Damian Duchamps' Blog

Das Ende des Schulbuchs – lang lebe das Schulbuch

Posted in Alltag, Medienwelt, OER by damianduchamps on November 18, 2012

Das Schulbuch hat sich über Jahrhunderte bewährt, um Wissen in die Hand von Schülern zu geben – und wird vermutlich noch über viele weitere Jahre diese Rolle innehaben. Doch es ist in die Jahre gekommen. Seit Ewigkeiten hat es sich nicht wirklich verändert. Die Zeit ist weiter gegangen, doch das Schulbuch von heute sieht noch immer aus wie das unserer Eltern und Großeltern und Urgroßeltern und so weiter. Einverstanden, es ist bunter geworden und größer und aufwändiger im Layout. Auch die Inhalte haben sich durchaus verändert, wie auch die Aufgabenformate. Sogar Differenzierungsangebote finden sich. Und auch das Internet hat Einzug gehalten ins Schulbuch in Form von Links oder Webcodes. Geblieben ist jedoch die starre Struktur. Noch immer müssen Schülerinnen und Schüler mit schnell veraltenden Büchern lernen und der Trend zum Veralten nimmt sogar zu, denn die Veränderungen in Gesellschaft, Wissenschaft und Technologie schreiten immer rasanter voran.

Heute gilt das Primat des schülerorientierten Unterrichts, der sich an den Bedürfnissen des Individuums orientieren soll, um ihm damit das optimale Lernergebnis zu ermöglichen. Aber noch immer bekommen alle Schülerinnen und Schüler ein und das selbe Buch vorgesetzt. Die im Buch angebotenen Differenzierungsmöglichkeiten sind in der Regel auf sehr wenige Leistungsniveaus angelegt, zumeist auf gerade einmal zwei.

Wie Schüler sind auch  Schulen eigentlich Individuen in ihren regionalen Settings. Genau wie man heute nicht mehr von homogenen Lerngruppen ausgehen kann (es eigentlich auch nie wirklich konnte), kann man auch nicht von einer homogenen Gruppe von Schulen ausgehen. Gymnasium A ist nicht gleich Gymnasium B. Die Schülerschaft rekrutiert sich beim einem Kleinstadtgymnasium sicherlich aus anderen Bevölkerungsgruppen als im Gymnasium einer Großstadt. Selbiges lässt sich für jede Schulform sagen. Schon die Zentralen Leistungsüberprüfungen am Ende der Klasse 10 belegen dieses (zumindest in NRW) an den unterschiedlichen Niveaus der Ergebnisse mehr als deutlich. Mit Wissen um diesen Sachverhalt, werden die Schulen bereits unterschiedlich eingestuft für die Auswertung.

Langer Rede kurzer Sinn – es kann eigentlich nicht angehen, dass in einem Bundesland alle Schulen über einen Kamm geschoren werden und alle mit identischen Schulbüchern arbeiten müssen. Zwar kann noch gewählt werden zwischen den Angeboten der verschiedenen Verlage, doch da enden die Wahlmöglichkeiten auch schon. Nur sehr wenige Lehrwerke werden es vermutlich schaffen, falls überhaupt, die Bedürfnisse sämtlicher Schulen eines Schultyps in einem Bundesland zu befriedigen. Viele Lehrerinnen und Lehrer klagen über Probleme mit den Büchern, zu schwer, zu leicht, zu wenig Übungen, die falschen Übungen, zu wenig Methoden, usw.. Wie viel oder wie wenig an einer Schule von einem einzelnen Schulbuch genutzt wird, ist von Schule zu Schule unterschiedlich. Ich habe von Lehrerinnen und Lehrern gehört, dass sie gerade einmal 20% des Schulbuches mit ihren Schülern nutzen. An einer Schule erlebte ich in einer Zehn, dass man dort ein sehr altes nicht mehr verlegtes Mathematikbuch verwendete. In noch einer anderen Klasse bekam ich mit, wie man ein im eigenen Bundesland nicht zugelassenes Lehrwerk eines anderen Bundeslandes nutzte, die Schüler zur „Tarnung“ aber das zugelassene anschaffen ließ.

