Damian Duchamps' Blog

Lehrerfortbildung ohne ICT geht gar nicht

Posted in Alltag, Kompetenzen, Schulentwicklung by damianduchamps on August 15, 2016

In einem Video mit Will Richardson – TTT#342 Why School? with Will Richardson – in dem es auch um seine Schrift „Why School?“ geht, äußert er einen Gedanken, den ich sehr wichtig finde, wenn man sich mit dem Einsatz digitaler Endgeräte wie Tablets im Unterricht auseinandersetzt. Lehrer, so fordert er, müssten sich erst einmal für ein oder zwei Jahre selbst als Lernende vertraut machen mit den Geräten und Möglichkeiten, bevor sie diese im Unterricht einsetzen und Schülern in die Hand geben. Lehrer müssten selbst damit vertraut sein, sicher damit umgehen können und sie kompetent als Werkzeuge in ihrem eignen Lernen einsetzen können. Wenn der Lehrer selbst Lernender ist mit digitalen Werkzeugen, so Richardson, kann er besser beurteilen, wie man diese in einem Lernkontext mit Schülern einsetzt. Sonst würden es letztlich nur digitale Arbeitsblätter sein oder dass die Hausaufgaben auf einer Webseite hinterlegt werden. Richardson ist der Meinung, dass Schulen viel zu wenig darin investieren, ihre Lehrer mit den Geräten vertraut zu machen.

Viele Lehrer sind digitale Dünnbrettbohrer

Leider verhält es sich so, dass viele Lehrer wenig kompetent im Umgang mit digitalen Endgeräten sind, und das meint nicht nur die älteren Lehrkräfte. Auch bei jüngeren beobachtet man immer wieder, dass die Kenntnisse sehr oberflächlich sind. Im schulischen Kontext reicht es in der Regel für das Erstellen von sehr einfachen Arbeitsblättern und das Führen von Notenlisten. E-Mail nutzt man für Dienst-Mails notgedrungen. Man kann im Computerraum oder am interaktiven Whiteboard auch noch Videos von YouTube zeigen und eine Recherche durchführen. Vielleicht kann man Schülern auch noch Grundlagen einer Powerpoint Präsentation vermitteln. Damit endet es bei vielen dann auch schon. Die Lehrer, mit denen ich zu tun habe, nutzen Computer und das Internet nicht, um selbst damit zu lernen.

Wer nicht selbst kompetent ist, wird ICT auch eher nicht im Unterricht nutzen

Wer sich selbst nicht sicher fühlt, wird im Unterricht lieber beim Bewährten bleiben. Warum soll man sich auf etwas einlassen, was zu Misserfolgen und Frustration führt? Warum soll man etwas nutzen, von dessen Nutzen man nicht überzeugt ist, weil man selbst keine positiven Erfahrungen damit gemacht hat? Wie soll man, selbst wenn man willig ist, digitale Werkzeuge im Unterricht gewinnbringend einsetzen, wenn man nicht weiß wie? Ich denke, es liegt bei Lehrkräften in der Regel nicht am mangelnden Willen, doch man kann es nicht und weiß nicht, was möglich ist. Natürlich kann man gemeinsam mit den Schülern lernen, wie Ulf Blanke (@ulfblanke) richtig sagt. Doch wer schon über ausreichend Erfahrungen verfügt, wer den Schülern zumindest in einigen Bereichen einige Schritte voraus ist, der wird erfolgreicher sein. Für jemanden der selbst über eine gute Kompetenz verfügt, sagt es sich „Schüler und Lehrer können auch gemeinsam lernen“ sehr leicht. Man darf dabei nicht vergessen, dass auch Schüler das Lernen mit dem Internet nicht erfunden haben. Sicher können sie YouTube nutzen, um Anleitung zum Lösen von Problemen zu finden. Das ist aber nicht alles. Es passt darüber hinaus nicht zum Selbstverständnis vieler Lehrkräfte, sich ohne ausreichenden Hintergrund in neue Fahrwasser zu begeben. Es könnte zu vieles schief gehen, so die Sorge.

Lehrerfortbildungen sind so 1.0

Als ich das Video mit Will Richardson sah und seine Forderung nach dem Vertrautmachen von Lehrkräften mit Tablets bevor sie es Schülern in die Hände geben, hörte, dachte ich sofort an die Lehrerfortbildungen im Land und die diversen offiziellen Kongresse, so wie ich sie zumindest aus NRW kenne. Die digitalen Möglichkeiten werden dort so gut wie gar nicht genutzt. Dass auf einem Kongress für die Schulträger, Medienzentren und Medienberater etwa eine Twitterwall als Backchannel genutzt wird oder eine Möglichkeit der gemeinsamen Dokumentation über ein Etherpad, darauf wartet man vergebens. Lediglich der Vortragende nutzt Notebook und Projektor, vielleicht noch mit Internetanschluss.

