Damian Duchamps' Blog

Präsentieren – oft mehr Schein als Sein

Posted in Tools by damianduchamps on April 29, 2010

Durch @MatthiasHeil wurde ich auf dieses Fundstück aufmerksam: When PowerPoint Does More Harm Than Good [Presentations] http://j.mp/bFr81a. Da geht es um PowerPoint Präsentationen und das Militär. „It’s dangerous because it can create the illusion of understanding“, sagt da ein General und genau das, finde ich trifft im schulischen Kontext leider oft zu.

Für meine Begriffe wird Präsentieren als Kompetenz viel zu hoch gehängt. Früher gestalteten Schüler Plakate im Unterricht, um Inhalte zu visualisieren oder die Ergebnisse einer Gruppenarbeit festzuhalten und für eine Zeit aufzubewahren oder vielleicht für eine größere Zielgruppe auszustellen. Lehrer dachten dabei vor allem an Ergebnissicherung. Plakate brauchen Material und Platz und beides ist nicht immer leicht verfügbar. Der Aufwand ist nach heutigem Maßstab unverhältnismäßig hoch gemessen an der Kurzlebigkeit des Endproduktes.

In den Kernlehrplänen (NRW) heißt es zum Präsentieren z.B.:

Sie können Ergebnisse der eigenen Arbeit präsentieren, u. a.

  • Notizen mit einfachen Informationen anfertigen, um einen eigenen Beitrag vorzubereiten,
  • eine vorbereitete einfach strukturierte Präsentation zu einem vertrauten Thema klar vortragen. (a)

oder:

Medien zur Präsentation und ästhetischen Produktion nutzen (b)

oder:

Präsentationstechniken anwenden: Medien zielgerichtet und sachbezogen einsetzen, z. B. Tafel, Folie, Plakat, PC-Präsentationsprogramm (c)

oder auch:

Arbeitsergebnisse zusammenhängend mit mediengerechter Unterstützung präsentieren (d)

Präsentieren meint natürlich nicht nur digitale Präsentation. Es geht um das Darstellen und Vorstellen vor einer Gruppe von Mitschülern, um freies Sprechen mit und ohne Notizen. Dieses zu vermitteln ist auf jeden Fall notwendig, auch zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit.

Mit Powerpoint bekam das Präsentieren eine neue Dimension. Hatte man vorher nur Overhead Folien, die man mühsam mit Folienschreibern gestalten musste, oder  Plakate, die zu beschriften, bemalen und bekleben waren, eröffneten sich mit PowerPoint und ähnlichen Programmen ungeahnte Möglichkeiten. Material zur Illustration ist mit dem Internet kein Problem mehr und Vorlagen und Assistenten lassen auch wenig versierte Anwender schnell optisch eindrucksvolle Präsentationen erstellen. Das Ergebnis sieht nicht nur bunt und eindrucksvoll aus, sondern bedeutet auch noch Nutzung der neuen Medien. Man ist modern. Soweit so gut.

Mit den computergestützen Präsentation und der Leichtigkeit, mit der diese erstellt werden können, setzte jedoch mancherorts eine wahre Inflation der PowerPoint Präsentationen ein. Aus den USA liest man vermehrt Kritik dahingehend. Präsentationen verkommen zu voluminösen Darstellungen banaler Inhalte, die fehlende Tiefgründigkeit mit opulenten Effekten und Bilderfluten kaschieren. Gefördert wurde dieses in den USA durch eine vermehrte Forcierung auf computergestütztes Präsentieren und Lehrer die sich in ihrer Notengebung mehr am Schein als Sein orientierten.

Für Lehrer bieten Präsentationen mit PowerPoint und ähnlicher Software erstellt, auf den ersten Blick tatsächlich Vorteile. Man hat etwas Handfestes in der Hand, um Noten zu vergeben. Lehrer fallen aber leicht, so meine Beobachtung, in die Falle, in welche auch amerikanische Lehrer liefen, und bewerten Optik und Effekt-Gimmicks stärker als Inhalte. Ist es Unwissen oder Bequemlichkeit? Ich weiß es nicht.

Wie gut, dass  unsere Lehrer dann doch noch nicht so medienvertraut sind und dauernd Präsentationen erstellen lassen. Oder sollten sie nicht doch mehr davon verstehen, dass sie dann, wenn ein Schüler zu Hause eine Präsentation für eine Biologiereferat erstellt hat, sich nicht von der Technik, die sie selbst nicht beherrschen, blenden lassen?

