Damian Duchamps' Blog

Warum ich SchILD-NRW nicht mag

Posted in Alltag by damianduchamps on April 23, 2010

SchILD wirf vom Land NRW als kostenlose „ausgereifte Software für die Schulverwaltung“ angepriesen. Davon ist dieses Programm meiner Meinung nach weit entfernt.

Alte Zeiten

Früher waren es Karteikarten, Aktenordner und Postverkehr, heute ist es SchILD-NRW in Kopplung mit anderen Programmen und dem Internet. An meiner Schule gibt es noch heute Karteikarten für die Schüler, rote für die Mädchen und blaue für die Jungen. Sie laufen aber langsam aus. Unsere Fünfer haben schon Ausdrucke. Da muss nun kein Lehrer mehr Noten eintragen und Versetzungen. Zum Glück! Ein Problem weg – neues Problem da. Es heißt SchILD-NRW und ist die Universalwaffe des Landes NRW für alle Schulformen zur Erfassung von Schüler- und Leistungsdaten.
Damals gab es viele Lösungen. Jede Schule hatte da ihre eigene, und die hatten viele Lösungen. Viele waren von versierten Lehrern in Eigenarbeit erstellt worden und funktionierten mehr oder weniger gut. Wir hatten das Glück, einen Lehrer zu haben, der sich mit Access extrem gut auskannte und ein Programm strickte mit Schnittstellen zu einem eigenen Schulbuchprogramm und einem eigenen Praktikumsprogramm. Es lieferte die richtigen Daten für die Statistiken des Landes. Alles war gut. Der Experte saß im Haus und hatte für alles eine Lösung.

Dann kam SchILD-NRW

Wir stiegen dann auch um, mussten wir ja letztlich. Es war schmerzlos, denn unser Experte hatte entsprechende Exportmöglichkeiten geschaffen. Meistens läuft es mit SchILD-NRW soweit im grünen Bereich, leider aber nicht immer. Vor allem das Drucken macht immer wieder Schwierigkeiten. Da stimmen Formulare im Layout nicht. Inhalte und Linien verschieben sich aus undefinierbaren Gründen. Die Fehler zu beheben ist schwierig, selbst wenn man sich gut auskennt, kann es Stunden dauern, bis man dahinter kommt. Teilweise findet man im Forum Hilfe, teilweise.

Drucken

Das Drucken ist ein Fall für sich, vor allem weil es extrem zeitaufwändig ist. Der Druck mehrseitiger Listen kann viele Minuten dauern. Das hängt mit der Struktur des Programms zusammen, das sich die Daten aus einer Datenbank holt und dann die Seiten einzeln „zeichnen“ muss. Ist es notwenig Korrekturen an einem so genannten Report vorzunehmen, wartet man sich zum Ansehen der Änderungen in der Vorschau zu Tode, denn jede Seite muss bei mehrseitigen Reports erzeugt und „gezeichnet“ werden. Für meine Begriffe ist das eine Katastrophe. Hier wird die wertvolle Arbeitszeit der Nutzer mit Warten verschwendet. Wir haben mittlerweile für den Konrektor, der mit SchILD-NRW täglich arbeiten muss, einen Zweitrechner angeschafft, an dem er arbeiten kann, während der andere Rechner auf ein Ergebnis der Vorschau oder des Druckauftrages wartet.

Updates

Das Programm selbst hat aber auch seine Macken. Erstaunlich ist die Häufigkeit der Updates. Ein Update folgt auf das nächste, ein Update behebt die Fehler des vorherigen Updates. Natürlich reagieren Updates auch auf veränderte Anforderungen, neue gesetzliche Vorgaben und so weiter. Die Ursachen für die Probleme mit SchILD-NRW liegen tief. So wie das mal gehört habe, gründet es auf der Entwicklung von Lehrern. Es war ein Programm wie das, welches unser Experte entwickelt hatte und seines hätte auch das offizielle Programm werden können. Irgendwann erkor man also dieses Programm zum Standard für NRWs Schulen. Die „Erfinder“ entwickelten es zunächst wohl auch noch eine Zeit lang fort. Dann wurde es wohl an eine Firma übergeben. Ich vermute, ein Teil der Probleme dieses hoch komplexen Programms, beruhen auf der Erblast, die das SchILD-NRW mit sich herumträgt. Komplett neu erstellen will man es vermutlich aus Kostengründen nicht. Es werden nur Teile komplett erneuert, wie der neue Reportexplorer.

