Damian Duchamps' Blog

Mit Treuhand Clouds wider die politischen Gezeiten

Posted in Uncategorized, Datenschutz by damianduchamps on Juli 15, 2019

Ein Punkt, welcher bei der Diskussion um die datenschutzrechtliche Zulässigkeit einer Nutzung von US amerikanischen Plattformen oft vernachlässigt wird, ist die Unwägbarkeit politischen Handelns, egal ob es um Nationalstaaten oder Staatenverbünde wie die EU geht. Das möchte ich hier noch einmal deutlicher herausarbeiten.

Gäbe es zwischen der EU und den USA ein verlässlich stabiles Vertragswerk, in welchem DS-GVO konforme Lösungen zur Datenübermittlung zwischen beiden Seiten dauerhaft verankert wären, hätten wir nicht die datenschutzrechtlichen Probleme, welche sich gegenwärtig aus einer Nutzung von US amerikanischen Cloud Plattformen ergeben, wenn personenbezogene Daten von Europäern im Spiel sind.

Aktuell gründet die datenschutzrechtliche Zulässigkeit des mit einer Nutzung von Office 365, G Suite for Education und Apple iCloud  verbundenen Flusses von personenbezogenen Daten in die USA in den überwiegend auf dem EU-US Privacy Shield und den EU Standard Vertragsklauseln. Der EU-US Privacy Shield ersetzte das Safe Harbour Abkommen, nachdem dieses im Oktober 2015 von der EU für ungültig erklärt worden war. Doch auch mit dem EU-US Privacy Shield  gibt es Probleme. Zwar wurde der EU-US Privacy Shield zu Beginn diesen Jahres um ein weiteres Jahr „verlängert“, doch das Abkommen steht weiterhin auf wackeligen Beinen, da seine Rechtmäßigkeit in einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof in Frage gestellt wurde. Gleiches gilt für die EU Standard Vertragsklauseln, die dort zur Zeit verhandelt werden. Hinzu kommt der Cloud Act. Dieser ignoriert bestehende Abkommen und ermöglicht US Ermittlungsbehörden den Zugriff auf Daten von EU Bürgern auf Servern von US Unternehmen, egal wo in der Welt diese stehen. Das ist, wie der Europäische Datenschutzausschuss jetzt feststellte, nur in wenigen Fällen mit der DS-GVO vereinbar. Es braucht deshalb ein neues datenschutzkonformes internationales Abkommen. Ob man ein solches mit den US aushandeln kann, bleibt bei der Unberechenbarkeit der gegenwärtigen US Regierung abzuwarten. Und wird diese Regierung 2020 um weiter vier Jahre im Amt bestätigt,  … außerdem weiß niemand, was danach kommt …

Ich habe die verschiedenen rechtlichen Zusammenhänge und Veränderungen jetzt nur kurz skizziert. Damit ist jedoch hoffentlich deutlich geworden, dass in den letzten Jahren viel in Bewegung war im internationalen Datenrecht. Die Übermittlung von personenbezogenen Daten aus Deutschland bzw. seit Umsetzung der DS-GVO aus der EU in Drittstaaten war schon immer kritisch. Hinzu kommt, es hängt sehr viel vom politischen Geschehen ab. Ein Akt des Terrorismus wie 9/11, ein Wechsel der Regierung, eine Änderung der Politik oder auch Gerichtsurteile, welche bestehende Regelungen für ungültig erklären, können massive Auswirkungen auf die Rechtmäßigkeit der Übermittlung von personenbezogenen Daten in Drittstaaten haben. Eine solche Übermittlung ist, selbst wenn US Unternehmen optional die Speicherung von personenbezogenen Daten in EU Serverzentren anbieten, durch die Vernetzung mit Servern außerhalb der EU, erforderliche Zugriffe für Wartung und Support sowie Abflüsse von Telemetriedaten, immer anzunehmen.

Schulen brauchen verlässliche Lösungen, die unabhängig von den Unwägbarkeiten der politischen Gezeiten sind, sowohl innerhalb wie außerhalb der EU. Sie arbeiten im Hier und Jetzt. Man stelle sich vor, eine vergleichbare Unberechenbarkeit herrsche bei den Lehrplänen der Fächer. Wenn Schulen die Angebote von Microsoft, Google, Apple und anderen US Anbietern nutzen wollen, dann brauchen sie eine Lösung, welche nicht vom nationalen und internationalen Politikgeschehen und dem Ausgang von internationale Abkommen in Frage stellenden Gerichtsprozessen, abhängig ist, und dafür sehe ich nur eine praktikable Lösung – Treuhand Clouds, Clouds, die rechtlich von den US Anbietern abgekoppelt sind. Nur wenn die im Zusammenhang mit Office 365, G Suite for Education und Apple iCloud genutzten Server durch eine Treuhand Lösung dem rechtlichen Zugriff von Staaten außerhalb der EU entzogen werden, ist eine Nutzung mit personenbezogenen Daten von Schülern und Lehrkräften auf einer datenschutzrechtlich verlässlichen Basis dauerhaft möglich.

Das wirtschaftliche „Scheitern“ der Microsoft Cloud Deutschland, der einzigen Lösung bisher, welche eine unterrichtliche Nutzung von Office 365 im Einklang mit bestehendem Datenschutzrecht zuließ (bzw. weiterhin zulässt für Bestandskunden), ist kein Grund, warum es vergleichbare Lösungen nicht für den Bildungsbereich geben sollte. Anbieter wie Microsoft, Google und Apple verstehen eine Sprache recht deutlich und die heißt Geld. Also zahlen wir. Das sollte es uns Wert sein, wenn Schulen diese Plattformen nutzen wollen. Und immerhin können wir uns auch tolle Länder Bildungs-Clouds leisten.

Werbeanzeigen

… und die endlose Geschichte um Office 365 geht in die nächste Runde

Posted in Datenschutz by damianduchamps on Juli 14, 2019

Im März hatte ich versucht im Beitrag Office 365 Cloud für Schule – wo stehen wir?, den seinerzeit aktuellen Stand der Entwicklungen bezüglich einer Nutzbarkeit von Office 365 in Schule darzustellen. Es ist mittlerweile Juli 2019 und die endlose Geschichte geht in die nächste Runde.

Die Niederlande legen vor

Aus den Niederlanden kommt zunächst ein positives Signal. Dort hatte man im Rahmen einer Datenschutz Folgenabschätzung Ende letzten Jahres ermittelt, dass Office 365 (Pro Plus) in verschiedenen Punkten nicht datenschutzkonform nutzbar ist (siehe auch Beitrag von Privacy Company zur durchgeführten DSFA). Entsprechend hatte man sich mit Microsoft in Verbindung gesetzt und Verbesserungen geplant. Microsoft versprach, diese umzusetzen. Anfang Juli gab das niederländische Justizministerium dann bekannt, dass die Maßnahmen den Verabredungen entsprechend umgesetzt worden seien und einer Nutzung durch 300.000 Mitarbeiter in Regierungsbehörden damit nichts mehr im Wege stehe. Zusätzlich gab es zwischen dem niederländischen Staat und Microsoft Vereinbarungen, welche die Pflichten des Staates als Verantwortlicher und von Microsoft als Verarbeiter regeln. Für die Regierungsbehörden wurden Implementierungsregeln aufgestellt, welche diese einhalten müssen, wenn sie Microsoft Produkte und Dienste nutzen. Da Microsoft Produktänderungen in seiner global angebotenen Produktpalette nicht ohne Weiteres regional beschränkt umsetzen kann, flossen die aus den Verabredungen mit den Niederländern hervorgegangenen Verbesserungen in die Office 365 Enterprise Edition weltweit ein. Da die EDU Versionen eng an diese gekoppelt entwickelt werden, sollten die Veränderungen auch dort ihren Niederschlag gefunden haben. Unabhängig von den technischen Veränderungen sehe ich den niederländischen Fall sehr positiv, da er einen Weg aufzeigt, wie man zu einer Lösung kommen kann. Dazu später mehr.

Der hessische Datenschutzbeauftragte legt den Finger in die Wunde

Knapp eine Woche später meldet sich der hessische Datenschutzbeauftragte (HBDI) zu Wort. Er hatte bisher in der Microsoft Cloud Deutschland eine Möglichkeit gesehen, wie Schulen Office 365 für Unterrichtszwecke datenschutzkonform nutzen können. Da diese Lösung nicht länger für Neukunden verfügbar ist, erhielt er immer wieder Anfragen aus Schulen bezüglich der Nutzbarkeit der Office 365 Lösung in der EU Cloud. Um hier Klarheit zu schaffen, äußerte er sich mit einer Stellungnahme zum Einsatz von Microsoft Office 365 in hessischen Schulen. Der Beitrag schlug ein, wie man am aufgeregten Gezwitscher auf Twitter sehen konnte, denn er stellte nicht nur die Nutzung von Office 365 an (hessischen) Schulen in Frage, sondern auch Cloud Dienste von Google und Apple.

Doch rechtfertigt diese Stellungnahme die entstandene Aufregung?

Eigentlich tut sie das nicht, denn der HBDI hatte bisher nie angegeben, dass Office 365 mit der EU Cloud für Schulen datenschutzkonform nutzbar wäre. Neu ist in der Stellungnahme selbst nur der zusätzlichen Hinweis, dass seine Aussage bezüglich der datenschutzrechtlichen Unzulässigkeit einer Nutzung von Office 365 mit der EU Cloud nicht nur für Microsofts Plattform gelte. In einem Beitrag von Heise über die Stellungnahme gibt es noch eine weitere wichtige Information, die sich in der Stellungnahme selbst nicht findet. Demnach können die von Microsoft im Mai diesen Jahres angekündigten Verbesserungen, die auch in engem Zusammenhang mit den zwischen den Niederländern und Microsoft getroffenen Verabredungen stehen, den HBDI noch nicht zufriedenstellen.

Das heißt nun was?

Die Verbesserungen, welche Microsoft in Folge der von verschiedenen Seiten aufgedeckten datenschutzrechtlichen Verstöße umgesetzt hat für Office 365 (ProPlus) und Windows 10, reichen dem HBDI noch nicht aus, um die Sicherheit zu bieten, welche eine Nutzung von Office 365 mit der EU Cloud nach seiner Auffassung im Unterricht erfordert.

Warum kann man nicht einfach übertragen, was das niederländischen Justizministerium erreicht hat?

Das niederländischen Justizministerium hat mit Microsoft spezielle Nebenabreden zu den Online Service Terms (OST) getroffen, welche die Verbesserungen auf technischer Seite ergänzen. Wie im Schreiben des Justizministeriums betont wird, gelten diese nur für die genannten Behörden. Auch dort geht es um die personenbezogenen Daten der Benutzer. Der Fall ist jedoch nicht mit einer unterrichtlichen Nutzung vergleichbar. In einer Behörde geht es um Anmeldedaten der Mitarbeiter und um Nutzungsdaten. Sonstige personenbezogenen Daten der Nutzer selbst fallen nicht an, da die Nutzung von Office 365 dienstlich erfolgt und die Inhalte keinen persönlichen Charakter haben.  Im Unterricht fallen zu den Anmelde- und Nutzungsdaten auch viele andere personenbezogene oder -beziehbare Daten an. Es geht vor allem um Inhalte, welche die Schüler produzieren, Ergebnisse von Abfragen, möglicherweise auch Tests und Arbeiten und mehr. Da es sich um zwei sehr verschieden gelagerte Nutzungsszenarien von Office 365 handelt, lässt sich auch nachvollziehen, warum die Verbesserungen durch Microsoft, mit welchen das niederländische Justizministerium die Verabredungen mit Microsoft als erfüllt ansieht, dem HBDI noch lange nicht ausreichend erscheinen müssen.

Die Telemetriedaten und der mögliche Zugriff US-amerikanischer Behörden

Bei den datenschutzrechtlichen Problemen, welche sich durch eine Nutzung von Office 365 mit der EU Cloud ergeben, stehen zumindest zwei im Vordergrund. Beide sind nicht unlösbar.

Bei den Telemetriedaten handelt es sich um Nutzungsdaten verschiedener Natur, welche in diesem Fall von Microsoft Produkten an den Hersteller automatisiert abfließen. Dabei ist allerdings oft nicht klar, ob auch personenbezogene oder personenbeziehbare Daten mit an Microsoft übermittelt werden oder ob es sich lediglich um rein technische Daten handelt.

Hintergrund: In der Vergangenheit hatte Microsoft eine große Zahl von Beta Testern für seine Produkte. Diese installierten dann Vorabversionen von Windows, Office oder anderen Anwendungen auf ihren Systemen und gaben Microsoft Rückmeldungen zu Fehlern und Nutzbarkeit. Da dieses System sehr aufwändig ist und sich technisch neue Möglichkeiten ergaben, stellte man das ganze System auf ein automatisiertes Verfahren um. Die Produkte erheben selbst an bestimmten „Messpunkten“ Daten. Diese betreffen nicht nur Fehlermeldungen, sondern können auch das Nutzungsverhalten einschließen, etwa um herauszufinden, ob ein bestimmtes Feature von den Nutzern tatsächlich genutzt wird und auch wie und wie oft. Für Außenstehende ist dabei nicht ersichtlich, ob bei der Übermittlung dieser Metadaten auch personenbezogenen Daten mitfließen oder ob es möglich ist, aus den Daten Rückschlüsse auf individuelle Nutzer zu ziehen und entsprechende Profile zu erstellen. Es kommt erschwerend bei einer Bewertung hinzu, dass es schwierig ist, die abfließenden Daten einzusehen und zusätzlich verändern die Microsoft Software Teams die Messpunkte immer wieder. Dadurch ist es im Fall von lokal installierten Produkten sehr schwierig bis unmöglich, den Abfluss durch externe Maßnahmen komplett zu unterbinden. Bei Office 365 geht es, um einmal eine Zahl zu nennen, um „zwischen 23.000 und 25.000 Ereignisarten, die vom Telemetrie-Client des Pakets an Microsofts Cosmos-Datenbank in den USA“ übermittelt werden.