Advertisements

Cluetrain Manifesto of Education

Posted in Diverses by damianduchamps on April 28, 2010

Das Cluetrain Manifesto, das jetzt schon 10 Jahre alt ist und aktuell ist heute, wie damals – aber in Bezug auf die Wirtschaft – enthält eine Menge, das auch so für das Thema Bildung im Zeitalter von Web 2.0 gilt – und das nicht nur, wenn man Bildung als einen Markt versteht.

Ich habe ein wenig herumgespielt und versucht, das Manifest in deutscher Version auf Bildung umzumünzen. Eins zu eins war es nicht möglich. Das geht sicher noch viel besser. Wer Lust und Laune hat, kann diese Version gerne weiter optimieren in einem Google Doc unter http://bit.ly/cluetrain-edu. Ich werde es dann hier später aktualisieren. (Was bis zum 30.05. geändert wurde, findet sich nun hier.)

Das cluetrain Manifest
der Bildung

Vernetzte Lernende…

Vernetzte Lernende haben angefangen sich schneller selbst zu organisieren, als die Lehrer, von denen sie bisher unterrichtet wurden. Dank des Webs sind Lernende besser informiert, werden intelligenter und fordernder hinsichtlich der Qualitäten, die den meisten Schulen fehlen.

…Menschen der Erde

Der Himmel ist offen bis zu den Sternen. Wolken ziehen am Tag und in der Nacht über uns. Ozeane senken und heben sich. Was immer ihr hört, dies ist unsere Welt, der Ort wo wir hingehören. Was immer man euch erzählt hat, unsere Freiheit kann uns niemand nehmen. Unser Herz hört nicht auf zu schlagen. Menschen der Erde, erinnert euch.

