Damian Duchamps' Blog

Datenschutz & Schule – nur Pragmatismus bringt uns weiter

Posted in Datenschutz, Medienwelt, Schulentwicklung, Schulpolitik by damianduchamps on September 29, 2017

Mal ganz ehrlich, Datenschutz und Schule gehen momentan gar nicht zusammen. Schulen sollen digitale Lösungen in den Unterricht integrieren, doch ständig erhebt jemand warnend den Zeigefinger und sagt, in Bezug auf den Schutz der persönlichen Daten der Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte geht dieses nicht und das nicht und grundsätzlich geht sowieso gar nichts. Mit solch einem Ansatz werden wir nicht weiterkommen. Das ist nichts anderes als Verhinderungskultur. Was wir brauchen, sind Lösungsansätze, die uns im schulischen Alltag weiterbringen anstatt uns zu blockieren. Datenschutzschutzbeauftragte sollten nicht nur sagen, was nicht geht, sondern Schulen helfen, pragmatische Lösungen zu finden.

Damit hier kein Missverständnis aufkommt aufkommt, den Schutz der persönlichen Daten von Schülerinnen und Schülern halte ich für absolut unverzichtbar.

Wenn wir in der Schule vom Schutz der persönlichen Daten sprechen, gehen wir von Vorstellungen aus, die meiner Meinung nach völlig unrealistisch und überzogen sind. Natürlich sollen und müssen persönliche Daten geschützt werden. Dazu sind wir verpflichtet und es ist selbstverständlich. Ein Restrisiko ist jedoch nie auszuschließen, wie überall im Leben. Beim Datenschutz versuchen wir jedoch genau dieses. Man tut so, als müsse ist den perfekten Schutz geben, und ist man sich da nicht sicher, so ist die Lösung tabu, die Lernplattform, das App, das Lernmanagementsystem können nicht genutzt werden.

Landesdatenschutzbeauftragte geben für die Microsoft Cloud Deutschland kein grünes Licht, weil noch Unklarheit über irgendein Komma besteht in der Dokumentation. Derweil nutzen große Konzerne die Lösung schon lange, denn diese Lösungen sind von diversen Instituten der Wirtschaft und von anderen Institutionen zertifiziert und geprüft. Das gilt auch für die G-Suite von Google. Bei Firmen geht es um Wirtschaftsdaten und Wirtschaftsspionage. Das hat in der Regel mehr Gewicht als persönliche Daten, denn es geht um Millionen- oder Milliardenbeträge.
Man fragt sich, warum geht in Schule nicht, was in der Wirtschaft geht? Die Wirtschaft hat nicht weniger zu verlieren als Schule mit persönlichen Daten.

Wenn es um Schule und Datenschutz geht, fehlt uns ein vernünftiges Maß. Im Schulleben außerhalb der digitalen Welt sieht das völlig anders aus. Seien wir doch mal realistisch. Verzichten wir darauf, mit unseren Schülerinnen und Schülern ins Schwimmbad zu gehen, nur weil eventuell ein Kind sich nicht an die Regeln halten könnte und vom Rand ins Becken springt, oder heimlich auf das Dreimeterbrett klettert unter herrunter springt? Nein, tun wir nicht. Wir nehmen das Risiko in Kauf, denn es gibt keinen absoluten Schutz. Ja, aber beim Schutz der persönlichen Daten, könnte so etwas doch lebenslange Folgen haben, wird mancher nun entgegnen. Doch könnte es nicht auch lebenslange Folgen haben, wenn eines der Kinder beim Schwimmunterricht nun doch vom Rand springt und verletzt sich dabei so, dass es lebenslänglich unter den Folgen zu leiden hat? Ich hoffe, an diesem Beispiel aus der analogen Welt wird deutlich, dass wir, wenn wir vom Thema Datenschutz sprechen, vollkommen überzogen reagieren. Den absoluten Schutz der persönlichen Daten gibt es nicht. Das soll nicht heißen, dass wir leichtfertig oder fahrlässig umgehen sollten mit den persönlichen Daten der uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler. Was wir jedoch brauchen, sind pragmatische Lösungen, die einen möglichst großen Schutz der persönlichen Daten ermöglichen und Schule gleichzeitig nicht unnötig ausbremsen, indem jegliche Lösung aus Datenschutzgründen negiert wird.

Um dieses zu erreichen, braucht es eigentlich gar nicht viel. Für mich gibt es einige Grundsätze, die, wenn man sie beachtet, viele Lösungen ermöglichen.

Persönliche Daten von Schülerinnen und Schülern gehören grundsätzlich nicht in Lernplattformen, Lernmanagementsysteme, Apps oder ähnlich
Namen

Wer zwingt uns dazu, dass Schülerinnen und Schüler mit ihren echten Namen in einem Lernmanagementsystem angemeldet sein müssen? Eine pragmatische Lösung könnte darin bestehen, stattdessen Pseudonyme zu verwenden oder anonymisierte Account Namen. Natürlich müssen Lehrkräfte in der Lage sein, diese Pseudonyme oder anonymisierten Accountnamen Schülern zuzuordnen. Man kann jetzt einwenden, dass sich diese Daten verbinden lassen und schon weiß man wieder, wer wer ist. Das funktioniert immer. Und selbst aus anonymisierten Daten kann man mit etwas Geschick wieder eine Zuordnung herstellen, wenn man das will. Den perfekten Schutz vor “bösen” Konzernen oder Geheimdiensten gibt es nicht. So realistisch muss man einfach sein. Und selbst wenn wir ein System haben, welches den deutschen Datenschutzvorgaben absolut genügt (auf Server in Deutschland laufend, alle Vorschriften erfüllt und so weiter), auch dann gibt es keine absolute Sicherheit. Die Server könnten gehackt und die Kontodaten gestohlen werden. Und wenn die Schüler sich von ihren Smartphones oder von zu Hause aus in der Plattform einloggen, mit einem Pseudonym oder anonymisierten Account, dann könnten natürlich, wenn man Standortdaten oder Gerätedaten ausliest und diese möglicherweise noch mit gestohlenen Daten vom Einwohnermeldeamt kombiniert oder mit Daten von einem sozialen Netzwerk, die exakten persönlichen Daten der Personen herausgefunden werden. Lässt sich alles konstruieren, alles ist möglich. Aber hallo! Bleiben wir doch einfach mal realistisch. Auf dem Weg in die Schule sind auch schon Kinder überfahren worden. Lassen wir die Kinder deshalb nicht in die Schule laufen? Es gibt immer ein gewisses Restrisiko im Leben.

Noten

Es sollte auch völlig klar sein, dass Noten in jeglicher Form, Leistungsbewertungen, nichts in Lernplattformen, Lernmanagementsystem oder ähnlich zu suchen haben. Das schließt aber nicht aus, dass man innerhalb der Plattform Feedback gibt und Angaben macht, ob eine Aufgabe gelöst ist oder nicht. Das genau ist eine der Stärken digitaler Plattformen, das unmittelbare Feedback, um Schülerinnen und Schülern in ihren Lernprozessen zu unterstützen. Und solange Schülerinnen und Schüler keine Accounts nutzen, die direkt über den Namen persönlich zuordenbar sind, sehe ich darin kein Problem. Und da es auch keine Erfordernis gibt, Noten direkt über eine Plattform mitzuteilen, sehe ich darin auch keinen Grund, solche Plattformen nicht zu nutzen.

Nutzungsordnung & pädagogischer Auftrag

Dass persönliche Daten in schulischen digitalen Anwendungen nichts zu suchen haben, kann man Schülerinnen und Schülern durchaus verständlich machen. Auch in anderen Plattformen sollten Schülerinnen Schüler mit ihren persönlichen Daten sparsam umgehen. In einer schulischen Anwendung können sie lernen, wie man persönliche Daten vermeidet. Es ist ein pädagogischer Auftrag der Schule, dieses zu vermitteln. Ich nutze Google Classroom und meine Schülerinnen und Schüler wissen, dass persönliche Daten nichts in der Plattform zu suchen haben. Sie sprechen sich untereinander in der Plattform mit ihren englischen Pseudonymen an. Das funktioniert wunderbar. Über eine Nutzungsordnung haben wir geregelt, dass persönliche Daten nicht in Google Classroom auftauchen. Geregelt ist dort auch, dass der Nutzer Account nicht mit privaten Accounts verknüpft wird. Was aber, wenn sich jemand nicht an diese Regel hält? Was wenn die Accounts zu Hause auf dem heimischen PC verknüpft werden, da auf dem gleichen PC auch die Daten des privaten Accounts sind? Was, wenn auf dem privaten Gerät ein Trojaner mitliest? Pech gehabt! Auch wenn wir unsere Schülerinnen und Schüler immer wieder ermahnen, nicht auf dem Treppengeländer herunter zu rutschen, so tun es leider doch immer wieder welche und alle Jahre wieder liegt jemand unten am Fuß der Treppe und hat sich den Arm gebrochen. So ist das Leben.

Pragmatismus ist gefragt

Wie ich hoffentlich zeigen konnte, kann man, wenn man mit den Anforderungen an den Schutz der persönlichen Daten unserer Schülerinnen und Schüler auf einem realistischen, alltagstauglichen Maß bleibt, durchaus pragmatische Lösungen finden, um im schulischen Alltag zurecht zu kommen. Es bringt niemanden weiter, wenn wir durch überhöhte, unrealistische und auch praktisch nicht einlösbare Anforderungen in Bezug auf den Datenschutz an der Nutzung sehr vieler digitaler Angebote gehindert werden. Leider haben deutsche Firmen im internationalen Vergleich kaum etwas zu bieten, was vergleichbar wäre zu Office 365 mit der Cloud, G-Suite for Education oder Edmodo, Formative und vielen weiteren Apps und Plattformen, die für ein zeitgemäßes Lernen in Schule unverzichtbar sind. Und ganz ehrlich, wer garantiert uns, dass deutsche Firmen und Geheimdienste weniger Interesse an den persönlichen Daten der uns anvertrauten Schülerinnen und Schülern haben?

