Damian Duchamps' Blog

In NRW hat OER eine Chance zur Institutionalisierung

Posted in Uncategorized by damianduchamps on Oktober 9, 2013

Leider bin ich durch meine Erkrankung seit einiger Zeit etwas außen vor, was das Thema OER angeht. In der kurzen Zeit, bevor meine Erkrankung erneut ausbrach, konnte ich jedoch auch ein klein wenig in Person aktiv sein.

Nach der Lektüre des sehr interessanten Rückblicks zum OER Camp in Köln, OER weiter institutionalisieren, möchte ich das, was dort geschrieben wird nur unterstützen und kann aus meinen Gesprächen bestätigen, dass zumindest in NRW Bewegung in der Sache ist, allerdings nicht aus der Ecke Open NRW Strategie, wie der Autor des Berichtes vorschlägt. Vielmehr wurde in NRW der Anstoß zur Institutionalisierung durch die Anhörung im Landtag gegeben. In Folge dieser Anhörung beschäftigt man sich nun Im Auftrag der Schulleitung habe ich eine Dienst E-Mail Adresse eingerichtet. Weitere Informationen dazu finden sich im Auftrag des Ministeriums in der Medienberatung NRW mit dem Thema OER. Den dort mit der Sache befassten Personen ist durchaus klar, welche Bedeutung OER gerade in der Lehrerfortbildung zukommt. Seit Jahrzehnten ist es dort wie vermutlich in allen Bundesländern üblich gewesen, Materialien für die Lehrerfortbildung zu erstellen, welche das Urheberrecht der Verlage permanent verletzten. Zwar gibt es die Vereinbarungen der Bildungsverlage mit den Kultusministerien, nach denen eine bestimmte Menge an Kopien aus Schulbüchern erlaubt ist, doch bezieht sich diese ausdrücklich auf Unterricht. Lehrerfortbildung ist aber kein Unterricht im Sinne der Vereinbarungen. Es gibt zudem sogar schon länger eine Weisung aus dem Schulministerium, Materialien der Lehrerfortbildung öffentlich zu machen. Da dieses aus urheberrechtlichen Gründen nicht möglich war, speiste man das Ministerium damit ab, dass man die erarbeiteten Materialien in nicht öffentlichen Intranets publizieren würde. Der ursprünglichen Weisung des Ministeriums entsprach das aber nicht wirklich. Die in der Lehrerfortbildung tätigen Personen, meist auch Lehrer, müssen also umdenken und urheberrechtlich unbedenkliche Materialien nutzen. Und da bleiben nur die OER. Die Bretter, welche zu bohren sind, sind recht dick. Es gibt den offiziellen Auftrag als Resultat der Anhörung und die sachlichen Zwänge. Nicht umsonst war eine der in der Medienberatung mit dem Thema befassten Personen Speaker auf der Konferenz in Berlin. Ich bin von daher sehr zuversichtlich, dass sich in NRW von offizieller Seite etwas bewegen wird.

Siehe auch Lothar Palm von learnline.nrw zum Einfluss der Netzgemeinde auf die Durchsetzung von OER

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OER – in Deutschland am Bedarf vorbei gedacht?

Posted in Alltag, OER, Urheberrecht by damianduchamps on April 3, 2013

Setzt man sich mit der Frage auseinander, warum es mit freien Bildungsinhalten (OER) in Deutschland nicht so recht vorangehen möchte, so begegnet man unweigerlich immer wieder der Gegenfrage nach dem Warum. Vielmals wird eine Notwendigkeit für OER an sich angezweifelt. Stellt sich ein Erfolg für OER in Deutschland nur deshalb nicht ein, weil es keinen Platz hat in unserem Bildungssystem? Brauchen wir hier in der Bildungsrepublik Deutschland überhaupt OER? Und falls nun doch, wer braucht es dann, wie soll man es einordnen und welchen Stellenwert soll es haben?

Das sind sehr grundlegende Fragen, welche die gesamte Auseinandersetzung um OER in Frage stellen. Anhörungen wie die im Landtag NRW haben letztlich auch ein vorrangiges Ziel in der Klärung der Frage, ob OER überhaupt ein Gegenstand ist, welcher ein Engagement erforderlich macht. Bisher ist das Thema OER von Seiten der Politik mehr als stiefmütterlich behandelt worden, wie das quasi nicht vorhandene Engagement auf europäischer wie internationaler Ebene belegt. Böse Zungen mögen behaupten, dass dieses erfolgreicher Lobbyarbeit der Bildungsverlage geschuldet ist. Andere machen die Ursache vielleicht in der Blindheit des Systems fest.Was bleibt, ist die Frage:

Braucht Deutschland also OER oder nicht?

Eine Antwort ist vielschichtig.

Eine Frage des Geldes

Wir sind kein armes Land. Von daher werden OER in Deutschland nie den Stellenwert haben, den sie etwa auf dem afrikanischen Kontinent entwickeln, wo finanzielle Ressourcen extrem knapp sind, sowohl auf Seiten des Staates und seiner Bildungsinstitutionen als auch bei den Bürgern. In Ländern, wo Geld sowohl über die Verfügbarkeit von Bildungsinhalten als auch den Zugang zu denselben entscheidet, übernehmen OER die Rolle, Bildungsinhalte verfügbar sowie zugängig zu machen. In Deutschland brauchen OER diese Rolle nicht in gleichem Maße übernehmen. Wohl aber sind auch in unserem Land Finanzmittel höchst ungleich verteilt. Das beginnt bei den Bildungsetats der Bundesländer und Kommunen und geht weiter bei den Budgets der Schulen und Fachschaften und endet beim Einkommen der Eltern und dem persönlichen Lehr- und Lernmittelbudget der Lehrkräfte.

Beispiele für die vom Geld gesetzten Grenzen im Bildungsalltag kennt jeder, der im System tätig ist. Es sind etwa die  alltäglichen Schwierigkeiten, je nach Schulform und Einzugsgebiet, wenn in der Klasse ein weiteres Arbeitsheft für Geschichte angeschafft werden soll, der Schuletat dieses nicht hergibt, das Jahresbudget der Fachschaft von 200 € es ebenfalls nicht zulässt und auch die Eltern teils große Probleme haben, das Geld aufzubringen. Oder es ist das neue Fachbuch, das nicht angeschafft werden kann, da die der Schuletat bereits durch drängendere Anschaffungen ausgeschöpft ist.

In einer Zeit, in welcher staatlich institutionelle wie persönliche Finanzmittel eher knapper als umfangreicher werden, kommen OER von daher definitiv eine ausgleichende und ermöglichende Rolle zu.

Eine Frage der Rechtmäßigkeit

Nicht zu entkoppeln von der Frage des Geldes sind das Urheberrecht und Vereinbarungen zwischen Urhebern und Nutzern in Form von Lizenzierungen, welche die Grenzen des Urheberrechts gegen Geld in bestimmten Bereichen zurücknehmen. Im schulischen Alltag mögen sich Lehrerinnen und Lehrer oftmals über diese Grenzen hinwegsetzen, etwa die persönlich erworbene Kopiervorlage im ganzen Kollegium nutzen, die Software über die Zahl der erworbenen Lizenzen hinaus installieren oder die digitalisierte Buchseite an einen Kollegen weitergeben. Dass sie dieses oftmals tun, weil das Geld knapp ist, macht daraus keine legale Sache. Es mag im Alltag zwar pragmatisch sein, doch legal und ohne schlechtes Gewissen wäre schöner. OER bieten hier einen Ausweg, der auch Lehrern in Deutschland helfen könnte.

Wir wachsen gerade hinein in ein Zeitalter zunehmender Vernetzung zwischen Lehrern in Deutschland, aber auch über Landesgrenzen hinaus, in eine Kultur des Kopierens, Teilens, Adaptierens und Remixens. Ohne OER, die nicht den engen urheberrechtlichen Fesseln der Verlagsmaterialien unterworfen sind, wird das Potential einer  solchen Entwicklung kaum komplett auszuschöpfen sein. Auch hier besteht also ein eindeutiger Bedarf.

Eine Frage des Angebotes

Selbst wenn das Angebot der Verlage in manchen Bereichen schier unendlich scheint, so gibt es doch immer wieder Inhalte, die von den Verlagen mit ihren Angeboten nicht abgedeckt werden, etwa weil die potentielle Nutzergruppe keine ausreichende Größe besitzt. Englischlehrbücher für Schüler mit Förderbedarf sind beispielsweise solch ein kleiner Markt und das Angebot der Verlage ist entsprechend bescheiden. Themenhefte zur Regionalgeschichte für den Geschichtsunterricht im regionalen Kontext stellen einen noch kleineren Markt dar und das Angebot tendiert hier folglich gegen Null. Es gibt sicher noch viele Nischenprodukte, auch solche, die durchaus bundesweit Abnehmer fänden, wenn auch nur in sehr kleiner Zahl. An dieser Stelle könnten OER eine wertvolle Ergänzung zum bestehenden Verlagssortiment darstellen.