Nicht viel anders verhält es sich bei vielen offiziellen Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer durch die Moderatoren der Kompetenzteams. Die Moderatoren nutzen vielleicht digitale Präsentationstechniken und einige sehr wenige Teilnehmer machen vielleicht Notizen auf Notebook oder Tablet. Darauf beschränkt sich dann der Einsatz digitaler Werkzeuge. In Arbeitsphasen werden bekannte Moderationstechniken genutzt, wie sie bei den Moderatorenschulungen vermittelt werden, Platzdeckchen, Plakat erstellen, Museumsrundgang, Karten beschriften und an eine Pinnwand heften. Und um die tollen Ergebnisse zu sichern, macht hinterher vielleicht noch jemand ein paar Fotos. Wenn ich das als Teilnehmer erlebe, denke ich, ich bin im Schul-Museum.

Keine Lehrerfortbildungen mehr ohne digitale Werkzeuge

Sicher gibt es auch Ausnahmen von den geschilderten analogen Zuständen in der Lehrerfortbildung, etwa in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern. Allerdings geht es dort vor allem um den Einsatz digitaler Möglichkeiten im Unterricht. Lehrer probieren aus, was sie mit ihren Schülern machen können. Das ist schon ein Stück besser als gar nichts. Wenn Lehrer kompetent werden sollen in der Nutzung digitaler Werkzeuge zum gestalten eigener Lernprozesse, und das müssen sie, dann müssen sie eine Möglichkeit bekommen, zumindest eine Grundkompetenz zu erhalten. Von da aus müssen sie sich selbst auf den Weg machen, sich mit Kollegen vernetzen und gemeinsam mit den Schülern lernen.

Bei der Sache gibt es natürlich einen Haken. Auch die Moderatoren sind mehrheitlich nicht kompetent in der Nutzung von digitalen Werkzeugen für das eigene Lernen. Das schlägt sich nicht nur im Fehlen dieser Thematik in den Inhalten der fachlichen Fortbildungen nieder, sondern eben auch in der Gestaltung der Fortbildungen selbst.

Folglich müsste man zunächst die Moderatoren selbst kompetent machen. Da die meisten von ihnen selbst Lehrerinnen und Lehrer an Schulen sind, sollten sie die beste Unterstützung bekommen, dass sie an ihren Schulen auch digitale Werkzeuge im Unterricht nutzen können. Nur dann werden sie als Lernende und Lehrende die notwendigen Kompetenzen erlangen. Im nächsten Schritt könnten sie dann ihre Fortbildungsmodule überarbeiten und ihr Portfolio an Moderationstechniken auf digital umstellen.

Im letzten Schritt bilden sie dann unter Einsatz von digitalen Möglichkeiten Lehrende weiter und helfen ihnen so nicht nur fachlich auf den Weg, sondern auch dabei, selbst zu Lernenden zu werden, die in der Lage sind die digitalen Möglichkeiten für sich zu nutzen, womit sie in die Lage versetzt werden, diese Möglichkeiten auch in ihrem eigenen Unterricht einzusetzen und dabei ihren Schülern lernendes Vorbild sind.

Selbiges gilt im Prinzip auch für die Lehrerausbildung an Universitäten und Seminaren. Es wird leider nicht reichen, wenn man Informatik zum Gegenstand jeglicher Lehrerausbildung macht, denn die kann man sich auch noch aus Bücher aneignen.

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Zuverlässiger Internetzugang ist absolute Bedingung für den Unterricht im digitalen Zeitalter

Posted in Medienwelt, Schulentwicklung by damianduchamps on August 2, 2016

Aus eigener oft leidvoller Erfahrung weiß ich, wie wichtig ein zuverlässiger und stabiler Internetzugang für den Unterricht mit digitalen Tools ist. Sicher kann man auch auf einem einzelnen Gerät arbeiten ohne Internetzugriff oder im lokalen Netz der Schule, doch ohne einen aktiven Zugang zum Internet ist vieles nicht möglich. Viele Anwendungen setzen auf Vernetzung, vermutlich sogar die Mehrheit. Ohne den Server im Internet sind sie in ihrer Funktionalität meist extrem eingeschränkt oder sogar überhaupt nicht zu nutzen. Padlet oder Kahoot wären Beispiele für letzteren Fall. Das gleiche gilt für viele LMS, außer sie liegen auf dem Schulserver im Schulgebäude.