Datenschützer sind gefragt, praktikable Lösungen zu bieten

Meiner Meinung nach sollten die Datenschützer auf jeder Ebene, vom schulischen Datenschutzbeauftragten bis zu den Landesdatenschutzbeauftragten und den entsprechenden Verantwortlichen in den Ministerien für Schule ihre Aufgabe nicht primär darin sehen, nur den warnenden Zeigefinger zu heben und dieses und jenes zu verbieten. Natürlich sollen sie Schulen helfen, den Schutz der persönlichen Daten ihrer Schülerinnen Schüler so gut wie möglich sicherzustellen und nicht in irgendwelche Fallen zu tappen. Ganz wichtig wäre jedoch auch, dass diese Institutionen nach Lösungen suchen, wie man digitale Angebote trotzdem nutzen kann, ohne die persönlichen Daten der Schülerinnen und Schüler zu gefährden, und Schulen beim Finden solcher Möglichkeiten unterstützen. Außerdem sollten sie eine Aufgabe darin sehen, gemeinsam mit den Anbietern digitaler Angebote Lösungen zu finden, welche Schulen in ihren Verpflichtungen in Bezug auf den Datenschutz unterstützen. Bei der Vielzahl der Angebote kann dieses sicher nicht nur mit einer begrenzten Zahl von Angeboten erfolgen. Es wäre aber schon hilfreich, wenn es englischsprachige Orientierungshilfen für die Anbieter von Lernplattformen, Apps und LMS gäbe, die ihnen helfen könnten, ihre Angebote auf deutsche Datenschutzanforderungen auszurichten. Darauf könnten dann Schulen, die ein Angebot nutzen wollen, diese Anbieter verweisen. Wenn wir hier pragmatischer sind, wenn Schulen Unterstützung erhalten, wenn sie loslegen können, dann wird der deutsche Markt für Anbieter aus anderen Ländern auch attraktiver und das wiederum macht es für diese Firmen interessanter, den deutschen Markt mit seinen speziellen Anforderungen stärker bei der Entwicklung von Angeboten zu berücksichtigen, sei es dass man beispielsweise Server in Deutschland aufstellt oder anmietet oder dass man angepasste Formen der Nutzerregistrierung und -verwaltung und der Speicherung von Daten anbietet.

Datenschutz und Schule muss definitiv neu gedacht werden, vor allem von den oben genannten Institutionen. Wir brauchen pragmatische Lösungen, keine Kultur der Verhinderung und Beschränkung, sondern eine der Ermöglichung.

Noch gut zu wissen

Was vielen vermutlich nicht klar ist: wenn wir ohne persönliche Daten arbeiten, entfallen viele der engen Vorschriften der Datenschutzgesetzgebung. Werden keine persönlichen Daten verarbeitet, braucht es kein Verfahrensverzeichnis und auch keinen Vertrag zur Datenverarbeitung im Auftrag mit dem Anbieter einer digitalen Plattform. Eine Absicherung mit einer Nutzungsvereinbarung ist dabei aber unbedingt erforderlich. Ohne begibt sich die Schule auf juristisches Glatteis! Sind die Produkte, welche Schüler etwa in einer Plattform wie Office 365 mit der Cloud produzieren, frei von persönlichen Daten und auch sonst nicht zuordenbar, sehe ich keine Erfordernis diese Daten als persönliche Daten zu behandeln. Wenn überhaupt, dann geht es hier noch um Urheberrechte der Schüler. Es muss an dieser Stelle jedoch angemerkt werden, dass dieses nicht jeder Datenschutzbeauftragte das so sieht. Genauso, wie es auch Datenschutzbeauftragte gibt, die meinen, auch nicht persönliche Daten dürfen nicht in Drittstaaten gehen. Deshalb auch mein Appell, pragmatisch zu denken.

Auch mit einer informierten und freiwilligen Einwilligung der Betroffenen geht eigentlich alles. Für Schulen ist dieses allerdings eine Lösung, von der ich abraten würde.

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Die 4 Cs & Fake News

Posted in Kompetenzen, Medienwelt by damianduchamps on März 13, 2017

Spätestens seit dem Präsidentschaftswahlkampf der USA im Jahr 2016 ist Fake News ein Thema, das in der breiten Öffentlichkeit angekommen ist, auch in Schule. Sachlich falsche Informationen waren schon immer ein Thema, seit Schülerinnen und Schüler das Internet nutzen, um sich zu informieren. Neuer ist nur, dass jetzt auch vermehrt und sehr gezielt Nachrichten von einzelnen Personen, ideologischen Gruppierungen, Parteien und auch Staaten gezielt über das Internet verbreitet werden.

Die Herausforderung für die Nutzer des Internets und auch anderer Medien, über welche falsche Informationen verbreitet werden, ist die gleiche wie zuvor. Wie erkennt man sie?

Hier kommt die Medienkompetenz ins Spiel und eine 4 Cs (Critical Thinking, Communication, Collaboration, Creativity), der Kernkomptenzen unserer Zeit. Es geht um das Kritische Denken.

IFLA, die Internationale Vereinigung bibliothekarischer Verbände und Einrichtungen, nahm die Diskussion über fake news zum Anlass, eine Schritt-für-Schritt Anleitung zu erstellen, wie man fake news erkennen kann. Grundlage dafür war der Artikel How to Spot Fake News von FactCheck.org vom November 2016. Die acht Schritte sollten meiner Meinung nach jeder Schülerin und jedem Schüler  bekannt sein. Anknüpfungspunkte gibt es im Unterricht vieler Fächer, ob es um Kreationisten geht, Holocaust Leugner, Menschen, die an Chemtrails glauben, um Propaganda, Produktrezensionen, Werbung und vieles mehr. Alles ist auch im Internet vertreten, auf eigenen Webseiten oder auch nur bei Facebook.

Die Grafik von IFLA kann in verschiedenen Sprachen über How To Spot Fake News als PDF und JPEG heruntergeladen werden. Sie ist unter Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0 ) lizenziert (siehe auch IFLA Urheberrecht).

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Schluss mit dem digitalen Schwebezustand

Posted in Medienwelt, Schulentwicklung, Schulpolitik, Uncategorized by damianduchamps on Januar 14, 2017

Wenn aktuell mal wieder beobachte, was sich in der Bildungslandschaft ereignet, vergeht mir die Lust an Schule und Schulentwicklung, an Entwicklung von Unterricht mit digitalen Tools und der Beratung von Schulen und Schulträgern dahingehend.

Der Grund dafür ist einfach. Es hängt alles in der Schwebe. Nichts ist wirklich klar definiert. Hier in NRW kommt nun GuteSchule#2020. Toll mag man meinen, endlich tut sich etwas. Nur, mehr als einen Topf voll Geld und ein paar grobe Vorgaben gibt es nicht. Bloß nichts festlegen, nein, keine festen Vorgaben machen, keine verbindlichen Ziele definieren. So kommt es, wie es kommen muss. Die einen sanieren damit Gebäude, an anderer Stelle baut man ganze Schulen neu davon, hört man, und ein klein wenig wird auch in digitale Infrastruktur investiert. Wenn das Jahr 2020 um ist, werden wir feststellen, dass die Standards an den Schulen in NRW weiterhin höchst unterschiedlich sind. Manche haben Breitbandanschluss und WLAN im gesamten Gebäude, für Schüler und Lehrer, andere endlich funktionierende Toiletten und dichte Dächer oder Klassenräume statt Container, jedoch noch immer keinen Breitbandanschluss und auch kein WLAN im Gebäude. Dass uns das als Land wirklich weiterbringt, werden nur Politiker behaupten, die sich in irgendeiner Vorzeigeschule in einer iPad Klasse von den Medien feiern lassen.

Und dann ist da ja noch das Milliardenpaket des Bundes. Auch hier wird es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht anders laufen. Schon jetzt regt sich Widerstand gegen Bevormundung durch den Bund. Am liebsten hätte man das Geld vermutlich in die Landestöpfe und würde dort damit nach eigenem Belieben verfahren, ohne exakte Zielvorgaben und ohne jegliche Rechenschaft.

Ich wünschte mir, es gäbe sehr eindeutige Vorgaben, sowohl vom Land als auch vom Bund, am besten miteinander abgestimmt. Könnte man nicht zeitliche Vorgaben machen und sagen, bis zum Jahre X hat dieses und jenes zu erfolgen?

  • alle Schulen, ohne Ausnahme, sind an Breitband angeschlossen
  • alle Schulgebäude sind mit WLAN ausgeleuchtet
  • alle Klassenräume haben Präsentationsmedien
  • alle Lehrerinnen und Lehrer sind fortgebildet/fit gemacht
  • alle Länder haben überarbeitete Fachcurricula
  • alle Schulen haben Medienkonzepte und angepasste Fachcurricula
  • alle Schulen können auf eine Basis online IT Infrastruktur zugreifen
  • alle Lehrer, die kein Privatgerät nutzen, haben ein Dienstgerät
  • alle Schüler haben digitale Endgeräte

Alle habe ich jeweils hervorgehoben, da es nicht sein kann, dass in einem reichen Land wie Deutschland, Schulen, Schüler und Lehrer benachteiligt werden, nur weil sie das Pech haben, in eine strukturschwachen Kommune zu leben oder weil im Falle von Schülern ihre Eltern nicht über ausreichend Einkommen verfügen. Alle schreibe ich auch, weil es nicht der Beliebigkeit kommunaler Verwaltungen und parteilichen Ideologie überlassen werden kann, was am Ende dabei herauskommt.

Ich denke, hier sollte es wirklich einen Konsens geben, egal wo die Bundesländer und ihre Regierungen schulpolitisch gerade stehen. Mögen sie sich an ihren Schulformen abarbeiten, wenn sie das denn brauchen, doch bitte nicht an solch grundlegenden Fragen wie der Ausrichtung unserer Schulen und ihres Unterrichts auf eine Zukunft, die schon längst begonnen hat.