Verbreitung von Bildungsinhalten weltweit

Englisch ist eine Weltsprache und Inhalte in englischer Sprache können von daher in sehr vielen Ländern der Welt für Bildungszwecke genutzt werden, selbst wenn sie dafür in eine andere Sprache übersetzt werden. Aus diesem Grund kommt gerade englischsprachigen OER eine besondere Rolle zu. Wer OER in englischer Sprache erstellt, mag dieses zwar nicht unbedingt mit der Intention tun, damit auch Menschen in Afrika, Asien oder wo auch immer man die englische Sprache versteht, die Möglichkeit zur Nutzung zu eröffnen, doch durch die Sprache ergibt sich dieses quasi automatisch. Vor allem die reichen englischprachigen Länder in Nordamerika und Europa können so andere Länder auf dem ganzen Globus an ihren Bildungsinhalten teilhaben lassen. Da Deutsch eine Sprache mit einer weltweit eher geringen Verbreitung ist, kommt auch OER in deutscher Sprache die zuvor beschriebene Rolle so gut wie gar nicht zu. Abgesehen von der internationalen Nutzung durch Deutsch als Fremdsprache (DaF) gibt es kaum eine Nutzung und auch eine Übersetzung in andere Sprachen dürfte höchst selten sein.

Idealismus

OER haben auch etwas mit Weltverbesserung zu tun, mit dem Glauben, durch die Befreiung von Bildungsinhalten aus urheberrechtlichen und finanziellen Zwängen, die Welt und die Menschen, die auf ihr leben, ein Stück weit weiter zu bringen auf dem Weg in eine neue, bessere Gesellschaft. Dieser Gedanke des Teilhabenlassens, des Miteinander bei der Erstellung und Nutzung, des grenzenlosen Austauschs schwang bei OER von Anbeginn an mit wie etwa auch bei der Wikipedia. Bisher sind es wohl auch vermutlich überwiegend Idealisten in Sachen Bildung, die sich hier in Deutschland mit dem Thema OER auseinandersetzen und versuchen, es voranzubringen. Ein wenig mehr an Idealismus, getragen durch OER und die Möglichkeiten des Internets, ständen auch der deutschen Bildungslandschaft nicht schlecht, könnte vielleicht auch helfen, die traditionellen Einzelkämpfer aus ihren Arbeitszimmern zu locken zu einer Vernetzung über die Grenzen des Kollegiums hinaus. Letzteres ist nun aber schon sehr idealistisch 😉

Brauchen wir also in Deutschland überhaupt OER?

Ich würde sagen, auf jeden Fall. Wenn auch die Verbreitung von Bildungsinhalten in der Welt für uns nur eine absolut untergeordnete Rolle spielt und Idealismus etwas für Unverbesserliche ist, so kann OER doch auch in Deutschland entscheidend dazu beitragen, finanzielle Benachteiligungen auszugleichen, eine urheberrechtlich abgesicherte Kultur lokaler, überregionaler und auch internationaler Vernetzung unterstützen und nicht zuletzt die Angebote der Verlage in Nischen und als Alternative ergänzen und zu fortwährender Innovation bewegen.

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Auf den Punkt gebracht – warum Lehrer OER nutzen sollten

Posted in Alltag, OER, Urheberrecht by damianduchamps on April 2, 2013

Als Antwort auf meinen Artikel zu der Frage, ob OER die Zielgruppe Lehrer in Deutschland erreicht, frage Martin Lindner auf Twitter: „gibts irgendwo eine bündige auflistung der 3 wichtigsten vorteile von OER? warum sollten sich die lehrer anders verhalten?

Ob es eine solche kurze Auflistung gibt, kann ich nicht sagen. Für mich stehen aus der Sicht von Lehrern folgende Gründe an erster Stelle: Bezahlbarkeit, freie legale Nachnutzbarkeit für Lehrer und Schüler im Unterricht 

  • unbegrenzt viele Materialien ohne Budgetgrenzen/Blick auf den Geldbeutel nutzen können
    • Unterricht erfolgt zwar meist auf der Basis von Lehrbüchern, doch in vielen Fächern werden diese regelmäßig um zusätzliche Materialien ergänzt. Aus zeitlichen Gründen können Lehrer diese zusätzlichen Materialen nicht alle selbst erstellen.
    • Eine Lösung besteht im käuflichen Erwerb von den Verlagen. Dem Kauf setzen  das begrenzte Schul- bzw. Fachschaftsbudget, die Finanzkraft der Eltern oder im Falle einer privaten Anschaffung die Möglichkeiten des eigenen Geldbeutels Grenzen. – OER können unentgeltlich genutzt werden.
    • Eine weitere Lösung besteht im Ausleihen oder Kopieren von Kollegen. – Meist ist das nicht legal, außer es handelt sich um selbst erstellte Materialien. OER können legal kopiert und brauchen von daher nicht ausgeliehen werden.
    • Als Lösung bietet sich auch die Suche im Netz an oder Nutzung von Materialien von Online Materialbörsen. – Die Nutzung über den eigenen Unterricht hinaus ist rechtlich nicht immer eindeutig geklärt. Ebenso wenig geklärt ist die Möglichkeit, Anpassungen vorzunehmen oder die Inhalte weiterzuverarbeiten. Mit OER ist das kein Problem.
  • Materialien frei nutzen, verändern und legal weitergeben können
    • Die Nutzung von Verlagsmaterialien ist immer mit Kosten verbunden und der Freiheitsgrad der Nutzung ist immer beschränkt. – OER können immer ohne finanziellen Aufwand für Erwerb oder Lizenzierung genutzt werden. Die Mehrheit der Materialien erlaubt Anpassung, Veränderung und Kombination mit anderen OER oder eigenen Materialien.
    • Selbst Materialien aus Kopiervorlagen dürfen nur von dem genutzt werden, der sie anschafft. Schullizenzen erlauben weder die legale Nutzung der entsprechend lizenzierten Materialien bei einem Wechsel der Schule noch die legale Weitergabe etwa an einen befreundeten Kollegen an einer anderen Schule. – OER können von jedermann in der Schule genutzt und an andere außerhalb der Schule weitergegeben werden.
    • Verlagsmaterialien können und dürfen oft nicht legal verändert werden. – OER Materialien dürfen mehrheitlich legal verändert werden.
    • Verlagsmaterialien haben nur stark eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten auf digitalen Medien. – Für OER gelten keinerlei Beschränkungen bezüglich einer digitalen Nutzung per se. Sie können im Intra-Net wie im öffentlichen Internet genutzt und auch weitergegeben werden.
  • Lernern/ Schülern ermöglichen, Lernprodukte legal öffentlich zugängig zu machen
    • Seit das Internet in den Unterricht eingezogen ist, können Schüler ihre Arbeiten im Internet veröffentlichen, wenn dieses von Seiten der Schule ermöglicht wird. Die große Einschränkung war und ist dabei jedoch immer, dass nur Materialien verwendet werden können, die nicht durch Urheberrechte der Verlage geschützt sind, was im Fall von Schülerwebseiten vor allem Abbildungen, Filmsequenzen und Audiomaterialien meint. – Lehrer können Schülern mit OER freie Materialien anbieten, welche auch im Internet veröffentlich werden können.

Diese Beschreibung der Vorteile einer Nutzung von OER gehen von einer offenen Lizenzierung – ohne Einschränkungen,  wie sie sich durch die Creative Commons Lizenz No Derivatives ergibt – aus.

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Erreicht die deutsche OER Bewegung die Zielgruppe Lehrer?

Posted in Creative Commons, OER by damianduchamps on April 2, 2013

Beim Thema der freien Bildungsinhalte (OER) hakt es an vielen Ecken und Enden, wenn man auf die deutsche Bildungslandschaft schaut. Nur wenige engagieren sich für das Thema, erstellen freie Bildungsinhalte, klären auf und werben. Die Zahl der Nutzer von freien Bildungsinhalten ist etwas größer, doch gemessen an der Zahl der in Deutschland am Bildungssystem beteiligten Akteure muss man feststellen – kaum jemand  kennt überhaupt den Begriff oder die Idee dahinter. Das ist schon vielen in der OER Bewegung* aufgefallen, wenn sie sich in den Lehrerzimmern der eigenen Schule umhören.