Das zweite Problem ist der mögliche Zugriff von US-Ermittlungsbehörden auf Server von US Unternehmen. Diese Zugriffsmöglichkeit, die unter anderem durch den CLOUD Act ermöglicht wurde, ist vor allem aus einem grund problematisch. Sie erfolgt ohne jegliche Nachvollziehbarkeit. Was vor dem Cloud Act im Rahmen von Rechtshilfeabkommen ablief, also unter Einbeziehung von europäischen Behörden, ist nun uneingeschränkt möglich, und weder der Verantwortliche (hier die Schule) noch der Betroffene (hier Schüler und Lehrkräfte) müssen je davon erfahren. Wie oft US Ermittlungsbehörden von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, ist für eine datenschutzrechtliche Bewertung unerheblich. Es zählt alleine die Tatsache, dass es möglich ist.


Ergänzung (16.07.2019)

In einem Beitrag Datenschutz bei Microsoft: Kontrolle, Transparenz und Sicherheit für Kunden weltweit (15.07.2019) greift Microsoft die aktuellen Kritiken zum Thema Datenschutz auf. Microsoft möchte transparent sein. Bezüglich der Zugriffe von US Ermittlungsbehörden im Rahmen des CLOUD Act heißt es,

In Bezug auf den Schutz von Kundendaten in der Cloud legt sich Microsoft strenge Verpflichtungen auf. So praktiziert Microsoft einen strikt kundenorientierten Umgang bei Herausgabeforderungen Dritter nach Daten unserer (Geschäfts-)Kunden. Diese Praxis gilt auch im Zusammenhang mit dem CLOUD Act: Microsoft wird weiterhin Behörden bei Anfragen zur Herausgabe von Kundendaten von Unternehmenskunden, immer zunächst an den Kunden verweisen beziehungsweise den Kunden über die Anfrage informieren, soweit nicht gesetzlich verboten.

Das klingt zunächst gut. Es gibt jedoch ein Problem bei all diesem Bemühen um Transparenz den Betroffenen gegenüber. Anfragen von US Ermittlungsbehörden werden oft mit einer sogenannten Gag Order versehen. Microsoft darf also nicht mit dem Kunden reden oder die Anfrage an diesen weiterleiten (um laufende Ermittungen nicht zu gefährden).

Und als würde das noch nicht ausreichen, hat der Europäische Datenschutzausschuss festgestellt (12.07.2019), sind Übermittlungen von personenbezogenen Daten auf Grundlage des CLOUD Acts nur innerhalb sehr enger Grenzen DS-GVO konform möglich, solange es kein datenschutzkonformes internationales Abkommen gibt.

In einer ersten Bewertung nimmt der EDSA die Position ein, dass – ohne ein neues Abkommen – eine rechtmäßige Übermittlung der Daten unmittelbar an die ersuchende Sicherheitsbehörde auf der Grundlage der DSGVO nur in sehr engen Grenzen möglich ist.

Dass Anfragen von US Ermittlungsbehörden in den Rahmen dieser sehr engen Grenzen fallen, dürfte wohl nur in den wenigsten Fällen zutreffen. Anders wäre jegliche Auseinandersetzung mit dem CLOUD Act überflüssig.


Wie geht es weiter?

Grund zur Panik besteht sicherlich keiner, denn die Bewertung bezüglich einer datenschutzrechtlich verträglichen Nutzbarkeit von Office 365 mit EU Cloud hat sich nicht grundlegend geändert. Es wurde einfach nur noch einmal sehr deutlich gesagt, wo wir stehen.

Die Stellungnahme des HBDI sollte von einer „normalen“ Nutzung ausgehen, denn eine solche wurde auch in der vorherigen Stellungnahme zur Nutzbarkeit von Office 365 mit der MS Cloud Deutschland skizziert. Das meint dann eine Nutzung, bei welcher Schüler deutlich identifizierbar in Office 365 arbeiten,  mit ihrem Klarnamen als Benutzernamen und weiteren Informationen wie Daten zur Erreichbarkeit, und auch alles, was sie (er)arbeiten, in OneDrive speichern, von der Geschichte über den Familienurlaub bis zum Lebenslauf und dazu eventuell noch Feedback und Leistungsbewertungen.

Die Notlösung

Es ist durchaus möglich, Office 365 auch sehr datensparsam zu nutzen, eben ohne den kompletten Klarnamen plus weitere Informationen und ohne Speicherung persönlicher Inhalte in OneDrive. Wie so etwas aussehen sollte, beschreibt der LDI Rheinland Pfalz für Google Classroom. Eventuell nutzt man sogar ein ID Management System für den Login und unterstützt die Vermeidung von personenbezogene Daten in der Microsoft Cloud. Je weniger personenbezogene bzw. -beziehbare Daten in Office 365 landen, um so geringer das Risiko für die Betroffenen. Ein wichtiger Faktor, um Datenminimierung zu betreiben, ist auch die Beschränkung der Nutzung auf schulische Endgeräte am Schulstandort selbst, solange es nicht möglich ist, die Übermittlung von Standortdaten und Informationen aus privaten Logins zu unterbinden. Eine derartige Lösung verlangt Informierung der Betroffenen, eine gute Nutzungsvereinbarung und eine fortwährende Sensibilisierung, und sie ist vielleicht auch nicht für alle Altersgruppen gleichermaßen geeignet. Diese datensparsame Lösung, die sich auch auf Apple iCloud übertragen lässt, ist zwar machbar und aus datenschutzrechtlicher Sicht noch vertretbar, doch definitiv keine ideale und ganz sicher keine dauerhafte Lösung.

Was heißt das für Schulen, die Office 365 nutzen?

Office 365 ist nicht neu und es gibt viele Schulen, die es schon seit Jahren nutzen, auch ohne MS Cloud Deutschland. Vor allem in Berufskollegs ist Office 365 oftmals Standard. Das ist auch in Schulministerien bekannt. Von daher ist nicht zu erwarten, dass von dort nun die Weisung kommt, die Nutzung von Office 365 im Unterricht einzustellen. Wenn, dann wird es eher Aufforderungen geben, die Nutzer zu sensibilisieren und das Nutzungskonzept in datenschutzrechtlicher Hinsicht zu überarbeiten. Die Nutzung  wird an den Schulen in der Regel erst einmal so weiterlaufen, wie bisher. Schulen, die Office 365 nutzen, sollten, falls sie nicht bereits ein Nutzungskonzept haben, welches sich an den Vorgaben aus RLP zu Google Classroom orientiert, auf eine datensparsame Nutzung umstellen. Bei bestehenen Nutzerkonten kann man eventuell noch in den Einstellungen zum Datenschutz, die bei Office 365 durch Microsoft erweitert wurden, nachjustieren. Konten, die bisher mit Klarnamen geführt wurden, jetzt noch umzustellen auf pseudonymisierte Anmelde- und Nutzernamen, macht wenig Sinn, da die Konten für Microsoft bereits mit Identitäten verknüpft sind. Bestehenden Nutzern komplett neue Konten zu erstellen mit datensparsamen Richtlinien für die Erstellung von Anmelde- und Nutzernamen, wäre eine Möglichkeit, die Situation zu entschärfen, bedeutet jedoch eine Menge Aufwand für alle Seiten.

Für Schulen, denen es eigentlich nur darum geht, ihren Schülern und Lehrkräften über eine ProPlus Lizenz eine Offline Version von Office 365, also Office 2016 für die Installation auf Privatgeräten zur Verfügung zu stellen, ist eine Lösung wie in Fulda denkbar. Bei dieser Lösung ist für Schüler der Zugang zu Office 365 in der Cloud gesperrt. Der Zugang über das ID Management System von Univention dient lediglich der Legitimation für die Nutzung der Offline-Lizenz. Personenbezogene Daten der Schüler verbleiben im ID Managementsystem und landen so nicht in der Microsoft Cloud. Diese Lösung bedeutet allerdings auch einen Verzicht auf die vielen Funktionen von Office 365 zur Gestaltung von Unterricht, von der Nutzung von Teams zur Steuerung von Unterrichtsabläufen bis zu den Kollaborationsfunktionen in den eigentlichen Office Anwendungen.

Schulen, welche das Apple Ökosystem nutzen, dürften in der Regel bezüglich einer Nutzung von managed Apple IDs und iCloud zurückhaltender gewesen sein. Eine datensparsame Nutzung ist auch mit iPads möglich und sollte, falls nicht bereits praktiziert, angestrebt werden.

Warum geht es bei uns nicht voran?

Die Aufsichtsbehörden befassen sich seit Jahren mit Microsoft und der Datenschutzkonformität. Und seit Jahren wartet man auf ausstehende Antworten von Seiten Microsoft, hört man immer wieder. In NRW verweist das Schulministerium auf die Aussagen der Aufsichtsbehörde und dort sagt man wiederum, Datenschutz in Schule sei Ressortzuständigkeit des Schulministeriums. Es ist ganz sicher auch keine Lösung, die Nutzung von Office 365 an Schulen lediglich zu verbieten, so wie dieses in einigen Bundesländern der Fall ist. So kommen wir nicht weiter. Wenn wir nur darauf warten, dass die Aufsichtsbehörden feststellen, dass es Mängel gibt oder ob diese behoben sind, wird sich in Schulen nichts tun, denn Schulen haben ihre eigenen Ansprüche an den Datenschutz. Das gilt auch für die Vorgaben, welche Microsoft umsetzen müsste, damit Schulen Office 365 mit der EU Cloud datenschutzkonform nutzen können im Unterricht.

Die Schulministerien müssen (ver)handeln

Es muss sich hier etwas und vor allem jemand bewegen. Beispiele aus anderen Ländern zeigen, es ist möglich, mit Microsoft zu Lösungen zu kommen. Hier in Deutschland habe ich bisher keine Bemühungen von Seiten der Schulministerien wahrgenommen, mit Microsoft in Verhandlungen zu treten, die eigenen Vorstellungen klar und deutlich zu kommunizieren, um gemeinsam eine für den Unterricht in Schulen tragbare Lösung zu finden. Auch wenn man das Problem in Österreich auf Bundesebene angeht, hat die bisherige Passivität der Schulministerien nichts mit dem Bildungsförderalismus in Deutschland zu tun. In der Schweiz verhandeln einzelne Kantone mit den Anbietern Microsoft, Google und Apple. Es kann nicht reichen, darauf zu warten, bis die Aufsichtsbehörden Microsoft und anderen US Cloud Plattform Anbietern eine vollständige DS-GVO Konformität bescheinigen. Für G Suite for Education und Apple iCloud scheint es, anders als bei Office 365, bisher von Seiten der Schulministerien ohnehin noch nicht einmal einen Beauftragung der Aufsichtsbehörden zu einer Überprüfung gegeben zu haben. Man kann sicher davon ausgehen, die Microsofts, Googles und Apples dieser Welt wollen ihre Kunden bedienen und sie bewegen sich durchaus. Ein großes Problem ist und werden auf Dauer auch die Zugriffsmöglichkeiten US amerikanischer Ermittlungsbehörden durch den Cloud Act bleiben.

Das Problem der Telemetriedaten kann nur Microsoft lösen, indem es Möglichkeiten anbietet, die Sammlung und Übermittlung zu kontrollieren und gegebenenfalls zu unterbinden, und Transparenz herstellt. Was die Problematik der Cloud angeht, da kann auch das Land Lösungen schaffen. Welche wären vorstellbar, um die genannten Plattformen im Unterricht nutzen zu können?

Lösung 1 – Microsoft Cloud Deutschland

Microsoft versucht, als weltweiter Anbieter alle Produkte so anzubieten, dass sie für möglichst alle Welt passen. Die DS-GVO hat bereits zu deutlichen Anpassungen geführt und diese sind nicht auf Europa beschränkt, sondern wurden weltweit in die Produktpalette ausgerollt, um das Angebot einheitlich zu halten. Von Nachteil war das nirgendwo. Aber den möglichen Anpassungen sind bei einer solchen Vorgehensweise Grenzen gesetzt. Spätestens wenn es um die Zugriffsmöglichkeiten von US Ermittlungsbehörden geht, braucht es einen anderen Ansatz, eine Microsoft Cloud, die nicht in die Jurisdiktion von US Recht fällt. Die Microsoft Cloud Deutschland ist eine solche Cloud.

Diese Cloud in Treuhand der Telekom ist nicht tot und selbst wenn sie es wäre, könnte man sie wieder auferstehen lassen. Wie der HBDI als einzige deutsche Aufsichtsbehörde festgestellt hatte, ist es für Schulen möglich, die Microsoft Cloud Deutschland unter Einhaltung bestimmter Regelungen im Unterricht datenschutzkonform zu nutzen. Das Angebot wurde von Seiten Microsofts im März diesen Jahres eingestellt, weil es keine ausreichende Nachfrage aus der Wirtschaft dafür gab. Weltweit tätige Firmen beklagten das Fehlen von Features, welche in der internationalen Version Standard sind und die Zusammenarbeit mit Niederlassungen im Ausland erschwerten. Zu den fehlenden Features gehört Teams, was unter anderem von Schulen, die dieses Produkt zur Organisation des Unterichts nutzen möchten, bemängelt wird. Doch was spräche dagegen, wenn man mit Microsoft einen Vertrag aushandelte, durch welchen die MS Cloud Deutschland für schulische Neukunden geöffnet wird, sie ferner Teams beinhaltet und auch für die Zukunft fortbesteht? Schulen, welche bereits die Office 365 EU Cloud Lösung nutzen, werden in die MS Cloud Deutschland migriert. Alle Schulen erhalten die Vorgabe, dass nur noch Office 365 mit der MS Cloud Deutschland zulässig ist. Dazu gibt es noch eine genaue Vorgabe, wie diese Lösung zu nutzen ist. (Man könnte eventuell sogar noch einen neuen Rahmenvertrag für die Preisgestaltung aushandeln.) Mit dieser Lösung bräuchte man das Rad nicht neu erfinden und könnte an eine anerkannte Lösung anknüpfen.