Warum Trump ein Argument für den digitalen Wandel in Schule ist

Posted in Kompetenzen, Medienwelt, Uncategorized by damianduchamps on November 9, 2016

Mit den Möglichkeiten sozialer Medien haben viele Menschen sehr viele Hoffnungen für die Demokratisierung der Welt verbunden. Das Internet demokratisiert die Medien und gibt jedem eine Stimme. An vielen Stellen hat man in den letzten Jahren gesehen, wie die sozialen Medien politische Bewegungen unterstützt und vorangetrieben haben. Der arabische Frühling ist ein Beispiel dafür. Die Türkei und ihre Unterdrückung der sozialen Medien ist ein anderes Beispiel für die Wirkungskraft von Twitter, Facebook, WhatsApp und ähnlich.
Bei der Wahl des neuen amerikanischen Präsidenten hat sich im Wahlkampf jedoch noch eine gänzlich andere Seite des Potenzials der sozialen Medien gezeigt. Wie kein anderer Präsidentschaftskandidat zuvor, verstand es Donald Trump, die sozialen Medien zu instrumentalisieren, für seine Zwecke. Die großen Medien, Fernsehsender und angesehene Tageszeitungen waren bisher für viele Menschen Instanzen verlässlicher Informationen, ähnlich wie Institutionen der Regierung, Behörden und Ministerien. In seinem Wahlkampf führte Trump ein Feldzug gegen diese Medien und Institutionen und sprach ihnen jegliche Glaubwürdigkeit ab. Was nicht wahr sein soll, kann nicht wahr sein. Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur. Das Establishment, so suggerierte Donald Trump, habe sich gemeinsam mit seiner Gegnerin gegen ihn verschworen und würde die Wahrheit aus diesem Grund manipulieren. Infolge glauben viele seiner Anhänger bisherigen traditionellen Quellen verlässlicher Berichterstattung und Information nicht länger. Sie begaben sich in die Trump Filterblase und bezogen ihre Informationen und die Trump Version von Wahrheit vor allem aus den sozialen Netzwerken, denen sie mehr Vertrauen und Glauben schenkten.

Welche Schlussfolgerungen muss man daraus für Schule und Bildung ziehen? Für mich ist ganz klar, der digitale Wandel sollte möglichst schnell in Schule kommen, um unsere Schülerinnen und Schüler als zukünftige Bürger und Wähler fit zu machen für die Herausforderungen einer Zukunft, in welcher es zunehmend wichtig wird, Fakt von Fiktion zu unterscheiden. Ganz zentral ist dabei die Vermittlung der 21st Century Skills, der 4 Cs, Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und im aktuellen Zusammenhang von besonderer Bedeutung, Kritik.

Schon jetzt kann man auch in Deutschland sehr gut verfolgen, wie Verschwörungstheorien ihre Kreise ziehen. Auf Facebook ist das sehr einfach. Gerüchte über Chemtrails, nicht zugelassene Martinsumzüge, übermäßige finanzielle Bevorzugung von Flüchtlingen und ähnlich machen die Runde. Für mich erschreckend, es sind in meinem Umfeld auf Facebook auch immer wieder ehemalige Schülerinnen und Schüler meine Hauptschule dabei. Es ist erschreckend, was für Dinge da umhinterfragt übernommen und weiterverbreitet werden.

Nur über Bildung und die Schulen kann unsere Gesellschaft die nachwachsenden Generationen stark machen, zukünftige Desinformationskampagnen und Manipulation von Informationen zu erkennen. Schüler müssen lernen, Informationen zu hinterfragen, andere Quellen zu finden, sei es von anderen Parteien oder gesellschaftlichen Gruppierungen oder auch von Nachrichtenorganen und Institutionen aus dem Ausland. Die Briten wären nicht hereingefallen auf die Behauptungen der Brexit Befürworter hätten sie diese hinterfragt und über andere Informationsquellen validiert.

Trump und Brexit machen mehr als deutlich, dass es höchste Zeit ist, dass Schule sich der Herausforderung stellt, und das ist nur möglich, wenn Schule den digitalen Wandel aktiv gestaltet und Verantwortung übernimmt. Das bedeutet auch, aus der Politik muss alle Unterstützung gegeben werden, dass   dieses gelingen kann, beginnend bei der Infrastruktur und endend bei der Qualifizierung des Personals. Unsere großen Parteien sollte ein natürliches Interesse daran haben, wollen sie nicht Gefahr laufen, irgendwann von einem ignoranten Aufschneider wie Trump ins politische Abseits gedrängt zu werden.

5 Mrd. € DigitalPakt#D sorgt für Goldgräberstimmung

Posted in Medienwelt, Schulentwicklung, Schulpolitik by damianduchamps on Oktober 13, 2016

Es ist schon interessant, welche Welle Frau Wanka mit ihrer Ankündigung des DigitalPakt#D lostritt. Um 5 Mrd. € geht es, die für 40.000 Schulen bis 2021 vom Bund bereitgestellt werden sollen. Überall bricht mit einem mal eine digitale Goldgräberstimmung aus und dabei sprechen wir bisher nur von einer Ankündigung. Man meint, das Geld schon zu riechen, doch es ist noch nicht einmal in der Haushaltsplanung des Bundes vorgesehen, zumindest offiziell noch nicht. Und dann ist da noch das  rechtlich wackelige Konstrukt des Artikel 91c im Grundgesetz, welches eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Informationstechnik zulasse, wo eine Kooperation sonst verboten ist.

In Regierungskreisen muss da schon länger etwas in Planung gewesen sein, denn schon im Mai 2015 meinte Prof. Dr. Wilfried Bos vom Institut für Schulentwicklungsforschung der Technischen Universität Dortmund als er auf einer Veranstaltung in Münster (Schulträgertagung, 29. April 2015) die Ergebnisse von ICILS vorstellte, die Koalition plane ein Milliardenprogramm. Er fügte jedoch auch direkt dazu, wenn dieses so liefe wie das Programm zum Ganztag, wo mit den Geldern überall einfach nur Mensen gebaut wurden, dann könne man es direkt vergessen. Das Video (51 min.) ist übrigens sehenswert, da es viele der aktuell diskutierten Punkte zur Umsetzung des DigitalPakt#D anspricht.

5 Mrd. € ist eine Menge Geld. Wie einige ausgerechnet haben, ist es dann auf die einzelne Schule gerechnet doch nicht so viel und dann ist ja noch die Frage, wie viel tatsächlich vor Ort ankommen wird. In der Industrie reibt man sich sicher schon die Hände. Wie es scheint, waren ja auch Experten aus diversen Stiftungen an der Erarbeitung des Programms nicht unwesentlich beteiligt.

Das DigitalPakt#D Programm soll zwar erst 2017 starten, doch schon bringen sich die verschiedenen Player in Position. Claims sind abzustecken. Wer kann was und wer soll was? Zuständigkeiten werden im Konzept zwar angesprochen, müssen für die Praxis jedoch noch genau ausgelotet werden. Der Bund, die Länder, die Kommunen, die Schulen, es ist ein weites Feld. Absprachen sind erforderlich, über Ländergrenzen hinaus. So sollen sich die Länder „auf ländergemeinsame technische Standards“ verpflichten. NRW ist gerade dabei Logineo NRW zu installieren. Das ist ein Standard, von dem noch nicht einmal sicher ist, ob sich die Schulen und Schulträger in NRW darauf einlassen werden, und nun soll ein ländergemeinsamer Standard her. In Hamburg nutzt man auch Logineo, doch kann NRW diesen Standard länderübergreifend einbringen? Auch das Hasso Plattner Institut scheint schon in Position mit der School-Cloud. Mit einem Pilot-Forschungsvorhaben hat man sich bereits versucht, einen vorderen Platz zu sichern. Es werden aber auch andere Player aus der Industrie nicht untätig warten, denn es lockt die Aussicht auf große Aufträge. Microsoft, Bertelsmann, die Schulbuchverlage, Plattformbetreiber, Hardwarehersteller, alle wollen dabei sein. 5 Mrd. auf 5 Jahre und damit wird es nicht enden, denn Hardware muss aktualisiert werden, Lizenzen für Software und Inhalte laufen nicht ewig. Wenn DigitalPakt#D funktioniert, dann zieht das Folgekosten hinter sich her, über die sich jetzt noch keiner Gedanken macht. Bildung kostet Geld und billiger als aktuell wird es ziemlich sicher nicht werden, eher teurer.

Es wird definitiv spannend werden. Schulen sollen ein überzeugendes Konzept vorlegen. Dieses ist Voraussetzung für die Förderung. Alternativ kann es auch ein Konzept des Schulträgers sein. Und damit nicht „einzelne Schulen mit der Erstellung eines Medienentwicklungskonzeptes überlastet sind,“ ist es möglich, dass die Schulträger ein Konzept entwickeln und entsprechend sinnvolle zentralisierte Strukturen aufbauen, die dann gefördert werden. (Wenn ich da an meinen Schulträger denke, dann wird man dort direkt für die Schulen entscheiden und den Schulen eine Struktur überstülpen.) Entsprechend bringt sich deshalb in NRW die Medienberatung in Position. Zu Gute Schule 2020 kommt nun noch der DigitalPakt#D hinzu. Schulen und Schulträger sind zu beraten, eine Herkulesaufgabe, die da auf die Medienberaterinnen und -berater zukommt. In anderen Bundesländer wird es bei den entsprechenden Institutionen ähnlich sein. Da sich viele Schulen bisher noch nicht auf den Weg gemacht haben und nicht mehr vorweisen können als PC-Räume, Medienecken, ein paar interaktive Whiteboards, ein wenig Schulung zum Handling von Office Anwendungen und Prävention, mit Medienkonzepten, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt sind, ist der Beratungsbedarf entsprechend hoch. Wer etwas abhaben will vom Kuchen, muss ein Konzept vorlegen können „zur Umsetzung digitaler Bildung auf Basis vorab festgelegter Kriterien.“ (Welche Kriterien dieses sind, wer sie festlegt und wer die Einhaltung prüft, ist scheinbar noch offen.)