Die Aktiven in der OER Szene blieben so bisher leider weitestgehend unter sich. Mit anderen Worten – die OER Bewegung schmort im eigenen Saft. Wer eine Online Veranstaltung zum Thema anbietet, predigt in der Regel zum Chor. Ich denke, genau an dieser einen Stelle liegt das Hauptproblem von freien Bildungsinhalten in Deutschland. Die eigentliche Zielgruppe, Lernende und Lehrende werden nicht erreicht. Vor allem aber Lehrerinnen und Lehrer gilt es, zu erreichen, denn sie könnten enorm profitieren von der Nutzung freier Bildungsinhalte und stellen zudem die Brücke zu den Lernenden dar, denen sie die Nutzung freier Bildungsinhalte nahebringen könnten.

Wer mit Begriffen wie OER, freie Bildungsinhalte (oder wie auch immer man OER übersetzen mag), Creative Commons und ähnlich nichts anfangen kann, wird im Berufsalltag auch nicht danach suchen. Viele Lehrerinnen und Lehrer, die ich aus meinem Berufsalltag kenne, ob aus dem eigenen Kollegium oder über Fortbildungen, nutzen das Internet regelmäßig zur Vorbereitung von Unterricht. Referendarinnen und Referendaren konnte ich dabei oft über die Schulter schauen. An erster Stelle stehen dabei wohl noch immer Arbeitsblätter zu bestimmten Themen. Auch Bildmaterial wird gesucht, um selbsterstellte Materialien zu illustrieren. Deutlich seltener gesucht werden Audio- und Videomaterialien. Extrem selten werden Materialien gesucht ,um ein eigenes Online Lernangebot zu erstellen, und nach Online Kursen zur Nutzung im eigenen Unterricht habe ich noch nie jemanden suchen sehen.

Bei der Suche wird in der Regel die Suchmaschine Google bemüht. Dass Google Ergebnisse filtern lässt nach Bildern, falls solche gesucht werden, ist  manchem mittlerweile aufgefallen. Der Link dazu ist über den Suchergebnissen dafür leicht genug zu entdecken. Suchergebnisse werden angeklickt, kurz auf Tauglichkeit bewertet und eventuell heruntergeladen, um eine Bewertung vornehmen zu können. Alles muss schnell gehen, denn im Berufsalltag ist die Zeit knapp. Passt oder passt nicht, bzw. lässt sich mit wenig Aufwand anpassen oder notfalls auch nachgestalten, sind nach meinen Beobachtungen die einzigen Entscheidungskriterien. An das Urheberrecht denkt dabei kaum einer, denn die Verunsicherung durch den „Schultrojaner“ ist schon lange aus dem Bewusstsein der meisten verschwunden. Einige Lehrerinnen und Lehrer haben für sich Materialbörsen wie 4teachers entdeckt oder sogar ZUM. Unter welchen Bedingungen die dort angebotenen Materialien nutzbar sind, als OER oder nicht OER, ist ihnen dabei nicht bewusst und von daher als Nutzungskriterium nicht relevant. Es lässt sich einfach herunterladen und das reicht.

Das ist so, obwohl man sich in der deutschsprachigen OER Szene eben durchaus Gedanken macht und bemüht. Nachdem die OER Bewegung 2012 zeitweise  etwas abflaute, ist nun neuer Schwung in die Bewegung gekommen. Wikimedia Deutschland engagiert sich, es gibt Online Kurse zum Thema, bei P2PU entsteht eben ein Kurs, Hangouts werden veranstaltet und man beschäftigt sich auf Barcamps damit, direkt wie auf dem OERCamp oder am Rande wie auf den EduCamps. Blogs und soziale Netzwerke wie Twitter, Facebook und Google+ werden von den Akteuren der OER Szene genutzt, um Informationen zum Thema zu verbreiten und es gab sogar eine OER-Anhörung im Landtag Düsseldorf.

All das hat bisher aber recht wenig daran geändert, dass die Thematik die eigentliche Zielgruppe, die Lehrer, so gut wie nicht erreicht. Ich vermute, wenn 5% aller Lehrerinnen und Lehrer an unseren Schulen mit der Thematik vertraut sind und zum regelmäßigen Nutzerkreis gehören, dürfte das schon extrem hoch gegriffen sein.

Über die Ursachen der mangelnden Bekanntheit haben sich schon viele den Kopf zerbrochen. Sicherlich liegt es auch am Namen bzw. der Benennung, womit man sich bei uns schwer tut. Doch das ist nur ein sekundäres Problem. Wie die Werbung und ungewöhnliche Produktnamen immer wieder belegen, prägen wir uns auch diese ein, wenn sie entsprechend geschickt beworben werden und so allgegenwärtig sind, dass wir ihnen nicht ausweichen können.

Präsenz ist enorm wichtig. Hat man sich erst einmal auf eine einheitliche Benennung geeinigt und vor allem auf ein prägnantes Logo/ Design, muss nur noch Präsenz geschaffen werden. Die Creative Commons Icons sind eher  nicht dafür geeignet, da sie zu klein und farblos sind.

Um eine Ankoppelung an die internationale OER Bewegung nicht zu verlieren, sollte ein Logo genutzt werden, welches sich an international gebräuchliche Logos anlehnt aber noch um etwas ergänzt ist wie „frei nutzbar“ oder ähnlich. Man könnte so z.B. das noch recht neue, blauweiße international verbreitete OER Logo mit den Händen/ Buchseiten nutzen.

Auch wenn OER sich an Lernende generell richten, ist und bleiben für mich die Hauptzielgruppe Lehrerinnen und Lehrer als Lernmittler. Wie kann man diese erreichen, wenn man auf offizielle Unterstützung durch Kultusministerien weitestgehend verzichten muss? Und wie kann man sie erreichen, wenn sie den Begriff OER gar nicht kennen, wie oben beschrieben, nicht danach suchen und nie eine erweiterte Google Suche nutzen?

Über Webseiten, die sich theoretisch mit dem Thema auseinander setzen, so wie etwa diese Seite selbst, erreicht man die Zielgruppe definitiv nicht, da Lehrerinnen und Lehrer gar nicht wissen, dass es solche Seiten gibt. Seiten wie diese hier tauchen zudem auch nicht in den Suchergebnissen auf, wenn man nach Materialien für den Unterricht sucht (außer man schafft es, die Seite entsprechend für die Suche über SEO zu optimieren). Auch über soziale Netzwerke, so sie denn von Lehrenden überhaupt genutzt werden, wird man das Thema ebenfalls kaum an die Zielgruppe herantragen können. Wer würde als Lehrer oder Lehrerin überhaupt auf die Idee kommen gerade dort, also etwa bei Twitter, Facebook oder Google+, nach Materialien für die Unterrichtsvorbereitung zu suchen oder Informationen über solche Materialien?

Die Hauptrolle bei der Verbreitung der OER Idee kommt meiner Meinung nach gegenwärtig den Webseiten, Portalen und Bildungsservern zu, welche selbst freie Bildungsinhalte anbieten, denn auf diese werden Lehrende am ehesten stoßen, wenn sie bei der Unterrichtsvorbereitung mittels der einfachen Google Suche nach Materialien suchen. Dass es sich dann um OER handelt, muss dort deutlicher herausstellt werden. Das OER Logo muss omnipräsent sein, groß und deutlich zu sehen, größer und deutlicher als normal bis ein größerer Bekanntheitsgrad erreicht ist und später kleiner. Eventuell sollte man Mittel der Online Werbung nutzen, wie das sich über einen Teil der Seite schiebende Feld, welches kurz darauf aufmerksam macht, dass es sich um frei nutzbare Materialien handelt und dass man dazu weitere Informationen erhalten kann. Dieses Feld sollte dann jedoch nicht abschrecken und direkt beim ersten Besuch auf der Seite angezeigt werden. Angebotene OER Materialien müssen ebenfalls das Logo tragen, soweit dadurch das Material nicht entstellt wird, wie im Fall von vielen Fotos etwa. Wichtig ist auch, dass die Materialien gut zu entdecken sind über einfache Google Suchen, indem sie entsprechend mit Meta Informationen versehen sind, die über die Creative Commons Lizenzangaben hinausgehen.

Es wird nie leicht sein, die Aufmerksamkeit der aktiv in der Bildung tätigen Personen für das Thema OER zu gewinnen, selbst wenn man, wie etwa in NRW, das Thema tatsächlich durch das Kultusministerium auf eine offizielle Schiene heben sollte. Selbst wenn man OER auf Bildungsservern anbietet, so wie in Rheinland-Pfalz, reicht das leider noch nicht aus, denn nicht jeder Lehrer kennt das Angebot dort. Von daher denke ich, müssen sowohl die OER Entdeckbarkeit als auch der OER Wiedererkennungswert als solche gesteigert werden und quasi die visuelle Qualität einer Marke bekommen. Erst dann werden Lehrer in der Masse aufmerksam werden und gezielt danach suchen und vielleicht auch Interesse entwickeln am theoretischen Hintergrund der freien Nachnutzbarkeit von OER.

