wikis nur als unliebsame Quelle für Schülerreferate kennt.
    Diese Gruppe, die von OER sehr profitieren könnte, erreicht man aber nicht mit Online-Angeboten, sondern nur analog. Vielleicht sollte sich die OER-Gemeinde auf den Weg machen, über schulinterne Fortbildungen, Abrufveranstaltungen in Lehrerfortbildungszentren, Gastvorträge an pädagogischen Hochschulen und Studienseminaren die OER-Idee zu verbreiten. Der Zeitpunkt scheint mir gerade jetzt äußerst günstig, da vielen die Angst vor dem Schultrojaner noch in den Knochen steckt und sie nach sicheren Auswegen suchen – leider meist, indem sie sich ganz vom Netz verabschieden.
    Parallel dazu muss aber auch das deutschsprachige Material-Angebot wachsen und leicht auffindbar sein (die CC Suche ist ein schöner Anfang!), sonst zerbröselt die Anfangsmotivation.
    Wichtig scheint mir, dass verdeutlicht wird, wo die Vorteile der Nutzung von OER-Material liegen. Da überzeugt den teildigitalen Lehrer weniger, nun Teil einer weltweiten Bewegung zu sein.
    Betont werden müssten m.E. die Rechtssicherheit bei der Nutzung und die Anpassbarkeit an die Bedürfnisse der eigenen Lerngruppe. Unterstützung beim „Umgang mit Heterogenität“ und der „Individualisierung des Unterrichts “ (wahlweise kann man auch „Inklusion“ einsetzen) durch OER machen sich als Stichworte derzeit sehr gut, um Interesse zu wecken.🙂 und tatsächlich kann OER-Material das leisten, es wird nur noch nicht ausreichend überzeugend dafür genutzt.

    • damianduchamps said, on April 9, 2013 at 11:37 am

      Leider ist es sehr schwierig, die Lehrerinnen und Lehrer zu erreichen, welche mit der digitalen Welt nicht so vertraut sind. Die staatliche Lehrerfortbildung als Kanal ist leider kaum zu gebrauchen für dieses Thema, da es nicht auf deren offizieller Agenda steht.

      • frandevol said, on April 9, 2013 at 12:27 pm

        Oh – dann ist das bei uns offener. Hier kann man selbst Veranstaltungen vorschlagen oder (nach angemessener Prüfung durch die LSchB) anbieten. Die Medienzentren wären sicher auch als Träger zu gewinnen, wenn sich ihnen bewährte Referenten für Veranstaltungen anböten. Vielleicht nicht mit OER als Alleinthema – aber in Kombination mit Anwendungsgebieten.

  10. frandevol said, on April 9, 2013 at 12:20 pm

    Oh – dann ist das bei uns offener. Hier kann man selbst Veranstaltungen vorschlagen oder (nach angemessener Prüfung durch die LSchB) anbieten. Die Medienzentren wären sicher auch als Träger zu gewinnen, wenn sich ihnen bewährte Referenten für Veranstaltungen anböten. Vielleicht nicht mit OER als Alleinthema – aber in Kombination mit Anwendungsgebieten.

    • damianduchamps said, on April 9, 2013 at 2:57 pm

      In der Medienberatung NRW ist das Thema bisher eher schwach besetzt. Einen Mitarbeiter der Medienberatung NRW sieht man ab und zu als Kommentator zu OER Themen in Blogs usw. Das ist Lothar Palm. Zu finden unter http://blog.lotharpalm.de/ .


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