Verlage bieten Zusatzmaterialien und hoffen, so die Mängel der Lehrwerke zum Geschäft zu machen. Arbeitshefte, Formelsammlungen, Übungsaufgabensammlungen, einzelne Arbeitsblätter , Geschichtensammlungen, Lektüren und vieles mehr werden angeboten. Manchmal entdecken Lehrkräfte andere Schulbücher aus anderen Schulformen oder anderen Bundesländern. Einführen dürfen sie diese an ihren Schulen jedoch nicht, selbst wenn sie genau dem entsprechen würden, was diese Schulen gerne hätten. Die Liste der zugelassenen Lehrmittel verhindert es (z.B. in NRW).

Warum hat sich das Schulbuch nicht mit der Zeit gewandelt? Warum sind Schulen durch Zulassungsverfahren und die daraus resultierende Liste der zugelassenen Lehrwerke in ihrer Auswahl eingeschränkt? Müssen Schulbücher immer wieder veraltet sein? Schulen sollen heute selbständig sein. Ihre Schulbücher können sie jedoch nicht frei wählen. Das ist ein Widerspruch in sich. In Finnland z.B. ist vorgegeben, was am Ende der Schullaufbahn herauskommen soll. Wie die Schulen dort hin kommen, mit welchen Lehrmitteln, das bleibt den Schulen selbst überlassen, denn sie sind tatsächlich selbständige Schulen.

Jede Schule kann selber entscheiden, welches Unterrichtsmaterial sie zur Erreichung des Lehrplans einsetzt, denn auch die Genehmigungspflicht für Schulbücher fiel durch die Reform der 90er Jahre weg.“ Quelle: Finnland – Hans Joss, Word Dokumente

Man vertraut auf die gute Ausbildung der finnischen Lehrerinnen und Lehrer, dass sie nicht nur die richtigen Methoden wählen werden, sondern auch die richtigen Materialien.

Lehrer wollen freier wählen und kombinieren können und das gilt nicht nur für die, welche schon digital arbeiten.

„Etwa 30 Prozent der Lehrer nutzen bereits digitale Medien für ihren Unterricht. Ein Teil der Lehrer, das wurde in der Diskussion deutlich, fühlt sich durch digitale Lehrbücher, die sich nicht bearbeiten lassen, von den Verlagen geradezu entmündigt. Gefordert seien stattdessen frei kombinierbare Lehrmodule (idealerweise verschiedener Verlage), die den Lehrer bei der Konzipierung einer Unterrichtsstunde unterstützen. Diese im Podium umstrittene Ansicht stützte Christian Fey (Uni Augsburg): In einer aktuellen Studie seines Fachbereichs habe sich gezeigt, dass Lehrer immer stärker Inhalte verschiedener Lehr- und Arbeitsbücher, Internetquellen und weiterer Medien frei kombinieren würden.“ Quelle, Börsenblatt, 15.11.2012

Bei uns trägt man diesem Wunsch nicht Rechnung. Es hat sich bisher nichts geändert. Die Zulassungslisten bleiben und ersticken damit jede Innovation. Verlage könnten ihre Schulbücher durchaus auch modular anbieten. So könnten in den Schulen die Fachschaften ihre Fachbücher entsprechend ihren Bedürfnissen und pädagogischen Vorstellungen zusammenstellen, nach Inhalt und Umfang, orientiert an Kernlehrplänen und schulinternen Lehrplänen. Man könnte eventuell eine Standardausgabe anbieten, welche Fachschaften dann verändern, indem sie umstellen, ergänzen, reduzieren etc.. Schulen könnten hierbei womöglich sogar eigene Materialien integrieren und im Idealfall die anderer Verlage. Die Plattform auf welcher dieses geschieht, wäre so intelligent angelegt, dass sie das Glossar oder die Vokabelliste oder ähnlich automatisch anpassen könnte. Anschließend würden die Bücher im Print-on-Demand Verfahren gedruckt. Jede Schule erhielte so ihr eigenes individuell zugeschnittenes Fachbuch. Das würde vermutlich nicht einmal wesentlich teurer sein, wenn das Verfahren in großem Umfang genutzt wird.

