Damian Duchamps' Blog

Fortbildung für den digitalen Wandel in Schule, wie ich sie wünschen würde

Posted in Schulentwicklung, Uncategorized by damianduchamps on November 6, 2016

Kürzlich war ich wieder einmal an einer Fortbildung beteiligt, an einem Gymnasium. Im Rahmen eines pädagogischen Tages sollte das Kollegium verschiedene Möglichkeiten kennenlernen, wie man mit Smartphones, Tablets, Laptops, Apps und Online-Angeboten im Unterricht arbeiten kann. Von Seiten der Schule war ein WLAN bereitgestellt, das in allen Workshop Räumen zur Verfügung stehen sollte. Die Teilnehmer brachten eigene Geräte mit, konnten jedoch auch Tablets aus einem Pool ausleihen. Das klang vielversprechend. In der Praxis sah es dann für mich jedoch leider nicht ganz so günstig aus und ich konnte meine Angebote nicht so umsetzen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Auch die Teilnehmer meiner Workshops hatten ihre Probleme mit der Technik. Zudem gab es immer wieder Aussetzer im WLAN. Aufgrund des sehr restriktiven Zugangs zum WLAN konnte ich mein übliches Set-up von Projektor und Tablet nicht nutzen, sondern musste improvisieren und auf Kabel und Notebook zurückgreifen. In einem meiner Workshops stellte ich Padlet vor. Schwierigkeiten ergaben sich hierbei durch die unterschiedlichen Displaygrößen der Mobilgeräte. Mit einem Smartphone ist Padlet, so gut dieses Werkzeug auch ist, nur eingeschränkt nutzbar. Und dann gab es da auch noch andere Probleme durch mangelnde Kompatibilität von Browsern (etwa dem Samsung Browser mit dem schönen Namen „Internet“) oder beispielsweise Schwierigkeit von iOS, Dateien über das nicht zugängliche Dateisystem hoch zu laden. Und Zugangsdaten für das WLAN hatte auch nicht jeder.

Probleme wie diese spiegeln sicherlich die Schwierigkeiten wieder, mit denen Schulen  konfrontiert sein können, wenn sie auf BYOD ohne Vorgaben und improvisierte WLAN-Lösungen setzen. Zu einer erfolgreichen und gewinnbringenden Fortbildung tragen derartige Probleme jedoch definitiv nicht bei. Aus diesem Grund habe ich mir Gedanken gemacht, welche Voraussetzungen es braucht, um wirklich gute Fortbildungen zu gestalten, mit denen wir Lehrerinnen und Lehrer befähigen können, den digitalen Wandel an ihren Schulen zu gestalten.

Lernen unter idealen Bedingungen

Günstig wäre es, wenn Lehrerinnen und Lehrer zunächst unter möglichst idealen Bedingungen lernen könnten. Unter idealen Bedingungen verstehe ich hierbei kein Setting, welches die technischen Möglichkeiten bis zum allerletzten ausreizt. Vorstellen würde ich mir vielmehr eine funktionierende, zuverlässige und gut zu bedienende Ausstattung auf einfachem Niveau. Das könnten einfache 10 Zoll Android Tablets sein, iPads, Chromebooks, oder wenn gar nicht anders möglich auch Notebooks oder Microsoft Surface Geräte. Mir persönlich würden, da ich damit gute Erfahrungen gemacht habe, Android Tablets reichen. Dazu sollte es ein stabiles WLAN geben, einen Projektor, der drahtlos verbunden ist, und einen Drucker. Außerdem sollte ein robuster Internetzugang vorhanden sein.

Man mag nun einwenden, und das habe ich über die Jahre immer und immer wieder gehört, dass man sich doch an den Gegebenheiten der jeweiligen Schule orientieren müsse, an dem, was dort vorhanden ist, da die Schule mit genau diesen Gegebenheiten arbeiten muss. Dieses Argument halte ich für unsinnig und zwar aus folgenden Gründen:

  • Lehrer sollten zuerst einmal erfahren, was überhaupt möglich ist und wie Unterricht idealerweise mit digitalen Tools gestaltet werden kann. Woher anders sollen sie sonst wissen, was machbar ist? Sie müssen positive Erfahrungen machen, müssen das Potenzial erfahren können und erkennen. Erst dann wird man sie wirklich für den digitalen Wandel gewinnen können. Dass dann an den einzelnen Schule sich dieses nicht unbedingt eins zu eins wird umsetzen lassen, ist eine andere Sache. Die Erfahrungen, welche die Lehrer in dem idealen Setting machen, werden aber die Richtschnur bilden für die Entwicklung, welche sie an ihrer Schule in Angriff nehmen. Sie wissen dann, was möglich ist, wie sie ihren Unterricht an der Schule verändern wollen und was sie dafür brauchen. Und dann werden sie sehen, dass sie die Bedingungen an ihrer Schule Schritt für Schritt in diese Richtung bringen, indem sie die schulinternen Lehrpläne entsprechend anpassen, das Lernmittelkonzept erstellen und ein entsprechendes Medienkonzept entwerfen.
  • Wer diesen Grund nicht akzeptiert, sollte sich vielleicht einmal fragen, warum Referendare noch immer für ihre Unterrichtsbesuche Traumstunden produzieren, Unterrichtsstunden, die sie in ihrem Berufsalltag so nie wieder durchführen werden, die einen enorm hohen Aufwand bedeutet haben, der im Alltag nicht zu leisten ist. Diese „Traumstunden“ sind aber eine Art Meisterstunden, eine Spitzenleistung, eine Richtschnur für zukünftiges Arbeiten. Auch wenn sie vergleichbare Stunden in ihrem Berufsalltag nie wieder halten werden, so wird die hohe Messlatte der Traumstunden trotzdem eine Richtung vorgeben für den Unterricht, den sie zukünftig halten.
  • Es ist darüber hinaus beruflicher Alltag von Lehrerinnen und Lehrern, Inhalte und Methoden an die jeweiligen Gegebenheiten ihrer Schule bzw. ihrer Lerngruppe anzupassen. Was als ideal vorgeben ist, lässt sich nur selten in der Praxis vor Ort umsetzen.