Wie der DigitalPakt#D bei den Schulen selbst ankommen wird, muss man sehen. Ich vermute mal, die armen Lehrerinnen und Lehrer, von denen sich viele gerade in den wohlverdienten Herbstferien befinden, sehen eine riesige Lawine auf sich zu rollen, eine Lawine, deren Dimensionen sich nicht abschätzen lassen für den Einzelnen. Viele Schulen konnten sich dem Wandel bisher entziehen. Auf die altbewährte Art und Weise ging es ja auch noch immer. Diese Zeiten werden nun endgültig vorbei sein schätze ich. Sich dem Sog der digitalen Welt zu entziehen, wird nicht länger gelingen. Die Digger schnüren ihre Ranzen, packen die Werkzeuge und beladen die Wagen. Sie sind bereit, ihre Pfosten einzuschlagen und ihre Claims abzustecken, in jeder Schule, an jedem Arbeitsplatz, in jedem Klassenzimmer, in jeder Schultasche. Es riecht nach Gold …

 

Frischer Wind für die Bibliothek – Leseempfehlungen zum Anhören mit QR Code

Posted in Medienwelt, Tools, Uncategorized by damianduchamps on September 12, 2016

Vor allem über Pinterest stieß ich immer wieder auf ein Beispiel der Nutzung von QR Codes, welches in den USA schon in der Grundschule Anwendung findet und auch für weiterführende Schulen von Interesse ist. Es geht darum, Leseempfehlungen zu Büchern nicht nur im Schulheft zu verfassen und in der Klasse vorzutragen, sondern diese Empfehlung als Audiodatei aufzunehmen und über einen QR Code in der Schulbibliothek abrufbar für interessierte Mitschüler bereitzustellen. Die QR Codes werden auf eine Karte gedruckt, mit dem Cover des besprochenen Buches und samt dem Buch im Regal aufgestellt. Interessiert sich ein Schüler für dieses Buch und möchte mehr wissen, scannt er den QR Code mit seinem Smartphone und hört sich dann über den Browser die Buchbesprechung an, um danach zu entscheiden, ob das Buch für eine Lektüre von Interesse ist.

Die im Deutsch- oder Fremdsprachunterricht erarbeitete Buchempfehlung wird damit auf ein ganz neues Niveau gehoben. Schüler schreiben die Buchempfehlung jetzt für ein größeres Publikum und vor allem ein echtes Publikum, welches sich die Empfehlung nicht nur anhört, weil sie in der Klasse für eine Benotung vorgelesen wird. Außerdem müssen für die Aufnahme Vorgaben wie maximale Zeitdauer und gutes, fehlerfreies Vorlesen umgesetzt werden. Für die Bibliothek kann das die Attraktivität deutlich steigern. Gibt es keine Schulbibliothek kann das Vorhaben auch in Kooperation mit einer Stadt- oder Gemeindebibliothek umgesetzt werden. Im Idealfall verfügt die Bibliothek über ein frei zugängliches WLAN. Wie könnte so ein Vorhaben in der Schule aussehen?

Ein Workflow, wie er in der Praxis aussehen kann

Die folgende Beschreibung geht davon aus, dass Audioboom genutzt wird, um die Audiodateien online zum Anhören zu speichern. Nur der Lehrer hat einen Account und die App auf seinem Tablet oder Smartphone installiert. In der Lerngruppe sind Smartphones und/oder Tablets verfügbar. Im Idealfall kann jeder Schüler ein eigenes Gerät nutzen. Auf den von den Schülern genutzten Geräten sind kostenlose Audiorekorder Apps installiert. Das Thema Buchbesprechung steht an. Die Kriterien wurden erarbeitet. Das Vorlesen für eine Aufnahme wurde thematisiert und geübt.

  1. In der Schulbibliothek suchen sich die Schüler Bücher aus, die sie vorstellen möchten.
  2. Die Schüler lesen ihre Bücher und verfassen eine Buchbeschreibung.
  3. Die Buchbeschreibung wird mit einem Audiorecorder App aufgenommen.
  4. Über eine Form des Dateiaustausches, zum Beispiel Bluetooth, wird die fertige MP3 Datei auf das Lehrergerät übertragen.
  5. Der Lehrer lädt die MP3 Dateien über Audioboom in einen zuvor eingerichteten Account hoch.
  6. Zu jeder Datei wird ein Titel ergänzt. Auch das Hochladen eines Titelfotos ist möglich. (Dieser Schritt kann alternativ am PC/Notebook im Browser erfolgen.)
  7. Zu jeder Buchbesprechung wird der von Audioboom erzeugte QR Code ausgedruckt. (Für viele ist dieser Schritt leichter an einem PC/Notebook im Browser zu erledigen.)
  8. Vom Cover des jeweiligen gesprochenen Buches wird ein Foto gemacht und ausgedruckt.
  9. Jeder Schüler klebt das Foto des Buchcovers und den QR Code auf ein Stück Karton und schreibt den Titel und Autoren des Buches hinzu.
  10. In der Bibliothek wird die Karte zum Buch gestellt. Idealerweise werden Bücher mit diesen Buchbesprechungen wechselnd in ein Ausstellungsregal gestellt.

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Was wird für die praktische Umsetzung benötigt?

  • eine Schulbibliothek, auch eine Stadt- oder Gemeindebibliothek wären als Kooperationspartner denkbar
  • eine Möglichkeit, Audiodateien online abrufbar zu speichern
    • Audioboom: es können im kostenlosen Account unbegrenzt viele Dateien gespeichert werden, sofern sie eine Länge von 3 min nicht überschreiten
    • Dropbox: in der kostenlosen Variante stehen 2 GB zur Verfügung, eine 1,5 min Aufnahme entspricht in etwa 1,5 MB bei Standardkompression des mp3, Dateien müssen freigegeben werden
    • OneDrive: hängt vom jeweiligen Account ab
    • Schulserver etc.: abhängig von den lokalen Gegebenheiten
  • ein mobiler Zugang über ein offenes WLAN (Freigabebeschränkung z.B. nur auf Audioboom.com möglich) zu den Audiodateien
    • ins Internet, wenn die Dateien bei einem Internetdienst wie Audioboom abgelegt werden
    • ins lokale Netz, wenn die Dateien auf einem Speicherort im Haus abgelegt werden
  • Aufnahmemöglichkeiten wie Computer, Smartphones oder Tablets mit integriertem oder abschließbare Mikrofon und entsprechender Software/ Apps zur Aufnahme im mp3 Format
  • eine Möglichkeit, ein Bild vom Buchcover zu machen und auszudrucken
  • eine Möglichkeit, die Adresse des Speicherorts der Audiodatei als QR Code auszudrucken
    • bei Audioboom wird der QR Code in der App bzw. auf der Webseite angezeigt
    • bei anderen Speicherorten braucht es einen Dienst, die Adresse des Speicherorts in einen QR Code umzuwandeln, z.B. http://www.qr-code-generator.de
    • Karton, auf welchen das Bild des Buchcovers und der QR Code geklebt werden
  • ein Plakat für die Bibliothek
    • mit einem Hinweis auf den WLAN Zugang
    • mit einer Anleitung, wie man über Einscannen des QR Codes die Buchbesprechung im Audioformat mittels Smartphone abrufen kann
    • mit einem Hinweis auf die benötigte QR Code Scanner App und die Verfügbarkeit in den jeweiligen App Stores

Praktische Tipps

In Ergänzung zum vorgestellten Workflow folgen einige Tipps und Alternativen für die vorgestellte Vorgehensweise.

Verfassen der Buchbesprechung

Bevor die Buchbesprechung verfasst wird, reicht es nicht nur, zu besprechen, was eine Buchbesprechung ist und sich Beispiele anzusehen. Da die Buchbesprechung nicht zum Durchlesen gedacht ist, sollten auch Kriterien erarbeitet werden, die für eine Buchbesprechung gelten, die zum Anhören gedacht ist, wie maximale Zeitdauer und einfachere Satzstruktur.

Aufnahme der Buchbesprechung als Audiodatei

Für die Aufnahme bieten sich verschiedene Möglichkeiten an.

Aufnahmemöglichkeiten

Smartphone/Tablet

Die wohl einfachste Möglichkeit für eine Aufnahme bieten Smartphone und Tablet, da sie über ein integriertes Mikrofon verfügen und es passende Apps gibt.

  • Audioboom bietet ein eigenes App für Android und iOS an, in welchem direkt aufgenommen und hochgeladen werden kann. Auch das Hochladen von in andere Apps aufgenommenen Audiodateien ist möglich.
  • Nimmt jeder Schüler mit seinem Gerät auf, wird die mp3 Datei anschließend z.B. per Bluetooth auf das Lehrergerät übertragen und kann von dort hochgeladen werden.
PC/Notebook

Wird über einen PC oder ein Notebook aufgenommen ist ein integriertes oder externes Mikrofon notwendig. Das Hochladen erfolgt dann im Browser.

MP3 Player, Diktiergerät, Audiorekoder

Heute eher nicht mehr in Erwägung zuziehen, da heute genug Schüler Smartphones haben und es damit einfacher ist. Datei müsste dann auf PC übertragen werden.

Aufnahmeformat

Aufgenommen werden sollte in einem der folgenden Formate: mp3, m4a, wave

Achtung: vorinstallierte installierte Audiorekorder Apps nehmen oft in einem eigenen Format auf (g3p), das nicht für Upload geeignet ist (testen!) und umgewandelt werden müsste. Besser wird also ein separates App installiert. Es gibt viele kostenlose.

Umwandlung der URL der Audiodatei in einen QR Code

  • Audioboom stellt die QR Codes zur Verfügung, im App wie über die Webseite.
  • Online Dienste wie http://www.qr-code-generator.com/ oder auch Apps auf Smartphone/Tablet erlauben es URLs umzuwandeln, wenn ein anderer Speicherort als Audioboom genutzt wird.