 

*“Deutsche OER Bewegung“ bezeichnet hier keine Bewegungen mit organisierten Strukturen, denn diese gibt es nicht. Vielmehr ist gemeint die Summe aller zu diesem Thema aktiven Personen und Institutionen (Lehrerinnen und Lehrer, Edublogger, Lehrende und Forschende an Universitäten, Betreiber von Portalen und Bildungsservern, die Zentrale für Politische Bildung, Wikimedia, usw.).

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Gräbt die neue Vereinbarung zum digitalen Vervielfältigen dem Thema OER das Wasser ab?

Posted in Schule und Recht, Urheberrecht by damianduchamps on Dezember 7, 2012

Welches Wasser gräbt diese Vereinbarung der Bewegung um OER eigentlich ab, könnte man spitz fragen. Wie @tommdidomm in seinem Blog kubiwahn richtig beobachtet, ist das Thema OER in deutschen Lehrerzimmern bisher schlichtweg unbekannt.

„Der Begriff OER ist, so sehr ich das auch bedauern mag, kein Begriff aus der Alltagswelt meiner Kollegen und mir.“

Anders als der Begriff „Schultrojaner“, welcher von der Blogosphäre in die Mainstream Medien hinüber transferierte und für eine zeitweilige Verunsicherung in den Lehrerzimmern sorgte, führt das Thema OER noch immer ein Schattendasein. Und anders als in anderen Ländern wie Polen mit seiner OER Schulbuch Initiative oder den USA fehlt Deutschland eine offizielle Unterstützung der Bewegung um freie Bildungsressourcen durch die Kultusministerien. Dieses würde OER auf eine Ebene heben mit den von Verlagen angebotenen Materialien. Immerhin aber wird das Thema durchaus wahrgenommen, auch von den Verlagen selbst. Die Augsburger Studie zu Open Educational Ressources, gefördert vom Verband Bildungsmedien e.V.“ belegt dieses mehr als eindeutig. Zwar werden hier nicht nur Angebote untersucht, die man originär als OER bezeichnen kann, sondern auch solche von öffentlichen und kommerziellen Anbieter mit einem Lobby- oder Werbehintergrund , doch die Studie zeigt, dass man von Seiten der Bildungsverlage potentielle Konkurrenz frühzeitig genug erkennen und abschätzen können möchte.

Wie ist nun in diesem Zusammenhang die neue Vereinbarung in Ergänzung zum Gesamtvertrag zur Einräumung und Vergütung von Ansprüchen nach § 53 UrhG einzuordnen?

Die Kultusministerien der Länder haben sich mit dem Verband Bildungsmedien sowie den Verwertungsgesellschaften VG WORT, VG Bild-Kunst und VG Musikedition darauf geeinigt, dass „künftig urheberrechtlich geschützte Inhalte aus Büchern und Unterrichtswerken auch digital vervielfältigt und den Schülerinnen und Schülern im Unterricht zugänglich“ gemacht werden dürfen.

Das ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung und kommt der täglichen Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern entgegen. Schulbuchseiten können nun endlich digitalisiert werden und dürfen „auch zur Unterrichtsvor- und -nachbereitung“ genutzt werden. Was dieses genau bedeutet, wird man sicher in nächster Zeit noch genauer erläutern. Es ist zu vermuten, dass damit die Erlaubnis gegeben ist, aus Materielien der Schulbuchverlage digitalisierte Inhalte z. B. in eigene Arbeitsblätter einzubinden. Mit der Möglichkeit, eingescannte Materialien „im Unterricht über PCs, Whiteboards und/oder Beamer“ wiederzugeben, wird man den noch sehr geringen Bestand an Titeln in des Digitalen Schulbuchs der deutschen Verlage in Version 1.0 ausgleichen wollen bzw. Schulen, die das Angebot nicht nutzen möchten, eine legale Möglichkeit eröffnen, Verlagsinhalte doch entsprechend zu nutzen. Ob es möglich ist, digitalisierte Materialien auch in Lernmanagementsysteme einzubinden, lässt sich aus den bisherigen Verlautbarungen nicht entnehmen. Lediglich eine Speicherung auf einem Schulserver wird für Lehrkräfte eingeräumt, solange die digitalisierten Materialien nur für sie selbst zugänglich sind.

Die mit diesem Vertrag den Schulen eingeräumten Möglichkeiten zur Nutzung digitalisierter Materialien analogen Ursprungs sind noch Lichtjahre entfernt von den Nutzungsmöglichkeiten Creative Commons lizenzierter Bildungsmaterialien. So können digitalisierte Materialien nicht unter den Lehrkräften weitergegeben werden, etwa über ein gemeinsames Verzeichnis auf einem Schulserver. Selbiges dürfte dann auch für eigene erstellte Materialien gelten, welche digitalisierte Materialien analogen Ursprungs enthalten (falls eine solche Nutzung überhaupt zulässig ist; siehe oben). Außerhalb der Schule geht sowieso gar nichts mehr, ganz wie bei den analogen Kopien von Verlagsmaterialien. Und ähnlich wie bei der bisherigen allein auf analoge Kopien beschränkten Vereinbarung gibt es eine enge Vorgabe zum Umfang der zulässigen digitalen Kopien.

Welche Auswirkung wird diese neue Vereinbarung dann auf das Thema OER in Deutschland haben? Für die kleine Zahl von Interessierten mit dem notwendigen Hintergrundwissen und Bewusstsein, wird die Lage klar sein. OER sind relevant wie bisher. Es hat sich nichts wirklich geändert, da eine freie Nachnutzung von digitalisierten Bildungsmaterialien mit analogem Verlagsursprung im Sinne von OER bzw. eine Nutzung im Geist der UNESCO Erklärung von Paris auf der Grundlage der neuen Vereinbarung nicht möglich ist.

Für weniger informierte Kreise, wozu ich nach bisherigen Erfahrungen des Nichtengagements in Sachen OER auch Kultusministerien zähle, wird mit der neuen Vereinbarung alles im grünen Bereich sein. Auch dort war längst klar, dass die Zeit weiter gegangen ist und Lehrkräfte im Unterricht selbst, sowie seiner Vor- und Nachbereitung nicht mehr auf Kopie, Schere und Klebestift zu beschränken sind. Die Debatte um den „Schultrojaner“ hat auch dem letzten Hinterwäldler gezeigt, dass ein generelles Verbot der Digitalisierung mit einhergehender Kriminalisierung von Lehrkräften wohl der falsche Weg ist. Mit der neuen Vereinbarung hat man hier nun die bisher geltende Beschränkung aufgehoben und „eine komfortable und rechtssichere Handlungssituation für einen zeitgemäßen Unterricht entwickelt.“ Ende gut, alles gut, wird die Devise in den Kultusministerien lauten. In den von mir als weniger informierten Kreise bezeichneten Gruppierungen wird man mit dem Anliegen einer Förderung von OER in Zukunft sicher einen schwereren Stand haben. „Was wollt ihr denn,“ wird man fragen, „der Schultrojaner war eh vom Tisch und nun könnt ihr doch endlich analoge Materialien der Verlage digitalisieren?“

In den gar nicht informierten Kreisen, wozu dann auch die Mehrheit der Lehrenden zu zählen ist, wird man auch nicht auf offenere Ohren stoßen nachdem diese Vereinbarung auch dort angekommen ist. Ankommen wird sie in den Schulen ganz sicherlich sehr schnell über offizielle Dienstwege, da den Landesregierungen daran gelegen ist, ihren Bediensteten im Schuldienst Rechtssicherheit zu geben. Wenn es jetzt tatsächlich möglich sein sollte,  in der Unterrichtsvor- und Nachbereitung eigene Materialien auf der Grundlage von analogen Verlagsmaterialien zu erstellen, wer braucht dann noch OER, werden in Zukunft vermutlich viele Fragen, wenn man versucht ihnen das Thema näher zu bringen. Die Weitergabe von selbst erstellten Materialien ob mit oder ohne verarbeitete Verlagsmaterialien hat sich innerhalb von Lehrerzimmern ohnehin nie an Gesetze und Vereinbarungen gehalten.