Wenn man den digitalen Wandel an die Schulen bringen will, muss man die Lehrerinnen und Lehrer dazu befähigen. Ich könnte mir hier in NRW vorstellen, dass jeder Kreis und jede kreisfreie Stadt dafür mindestens einen Raum irgendwo bereitstellt, in welchem 20-25 Lehrerinnen und Lehrer unter Anleitung lernen, mit mobilen Zugangsgeräten und dem Internet ihren Unterricht weiter zu entwickeln. Würde man einen solchen Raum mit Internetzugang, WLAN, 25 Android 10 Zoll Tablets, einem Projektor, einem Drucker, eventuell irgendwelchen Softwarelizenzen usw. ausstatten, so würden die Kosten dafür deutlich unter 10.000 € liegen.

Lehrer als Lernende

Schulen, die sich auf den Weg machen wollen, würden Lehrerinnen und Lehrer für eine Woche vom Unterricht freistellen. Damit das für die Schulen zu verkraften ist, wäre es dann in der Regel eine Lehrkraft pro Schule. Ähnlich wie in einem Praxisseminar an der Universität würden die Lehrkräfte dann zunächst einmal in die Rolle von Lernenden schlüpfen und darüber selbst erfahren, wie es sich mit den Möglichkeiten digitaler Zugangsgeräte und dem Internet, mit Apps, Online-Plattformen und ähnlich lernen lässt. Danach würden sie selbst in die Rolle der Lehrer schlüpfen und die andere Seite kennen lernen. Sie würden also selbst Stunden vorbereiten und durchführen. Ihre Schüler wären jeweils die anderen Lehrerinnen und Lehrer. Nach der jeweiligen Stunde würde man diese im Plenum besprechen. So würden die Lehrerinnen und Lehrer sowohl die Perspektive der Lernenden als auch der Unterrichtenden kennenlernen und hätten eine erste Basis für die Weiterentwicklung der eigenen Arbeit. Dazu wäre auch wichtig, nicht nur die zuverlässig funktionierenden Geräte aus der Raumausstattung zu nutzen, sondern auch immer wieder eigene Geräte wie kleinere Tablets, Tablets anderer Betriebssysteme und Smartphones usw. zu nutzen, um zu erfahren, welche zusätzlichen Möglichkeiten, Einschränkungen, Hürden etc. sich damit ergeben können. Und so würden dann Woche für Woche die Lehrerinnen und Lehrer der Schulen im Kreis bzw. der kreisfreien Stadt diese Praxisseminare durchlaufen. Ganz wichtig wäre mir bei diesen einwöchigen Praxisseminaren, dass die Teilnehmer sich von Anfang an untereinander vernetzen, um sich auch nachfolgend weiterhin auszutauschen, anzuregen und zu unterstützen.

Vielleicht wäre es günstig, wenn die jeweiligen Gruppen aus schulformgleichen Lehrkräften bestehen. Man würde also Grundschullehrer zusammen fortbilden, Sekundarstufe 1 Lehrer und Oberstufenlehrer. Es könnte vielleicht auch sinnvoll sein, Lehrer von Förderschulen und Förderschulpädagogen in Gruppen zusammenzufassen. Beginnen würde man am besten vermutlich zunächst mit interessierten Lehrkräften. Sie würden sich am ehesten gewinnen lassen und könnten so das Interesse anderer Kolleginnen und Kollegen an der Schule anregen. Die Zahl der Interessierten, der Willigen und der Zögerer ist in einem Kollegium in der Regel größer als die der Unwilligen und Verweigerer. Man könnte mit diesem System sicherlich eine große Zahl von Lehrkräften erreichen.

Für die Lehrkräfte, welche die erste Schulung durchlaufen haben, sollte es in regelmäßigen Abständen Möglichkeiten geben, sich zu treffen und auszutauschen, über das Vernetzen über das Internet hinaus.

Nach dem ersten Durchgang sollte später man einen weiteren Durchgang machen, der dann stärker auf fachspezifische Möglichkeiten des Unterrichts mit mobilen Endgeräten und dem Internet ausgerichtet ist. Sicherlich werden Lehrkräfte schon auf eigene Faust Möglichkeiten erkundet haben und diese einbringen können.