Zuverlässiger Internetzugang ist absolute Bedingung für den Unterricht im digitalen Zeitalter

Posted in Medienwelt, Schulentwicklung by damianduchamps on August 2, 2016

Aus eigener oft leidvoller Erfahrung weiß ich, wie wichtig ein zuverlässiger und stabiler Internetzugang für den Unterricht mit digitalen Tools ist. Sicher kann man auch auf einem einzelnen Gerät arbeiten ohne Internetzugriff oder im lokalen Netz der Schule, doch ohne einen aktiven Zugang zum Internet ist vieles nicht möglich. Viele Anwendungen setzen auf Vernetzung, vermutlich sogar die Mehrheit. Ohne den Server im Internet sind sie in ihrer Funktionalität meist extrem eingeschränkt oder sogar überhaupt nicht zu nutzen. Padlet oder Kahoot wären Beispiele für letzteren Fall. Das gleiche gilt für viele LMS, außer sie liegen auf dem Schulserver im Schulgebäude.

Wer seine Unterrichtsstunden mit dem Einsatz von Tablets, Laptops, Smartphones und interaktivem Whiteboard plant, setzt ein funktionierendes Internet voraus. Mit der Verfügbarkeit des Internetzugangs steht und fällt jedoch die geplante Stunde. Die Verbindung ins Internet muss deswegen verlässlich verfügbar sein, so wie das Wasser, welches aus der Leitung kommt oder der Strom aus der Leitung.

Erlebt man als Lehrer mehrfach, wie eine geplante Stunde am fehlenden Internetzugang scheitert, wird man in Zukunft lieber komplett verzichten. Natürlich kann man improvisieren, doch immer wieder macht man das nicht. Fehler suchen können auch nur die technisch versierten Lehrenden, aber auch das geht nur begrenzt, da es oft viel Zeit braucht, während der die Schüler etwas zu tun haben müssen. Von daher muss jede Schule über einen absolut verlässlichen Internetzugang verfügen. Technisch ist das einfach zu lösen, durch mehrere Zugänge. Im Idealfall hat jede Schule mindestens zwei Internetzugänge. Diese sollten am besten unterschiedliche Techniken und Anbieter nutzen. Viele Schulen haben einen Telekom@School Anschluss (DSL). Diesen kombiniert man idealerweise mit einem Kabelanschluss. Ist dieser nicht verfügbar, kann es auch ein anderer sein, je nachdem, was verfügbar ist, Richtfunk, mobiles Internet (LTE/4G), Freifunk, Meshnetzwerk, Satellit, …  . Es sollten nach Möglichkeit nur nicht zwei Anschlüsse sein, welche die gleiche „Leitung“ nutzen, wie oft bei DSL der Fall. Ein weiterer Vorteil der Bündelung von einem oder mehreren Anschlüssen ist neben der Ausfallsicherheit die stärkere Gesamtleistung des Internetzugangs.

Sicher werden manche Schulträger die Sinnhaftigkeit eines Doppel- oder Mehrfachanschlusses bezweifeln. Die Argumente haben Schulen aber auf ihrer Seite. So wie auch für viele Firmen eine hohe Ausfallsicherheit unverzichtbar ist, so trifft dieses auch für Schulen zu, wenn sie ihren Unterricht mit digitalen Tools gestalten. An den Kosten kann es eigentlich nicht scheitern. Im Budget für eine Schule im Sekundarbereich macht ein Internetzugang den geringsten Anteil aus. Bei kleinen Grundschulen mag das anders allerdings aussehen.

Auch die Technik ist verfügbar. Die Bündelung (engl. bonding) mehrerer Anschlüsse kann direkt im Server erfolgen über mehrere Karten und entsprechende Software oder wesentlich einfacher durch ein Zusatzgerät. Mushroom bietet beispielsweise ein solches an, welches mit zusätzlichen Online Dienstleistungen betrieben werden kann (und ohne). Für Schulen sollte die Hardware ohne zusätzliche Online-Services reichen. Das Gerät kann bis zu 8 Leitungen verschiedener Anbieter und Übertragungswege bündeln.

Fazit: Bei der Ausstattungsplanung für einen Unterricht mit digitalen Tools, die ohne eine Nutzung des Internets auf Dauer kaum Sinn macht, sollte auf jeden Fall eine zuverlässige Anbindung der Schule ans Internet berücksichtigt werden. Selbst für Schulen in Regionen mit schlechter Internetanbindung kann die Bündelung verschiedener Anbieter Sinn machen, auch um die Breite der Anbindung zu erhöhen.

Selbstverständlich ist für einen gelingenden Unterricht mit Informations- und Kommunikationstechnologien von technischer Seite die Zuverlässigkeit im schulischen WLAN und den anderen technischen Komponenten ebenfalls eine absolut unabdingbare Voraussetzung, die bei der Planung zu berücksichtigen ist.


Mehr Informationen zum Thema findet man auch unter Stichworten wie „multi wan“, „multiple wan“, „dual wan“ und „link aggregation“. Man unterscheidet verschiedene Techniken, wie mit Anfragen von Clients ins Internet umgegangen wird. Wird load balancing genutzt oder nicht? Für Linux Server gibt es Software Bundle, die sich auf mulitiple wan verstehen. Auf all diese Technologien soll hier jedoch nicht eingegangen werden. Siehe auch Kanalbündelung bei Wikipedia (und etwas ausführlicher Channel Bonding in der englischsprachigen Wikipedia).

 

 

 

 

 

Afrikas Wildleben live in den Unterricht holen

Posted in Creative, Medienwelt by damianduchamps on Juli 26, 2016

Wie oft träumt man als Lehrer von tollen Exkursionen, vom Lernen vor Ort in Begleitung eines Experten. Leider lässt sich das nur selten realisieren. Zeit, Geld und Entfernung lassen diese Träume zerplatzen wie Seifenblasen. Und je weiter ein möglicher außerschulischer Lernort entfernt ist, desto geringer sind die Chancen, diesen jemals mit einer Lerngruppe besuchen zu können. Ins Wattenmeer könnte man eventuell noch kommen im Rahmen einer Klassenfahrt, doch der afrikanische Busch ist für uns so entfernt wie der Mond.

Manch einer erinnert sich an Kontakte von US amerikanischen Schulklassen zu Astronauten auf der ISS.  Schüler konnten dabei über eine Liveschaltung direkt mit den Astronauten sprechen, Fragen stellen und sie Experimente ausführen lassen, für die zuvor Materialien zu ISS geschafft worden waren. Tolle Sache, nur sind die Chancen, daran teilnehmen zu können, sehr begrenzt.

Es gibt jedoch andere Möglichkeiten, Liveschaltungen zu Experten zu bekommen. Eine davon möchte ich hier vorstellen. Sie ist geeignet für Lerngruppen ab Klasse 9 an Gymnasien und Gesamtschulen, die mit Englisch bilingual arbeiten. Fächer, für welche das Angebot von Interesse ist, sind Biologie und Englisch

Safari LIVE

Schon seit mehreren Jahren gibt es diese Live Drives und Live Bush Walks in einem Teil des südafrikanischen Kruger National Parks. Hier sind zweimal täglich für jeweils drei Stunden Teams unterwegs und stellen die Tier- und Pflanzenwelt im Ökosystem Busch vor. Zuschauer lernen dabei nicht nur große Säuger kennen, sondern auch Vögel, Insekten und Reptilien. Vorgestellt werden typische Lebensräume, Fortpflanzung und Ernährung. Die Safari Führer gehen auf das Wetter ein, die Geologie, den Jahreszeitenwechsel und die Arbeit als Safari Führer selbst. Man erfährt etwas über die Geschichte der Region, das Fährtenlesen und das Verhalten im Busch. Es geht bei den Touren nicht um Sensation, sondern Information.

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Spinne mit Beute (Screenshot Safari LIVE)

Die Führer sind sehr kundig und haben verschiedene Spezialgebiete. Bei den Touren mit Geländewagen oder zu Fuß sind in der Regel zwei Teams unterwegs, die beide über Funk und Satellit live senden und auf Fragen der Zuschauer reagieren. In der Regel hat man mehr als tausend Zuschauer aus aller Welt live dabei. Fragen können per E-Mail gestellt werden oder über einen Twitter Hashtag. Es wird immer wieder angeregt, Fragen zu stellen. Mitunter werden die Zuschauer gebeten, etwas zu recherchieren, wenn der Führer nicht weiter weiß.

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Eines der Teams, Safari Guide, Fährensucher und Kameramann mit Kamera (Screenshot Safari LIVE)

School Drives

Für Schulen auf aller Welt gibt es ein besonderes Angebot, den School Drive. Dafür meldet man sich zuvor an und die Safari Führer begrüßen die Klassen zur verabredeten Zeit und widmen sich dann vor allem den Fragen der Schüler.
Bevor man einen School Drive macht, empfiehlt es sich, einfach mal so live zuzuschauen oder Aufzeichnungen anzuschauen. Das hilft einmal, sich in die Thematik einzustimmen und abschätzen zu können, was man erwarten kann. Außerdem erhalten die Lerngruppen so die Möglichkeit, sich auf das Englisch einzustellen. Die Safari Führer sprechen ein sehr gut verständliches Englisch mit einem leichten südafrikanischen Akzent.
Das Live Video schaut man sich über YouTube an. Es empfiehlt sich ein Projektor. Brauchbare Lautsprecher sind wichtig. Die Fragen stellt, von denen einige in der Lerngruppe vorbereitet werden sollten, man am besten über Twitter. Dafür richtet man sich einen Twitter Account ein. Den Twitter Handle teilt man bei der Anmeldung über E-Mail mit. Die Safari Führer lesen die Fragen nicht selbst, sondern bekommen sie aus der Zentrale, über welche der Video Live Stream gesteuert wird, vorgelesen. Sie wiederholen die Frage dann und den Namen des Fragenden und geben dann eine Antwort. Dabei stellen sie sich auf das Alter der Schüler ein und die Region, aus welcher sie kommen. Zusätzlich zum Projektor sollte es noch weitere Bildschirme geben, Tablet oder Laptops, über welche Screenshots von vorgestellten Tieren, Pflanzen und Landschaften gemacht werden können. Die Screenshots lassen für Projektmappen und Präsentation verwenden und dürfen sogar im Internet veröffentlicht werden, wenn beispielsweise eine Webseite, ein Blog, ein Wiki oder ein Prezi erstellt werden sollen.

