Damian Duchamps' Blog

Schluss mit dem digitalen Schwebezustand

Posted in Medienwelt, Schulentwicklung, Schulpolitik, Uncategorized by damianduchamps on Januar 14, 2017

Wenn aktuell mal wieder beobachte, was sich in der Bildungslandschaft ereignet, vergeht mir die Lust an Schule und Schulentwicklung, an Entwicklung von Unterricht mit digitalen Tools und der Beratung von Schulen und Schulträgern dahingehend.

Der Grund dafür ist einfach. Es hängt alles in der Schwebe. Nichts ist wirklich klar definiert. Hier in NRW kommt nun GuteSchule#2020. Toll mag man meinen, endlich tut sich etwas. Nur, mehr als einen Topf voll Geld und ein paar grobe Vorgaben gibt es nicht. Bloß nichts festlegen, nein, keine festen Vorgaben machen, keine verbindlichen Ziele definieren. So kommt es, wie es kommen muss. Die einen sanieren damit Gebäude, an anderer Stelle baut man ganze Schulen neu davon, hört man, und ein klein wenig wird auch in digitale Infrastruktur investiert. Wenn das Jahr 2020 um ist, werden wir feststellen, dass die Standards an den Schulen in NRW weiterhin höchst unterschiedlich sind. Manche haben Breitbandanschluss und WLAN im gesamten Gebäude, für Schüler und Lehrer, andere endlich funktionierende Toiletten und dichte Dächer oder Klassenräume statt Container, jedoch noch immer keinen Breitbandanschluss und auch kein WLAN im Gebäude. Dass uns das als Land wirklich weiterbringt, werden nur Politiker behaupten, die sich in irgendeiner Vorzeigeschule in einer iPad Klasse von den Medien feiern lassen.

Und dann ist da ja noch das Milliardenpaket des Bundes. Auch hier wird es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht anders laufen. Schon jetzt regt sich Widerstand gegen Bevormundung durch den Bund. Am liebsten hätte man das Geld vermutlich in die Landestöpfe und würde dort damit nach eigenem Belieben verfahren, ohne exakte Zielvorgaben und ohne jegliche Rechenschaft.

Ich wünschte mir, es gäbe sehr eindeutige Vorgaben, sowohl vom Land als auch vom Bund, am besten miteinander abgestimmt. Könnte man nicht zeitliche Vorgaben machen und sagen, bis zum Jahre X hat dieses und jenes zu erfolgen?

  • alle Schulen, ohne Ausnahme, sind an Breitband angeschlossen
  • alle Schulgebäude sind mit WLAN ausgeleuchtet
  • alle Klassenräume haben Präsentationsmedien
  • alle Lehrerinnen und Lehrer sind fortgebildet/fit gemacht
  • alle Länder haben überarbeitete Fachcurricula
  • alle Schulen haben Medienkonzepte und angepasste Fachcurricula
  • alle Schulen können auf eine Basis online IT Infrastruktur zugreifen
  • alle Lehrer, die kein Privatgerät nutzen, haben ein Dienstgerät
  • alle Schüler haben digitale Endgeräte

Alle habe ich jeweils hervorgehoben, da es nicht sein kann, dass in einem reichen Land wie Deutschland, Schulen, Schüler und Lehrer benachteiligt werden, nur weil sie das Pech haben, in eine strukturschwachen Kommune zu leben oder weil im Falle von Schülern ihre Eltern nicht über ausreichend Einkommen verfügen. Alle schreibe ich auch, weil es nicht der Beliebigkeit kommunaler Verwaltungen und parteilichen Ideologie überlassen werden kann, was am Ende dabei herauskommt.

Ich denke, hier sollte es wirklich einen Konsens geben, egal wo die Bundesländer und ihre Regierungen schulpolitisch gerade stehen. Mögen sie sich an ihren Schulformen abarbeiten, wenn sie das denn brauchen, doch bitte nicht an solch grundlegenden Fragen wie der Ausrichtung unserer Schulen und ihres Unterrichts auf eine Zukunft, die schon längst begonnen hat.

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3 Antworten

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  1. Christian said, on Januar 14, 2017 at 1:09 pm

    Dann ließ bitte mal: http://www.nw.de/nachrichten/regionale_politik/21543746_Digitale-Infrastruktur-fuer-Schulen-in-der-Kritik.html
    Wir sind noch Meilen entfernt von einem digitalen Wandel. Leider.

  2. Thomas said, on Januar 15, 2017 at 8:44 am

    Danke für die Klarheit in diesem Beitrag. Bei all dem „Warum wir nicht digital machen sollten oder nur wenn X und Y“ ist es sehr wohltuend zu lesen, dass es Menschen gibt, die sich auch ganz klar und konsequent „dafür“ einsetzen.

    Dass wir noch weit davon entfernt sind und dass diese Liste gerade zu utopisch anmutet ist den meisten sicherlich klar. Das Strategische hinter Forderungen, als was man die Liste oben auch lesen kann, ist ja aber gerade, dass man eine klare Richtung aufzeigt. Ohne das Aber hier und dort.

    Gießkannenprinzip hat den Vorteil, dass jeder sich nehmen kann, was er braucht und keine legitime Argumentation im Anschluss aufbauen kann, dass er nichts bekommen hätte. Für die Politik eine praktische Lösung. Das reicht die Verantwortung an die Akteure weiter. Und das ist ja auch normalerweise nicht so schlecht, denn die sollten ja am besten wissen was gebraucht wird.

    „Politik machen“ wäre aber in der Tat – so wie oben beschrieben – ganz konkrete Bedingungen an die Ausschüttung zu binden. Auch das passiert. Hier kann man aber keine zwei Maßnahmen über einen Kamm scheren. Zweifelsfrei sind es aber Akteure auf allen Ebenen, inklusive der LehrerInnen, die sich dem bösen Digitalem verweigern (wieder neulich auf twitter gelesen, dass Schulleitung und LehrerInnen Initiativen eines Einzelnen gezielt unterdrückten – und das hört man regelmäßig) und ihr Handeln angesichts gesellschaftlicher Veränderungsprozesse reflektieren müssten.

    Ich hoffe, dass dieser Artikel immerhin jenen Mut macht, die sich seit Jahren für moderne Pädagogik einsetzen. Die haben die Unterstützung m.E. mehr als verdient.

  3. Johnny Weilharter said, on Januar 15, 2017 at 10:33 am

    Hat dies auf Gedanken zur Zukunft der Bildung rebloggt.


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