Fortbildung die Akteure

Um die Praxisseminare durchführen zu können, braucht es natürlich auch Personal, welches selbst in der Lage ist Unterricht entsprechend durchzuführen. Daran mangelt es momentan definitiv. Aus diesem Grunde würde ich zunächst alle Fachmoderatorinnen und Fachmoderatoren entsprechend schulen. Sie müssen ohnehin für ihre Fortbildungen in Zukunft in der Lage sein, das Thema zu integrieren. Ich würde für diesen Personenkreis die Schulungen noch deutlich ausführlicher vornehmen. Es wäre natürlich günstig, wenn diese Personen auch an ihren Schulen entsprechend praktische Erfahrungen sammeln könnten, um das, was sie in der Fortbildung gelernt haben, umzusetzen und zu vertiefen. Man hätte dann die Medienberater und die Fachmoderatoren, um die Praxisseminare durchzuführen. Das sollte ausreichen, um die Wochenstunden abzudecken, die es braucht für ein einwöchiges Praxisseminar.

Die Zukunft

Sobald neue Lehrerinnen und Lehrer in ihrem Studium und anschließend im Referendariat entsprechend ausgebildet werden, könnte die Fortbildung wie beschrieben eingestellt werden. Man würde dann neue Entwicklungen über regionale Netzwerktreffen, Edu Camps oder ähnlich an die Lehrerinnen und Lehrer herantragen und so die weitere Entwicklung der Schulen anstoßen.

Umsetzung vor Ort

Ich könnte mir vorstellen, dass sich diese Idee in der Praxis durchaus umgesetzten lässt. Zu klären wäre dafür, wer den Raum oder eventuell die Räume und die Kosten für die Ausstattung und den Betrieb trägt. In meinem Kreis gibt es sieben Kommunen. Wenn hier beispielsweise der Kreis einen Raum am Berufskolleg zur Verfügung stellte und die Infrastruktur (WLAN und Internetanbindung) und die Kommunen jeweils 1.000 € beisteuerten für die Ausstattung, dann wäre diese Idee finanziell umsetzbar. Da das Berufskolleg ohnehin technisch gut ausgestattet ist und bezüglich der IT betreut wird, könnte dieser eine Raum problemlos mit betreut werden. Denkbar wäre auch, dass der Raum vom Medienzentrum zur Verfügung gestellt wird. In größeren Städten mit großen Medienzentren nutzen Medienberater diese Räume schon lange für Fortbildungen. Das Kompetenzteam würde das Personal stellen. Die Freistellung von Lehrkräften für das Praxisseminar für eine ganze Woche wird für die Schulen nicht einfach sein und je nach Größe zu Belastungen führen. Es wäre ja im Prinzip so, als wäre auf Dauer einer Woche eine Lehrkraft krank, fehlt und muss vertreten werden. Normal müssen Schulen das irgendwie auffangen. Hier müsste vom Land Unterstützung kommen durch zusätzliche Lehrkräfte.

Würde sich meine Idee umsetzen lassen, wäre der Anschub für den digitalen Wandel in unseren Schulen sicherlich deutlich größer, als wenn man die Veränderung über Fortbildungen, wie ich sie zur Zeit in der Praxis erlebe, in Gang setzen will. Bei mir am Kreis werde ich mal werben für die Idee. Vielleicht zerplatzt meine Vorstellung wie eine Seifenblase, keine Ahnung, einen Versuch ist es mir aber Wert.

Wir brauchen den Generationenwechsel

Posted in Alltag, Hauptschule, Schulentwicklung by damianduchamps on Januar 12, 2011

Schulentwicklung braucht Kraft und Energie und zwar direkt vor Ort an den Schulen. Veränderung braucht jedoch auch Köpfe, die sich von alten Vorstellungen lösen können. Eine Episode in meiner Schule, einer kleinen Hauptschule im südlichen Westfalen, machte mir dieses heute wieder einmal mehr als deutlich.

Im überregionalen Teil der Tageszeitung zitierte man ein Gymnasiallehrer aus Ennepetal, der seinen Standpunkt gegen die Gemeinschaftsschule darlegte. Ich selbst hatte den Artikel bereits am Morgen beim Frühstück gelesen. Der Kollege vom Gymnasium spricht sich vor allem gegen längeren gemeinsamen Unterricht aus.

Für einen Teil der Kollegen in meiner Hauptschule war dieser Artikel regelrecht Wasser auf die Mühlen. Ein Kollege hatte den Artikel mitgebracht und reichte ihn in Kopien umher. Durch den Artikel fühlten sich die Kollegen, die ohnehin für das gegliederte Schulsystem sind, in ihrer Meinung mehr als bestätigt. Seht ihr meinten sie, genau das sagen wir auch immer. Gemeinsames Lernen, heterogene Lerngruppen, Inclusion und ähnlich sind ihnen Fremdworte. Sie fahren ihren Unterricht so, wie sie das seit Jahrzehnten tun. Früher hatten wir natürlich auch andere Schüler, die gehen jetzt auf die Realschule oder sogar auf das Gymnasium, sagen sie. Unsere Schüler jetzt, die sind doch einfach nur faul, meinen sie, die wollen nicht lernen, zuhause stimmt es nicht und deswegen wundert es auch nicht, dass sie immer weniger lernen. Die Klassenarbeiten fallen entsprechend von Jahr zu Jahr schlechter aus. Wer nicht will, den kannst du auch nicht fördern. Da müssen erst mal die Eltern. Und in dem Ton geht es weiter.