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Elefant interessiert sich für den Geländewagen. (Screenshot Safari LIVE)

Da die Führungen live sind, weiß man nie, was kommt, wie viele Tiere man sehen wird und welche. Interessant zu wissen ist, dass es im südlichen Afrika auch Jahreszeiten gibt, die auch auf auf das Leben der Pflanzen Auswirkungen haben. Im trockenen Winter färbt sich das Laub gelb und im Frühjahr, wenn der Regen kommt, wird alles grün.

Die Zeitzone passt

Die Live Safaris sind für Schulen in Deutschland von Interesse, da die Zeit während der Sommerzeit in Süd-Afrika parallel zu der unseren läuft. In Süd-Afrika gibt es keine Zeitumstellung. Im europäischen Winter verschiebt sich dann die Süd Afrikanische Zeit um eine Stunde zu uns.

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Löwenfährte im Sand (Screenshot Safari LIVE)

Es gibt eine Live Safari morgens (sunrise safari)  von 6 bis 9 (im afrikanischen Winter von 6:30 bis 9:30 Uhr). Diese ist für deutsche Schulen in den ersten beiden Unterrichtsstunden live zu sehen. Die Nachmittagssafari (sunset safari) von 15 bis 18 Uhr ist für deutsche Schulen nicht nutzbar.

Links

Weitere Infos

Safari Live ist Teil von WildEarth, das wiederum zu National Geographic gehört. Daher kommt vermutlich auch das Angebot für Schulen, welches US Schulen bei der Sonnenuntergangssafari

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Zwei Hawk Eagle (Screenshot Safari LIVE)

Die Aufzeichnung der Live Safaris lassen sich auch zeitversetzt sehen. Der Stream läuft auf eine Länge von drei Stunden im Kanal von Safari LIVE. Das heißt, drei Stunden nach der letzten Live Minute um 9 (bzw. 9:30) ist der Stream nicht mehr zu sehen. Bis dahin kann man aber zeitversetzt sehen, jedoch keine Fragen stellen.

Es gibt zum Live Stream auf YouTube eine Chat unter den Zuschauern aus aller Welt. Hier könnte man eventuell auch Fragen stellen zu einzelnen Tieren, da es unter den Zuschauern einige Experten gibt, die schon länger zusehen und die Geschichte mancher der Raubtiere, die im Bereich von Safari Live ihr Revier haben, gut kennen. Man sollte im Hinterkopf halten, dass dieser Chat nicht moderiert ist und der Austausch dort nicht nur um die Tiere geht, aber meist.

Im Folgenden versuche ich kurz, die Anknüpfung der Nutzung von Safari Live im Unterricht an die Lehrpläne und den Medienpass NRW darzustellen, immer bezogen auf eine Klasse 9 am Gymnasium oder an einer Gesamtschule wo Biologie bilingual mit Englisch unterrichtet wird.

Anknüpfung an den Lehrplan Biologie Sek I NRW

Im Fach Biologie eignet sich Live Safari gut, wenn es um die Themen Biotope und Ökosysteme geht.

Jahrgangsstufen 7/9

„Erkundung und Beschreibung eines ausgewählten Biotops (Produzenten, Konsumenten, Destruenten), Nahrungsbeziehungen, Energieumwandlung, Energiefluss, offene Systeme, Veränderung von Ökosystemen durch Eingriffe des Menschen, Biotop- und Artenschutz an ausgewählten Beispielen, Treibhauseffekt und Nachhaltigkeit.“
Erkunden eines Ökosystems

Bis Jahrgangsstufe 9

  • „beschreiben ein ausgewähltes Ökosystem im Wechsel der Jahreszeiten“
  • „ermitteln mit Hilfe geeigneter Bestimmungsliteratur im Ökosystem häufig vorkommende Arten“
  • „erklären Angepasstheiten von Organismen an die Umwelt und belegen diese, z. B. an SchnabelformenNahrung, Blüten-Insekte“
  • „beschreiben die für ein Ökosystem charakteristischen Arten und erklären deren Bedeutung im Gesamtgefüge.“
  • „erklären die Bedeutung ausgewählter Umweltbedingungen für ein Ökosystem z. B. Licht, Temperatur, Feuchtigkeit“

Quelle: Lehrplannavigator NRW

Oberstufe

Inhaltsfeld 5 – Ökologie

Die Dynamik von Populationen könnte man dann im Kontext afrikanischer Busch besprechen.

Anknüpfung an den Lehrplan Englisch Sek I NRW

Hier nur auf Rezeption, die Fragestellungen und das Anmelden bezogen.

Kompetenzerwartungen am Ende der Jahrgangsstufe 9

Hörverstehen und Hör-Sehverstehen

  • medial vermittelten einfachen authentischen oder adaptierten Sachtexten (u. a. Fernsehnachrichten, Interviews, Diskussionen) wesentliche Informationen entnehmen

Umgang mit Texten und Medien

  • im Bereich Medienkompetenz die Möglichkeiten des Internets aufgabenbezogen für Recherche, Kommunikation und sprachliches Lernen nutzen.

Quelle: KLP Englisch

Anknüpfung  an den Medienpass NRW

Als Lehrer in NRW schaue ich auch auf den Medienpass NRW und die Kompetenzen, welche dort abgebildet sind. Eine Einbindung von Safari Live mit Fragen an die Safari Führer würde in den Kompetenzbereich Kommunizieren und Kooperieren fallen.

  • Schülerinnen und Schüler kommunizieren verantwortungsbewusst, sicher und eigenständig und nutzen digitale Medien zur Zusammenarbeit.
  • Schülerinnen und Schüler … kommunizieren adressatengerecht, verantwortungsbewusst…

Werden z.B. Screenshots erstellt für eine spätere Nutzung oder es wird eine Aufzeichnung des Live Streams erstellt, um alles noch einmal ansehen zu können, fällt dieses unter Bedienen und Anwenden. Am ehesten würde dieses in den Bereich

  • wenden erweiterte Bearbeitungsfunktionen von Audio- und Videoprogrammen an

fallen.

Da es mit der reinen Rezeption des Live Videos und der Antworten der Safari Führer nicht getan ist, wird im Anschluss sicherlich ein Produkt entstehen, womit auch der Kompetenzbereich Produzieren und Präsentieren einbezogen wäre.

  • entwickeln einen detaillierten Projektplan für die Erstellung eines Medienproduktes
  • erstellen selbstständig ein Medienprodukt und setzen dabei unterschiedliche Gestaltungselemente bewusst ein.
  • präsentieren ihre Ergebnisse zielgruppenorientiert und achten auf ihre Körpersprache und Stimme.

 

Tipps für den Unterricht

  • Die Anfrage für einen School Drive an das Team von Safari LIVE sollte in der Lerngruppe erstellt werden.
  • Vor dem School Drive sollten einige Folgen geschaut werden, um
    • eine Erwartungshaltung zu wecken
    • eine Gewöhnung an das Englisch der Safari Führer zu ermöglichen
    • sich mit neuem Vokabular vertraut zu machen
    • das Setting kennenzulernen
    • den Ablauf einer Live Safari kennenzulernen
    • die Tiere, Pflanzen und Geographie schon ein wenig zu erleben
  • Vor dem School Drive sollten auf der Grundlage der zuvor geschauten Live Safaris und des Unterrichtsthemas Fragen erstellt werden
  • Ein Klassentwitter Account sollte angelegt werden (Namen bei der Anfrage dem Team mitteilen!)
  • Alternativ können die Fragen über E-Mail gestellt werden questions@wildearth.tv
  • Es sollte geübt werden, Screenshots zu erstellen
  • mehrere Schüler könnten gemeinsam mittels eine Etherpads ein Live Protokoll erstellen, um vor allem die vielen Namen der Tiere und Pflanzen notieren zu können
  • Es sollte eine Aufgabenverteilung vorgenommen werden
    • Protokollanten
    • Namen nachschlagen
    • neue Fragen erstellen, wenn die vorbereiteten nicht passen oder Nachfragen erforderlich sind
  • In Anlehnung an Chell’s Safari Live Summary Blog könnten Schüler im Anschluss ebenfalls so eine Zusammenfassung erstellen
  • Zwei frei verfügbare Handbücher für Fährtenlesen (da immer wieder Fährten gezeigt werden)

 

Noch ein paar Gedanken

Es wäre schön, wenn es mehr Gelegenheiten für Schüler gäbe, in dieser Art mit Experten vor Ort in einer Video-Liveschaltung kommunizieren zu können. Ich würde mir so etwas vor allem für für besondere Biotope, eben wie das Wattenmeer, die Bergwelt der Alpen, das Altmühl-Tal und ähnlich wünschen. Auch Museen könnten so etwas anbieten. Wie man bei Safari Live sieht, ist die Qualität eines echten Austauschs, wenn die Experten den Blick auf Details lenken, wesentlich wertvoller als wenn nur ein virtueller Museumsrundgang gemacht wird. Ich frage mich, warum nicht auch Museen diese Möglichkeit nutzen. Gerade mit einem starken WLAN oder auf dem Gelände, etwa wenn es eine historische Stätte ist, kann so etwas leicht umgesetzt werden. Es würde die Welt deutlich intensiver in die Klassenzimmer holen. Technisch ist das alles gar nicht so aufwändig. Selbst draußen in der Natur lässt es sich relativ leicht realisieren, wenn eine ausreichende Verbindung ins Mobilnetz vorhanden ist (siehe z.B. Teleporter). Vielleicht steckt sogar eine Geschäftsidee dahinter?

Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten, die Begrenztheit von Bilden und Videos zumindest ein Stück weit zu erweitern. Virtuelle Museumsrundgänge (siehe 5 museos con visitas virtuales para descubrir sin moverte de clase) lassen fremde Räume erkunden wie auch Google Streetview und ähnliche Projekte. Ein Stück weiter geht dann das Google Projekt „Google Expeditions“ in welchem Schüler mit Smartphone und Google Cardboard als 3D Brille, Räume nicht nur in 360° Sicht erfahren, sondern räumlich.
In nicht allzu ferner Zukunft wird es sicherlich virtuelle Touren geben, in welcher Schüler in dreidimensionale Räume eintauchen, und dort einer Führung folgen, in einer fremden Stadt, einer Fabrik, im tropischen Regenwald, in der Antarktis oder einfach nur im Wattenmeer oder den Donauauen.
Ein kleines Stück auf den Weg gemacht haben sich die Macher von SafariLive, vorerst noch ohne 3D (aber sie experimentieren bereits damit).

Ich hoffe, ich kann mit diesem Beitrag den einen oder anderen anregen, die Erfahrungen, welche Safari LIVE Schülern bringen kann, für den eigenen Unterricht zu nutzen.

QR Codes – Pimp those boring textbooks!

Posted in Creative, Medienwelt, Tools by damianduchamps on Mai 5, 2016

Langweilig und schon bei Drucklegung veraltet

Vermutlich bin ich nicht der einzige, der die Schulbücher, mit denen er im Alltag zu tun hat, unausstehlich langweilig findet. In meinem Fall ist dieses das Englischlehrwerk, welches mittlerweile in die Jahre gekommen ist. Der Band für die Klasse 8 wurde 2007 auf den Markt gebracht und war sicherlich mindestens ein Jahr, wenn nicht länger, in Vorbereitung. Entsprechend veraltet sind die Inhalte. Die jungen Menschen aus den USA und Kanada, die dort vorgestellt werden, nutzen noch keine Smartphones, kennen kein WhatsApp oder SnapChat, schreiben dafür aber E-Mails und man sieht sie, wenn überhaupt im Zusammenhang mit Computern, vor uralten Modellen sitzen. Die vorgestellten Schauspieler, Sportstars, Musiker und Bands sagen den Schülern von heute kaum noch etwas. Internet Berühmtheiten – Fehlanzeige. Und selbst die Fotos, die eigentlich relativ überdauernde Landschaften, Gebäude, Personen und ähnlich zeigen sollen, um den Schülern einen Eindruck zu geben, wie es in diesen Ländern aussieht, sehen aus als wären sie aus dem Fotoalbum meiner Großeltern entnommen. Auch von der Struktur her insgesamt kann mich dieses Lehrwerk nicht vom Hocker reißen. Die angesprochenen Inhalte mit Bezugspunkten zur Lebenswelt der Schüler sind letztlich nur Vehikel, um neues Vokabular und Grammatik zu transportieren. Einzelne Units mit Projekten sollen das Buch in seiner Eintönigkeit auflockern.

Wenn ich mein Englischbuch aufschlage, dann fällt es mir extrem schwer, den Schülern gegenüber begeistert, motiviert und inspiriert zu wirken. Und wie muss dieses Buch erst auf meine Schüler selbst wirken, die täglich im Internet unterwegs sind, wo sie viele schöne Bilder sehen und vielfältigste Layouts und Schriftarten, Animationen und Videos?

Ganz ohne Lehrbuch?

Als Schule ist man nicht verpflichtet, mit einem Lehrwerk zu unterrichten. Man kann, wenn man möchte, die Inhalte in Orientierung an den Richtlinien und Lehrplänen komplett selbst zusammenstellen. Das allerdings kostet natürlich einiges an Zeit und Energie und ist alleine schwierig zu leisten. Eine größere Fachschaft könnte das schon leisten. Oft wird ein Fach wie Englisch jedoch auch fachfremd unterrichtet. Für Lehrer, die ein Fach nicht studiert haben, kann ein Lehrwerk mit den umfangreichen Begleitmaterialien inklusive der didaktischen Hinweise eine große Hilfe sein. Solche Unterstützung würde bei selbst zusammengestellten Materialien fehlen. Mitunter verlangen sogar Schüler nach einem Buch, da sie einen Grammatik- und Vokabelteil haben möchten, den sie zum Nachschlagen und Lernen nutzen können. Das ist vor allem dann der Fall, wenn im Unterricht versäumt wird, entsprechende Unterlagen gemeinsam mit den Schülern systematisch anzulegen.

Das Englischlehrwerk aufbohren

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Mindesthaltbarkeitsdatum verlängern

Eine Möglichkeit, das offizielle Lehrwerk trotz aller seiner Beschränkungen doch zu nutzen, besteht darin, seine Möglichkeiten einfach zu erweitern. Das macht die Arbeit damit nicht nur interessanter und motivierender, sondern kann sogar Kosten sparen helfen, da man das Lehrwerk so länger nutzen kann.

Ein Lehrwerk aufzuwerten, ist relativ einfach mit etwas Arbeit  und ohne zusätzliche Kosten möglich.

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Let’s go 4 Unit 7 – Canada mit QR Code zu einem Padlet

Eine Möglichkeit dazu sind QR Codes. Je nach Schule und Bundesland werden die Fachbücher von Eltern oder Schule angeschafft. Bei Lehrwerken, die im Besitz der Schule sind, und an die Schüler ausgeliehen werden, kann nach Absprache mit dem Schulträger das Schulbuch um QR Codes erweitert werden. Diese verweisen dann auf Inhalte, die im Internet zu finden sind. Anders als bei den Angeboten mancher Verlage über Web Codes, die auf Inhalte aus dem Angebot des Verlages hinweisen, können hier eigene Inhalte hinterlegt werden.

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Padlet Canada

Verweisen kann man auf Inhalte jeder Art – Informationstexte, Nachrichtentexte, Wikipedia Einträge, Fotos, Videos, Audiomaterial wie Podcasts, Hörgeschichten und ähnlich und natürlich auch interaktive Übungen, etwa mit LearningApps erstellt, und Quiz-Formate. Im Vokabelteil könnte man auf Quizlet Übungen für das Vokabeltraining verlinken. Außerdem könnten, falls gewünscht, Arbeitsblätter zum Download vom Schulserver oder ähnlich eingebunden werden. Hervorragend geeignet sind hier in allen Bereichen auf jeden Fall freie Bildungsmaterialien (OER).

Voraussetzungen

Auch wenn in einer Fachschaft alle willig sind, müssen einige Vorbedingungen erfüllt sein, um ein Lehrwerk über QR Codes und damit verlinkte externe Inhalte/Übungen aufwerten zu können.

  • Das betreffende Lehrwerk muss im Besitz der Schule/ des Schulträger sein.
    • Einkleben von QR Codes muss genehmigt sein
  • Sollen die Möglichkeiten im Unterricht sinnvoll genutzt werden,
    • sollten idealerweise alle Klassenräume/Fachräume Internetzugang haben
    • sollten möglichst viele Schüler über digitale Endgeräte Zugriff auf das Internet haben
      • Schulgeräte und/oder Schülergeräte (BYOD)
    • sollten möglichst alle Schüler auch zu Hause das Internet nutzen können
    • sollte zumindest eine regelmäßige Nutzung eines PC Raums möglich sein
  • Die Nutzung von externen Inhalten im Internet darf zumindest in Bezug auf von Lehrern ausgewählte Inhalte nicht durch Firewalls und/oder Filtersoftware blockiert sein

Je nach Nutzungsszenario kann es sinnvoll sein, die QR Codes mit einem verkürzten Link (z.B. über einen Dienst wie http://bit.ly verkürzt) zu ergänzen, der im Bedarfsfall abgetippt werden kann.

Schritt für Schritt

  1. Die Fachschaft entschließt sich, das Fachbuch aufzupimpen
  2. Rechtliche Fragen, ob das Buch mit QR Code Stickern versehen werden darf, werden geklärt.
  3. In einer Fachschaftssitzung arbeitet man beispielhaft ein Thema aus einem Jahrgang auf, um allen Beteiligten zu zeigen, wie es geht.
    1. Gezeigt wird, wo man externe Inhalte findet.
    2. Ein Kriterienkatalog für die Materialauswahl wird erstellt: Anspruchsniveau, maximale Länge der Videos, Bildqualität, Länge von Audiomaterialien, Urheberrecht (nutzbare Lizenzformen, Creative Commons Lizenzen, Public Domain), …
    3. Plattformen für das Finden bzw. Erstellen von interaktiven Aufgaben werden vorgestellt.
    4. Absprache, welche Übungsformen, man wofür nutzen will.
    5. Konventionen für das Benennen von erstellten bzw. auf eigene Bedürfnisse angepassten externen Übungen werden vereinbart.
    6. Erstellen von QR Codes bzw. Sammlung von Links für das Erstellen der QR Codes
  4. Drucken von QR Codes auf Avery/Zweckform Etiketten (oder ähnlich) und Einkleben in Lehrwerk
  5. Erster Praxistest und Nachbesserung falls notwendig.
  6. Aufteilung der restlichen Themen/Units aus dem Jahrgang und Überarbeitung in Teams.
  7. Praxistest mit den anderen Überarbeitungen im Jahrgang und Nachbesserung wo notwendig.
  8. Aufpimpen des kompletten Fachbuches, zu dem gearbeitet wurde, mit QR Codes für den nächsten Durchgang.
  9. Ausweitung auf andere Jahrgänge/Fächer.

Wie im Unterricht nutzen

Bevor man sich entschließt, ein Fachbuch mit QR Codes aufzubohren, sollte man sich auf jeden Fall Gedanken machen, wie man die externen Inhalte für den Unterricht nutzen kann.