Zumutung

SchILD-NRW finde ich eine Zumutung für Schulen. Der Einarbeitungsaufwand ist zu hoch, es gibt zu viele Fehler und Probleme und die Bedienbarkeit lässt zu wünsche übrig. Anlass für diesen Eintrag im Blog war ein Vorfall heute, bei dem das Programm beim Starten mit einem Mal 160 Instanzen (siehe Bild) versuchte zu öffnen und damit den Rechner in die Knie zwang. Das hatten wir schon öfter nebst Inkompatibilitäten mit Druckern und ähnlichem. Ein Minolta W2400, Farblaser, führte zu unkontrollierbaren Fehlern und wir mussten einen neuen Drucker anschaffen. SchILD-NRW ist für mich ein Trauerspiel und ich denke viele Schulen können mir zustimmen. Ändern wird es leider nichts.

7 Antworten

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  1. Frank Pfotenhauer said, on November 18, 2012 at 7:37 pm

    Sehr geehrter Herr Duchamps,
    mein Name ist Frank Pfotenhauer, ich bin von der Bezirkregierung Düsseldorf mit der Weiterentwicklung von Schild-NRW beauftragt.
    Sicherlich können Sie sich vorstellen, dass ich einige Dinge, die in ihrem Artikel ansprechen, anders sehe.
    Interessant wäre für mich ein kurzer Austausch mit Ihnen, um die Dinge, die Sie in Ihrem Blog ansprechen besser beheben zu können.

    Wenn Sie mögen, schreiben Sie mir doch bitte eine Mail, dann wäre ich an einem kurzen Gespräch sehr interessiert.

    Viele Grüße
    Frank Pfotenhauer

  2. Frank Stewen said, on November 23, 2012 at 10:34 pm

    Spannend. Artikel von April 2010, Kommentare im November 2012. Ich nutze diesen Blog einfach mal, um Herrn Duchamps zuzustimmen. Ich bin seit vielen Jahren mit Schild -NRW unterwegs und komme auch irgendwie damit zurecht. Das allerdings nur, weil ich hunderte Stunden damit verbracht habe. Oft verzweifelt. Oft mit Improvisation, fast immer ohne Hilfe. Die zuständige Fachberatung konnte meistens nicht helfen, meine Leidensgenossen in der Schule und darüber hinaus ebenfalls nicht. Und immer wieder das gleiche Schema: Irgendwie läuft alles, dann kommen updates, dann der Kollaps. Gerne funktionieren die Module erst nach etlichen Nachbesserungen und kreativ wird es, wenn man die (Moment, eben nachsehen —70454 Beiträge in 13081 Themen—) imSchild-NRW Forum durchstöbert. Sicher kein Zeichen von großer Qualität, selbst wenn man die Hälfte der Einträge als doppelt oder unnötig streicht.
    Im Forum habe ich mich auch schon kritisch geäußert, fanden die Moderatoren nicht gut. Der Wille zur Hilfe war da, einige haben auch echt viel Zeit investiert, um meine Probleme zu lösen. Leider gibt es wohl nicht genug Schild-NRW – Fans, die sich mal auf die echten praxisgerechten Bedarfe stürzen und auch mal sagen, dass das Programm komplett restauriert oder im Zweifel neu geschrieben werden muss.
    Ich möchte hier darauf hinweisen, dass ich in den intensiven Arbeits-Phasen mit Schild-NRW durchaus auch positive Aspekte in der Software erkenne, dann aber von Arbeitskollegen oder Familienangehörigen auf meinen irren Blick in den Monitor angesprochen werde…

    In meinem Umfeld gibt es etliche kleine Schulen, die keinen Experten im Haus haben oder zu wenig Ressourcen für die Administration. So werden immernoch Zeugnisse mit Word angefertigt und Schülerlisten mit Excel erstellt. Selbst große Systeme geraten immer wieder an ihre Grenzen, wie man ausführlich im Forum nachlesen kann.