In Bezug auf eine Nutzung von Office 365 durch Schulen im Rahmen  datenschutzrechtlicher Vorgaben wäre diese Lösung vermutlich die bestmögliche, denn auf diese Art und Weise wären personenbezogene Daten von Schülern und Lehrkräften vor dem unkontrollierten Zugriff von US Ermittlungsbehörden auf die Serverinfrastruktur auf denen die Office 365 Dienste laufen, geschützt. Apple und Google haben bisher vergleichbare Lösungen nie angeboten. Das muss nicht bedeuten, dass eine Apple EDU iCloud Deutschland oder ein G Suite for Education Deutschland nicht möglich sind.

Lösung 2 – eine eigene Cloud (als collaboration space)

Eine weitere Möglichkeit, den Zugriff von US Ermittlungsbehörden auf zumindest einen großen Teil der personenbezogenen Daten von Schülern und Lehrkräften zu unterbinden besteht in der Möglichkeit, bei Microsoft Office 365, G Suite for Education und iCloud Schnittstellen für externe Clouds wie z.B. Box.com zu nutzen. Normalerweise sind die eigenen Cloudspeicher der drei US Anbieter Voraussetzung für Kollaboration, Synchronisations- und Backup-Funktionen. Über spezielle Schnittstellen ist es möglich, alternative Cloudspeicher für diese Funktionen zu nutzen. Kollaboration in Echtzeit und Cloudspeicherung sind somit auch außerhalb von OneDrive, Google Drive und iCloud möglich. Nutzt man dafür Server, welche nicht Microsoft oder anderen US Anbietern gehören und damit nicht US Recht unterliegen, sind die Inhalte der Server so vor dem Zugriff von US Ermittlungsbehörden im Rahmen des Cloud Act geschützt. Warum also nicht mit Microsoft in Verhandlungen treten, eine eigene Cloud aufbauen (lassen) und mit Office 365 koppeln? Welche sonstigen personenbezogenen Daten mit einer derartigen Lösung noch aus dem direkten Zugriff der US Anbieter entzogen werden können, müsste man prüfen.

Lösung 3 – Nutzerverwaltung außerhalb von Microsoft Diensten

Bei Office 365 werden die Zugangsdaten der Benutzer im Standard in Azure Active Directory hinterlegt, welches ebenfalls im potentiellen Zugriff der US Ermittler steht. Dieses lässt sich umgehen, indem man die Verwaltung von Benutzern sowie ihren Rollen und Rechten auslagert. Dafür gibt es externe Systeme. Wie diese gestaltet sind, hängt vom Anbieter ab. Einige Schulserver integrieren hier Lösungen. Es gibt darüber hinaus spezialiserte Anbieter wie Univention mit ucs@school, einem Identity- und Access Management System (IAM). Mit einem solchen System, welches bei der Schule oder dem Schulträger on-premise betrieben wird, bleiben die Zugangsdaten der Nutzer unter eigener Kontrolle. Tendenziell deutet aktuell vieles darauf hin, dass die Nutzung eines IAM zukünftig grundlegender Standard einer jeden schulischen IT Landschaft werden wird.

Lösung 3 kann mit Lösung 2 und Lösung 1 kombiniert werden.

Und die Telemetriedaten?

Alle Lösungen bedeuten nicht, dass sich damit die Problematik der Telemetriedaten automatisch erledigt hat. Hier müssen, wie oben beschrieben, die Schulministerien ihre Interessen klar und deutlich kommunizieren. Wenn die Schulministerien sich nicht in der Lage sehen, mit Microsoft zu verhandeln, warum macht man es dann nicht wie die Niederländer und beauftragt das Justizministerium?

Alternativen

Microsoft, Google und Apple sind beliebt und sie können mit attraktiven, ausreiften und erprobten Lösungen aufwarten, welche Schulen zur Gestaltung des Unterrichts nutzen können. Vor allem im Bereich Kollaboration sind die Lösungen dieser Anbieter stark. Es stecken Jahre an Entwicklungszeit dahinter, und eine Serverinfrastruktur, welche die bei zeitgleichem Arbeiten mehrerer User an einem Dokument erforderliche Leistung liefert.

Wer sich den datenschutzrechtlichen Problemen bestehender Lösungen von US Anbietern entziehen möchte, für den gibt es durchaus auch Lösungen. Vielleicht sind diese nicht alle gleich umfangreich wie ein Office 365, doch die grundlegenden Funktionen einer Plattform, mit welcher man im Unterricht lernt und arbeitet, bieten viele von ihnen. Und die alternativen Plattformen entwickeln sich ebenfalls weiter. Zu nennen wären hier Lösungen wie die Open Source Cloud Plattform NextCloud, die von verschiedenen Anbietern zu haben, der Schulserver iServ, das Lernmanagementsystem itsLearning, welches eine datensparsamere Integration von Office 365 und G Suite erlaubt, und die leider kaum bekannte Cloud Office Lösung OX Documents (als Teil von OX App Suite) des Anbieters von Open Xchange. Wer iPads mit individuellen Nutzerkonten einsetzen möchte, ohne managed Apple IDs und iCloud, findet im MDM Relution eine datenschutzfreundliche Lösung, die allerdings mit dem Verlust von Funktionen einhergeht.

Fazit

Für mich ist klar, wie es weitergehen sollte. Wer meine Beiträge in der Vergangenheit gelesen hat, las dort auch immer wieder, dass ich von unseren Schulministerien erwarte, dass man endlich die Initiative ergreift und ähnlich wie in unseren europäischen Nachbarländern gemeinsam mit den US Anbietern für Schulen datenschutzrechtliche Lösungen aushandelt. Sollen sie Geld kosten. Das muss es uns Wert sein, wenn wir nicht mit den personenbezogenen Daten der uns anvertrauten jungen Menschen bezahlen wollen. Rein rechtliche wäre es zwar möglich, die Produkte der US Anbieter mit einer informierten und freiwilligen Einwilligung der Betroffenen im vollen Funktionsumfang zu nutzen, doch Schulen haben auch eine ethische Verpflichtung, die personenbezogenen Daten von Schülerinnen und Schülern wie dem Schulpersonal zu schützen. In Schulministerien kann man sich auch nicht darauf zurückziehen, dass es doch Landesplattformen gebe bzw. diese in der Entwicklung seien oder dass Schulen auf alternative Lösungen wie oben skizziert setzen sollten. Momentan können Produkte wie Office 365, G Suite for Education und Apple iCloud unzweifelhaft mit Funktionalitäten aufwarten, wie sie von der datenschutzfreundlichen Konkurrenz und landeseigenen Entwicklungen zumeist nur in Teilen abgebildet werden können. Das ist auch Schulen klar und für viele Schulen ist ein Verzicht bzw. Wechsel auf Alternativen nicht vorstellbar. Das muss man gegenwärtig akzeptieren.

Mein Tipp für alle Beteiligten (Lehrkräfte, Elternvertretungen, Personalräte, Schülervertretungen, Schulämter, Bezirksregierunge, Datenschutzbeauftragte, …): Reden, Bedürfnisse klar machen, Druck machen nach oben, dass die Schulministerien sich bewegen und mit den US Anbietern verhandeln für die MS EDU Cloud Deutschland, die G Suite for Education Cloud Deutschland und die Apple EDU iCloud Deutschland.

Office 365 Cloud für Schule – wo stehen wir?

Posted in Datenschutz by damianduchamps on Mai 23, 2019
Stand Mai 2019

Office 365 ist mittlerweile in vielen Schulen zu finden und Logineo NRW, dessen Start sich wieder und wieder verzögert, bietet auch keine wirkliche Alternative zu diesem umfangreichen System. Leider ist Office 365 wie auch andere Produkte aus dem Hause Microsoft in Bezug auf das Thema Datenschutz nicht komplett unbedenklich.

Grundlegende Informationen

DS-GVO konform – ja oder nein?

Auch wenn Microsoft die personenbezogenen Daten von europäischen Benutzern überwiegend in europäischen Rechenzentren verarbeitet, ist eine Übermittlung von personenbezogenen Daten in Staaten außerhalb der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) nicht ausgeschlossen. Dieses hat verschiedene Hintergründe. Als US-amerikanischer Konzern mit internationalen Kunden mit Niederlassungen auf der ganzen Welt bestehen schon von daher Verbindungen zwischen den verschiedenen weltweit verteilten Serverstandorten. Für Wartung und Support gibt es außerdem Zugriffe von außerhalb des Geltungsraumes der europäischen Datenschutz Grundverordnung. Außerdem gibt es einige Anwendungen, wie zum Beispiel Sway, die nicht auf Servern in Europa, sondern in den USA laufen. Gerade in dieser Übermittlung von personenbezogenen Daten in Drittstaaten wurde in der Vergangenheit immer wieder ein datenschutzrechtliches Problem gesehen. Mit dem EU US Privacy Shield wurden schon vor Beginn der Umsetzung der DS-GVO die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen, um personenbezogene Daten von EU Bürgern auch auf Servern in den USA verarbeiten zu können. Zusätzlich gab es die EU Standardvertragsklauseln. Beide bestehen fort. Trotz Cloud Act wurde der EU US Privacy Shield für ein weiteres Jahr verlängert. Rein formell erfüllt Microsoft mit Office 365 also auch aktuell die Vorgaben der europäischen Datenschutz Grundverordnung, soweit es um die Übermittlung von personenbezogenen Daten in Drittstaaten geht.

Office 365 wird von den Aufsichtsbehörden trotzdem recht kritisch gesehen. Auch wenn formal alles im grünen Bereich erscheint, so hinterfragen die Aufsichtsbehörden viele Praktiken von Microsoft bezüglich der Konformität mit datenschutzrechtlichen Vorgaben. Aus diesem Grund sind die Aufsichtsbehörden der verschiedenen Bundesländer schon seit Jahren im Dialog mit Microsoft, um Antworten auf ihre Fragen zu erhalten. Leider hat Microsoft bisher nicht alle diese Fragen beantwortet bzw. zufriedenstellend beantwortet. Hinzu kommen verschiedene Erkenntnisse aus Untersuchungen, welche Zweifel aufkommen lassen, ob sich Office 365 wie auch andere Produkte von Microsoft (Windows 10 und andere Office Varianten) tatsächlich datenschutzkonform nutzen lassen (Siehe auch Textende – Anhang). Erst im November 2018 hatte man bei einer Untersuchung in Holland acht Problemfelder im Zusammenhang mit der Erhebung von Telemetriedaten durch Microsoft ermittelt. Diese betreffen die Office 365 – Web Version, das Office 365 ProPlus Lizenzmodell und das Office 2016 ProPlus Lizenzmodell. Mit den Telemetriedaten (Nutzungsdaten zur Softwareentwicklung und um Probleme ermitteln zu können) werden nach Erkenntnissen der Holländer scheinbar auch (personenbezogene bzw. personenbeziehbare ) Daten übermittelt, zumindest in Fragmenten. Bei den in Holland ermittelten Problemen geht es also nicht nur um formale Verstöße gegen die DS-GVO, also nicht in den Datenschutzerklärungen ausgewiesene Verarbeitungsprozesse, sondern auch um tatsächliche, möglicherweise riskante Datenabflüsse. Microsoft sagte zu, bis April 2019 eine Lösung vorzulegen und, ähnlich wie bei Windows 10, Möglichkeiten zu schaffen, die Übermittlung von Telemetriedaten zu deaktivieren. In der Tat wurden wohl in einigen Office Varianten zusätzliche Transparenzmaßnahmen implementiert. Von Seiten der Aufsichtsbehörden aus Holland oder auch aus der Schweiz, wo diese Probleme angemahnt worden waren, gibt es bisher allerdings keine Neuigkeiten.

Die rechtliche Situation in NRW

Rein rechtlich gesehen gibt es aktuell in NRW kein ausdrückliches Verbot von Seiten des Schulministeriums bezüglich einer Nutzung von Office 365. Mit Stand von Mai 2019 findet sich auf Seiten der Medienberatung eine einzige Aussage bezüglich Office 365.

****

Wie sieht die datenschutzrechtliche Bewertung von Microsoft Office 365 für den schulischen Einsatz in NRW aus?

Von der LDI ist mitgeteilt worden, dass ein bundesländerübergreifendes Verfahren zur datenschutzrechtlichen Beurteilung von Microsoft Office 365 stattfindet, das noch nicht abgeschlossen ist. Vor diesem Hintergrund konnte die LDI eine Verwendung von MS Office 365 bislang nicht empfehlen. Andererseits hat der hessische Landesbeauftragte bereits seine Stellungnahme für den Einsatz des Produkts in den Schulen veröffentlicht.

Grundsätzlich kann für die jetzige praktische Handhabung festgestellt werden: Schulleitungen, die sich mangels einer offiziellen Einschätzung in NRW auf die Bewertung des DSB Hessen verlassen und die dortigen einschränkenden Bedingungen zur Nutzung von Office 365 einhalten, u.a. keine Nutzung der Cloud für Verwaltungszwecke, kann kein fahrlässiges oder vorwerfbares Handeln vorgehalten werden.

Es ist jedoch zu empfehlen, in die Überlegungen einer Beschaffung und Nutzung von cloudbasierten Anwendungen wie Office 365 den Umstand einzubeziehen, dass landesseitig mit LOGINEO NRW ein eigenes Angebot für die Datenspeicherung und den E-Mail-Verkehr beabsichtigt ist. Alternativ zu cloudbasierten Anwendungen wie Office 365 können auch Desktop-Anwendungen wie MS Office 2016 oder Libre Office genutzt werden.

****

Hier wird auf eine Stellungnahme des hessischen Landesbeauftragten für Datenschutz verwiesen. Was dabei jedoch unterschlagen wird, ist die Tatsache, dass es die MS Cloud Deutschland in Treuhand der Telekom in dieser Form seit März 2019 nicht mehr gibt. Das Angebot wurde eingestellt, da es rein formell mit Umsetzung der europäischen Datenschutz Grundverordnung für Firmenkunden keine Erfordernisse mehr gibt, auf eine derartige Lösung zurückzugreifen und diese Lösung außerdem für international operierende Firmen mit Niederlassungen außerhalb Europas unbrauchbar war.