Und dann kommen natürlich die Migranten dran. Wir haben ja hier nur die Dümmsten. Und viele von ihnen wollen gar nicht hier sein. Am besten gehen sie zurück, dahin wo sie hergekommen sind, so hört man diese Kollegen reden (Sarrazin lässt grüßen – sie finden, was er sagt übrigens richtig).

Spricht man sie dann auf Finnland an, dann sind die Migranten genau das Argument, welches ihnen Recht gibt, dass das finnische Modell hier bei uns auf gar keinen Fall funktionieren kann, denn die haben ja keine oder kaum Migranten. In Kanada habe man zwar mehr Migranten, sagen sie, wenn man nun auf Kanada und dort die Provinz Ontario verweist, aber in Kanada suche man sich seine Einwanderer sehr gezielt aus. Wer dumm ist oder keine Leistung bringen will, der komme gar nicht ins Land hinein. Also lasse sich dieses System mit unserem auch nicht vergleichen, so ihr Argument. Danach wettert man dann vielleicht noch ein wenig auf verfehlte Immigrationspolitik in Deutschland.

Modernere Unterrichtsmethoden, ach hör mir damit auf, meinen sie. Eine jüngere Kollegin, die sehr offen unterrichtet und einen dieser älteren konservativen Kollegen bat, seinen Unterricht in ihrer Klasse doch entsprechend ein wenig anzupassen, bekam zu hören, dass man sich mit 30 Berufsjahren Erfahrung doch nichts von einer jüngeren Kollegen vorschreiben lassen müsse.

Veränderung, dagegen sind diese Kollegen, von denen ich hier berichte, eigentlich nicht. Sie wünschen Veränderung, wie so viele andere auch. Die Veränderung, die Sie sich vorstellen, bedeutet jedoch das Rad um mindestens 20 oder gar 30 Jahre zurück zu drehen.

Nein, sagten sie mal, als bei uns eine Gruppe Veränderungen anstoßen wollte, wir stellen uns euch nicht den Weg, denn ihr müsst sie noch länger unterrichten. Dass sie sich dann an den Veränderungen beteiligen, das könne man von ihnen wohl aber nicht mehr erwarten. Damit war das Thema für sie erledigt.

Was ich hier geschildert habe an Beobachtungen, trifft nur auf einen Teil meines Kollegiums zu und lässt sich auch nicht für alle Kollegen und Kolleginnen über 50 verallgemeinern und das möchte ich auch nicht. Es gibt unter den älteren Kolleginnen und Kollegen viele, die über lange Jahre sehr engagiert an ihrer Schule gearbeitet haben und dieses auch heute noch immer tun, wenn vielleicht auch teilweise mit gedrosselter Energie. Aus meiner Erfahrung muss ich jedoch sagen, dass die veränderungsresistenten überwiegend älteren Kollegen den Entwicklungsprozess meiner Schule nicht unwesentlich be- oder vielleicht sogar auch verhindern. Einige von ihnen werden zum Ende des Schuljahres pensioniert und das ist auch gut so. Sie haben über viele Jahre gute Arbeit geleistet und dafür respektiere ich sie sehr. Ich kann jedoch nicht akzeptieren, dass sie sich als Bildungsprofis selber von Lernprozessen ausschließen. Von daher muss ich sagen, ist es besser, dass sie endlich gehen.

Natürlich wird mit den älteren Kollegen auch eine Menge an Erfahrung gehen und der Schule vielleicht auch fehlen. Es bleibt außerdem zu abzuwarten, ob für die ausscheidenden Kollegen brauchbarer jüngerer Nachwuchs kommen wird. Auch wenn derzeit die Ausbildung an Universität und in Studienseminaren vielfach noch weit von zeitgemäßen didaktischen Ansätzen entfernt ist, so lässt sich alles dieses vernachlässigen, wenn die nachrückenden Lehrerinnen und Lehrer zumindest das notwendige Engagement und die Begeisterung mitbringen, um Schule endlich zu verändern und nach vorne zu bringen. Darauf hoffe ich, und ich hoffe wohl nicht alleine.

Mangelverwaltung durch Mangelausgleich

Posted in Hauptschule, Schulpolitik by damianduchamps on Mai 26, 2010

Das Schuljahr nähert sich dem Ende und die Personalplanungen der zuständigen Dienststellen, sprich Dezernate, sind bereits seit einigen Wochen im Gange. Es gilt, die Weichen für das kommende Schuljahr zu stellen. Schulleiter werden von den für Stellenangelegenheiten verantwortlichen Dezernenten einbestellt und man schachert um die Zuteilung von Personal. Lehrer sind dabei eigentlich nichts weiter als Zählvieh. In meinem Schulamtsbezirk, der mit einem benachbarten zusammen verwaltet wird, fehlen an vielen Schulen Lehrer. Ersatz gibt es nicht. Vor allem im benachbarten, an Hessen angrenzenden Schulamtsbezirk ist die Situation schwierig, da Arbeitsplätze in wenige Kilometer entfernten Schulen vom Gehalt her lukrativer sind, bei gleicher Arbeit. Was also kann man tun?