    Wir brauchen eine Software, die Schulalltagstauglich ist:

    1. Zeitgemäße, digitale Assistenten, die durch das System führen, ähnlich einer Steuersoftware.
    2. Weniger Schalter an der Oberfläche, anliegengesteuerte Menüführung.
    3. Softwareupdates, die auch Nichtinformatiker ausführen können, so wie man es von gängiger Software kennt. –> Updateprüfung, Hinweis, Wollen Sie updaten?, Ja/ Nein, fertig…..
    4. Programminterne Lösungsvorschläge und Logikprüfungen, die interpretierbar sind und nicht stundenlange Recherchen und Fachberatergespräche erfordern.
    5. Einfache Module für jede Lehrerin/ jeden Lehrer, die sich nur eine Liste ausdrucken wollen, wenn die Halbtagssekretärin oder die Schulleitung nicht im Haus ist (Digitaler Assistent!, wenige Buttons…)
    6. Einbeziehung von durchschnittlich begabten Kollegen, die an Schild arbeiten sollen. Es sind zu viele Spezialisten am Werk, die den Blick auf den normalen User nicht oder nicht mehr haben.
    7. Weiterarbeit an der bereits stark verbesserten Formularverwaltung, es geht noch besser!

    Das sind nur die Dinge, die mir spontan durch den Kopf gehen. Ich wollte eigentlich nach einer Schild-NRW alternative im Netz suchen und habe mich versurft.

    In diesem Sinne: Ich hoffe, dass irgendwann unser Land erkennt, dass unglaublich viele Stunden und damit Ressourcen verpulvert werden und uns daran hindern, uns um unseren eigentlichen Auftrag zu kümmern. Es wäre toll, wenn die Verantwortlichen mal den Mut hätten, genau das zu tun, was hier gerade passiert, nämlich nicht irgendwo im Netz nach Verbesserungen zu suchen, sondern uns mal zu fragen, was eigentlich Sache ist. Ich evaluiere, bis der Arzt kommt, aber bei so einer zentralen Angelegenheit versagt der Apparat.

    Lieber Herr Pfotenhauer, falls Sie das lesen…. ich kenne Sie nur virtuell und hoffe, dass Sie mir meine Worte nicht allzu übel nehmen. Ich drücke Ihnen beide Daumen für die Weiterentwicklung von Schild, vielleicht haben Sie ja Gelegenheit, das Produkt zu verbessern, hoffentlich zu einem fairen Preis.

    Lieber Herr Duchamps: Danke für den Beitrag!

    Gute Grüße

    Frank Stewen, Städtische Hauptschule Kamen.

  3. Thorsten Mendig said, on November 24, 2012 at 1:54 pm

    Ich sehe Schild auch sehr kritisch und bin sehr froh über die angestoßene Diskussion hier.
    Was mich häufig sehr fassungslos macht, ist die überhaupt nicht vorhandene Stringenz und Konsequenz in den unterschiedlichen Bereichen. Beispielsweise werden in einigen Bereichen die Eingaben schnell und automatisch gespeichert. An anderer Stelle ist eine zusätzliche Bestätigung notwendig. Klingt wie eine Lappalie, erschwert die tägliche Arbeit, wenn eine Eingabe nicht gespeichert wurde und sie nochmal vorgenommen werden muss.
    Für mich gibt es in einer guten Software immer viele Möglichkeiten, um eine Aufgaben zu erledigen. Sind Aktionen in Untermenüs notwendig, gibt es direkte Verbindungen zwischen den Menüs. Dies gibt es bei Schild häufig nicht. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass es Einstellungsmöglichkeiten in anderen Menüs gibt, die mit der gewünschten Aktion zusammenhängen. Außerdem gibt es Einstellmöglichkeiten an teilweise abstrusen und überraschenden Stellen. Möchte ich beispielsweise als Vorbereitung auf die Statistik unseren Stundenplan in SchiLD abbilden, muss ich Doppelbesetzungen eingeben. Diese Möglichkeit muss ich aber erst freischalten, und zwar nicht in dem Bereich der Unterrichtsverteilung, sondern in den absoluten Grundeinstellungen für die Schule. Dort gibt es ein Feld zum Theme Teamteaching. Hier gibt es aber weder eine Verbindung noch einen Verweis. Man muss es suchen oder wissen.
    Insgesamt macht die Software auf mich den Eindruck, als ob die einzelnen Module hinzugefügt wurden ohne sie sinnvoll miteinander zu verbinden. Die so gewachsene Software ist ungemein komplex und irgendwie schwerfällig.

    • Frank Stewen said, on November 24, 2012 at 4:26 pm

      Solange die hier benannte Kritik so konsequent ignoriert wird und das Land NRW mit seinen gut 6000 Schulen nicht einen Schnitt macht und eine professionelle Lösung anstrebt, wie es andere Bundesländer längst getan haben, wird das nichts. Es gibt leider auch genug Leute, die semiprofessionell diese Lücke stopfen, obwohl das unterm Strich natürlich wesentlich teurer ist, wenn man bedenkt, wieviel tausend Lehrerstunden da vergeudet werden.

