Damian Duchamps' Blog

14 Wege Leseverstehen digital zu trainieren

Posted in Uncategorized by damianduchamps on Februar 9, 2017

Wenn es im Schulalltag eine grundlegende Kulturtechnik gibt, bei welcher viele Schülern große Defizite aufweisen, dann ist es das Leseverstehen (siehe auch „Sie verstehen kaum, was sie lesen oder hören“).

Zum Trainieren des Leseverstehens gibt es viele bewährte Techniken, die seit Jahren im Unterricht genutzt werden. Es sind Techniken, mit denen Textteile hervorgehoben, Anmerkungen hinzugefügt, Texte gegliedert werden, usw.. Bislang finden sich diese Techniken vor allem im analogen Raum. Schule bewegt sich unaufhaltsam ins digitale Zeitalter. Smartphones, Tablets und Notebooks erobern den Unterricht. Sie bringen neue Möglichkeiten mit, das Leseverstehen zu trainieren. Doch auch bekannte Techniken lassen sich in den digitalen Raum übertragen. Was möglich ist und auch, warum es durchaus Sinn machen kann, analoge Techniken ins Digitale mitzunehmen, das soll im Folgenden dargestellt werden. Hier soll es jedoch nicht um die komplexeren Formen gehen, Leseverstehen zu üben, wie über interaktive Trainingsformate, Multiple Choice Abfragen oder Quizze, sondern um die ganz einfachen Möglichkeiten.

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Bildquelle: Pixabay.com, Public Domain

Viele, die weiterlesen, werden am Ende denken, wie simpel und naheliegend das alles doch ist, so einfach, dass man auch selbst hätte darauf kommen können, zu einfach vielleicht.

Hervorheben

Je nach Leseverstehensniveau werden verschiedene Wortarten, Eigennamen, wichtige Aussagen oder ähnlich während des Lesens hervorgehoben. Den bekannten Marker oder Buntstift zum Hervorheben von Text gibt es in nahezu jeder Textverarbeitung. Auch viele PDF Reader bieten die Funktion. Meist sind mehrere Farben vorhanden. Zur Bedeutung einer jeden Markierungsfarbe wird unter dem Text eine Legende angelegt. Je nach Unterrichtssituation wird sie zur Vergleichbarkeit vom Unterrichtenden vorgegeben.

Ausschwärzen

Eine Möglichkeit, einen Text zu verstehen, kann darin bestehen, unwichtige Bestandteile unkenntlich zu machen. Analog kann man dieses mit einem schwarzen Marker tun. Digital funktioniert es ähnlich wie das Hervorheben, nur dass als Farbe schwarz gewählt wird. Diese Funktion wird allerdings nicht von jedem Programm unterstützt.

Siehe auch Improve Reading Comprehension with Google Docs „Black Out“

Löschen

Löschen ist ähnlich wie das Ausschwärzen, hat jedoch den Nachteil, dass man später, falls sinnvoll, die gelöschten Textteile nicht wiederherstellen kann, ohne alle Änderungen am Text rückgängig zu machen. Umgehen kann man dieses Problem, indem man den Text vor der Reduktion auf das Wichtige in Kopie unter den Originaltext einfügt. Löschen funktioniert nur in Programmen, in denen Text editiert werden kann.

Textformat ändern

Textverarbeitung bietet je nach Programm verschiedene Möglichkeiten, Text zu formatieren. Diese Funktionen lassen sich nutzen, um sich ein Textverständnis zu erarbeiten.

Durchstreichen

Eine weitere Möglichkeit, Textteile als unwichtig zu markieren, bietet das Ausstreichen. Textverarbeitungen bieten hier oft die Möglichkeit für einfaches oder doppeltes Durchstreichen. Ein Vorteil dieser Technik besteht darin, dass der durchgestrichene Text noch lesbar ist.

Unterstreichen

Ganz wie in der analogen Welt unterstützen Textverarbeitungsprogramme und auch manche PDF Reader das Unterstreichen von Text, um diesen zu markieren.

Schrift fett oder kursiv setzen

Jeder Texteditor, und sei er auch noch so simpel, unterstützt das Hervorheben von Text durch Umstellen auf fett. Auch das kursiv stellen bietet sich als zusätzliche Möglichkeit zum Markieren von Textteilen an.

Schriftfarbe ändern

Vor allem in Kombination mit fetter Schrift kann die Veränderung der Schriftfarbe gut genutzt werden, um Text hervorzuheben.

Schriftart ändern

Egal welche der Möglichkeiten genutzt wird, die Schrift zu verändern, sei es Schriftart, Schriftgröße oder Großbuchstaben, Hauptsache ist, der veränderte Text hebt sich vom Rest des Textes deutlich ab.

Kommentare

Textverarbeitungsprogramme wie Microsoft Word, OpenOffice/LibreOffice, Pages und Google Docs erlauben es, Textteile zu markieren und über die Kommentarfunktion mit einem Kommentar zu versehen. In der analogen Welt entspreche dieses einem an den Rand des Texte geschriebenen Kommentar, nur das digital deutlich mehr Platz zum Schreiben zur Verfügung steht. Gibt es keine Kommentarfunktion, kann der Kommentar alternativ auch in Klammern und farbig markiert direkt in den Text eingefügt werden.