D. h. also, in NRW verweist man auf eine Lösung, wie und unter welchen Voraussetzungen Schulen Office 365 nutzen können, die es nicht (mehr) gibt.

Auch von Seiten der LDI NRW gibt es wenig Neues zu berichten. Die Situation hat sich nicht wesentlich verändert. Es kann weiterhin keine Empfehlung ausgesprochen werden, da es keine neuen Erkenntnisse von Seiten der Aufsichtsbehörden gibt. In einem Schreiben äußert allerdings eine Mitarbeiterin der Aufsichtsbehörde NRW, dass sie aktuell eher von einer Nutzung abraten würde.

Das bedeutet zusammengefasst, es gibt weder ein Verbot von Seiten des Ministeriums für die Nutzung von Office 365 noch eine entsprechende Anordnung von Seiten der Aufsichtsbehörde des Landes. Es bleibt damit letztlich der Entscheidung der Schulleitung als als Verantwortlicher bezüglich der Verarbeitung von personenbezogenen Daten in einer Schule, ob und wie Office 365 genutzt wird.

Es ergeben sich jedoch einige recht klare Grenzen, wofür bzw. wie Office 365 in der Schule definitiv nicht genutzt werden kann.

  • Ganz klar scheidet eine Nutzung für die Verarbeitung von personenbezogenen Daten in der Schulverwaltung aus.
  • Nicht ausgeschlossen ist für die Schulverwaltung eine Nutzung für allgemeine Verarbeitungstätigkeiten. Das meint etwa die Bereitstellung von Dokumentvorlagen oder die Übermittlung allgemeiner Informationen.
  • Im pädagogischen Bereich setzt die Nutzung von Office 365 ein sensibles Vorgehen voraus. Das meint einen Verzicht auf alle personenbezogenen Daten, welche zu einer Nutzung nicht unbedingt erforderlich sind.
  • Eine Nutzung mit personenbezogenen Daten setzt immer eine informierte und freiwillige Einwilligung der Betroffenen voraus.

Kann man Office 365 mit Cloud in Schule nutzen?

Was bedeutet das jetzt für eine Nutzung in der Schule? Man kann Office 365 mit Cloud trotz allem durchaus in Schule nutzen. Dabei sind jedoch mehrere Dinge zu beachten.

  • Eine Nutzung innerhalb des Kollegiums zur Entwicklung und zum Austausch von Unterrichtsmaterialien ist problemlos möglich.
  • Eine Nutzung für Verwaltungsaufgaben, welche personenbezogene Daten aus der Schule beinhalten, ob das Klassenlisten sind oder Eltern Anschreiben bezüglich Ordnungsmaßnahmen, ist nicht möglich. (Das soll heißen, es ist nicht möglich mit einer Anbindung an die Cloud. Wenn man in der Verwaltung lediglich eine offline Version nutzt und diese nicht mit einem Cloud Account koppelt, dann hat man kein Problem.)
  • Eine Nutzung im Unterricht ist möglich, wenn man dabei den Grundsatz der Datenminimierung verfolgt. Das bedeutet, personenbezogene Daten bleiben, soweit möglich, außerhalb Office 365 mit der Cloud. Beim Anlegen von Benutzerkonten sollte man sich an den Vorgaben der Orientierungshilfe online-Lernplattformen der Aufsichtsbehörden orientieren und den Anmeldenamen nicht aus dem Klarnamen erstellen, sondern stattdessen z.B. besser eine Kombination aus Initialen und einer Nummer nutzen. Um Nutzer innerhalb der Plattform erkennen zu können, kann der Benutzername durchaus Teile des Klarnamens enthalten.
  • Leistungsbewertungen haben nichts in Office 365 mit Cloud zu suchen.

Die Formalien

Rein formal braucht man für die Nutzung von Office 365 (egal ob mit oder ohne Cloud) eine Einwilligung der Betroffenen in die Verarbeitung von personenbezogenen Daten. Das betrifft die Schüler wie auch die Lehrkräfte. Außerdem braucht man für Office 365, wenn die Cloud Funktionen genutzt werden sollen, einen Vertrag zur Auftragsdatenverarbeitung mit Microsoft, oder eventuell mit einem Dienstleister, wenn dieser die Cloud Funktion zur Verfügung stellt. Außerdem sollte man eine Nutzungsvereinbarung mit Lehrkräften wie Schülern treffen. In dieser wird beispielsweise festgelegt, dass private Daten außer eventuell dem eigenen Namen nichts in Office 365 zu suchen haben. Diese Nutzungsvereinbarung kombiniert man dann direkt mit der Einwilligung bezüglich der erforderlichen Verarbeitung von personenbezogenen Daten.

Hinweis: Personenbezogene Daten betreffen nicht nur den Klarnamen, den man vielleicht für die Erstellung eines Benutzernamens verwendet, sondern auch alle mit dem Nutzer verbundenen Daten. Diese gehen vom Passwort bis zu den technischen Nutzungsdaten und den erzeugten Dateien und deren Inhalten. Da sie mit einem eindeutigen Nutzer verbunden sind, handelt es sich dabei auch um personenbezogene bzw. personenbeziehbare Daten. Auch pseudonymisierte Benutzernamen stellen personenbezogene Daten dar, da sie mittels anderer Informationen den Betroffenen zugeordnet werden können.

Den Vertrag zur Auftragsverarbeitung findet man nicht so ohne Weiteres. Er verbirgt sich hinter den OST oder Online Service Terms, zu Deutsch Online Service-Nutzungsbedingungen. Anders als man es vielleicht erwartet oder erhofft, gibt es keinen Vertrag, der von Microsoft vorunterzeichnet ist und als PDF heruntergeladen von der Schule unterzeichnet und an Microsoft zurückgeschickt wird.

Deshalb ist es wichtig, bei der Anmeldung der Schule für Office 365 das Setzen der Häkchen auf einer Seite, ähnlich wie der unten, zu dokumentieren, am besten durch einen Ausdruck der Seite.

In Bezug auf die DS-GVO ist das ausreichend. Auch den OST sollte man sich sichern. Man findet die OST hier https://www.microsoft.com/en-us/licensing/product-licensing/products Wenn man die richtige Sprache auswählt, lädt das Dokument als docx. Die OST ändern sich monatlich etwas. Es gelten die OST zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses mit Microsoft.

Hintergrundinformation

Anders als mit Anbietern aus der EU oder dem EWR kann man mit Microsoft keinen Vertrag zur Auftragsverarbeitung im eigentlichen Sinne abschließen. Art. 28 DS-GVO sieht hier jedoch geeignete Rechtsinstrumente nach Unionsrecht vor. Die OST fallen, da sie die Standardvertragsklauseln enthalten unter die Regelungen von Art. 28 Abs. 6 DS-GVO. Nahezu gleichwertig mit einem Angemessenheitsbeschluss, der einem Drittland ein der EU vergleichbares Datenschutzniveau bescheinigt, ist der EU US Privacy Shield, welcher von Microsoft gezeichnet wurde.

Thema Rahmenvertrag bzw. wer schließt Verträge mit wem?

Ein etwas komplexes Thema, auch für Schulträger, ist die Frage, wer mit wem den Vertrag zur Auftragsverarbeitung bzw. die OST mit Microsoft abschließt. Rein rechtlich ist die Schule verantwortliche Stelle und nur sie kann einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung bezüglich der Verarbeitung von personenbezogenen Daten aus der Schule abschließen. Wer der Partner auf der anderen Seite ist, hängt von der jeweiligen Konstellation ab.

Viele Schulträger schließen Rahmenverträge mit Microsoft ab. Schulen können innerhalb dieser Rahmenverträge Lizenzen für die Nutzung an ihrer Schule erwerben, die dann über den Schulträger innerhalb des Rahmenvertrages abgerechnet werden. Das bedeutet, Schulen können nicht Lizenzen aus dem Pool des Schulträgers nutzen.

Eine E-Mail-Adresse in Office 365 für eine Person aus der Schule kann also nicht lauten fritz.musterschueler@stadtverwaltung-musterstadt.de. Die Schule erhält damit, dass sie sich selbst ein Konto erstellt, eine eigene Instanz, welche sie mit ihrer eigenen Internet Domäne koppeln kann. In dieser Instanz verwaltet sich die Schule selbst. D. h. nicht, dass nicht Teile davon oder auch die gesamte Verwaltung durch den Schulträger oder einen beauftragten IT-Dienstleister übernommen werden kann. Dazu ist jedoch wie bei ähnlichen Maßnahmen ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung mit dem Schulträger abzuschließen (in welchem dann gegebenenfalls ein vom Schulträger beauftragte IT-Dienstleister ein Unter-Auftragsverarbeiter ist).

Thema E-Mail Konten

Office 365 schließt auch die Möglichkeit ein, E-Mail Konten für jeden Benutzer zu erstellen. Diese Konten sind jedoch nicht dafür geeignet, personenbezogene Daten aus der Schule zu übermitteln. Das gilt sowohl für eine Übermittlung aus der Schule heraus, wie auch innerhalb der Schule selbst. Alle personenbezogenen Daten, welche man auch nicht in OneDrive speichern sollte, gehören auch nicht in E-Mail Konten, welche über Office 365 und Server von Microsoft laufen. Eine Nutzung müsste sich wenn, auf die Übermittlung allgemeiner Informationen beschränken.

Spezialfall – private Nutzung von Office 365

Office 365 kann auch außerhalb der Schule genutzt werden. Das macht Sinn, wenn Nutzer von zu Hause aus arbeiten möchten. Die Pro Plus beinhalten dazu noch die Möglichkeit, Office Anwendungen auf bis zu fünf privaten Endgeräten zu installieren. Anders als bei einer Nutzung über schulische Endgeräte innerhalb der Schule fallen bei einer Nutzung von privaten Endgeräten, in der Regel vom heimischen Standort aus, weitere Daten an. Diese erleichtern es Dritten, den durch die Sicherheitsvorkehrungen der Schule wenig konkreten Benutzer einer natürlichen Person zuzuordnen. Auch wenn Microsoft zusagt, personenbezogene Daten von Benutzern der Edu Version von Office 365 nicht zur Bildung von Profilen zur Werbeanzeige zu nutzen, so ergeben sich durch diese zusätzlichen Datenpunkte auch zusätzliche Risiken. Gleiches gilt auch bei der Nutzung von BYOD in einer Schule. Private Geräte sind, sofern die Benutzer keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen treffen, fast immer einer identifizierbaren Person zuzuordnen.

Office 365 – Risiken minimieren

Es gibt durchaus Möglichkeiten, Office 365 in Kombination mit anderen Produkten so zu nutzen, dass die Risiken für Betroffene deutlich reduziert werden können. Dazu gehört beispielsweise die Schaffung alternativer Möglichkeiten zur Speicherung und zum Austausch von Dokumenten und anderen Inhalten. Ein weiterer Punkt ist das ID und Access Management. Anstelle von Azure Active Directory könnte man hier beispielsweise auf das sehr bewährte ucs@school zurückgreifen. Dieses bietet sich ohnehin ideal als ein zentrales beim Schulträger angesiedeltes ID und Access Management an. Da Schulen in der Regel auf mehr als eine Online Plattform zugreifen, kann hier mittels einer einheitlichen Lösung nicht nur Verwaltung vereinfacht, sondern auch ein mehr an Datenschutz erreicht werden. Eine Alternative für eine sichere online Plattform zum Austausch von Inhalten bietet beispielsweise NextCloud, die so sicher ist, dass sie sogar von der Bundesverwaltung für 300.000 Anwender genutzt wird. Die NextCloud lässt sich über Browser, WebDAV und Apps erreichen und modular erweitern. Das integrierte LibreOffice (Collabora Office) erlaubt sogar eine Online-Bearbeitung, auch kollaborativ, von Dokumenten. Der Anbieter EduDocs hat ein fertiges Paket, welches vor allem für kleinere Schulen sehr interessant ist, auch als stand alone Lösung, alternativ zu Logineo NRW. Eine NextCloud Lösung ließe es auch zu, wenn korrekt implementiert, dort personenbezogene Daten aus der Schulverwaltung zu verarbeiten, da die Sicherheitsfeatures denen von Logineo NRW gleichwertig und in Teilen sogar überlegen sind. Das wäre also auch eine Möglichkeit, das Arbeiten von Lehrkräften von zu Hause im Sinne von Home Office zu ermöglichen.

Hinweis: (Die Verarbeitung von personenbezogenen Daten aus der Schule setzt aber auch hier eine Genehmigung der Schulleitung für die Nutzung von privaten Endgeräten voraus und die personenbezogenen Daten, welche Lehrkräfte von Zuhause aus bearbeiten dürfen, beschränkt sich auf die laut VO-DV I Anlage 3.)

Mit Office 365 wäre das in dieser Form aus datenschutz- und schulrechtlicher Sicht definitiv nicht möglich. Mit NextCloud wäre es möglich, wie in Logineo NRW eine Struktur abzubilden, welche eine saubere Trennung von Verwaltung und Unterricht ermöglicht. Der Anbieter EduDocs hat hierzu bereits ein Konzept mit Beratung von Medien- und Datenschutzexperten aus NRW ausgearbeitet. Alternativ zur Nutzung von NextCloud über einen Dienstleister können Schulen ihre Schulträger bitten, eine eigene NextCloud Instanz aufzusetzen.

Eine weitere Möglichkeit, Office 365 datenschutzfreundlicher zu nutzen, bestünde darin, es an eine andere Plattform wie zum Beispiel itslearning über Single Sign-on und zu koppeln. Hier müsste allerdings bei einer geplanten Doppelnutzung für Verwaltungsaufgaben und Unterricht darauf geachtet werden, dass es eine logische Trennung zwischen beiden Bereichen gibt. Diese würde auch beinhalten, dass Lehrkräfte sich mit zwei verschiedenen Benutzerkonten anmelden müssen.