Klar ist, dass man Schulen, die personell überbesetzt sind, Lehrer wegnimmt.  Das sind die Schulen, bei denen der Schülerschwund durch geburtenschwache Jahrgänge und sinkende Anmeldezahlen in Konkurrenz zu Realschule und Gymnasium schneller voranschreitet als der Personalrückgang durch Pensionierungen. Dann gibt es aber auch die Schulen, die genau richtig, also weder unter- noch überbesetzt sind. Und es gibt die Schulen, die leicht bis stark unterbesetzt sind. Es geht dabei nicht um fehlende Lehrer für bestimmte Unterrichtsfächer, sondern um die Zahl der Lehrer im Verhältnis zu der der Schüler.

Im Fall der Hauptschulen in den beiden Schulamtsbezirken, um die es in meinem Fall geht, sind wir jetzt bei der Verwaltung des Mangels angekommen. Da es keine überzähligen Lehrer mehr zu verteilen gibt, verteilt man nun den Mangel möglichst gleich, indem man den Schulen, die noch entsprechend ihrer Schülerzahl mit Lehrpersonal besetzt sind, Lehrer wegnimmt und sie an Schule, die deutlich zu wenige Lehrer haben, abordnet. Das geschieht meiner Schule nun zum neuen Schuljahr.

In Folge werden wir wohl wie viele andere Hauptschulen nun Unterricht kürzen müssen im neuen Schuljahr. Die Landesregierung sähe es natürlich gerne, wenn die fehlenden Unterrichtsstunden durch die mögliche unbezahlte Mehrarbeit von Lehrkräften aufgefangen würden. Drei Stunden pro Monat sind möglich, denn erst ab der vierten muss gezahlt werden. Bei einem Kollegium von 30 Lehrkräften, könnte man so theoretisch 90 Stunden in einem Monat gewinnen, was grob 0,75 Stellen entspricht. Vom Fachlehrermangel, an dessen Ausgleich niemand mehr denkt, will ich nicht erinnern. Nur eine Zahl: An Hauptschulen wird Englisch nur zu etwa 20 % von Fachkräften unterrichtet, der restliche Englischunterricht wird fachfremd erteilt. In den Naturwissenschaften, Kunst und Musik sieht es nicht besser aus, und auch dem Fach Mathematik gehen demnächst die Fachlehrer aus.

Warum, fragt mancher sich, stellt man nicht einfach neue Lehrer ein? Dafür gibt es zwei Gründe. Falls Stellen ausgeschrieben werden, finden sich oft keine geeigneten oder gar keine Bewerber. Insgesamt werden allerdings kaum noch Stellen ausgeschrieben. Die Zuteilung von Lehrern an Schulen orientiert sich an der Zahl der Schüler und wird mittels des Stellenschlüssels, einer fixen Zahl, berechnet. In den Landesstatistiken kennt man zwei Zahlen, die Entwicklung der Schülerpopulation und die der Lehrerpensionierungen. Was man in den Planungen hinnimmt, ist eine Verringerung der Zahl der Lehrer zu Ungunsten des Zahlenverhältnisses Schüler-Lehrer. Was man auf jeden Fall vermeiden will, ist eine Erhöhung der Zahl. Schrumpft zur Zeit die Zahl der Lehrer schneller als die der Schüler (durch Geburtenrückgänge), so ist man nicht bereit, dieses durch Neueinstellungen auszugleichen, da man vermeiden will, in späteren Jahren zu viele Lehrer im Verhältnis zur Zahl der Schüler im Sold zu haben, die man dann als Beamte nicht mehr los wird. Schüler, die zur Zeit die Schule besuchen, müssen den Mangel letztlich durch Unterrichtsausfall ausbaden.

Geld alleine löst keine Probleme

Posted in Schulentwicklung, Schulpolitik by damianduchamps on Mai 25, 2010

Deutschland muss sparen. So viel ist klar. Wenn es aber um die Frage geht, wo gespart werden kann und soll, dann scheiden sich die Geister. Für die einen ist der Bereich Bildung und Forschung definitiv ein Kandidat und für andere geht hier gar nichts und man möchte die Ausgaben sogar noch steigern in den kommenden Jahren. Was ist nun richtig? Oder muss die Frage vielleicht völlig anders gestellt werden?

Die FAZ griff das Thema am 24. Mai mit dem Artikel Sparen an der Bildung – aber richtig auf und versucht, eine Position in der Mitte zu finden (Dank für den Hinweis auf den Artikel an @janschuette). Der Autor, Winand von Petersdorff, ist der Meinung, dass man durchaus Ansätze zum Sparen finden kann, nämlich dort, wo Ausgaben nichts oder wenig bewirken. Als Extrembeispiele führt er Hochschulen an, die nicht einmal wissen, wie sie die Fülle an Geld sinnvoll ausgeben sollen. Richtig weist er darauf hin, dass zwischen der ins Bildungssystem investierten Geldmenge und  dem, was dabei herauskommt, nicht unbedingt ein proportionaler Zusammenhang bestehen muss. Die Gesamtschulen zeigen, denke ich, wie richtig er mit dieser Aussage liegt. Entsprechend erteilt er der Forderung nach kleineren Klassen zur Verbesserung des Lernerfolges eine klare Absage und stützt sich dabei auf Ergebnisse wissenschaftlicher Studien. Diesen Studien widerspreche ich auch nicht, denn Klassengröße ist nicht das entscheidende Kriterium für eine Verbesserung von Unterricht. Von daher stimme ich ihm hier auch zu. Allerdings würde ich nicht soweit gehen, nun auch gleich zu sagen, man könne Klassen ohne Nachteile vergrößern, um damit dann Personal (sprich Geld) zu sparen.

