Damian Duchamps' Blog

Digitaler Wandel in Schule – Erfolg oder Misserfolg – wir haben es in der Hand

Posted in Kompetenzen, Schulentwicklung by damianduchamps on April 10, 2017

Der digitale Wandel braucht Zeit, mehr Zeit als manche ihm zugestehen wollen, sorgfältige Planung, gute Vorbereitung, Fortbildung, Gewöhnung, Routinierung, Selbstvertrauen, Mut und Vernetzung der Akteure, und einen kulturellen Wandel im Lehrerzimmer. Zahllose gescheiterte Projekte belegen weltweit, dass Projekte, die grundlegende Faktoren wie diese nicht berücksichtigen, zum Scheitern verurteilt sind, noch bevor sie begonnen haben.

Und auf einmal soll es schnell gehen mit dem digitalen Wandel von Schule

Lange haben sich unsere Schulen vor dem digitalen Wandel gedrückt, zu lange vermutlich. Es gab und gibt im schulischen Alltag jede Menge andere Probleme zu bewältigen, individuelle Förderung, Inklusion, Flüchtlinge und vieles mehr. Wer diesen Beitrag liest, weiß was gemeint ist. Und nun soll mit einem Mal ein digitaler Ruck durch die Schulen gehen. Finanzprogramme werden aufgelegt und Handlungsdruck wird aus der Politik auf die Städte und Kommunen und über diese an Schulen weitergegeben. Auf Landesebene wird aktuell das Strategiepapier der KMK in schulpolitische Vorgaben umgesetzt, welche schulischer Entwicklung die Marschrichtung für die kommenden Jahre vorgeben sollen. Medienkonzepte sind mit einem Mal wieder in aller Munde, zumindest in NRW. Dort werden Schulträger nun aktiv unter dem Druck des Programms Gute Schule 2020. Medienentwicklungspläne (MEP) müssen her, denn ohne Konzepte gibt es kein Geld für den Ausbau digitaler Infrastruktur an Schulen. Medienkonzepte werden eingefordert, auf deren Grundlage Beratungsfirmen wie Garbe & Lexis (der Name taucht scheinbar überall auf) den Schulträgern MEPs ausarbeiten. Ich höre von Zeitfenstern, die von wenigen Wochen reichen bis zu einem Dreivierteljahr. Schulen geraten gegenwärtig gewaltig unter Druck, denn sie sollen liefern, wenn sie nicht auf der Strecke bleiben wollen.

So schnell, wie viele sich das vorstellen, geht das mit dem digitalen Wandel der Schulen nicht. Gut Ding will Weile haben, und das hat viele Gründe.

Digitaler Wandel von Schule braucht kompetente Lehrkräfte

Fehler Nummer eins ist, dass man das Pferd von hinten aufzäumen möchte, in NRW zumindest. Idealerweise erstellen Schulen in NRW ihr Medienkonzept auf der Grundlage des Medienpass NRW. Dieser ist quasi ein Kompetenzraster mit Schnittstellen zu den Richtlinien und Lehrplänen und dockt an diese an. Prinzipiell ist das eine gute und hilfreiche Grundlage. Abgesehen davon, dass der Medienpass NRW in seiner aktuellen Ausgabe ziemlich veraltet ist und die neue, am KMK Strategiepapier orientierte Version noch in Arbeit ist, gibt es ein noch viel gravierenderes Problem. In Kollegien soll der Medienpass NRW helfen, die verschiedenen im Unterricht zu vermittelnden Kompetenzen und Teilkompetenzen auf die Fachbereiche aufzuteilen. In den Fachschäften sollen dann fachliche Lehr- und Lernmittelkonzepte entstehen, welche die Grundlage des schulischen Medienkonzeptes bilden. Und genau an dieser Stelle liegt das größte Problem.

  • Wie sollen die Lehrerinnen und Lehrer bitte in der Lage sein, zu entscheiden, welche Teilkompetenz sie in welchem Fach mit welcher Thematik verknüpft vermitteln können, wenn sie die Kompetenzen, welche sie den Kindern vermitteln sollen, vielfach selbst nicht einmal haben?
  • Wie sollen sie planen und entwicklen, wenn sie nicht einmal wissen, welche Möglichkeiten der digitale Wandel von Schule für die Unterrichtsentwicklung bereithält?