Fazit: Das Thema OER hatte auf der Grundlage bisher bestehender Vereinbarungen zwischen den Kultusministerien und den Bildungsverlagen einige zusätzliche Argumente, die für OER sprachen und auch von Lehrkräften zu verstehen waren, für die es primär um die Rechtmäßigkeit ihres Tun und Handelns im Zusammenhang mit ihrer beruflichen Tätigkeit ging. Für diese mögliche Zielgruppe wird die Notwendigkeit, sich mit dem Thema OER zu befassen mit der neuen Vereinbarung deutlich weniger relevant.

Im Sinne der Unesco Vereinbarung von Paris von 2012 bringt uns die neue Vereinbarung der Kultusministerien und der Bildungsverlage leider keinen einzigen Schritt weiter, denn die Ziele der Pariser Vereinbarung sind weitaus höher anzusiedeln. Es besteht damit in Deutschland weiterhin ein starker Bedarf, ein Bewusstsein zu schaffen für freie Bildungsmaterialien und ihre Chancen für eine uneingeschränkte Bildung für jedermann.

Dem Anliegen von OER schadet die neue Vereinbarung also nicht grundsätzlich, beraubt es jedoch eines Zugangsweges, um die entsprechenden Zielgruppen für das Thema sensibilisieren zu können.

Alle Zitate zur neuen Vereinbarung sindErgebnisse der Plenarsitzung der Kultusministerkonferenz am 6. Dezember 2012 in Bonnentnommen.

Weitere Lektüre:

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Das Ende des Schulbuchs – lang lebe das Schulbuch

Posted in Alltag, Medienwelt, OER by damianduchamps on November 18, 2012

Das Schulbuch hat sich über Jahrhunderte bewährt, um Wissen in die Hand von Schülern zu geben – und wird vermutlich noch über viele weitere Jahre diese Rolle innehaben. Doch es ist in die Jahre gekommen. Seit Ewigkeiten hat es sich nicht wirklich verändert. Die Zeit ist weiter gegangen, doch das Schulbuch von heute sieht noch immer aus wie das unserer Eltern und Großeltern und Urgroßeltern und so weiter. Einverstanden, es ist bunter geworden und größer und aufwändiger im Layout. Auch die Inhalte haben sich durchaus verändert, wie auch die Aufgabenformate. Sogar Differenzierungsangebote finden sich. Und auch das Internet hat Einzug gehalten ins Schulbuch in Form von Links oder Webcodes. Geblieben ist jedoch die starre Struktur. Noch immer müssen Schülerinnen und Schüler mit schnell veraltenden Büchern lernen und der Trend zum Veralten nimmt sogar zu, denn die Veränderungen in Gesellschaft, Wissenschaft und Technologie schreiten immer rasanter voran.

Heute gilt das Primat des schülerorientierten Unterrichts, der sich an den Bedürfnissen des Individuums orientieren soll, um ihm damit das optimale Lernergebnis zu ermöglichen. Aber noch immer bekommen alle Schülerinnen und Schüler ein und das selbe Buch vorgesetzt. Die im Buch angebotenen Differenzierungsmöglichkeiten sind in der Regel auf sehr wenige Leistungsniveaus angelegt, zumeist auf gerade einmal zwei.

Wie Schüler sind auch  Schulen eigentlich Individuen in ihren regionalen Settings. Genau wie man heute nicht mehr von homogenen Lerngruppen ausgehen kann (es eigentlich auch nie wirklich konnte), kann man auch nicht von einer homogenen Gruppe von Schulen ausgehen. Gymnasium A ist nicht gleich Gymnasium B. Die Schülerschaft rekrutiert sich beim einem Kleinstadtgymnasium sicherlich aus anderen Bevölkerungsgruppen als im Gymnasium einer Großstadt. Selbiges lässt sich für jede Schulform sagen. Schon die Zentralen Leistungsüberprüfungen am Ende der Klasse 10 belegen dieses (zumindest in NRW) an den unterschiedlichen Niveaus der Ergebnisse mehr als deutlich. Mit Wissen um diesen Sachverhalt, werden die Schulen bereits unterschiedlich eingestuft für die Auswertung.

Langer Rede kurzer Sinn – es kann eigentlich nicht angehen, dass in einem Bundesland alle Schulen über einen Kamm geschoren werden und alle mit identischen Schulbüchern arbeiten müssen. Zwar kann noch gewählt werden zwischen den Angeboten der verschiedenen Verlage, doch da enden die Wahlmöglichkeiten auch schon. Nur sehr wenige Lehrwerke werden es vermutlich schaffen, falls überhaupt, die Bedürfnisse sämtlicher Schulen eines Schultyps in einem Bundesland zu befriedigen. Viele Lehrerinnen und Lehrer klagen über Probleme mit den Büchern, zu schwer, zu leicht, zu wenig Übungen, die falschen Übungen, zu wenig Methoden, usw.. Wie viel oder wie wenig an einer Schule von einem einzelnen Schulbuch genutzt wird, ist von Schule zu Schule unterschiedlich. Ich habe von Lehrerinnen und Lehrern gehört, dass sie gerade einmal 20% des Schulbuches mit ihren Schülern nutzen. An einer Schule erlebte ich in einer Zehn, dass man dort ein sehr altes nicht mehr verlegtes Mathematikbuch verwendete. In noch einer anderen Klasse bekam ich mit, wie man ein im eigenen Bundesland nicht zugelassenes Lehrwerk eines anderen Bundeslandes nutzte, die Schüler zur „Tarnung“ aber das zugelassene anschaffen ließ.

Verlage bieten Zusatzmaterialien und hoffen, so die Mängel der Lehrwerke zum Geschäft zu machen. Arbeitshefte, Formelsammlungen, Übungsaufgabensammlungen, einzelne Arbeitsblätter , Geschichtensammlungen, Lektüren und vieles mehr werden angeboten. Manchmal entdecken Lehrkräfte andere Schulbücher aus anderen Schulformen oder anderen Bundesländern. Einführen dürfen sie diese an ihren Schulen jedoch nicht, selbst wenn sie genau dem entsprechen würden, was diese Schulen gerne hätten. Die Liste der zugelassenen Lehrmittel verhindert es (z.B. in NRW).

Warum hat sich das Schulbuch nicht mit der Zeit gewandelt? Warum sind Schulen durch Zulassungsverfahren und die daraus resultierende Liste der zugelassenen Lehrwerke in ihrer Auswahl eingeschränkt? Müssen Schulbücher immer wieder veraltet sein? Schulen sollen heute selbständig sein. Ihre Schulbücher können sie jedoch nicht frei wählen. Das ist ein Widerspruch in sich. In Finnland z.B. ist vorgegeben, was am Ende der Schullaufbahn herauskommen soll. Wie die Schulen dort hin kommen, mit welchen Lehrmitteln, das bleibt den Schulen selbst überlassen, denn sie sind tatsächlich selbständige Schulen.

Jede Schule kann selber entscheiden, welches Unterrichtsmaterial sie zur Erreichung des Lehrplans einsetzt, denn auch die Genehmigungspflicht für Schulbücher fiel durch die Reform der 90er Jahre weg.“ Quelle: Finnland – Hans Joss, Word Dokumente

Man vertraut auf die gute Ausbildung der finnischen Lehrerinnen und Lehrer, dass sie nicht nur die richtigen Methoden wählen werden, sondern auch die richtigen Materialien.

Lehrer wollen freier wählen und kombinieren können und das gilt nicht nur für die, welche schon digital arbeiten.

„Etwa 30 Prozent der Lehrer nutzen bereits digitale Medien für ihren Unterricht. Ein Teil der Lehrer, das wurde in der Diskussion deutlich, fühlt sich durch digitale Lehrbücher, die sich nicht bearbeiten lassen, von den Verlagen geradezu entmündigt. Gefordert seien stattdessen frei kombinierbare Lehrmodule (idealerweise verschiedener Verlage), die den Lehrer bei der Konzipierung einer Unterrichtsstunde unterstützen. Diese im Podium umstrittene Ansicht stützte Christian Fey (Uni Augsburg): In einer aktuellen Studie seines Fachbereichs habe sich gezeigt, dass Lehrer immer stärker Inhalte verschiedener Lehr- und Arbeitsbücher, Internetquellen und weiterer Medien frei kombinieren würden.“ Quelle, Börsenblatt, 15.11.2012

Bei uns trägt man diesem Wunsch nicht Rechnung. Es hat sich bisher nichts geändert. Die Zulassungslisten bleiben und ersticken damit jede Innovation. Verlage könnten ihre Schulbücher durchaus auch modular anbieten. So könnten in den Schulen die Fachschaften ihre Fachbücher entsprechend ihren Bedürfnissen und pädagogischen Vorstellungen zusammenstellen, nach Inhalt und Umfang, orientiert an Kernlehrplänen und schulinternen Lehrplänen. Man könnte eventuell eine Standardausgabe anbieten, welche Fachschaften dann verändern, indem sie umstellen, ergänzen, reduzieren etc.. Schulen könnten hierbei womöglich sogar eigene Materialien integrieren und im Idealfall die anderer Verlage. Die Plattform auf welcher dieses geschieht, wäre so intelligent angelegt, dass sie das Glossar oder die Vokabelliste oder ähnlich automatisch anpassen könnte. Anschließend würden die Bücher im Print-on-Demand Verfahren gedruckt. Jede Schule erhielte so ihr eigenes individuell zugeschnittenes Fachbuch. Das würde vermutlich nicht einmal wesentlich teurer sein, wenn das Verfahren in großem Umfang genutzt wird.