Wer seine Unterrichtsstunden mit dem Einsatz von Tablets, Laptops, Smartphones und interaktivem Whiteboard plant, setzt ein funktionierendes Internet voraus. Mit der Verfügbarkeit des Internetzugangs steht und fällt jedoch die geplante Stunde. Die Verbindung ins Internet muss deswegen verlässlich verfügbar sein, so wie das Wasser, welches aus der Leitung kommt oder der Strom aus der Leitung.

Erlebt man als Lehrer mehrfach, wie eine geplante Stunde am fehlenden Internetzugang scheitert, wird man in Zukunft lieber komplett verzichten. Natürlich kann man improvisieren, doch immer wieder macht man das nicht. Fehler suchen können auch nur die technisch versierten Lehrenden, aber auch das geht nur begrenzt, da es oft viel Zeit braucht, während der die Schüler etwas zu tun haben müssen. Von daher muss jede Schule über einen absolut verlässlichen Internetzugang verfügen. Technisch ist das einfach zu lösen, durch mehrere Zugänge. Im Idealfall hat jede Schule mindestens zwei Internetzugänge. Diese sollten am besten unterschiedliche Techniken und Anbieter nutzen. Viele Schulen haben einen Telekom@School Anschluss (DSL). Diesen kombiniert man idealerweise mit einem Kabelanschluss. Ist dieser nicht verfügbar, kann es auch ein anderer sein, je nachdem, was verfügbar ist, Richtfunk, mobiles Internet (LTE/4G), Freifunk, Meshnetzwerk, Satellit, …  . Es sollten nach Möglichkeit nur nicht zwei Anschlüsse sein, welche die gleiche „Leitung“ nutzen, wie oft bei DSL der Fall. Ein weiterer Vorteil der Bündelung von einem oder mehreren Anschlüssen ist neben der Ausfallsicherheit die stärkere Gesamtleistung des Internetzugangs.

Sicher werden manche Schulträger die Sinnhaftigkeit eines Doppel- oder Mehrfachanschlusses bezweifeln. Die Argumente haben Schulen aber auf ihrer Seite. So wie auch für viele Firmen eine hohe Ausfallsicherheit unverzichtbar ist, so trifft dieses auch für Schulen zu, wenn sie ihren Unterricht mit digitalen Tools gestalten. An den Kosten kann es eigentlich nicht scheitern. Im Budget für eine Schule im Sekundarbereich macht ein Internetzugang den geringsten Anteil aus. Bei kleinen Grundschulen mag das anders allerdings aussehen.

Auch die Technik ist verfügbar. Die Bündelung (engl. bonding) mehrerer Anschlüsse kann direkt im Server erfolgen über mehrere Karten und entsprechende Software oder wesentlich einfacher durch ein Zusatzgerät. Mushroom bietet beispielsweise ein solches an, welches mit zusätzlichen Online Dienstleistungen betrieben werden kann (und ohne). Für Schulen sollte die Hardware ohne zusätzliche Online-Services reichen. Das Gerät kann bis zu 8 Leitungen verschiedener Anbieter und Übertragungswege bündeln.

Fazit: Bei der Ausstattungsplanung für einen Unterricht mit digitalen Tools, die ohne eine Nutzung des Internets auf Dauer kaum Sinn macht, sollte auf jeden Fall eine zuverlässige Anbindung der Schule ans Internet berücksichtigt werden. Selbst für Schulen in Regionen mit schlechter Internetanbindung kann die Bündelung verschiedener Anbieter Sinn machen, auch um die Breite der Anbindung zu erhöhen.

Selbstverständlich ist für einen gelingenden Unterricht mit Informations- und Kommunikationstechnologien von technischer Seite die Zuverlässigkeit im schulischen WLAN und den anderen technischen Komponenten ebenfalls eine absolut unabdingbare Voraussetzung, die bei der Planung zu berücksichtigen ist.


Mehr Informationen zum Thema findet man auch unter Stichworten wie „multi wan“, „multiple wan“, „dual wan“ und „link aggregation“. Man unterscheidet verschiedene Techniken, wie mit Anfragen von Clients ins Internet umgegangen wird. Wird load balancing genutzt oder nicht? Für Linux Server gibt es Software Bundle, die sich auf mulitiple wan verstehen. Auf all diese Technologien soll hier jedoch nicht eingegangen werden. Siehe auch Kanalbündelung bei Wikipedia (und etwas ausführlicher Channel Bonding in der englischsprachigen Wikipedia).