95 Thesen

  1. Lernen ist ein Austausch.
  2. Lernende sind Menschen, nicht demographische Daten
  3. Gespräche zwischen Menschen klingen menschlich. Sie werden mit einer menschlichen Stimme geführt.
  4. Ob zum Austausch von Information, Meinungen, Perspektiven, Standpunkten oder Anekdoten, die Stimme des Menschen ist offen, natürlich und ehrlich.
  5. Menschen erkennen einander am Klang ihrer Stimme.
  6. Das Internet ermöglicht Gespräche unter Menschen, die in den Zeiten traditionellen Lernens einfach nicht möglich waren.
  7. Hyperlinks untergraben Hierarchien.
  8. Sowohl in vernetzten Lernumgebungen, als auch unter vernetzten Lernern sprechen die Menschen auf eine neue kraftvolle Art und Weise miteinander.
  9. Diese vernetzten Gespräche erschaffen kraftvolle neue Formen der sozialen Ordnung und es tauchen neue Arten des Wissensaustausches auf.
  10. Daraus resultierend werden die Lernenden intelligenter, sind besser informiert und organisiert. Die Teilnahme am vernetzten Lernen verändert die Menschen fundamental.
  11. Die Menschen in vernetzten Lernumgebungen haben herausgefunden, dass sie sich weit bessere Information und Unterstützung gegenseitig bieten können als sie von ihren Lehrern erhalten. Soviel zur Rhetorik der Minister über das bestehende Schulsystem.
  12. Es gibt keine Geheimnisse. Der vernetzte Lernende weiß mehr als die Lehrer von gestern über das Lernen. Und egal ob die Nachricht gut oder schlecht ist, sie erzählen es jedem.
  13. Was mit den Schulen geschieht, geschieht genauso unter den Lernenden. Nur ein metaphysisches Konstrukt namens „Das Curriculum“ steht zwischen den beiden.
  14. Traditionelle Lehrer sprechen nicht mit der selben Stimme, wie diese neuen vernetzten Gespräche. In den Ohren der Lernenden klingen diese Lehrer hohl, flach, regelrecht unmenschlich.
  15. In nur wenigen Jahren, wird die homogene „Stimme“ der alten Schule — der Klang von Tradition und Kanon — überholt und künstlich klingen, wie die Sprache der Gerichtshöfe des 18ten Jahrhunderts in Frankreich.
  16. Schon heute hört keiner mehr die Stimmen der Lehrer von gestern, die reden als hätten sie es mit Idioten zu tun.
  17. Schulen, die annehmen, die Lerner seien die selben Lerner wie die, die man vor Jahren vor sich hatte, machen sich selber etwas vor.
  18. Schulen, die nicht begreifen, dass ihre Lerner jetzt von Person zu Person vernetzt sind, daraus resultierend intelligenter werden und sich in Gesprächen vereinen, versäumen ihre beste Chance.
  19. Lehrer können jetzt direkt mit ihren Schülern kommunizieren. Wenn Sie das verpatzen, könnte es ihre letzte Chance gewesen sein.
  20. Schulen müssen erkennen, dass ihre Schüler häufig lachen. Über sie.
  21. Lehrer müssen an Gewicht verlieren und sich weniger wichtig nehmen. Sie brauchen einen Sinn für Humor.
  22. Einen Sinn für Humor entwickeln heißt nicht, ein paar Witze in der Klasse erzählen. Vielmehr bedarf es echter Werte, einer Portion Bescheidenheit, direkter Worte und einer klaren Aussage.
  23. Lehrer, die sich „Positionieren“ möchten, müssen selber Position beziehen. Optimalerweise dort, wo die Interessen ihrer Schüler sind.
  24. Angeberische Prahlerei wie: „Ich bin der Quell allen Wissens“ lassen keine Position erkennen.
  25. Lehrer müssen von ihrem hohen Ross herabsteigen und mit den Menschen sprechen, mit denen sie Beziehungen aufbauen wollen.
  26. Öffentlichkeitsarbeit steht nicht in Relation zur Öffentlichkeit. Schulen haben tiefgreifende Ängste vor ihren Lernern.
  27. Indem sie in einer Sprache sprechen, die distanziert, wenig einladend und arrogant ist, bauen sie Mauern, um ihre Schüler in Schach zu halten.
  28. Die meisten Unterrichtsarrangements basieren auf der Angst, es könnte sich herausstellen, dass auch ein Lehrer nicht alles wissen kann.
  29. Elvis hat es am besten formuliert: „Auf einer Basis des Misstrauens können wir nicht zusammen weitergehen“
  30. Frontalunterricht ist wie frisch verliebt sein, – der Bruch kommt unweigerlich, und zwar schnell. Intelligente Lernende können, weil sie vernetzt sind, in Windeseile neue Kontakte knüpfen.
  31. Vernetzte Lernende können ihre Mitstreiter über Nacht wechseln. Eure eigenen Ansprüche haben uns gelehrt die Frage zu stellen: „Autorität des Wissens? Was ist das?“
  32. Intelligente Lernende werden Persönliche LernNetzwerke finden, die Ihre Sprache sprechen.
  33. Zu lernen mit einer menschlichen Stimme zu reden ist kein billiger Trick. Es kann nicht auf irgendeiner hippen Konferenz aufgeschnappt werden.
  34. Um mit einer menschlichen Stimme zu sprechen, müssen die Lehrer die Interessen mit denen ihrer „Community“ teilen.
  35. Zunächst aber müssen sie Mitglied einer „Community“ sein.
  36. Lehrer müssen sich fragen, wo ihre Belehrungskultur endet.
  37. Wenn ihre Kultur dort endet wo die „Community“ anfängt, dann werden sie keinen Lernenden haben.
  38. Menschliche „Communities“ basieren auf Austausch – auf menschlicher Sprache, auf menschlichen Interessen.