Man muss sich das einmal klar machen. Von Schulen werden mit der Erstellung eines Medienkonzeptes Entscheidungen erwartet, welche eine Tragweite auf Jahre haben. Den meisten Schulen fehlt dazu aber schlicht die Kompetenz. Frühere Medienkonzepte wurden oft von dem oder den Computerfreaks geschrieben. Die Folge waren PC Räume, die nur von wenigen genutzt wurden, und Klassenraum PCs und Medienecken zumeist ohne Internetanbindung, die vor sich hin gammelten. Drohen den Medienkonzepten, an denen jetzt geschrieben wird, und den daraus folgenden Investitionen ähnliche Schicksale? Wird man Tabletkoffer in jede Klasse stellen, die dann zweimal die Woche für ein paar interaktive Übungen, Videoschauen und Kahoot genutzt werden?

Dieses Problem ist nicht damit zu lösen, dass Medienberater in die Schulen geschickt werden, die auf ein oder zwei Konferenzen Input geben und Möglichkeiten vorstellen. Das reicht definitiv nicht.

Der digitale Wandel in Schulen braucht Zeit

Veränderung an Schulen funktioniert nicht im Hauruck-Verfahren. Wie man bei Richard Heinen lernen kann, dauern Innovationszyklen an Schulen zwischen 5 und 7 Jahren. Das ist vielen nicht klar, Schulen am allerwenigsten, scheint mir.

Jeder weiß, Schulträger müssen den Wandel finanzieren können. Selbst mit Unterstützung durch Landesprogramme bedeutet das eine Verteilung der Investition auf mehrere Jahre. Dieser Faktor ist wichtig, jedoch nicht der eigentlich entscheidende Faktor. Viel wichtiger ist der Faktor Mensch. Die Akteure vor Ort müssen überhaupt erst die Kompetenz besitzen, den digitalen Wandel an Schule zu gestalten. Die Kompetenz dazu erwerben Lehrerinnen und Lehrer mal nicht so eben bei ein paar Fortbildungen. Selbst ein oder zwei pädagogische Tage reichen hier nicht. Es braucht eine Menge mehr.

Selbst wenn Geld und Experten für Fortbildungen unbegrenzt zur Verfügung stünden, würde dieses den digitalen Wandel nicht wesentlich beschleunigen, denn dem Innovationspotenzial von Lehrerinnen und Lehrern sind Grenzen gesetzt. Die meisten von ihnen stehen mitten im Leben mit Familie und mit voller Stundenzahl und allem, was dieses an Schule nach sich zieht. Lehrkräfte, die in der EDU Szene unterwegs sind, die sich bei Twitter, über Blogs und bei Barcamps über ihren Unterricht im digitalen Wandel austauschen, die man als Vorreiter im digitalen Wandel von Schule sehen kann, sind häufig nicht erst seit gestern dabei. Ihre Kompetenzen haben sie sich meist über mehrere Jahre angeeignet. Wenn Lehrkräfte im Schulalltag in den digitalen Wandel einsteigen sollen, brauchen sie Zeit. Zusätzlicher Freiraum durch eine Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung für eine Übergangszeit könnte ihnen dafür Entlastung bieten. Doch diese Entlastung wird es nicht geben.

Schulen müssen also Möglichkeiten finden, wie sie Lehrerinnen und Lehrern die notwendigen Schritte in den digitalen Wandel ihre Unterrichtes erleichtern können, und sie müssen sich dabei Zeit geben.

Teachers in many schools have no idea how to manage email, or meetings, or how to organise themselves online. If we want this digital revolution to take place, it is going to take many many hours of patient explaining and demoing to veteran teachers.

Quelle: 21century teaching, Alicia Bankhofer, https://bankhoferedu.wordpress.com/2017/04/06/takeaways-from-the-edudays/

Der digitale Wandel in Schulen braucht Experten

Zunächst einmal müssen Lehrerinnen und Lehrer den digitalen Wandel in der Gestaltung von Lernprozessen an sich selbst zu vollziehen. Dazu braucht es Input von anderen, oft von außerhalb des Kollegiums. Hier taucht leider schon das nächste Problem auf. Es gibt noch längst nicht so viele Experten, wie man benötigte, die Kompetenzen in alle Schulen zu tragen, die erforderlich sind, um den digitalen Wandel auf den Weg zu bringen. Durch die eindrucksvollen Zahlen an Referenten auf Kongressen oder Teilgeber auf Barcamps darf man sich nicht täuschen lassen. Der Kreis dieser Personen ist sehr begrenzt und man sieht immer wieder die gleichen Namen und Gesichter. Vor Ort sieht es ganz anders aus. Das belegen sehr eindrücklich die Erfahrungen von @frausonnig, als diese Fachleute suchte, die auf einem pädagogischen Tag zum Thema Unterricht mit digitalen Werkzeugen, entsprechende Workshops abhalten sollten.