Handlungsempfehlungen

Eine Nutzung von Office 365 ist in Schulen durchaus möglich zu Zwecken der Unterrichtsgestaltung, der Teamarbeit und der Übermittlung bzw. Bereitstellung allgemeiner Informationen durch die Schulverwaltung. Voraussetzung dafür ist jedoch eine sehr genaue Planung, wie man diese Nutzung datenschutzkonform gestalten kann. Da aufgrund fehlender Transparenz in einigen Teilbereichen nicht zu 100 % klar ist, welche personenbezogenen oder personenbeziehbaren Daten möglicherweise über die in der Datenschutzerklärung von Microsoft deklarierten hinaus verarbeitet werden, muss eine Nutzung darauf abzielen, keine unnötigen Risiken für die Betroffenen entstehen zu lassen. Das bedeutet, es müssen ganz klare Regeln geschaffen und in Nutzungsvereinbarungen festgehalten werden. Aufklärung der Betroffenen und Schulung für einen datenschutzsensiblen Umgang mit Office 365 sind unverzichtbar und regelmäßig zu wiederholen. Außerdem empfiehlt es sich, technischen Möglichkeiten zu nutzen, um die Verarbeitung von personenbezogenen Daten der Betroffenen innerhalb von Office 365 weiter zu reduzieren. Welche Möglichkeiten es dazu gibt, wurde beschrieben.

Anhang

Zum aktuellen Stand der Bewertung des Cloud Angebotes von Microsoft findet sich im 14. Tätigkeitsbericht zum Datenschutz des Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Mecklenburg-Vorpommern (Berichtszeitraum: 1. Januar 2018 bis 31. Dezember 2018) folgende Information.

“Seit dem 1. September 2018 bietet Microsoft keine Neuverträge für die Deutschland-Cloud mehr an. Microsoft hat angekündigt, stattdessen eigene Rechenzentren in Deutschland zu bauen, aus denen Cloud-Dienste für deutsche Kundinnen und Kunden angeboten werden sollen. Damit stehen die Aufsichtsbehörden vor grundlegend geänderten Voraussetzungen zur datenschutzrechtlichen Bewertung von Cloud-Angeboten der Firma Microsoft. Das betrifft sowohl rechtliche als auch technische Fragestellungen. Um technische Aspekte bewerten zu können, müssen jedoch zunächst die rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt und ausgewertet werden. Diese Aufgabe hat der Arbeitskreis Verwaltungsmodernisierung der Konferenz der unabhängigen Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der Länder (Datenschutzkonferenz) übernommen. Dort wurde die strategische Entscheidung getroffen, zunächst die juristischen Aspekte der Auftragsverarbeitung zu bewerten. Zu diesem Zweck untersucht der Arbeitskreis zunächst alle von Microsoft zur Verfügung gestellten Verträge und befragt Microsoft bei Unklarheiten. Erste Antworten von Microsoft sind bereits eingegangen und werden durch den Arbeitskreis Verwaltungsmodernisierung ausgewertet.
Angesichts der rechtlichen und technischen Komplexität der Cloud-Angebote der Firma Microsoft ist nicht damit zu rechnen, dass eine abschließende datenschutzrechtliche Bewertung kurzfristig vorliegen wird.”

Tagged with: ,

Datenschutz und Schule – wo ansetzen?

Posted in Datenschutz, Google Classroom, Schule und Recht by damianduchamps on April 2, 2018

Meinen letzten Beitrag “Zu Hülfe, der Datenschutz …” hatte ich mit dem Fazit geschlossen “Es müssen nur alle wollen, endlich Stellung beziehen und Schulen und Lehrkräften unterstützend zur Seite stehen.” Bei Twitter stellte später Matthias Förtsch die Frage, wer denn “alle” seien und wo man hier ansetzen müsse.

Bildschirmfoto 2018-04-02 um 09.51.04.png

Im Beitrag hatte ich die Verantwortlichen zwar genannt, möchte hier aber noch einmal konkreter werden.

Das grundlegende Problem für Schulen besteht aktuell darin, dass Lehrkräfte bestimmte Softwareprodukte und Plattformen im Unterricht nutzen möchten, es jedoch in den wenigsten Fällen rechtsverbindliche Aussagen von vorgesetzten Dienststellen gibt, ob und wie die Nutzung in Bezug auf datenschutzrechtliche Vorgaben möglich ist. Die daraus resultierende Unsicherheit bei Lehrern, Schulleitungen und Schulträgern führt dazu, dass viele Lösungen in Schule nie oder nur unbefriedigend realisiert werden können, was zu einer zusätzlichen Erschwernis bei der Entwicklung des Unterrichts mit digitalen Medien führt.

Ein Beispiel aus NRW – keine Hilfe ist wenig hilfreich

Symptomatisch hierfür ist für mich ein Beispiel aus NRW. Hier ging es um ein Berufskolleg, welches Office 365 im Unterricht einsetzen möchte. Man war sich nicht sicher, ob bzw. Wie dieses datenschutzrechtlich möglich ist. Eine Anfrage im Dezember 2016 bei der Landesdatenschutzbehörde erbrachte als Ergebnis lediglich, dass ein Bundesländer übergreifendes Verfahren zur datenschutzrechtlichen Beurteilung von Microsoft Office 365 noch nicht abgeschlossen sei, da Microsoft nicht alle Fragen verbindlich beantwortet habe, und außerdem sei es ohnehin das Ministerium für Schule und Bildung, welches die “datenschutzrechtliche Ressortverantwortung” trage. Eine Empfehlung könne man von Seiten der LDI für die Nutzung von Office 365 wegen der ungeklärten Fragen nicht aussprechen. In einer Antwort bestätigt das Ministerium für Schule und Bildung seine Verantwortung, “der Hinweis der LDI auf die Verantwortung des MSW für die Einhaltung des Datenschutzes im Schulbereich ist ohne jeden Zweifel zutreffend” und verweist dann auf den zuständigen schulischen Datenschutzbeauftragten und ergänzt, dass man “als oberste Landesbehörde die Bearbeitung aller Einzelfälle zu Fragen des schulischen Datenschutzes” nicht übernehmen könne. Dass es hierbei eigentlich nicht um einen Einzelfall, sondern um eine grundsätzliche Frage geht, scheint man nicht zu sehen, will man vielleicht auch nicht sehen. Das Ende vom Lied, es hat sich bis heute nichts getan. Die Schule kommt nicht weiter, wie so viele andere.

Beispiele aus anderen Bundesländern – wo etwas geht

Dass es auch völlig anders gehen kann, zeigt das Beispiel Hessen, wo der dortige Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (LDI) sich im August 2017 ganz klar positionierte in Bezug auf die Nutzung von Office 365 unter Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorgaben. Er kommt zu dem Schluss, dass eine Nutzung im pädagogischen Bereich möglich ist und erklärt, was dabei zu beachten ist.

Vergleichbar ist eine offizielle Stellungnahme der LDI von Rheinland Pfalz zu den Anforderungen für den schulischen Einsatz von Google-Classroom und Cloud Angeboten wie Office 365 und Google generell.

Auch in Niedersachsen äußerte sich in einem Tätigkeitsbericht die Landesbeauftragte für Datenschutz zur Nutzung der Cloud Version von Office 365. Sie kam in ihrem Tätigkeitsbericht für 2013/14 zu dem Schluss, dass eine Nutzung nicht zulässig wäre (Anmerkung: das Cloud Angebot entsprach zu der Zeit noch nicht der aktuellen Variante).

In Baden-Württemberg nimmt das Kultusministerium ganz aktuell in der FAQ Datenschutz an Schulen EUDSGVO (03/2018) Stellung zum Thema Cloud Computing und sagt, unter welchen Bedingungen die Nutzung möglich ist und was getan werden muss. Genannt werden als Beispiele Beispiele für Cloud-Computing “Dropbox, Microsoft Cloud Services (z.B. Office365, Azure), Google Drive, iCloud sowie weitere Web 2.0 Anwendungen.” Abschließend gibt sie sogar eine Empfehlung ab. Das ginge sicher noch besser, etwa über einen Rahmenvertrag (siehe unten Beispiel Kanton Zürich) doch hiermit haben Schulen schon einmal eine klare Handlungsmöglichkeit.

Die Zuständigen: Schulministerien und Landesdatenschutzbehörden

Die Zuständigkeiten sind, was Schule und Datenschutz in grundsätzlichen Fragen angeht, eigentlich klar. Das jeweilige Schulministerium eines jeden Bundeslandes trägt die datenschutzrechtliche Ressortverantwortung. Damit liegt es auch an diesen Ministerien, die Schulen zu unterstützen und rechtlich abzusichern, vor allem wenn es um grundlegende Fragen geht. Office 365, G-Suite for Education und Apple und seine Bildungsangebote gehören heute zu den Produkten, welche Schulen vorrangig einsetzen möchten. Oft tun sie dieses auch schon, dann aber entweder mit Einschränkungen und Behelfslösungen oder ohne datenschutzrechtliche Absicherung in einer rechtlichen Grauzone. Und das ist kein haltbarer Zustand.

Neben den Schulministerien spielen jedoch auch die Landesdatenschutzbehörden eine Rolle, wie die Beispiele aus Hessen, Rheinland Pfalz und Niedersachsen deutlich zeigen.

Wie es gehen könnte

Das Beispiel der jetzt kurz vor Inkrafttreten stehenden Datenschutz Grundverordnung zeigt sehr gut, wie Organisationen mit dem Thema Datenschutz umgehen. Man beauftragt in der Regel Juristen damit, die Prozesse innerhalb der Organisation auf die Konformität mit den rechtlichen Vorgaben zu überprüfen und bei Bedarf entsprechende Anpassungen auszuarbeiten. Die Juristen stammen bei großen Organisationen aus der eigenen Rechtsabteilung, bei kleineren Organisationen bedient man sich externer Fachleute. Dieses Vorgehen findet man in der Wirtschaft bei Einzelunternehmen und Verbänden wie auch in Behörden.

Entsprechend dieser Strukturen gibt es auch Mechanismen, die in Gang gesetzt werden, wenn in laufenden Prozessen datenschutzrechtliche Fragestellungen oder Probleme auftreten.

Will eine Organisation die Dienste eines großen Anbieters wie Microsoft, Google, Apple, SAP oder ähnlich nutzen, dann werden hier Verträge abgeschlossen. Und auch hier greifen wieder die Strukturen der Organisation. Es wird geprüft, rechtlich geprüft, ob Dienste des Anbieters den eigenen Ansprüchen in Bezug auf Vertraulichkeit wie aber auch den Vorgaben in Bezug auf den Datenschutz, so zutreffend, entsprechen. Die großen Anbieter digitaler Dienstleistungen verfügen in der Regel über fertige Vertragswerke. Außerdem lassen sich die großen Anbieter von verschiedenen Organisationen zertifizieren. Über die Zertifizierung kann leicht nachgewiesen werden, ob bestimmte rechtliche Vorgaben und Standards eingehalten werden. Wenn dieses nicht ausreichend ist oder den Vorstellungen der Organisation entspricht, wird mit dem Anbieter verhandelt. In der Folge werden Vertragswerke angepasst und bei Bedarf auch Anpassungen an den Diensten des Anbieters entsprechend der Vorgaben der Organisation vorgenommen.

Geht es um die Nutzung von Software oder Cloud-Diensten in Behörden, Universitäten und Schulen werden in der Regel sogenannte Rahmenverträge abgeschlossen. Es kommt dabei jedoch auch darauf an, wer den Rahmenvertrag aushandelt und abschließt. Wie ein solcher Rahmenvertrag für Schulen aussehen könnte, zeigt das Beispiel des Kantons Zürich in der Schweiz. Hier wurde zur datenschutzkonformen Bearbeitung von Personendaten über das Schweizer Medieninstitut für Bildung und Kultur (educa.ch) mit Microsoft ein Rahmenvertrag für den Einsatz von Office 365 in den Primar- und Sekundarschulen geschlossen. Eine Übersicht auf den Seiten des Datenschutzbeauftragten des Kanton Zürich zeigt an, welche Office 365 Komponenten innerhalb des Rahmenvertrages datenschutzkonform genutzt werden können. Bevor dieser Rahmenvertrag möglich wurde, sorgte man in der Schweiz durch eine Vertragsanpassung mit Microsoft dafür, dass die Office 365 Cloud-Dienste von Schulen datenschutzrechtlich unbedenklich eingesetzt werden können.

Auch in Österreich hat man eine Lösung für Schulen geschaffen. Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung hat einen Rahmenvertrag mit Microsoft abgeschlossen. Schulen können die Cloud Lösung von MS Office 365 datenschutzrechtlich sicher nutzen. Welche Bedingungen erfüllt werden müssen, ist klar genannt, eine Einwilligung der Schüler und eine Weiterleitung der Schülerdaten an Microsoft durch die Schule selbst.

Einen Rahmenvertrag gibt es in Deutschland schon

Rahmenverträge mit Microsoft gibt es in Deutschland bereits, für Schulen den mit FWU. Dieser „FWU-Vertrag“ 3.0 wurde Ende 2016 abgeschlossen mit dem Ziel „viele Möglichkeiten der Nutzung von Cloud-Diensten, um für Schulen, Lehrende und Schüler/innen gemeinsam eine moderne und zukunftssichere Lehr- und Lernumgebung zu gestalten.“ Das Problem bei diesem Rahmenvertrag ist jedoch, wie das Beispiel aus NRW zeigt, dass er ohne verbindliche Aussagen des Schulministeriums oder der Landesdatenschutzbehörde für Schulen wertlos ist. Die Aussagen gibt es nicht, da die beiden Behörden mit größter Wahrscheinlichkeit nicht an den Verhandlungen beteiligt waren.

Wie man in Deutschland handeln sollte

Es muss also Klarheit geschaffen werden durch Schulministerien und Landesdatenschutzbehörden. Es reicht nicht, wenn ein Unternehmen wie FWU einen Vertrag mit Microsoft aushandelt, wenn dieses nicht die rechtliche Autorität hat, den Rahmen im Sinne des Datenschutzes für Schulen verbindlich auszuhandeln. Wenn die Datenschutzbehörden weiter auf Antworten von Microsoft waren wollen, wie oben beschrieben, werden sie ewig warten, vermute ich. Man muss verhandeln. Mit der Peitsche der DS-GVO drohen braucht man wohl nicht mehr. Vielleicht hilft es aber, mit der Möhre zu locken.