Eines stellt Winand von Petersdorff absolut richtig fest, Geld, welches für Bildung ausgegeben wird, kommt eher denen zu Gute, die es nicht brauchen als denen, die es am nötigsten hätten. Die schlechtere Stellung von Kindern aus bildungsfernen Schichten zeigt sich an vielen Stellen, von der Empfehlung der Grundschulen für eine weiterführende Schule, zur Entscheidung der Eltern dieser Kinder für eine Sekundarschule und eben auch darin, wie wenig diese Kinder von Bildungsausgaben profitieren. Eine Lösung dieses Problems sieht von Petersdorff im Timing von Bildungsinvestitionen. Um die nachteiligen Effekte der sozialen Herkunft  auf den Bildungserfolg zu reduzieren, spricht er sich für Investitionen in die frühkindliche Bildung aus. Aus der Sicht eines Hauptschullehrers kann ich dieses nur unterstützen. Viele der Kinder, mit denen ich zu tun habe, kommen mit großen Defiziten in verschiedensten Bereichen an meine Schule. Für Hauptschulen, deren Klientel sich heute überwiegend auf die Kinder bildungsferner Schichten beschränkt, ist das Alltag. Viele der Defizite, mit denen wir zu kämpfen haben, lassen sich auf Versäumnisse in der frühen Kindheit und Kindheit zurückführen. Wir als Schule können nur noch notdürftig kitten, doch beheben können wir die Defizite häufig nicht und so verfolgen sie diese Kinder ein Leben lang.

Die Übel, die unser Bildungssystem plagen, haben auch mit Geld zu tun und damit, wer von Bildungsinvestitionen profitiert und wer nicht. Für mich ist die zentrale Frage jedoch eine andere. Wie kann man die Struktur unseres Bildungssystems ändern, so dass alle davon gleichermaßen profitieren?

Ich glaube, Schule muss sich grundlegend verändern. Wer glaubt, unser bestehendes System durch Mehrausgaben zu besseren Ergebnissen zu bringen, kommt nicht vom Fleck. Was wir brauchen, ist eine neue Struktur, eine Revolution, wie Sir Ken Robinson fordert. Außerdem benötigen wir einen Unterricht, der Schülern als Individuen gerecht wird und ihnen ihre eigenen Lernwege ermöglicht. Das geht jedoch nicht ohne Lehrer, die in der Lage sind, anders zu unterrichten. Lehrer müssen fortgebildet werden, und es ist nicht mit ein paar Veranstaltungen hier und da und dort getan. Es muss eine nachhaltige Fortbildung sein, die Lehrer zu kompetenten Lehrern des 21. Jahrhunderts macht. Das kann nur über Wochen und Monate gehen, praktisch und unterrichtsbegleitend. Dafür braucht es Ressourcen. Lehrer müssen freigestellt werden für Fortbildung. Aus eigenen Mitteln können die meisten Schulen dieses derzeit kaum leisten.

An Hauptschulen wäre das vielleicht noch machbar, durch Vergrößerung der Klassen, da diese etwas kleiner sind als an anderen Schulformen. An Realschulen und Gymnasien mit Klassengrößen von 30 und mehr Schülern halte ich diesen Weg jedoch nicht für gangbar. Und in dem Moment, wo man zu der Lösung käme, größere Klassen wären machbar, würden findige Ministerialbeamte sofort den Stellenschlüssel, sprich das Schüler zu Lehrer Zahlenverhältnis, erhöhen und damit diese Möglichkeit zunichtemachen.

Die Lösung wäre, meiner Meinung nach, eine Zuteilung weiterer Lehrkräfte an die Schulen, um Lehrer über längere Zeiträume für Fortbildung freizusetzen. Das muss zumindest für eine Umbauphase von vermutlich fünf bis sieben Jahren möglich sein. Damit könnte man die Lehrer, die derzeit an Schulen arbeiten und noch auf mindestens 20 Jahre die Mehrheit in den Kollegien stellen, auf einen aktuellen Stand von schülerorientiertem Unterricht bringen. Fortbildung ist selbstverständlich für alle verpflichtend. Außerdem ist die Lehrerausbildung selbst auf den diesen Stand zu bringen, um nicht weiter Lehrernachwuchs zu produzieren, der in seinen Kompetenzen auf dem Stand von vor 20 Jahren ist. Mit einer auf diesem Weg bewirkten Veränderung von Schule könnte zudem der Lehrerberuf wieder zu einem attraktiven Beruf werden. Wir brauchen kluge Köpfe für die Schulen, die klügsten Köpfe überhaupt.

Beginnen sollte man am besten sofort. Es sind bereits zu viele Kinder in unserem System auf der Strecke geblieben. Schulen und Lehrer, die sich auf einen schülerorientierten Unterricht verstehen und diesen seit Jahren erfolgreich praktizieren, gibt es ausreichend. Von ihnen könnten wir lernen.