Was sich bereits im Print realisieren ließe, könnte im digitalen Format noch einmal deutlich gesteigert werden. Digitale Schulbücher ließen sich in Anlehnung an das zuvor skizzierte Modell noch einfacher realisieren, da das Drucken entfiele wie auch die Verteilung von Totholz. Sogar mit dem Digitalen Schulbuch der deutschen Verlage in Version 1.0 ließe sich dieses Modell umsetzen. Echte digitale Schulbücher, welche das volle digitale Potential nutzen könnten zusätzlich direkt digital mit Medien, Interaktivität (soll in Zukunft noch kommen, laut Verlagen) und sozialen Funktionen erweitert werden. Auch aktualisieren ließen sie sich leichter.

Enter OER. Freie Bildungsinhalte können auf zweierlei Weise zu einem modernen Schulbuch beitragen. Variante 1: Sie lassen sich in die modularen Schulbücher der Verlage integrieren. Variante 2: Es existieren freie modulare Schulbücher (open textbooks), die aus freien Bildungsinhalten bestehen und offen für jegliche weitere Inhalte sind.

Dieser Vision folgt – Schulbuch-o-mat:

Unsere Vision vom Schul-E-Book: Es ist modular aufgebaut, enthält verschiedene Aufgaben für verschiedene Lernniveaus, Tests, multimediale Grafiken und Filme. Quelle Schulbuch-o-Mat, Freie Schul-E-Books

Ergänzen könnte man diese Vision sicher noch um Funktionen sozialer Interaktivität.

Wie diese open textbooks nun zustande kommen, ist wieder eine andere Frage. Schulbuch-o-mat ist ein Versuch. Booksprints von entsprechend motivierten Personen aus dem Bildungsbereich könnte ein anderer sein. Auch die Wikibooks stehen am Start und suchen nur noch mehr willige Macher. Braucht es staatlichen Anschub wie in Polen? Kann es auch so gehen? Die Zeit wird zeigen, was geht. Fakt ist jedoch, ändern muss sich etwas. Das Schulbuch ist noch lange nicht tot, doch weiterleben kann es auf Dauer nur, wenn es sich wandelt. Nur so kann es den sich verändernden Anforderungen einer veränderten schulischen Bildung gerecht werden.

Anmerkung: Dieser Beitrag geht davon aus, dass Lernen auch in absehbarer Zukunft noch überwiegend lehrgangsbasiert stattfindet und Schulbücher in diesem Zusammenhang weiterhin Sinn machen.

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Deutschland goes digitale Schulbücher

Posted in Medienwelt by damianduchamps on Februar 17, 2012

Es war schon seit einiger Zeit angekündigt, dass auch wir hier in Deutschland von den Verlagen mit einem digitalen Plattform für Schulbücher beglückt werden sollen. Noch bevor die Verlage allerdings auf der didacta ihre digitale Revolution für Schule und Unterricht vorstellen konnten, kam Apple mit seinem Projekt auf den Markt. Immerhin, soviel war klar, würde es einen Gegenentwurf der deutschen Bildungsverlage geben. Wie genau dieser aussehen sollte, blieb jedoch zunächst offen. Die didacta ist da und die Verlage zeigen nun, wie sie sich die digitale Zukunft im deutschen Schulen vorstellen.

Unter http://www.digitale-schulbuecher.de stellen sie ihre gemeinsame Plattform vor, ein Regal, welches 27 Verlage gemeinsam nutzen. Die Plattform soll für alle Betriebssysteme und Endgeräte nutzbar sein. Das klingt zunächst gut und ist damit dem Angebot von Apple ein großen Schritt voraus. Alleine die Tatsache, dass mehrere große Verlage sich auf eine gemeinsame Plattform einigen konnten, spricht schon für sich. Wer sich in der Branche auskennt, weiß jedoch auch, dass die 27 Verlage zum großen Teil in einigen wenigen Verlagsgruppen zusammengefasst sind. Das hat die Verhandlungen zu einer gemeinsamen Plattform sicherlich deutlich erleichtert. Die Motivation, sich auf eine gemeinsame Plattform zu einigen, ist vermutlich vielfältig. Einmal ist es mit Sicherheit die vernünftigsten Lösung. Dann aber kann man gewiss auch sagen, dass sich hier eine Notgemeinschaft gebildet hat, welche gemeinsam versucht, gegen den digitalen Feind zu bestehen. Für die deutsche Bildungslandschaft ist das gemeinsame Vorgehen der Verlage sicherlich als positiv zu beurteilen. Ebenso positiv zu bewerten ist die Herstellerunabhängigkeit der Plattform. Damit werden die Bevorzugung von Herstellern von Hardware und Betriebssystem und die damit verbundenen Einschränkungen vermieden. Soweit so gut. Wer unbedarft an das Thema heran geht, wird diesen Vorstoß der deutschen Bildungsverlage zunächst einmal gutheißen. Leider jedoch ist nicht alles Gold was glänzt, und das alte Sprichwort bewahrheitet sich in diesem Fall.