Ehrlich gesagt sehe ich wenig Sinn darin, wenn jedes Bundesland für sich in Verhandlungen mit den großen Anbietern wie Microsoft, Apple und Google tritt. Die Konferenz der unabhängigen Datenschutzbehörden des Bundes und der Länder und ihre Arbeitskreise arbeiten ohnehin regelmäßig gemeinsame Positionen zu datenschutzrechtlichen Themen aus, wie Beispiele zu Lernplattformen und Cloud Computing zeigen. Wenn der Bund mit einer Grundgesetzänderung nun ohnehin mehr Verantwortung in der Bildung übernimmt, sollte doch nichts dagegen sprechen, wenn entsprechende Rahmenverträge durch den Bund ausgehandelt würden, einschließlich der dazu notwendigen Vertragsänderungen. Immerhin würde der Bund mehr als 30.000 allgemeinbildende Schulen vertreten mit ungefähr 8,37 Millionen Schülern (statista), eine große Möhre, auch für Microsoft, Apple und Google. Für die Konzerne ginge es um ein größeres Finanzvolumen bzw. im Falle von Google um mehr Nutzer, die sich mit der Marke anfreunden. Damit hätte der Bund wesentlich mehr Gewicht in den Verhandlungen und könnte leichter nationale Datenschutzvorgaben, soweit sie von der DS-GVO abweichen, und Vertragskonditionen durchsetzen. Dass solches Sinn macht und möglich ist, zeigen das Beispiel Österreich.

Die letzte Frage

Die Frage, welche nun am Schluss bleibt, nachdem benannt ist, wer alles wollen muss, ist letztlich, wo genau man nun die Hebel ansetzen muss, um die Schulministerien und Landesdatenschutzbehörden bzw. den Bund zum Handeln zu bewegen.

Meine Recherchen zum Thema lassen vermuten, dass es zwar bei den Schulministerien und Landesdatenschutzbehörden immer wieder vereinzelte Anfragen von Schulen gibt, die dann jedoch, wenn überhaupt, nur einzeln beantwortet werden, und oft mit einer Antwort, die nicht weiterhilft. Einzelne Bundesländer zeigen zumindest, dass sie in die richtige Richtung denken. Es bräuchte aber wohl eine konzertierte Aktion, um alle diese trägen Kolosse von übergeordneten Behörden der Länder (die Schulministerien und Landesdatenschutzbehörden) bzw. des Bundes (das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Bundesdatenschutzbeauftragte) zum Handeln zu bewegen. Vielleicht ist dort nicht einmal klar, dass hier Handeln dringend erforderlich ist, vor allem jetzt,wo Geld kein Problem sein soll, wo Schulen und Schulträger Weichen stellen müssen.

 

Zu Hülfe, der Datenschutz …

Posted in Datenschutz, Schule und Recht, Schulentwicklung by damianduchamps on März 30, 2018

Vor einem halben Jahr setzte ich mich hier im Blog mit Datenschutz und Schule auseinander und rief zu einem pragmatischen Umgang mit dem Thema Datenschutz auf. Besser geworden ist seither nichts, erwartungsgemäß. Nicht umsonst merkt Svenja Busson, die Schulen weltweit besucht hat, um gelungene Beispiele für den Einsatz von digitalen Medien im Unterricht zu sammeln, im Spiegel Interview kritisch an zur Situation in Deutschland: “Die Lehrer täten sich leichter, wenn der Datenschutz – den ich auch wichtig finde – nicht ganz so rigide wäre.” Datenschutz bremst, so wie er gegenwärtig im Bereich der Bildung gehandhabt wird, Schulen in Deutschland weiterhin massiv aus. Und dieses macht sich jetzt umso mehr bemerkbar, wo sich Schulen in großer Zahl endlich auf den Weg machen, digitale Medien in ihren Unterricht zu integrieren. Geld sei kein Problem und werde es in den nächsten Jahren auch nicht sein, hörte man Ende 2017 bei einer Tagung in Düsseldorf aus dem Ministerium für Schule und Bildung NRW. Klingt gut. Freut uns. Das sind wirklich einmal gute Perspektiven, wenn da der Datenschutz nicht wäre. Wenn Schulen und Schulträger planen, wenn Medienkonzepte und Medienentwicklungspläne erstellt werden, spielt Datenschutz auch dabei eine Rolle, doch eher eine, die Lösungen verhindert. Keiner möchte in die Falle tappen. Alle wollen auf Nummer sicher gehen. Zu viele Fragen sind ungeklärt, zu wenige Antworten zu finden. Allzu oft kommen dann altbewährte Lösungen heraus, abgeschottete Windows Netzwerke mit Thin-Clients, Totalkontrolle und streng gefiltertem Internetzugang, interaktiven Whiteboards und bei IT Dienstleistern gehosteten LMS. Mitunter sind durchaus einmal brauchbare Lösungen dabei, doch meist ist die Umsetzung von pädagogischen Vorstellungen, die auf zeitgemäßes Lernen setzen, die die 4K im Blick haben, kaum möglich. Möchte eine Schule lieber auf iPads setzen, geht dieses leider nur mit Einschränkungen. Keine persönlichen Daten, denn die landen auf Servern von Apple und die können überall stehen, auch in den USA. Da mag Apple ganz aktuell bei der Vorstellung eines neuen iPads und neuer Software in einer Schule in Chicago noch versichern, dass die von Schulen selbst generierten und Schülern zugewiesenen Apple IDs von Apple selbst nie eingesehen würden, egal. Es geht nicht. Shared iPad, die Lösung, mit welcher mehrere Schüler ein iPad teilen können mit eigenen Accounts – geht nicht, da die Daten beim Nutzerwechsel in die iCloud gesichert werden. Die Nutzung der neuen Funktion der iWork Apps Pages, Numbers und Keynote auf iPads zur Echtzeit Kollaboration, ganz im Sinne der 4K, geht nicht, da die Synchronisation über die iCloud läuft und dieses mit den datenschutzrechtlichen Vorgaben, so wie man sie zur Zeit handhabt, nicht vereinbar ist. Am sichersten fährt man als Schule zur Zeit, wenn man iPads ohne individuelle Benutzerkonten für Schüler einsetzt. Auch individuelle Benutzer sind möglich, wenn sie über einen virtuellen Desktop als Zugangsgeräte zu einem Windows Netzwerk eingesetzt werden. Office 365 sieht man von Seiten der Wirtschaft gerne in Schulen, bereitet es doch die zukünftigen Mitarbeiter auf die Nutzung der in Firmen meistverbreiteten Office Suite vor. Das Microsoft Produkt mit OneNote Classroom und Teams bietet tolle Möglichkeiten zum kollaborativen Arbeiten. Und wenn es sein muss, bietet man sogar noch eine Cloud in deutscher Datentreuhand. Alles toll, sollte man meinen. Leider nicht. Es gibt offiziell kein grünes Licht, dass Schulen Office 365 vernünftig nutzen können, ohne datenschutzrechtliche Vorgaben zu verletzen. G-Suite for Education und Chromebooks sind in den USA und vielen Ländern der Welt ein Erfolgsmodell, gut zu nutzen für Schüler wie Lehrkräfte, ideal für die Umsetzung der 4K, einfachst zu administrieren, doch für staatliche Schulen in Deutschland mehr oder weniger ein No-go. Auch hier fehlt grünes Licht für eine datenschutzrechtlich abgesicherte Nutzung. Die Liste ließe sich fortsetzen mit zahllosen Apps und Webplattformen, die für die Unterrichtsentwicklung mit digitalen Medien fantastische Möglichkeiten bieten, wäre da nicht das Thema Datenschutz. Will man in Schule digital arbeiten, so ist dieses eigentlich nur dann sinnvoll, wenn Schüler mit Klarnamen arbeiten können. Die Nutzung von Pseudonymen, wie ich sie im September als pragmatischen Ausweg vorschlug, ist zwar durchaus machbar, doch im schulischen Alltag auf Dauer nicht zweckmäßig. Kommunikation und Kollaboration funktionieren eindeutig besser, wenn man mit echten Namen arbeitet. Auch Lehrkräften kann nicht zugemutet werden, dass sie Pseudonyme mit Listen abgleichen, wenn sie digitale Lernprodukte bewerten sollen.

Im Februar hat das Thema Datenschutz in NRW mit der neuen verpflichtenden Genehmigung, welche Lehrkräfte nun benötigen, wenn sie Daten ihrer Schüler auf einem privaten Endgeräten verarbeiten wollen, zusätzliche Brisanz erhalten. Lehrkräfte und Schulleitungen fühlen sich von den Vorgaben überfordert, Hauptpersonalräte und Gewerkschaften raten davon ab, die Genehmigung zu unterzeichnen und fordern Dienstgeräte. Die LDI NRW liegt mit ihrer Einschätzung auf gleicher Linie. Axel Krommer deutet in seinem Beitrag Anzeichen der Krise II die Genehmigung als ein weiteres Phänomen der Krise in der Übergangszeit zwischen dem Gutenberg-Paradigma und dem Turing-Paradigma. Der Datenschutz, so Krommer, bremse die digitalen Arbeits- und Kommunikationsprozesse aus und unterstütze damit im Extremfall unter dem Motto „Datenschutz vor Pädagogik!“ die Stift-und-Block-Kultur. Die Lösung heißt für ihn deshalb, “Zeitgemäße Bildung wird nur Hand in Hand mit zeitgemäßem Datenschutz möglich sein.”

Als wenn die vielen ungelösten Problem mit dem Datenschutz in Schule nicht reichen würden, rückt nun der Tag näher, an welchem die Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) in Kraft tritt. Schon seit zwei Jahren wissen wir, was kommt. Die europäischen Länder spezifizieren die nationale Ausgestaltung in Form der Datenschutzgesetze der Länder. Arbeitsgruppen diverser Wirtschaftsbereiche sind seit dieser Zeit damit beschäftigt, Strategien auszuarbeiten, wie man die Vorgaben der DS-GVO umsetzen kann. Die DS-GVO stärkt die Rechte der einzelnen Person im Sinne der informationellen Selbstbestimmung und soll sie vor Missbrauch der personenbezogenen Daten schützen. Entsprechend sind die mit Verstößen verbundenen Sanktionen deutlich stärker als sie es bisher waren.

Auch vor der Bildung macht das Thema DS-GVO nicht halt, wenngleich aktuell noch keine unmittelbar davon abgeleiteten Regelungen im schulischen Bereich bekannt sind, zumindest nicht in NRW. Veröffentlicht wurden bisher nur eine Übersicht und Hilfestellungen der Datenschutzkonferenz zu den anstehenden Veränderungen in Schule. “Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die DS-GVO für die Datenverarbeitung durch öffentliche Stellen eine Vielzahl von Veränderungen vorsieht.” fasst die Landesbeauftragte für Datenschutz in Niedersachsen die Lage zusammen.

Und als wenn das noch nicht genug wäre, sorgen sich nun auch bloggende Lehrkräfte und Verantwortliche für Schulhomepages, aufgeschreckt durch Artikel wie Datenschutzgrundverordnung: Neue Abmahngefahren für Websites und DSGVO: Was freie Journalisten und Blogger jetzt tun müssen, ob ihnen bei ihren Blogs irgendwelche Gefahren durch die Nutzung von Inhalten aus fremden Quellen, Web-Fonts und Analyse-Tools drohen.

Zu Hülfe, der Datenschutz … möchte man rufen. Wie ein drohendes Unwetter zieht der 25. Mai herauf und keiner weiß so recht, was passieren wird. Statt Klarheit herrscht überall Unsicherheit. Wie bei so vielen Dingen fehlen klare, eindeutige Vorgaben, an denen man sich orientieren kann.

Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist ein Grundrecht und Datenschutz damit Pflicht. Wie die unermessliche Datensammelwut von Facebook und Co. und Datenskandale wie Cambridge Analytica bestens illustrieren, sind Regelungen dringend von Nöten, um das Individuum zu schützen. Das Kind ist, was den Datenschutz angeht, quasi schon in den Brunnen gefallen. Die riesigen Internetkonzerne, die mittlerweile teilweise das wirtschaftliche Volumen großer Volkswirtschaften haben, konnten das Internet quasi in Wildwest Manier ungehindert und unreguliert für sich erobern. Die DS-GVO Europas kommt nun im letzten Moment um die Ecke, um zu retten, was noch zu  retten ist, und um für die Zukunft die Weichen zu stellen für einen besseren Schutz der personenbezogenen Daten der Menschen.

Bei der DS-GVO geht es um Recht und Gesetz, wie auch bei den davon abgeleiteten nationalen Regelungen, den Datenschutzgesetzen und Verordnungen. Wenn das Recht eindeutig wäre, bedürfte es nicht Heerscharen von Juristen, die es auslegen. Am Ende entscheidet die Auslegung über die Durchsetzung von Recht, in letzter Instanz vor Gericht. Und so gibt es auch beim Datenschutz keine absolute Eindeutigkeit. Man findet Auslegungen, die eher restriktiver Natur sind und solche, welche die Paragraphen freiheitlicher interpretieren.

Und so kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass es den Schöpfern der DS-GVO nicht darum geht, das Internet zu zerbrechen, denn dafür ist seine Bedeutung zu groß.

Vor diesem Hintergrund sollte man auch die aktuelle Situation betrachten. Wenn man die anfangs beschriebenen Schwierigkeiten, die wir als Lehrkräfte, Schulleitungen und Schulträger (und bloggende Lehrer) mit dem Datenschutz haben, zusammengefasst betrachtet, so haben alle die gleichen Ursachen: Überforderung, Unsicherheit, Angst.