Lehramtsstudium als Masterstudiengang = Mogelpackung?

Posted in Schulpolitik by damianduchamps on Mai 10, 2010

Ich hatte mich bereits vorher auf dieser Seite mit der Veränderung des Lehramtsstudiums auseinandergesetzt (siehe Folgen einer verfehlten Einstellungspolitik und Lehramtsstudium wird Masterstudium). In Gesprächen wurde ich auf einige weitere Dinge aufmerksam, und greife das Thema deshalb noch einmal auf.

Im Mai 2009 wurde vom Landtag NRW wie in anderen Bundesländern auch das Gesetz zur Reform der Lehrerausbildung beschlossen. In einer entsprechenden Pressemittleilung der Landesregierung zu den Eckpunkten der neuen Lehrerausbildung heißt es: „Das Lehramtsstudium wird auf Bachelor- und Masterstudiengänge umgestellt. Dies geschieht in Folge des 1999 europaweit begonnenen „Bologna-Prozesses“. Damit hält das Gesetz die Balance zwischen der geforderten Professionalisierung für den Lehrerberuf einerseits und der gewünschten Offenheit des Studiums in den ersten Jahren andererseits.“ (1)

Auf den ersten Blick klingt das zunächst gut. Wer Lehramt studiert, kann darauf setzen, dass sein Master überall als gleichwertig anerkannt wird und wer sich noch umentscheidet und doch nicht in den Schuldienst gehen möchte, der kann auch dieses tun. Mit dieser Offenheit ergibt sich für die Planung von Seiten der Schulministerien bezüglich des Lehrernachwuchses jedoch ein Problem. Schon 2008 hieß es dazu in einem Artikel der GEW zur Lehrereinstellung: „Verschärft werde die Situation noch dadurch, dass mit der Umstellung von Bachelor- auf Masterstudiengänge keine verlässlichen Aussagen mehr über die Zahl der künftigen Absolventen von Lehramtsstudiengängen zu machen sind.“ (2) Bisher konnte man noch relativ verlässlich abschätzen, wie viel Nachwuchs an den Universitäten ausgebildet wird, und das bereits mehrere Jahre im Voraus. In Zukunft ist dieses nicht mehr möglich.

Mit der Einführung der neuen Abschlusses soll die Bezahlung der Lehrer gerechter werden. Tatsache ist, die Bezahlung ist ungerecht. Dass am Gymnasium höhere Gehälter gezahlt werden, ist ein Privileg, hat mit Studium und Arbeitsaufwand oder -bedingungen jedoch nichts zu tun. Gymnasiallehrer werden mir da vielleicht widersprechen. Für mich bleibt es aber unverständlich, dass Schulleiter an vielen Grundschulen schlechter bezahlt werden als Lehrer an Gymnasien. Ist die Arbeit der Grundschulleiter weniger Wert? Genauso fragt sich der Sek I Lehrer, ob seine Arbeit in den unteren Jahrgängen denn einfacher und weniger belastend ist als die in der Oberstufe, oder ob seine höhere Beanspruchung in Bezug auf Erziehung nicht ebenso viel gilt wie die wissenschaftlichere oder stofflich weitergehende Bildungsarbeit der Oberstufenkollegen. Mit der Umstellung auf den Masterstudiengang soll das alles besser werden. Nur die Grundschullehrer könnten das Nachsehen haben, wenn sie ausgegliedert werden und über eine andere Qualifizierungsschiene ihr Gehaltsanspruch reduziert werden kann (siehe „Die neue Lehrerausbildung stärkt die schulformbezogene Differenzierung und Gleichwertigkeit für alle Lehrämter. Dies geschieht durch die Einführung eines eigenständigen Grundschullehramtes und die Angleichung der Ausbildungszeiten.“ (1)). Das hatte man in NRW schon einmal vor, als man die Grundschullehrerausbildung an Fachhochschulen verlegen wollte. Als Nicht-Uniabsolventen wollte man sie gehaltlich nach unten stufen. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Mit dem Master wird einiges gleich, nicht jedoch alles und überall.

In Deutschland müssen Lehrer mit dem Zustand leben, dass ihre Bezahlung Ländersache ist. Zwar gelten für in allen Bundesländern die für den öffentlichen Dienst verbindlichen Gehaltsstufungen, doch liegt es in der Hoheit der Länder zu entschieden, welche Lehrer welcher Besoldungsgruppe zugeordnet werden. So kommt es zu der Ungleichbezahlung von Lehrern bei gleicher Arbeit in verschiedenen Bundesländern. Nordrhein Westfälische Städte und Gemeinden in Grenzregionen zu Nachbarbundesländern mit höherer Besoldungsstufe können ein Lied von den Folgen der Ungleichbehandlung singen. Wo nur eine Autobahnabfahrt weiter nach Hessen hinein ein Lehrer anstelle von A12 gleich mit A13 bezahlt wird, da fällt für viele die Entscheidung leicht. Man geht nach Hessen. Aus dem Raum Siegen kenne ich die Geschichten von Stellen, die unbesetzt bleiben mussten, da der Bewerber kurz vor Schuljahresbeginn noch eine Zusage aus Hessen erhielt, die Stelle kurzfristig absagte und diese daraufhin nicht mehr schnell genug neu zu besetzen war.