Die digitalen Schulbücher kommen in der neuen Plattform als digitale Reproduktionen bestehender Schulbücher daher, angereichert durch Medien und Verknüpfungen. Man hat direkt an den Einsatz mit interaktiven Whiteboards gedacht und so lassen sich diese digitalen Schulbücher auch dort nutzen und beispielsweise zoomen. Die Verknüpfungen weisen auf ergänzendes Material, welches natürlich vom Verlag gestellt wird, vermutlich überwiegend gegen Geld. Integriert in die digitalen Bücher ist ein Maß an Interaktivität. Lesezeichen können gesetzt werden, es lassen sich Notizen machen und Markierungen im Text, Textteile lassen sich abdecken und freistellen, Formen können eingefügt werden, man kann zeichnen und vieles mehr. Dazu gibt es in der Plattform eine Werkzeugpalette. Auch das klingt zunächst sehr gut.

Es fällt jedoch auf, dass nirgendwo Funktionen erwähnt werden, welche es ermöglichen Inhalte aus diesen digitalen Schulbüchern herauszunehmen und beispielsweise in eine Textverarbeitung oder Präsentation oder eine Internetseite einzufügen. Eine Exportfunktion wird nicht vorgesehen sein. Wen wundert es, wenn doch auch die analogen Bücher in keiner Form digital verarbeitet werden dürfen, in Arbeitsblättern, Inhalten einer Lernplattform oder ähnlich. Die schöne neue Welt der digitalen Schulbücher sieht nicht anders aus als die der analogen Schulbücher. Es bleibt abzuwarten, wenn die ersten Bücher zum Schuljahr 2012/13 auf den Markt kommen, ob es zumindest Verlinkungen ins Internet geben wird. Inwieweit es möglich sein wird, Notizen und Markierungen auszutauschen, ist bisher aus den Informationen im Internet nicht zu ersehen. Und ob dieses für die Zukunft geplant ist, wird man abwarten müssen. Immerhin handelt es sich hier um das deutsche digitale Schulbuch Version 1.0.

Natürlich sind die digitalen Schulbücher geschützt durch einen Freischaltcode. Dieser wird von den Nutzern erworben. Um überhaupt digitale Schulbücher nutzen zu können, ist eine Registrierung auf dem gemeinsamen Portal der Schulbuchverlage http://www.digitale-schulbuecher.de notwendig. Dort lebt dann auch die digitale Bibliothek des jeweiligen Nutzers. Auf den Endgeräten muss eine Software installiert sein (vermutlich ähnlich der Adobe Digital Library) über welche die Bücher auf Endgeräte herunter geladen werden können, um dort auch offline genutzt werden zu können. Die jeweiligen Dateien werden mit Digital Rights Management (DRM) versehen sein, wodurch eine Nutzung durch andere als den Käufer verhindert wird.

Wie auf Twitter und an anderen Stellen schon deutlich geworden ist, trifft dieser Vorstoß der deutschen Schulbuchverlage ins digitale Neuland bei den Bildungsbloggern auf keine große Gegenliebe. Viele haben vermutlich nichts Anderes erwartet. Man ist enttäuscht. Bei denen, welche in der sich entwickelnden digitalen Lernkultur nicht bewandert sind, wird das digitale Angebot der Schulbuchverlage sicherlich auf reges Interesse stoßen. Endlich digitale Schulbücher, endlich viele interessante Inhalte für digitale Schultafeln und endlich die Perspektive, auf absehbare Zeit vom analogen Schulbuch Abschied nehmen zu können. Man sieht, was in einigen Bundesstaaten der USA und in Korea vonstatten geht und weiß, dass man diesen Weg in Zukunft vermutlich ebenfalls beschreiten wird. Da passt das von den deutschen Schulbuchverlagen vorgestellte digitale Schulbuch voll und ganz ins Bild, entspricht es doch der Vorstellungskraft all jener, welche aus dem analogen Schulbuch ein digitales ableiten.