  • Als Nutzer digitaler Medien sind wir alle mit dem Datenschutz, so wie er momentan in Deutschland gehandhabt wird, komplett überfordert.
  • Überfordert scheinen auch die verantwortlichen Stellen, Ministerien und Landesdatenschutzbehörden, denn anders ist nicht zu erklären, warum von diesen keine eindeutigen Aussagen zu erhalten sind, ob und wie die oben genannten Plattformen genutzt werden können.
  • In Folge herrscht unter Lehrkräften, Schulleitungen und Schulträgern eine extreme Unsicherheit.
  • Jeder hat Angst vor den möglichen rechtlichen Konsequenzen, falls mal etwas schief geht.

Und in dieser Kombination lähmt der Datenschutz die Entwicklung in Deutschland massiv. Vieles, was möglich wäre, unterbleibt.

Was wir brauchen, um aus dieser Misere herauszukommen, ist ein Ende der Unsicherheit. Verantwortliche Stellen müssen klare Stellung beziehen, eindeutige Aussagen machen, was geht und was nicht – und dabei sollte man die Vorgaben der Datenschutz Gesetzgebung eher freiheitlich und ermöglichend auslegen als restriktiv und verhindernd.

Dass dieses möglich ist, zeigen die Beispiele vieler Länder um uns herum. Der Schweiz, deren Schulen beispielsweise G-Suite for Education nutzen können, wird vermutlich niemand vorwerfen wollen, leichtfertig mit den personenbezogenen Daten ihrer Bürger umzugehen. Was in anderen Ländern möglich ist, sollte also auch bei uns in Deutschland gehen.

Die Sorge, dass große Konzerne wie Microsoft, Apple und Google die Daten von Schülern und Lehrern für eigene Zwecke missbrauchen könnten, ist sicherlich berechtigt. Doch auch hier gibt es Lösungen. Die heißen Gesetze. Man braucht Institutionen, die über die Einhaltung der Vorgaben des Datenschutzes wachen. Es gibt sie, von staatlicher Seite wie im NGO Bereich. Und werden Verstöße festgestellt, werden die Verantwortlichen mit den Mitteln des Gesetzes zur Rechenschaft gezogen und mit Sanktionen belegt.

Nicht verhindern können wir, wenn im Zuge polizeilicher oder geheimdienstlicher Ermittlungen US Behörden Zugriff auf Daten erhalten, die auf den europäischen Servern von US Firmen liegen. Dass man darin jedoch einen Grund sieht, die Cloud Produkte von US Firmen für deutsche Schulen generell zu verbieten, halte ich für absolut übertrieben. Greifen europäische und deutsche Ermittlungsbehörden nicht auch auf diese Daten zu?

Auch für die Genehmigung für Lehrkräfte in NRW, schulische Daten auf privaten Endgeräten zu verarbeiten, sind praktikable Lösungen möglich. Der aktuelle Ansatz, die rechtliche Verantwortung komplett auf Schulleitungen und Lehrkräfte abwälzen zu wollen, ist ganz sicher nicht der richtige Weg. Hier muss die Landesregierung dringend nachbessern. Dienstgeräte sind eine Möglichkeit, aber keine billige, denn diese Geräte müssen nicht nur beschafft, sondern auch professionell gemanagt werden, um Sicherheit zu bieten. Das Land muss die Lehrkräfte und Schulleitungen aus der alleinigen Haftung entlassen und sie rechtlich absichern. Klar ist, wenn grobe Fahrlässigkeit nachzuweisen ist mit einem Datenschutzverstoß, dann sollte das auch rechtliche Konsequenzen haben. In allen anderen Fällen sollte jedoch das Land die Haftung für seine Schulleitungen und Lehrkräfte übernehmen. Vielleicht sollte das Land NRW hier eine entsprechende Versicherung abschließen. Außerdem sollte es möglich sein, dass Lehrkräfte, die auf ein Dienstgerät verzichten und lieber ein eigenes Gerät nutzen, dieses tun können. Auch sie müssen vom Land rechtlich in Schutz genommen werden, wenngleich bei ihnen eine begrenzte Mithaftung vorstellbar wäre. In der Regel werden vor allem erfahrenere Benutzer eigene Geräte anstelle von Dienstgeräten haben wollen, und die wissen meist, was sie tun.

Das Inkrafttreten der DS-GVO wird in Bezug auf den Datenschutz nicht nur einen besseren Schutz für die Bürger bringen, sondern für Schule auch neue Möglichkeiten eröffnen. Warum? Da die DS-GVO dafür sorgt, dass wir in allen europäischen Mitgliedstaaten ein einheitliches Datenschutzrecht habe und damit auch ein einheitliches Datenschutzniveau, können wir in Deutschland endlich auch die tollen Online Angebote aus anderen europäischen Ländern nutzen, die uns bisher verwehrt geblieben sind. Sie haben ab dem 25. Mai 2018 den gleichen datenschutzrechtlichen Status wie deutsche Angebote.

Und was die Sorgen der bloggenden Lehrkräfte angeht und die Betreiber von Schulhomepages, hier sollte man mit dem rechten Augenmaß an die Sache herangehen. Es ist durchaus zu erwarten, dass Abmahn-Haie in der Anfangszeit nach Inkrafttreten der DS-GVO ihr Unwesen treiben werden. Allerdings ist auch damit zu rechnen,  dass die Gesetzgeber diesem Treiben schnell ein Ende setzen werden. Dass man sich als Blogger Gedanken machen muss, ob bei der Nutzung von Google Web Fonts, von Google Analytics, der Einbindung von LearningApps und von YouTube Videos oder beim Abgeben von Kommentaren Daten erhoben werden, ist abstrus. Das hat auch nichts mehr mit Datenschutz zu tun im Sinne der Gesetzgebung zu tun. Diese Daten werden überall erhoben. Sie gehören zum Internet und jeder, der als medienkompetenter Nutzer im Internet unterwegs ist, ist sich darüber im Klaren. Das ist wie im Straßenverkehr. Jeder kennt die Regeln, weiß, wie es läuft, und nur, wenn es Abweichungen davon gibt, werden wir durch Schilder darauf hingewiesen. Viel wichtiger ist es für Betreiber von (nichtkommerziellen) Webseiten, dass sie grundsätzlich versuchen, die Erhebung von Daten der Besucher auf ein notwendiges Minimum zu beschränken und dass sie die Erhebung außergewöhnlicher Daten anzeigen und genau dafür eine Einwilligung einholen.

So aussichtslos wie manches scheint, ist es in Bezug auf den Datenschutz und die Schule eigentlich gar nicht bestellt. Alle beschriebenen Probleme sind lösbar. Es müssen nur alle wollen, endlich Stellung beziehen und Schulen und Lehrkräften unterstützend zur Seite stehen. Und auch für die Blogger wird nichts so schlimm kommen, wie von manchen befürchtet. Und die DS-GVO wird nach einigen Anlaufschwierigkeiten mit der alltäglichen Umsetzung ein Gewinn sein, für alle.

Datenschutz & Schule – nur Pragmatismus bringt uns weiter

Posted in Datenschutz, Medienwelt, Schulentwicklung, Schulpolitik by damianduchamps on September 29, 2017

Mal ganz ehrlich, Datenschutz und Schule gehen momentan gar nicht zusammen. Schulen sollen digitale Lösungen in den Unterricht integrieren, doch ständig erhebt jemand warnend den Zeigefinger und sagt, in Bezug auf den Schutz der persönlichen Daten der Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte geht dieses nicht und das nicht und grundsätzlich geht sowieso gar nichts. Mit solch einem Ansatz werden wir nicht weiterkommen. Das ist nichts anderes als Verhinderungskultur. Was wir brauchen, sind Lösungsansätze, die uns im schulischen Alltag weiterbringen anstatt uns zu blockieren. Datenschutzschutzbeauftragte sollten nicht nur sagen, was nicht geht, sondern Schulen helfen, pragmatische Lösungen zu finden.

Damit hier kein Missverständnis aufkommt aufkommt, den Schutz der persönlichen Daten von Schülerinnen und Schülern halte ich für absolut unverzichtbar.

Wenn wir in der Schule vom Schutz der persönlichen Daten sprechen, gehen wir von Vorstellungen aus, die meiner Meinung nach völlig unrealistisch und überzogen sind. Natürlich sollen und müssen persönliche Daten geschützt werden. Dazu sind wir verpflichtet und es ist selbstverständlich. Ein Restrisiko ist jedoch nie auszuschließen, wie überall im Leben. Beim Datenschutz versuchen wir jedoch genau dieses. Man tut so, als müsse ist den perfekten Schutz geben, und ist man sich da nicht sicher, so ist die Lösung tabu, die Lernplattform, das App, das Lernmanagementsystem können nicht genutzt werden.

Landesdatenschutzbeauftragte geben für die Microsoft Cloud Deutschland kein grünes Licht, weil noch Unklarheit über irgendein Komma besteht in der Dokumentation. Derweil nutzen große Konzerne die Lösung schon lange, denn diese Lösungen sind von diversen Instituten der Wirtschaft und von anderen Institutionen zertifiziert und geprüft. Das gilt auch für die G-Suite von Google. Bei Firmen geht es um Wirtschaftsdaten und Wirtschaftsspionage. Das hat in der Regel mehr Gewicht als persönliche Daten, denn es geht um Millionen- oder Milliardenbeträge.
Man fragt sich, warum geht in Schule nicht, was in der Wirtschaft geht? Die Wirtschaft hat nicht weniger zu verlieren als Schule mit persönlichen Daten.

Wenn es um Schule und Datenschutz geht, fehlt uns ein vernünftiges Maß. Im Schulleben außerhalb der digitalen Welt sieht das völlig anders aus. Seien wir doch mal realistisch. Verzichten wir darauf, mit unseren Schülerinnen und Schülern ins Schwimmbad zu gehen, nur weil eventuell ein Kind sich nicht an die Regeln halten könnte und vom Rand ins Becken springt, oder heimlich auf das Dreimeterbrett klettert unter herrunter springt? Nein, tun wir nicht. Wir nehmen das Risiko in Kauf, denn es gibt keinen absoluten Schutz. Ja, aber beim Schutz der persönlichen Daten, könnte so etwas doch lebenslange Folgen haben, wird mancher nun entgegnen. Doch könnte es nicht auch lebenslange Folgen haben, wenn eines der Kinder beim Schwimmunterricht nun doch vom Rand springt und verletzt sich dabei so, dass es lebenslänglich unter den Folgen zu leiden hat? Ich hoffe, an diesem Beispiel aus der analogen Welt wird deutlich, dass wir, wenn wir vom Thema Datenschutz sprechen, vollkommen überzogen reagieren. Den absoluten Schutz der persönlichen Daten gibt es nicht. Das soll nicht heißen, dass wir leichtfertig oder fahrlässig umgehen sollten mit den persönlichen Daten der uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler. Was wir jedoch brauchen, sind pragmatische Lösungen, die einen möglichst großen Schutz der persönlichen Daten ermöglichen und Schule gleichzeitig nicht unnötig ausbremsen, indem jegliche Lösung aus Datenschutzgründen negiert wird.

Um dieses zu erreichen, braucht es eigentlich gar nicht viel. Für mich gibt es einige Grundsätze, die, wenn man sie beachtet, viele Lösungen ermöglichen.

Persönliche Daten von Schülerinnen und Schülern gehören grundsätzlich nicht in Lernplattformen, Lernmanagementsysteme, Apps oder ähnlich
Namen

Wer zwingt uns dazu, dass Schülerinnen und Schüler mit ihren echten Namen in einem Lernmanagementsystem angemeldet sein müssen? Eine pragmatische Lösung könnte darin bestehen, stattdessen Pseudonyme zu verwenden oder anonymisierte Account Namen. Natürlich müssen Lehrkräfte in der Lage sein, diese Pseudonyme oder anonymisierten Accountnamen Schülern zuzuordnen. Man kann jetzt einwenden, dass sich diese Daten verbinden lassen und schon weiß man wieder, wer wer ist. Das funktioniert immer. Und selbst aus anonymisierten Daten kann man mit etwas Geschick wieder eine Zuordnung herstellen, wenn man das will. Den perfekten Schutz vor “bösen” Konzernen oder Geheimdiensten gibt es nicht. So realistisch muss man einfach sein. Und selbst wenn wir ein System haben, welches den deutschen Datenschutzvorgaben absolut genügt (auf Server in Deutschland laufend, alle Vorschriften erfüllt und so weiter), auch dann gibt es keine absolute Sicherheit. Die Server könnten gehackt und die Kontodaten gestohlen werden. Und wenn die Schüler sich von ihren Smartphones oder von zu Hause aus in der Plattform einloggen, mit einem Pseudonym oder anonymisierten Account, dann könnten natürlich, wenn man Standortdaten oder Gerätedaten ausliest und diese möglicherweise noch mit gestohlenen Daten vom Einwohnermeldeamt kombiniert oder mit Daten von einem sozialen Netzwerk, die exakten persönlichen Daten der Personen herausgefunden werden. Lässt sich alles konstruieren, alles ist möglich. Aber hallo! Bleiben wir doch einfach mal realistisch. Auf dem Weg in die Schule sind auch schon Kinder überfahren worden. Lassen wir die Kinder deshalb nicht in die Schule laufen? Es gibt immer ein gewisses Restrisiko im Leben.

Noten

Es sollte auch völlig klar sein, dass Noten in jeglicher Form, Leistungsbewertungen, nichts in Lernplattformen, Lernmanagementsystem oder ähnlich zu suchen haben. Das schließt aber nicht aus, dass man innerhalb der Plattform Feedback gibt und Angaben macht, ob eine Aufgabe gelöst ist oder nicht. Das genau ist eine der Stärken digitaler Plattformen, das unmittelbare Feedback, um Schülerinnen und Schülern in ihren Lernprozessen zu unterstützen. Und solange Schülerinnen und Schüler keine Accounts nutzen, die direkt über den Namen persönlich zuordenbar sind, sehe ich darin kein Problem. Und da es auch keine Erfordernis gibt, Noten direkt über eine Plattform mitzuteilen, sehe ich darin auch keinen Grund, solche Plattformen nicht zu nutzen.