Mit der Umstellung der Lehrämter auf Masterabschlüsse wird es zu einer Umstrukturierung der Gehälter kommen. Ein Master ist immerhin keine Abschluss, der mit einem derzeitigen akademischen Abschluss gleichzusetzen ist, soweit ich das verstehe. Noch findet sich über die neuen Gehälter nichts. Es ist jedoch zu erwarten, dass die Gehälter für Neulehrer mit Masterabschluss unter den derzeitigen liegen werden. In Zeiten knapper öffentlicher Kassen passt das. Damit eröffnet sich allerdings ein neues Problem. Wird der Lehrerberuf dadurch nicht weiter an Attraktivität verlieren? Welcher Mann wird diesen Beruf einer Anstellung in der freien Wirtschaft bevorzugen, wenn er davon eine Existenz aufbauen möchte und eine Familie ernähren muss? Schon jetzt ist die Zahl der im Lehramtsstudium befindlichen jungen Menschen deutlich zu gering um den prognostizierten Bedarf zu decken. Geringere Gehälter machen den Beruf unattraktiv und wird dazu führen, dass der Trend zum Frauenüberhang in den Grundschulen sich auch auf die anderen Schulformen ausbreitet.

Wenn sich bei uns niemand mehr findet für den Lehrerberuf, wer wird dann Schule in Zukunft machen? Werden wir Bildungsgastarbeiter aus europäischen Schwellenländern haben, die hier mehr verdienen können als zu Hause? Im Gesundheitswesen hatten wir das mit den Krankenschwestern aus Korea schon vor Jahrzehnten. Undenkbar wären sie also nicht, die Bildungsgastarbeiter.

Wer bis hier gelesen hat, der wird denken, ich bin gegen den Masterstudiengang. Ich bin da nicht grundsätzlich gegen. Es gefällt mir jedoch nicht, wie diese Sache umgesetzt wird. Was noch nicht angesprochen wurde sind der Praxisteil und der Vorbereitungsdienst. Durch das Praxissemester wird der Vorbereitungsdienst gekürzt. Das Praxissemester hat für die Schulen einen sehr üblen Beigeschmack. Zum einen kann man so natürlich Stellen sparen. Jede Schule wird verpflichtet werden, die Studenten im Praxissemester zu übernehmen. Sie werden einen Teil der Ausbildung der Nachwuchslehrer mittragen, ohne Entlastung. Dafür spart man Fachleiter. Bei denen ist die Situation derzeit ohnehin bereits desolat. Man hört von Fachleitern, die gleich zwei Seminare betreuen müssen, da man niemanden mehr findet, der dumm genug ist, ohne entsprechende Vergütung, für das Spritgeld alleine diesen Job zu machen.

Ich denke, es war durchaus sinnvoll die Ausbildung für Lehrämter zu verändern. Es müssen allerdings die Rahmenbedingungen stimmen, und die stimmen hier ganz sicher nicht. Die Leidtragenden sind wie immer die alten, die Schüler, die Lehrer und die Eltern – sprich die Gesellschaft.

Lehramtsstudium wird Masterstudium

Posted in Schulpolitik by damianduchamps on April 16, 2010

An der Universität Siegen unterzeichnete die NRW-Schul-Ministerin Barbara Sommer eine Rahmenvereinbarung, mit welcher der Regelabschluss des Lehramtsstudiums zukünftig kein Staatsexamen, sondern ein Master sein wird. Hervorgehoben wird ein Praxissemester, welches die wissenschaftliche Ausbildung berufspraktisch ergänzen soll. Siegen ist nicht die erste Universität, die eine derartige Rahmenvereinbarung unterzeichnet und auch nicht die letzte, denn bis zum Beginn des Wintersemesters 2011/2012 sollen alle Unis in NRW ihre Lehrerausbildung umgestellt haben. Für mich stellt sich hier nur die Frage, ob dieser „Meilenstein auf dem Weg zur neuen Lehrerausbildung“ mehr ist als der übliche Etikettenschwindel? Das Praxissemester soll von der Universität eng begleitet werden. Klingt gut. Das ist anders als die verschiedenen Praktika, die man derzeit ins Studium einstreut. Ein halbes Jahr an einer Schule als billige Arbeitskraft, das ist die andere Seite. Das spart Lehrer.

Ich bin mir nicht so sicher, ob das, was man hier seit gut einem Jahr betreibt, die Ausbildung des Lehrernachwuchs wirklich nachhaltig verändert. Für mich sieht das vor allem nach einer äußeren Veränderung aus.

Lehrer sollte man ausbilden wie zum Beispiel Finanzbeamte, nach Bedarf und an Akademien. So vermeidet man die unnötigen Schweinezyklen von Lehrermangel und arbeitslosen Pädagogen wegen „Überproduktion“. Zwar soll der Masterabschluss die Chancen für Lehrer erhöhen, die keine Anstellung in Schulen finden, doch warum lässt man es überhaupt erst soweit kommen? Warum steuert man die Ausbildung von Lehrern nicht bedarfsgerecht. Schülerzahlen lassen sich auf Jahre hinaus prognostizieren wie auch Lehrerpensionierungen.