Insgesamt gab es im Schuljahr 2015/2016 in Deutschland 33.547 allgemeinbildende Schulen.

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/235954/umfrage/allgemeinbildende-schulen-in-deutschland-nach-schulart/

In Deutschland gab es im Schuljahr 2015/2016 insgesamt 754.726 Lehrer an allgemeinbildenden Schulen.

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/201496/umfrage/anzahl-der-lehrer-in-deutschland-nach-bundeslaendern/

Alleine in NRW gab es im Schuljahr 2015/16 laut dieser Statistik 167.266 Lehrkräfte. Insgesamt 60 volle Stellen hat das Land für Medienberater bereitgestellt. Wenn man davon ausgeht, dass diese mit mindestens 5 Stunden entlastet werden sollen, sprechen wir hier von maximal 300 Personen. Und von diesen sind noch längst nicht alle selbst soweit, dass man sagen kann, sie sind in der Lage ihre eigenen Lernprozesse digital zu gestalten. Aber selbst wenn sie es wären, so käme hier ein Medienberater auf mehr als 300 Lehrkräfte. Das Problem ist allerdings zu lösen, ohne dass man noch mehr Medienberater einstellt, ausbildet und zu Schulen schickt.

Der digitale Wandel in Schulen braucht einen kulturellen Wandel

Neben Input von außen durch Experten und Zeit, das Neue lernend umzusetzen, braucht es auch einen sehr grundsätzlichen Wandel im Selbstverständnis der Lehrkräfte. Selbstverständlich werden Lehrerinnen und Lehrern auf Nachfrage bestätigen, dass Lernen ein lebenslanger Prozess ist. Doch viele Lehrkräfte sehen sich selbst vor allem in der Rolle von Wissensvermittlern oder meinetwegen auch Vermittlern von Kompetenzen (+ Erzieher, Sozialarbeiter, Ersatzeltern, …). Ihre Rolle als Lernende sehen sie im System Schule selten. Das aber ist es genau der wunde Punkt. Solange sie nicht in der Lage sind, sich selbst als Lernende zu begreifen, als Lernende im Prozess des digitalen Wandels von Schule, die sowohl lernen am Wandel als auch diesen Wandel lernend gestalten sollen, solange wird Schule bleiben wie sie ist.

Schaffen Schulen mit ihren Lehrkräften diesen kulturellen Wandel, wird manches einfacher, denke ich. Lernende, die ihre Lernprozesse mit den Möglichkeiten des digitalen Wandels gestalten, sind in der Regel keine Einzelkämpfer. Sie vernetzen sich (PLN). Für die meisten Lehrkräfte reicht schon eine Vernetzung im Kollegium und das bedeutet mehr als das, wofür Jahrgangsstufen- oder Fachteams an den meisten Schulen bisher standen.

Eine Form, diese Vernetzung zu leben, können Mikrofortbildungen sein, regelmäßige kleine Fortbildungen, gespeist aus den bereits vorhandenen Kompetenzen in einem Kollegium, Fortbildungen mit Verabredungen zur Weiterarbeit und zum Ausprobieren im Unterricht. Auch gelegentliche Hospitationen können unterstützen oder Team-Teaching Stunden. Nicht alle Lehrerinnen und Lehrer müssen Twitter Nutzer werden. Twitter ist ein Kanal mit sehr hoher Informationsdichte und nicht jedermanns Sache. Für Schulen reicht es aus, wenn ein oder zwei Lehrkräfte Twitter nutzen, um neue Impulse für die Entwicklung in der Schule aufzunehmen und diese dann in Mikrofortbildungen im Kollegium weiterzugeben. Eine Möglichkeit zur Intensivierung der Vernetzung, den Austausch und die schnelle Hilfe untereinander kann aber ein Messenger Dienst wie WhatsApp sein. Viele Lehrerinnen und Lehrer nutzen diesen Dienst bereits, wenn sie auch privat in Kontakt stehen. Warum sollte es dann nicht genutzt werden, um Ideen zu teilen, Anregungen auszutauschen und sich auch bei kleineren Problemen zu unterstützen? Wo die Ablehnung gegenüber WhatsApp zu groß ist, bietet sich Telegram an, das weniger vorbelastet ist durch negative Schlagzeilen. Auch die Nutzung einer Cloud gestützten Office Lösung kann Vernetzung unterstützen, wenn sie im Kollegium genutzt wird, das gemeinsame Lernen, die Curriculum- und Schulprogrammarbeit und die Erstellung von Unterrichtsmaterialien zu gestalten.