Was sich bereits im Print realisieren ließe, könnte im digitalen Format noch einmal deutlich gesteigert werden. Digitale Schulbücher ließen sich in Anlehnung an das zuvor skizzierte Modell noch einfacher realisieren, da das Drucken entfiele wie auch die Verteilung von Totholz. Sogar mit dem Digitalen Schulbuch der deutschen Verlage in Version 1.0 ließe sich dieses Modell umsetzen. Echte digitale Schulbücher, welche das volle digitale Potential nutzen könnten zusätzlich direkt digital mit Medien, Interaktivität (soll in Zukunft noch kommen, laut Verlagen) und sozialen Funktionen erweitert werden. Auch aktualisieren ließen sie sich leichter.

Enter OER. Freie Bildungsinhalte können auf zweierlei Weise zu einem modernen Schulbuch beitragen. Variante 1: Sie lassen sich in die modularen Schulbücher der Verlage integrieren. Variante 2: Es existieren freie modulare Schulbücher (open textbooks), die aus freien Bildungsinhalten bestehen und offen für jegliche weitere Inhalte sind.

Dieser Vision folgt – Schulbuch-o-mat:

Unsere Vision vom Schul-E-Book: Es ist modular aufgebaut, enthält verschiedene Aufgaben für verschiedene Lernniveaus, Tests, multimediale Grafiken und Filme. Quelle Schulbuch-o-Mat, Freie Schul-E-Books

Ergänzen könnte man diese Vision sicher noch um Funktionen sozialer Interaktivität.

Wie diese open textbooks nun zustande kommen, ist wieder eine andere Frage. Schulbuch-o-mat ist ein Versuch. Booksprints von entsprechend motivierten Personen aus dem Bildungsbereich könnte ein anderer sein. Auch die Wikibooks stehen am Start und suchen nur noch mehr willige Macher. Braucht es staatlichen Anschub wie in Polen? Kann es auch so gehen? Die Zeit wird zeigen, was geht. Fakt ist jedoch, ändern muss sich etwas. Das Schulbuch ist noch lange nicht tot, doch weiterleben kann es auf Dauer nur, wenn es sich wandelt. Nur so kann es den sich verändernden Anforderungen einer veränderten schulischen Bildung gerecht werden.

Anmerkung: Dieser Beitrag geht davon aus, dass Lernen auch in absehbarer Zukunft noch überwiegend lehrgangsbasiert stattfindet und Schulbücher in diesem Zusammenhang weiterhin Sinn machen.

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OER, wenn nicht Lehrer, wer dann?

Posted in OER by damianduchamps on November 11, 2012

Kaum jemand, der sich mit freien Bildungsinhalten (OER) beschäftigt, ist nicht von deren Nutzen überzeugt. Nachdem längere Zeit über das Thema debattiert wurde, online wie offline, herrscht nun weitestgehend Einigkeit, dass es Zeit ist Fakten zu schaffen, sprich freie Bildungsmaterialien zu erstellen. Soweit so gut.

Anders schaut es jedoch bei der Umsetzung aus. Woher sollen sie kommen, die freien Bildungsinhalte?

Lehrerinnen und Lehrer

Sollen es die Lehrer sein, die sie erstellen? Einiges spricht dafür, manches aber auch dagegen. Lehrer kommen aus der Praxis und sind es gewohnt eigene Arbeitsmaterialien zu erstellen. Oft gilt die Regel, je jünger desto mehr. Im Laufe der Jahre entstehen riesige Materialsammlungen in den Arbeitszimmern und Rechnern der Lehrer, nur sind die eben oft nicht frei lizenzierbar. Als Praktiker haben Lehrer in der meist einen guten Überblick über das Materialangebot der Verlage und deren Schwächen und Fehler. Manche Lehrer sind nebenbei sogar als Lehrbuchautoren tätig. Ein Problem für viele in schulischen Bildung Tätige ist jedoch die verfügbare Zeit. Wer mit vier oder fünf Korrekturen, Familie und Haus ausgelastet ist, hat kaum Freiraum für größere OER Projekte, wie etwa Booksprints. Selbst für kleinere Projekte fehlt oft die Zeit, verständlicherweise.

Universitäten

Gerade Universitäten wären gute Produzenten von freien Bildungsmaterialien. In den Seminaren der Lehramtsstudierenden werden Berge von Unterrichtsmaterialien erstellt und oft auch erprobt, zumeist für die Mülltonne. Hier wäre ein Potential vorhanden, wenn die Materialien aus praktischen Übungen und Hausarbeiten wie auch aus Praktika von vorne herein unter Berücksichtigung von freien Lizenzformen (Creative Commons) erstellt würden und anschließend auf Universitätsservern systematisiert und veröffentlicht würden, um dann anschließend über ein System wie EduTags an einer Stelle recherchierbar zu sein. Wir alle finanzieren die Ausbildung der Studenten. Warum sollte die Gesellschaft nicht auch eine Dividende in Form von freien Bildungsmaterialien erhalten?

Nicht nur im Bereich der Lehrämter entstehen an den Universitäten Materialien, die für Bildungszwecke interessant sind. Auch hier sollten diese Materialien frei lizenziert zur Verfügung gestellt werden.

Studienseminare

Gerade in der letzten Phase der Lehrerausbildung werden noch einmal Unmengen an Unterrichtsmaterialien erstellt, sei es für den Unterricht oder für die Unterrichtsbesuche. Auch hier wäre es kein Problem, diese Materialien direkt unter Berücksichtigung freier Lizenzierungen zu erstellen und anschließend über die Seminare oder eine Universität online zur Verfügung zu stellen. Gerade im Zusammenhang mit dem Referendariat sollten sehr hochwertige Materialien entstehen, die durch Mentoren und unterrichtliche Erprobung in ihrer Qualität abgesichert sein sollten.

Museen und Archive

Institutionen wie Museen und Archive sind oft von der öffentlichen Hand finanziert und publizieren mittlerweile eine Menge online. In einigen Fällen entstehen hier im Rahmen der Museumspädagogik sogar didaktisierte Materialien. Es gibt keinen Grund, warum diese Materialien nicht als freie Bildungsmaterialien der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden sollten.

Kultusministerien

In der Lehrerfortbildung entstehen durch Fachleute hochwertige Unterrichtsmaterialien. Auch Landesinstitute erarbeiten oftmals umfangreiche Materialien. Bisher wurden diese zumeist ohne Berücksichtigung freier Lizenzen erstellt. Auch hier könnten freie Lizenzen bei der Erstellung genutzt werden und die Ergebnisse an die Öffentlichkeit freigegeben werden. Heimatorte für die erstellten Materialien könnten die Landesbildungsserver sein. Grundsätzlich sollten alle auf den Landesbildungsservern bereitgestellten Bildungsmaterialien frei lizenziert sein.

Andere Ministerien

Das BMU geht mit gutem Beispiel voran und stellt umfangreiche Materialien (Umwelt im Unterricht) frei lizenziert für Bildungszwecke zur Verfügung. Dem Beispiel könnten andere folgen, die Materialien und Informationen publizieren, die bildungsrelevant sein könnten.

Firmen, Stiftungen und Vereine

An vielen Stellen entstehen Materialien, die für Bildungszwecke von Interesse sind. In der Regel stehen sie jedoch unter dem normalen Urheberrecht. Sie können dann zwar gelesen, nicht jedoch für Arbeitsmaterialien in der Bildung verwendet werden. Auch hier könnte sich etwas ändern. Gerade die Industrie hat ein großes Interesse, eine gut gebildete Bevölkerung zu haben, aus der sie ihre Arbeitskräfte rekrutieren kann. Über die Bereitstellung von Materialien unter freien Lizenzen könnte man hier einen Beitrag leisten.