Primär frontale Nutzung – Schüler Nachnutzung

Nicht jede Schule verfügt über die Möglichkeit, Schüler im Unterricht mit digitalen Endgeräten ins Internet zu schicken. Dann nutzt der Lehrer die Inhalte im Unterricht:

  • über einen Projektor, der mit Notebook, Tablet oder Smartphone gekoppelt ist
  • über ein interaktives Whiteboard

Bei beiden Varianten ist es durchaus möglich, dass einzelne Schüler interaktive Übungen machen und dabei von den Mitschülern unterstützt werden. Alle Schüler haben anschließend die Möglichkeit, die externen Materialien auch noch einmal zu Hause zu nutzen. Die Materialien könnten auch als Hausaufgaben genutzt werden. Bei Plattformen mit der Möglichkeit zur Registrierung (z.B. Quizlet, Edpuzzle, …) hat der Lehrer sogar eine Kontrolle über den Zugriff durch die Schüler.

Flipped Classroom

In vielen Schulen ist die Möglichkeit für Lehrer, zumindest einen Projektor im Fachraum oder Klassenraum nutzen zu können, nicht gegeben. Aber auch hier kann es Sinn machen, das Fachbuch mit QR Codes zu ergänzen. Im Sinne von Flipped Classroom können über die QR Codes auch Videos und Materialien verlinkt werden, mit denen sich Schüler zu Hause mit einem Stoff auseinandersetzen, der dann im Unterricht geübt und vertieft wird. Im Englischunterricht wäre das z.B. bei Grammatik Themen denkbar, siehe z.B. English Grammar Reported Speech: Questions von Alicia Bankhofer.

Außerdem können Schüler auch weitere verlinkte Materialien nutzen für andere Formen von Hausaufgaben, mit denen sie Inhalte für den Unterricht vorbereiten oder Themen vertiefen.

Nutzung im PC Raum

Ich selbst gehe im Englischunterricht nicht gerne extra in den PC Raum. Aber „zur Not frisst der Teufel die Fliegen auch ohne Salz.“ Wenn gar nichts geht, ist ein PC Raum besser als nichts. Da die PCs dort in der Regel nicht über Webcams verfügen, welche die QR Codes einlesen können, ist es hier wichtig, dass die Links auch abgetippt werden können. Es sollten außerdem Köpfhörer verfügbar sein oder von den Schülern mitgebracht werden.

Notebook Wagen/Tablet Koffer

Bteht die Möglichkeit, zumindest für eingeschränkte Zeiträume, Notebooks oder Tablets für die Lerngruppe zu bekommen, hat man deutlich bessere Möglichkeiten. Wenn nur diese Möglichkeit besteht, könnte man sich in der Fachschaft absprechen, dass jede Lerngruppe in einem Schuljahr zumindest eine Stoffeinheit/Unit mit Internetzugriff und Endgeräten in der Klasse durcharbeiten kann.

Je nach Fach könnte man so auch zunächst nur eine bestimmte Unit/Stoffeinheit mit externem Material und QR Codes erweitern. Sobald sich mehr Möglichkeiten für Notebooks oder Tablets in den Lerngruppen ergeben, weitet man dann die Vorhaben dann in den Fachbüchern aus, wie oben beschrieben.

BYOD

Die umfangreichsten Möglichkeiten bieten sich sicherlich, wenn alle Schüler dauerhaft eigene Geräte im Unterricht nutzen können (BYOD). Dann könnten die erweiterten Inhalte des Lehrwerks regelmäßig im Unterricht eingesetzt werden. Zu beachten ist hierbei noch: nicht alle Inhalte aus dem Internet stellen sich auf allen Geräten gleich gut dar. Gerade auf Geräten mit kleineren Displays kann es z.B. bei interaktiven Übungen zu Problemen kommen. Das sollte man vorher testen.

Weitere Szenarien

Schulen, die mit lokalen Lernmanagement Systemen/Lernplattformen arbeiten, könnten auch auf Inhalte innerhalb dieses Systems verlinken, wenn diese über ein internes Netz für Schüler und Lehrer erreichbar sind. Gleiches ist für Verlinkungen auf Lernmanagement Systeme/Lernplattformen denkbar, die auch von außen über das Internet erreicht werden können.

Ausweitung auf andere Fächer

Hat sich das System in einem Fach bewährt, wird auch in anderen Fächern schnell der Wunsch aufkommen, diese Möglichkeit zu nutzen. Dieser Schritt ist dann vergleichsweise einfach.

Lehrer des 21. Jahrunderts sind die Lerner des 21. Jahrunderts

Posted in Kompetenzen, Medienwelt, Schulentwicklung, Schulpolitik, Uncategorized by damianduchamps on April 30, 2016

An vielen Stellen herrscht mittlerweile kein Zweifel mehr daran, dass das Lernen des 21. Jahrhunderts anders aussieht als es gegenwärtig noch an der Mehrheit der Schulen praktiziert wird.

Wer sich in der Bildungslandschaft umschaut, sieht, dass sich schon recht deutlich herauskristallisiert hat, wie das Lernen des 21. Jahrhunderts aussieht, denn es gibt bereits Schulen, wo es praktiziert und weiterentwickelt wird. Schaut man sich die Beispiele näher an, wird aber auch sehr schnell klar, was die Akteure auszeichnet.

Sie alle selbst sind Lerner des 21. Jahrhunderts.

Es sind die André Spangs, Alicia Bankhofers, Thorsten Larbigs, Jörg Lohrers, Gerhard Bless und so weiter dieser Welt. Sie alle leben vor, wofür sie stehen, indem sie die Lernmöglichkeiten des 21. Jahrhunderts aktiv nutzen, um ihre eigenen Kompetenzen zu erweitern. Das heißt, sie bauen sich ihre persönlichen Lernnetzwerke auf, suchen sich Informationen im Netz, nehmen an MOOCs teil, schauen Lernvideos, sie schreiben Blogs, podcasten, erstellen Videos, veranstalten edChats, erstellen gemeinsam Dinge, …, sie erwerben Kompetenzen und teilen sie mit anderen und wachsen dabei weiter.

Was bedeutet das für die Entwicklung des Bildungssystems selbst hin zu einem Bildungssystem des 21. Jahrhunderts?

Man kann, so denke ich, sicher davon ausgehen, dass die Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer digitale Technologien nutzen, im privaten Umfeld wie in der Unterrichtsvorbereitung. Trotzdem fällt es ihnen extrem schwer, sich in Bezug auf Unterricht auf digitale Technologien einzulassen. Welche enorme Bedeutung das Lernen des 21. Jahrhunderts für Schule hat, übersteigt ihren Vorstellungshorizont sogar komplett, und das nicht ohne Grund.

Der beste Englischlehrer ist nicht nur Pädagoge, sondern beherrscht die englische Sprache perfekt, der beste Biologielehrer ist Biologe und Pädagoge und der beste Mathematiklehrer ist Mathematiker mit Leib und Seele und Pädagoge. Wer Schüler zu Lernern des 21. Jahrhunderts machen soll, muss deshalb selbst ein Super-Lerner des 21. Jahrhunderts sein. Nach modernem Rollenverständnis vermitteln Pädagogen heute schon lange nicht mehr nur Wissen, sondern auch das Lernen selbst. Und immer schon lernen Lehrer in ihrer Ausbildung auch selbst mit den Methoden, die sie hinterher als Lehrer in ihrer täglichen Arbeit nutzen sollen.

Wenn Lehrerinnen und Lehrer also nicht selbst aus eigener Praxis in der Entwicklung und Erweiterung ihrer beruflichen Professionalität erfahren haben, wie das Lernen des 21. Jahrhunderts funktioniert und welchen Gewinn es ihnen bringt, dann können sie dieses weder in ihren beruflichen Alltag integrieren noch verstehen, warum dazu überhaupt eine Notwendigkeit besteht. Dann wundert es auch nicht, wenn Schulen noch immer Smartphones verbieten und man an Schulen oft nur Einzelkämpfer findet, die mit digitalen Technologien in ihrem Unterricht arbeiten und sich auf den Weg gemacht haben, ihre Schüler die Chance gehen, sich zu Lernern des 21. Jahrhunderts zu entwickeln.

Für die Praxis bedeutet dieses:

  • Die Lehrerausbildung muss so schnell wie möglich umgestellt werden, um aus Lehramtsstudenten und Referendaren Lerner des 21. Jahrhunderts zu machen
  • Die Lehrerfortbildung muss umgestellt werden, um Lehrer zu Lernern des 21. Jahrhunderts zu machen
  • Für den Übergang müssen Lehrer an den Schulen massiv entlastet werden, um den Raum zu erhalten, sich zu Lernern des 21. Jahrhunderts zu entwickeln

Schulen stehen gegenwärtig unter einem enormen Druck von vielen Seiten. Inklusion, Flüchtlinge, G8/G9, demographischer Wandel und gesellschaftliche Probleme, die in die Schulen schwappen, lassen unter den gegebenen Bedingungen nicht viel Luft für einzelne Themen. Mit Tafel, Buch, Stift und Heft hat Unterricht immer funktioniert und für viele Lehrer stehen deshalb digitale Technologien ziemlich weit hinten auf der Prioritätenliste. Wenn sich also etwas ändern soll, und es muss sich etwas ändern, dringend, dann braucht es einer gewaltigen gemeinsamen Anstrengung. Ohne einen Schub aus der Politik und die entsprechenden Mittel, um die Lehrerausbildung und -fortbildung wie oben beschrieben, zu verändern, wird es nicht gehen. Dafür braucht es politischen Willen. Man hörte mal etwas munkeln von einem milliardenschweren Programm aus Berlin. Das war schon 2015 und es ging wohl mehr um Ausstattung von Schulen. Von daher ist der Ausblick gegenwärtig nicht sehr optimistisch, auch wenn zu spüren ist, dass an vielen Schulen so langsam Aufbruchstimmung einkehrt in Bezug auf digitale Technologien und Unterricht.