Vernetzung bietet sich, wenn sie im Kollegium funktioniert, auch mit Schulen im Umfeld an. Warum soll jede Schule das Rad neu erfinden? Die Vernetzung von Schulen ist nicht neu und hat sich, wenn sie gepflegt wurde, schon in der Vergangenheit bewährt. Besuchen dann von einer der vernetzten Schulen ein oder zwei Personen diesen oder jenen Kongress zum Thema, Barcamps oder ähnlich, so kann dieses ausreichen, um weitere neue Impulse in die Schulen zu holen.

Die Aufgabe der Experten sehe ich deshalb vor allem als Katalysatoren im digitalen Wandel von Schule. Sie können definitiv nicht alle Lehrkräfte fit machen. Ihre Aufgabe ist vielmehr, den kulturellen Wandel in Schulen anzustoßen, bei den Planungen Impulse zu geben, die Vernetzung mit anderen Systemen vermitteln und ähnlich. Sie werden auch fortbilden und Input geben, doch den eigentlichen digitalen Wandel müssen Schulen als lernendes System selbst vollziehen. Genau dieses macht doch auch den digitalen Wandel aus, die Kompetenz, das eigene Lernen zu gestalten, sich zu vernetzen, zu kommunizieren, zu kollaborieren, kreativ zu sein und Kritik zu nutzen, um voran zu kommen. Schulen, die diesen Wandel in der eigenen Kultur schaffen, werden alle Informationen dazu finden. Es ist nichts Anderes, als was sie ihren Schülern vermitteln wollen.

Der Einstieg in den digitalen Wandel muss einfach sein

Viele Lehrkräfte haben keine Vorstellung davon, was heute überhaupt möglich ist und was es bedeutet, das eigene Lernen mit den Möglichkeiten des Digitalen zu gestalten. Doch das ist nicht der alleinige Grund, warum viele von ihnen sich nicht zutrauen, selbst digitale Technologien im Unterricht einzusetzen.

Es hat auch mit der eigenen Kompetenz im Umgang mit digitalen Technologien zu tun. Man kann heute sicherlich davon ausgehen, dass die Mehrheit der Lehrkräfte Computer nicht nur zum Online-Banking, Urlaub-Buchen und Online-Shopping, sondern auch zur Vorbereitung des Unterrichts nutzen. Über mehr als die Fähigkeit, einen Browser zu bedienen und die rudimentärsten Funktionen einer Textverarbeitung und Tabellenkalkulation zu nutzen, verfügen die meisten dabei jedoch nicht. Und auch wenn viele von ihnen mittlerweile Smartphones und auch Tablets besitzen, so nutzen sie meist nur die einfachsten Funktionen.

Diesen Hintergrund muss man berücksichtigen, wenn man Lehrkräften den Einstieg in den digitalen Wandel ihres Unterrichts nahebringen möchte. Der Einstieg muss deshalb einfach sein, mit ganz niederschwelligen Angeboten. Es muss Technologie sein, die ohne große Kenntnisse und mit wenig Fehlerpotential zu nutzen ist. Benötigt werden Tools bzw. Apps, die auf einfachstem Niveau zu nutzen sind und auch so zu Ergebnissen und Erfolgen führen.

Padlet, Kahoot, Plickers, QR-Codes und ähnlich erlebe ich als Angebote, die ankommen bei Lehrkräften, die ihre Ersten Gehversuche in der Entwicklung von Unterricht mit digitalen Werkzeugen machen, auch bei Menschen mit sehr wenig Vertrauen in die eigenen Kompetenzen im Umgang mit digitaler Technologie. Angebote wie die genannten vermitteln Erfolgserlebnisse und machen Mut, eben da sie noch recht einfach zu erlernen sind.

Und auch bei diesen Angeboten betone ich zu Beginn immer wieder, wie wichtig es ist, klein anzufangen und erst den nächsten Schritt zu wagen, wenn man sich sicher fühlt. Padlet kann man zunächst als eine Möglichkeit nutzen, einen motivierenden Unterrichtseinstieg zu gestalten, indem man ein digitales Poster gestaltet zum neuen Thema, mit kleinen Texten, Bildern und Videos. Die Vorbereitung dafür erfolgt zu Hause. Es ist nur wenig Technik notwendig. Schüler und ihre Geräte sind noch nicht eingeschlossen. Das Risiko, dass etwas schief gehen kann, ist noch sehr gering. Erst in der nächsten Stufe holt man die Schüler nach und nach ins Boot. Zunächst schreiben alle, der Reihe nach, auf ein Padlet. Und erst später erarbeiten Schüler dann auch Padlets in Gruppen.