Das Thema ist hier nur gob angerissen. Ich hoffe aber, ich konnte zeigen, dass die Last, freie Bildungsmaterialien zu erstellen, nicht nur auf den Schultern der Lehrerinnen und Lehrer ruhen muss. Wer aus dieser Gruppe möchte und kann, der sollte auch. Doch es gibt auch viele weitere andere Gruppierungen, die viel leichter dazu beitragen könnten, dass sie der für alle verfügbare Fundus an freien Bildungsmaterialien ständig erweitert und aktualisiert.

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OER systematisieren – Modelle

Posted in OER by damianduchamps on Juni 11, 2012

Freie Bildungsinhalte (OER) etablieren sich noch recht langsam aber doch stetig im deutschsprachigen Raum. Im englischen Sprachraum ist man da deutlich weiter, auch weil es eine bessere OER Infrastruktur gibt. Zur Steigerung der Akzeptanz von OER ist es sehr wesentlich, das Auffinden für interessierte Nutzer so einfach wie möglich zu machen. Wie Beispiele aus dem In- und Ausland zeigen, gibt es verschiedene Möglichkeiten vorzugehen. Unterscheiden lässt sich grob danach, ob Inhalte vorgehalten werden oder nur Links oder ob es lediglich eine Vereinbarung über entsprechende Meta-Tags gibt, um die Materialien zu markieren. Auch Mischformen sind möglich.

Modell I – zentrale Repositorien – verweisgestützt

Verbreitet und erfolgreich sind Repositorien, welche Inhalte in Form von systematisierten durchsuchbaren Katalogen für Nutzer bereithalten. Inhalte werden dabei entweder von Nutzern selbst eingetragen oder von Redaktionsteams. Qualitätskontrolle erfolgt meist durch ein Redaktionsteam, kann aber auch durch die Nutzer erfolgen. Entscheidend für den Erfolg dieser Form von Repositorien ist neben der Qualität der verlinkten Inhalte die Systematisierung nach Fächern, Schulformen, Jahrgangsstufen, Altersgruppen, Inhalten, Formaten, Medienarten und Lizenzformen. Wer sucht, will sich nicht durch lange Ergebnislisten quälen, sondern möglichst schnell ein brauchbares Ergebnis finden.

Für Anbieter von Inhalten hat das Modell einen großen Vorteil. Es ist für sie nicht notwendig, ihre Inhalte bereits auf der eigenen Seite, auf der sie abgelegt sind, mit besonderen Meta-Tags (bezüglich Fach, Schulform, …) zu versehen, abgesehen von der Creative Commons Lizenz. Das kann bequem im Repositorium erfolgen, gegebenenfalls sogar mit einem vorgefertigten System, aus welchem nur noch ausgewählt werden muss.

Modell II – zentrale Repositorien – speichergestützt

Repositorien, welche diesem Modell folgen, sind in der Regel sehr spezialisiert und beschränken sich überwiegend auf bestimmte Medienformen. Anders als Repositorien, die nur durch Links verweisen, speichern diese zentralen Repositorien Inhalte selbst ab und machen sie durch Such- und Filterfunktionen zugänglich für User. Vorteil ist hierbei, dass alle Inhalte verlässlich an einem Ort zusammengefasst vorliegen, zumeist in standardisierten Formaten. Für Urheber von Inhalten bietet sich die Möglichkeit, ihre Inhalte online zu bringen und der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, ohne selbst über Online Speicherplatz zu verfügen. Gerade bei datenintensiven Medien wie Filmen übernehmen diese zentralen Repositorien zudem die Serverlast und für Einzeluser sonst oft sehr hohe Bandbreitenkosten.

Modell III – dezentral – suchmaschinengestützt

Verlagert man alles komplett auf Suchmaschinen, wie derzeit bereits mit Google möglich, braucht es keine spezielle Webseite und keine Verantwortlichen. Der User ist komplett selbst verantwortlich, dass seine angebotenen freien Bildungsinhalte von den Suchmaschinen gefunden werden. Er muss sehen, dass er die Creative Commons Lizenzinformationen korrekt einbindet und die freien Bildungsinhalte auf seiner eigenen Website so einbindet, dass sie von der Suchmaschine möglichst gut erfasst werden. In Abhängigkeit davon werden die Inhalte von anderen Nutzern mehr oder weniger gut über die Suche gefunden. Eventuell können über größere Gruppen in der Bildungscommunity Absprachen getroffen werden bezüglich zusätzlicher Meta-Tags, mit welchen freie Bildungsinhalte extra gekennzeichnet werden, um das gezielte Suchen zu erleichtern. Derartige Quasi-Standards könnten Meta-Tags sein, die Infos zu Fächern, Schulformen, Jahrgangsstufen etc. enthalten.

Zur Zeit ragt vor allem Google damit heraus, dass über die erweiterte Suche eine vereinfachte Suche gefiltert nach Creative Commons Lizenzform  möglich ist. Andere Suchmaschinen wie auch Google selbst erlauben vergleichbare Suchen über die entsprechende Kombination von Suchbegriffen mit den Namen von Creative Commons Lizenzformen und Suchoperatoren.

Etablieren sich dezentrale Lösungen mit verabredeten Meta-Tag auf breiter Basis, könnte es zu Problemen durch Linkspam kommen, indem Spammer die Meta-Tags missbrauchen und damit die Suchergebnisse drastisch verschlechtern.

Modell IV – Mischformen

Freie Bildungsinhalte werden von verschiedenen Urhebern zur Verfügung gestellt und es ist alleine schon deswegen unmöglich und vermutlich auch unpraktisch, versuchen zu wollen, alles nach Modell II an einem Ort zu sammeln. Ideal werden von daher Modelle sein, welche eine möglichst große Bandbreite an Angeboten erfassen und systematisieren können.

ZUM

Qualitätskontrolle

Hier im deutschsprachigen Raum steht OER noch am Anfang der Entwicklung und man ist froh, überhaupt freie Bildungsinhalte in irgend einer Form auffindbar zu machen. Egal welches der oben beschriebenen Modelle gewählt wird, früher oder später wird die Qualitätsfrage Bedeutung erlangen. Die Qualität von freien Bildungsmaterialien kann eine große Bandbreite haben, je nach Urheber. Sie können inhaltliche Fehler enthalten, didaktisch schlecht aufbereitet sein, nicht ansprechend , nicht mehr aktuell oder ähnlich. Qualitätskontrolle und eine entsprechende Kennzeichnung der Materialien in den Suchergebnissen ist deshalb auf Dauer sehr sinnvoll, um Nutzern das Auffinden der geeignetsten freien Bildungsinhalte zu erleichtern. Die Qualitätskontrolle könnte durch Nutzer selbst erfolgen und beispielsweise durch Vergabe von Sternen und Bewertungstexte, ähnlich Amazons Rezensionsmodell.

Wettbewerb

Die Praxis zeigt, vor allem in den USA, dass sich keines der vorgestellten Modelle als alleiniges durchsetzt. Jedes hat seine Vor- und Nachteile. Zudem gibt es am Markt der OER meist mehrere Akteure. Das heißt, verschiedene Organisationen stellen über Webangebote freie Bildungsinhalte nach ihren Vorstellungen und Möglichkeiten für Nutzer zur Verfügung. Das ist auch im deutschen Sprachraum bereits der Fall, wenngleich in Teilen deutlich weniger systematisiert.

Neben verschiedenen Anbietern von OER dürfen auch kommerzielle Angebote nicht außer Acht gelassen werden. Diese bestehen bereits in großem Umfang am deutschsprachigen Bildungsmarkt. Frei nutzbar wie OER taugt nur, wenn es durch eine gute Systematisierung und Qualitätskontrolle für den Nutzer einen Wert erhält. Das Beispiel iTunes zeigt, dass Nutzer häufig bereit sind, mit gewissen Einschränkungen zu leben (z.B. DRM) und Geld auszugeben, wenn das kommerzielle Angebot besser ist als das freie. Bevor Nutzer sich durch eine Anzahl unpassender oder qualitativ nicht ihren Vorstellungen entsprechenden Materialien arbeiten, werden viele den einfacheren Weg wählen und auf kommerzielle Angebote zurückgreifen, wenn dort die Materialien, welche ihren Vorstellungen entsprechen, leichter  auffindbar sind. Dieser Konkurrenz müssen sich Angebote freier Bildungsinhalte stellen, wollen sie erfolgreich sein.