      Nochmal: Es kann nicht gelingen, dieses Flickwerk von Software in Form zu bringen, solange fast ausschließlich auf Fehler reagiert wird und diese in Foren zusammengefasst werden, in denen man stundenlang nach Lösungen sucht. Solange man sich die benötigten Informationen mühselig zusammensuchen muss, diverse Leute sich an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten mit den Problemen befassen, kann kein gutes Produkt dabei herauskommen.

      Meiner Meinung nach ist Schild NRW nicht zu retten, da zu viel daneben gegangen ist. Es wäre klug, sich mit Anwendern und Entwicklern zusammen zu setzen, die Erfahrungen der Schild-Jahre zu nutzen und ein Profiprodukt zu entwickeln, dass Schulen entlastet und wichtige Ressourcen freisetzt.

      • damianduchamps said, on November 24, 2012 at 5:54 pm

        Warum das Land die Probleme der Schulen mit Schild NRW über die Foren hinaus schlichtweg ignoriert, ist mir unverständlich. Es könnte natürlich mit den gesamten schulministerialen Strukturen zusammenhängen. Vieles funktioniert nicht im Bildungsland NRW, wie auch das Beispiel Lehrerfortbildung zeigt. Oft hat man den Eindruck, dass die Entscheidungsträger weiter oben die wahren Sachverhalte nicht kennen und sich von den schöngefärbten Darstellungen der untergeordneten Strukturen blenden lassen. Mangelnde Professionalität führt auch anderen Stellen zu ähnlich abstrusen Situationen wie bei Schild NRW.

        Unverständlich ist mir übrigens auch, dass das Land Schwierigkeiten hat, den Fortbildungsbedarf für Schild NRW zu decken. Fortbildungen für Schulsekretärinnen und Schulleitungen im Umgang mit Schild sind so oft nur gegen Bezahlung über externe Anbieter möglich. Und der Schulungsbedarf ist groß, da das Programm nicht nur umfangreich ist, sondern auch nicht überall einer sich einfach erschließenden Logik gehorcht.

        „Bei uns landen immer wieder Nachfragen nach zentralen Fortbildungen für die Benutzung und Programmierung des Formulardesigners. Das können wir leider nur sehr eingeschränkt anbieten.“

        heißt es auf http://www.svws.nrw.de/index.php?id=fortbildung. Eigene Formulare erstellen, gehört nun mal zum Schulalltag.

        Optimistisch bin ich nicht, dass sich auf Dauer etwas ändert.

  4. Alfred Igel said, on August 29, 2013 at 2:43 pm

    @damianduchamps:

    Mir würde es schon reichen, die Reports benutzen zu können. Das scheitert aber an schon daran, das es noch nicht Mal ein Handbuch dafür gibt. Das offiziell online vorgehaltene Handbuch ist 10 Jahre alt und bezieht sich auf eine Version der Report-Verwaltung, die mittlerweile sogar innerhalb des Programms als „alt“ bezeichnet wird.

    Ich habe einen Haufen Zeit damit verschwendet, festzustellen, was alles nicht so funktioniert, wie im Handbuch beschrieben. Wie es denn geht, weiß dann immer noch nicht.

    Das geht mir erheblich auf den Keks.

    Was mich am meisten an der Sache nervt ist, dass die Zeit, die wir mit so etwas verschwenden, tatsächlich fehlt, um uns um die Schüler zu kümmern.

    AI

  5. D. klein said, on Juni 26, 2014 at 1:57 pm

    Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    ich finde es auch eine Zumutung eine Software on the fly zu entwickeln, statt ein ordentliches Konzept von Profis erstellen zu lassen, und dann nur noch kleine Fehler zu beheben. Die Stunden, die die „Schildbürger“ an jeder Schule einzeln investieren und damit (indirekt) das Geld, dass die Beamten dann doch kosten (und sei es nur durch Ausfallzeiten etc.) wäre fiel besser in eine ordentilche Software geflossen. Es gab auch eine Kontaktaufnahme eines großen Softwareentwicklers, der jedoch auf Desinteresse seitens des Ministriums stieß. Uns fehlt hier eine Lobby oder ein Druckmittel!
    Daher möchte ich Aufrufen per Eigeninitiative ein OpenSource Projekt zu entwickeln. Ich hab dann schon mal angefangen und bin hoffentlich in diesem Sommer so weit das erste Release zum download anzubieten. siehe webschild.familie-klein.net

    D. Klein


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