Es geht beim Einsatz von Padlet, Kahoot, Plickers, QR-Codes und ähnlich zunächst nicht primär darum, Schülern Möglichkeiten zu geben, ihr Lernen zu gestalten oder mehr Spaß und Motivation in den Unterricht zu bringen. Das sind hier noch Nebenprodukte. Ganz zu Beginn, wenn Lehrkräfte beginnen, digitale Werkzeuge in ihren Unterricht einzubinden, stehen sie als Lernende im Mittelpunkt. Sie müssen Erfahrungen sammeln und Zugvertrauen gewinnen.

Was für Apps und ähnlich gilt, muss auch für die Technik gelten. Wer glaubt, man könne von Lehrkräften direkt erwarten, sie können über ein Software Menü das WLAN im Klassenraum mal eben ein- und ausschalten, der überfordert die meisten von ihnen. Für den Anfang kann man auch auf einfache Möglichkeiten setzen wie Access Points, die man in die Netzwerkdose steckt. Wer Tablets als Dokumentenkamera einsetzen soll, wird sich sicherer fühlen, wenn man Tablet und Projektor lediglich durch ein Kabel verbindet, eine App startet und die Übertragung steht. Man kann sicher davon ausgehen, dass viele Lehrkräfte zumindest ein Jahr brauchen werden, bis sie über ausreichend Erfahrung und Zuversicht verfügen, digitale Möglichkeiten regelmäßig in ihrem Unterricht einzusetzen. Unverzichtbar ist dabei die oben beschriebene Vernetzung der Lehrkräfte untereinander, da man sich gegenseitig helfen und ermuntern kann.

Fazit

Auch wenn die Zeit zu drängen scheint, den digitalen Wandel an Schulen nun endlich mit aller Macht voranzutreiben, so sollte man dabei den Faktor Mensch nicht außer Acht lassen. In unserer Gesellschaft sind digitale Technologien inzwischen zwar überall zu finden, doch nur ein kleinerer Teil der Nutzer ist in der Lage, sie tatsächlich mit einer Kompetenz zu nutzen, die über die rein oberflächliche Bedienung hinausgeht. Das gilt für Kinder und Jugendliche und es gilt auch für Lehrkräfte. Wer den digitalen Wandel an Schule aktiv gestalten soll, die Lehrkräfte also allen voran, muss überhaupt erst selbst in der Lage sein, sein Lernen mit digitalen Möglichkeiten zu gestalten. Erst dann weiß man als Lehrkraft überhaupt, worum es geht, was den Wandel ausmacht und wohin die Entwicklung gehen soll. Dann kann man die Veränderung anstoßen. Mit einem deutlichen zeitlichen Vorsprung werden Lehrkräfte über ausreichend Zuvertrauen zu sich selbst im Umgang mit digitalen Technologien im Unterricht haben, dass sie auch in der Lage sein werden, ihre Schülerinnen und Schüler auf den Weg zu bringen. Wenn die Schule den kulturellen Wandel im Selbstverständnis der Lehrkräfte vom Lehrenden zum Lernenden schafft, dann wird ihr auch der digitale Wandel des Unterrichts gelingen. Dafür braucht die Schule als lernendes System Zeit, wie auch die Menschen, die diesen Wandel gestalten sollen. Zeit bedeutet auch, dass die Entwicklung auf persönlicher wie institutioneller Ebene in einfachen, angemessenen Schritten erfolgt. Viele kleine Erfolge führen eher zum Ziel als viele große Rückschläge. Jeder Lehrer und jede Lehrerin muss ihren eigenen Weg finden. Gemeinsam, vernetzt, wird die Last auf viele Schultern verteilt. Die zentralen Kompetenzen für die Lernenden im 21. Jahrhundert, die 4 K, stehen irgendwo an Horizont als Fernziele, verpackt in Strategiepapiere, Empfehlungen, Kompetenzraster und bald auch in Lehrplänen und Richtlinien. Nicht jeder wird sie erreichen. Was wir unseren Schülerinnen und Schülern zubilligen, müssen wir auch den Lehrkräften zugestehen. Grundlegende Kompetenzen zur Entwicklung des eigenen Unterrichts im digitalen Wandel von Schule sollte jeder haben. Ohne wird es bald nicht mehr gehen. Doch nicht jeder muss zur Speerspitze des digitalen Wandels gehören. Und Schule ist, das war schon immer so, ein sehr behäbiges System.