Man darf gespannt sein, wie die Vision des digitalen Schulbuchs, wie die Schulbuchverlage sie denken, bei denen ankommt, die an Universitäten und in Ministerien dabei sind, die Zukunft von Schule und Unterricht in Deutschland zu entwickeln. Eigentlich sollten auch sie erkennen, dass diesen digitalen Schulbüchern wesentliche Elemente fehlen, die für einen modernen kompetenzorientierten und individualisierten Unterricht notwendig sind. Und wer sich beispielsweise einbildet, durch die Nutzung dieser digitalen Schulbücher Medienkompetenz zu vermitteln, der irrt gewaltig.

Für mich zeigt das deutsche digitale Schulbuch Version 1.0, dass es den deutschen Schulbuchverlagen bei dieser Entwicklung mehr darum geht, ein bestehendes Geschäftsmodell zu bewahren, als zur Entwicklung von modernen Formen von Schule beizutragen. Diese Schulbücher, die in sich geschlossene, nach außen abgeschottete Systeme darstellen, können zu einer modernen Lernkultur so wenig beitragen wie ihre analogen Vorgänger. Der einzige Zugewinn, den sie für Schüler und Lehrer darstellen, wird ihr geringeres Gewicht sein.

Ich erwarte, dass sich aus dem Angebot der Verlage recht schnell eine Nachfrage nach günstiger und robuster Hardware stellen wird. Die großen Hersteller wie Samsung, Dell, Acer, HP und ähnlich werden mit günstigen Tabletts unter 200 € auf diese Nachfrage reagieren. Es ist durchaus möglich, dass auch die Verlage selbst die notwendige Hardware anbieten werden. Dabei könnte es durchaus möglich sein, dass sie Geräte zwischen 100 € und 150 € anbieten werden, welche sie zum Teil über ihre Buchverkäufe subventionieren.

Was für die deutschen Schulbuchverlage einen riesigen Schritt in eine sich verändernde Verlagswelt darstellt, ist für Schule und Unterricht auf dem Weg zu modernen Form des Lernens leider nur ein ganz kleiner Schritt nach vorne. Die dem digitalen Schulbuch Version 1.0 durch die Verlage auferlegten Fesseln zeigen sehr nachdrücklich, dass auch in Zukunft mehr als je zuvor ein großer Bedarf an freien Bildungsinhalten (OER) bestehen wird. Bleiben diese digitalen Schulbücher so hermetisch abgeriegelt, wie es momentan den Anschein hat, werden auch die gegenwärtigen Möglichkeiten, Inhalte aus analogen Büchern heraus zu kopieren oder gar digital zu entnehmen, verschwinden. Noch ist es technisch möglich, wenn auch nicht legal, analoge Bücher einscannen und die Inhalte digital zu verarbeiten. Mit komplett digitalen Versionen wird es den Verlagen ein Leichtes sein, die Entnahme von Inhalten aus diesem Büchern zu unterbinden. Der Durchschnittslehrer wie auch der Durchschnittsschüler wird technisch nicht in der Lage sein, die digitalen Beschränkungen zu umgehen (was zudem höchst illegal sein wird). Möglicherweise werden die Verlage ähnlich wie gegenwärtig ein beschränktes Kopierrecht gegen Zahlung von Millionenbeträgen durch die Kultusministerien einräumen. Anders als jetzt bedarf es dann jedoch keines „Schultrojaners“ mehr um die Einhaltung der vertraglich ausgehandelten Kopierbegrenzung zu kontrollieren. Das lässt sich leicht über die Plattform, in welche die digitalen Schulbücher eingebunden sind, machen. Mit dieser Plattform haben die Verlage den Zugang zu jedem Endgerät, über welches Lehrer wie Schüler ihre digitalen Produkte nutzen. Und mit diesem Zugang haben sie die absolute Kontrolle. Willkommen in der deutschen Zukunft des digitalen Schulbuchs Version 1.0.

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