Zahlen, Emoji, Bilder einfügen

Um sich einen Text inhaltlich zu erschließen, kann es auch sinnvoll sein, in den Text Elemente einzufügen. Das können beispielsweise Zahlen sein, um bestimmte Strukturen deutlicher zu machen. Genauso können Emoji oder Bilder in den Text gefügt werden, um  erschlossene Inhalte zu verdeutlichen.

Text segmentieren

Zur Erschließung eines Textes kann es auch nützlich sein, diesen durch Aufteilung in Abschnitte inhaltlich zu erschließen. Was bei einem auf Papier gedruckten Text nur schwierig zu lösen ist, etwa durch Markierung von Segmenten durch Linien oder durch Zerschneiden des Textes mit einer Schere, gelingt digital viel einfacher, da der Text in einer Textverarbeitung flüssig ist.

Überschriften einfügen

Liegt ein Text in Abschnitten vor oder wurde von den Schülern in Abschnitte aufgeteilt, so lassen sich in einer Textverarbeitung leicht Überschriften einfügen. Zur besseren Kenntlich machen werden sie durch Formatierung hervorgehoben.

Einfügen von Zusammenfassungen

Bei längeren Texten bietet es sich an, inhaltlich erschlossene Abschnitte mit einem kleinen Text kurz zusammenzufassen. Zusammenfassungen kann man dann zum jeweiligen Abschnitt hinzufügen und durch eine passende Formatierung vom eigentlichen Text absetzen. Das könnte durch eine andere Schriftart, Farbe oder einen Rahmen um den Text herum erfolgen.

Text umstellen

Manche Texte werden verständlicher, wenn die Reihenfolge von Inhalten verändert wird. Um einen Text umzugliedern, braucht es analog Schere und Kleber, oder der Text muss neu abgeschrieben werden. Das braucht es digital nicht. Textpassagen lassen sich heraus trennen und an anderer Stelle wieder einfügen. Um die Umstellung eines Textes zu erleichtern, empfiehlt es sich, diesen vorher zu segmentieren.

Wortwolken erstellen

Dem Verständnis eines Textes kann es zuträglich sein, wenn man einen Überblick erhält über die verwendeten Worte. Das kann mit onlinebasierten Anwendungen wie Wordle und ähnlich erfolgen. Der Text wird markiert, kopiert und in die Anwendung eingefügt. Die Wortwolke gibt Aufschluss darüber, welche Wörter am häufigsten verwendet werden.

Text paraphrasieren

Enthält ein Text schwierige Wörter, so bietet sich an, diese nachzuschlagen und dann durch einfachere Wörter oder Umschreibungen zu ersetzen. Die Schüler erschließen sich so den Text und vereinfachen ihn für sich. Genauso können natürlich auch komplette Sätze oder Abschnitte vereinfacht werden. Bei der digitalen Arbeit besteht für Schüler hier der Vorteil, dass nicht der komplette Text neu geschrieben werden muss, sondern nur bestimmte Textteile.

Text kollaborativ erschließen

Auch analog können Schüler sich ein Text im Team inhaltlich erschließen. Über die digitale Funktion zur Zusammenarbeit an einem gemeinsamen Text geht dieses sogar noch besser, da die beteiligten Schüler ihre Kopie jeder für sich sehen, jedoch trotzdem gemeinsam mit den zuvor beschriebenen Verfahren bearbeiten können. Dafür benötigt es eine Textverarbeitung, die online Zusammenarbeit unterstützt. Beispiele dafür wären Google Docs oder Office 365, Etherpad oder Open 365.

Text (sinngestaltend) vorgelesen hören

Vor allem jüngeren Schülern hilft es, einen Text besser zu verstehen, wenn sie ihn sinngestaltend vorgelesen bekommen. Zusammenhänge zwischen verschiedenen Textteilen werden ihnen so deutlicher. Nicht jeder braucht diese Hilfe und manchen hilft es, wenn sie den Text sogar mehrfach anhören können und dabei mitlesen und markieren. Der Lehrer kann den Text dafür vorlesen und als MP3 digital für die Schüler zur Verfügung stellen.

An den Beispielen konnte hoffentlich gezeigt werden, welche einfachen und auch komplexeren Möglichkeiten sich mit digitalen Werkzeugen bieten, Leseverstehen zu trainieren. Die digitalen Techniken bieten dabei einen großen Vorteil gegenüber analogen Techniken. Veränderungen am Text lassen sich einfach rückgängig machen. Das ist in der analogen Welt oft nicht möglich. Außerdem ist die Bearbeitung von digitalen Texten, sofern sie kein nicht editierbares Format haben wie PDF, sehr viel flexibler als die von analogen Texten. Veränderungen in der Struktur, Ergänzungen und Reduzierungen lassen sich einfach einfügen. Abschreiben, Zerschneiden, Überkleben, Aufkleben und ähnlich entfallen.

Die meisten der beschrieben Techniken, Texte für eine Verbesserung des Leseverstehens durchzuarbeiten, unterstützen auch gleichzeitig die Erarbeitung und das Training  einfacher Grundfunktionen von Textverarbeitung. Viele der Funktionen sollten bereits mit Grundschülern nutzbar sein.

Alles, was es nun noch braucht, sind Texte. Die kann man aus digitalen Quellen bekommen, über Texterkennung einlesen oder einfach abtippen oder diktieren. Die letzteren beiden Möglichkeiten nutze ich gerne, um mich selbst mehr auf den Text einzulassen. So bereite ich mich am besten auf zu erwartende Schwierigkeiten meiner Schüler im Textverständnis vor.

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