Die Zeit war wohl einfach reif, dass mal jemand innehält und sich Gedanken macht, ob das, was sich aktuell an Entwicklung in Schule im Zusammenhang mit dem digitalen Wandel abzeichnet, so Sinn macht und funktionieren kann. Ich war da nicht der einzige. Deswegen siehe auch die sehr lesenswerten Beiträge:

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Fortbildung für den digitalen Wandel in Schule, wie ich sie wünschen würde

Posted in Schulentwicklung, Uncategorized by damianduchamps on November 6, 2016

Kürzlich war ich wieder einmal an einer Fortbildung beteiligt, an einem Gymnasium. Im Rahmen eines pädagogischen Tages sollte das Kollegium verschiedene Möglichkeiten kennenlernen, wie man mit Smartphones, Tablets, Laptops, Apps und Online-Angeboten im Unterricht arbeiten kann. Von Seiten der Schule war ein WLAN bereitgestellt, das in allen Workshop Räumen zur Verfügung stehen sollte. Die Teilnehmer brachten eigene Geräte mit, konnten jedoch auch Tablets aus einem Pool ausleihen. Das klang vielversprechend. In der Praxis sah es dann für mich jedoch leider nicht ganz so günstig aus und ich konnte meine Angebote nicht so umsetzen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Auch die Teilnehmer meiner Workshops hatten ihre Probleme mit der Technik. Zudem gab es immer wieder Aussetzer im WLAN. Aufgrund des sehr restriktiven Zugangs zum WLAN konnte ich mein übliches Set-up von Projektor und Tablet nicht nutzen, sondern musste improvisieren und auf Kabel und Notebook zurückgreifen. In einem meiner Workshops stellte ich Padlet vor. Schwierigkeiten ergaben sich hierbei durch die unterschiedlichen Displaygrößen der Mobilgeräte. Mit einem Smartphone ist Padlet, so gut dieses Werkzeug auch ist, nur eingeschränkt nutzbar. Und dann gab es da auch noch andere Probleme durch mangelnde Kompatibilität von Browsern (etwa dem Samsung Browser mit dem schönen Namen „Internet“) oder beispielsweise Schwierigkeit von iOS, Dateien über das nicht zugängliche Dateisystem hoch zu laden. Und Zugangsdaten für das WLAN hatte auch nicht jeder.

Probleme wie diese spiegeln sicherlich die Schwierigkeiten wieder, mit denen Schulen  konfrontiert sein können, wenn sie auf BYOD ohne Vorgaben und improvisierte WLAN-Lösungen setzen. Zu einer erfolgreichen und gewinnbringenden Fortbildung tragen derartige Probleme jedoch definitiv nicht bei. Aus diesem Grund habe ich mir Gedanken gemacht, welche Voraussetzungen es braucht, um wirklich gute Fortbildungen zu gestalten, mit denen wir Lehrerinnen und Lehrer befähigen können, den digitalen Wandel an ihren Schulen zu gestalten.

Lernen unter idealen Bedingungen

Günstig wäre es, wenn Lehrerinnen und Lehrer zunächst unter möglichst idealen Bedingungen lernen könnten. Unter idealen Bedingungen verstehe ich hierbei kein Setting, welches die technischen Möglichkeiten bis zum allerletzten ausreizt. Vorstellen würde ich mir vielmehr eine funktionierende, zuverlässige und gut zu bedienende Ausstattung auf einfachem Niveau. Das könnten einfache 10 Zoll Android Tablets sein, iPads, Chromebooks, oder wenn gar nicht anders möglich auch Notebooks oder Microsoft Surface Geräte. Mir persönlich würden, da ich damit gute Erfahrungen gemacht habe, Android Tablets reichen. Dazu sollte es ein stabiles WLAN geben, einen Projektor, der drahtlos verbunden ist, und einen Drucker. Außerdem sollte ein robuster Internetzugang vorhanden sein.

Man mag nun einwenden, und das habe ich über die Jahre immer und immer wieder gehört, dass man sich doch an den Gegebenheiten der jeweiligen Schule orientieren müsse, an dem, was dort vorhanden ist, da die Schule mit genau diesen Gegebenheiten arbeiten muss. Dieses Argument halte ich für unsinnig und zwar aus folgenden Gründen:

  • Lehrer sollten zuerst einmal erfahren, was überhaupt möglich ist und wie Unterricht idealerweise mit digitalen Tools gestaltet werden kann. Woher anders sollen sie sonst wissen, was machbar ist? Sie müssen positive Erfahrungen machen, müssen das Potenzial erfahren können und erkennen. Erst dann wird man sie wirklich für den digitalen Wandel gewinnen können. Dass dann an den einzelnen Schule sich dieses nicht unbedingt eins zu eins wird umsetzen lassen, ist eine andere Sache. Die Erfahrungen, welche die Lehrer in dem idealen Setting machen, werden aber die Richtschnur bilden für die Entwicklung, welche sie an ihrer Schule in Angriff nehmen. Sie wissen dann, was möglich ist, wie sie ihren Unterricht an der Schule verändern wollen und was sie dafür brauchen. Und dann werden sie sehen, dass sie die Bedingungen an ihrer Schule Schritt für Schritt in diese Richtung bringen, indem sie die schulinternen Lehrpläne entsprechend anpassen, das Lernmittelkonzept erstellen und ein entsprechendes Medienkonzept entwerfen.
  • Wer diesen Grund nicht akzeptiert, sollte sich vielleicht einmal fragen, warum Referendare noch immer für ihre Unterrichtsbesuche Traumstunden produzieren, Unterrichtsstunden, die sie in ihrem Berufsalltag so nie wieder durchführen werden, die einen enorm hohen Aufwand bedeutet haben, der im Alltag nicht zu leisten ist. Diese „Traumstunden“ sind aber eine Art Meisterstunden, eine Spitzenleistung, eine Richtschnur für zukünftiges Arbeiten. Auch wenn sie vergleichbare Stunden in ihrem Berufsalltag nie wieder halten werden, so wird die hohe Messlatte der Traumstunden trotzdem eine Richtung vorgeben für den Unterricht, den sie zukünftig halten.
  • Es ist darüber hinaus beruflicher Alltag von Lehrerinnen und Lehrern, Inhalte und Methoden an die jeweiligen Gegebenheiten ihrer Schule bzw. ihrer Lerngruppe anzupassen. Was als ideal vorgeben ist, lässt sich nur selten in der Praxis vor Ort umsetzen.

Wenn man den digitalen Wandel an die Schulen bringen will, muss man die Lehrerinnen und Lehrer dazu befähigen. Ich könnte mir hier in NRW vorstellen, dass jeder Kreis und jede kreisfreie Stadt dafür mindestens einen Raum irgendwo bereitstellt, in welchem 20-25 Lehrerinnen und Lehrer unter Anleitung lernen, mit mobilen Zugangsgeräten und dem Internet ihren Unterricht weiter zu entwickeln. Würde man einen solchen Raum mit Internetzugang, WLAN, 25 Android 10 Zoll Tablets, einem Projektor, einem Drucker, eventuell irgendwelchen Softwarelizenzen usw. ausstatten, so würden die Kosten dafür deutlich unter 10.000 € liegen.

Lehrer als Lernende

Schulen, die sich auf den Weg machen wollen, würden Lehrerinnen und Lehrer für eine Woche vom Unterricht freistellen. Damit das für die Schulen zu verkraften ist, wäre es dann in der Regel eine Lehrkraft pro Schule. Ähnlich wie in einem Praxisseminar an der Universität würden die Lehrkräfte dann zunächst einmal in die Rolle von Lernenden schlüpfen und darüber selbst erfahren, wie es sich mit den Möglichkeiten digitaler Zugangsgeräte und dem Internet, mit Apps, Online-Plattformen und ähnlich lernen lässt. Danach würden sie selbst in die Rolle der Lehrer schlüpfen und die andere Seite kennen lernen. Sie würden also selbst Stunden vorbereiten und durchführen. Ihre Schüler wären jeweils die anderen Lehrerinnen und Lehrer. Nach der jeweiligen Stunde würde man diese im Plenum besprechen. So würden die Lehrerinnen und Lehrer sowohl die Perspektive der Lernenden als auch der Unterrichtenden kennenlernen und hätten eine erste Basis für die Weiterentwicklung der eigenen Arbeit. Dazu wäre auch wichtig, nicht nur die zuverlässig funktionierenden Geräte aus der Raumausstattung zu nutzen, sondern auch immer wieder eigene Geräte wie kleinere Tablets, Tablets anderer Betriebssysteme und Smartphones usw. zu nutzen, um zu erfahren, welche zusätzlichen Möglichkeiten, Einschränkungen, Hürden etc. sich damit ergeben können. Und so würden dann Woche für Woche die Lehrerinnen und Lehrer der Schulen im Kreis bzw. der kreisfreien Stadt diese Praxisseminare durchlaufen. Ganz wichtig wäre mir bei diesen einwöchigen Praxisseminaren, dass die Teilnehmer sich von Anfang an untereinander vernetzen, um sich auch nachfolgend weiterhin auszutauschen, anzuregen und zu unterstützen.