Nutzungsordnung & pädagogischer Auftrag

Dass persönliche Daten in schulischen digitalen Anwendungen nichts zu suchen haben, kann man Schülerinnen und Schülern durchaus verständlich machen. Auch in anderen Plattformen sollten Schülerinnen Schüler mit ihren persönlichen Daten sparsam umgehen. In einer schulischen Anwendung können sie lernen, wie man persönliche Daten vermeidet. Es ist ein pädagogischer Auftrag der Schule, dieses zu vermitteln. Ich nutze Google Classroom und meine Schülerinnen und Schüler wissen, dass persönliche Daten nichts in der Plattform zu suchen haben. Sie sprechen sich untereinander in der Plattform mit ihren englischen Pseudonymen an. Das funktioniert wunderbar. Über eine Nutzungsordnung haben wir geregelt, dass persönliche Daten nicht in Google Classroom auftauchen. Geregelt ist dort auch, dass der Nutzer Account nicht mit privaten Accounts verknüpft wird. Was aber, wenn sich jemand nicht an diese Regel hält? Was wenn die Accounts zu Hause auf dem heimischen PC verknüpft werden, da auf dem gleichen PC auch die Daten des privaten Accounts sind? Was, wenn auf dem privaten Gerät ein Trojaner mitliest? Pech gehabt! Auch wenn wir unsere Schülerinnen und Schüler immer wieder ermahnen, nicht auf dem Treppengeländer herunter zu rutschen, so tun es leider doch immer wieder welche und alle Jahre wieder liegt jemand unten am Fuß der Treppe und hat sich den Arm gebrochen. So ist das Leben.

Pragmatismus ist gefragt

Wie ich hoffentlich zeigen konnte, kann man, wenn man mit den Anforderungen an den Schutz der persönlichen Daten unserer Schülerinnen und Schüler auf einem realistischen, alltagstauglichen Maß bleibt, durchaus pragmatische Lösungen finden, um im schulischen Alltag zurecht zu kommen. Es bringt niemanden weiter, wenn wir durch überhöhte, unrealistische und auch praktisch nicht einlösbare Anforderungen in Bezug auf den Datenschutz an der Nutzung sehr vieler digitaler Angebote gehindert werden. Leider haben deutsche Firmen im internationalen Vergleich kaum etwas zu bieten, was vergleichbar wäre zu Office 365 mit der Cloud, G-Suite for Education oder Edmodo, Formative und vielen weiteren Apps und Plattformen, die für ein zeitgemäßes Lernen in Schule unverzichtbar sind. Und ganz ehrlich, wer garantiert uns, dass deutsche Firmen und Geheimdienste weniger Interesse an den persönlichen Daten der uns anvertrauten Schülerinnen und Schülern haben?

Datenschützer sind gefragt, praktikable Lösungen zu bieten

Meiner Meinung nach sollten die Datenschützer auf jeder Ebene, vom schulischen Datenschutzbeauftragten bis zu den Landesdatenschutzbeauftragten und den entsprechenden Verantwortlichen in den Ministerien für Schule ihre Aufgabe nicht primär darin sehen, nur den warnenden Zeigefinger zu heben und dieses und jenes zu verbieten. Natürlich sollen sie Schulen helfen, den Schutz der persönlichen Daten ihrer Schülerinnen Schüler so gut wie möglich sicherzustellen und nicht in irgendwelche Fallen zu tappen. Ganz wichtig wäre jedoch auch, dass diese Institutionen nach Lösungen suchen, wie man digitale Angebote trotzdem nutzen kann, ohne die persönlichen Daten der Schülerinnen und Schüler zu gefährden, und Schulen beim Finden solcher Möglichkeiten unterstützen. Außerdem sollten sie eine Aufgabe darin sehen, gemeinsam mit den Anbietern digitaler Angebote Lösungen zu finden, welche Schulen in ihren Verpflichtungen in Bezug auf den Datenschutz unterstützen. Bei der Vielzahl der Angebote kann dieses sicher nicht nur mit einer begrenzten Zahl von Angeboten erfolgen. Es wäre aber schon hilfreich, wenn es englischsprachige Orientierungshilfen für die Anbieter von Lernplattformen, Apps und LMS gäbe, die ihnen helfen könnten, ihre Angebote auf deutsche Datenschutzanforderungen auszurichten. Darauf könnten dann Schulen, die ein Angebot nutzen wollen, diese Anbieter verweisen. Wenn wir hier pragmatischer sind, wenn Schulen Unterstützung erhalten, wenn sie loslegen können, dann wird der deutsche Markt für Anbieter aus anderen Ländern auch attraktiver und das wiederum macht es für diese Firmen interessanter, den deutschen Markt mit seinen speziellen Anforderungen stärker bei der Entwicklung von Angeboten zu berücksichtigen, sei es dass man beispielsweise Server in Deutschland aufstellt oder anmietet oder dass man angepasste Formen der Nutzerregistrierung und -verwaltung und der Speicherung von Daten anbietet.

Datenschutz und Schule muss definitiv neu gedacht werden, vor allem von den oben genannten Institutionen. Wir brauchen pragmatische Lösungen, keine Kultur der Verhinderung und Beschränkung, sondern eine der Ermöglichung.

Noch gut zu wissen

Was vielen vermutlich nicht klar ist: wenn wir ohne persönliche Daten arbeiten, entfallen viele der engen Vorschriften der Datenschutzgesetzgebung. Werden keine persönlichen Daten verarbeitet, braucht es kein Verfahrensverzeichnis und auch keinen Vertrag zur Datenverarbeitung im Auftrag mit dem Anbieter einer digitalen Plattform. Eine Absicherung mit einer Nutzungsvereinbarung ist dabei aber unbedingt erforderlich. Ohne begibt sich die Schule auf juristisches Glatteis! Sind die Produkte, welche Schüler etwa in einer Plattform wie Office 365 mit der Cloud produzieren, frei von persönlichen Daten und auch sonst nicht zuordenbar, sehe ich keine Erfordernis diese Daten als persönliche Daten zu behandeln. Wenn überhaupt, dann geht es hier noch um Urheberrechte der Schüler. Es muss an dieser Stelle jedoch angemerkt werden, dass dieses nicht jeder Datenschutzbeauftragte das so sieht. Genauso, wie es auch Datenschutzbeauftragte gibt, die meinen, auch nicht persönliche Daten dürfen nicht in Drittstaaten gehen. Deshalb auch mein Appell, pragmatisch zu denken.

Auch mit einer informierten und freiwilligen Einwilligung der Betroffenen geht eigentlich alles. Für Schulen ist dieses allerdings eine Lösung, von der ich abraten würde.

Differenzieren in Google Classroom

Posted in Creative Commons, Datenschutz, Google Classroom, Tools by damianduchamps on September 11, 2016
Ein Hinweis zur datenschutzrechtlichen Problematik der Nutzung von Google Classroom in deutschen Schulen findet sich am Ende des Beitrags

Eines für alle

Problem

Innerhalb von Google Classroom kann man über das Anhängen von Dateien an ein Assignment an alle Schüler nur ein und dasselbe Material austeilen. Jeder erhält so das gleiche Material. Was, wenn man gerne differenzieren möchte?

Lösung

Will man differenzieren, muss man sich mit einem kleinen Trick behelfen.
Anstelle eines Materials, welches jeder Schüler in Kopie gleich erhält, wird ein nicht bearbeitbares Hyperdokument erstellt. Das ist nichts anderes als ein Dokument, welches Links enthält, die auf weitere Materialien verweisen.
Über dieses Hyperdokument, im Folgenden als das zentrale Arbeitsblatt bezeichnet, werden die Links zu den Differenzierungsmaterialien weitergegeben, welche die Schüler dann in ihren Drive kopieren, bearbeiten und anschließend als Lösung über die Aufgabenstellung/Assignment einreichen können.

(more…)

Schulhomepage – Datenschutzfalle – Social Plugins?

Posted in Datenschutz, Schule und Recht by damianduchamps on April 17, 2016

Auch auf Schulhomepages ist es nicht unüblich, Social Plugins wie den Facebook Like oder Teilen auf Facebook Button, einen Twitter, Google+ oder Pinterest Button anzubieten. Im Prinzip ist das auch keine schlechte Idee, ermöglicht man so den Besuchern, Gefallen anzuzeigen oder Inhalte der Schulhomepage in ihren sozialen Netzwerken zu teilen.

Aber leider gibt es da ein klitzekleines Problemchen.

social_longshadow_icons_by_aha_soft_icons-d7ynkqo

By aha-soft-icons, deviant art; CC BY 3.0

Über Social Plugins hinterlassen Besucher einer Webseite Spuren. Klickt ein Besucher also den Facebook Like Button unter einem interessanten Beitrag über eine tolle Schulveranstaltung, so wird dieses bei Facebook registriert und mit dem Profil des Facebook Nutzers verknüpft. Das gilt auch, wenn man den Inhalt über Facebook teilt. Als Facebook User fügt man so wieder ein kleines Mosaiksteinchen zu seinem Persönlichkeitsprofil hinzu und hilft Facebook damit, ein gläsernes virtuelles Double seiner selbst zu erstellen. Den meisten Facebook Usern wird dieses nicht einmal bewusst sein.Doch wer sich jedoch mit diesen Dingen beschäftigt, sollte das wissen. Vielen ist allerdings nicht bekannt, dass die Tracking Funktion des Facebook Like Buttons auch aktiv ist, ohne dass der Button aktiv geklickt wird. Der Like Button registriert dann zumindest den Besuch der Seite – und auch das ist keine wertlose Information für Facebook. Was für den Facebook Like Button gilt und natürlich auch den Teilen auf Facebook Button, das gilt auch für viele andere Social Plugins von Twitter und Pocket bis zu WordPress und Pinterest. Solange der User nicht anonym im Netz unterwegs ist, erfassen diese Plugins seine Spur und zeichnen sie beim jeweiligen Anbieter auf, auch ohne dass „Gefällt mir“ oder „Teilen“ geklickt wurde.

Und hier wird die Sache nun spannend, egal ob es sich um gewerbliche Internetauftritte handelt oder um die von Schulen. In dem Moment, wo auf einer Schulhomepage Social Plugins integriert sind, kann durch diese Plugins das Thema Datenschutz zum Problem werden. Gemäß Paragraf 13 des TMG (Telemedien Gesetzes) ist es rechtswidrig, personenbezogene Daten ohne Zustimmung der Nutzer an Dritte – Betreiber entsprechender Dienste – zu übertragen. Und genau das geschieht hier. Gleiches gilt übrigens auch, wenn die Schulhomepage externe Statistik-Tools nutzt oder Web-Schriftarten („Webfonts“), die nicht auf dem Webserver der Schulhomepage selbst gespeichert sind, sondern von Anbietern wie Google fremdgeladen werden beim Aufruf eines Inhalts von der Homepage der Schule.

Das Landgericht Düsseldorf entschied Anfang 2016 (Az. 12 O 151/15, pdf), dass durch die Einbindung von Social Plugins auf Webseiten gegen die Datenschutzvorschriften verstoßen wird.

Welche Möglichkeiten hat man nun als Betreiber einer Schulhomepage, nicht gegen die Datenschutzvorschriften zu verstoßen?

  1. Social Plugins entfernen – anders als Firmen sind Schulen nicht existentiell auf die Dienste von Facebook & Co. angewiesen, um die soziale Reichweite der Informationen auf der Schulhomepage zu vergrößern
  2. Datenschutzerklärung anpassen – viele Schulen werden zwar ein Impressum für ihre Homepage haben, denn das ist verpflichtend. Eine Datenschutzerklärung werden sie aber oft nicht haben. Es wäre also vielleicht eine Idee, einmal eine solche anzulegen. Das kann man kostenlos auf e-recht24.de (Datenschutzerklärung erstellen) erledigen.
  3. Sharing Buttons ändern – es gibt die Möglichkeit, die Sharing Buttons von Facebook & Co. anzupassen, so dass sie beim Aufruf einer Webseite vom User bei Bedarf aktiviert werden müssen, bevor man sie zum Teilen nutzen kann.

Datenschutz auf der Schulhomepage ist nun die eine Sache, was diese Social Plugins angeht. Versäumnisse, eine entsprechende Datenschutzerklärung auf der Webseite vorzuhalten, könnten aber Folgen haben, wie man damals bei Einführung der Impressumspflicht sah. Firmen wurden reihenweise abgemahnt von spezialisierten Anwälten. Ob Ähnliches nun auch hier folgen wird, ist schwierig abzuschätzen. Inwieweit damals auch Schulen abgemahnt wurden oder ob es überhaupt solche Fälle gab, ist mir nicht bekannt. Von daher ist es auch nicht einfach zu sagen, ob für Schulen von einer fehlenden Datenschutzerklärung ein Gefahr ausgehen könnte. Ich denke, es muss noch etwas Zeit ins Land gehen, bevor einschlägige Seiten oder Ministerien hier Empfehlungen abgeben.

Wie man die Sharing Buttons ändert und noch ein paar Hintergründe zur Thematik findet man unter Abmahnwelle durch Social Plugins? So kannst du dich schützen (auf t3n).

Mehr zum Fall vor dem Landgericht Düsseldorf gibt es unter Gerichtsurteil: „Social-Plugins“ dürfen keine Daten ohne Zustimmung erheben auf Netzpolitik.org

Und Cookies?

Wie man seit einiger Zeit beim Besuch vieler Webseiten sieht, ist auch das Thema Cookies aktuell. Mit einem Screen am oberen oder unteren Rand der Webseite wird man über den Einsatz von Cookies informiert. Auch hier geht es um Datenschutz. Dass Cookies für Schulhomepages ein Thema sein können, zeigt beispielsweise ein Beitrag auf lo-recht von 2003. Wer mehr zum Thema Cookies und Datenschutz wissen möchte, liest den Beitrag Cookie-Hinweis gemäß Google ab 30.09.2015 Pflicht! Was haben Websitebetreiber zu beachten?