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Lokale und regionale Archive mit Creative Commons ins Netz

Posted in Creative Commons, OER by damianduchamps on Januar 28, 2012

Vermutlich jede Stadt und größere eigenständige Gemeinde unterhält irgendwo ein Archiv, in welchem Schätze aus der lokalen Vergangenheit lagern. Dies sind zumeist Urkunden, Verwaltungsakten, Firmenakten, Nachlässe, Zeitungsartikel, Karten, Postkarten, Bücher, Briefe, Plakate und was sonst als geschichtlich relevant aufbewahrt wird. Alle diese Dinge sind je nach Archiv mehr oder weniger öffentlich zugänglich und können eingesehen und genutzt werden. Vielerorts schlummern diese Schätze im Verborgenen, oft sprichwörtlich in einem abgelegenen Winkel oder im Kellergeschoss des Rathauses oder eines anderen Verwaltungsgebäudes. In manchen Orten gibt es Geschichtsvereine, die in regelmäßigen Abständen Inhalte aus den Archiven in Form von Heften für interessierte Mitbürger publizieren. Manche veröffentlichen jährlich Kalender mit historischen Fotos. Nur wenige Städte und Gemeinden stellen die Inhalte Ihrer Archive online für die interessierte Öffentlichkeit. Häufig beschränken sie sich auf einen geschichtlichen Überblick in einer Rubrik Ihres Internetauftritts, teils noch mit briefmarkengroßen Bildchen, wie man sie in Zeiten eines Internets auf der Basis von Telefonwahlverbindungen in Homepages einpflegte. Teilweise findet man Verzeichnisse der Archivbestände, die sich nach Schlagworten durchsuchen lassen, nicht jedoch die Bestände selbst.

Das finde ich, sind vertane Chancen. Gerade die regionale Geschichte zählt mit zu den spannendsten Teilen der Geschichte, die wir haben. Viele kennen diese Geschichte nur in Bruchstücken aus den Erzählungen älterer Mitglieder der Familie. Das Interessante an der regionalen Geschichte ist der eigene Bezug zu dieser. Die Gegenwart baut auf der Geschichte auf und was vergangen ist, ist nicht immer gleich völlig verschwunden,  sondern hinterlässt Spuren und diese lassen sich in der Gegenwart finden und begreifen.

Genau dieses macht Geschichte für Kinder und Jugendliche zu einem spannenden Thema und lässt sie die Welt mit anderen Augen erblicken. Geschichte ist mit einem Mal nicht länger abstrakt auf den Seiten eines Geschichtsbuchs in Form von Texten, Abbildungen und Grafiken verpackt, sondern erhält einen persönlichen Bezug. Geschichte in Form einer Dokumentation im Fernsehen wirkt auf Kinder und Jugendliche oft nicht anders als Unterhaltung, eine Geschichte in einer anderen Realität. Anders jedoch ist es, wenn sie mit dem Wissen um die Geschichte ihres Heimatortes über das Kopfsteinpflaster laufen und sich plötzlich vergegenwärtigen, dass viele Jahrzehnte zuvor Menschen so wie sie, jedoch in anderer Kleidung und mit einem anderen Leben, über genau das gleiche Pflaster liefen. Mit dem Wissen um die Vergangenheit betreten sie dann ein älteres Gebäude mit seinem längst aus der Mode gekommenen Baustil und leicht muffigen Geruch und fühlen sich vielleicht für einen Augenblick in eine entfernte Vergangenheit zurückversetzt, wenn sie sich erinnern, welche Funktionen dieses Gebäude zu jener Zeit hatte.

Hier hätte Geschichtsunterricht eine Gelegenheit, Geschichte wirklich mit Bedeutung zu versehen, spannend und interessant zu machen. Doch Archive führen ein verborgenes Dasein in der analogen Welt und die meisten schlafen ihren Dornröschenschlaf und bleiben für Schule und Bildung als Informationsquellen und Lernorte verschlossen. Wie Bibliotheken haben sie beschränkte Öffnungszeiten (falls sie überhaupt Öffnungszeiten haben) und liegen vor allem im ländlichen Raum außer Reichweite der Schüler. Das war schon zu meiner eigenen Schulzeit nicht anders. Nur wer gerade selbst vor Ort wohnte, die nachmittags schon einmal in die öffentliche Bibliothek. Doch wer außerhalb wohnte, setzte sich nicht in den Bus und fuhr extra in die Hauptgemeinde, um dort in die Bibliothek zu gehen. Das Internet kennt keine Öffnungszeiten und räumlichen Distanzen. Regionale und lokale Geschichte gehört für mich aus genau diesem Grund ins Internet. Es sollte Pflicht eines jeden Archivs sein, seine Inhalte über eine Internetpräsenz der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

Die Stadt Heilbronn zeigt mit ihrem Stadtarchiv, wie das gehen kann und geht sogar noch einen Schritt weiter und bereitet Teile seiner Inhalte speziell für Schule und Unterricht auf. Letzteres ist sicherlich nicht für jede Stadt oder Gemeinde mit einem Archiv zu leisten. Doch es sollte zumindest möglich sein, historische Dokumente von öffentlichem Interesse abzufotografieren und zu verschlagworten und zumindest zum Teil auch zu transkribieren. Dieses könnte je nach Lokalität in Zusammenarbeit mit Universitäten und auch Schulen geschehen. Bei Schulen denke ich vor allem an die Oberstufen der Gymnasien. Unterstützung könnte man sicherlich auch durch Geschichtsvereine erhalten. Mancherorts haben Geschichtsvereine eigene Internetauftritte repräsentieren damit lokale Geschichte. Auch darauf könnte man aufbauen. Manche Städte haben so genannte Stadt Wikis, in welchen sich Bereiche zur Lokalgeschichte finden die eine Grundlage bilden könnten für die Arbeit der Archive.

Was Archive veröffentlichen, sollten sie unter Creative Commons Lizenzen als freie Bildungsinhalte (OER)  für die Allgemeinheit bereitstellen. Beim Stadtarchiv Heilbronn hat man das getan, wenn auch leider mit einer ND Lizenz, die bedingt, dass man die Inhalte nicht bearbeiten darf.

Es sind sicherlich einige Hürden zu überwinden, wenn man Archive dazu bewegen möchte, ihre Inhalte im Internet zu publizieren. Viele Archive haben zumindest Teile ihrer Bestände digitalisiert. Für das Internet müssten diese Inhalte jedoch noch einmal aufbereitet werden. Dafür wird in vielen Archiven vermutlich das Know-how fehlen. Genauso wenig wird man dort etwas mit Creative Commons Lizenzen anzufangen wissen. Hier ist Aufklärungsarbeit zu leisten, indem man beispielsweise Workshops für Archivare anbietet, etwa von Seiten von Seiten der Universitäten, die in diesem Bereich deutlich mehr Erfahrung besitzen. Letzte Hürde ist sicherlich auch der Kostenfaktor. Will eine Stadt oder Gemeinde umfangreichere Mengen an Material aus dem Archiv im Internet präsentieren, braucht es entsprechender Strukturen im Internetauftritt. Entweder man hat Experten im Haus oder man muss diese engagieren. Eventuell kann man auf die Unterstützung freiwilliger interessierter zum Beispiel aus Geschichtsvereinen zählen.

Mein Aufruf – wenn Ihr Kontakt gehabt zu den Archiven bei euch vor Ort, fragt nach. Auch die politische Schiene kann gut funktionieren. Regionaler Bezug und Bildung zusammen sind immer ein Thema, welches sich gut verkaufen lässt.

Was genau ist #OER und was nicht?

Posted in Medienwelt by damianduchamps on Dezember 18, 2011

Wenn es um freie Bildungsmaterialien (OER) geht, stellt sich nicht nur die Frage des Formats. Viel wichtiger ist auch die grundsätzliche Frage:

Was will man genau unter freien Bildungsmaterialien verstehen?

Das hat dann letztlich Auswirkungen auf die Formatfrage wie die Form der Lizenzierung.

Die Antworten, welche man von verschiedenen Seiten erhält, bewegen sich auf einer Skala auf deren einen Seite die uneingeschränkte Nachnutzung steht und auf der anderen der Ausschluss der Nachnutzung.

Die Spannbreite der Vorstellungen davon, was OER ausmacht, spiegelt sich auch in den Definitionen verschiedener Institutionen wieder:

What is OER? – CC Wiki

Fragen über Fragen, entscheidende Fragen, Fragen, die zu klären sind, auch für die deutschsprachige Edu Community. Sie lauten beispielsweise:

Kann ein Arbeitsblatt im PDF Format OER sein, und wie verhält es sich, wenn es ein Arbeitsblatt CC BY-NC  oder CC BY-ND lizenziert ist?

Wo steht ihr?

Auch bei uns haben sich bereits Leute Gedanken gemacht zum Thema. Eine weitere Lektüre lohnt deshalb:

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