Vielleicht wäre es günstig, wenn die jeweiligen Gruppen aus schulformgleichen Lehrkräften bestehen. Man würde also Grundschullehrer zusammen fortbilden, Sekundarstufe 1 Lehrer und Oberstufenlehrer. Es könnte vielleicht auch sinnvoll sein, Lehrer von Förderschulen und Förderschulpädagogen in Gruppen zusammenzufassen. Beginnen würde man am besten vermutlich zunächst mit interessierten Lehrkräften. Sie würden sich am ehesten gewinnen lassen und könnten so das Interesse anderer Kolleginnen und Kollegen an der Schule anregen. Die Zahl der Interessierten, der Willigen und der Zögerer ist in einem Kollegium in der Regel größer als die der Unwilligen und Verweigerer. Man könnte mit diesem System sicherlich eine große Zahl von Lehrkräften erreichen.

Für die Lehrkräfte, welche die erste Schulung durchlaufen haben, sollte es in regelmäßigen Abständen Möglichkeiten geben, sich zu treffen und auszutauschen, über das Vernetzen über das Internet hinaus.

Nach dem ersten Durchgang sollte später man einen weiteren Durchgang machen, der dann stärker auf fachspezifische Möglichkeiten des Unterrichts mit mobilen Endgeräten und dem Internet ausgerichtet ist. Sicherlich werden Lehrkräfte schon auf eigene Faust Möglichkeiten erkundet haben und diese einbringen können.

Fortbildung die Akteure

Um die Praxisseminare durchführen zu können, braucht es natürlich auch Personal, welches selbst in der Lage ist Unterricht entsprechend durchzuführen. Daran mangelt es momentan definitiv. Aus diesem Grunde würde ich zunächst alle Fachmoderatorinnen und Fachmoderatoren entsprechend schulen. Sie müssen ohnehin für ihre Fortbildungen in Zukunft in der Lage sein, das Thema zu integrieren. Ich würde für diesen Personenkreis die Schulungen noch deutlich ausführlicher vornehmen. Es wäre natürlich günstig, wenn diese Personen auch an ihren Schulen entsprechend praktische Erfahrungen sammeln könnten, um das, was sie in der Fortbildung gelernt haben, umzusetzen und zu vertiefen. Man hätte dann die Medienberater und die Fachmoderatoren, um die Praxisseminare durchzuführen. Das sollte ausreichen, um die Wochenstunden abzudecken, die es braucht für ein einwöchiges Praxisseminar.

Die Zukunft

Sobald neue Lehrerinnen und Lehrer in ihrem Studium und anschließend im Referendariat entsprechend ausgebildet werden, könnte die Fortbildung wie beschrieben eingestellt werden. Man würde dann neue Entwicklungen über regionale Netzwerktreffen, Edu Camps oder ähnlich an die Lehrerinnen und Lehrer herantragen und so die weitere Entwicklung der Schulen anstoßen.

Umsetzung vor Ort

Ich könnte mir vorstellen, dass sich diese Idee in der Praxis durchaus umgesetzten lässt. Zu klären wäre dafür, wer den Raum oder eventuell die Räume und die Kosten für die Ausstattung und den Betrieb trägt. In meinem Kreis gibt es sieben Kommunen. Wenn hier beispielsweise der Kreis einen Raum am Berufskolleg zur Verfügung stellte und die Infrastruktur (WLAN und Internetanbindung) und die Kommunen jeweils 1.000 € beisteuerten für die Ausstattung, dann wäre diese Idee finanziell umsetzbar. Da das Berufskolleg ohnehin technisch gut ausgestattet ist und bezüglich der IT betreut wird, könnte dieser eine Raum problemlos mit betreut werden. Denkbar wäre auch, dass der Raum vom Medienzentrum zur Verfügung gestellt wird. In größeren Städten mit großen Medienzentren nutzen Medienberater diese Räume schon lange für Fortbildungen. Das Kompetenzteam würde das Personal stellen. Die Freistellung von Lehrkräften für das Praxisseminar für eine ganze Woche wird für die Schulen nicht einfach sein und je nach Größe zu Belastungen führen. Es wäre ja im Prinzip so, als wäre auf Dauer einer Woche eine Lehrkraft krank, fehlt und muss vertreten werden. Normal müssen Schulen das irgendwie auffangen. Hier müsste vom Land Unterstützung kommen durch zusätzliche Lehrkräfte.

Würde sich meine Idee umsetzen lassen, wäre der Anschub für den digitalen Wandel in unseren Schulen sicherlich deutlich größer, als wenn man die Veränderung über Fortbildungen, wie ich sie zur Zeit in der Praxis erlebe, in Gang setzen will. Bei mir am Kreis werde ich mal werben für die Idee. Vielleicht zerplatzt meine Vorstellung wie eine Seifenblase, keine Ahnung, einen Versuch ist es mir aber Wert.