  39. Die „Community“ des Austausches ist Lernumgebung.
  40. Lehrer, die nicht zu einer „Community“ des Austausches gehören, werden in ihrem Beruf nicht alt.
  41. Schulen machen Aufsehen um Sicherheitsaspekte des Web 2.0, aber das ist nur Fassade. Meistens schützen sie sich weniger vor den Gefahren als vor ihren eigenen Ängsten und Unsicherheiten.
  42. So wie es in sozialen Netzwerken geschieht, so reden auch Menschen miteinander, direkt innerhalb der vernetzten Lernumgebungen, und nicht nur über Regeln und Konventionen, Hausordnungen und Standards.
  43. Solche Gespräche finden heute in schuleigenen Intranets statt. Aber nur wenn die Bedingungen dafür stimmen.
  44. Typischerweise installieren Schulverwaltungen Intranets restriktiv, um ihre Sicherheits-Richtlinien und andere Vorstellungen durchzusetzen. Im Gegenzug geben die Lernenden ihr bestes diese Beschränkungen zu umgehen.
  45. Intranets neigen dazu, Langeweile zu erzeugen. Die besten entstehen „bottom-up“ von engagierten Individuen die kooperieren, um etwas viel wertvolleres zu erschaffen: eine intravernetzte Kommunikation innerhalb der Lerncommunity der Schule.
  46. Ein gesundes Intranet organisiert die Lernenden im wortwörtlichen Sinne. Sein Effekt ist radikaler als jede traditionelle Lernphilosophie.
  47. Während sich die Schulen davor fürchten, sind sie gleichzeitig abhängig von offenen Intranets, um das entscheidende Wissen zu generieren und zu teilen. Sie müssen dem Drang wiederstehen diese vernetzte Kommunikation zu „verbessern“ oder zu kontrollieren.
  48. Wenn Intranets nicht durch Angst und Regulierung begrenzt werden, klingen die Gespräche, die dort entstehen deutlich wie die Gespräche der sozialen Netzwerke.
  49. Schulbücher funktionierten in früheren Zeiten der Lernen, als Curricula von der Spitze einer steilen Schulbürokratie aus umfassend verstanden und detaillierte Lehraufträge von oben nach unten durchgereicht werden konnten.
  50. Heutzutage sind Schulbücher mit Hyperlinks ins Netz versehen – nicht hierarchisch. Respekt für pragmatisches Wissen gewinnt gegenüber dem Respekt für abstrakte Autorität.
  51. Befehls- und Kontrollmanagement wurzeln in und verstärken die Bürokratie, die Ellbogenmentalität und eine allgemeine Kultur der Paranoia.
  52. Paranoia tötet das Gespräch. Das ist ihr Zweck. Aber ein Mangel an offenem Gespräch tötet das Lernen.
  53. Es finden zwei Arten von Gesprächen statt. Eines innerhalb der Schule und eines mit der weiten Welt.
  54. In den meisten Fällen funktioniert keines der Gespräche besonders gut. Fast ausschließlich lässt sich die Ursache für dieses Versagen auf überflüssige Ausformungen von Kommando und Kontrolle zurückführen.
  55. Als Lernstrategie ist dies Gift. Als Methoden sind sie unbrauchbar geworden. Kommando und Kontrolle erwecken bei vernetzten Wissensarbeitern Feindseligkeit und bewirken in vernetzten Lernumgebungen Misstrauen.
  56. Diese beide Gespräche möchten sich vermischen. Sie sprechen die gleiche Sprache. Sie erkennen sich in ihren Stimmen wieder.
  57. Intelligente Lehrer werden beiseite treten und dazu beitragen, dass das Unvermeidliche schneller geschieht.
  58. Wenn wir die Bereitschaft, nicht im Wege zu stehen als Maßstab für den IQ nehmen, gibt es erst sehr wenig intelligente Lehrer.
  59. Wie auch immer, unterschwellig nehmen Millionen von jungen Menschen heute Schule als wundersame legale Märchen wahr, welche aktiv zu verhindern versuchen, dass diese Gespräche ineinander greifen.
  60. Das ist selbstmörderisch. Lernende wollen mit Lernenden der ganzen Welt sprechen.
  61. Leider ist der Bereich der Schulen, mit dem ein vernetzter Lernender sprechen möchte, für gewöhnlich hinter einer Nebelwand verborgen. Hinter einer Sprache, die falsch klingt und oft genug auch falsch ist.
  62. Lernende möchten nicht mit Sprücheklopfern und Aufschneidern sprechen. Sie möchten an allen Gesprächen teilnehmen, ohne sperrende Firewalls.
  63. Um mal direkt zu werden: „Auch wir Lehrer sind diese Lernenden. Wir möchten mit euch sprechen.“
  64. Wir möchten Einblick haben in eure Informationen, in eure Pläne und Strategien, eure besten Gedanken und euer echtes Wissen. Mit der Vier-Farb-Broschüre und einem Geschwätz von Politikern ohne jegliche Substanz geben wir uns nicht zufrieden.
  65. Wir sind auch die Mitarbeiter, die eure Schulen am laufen halten. Wir möchten mit unseren eigenen Stimmen direkt mit den Lernenden sprechen, nicht in Plattitüden, die auf einem Stück Papier stehen.
  66. Als Lehrende, als Schüler, macht es uns beide krank, diesem veralteten System ausgeliefert zu sein.
  67. Als Lehrende und als Lernende fragen wir uns, warum ihr uns nicht zuhört. Es scheint, ihr sprecht eine andere Sprache.
  68. Der aufgeblasene, wichtigtuerische Jargon, den die Politik verbreitet — in der Presse, auf euren Konferenzen — was hat der mit uns zu tun?
  69. Vielleicht könnt ihr damit eure Minister beeindrucken. Vielleicht beeindruckt ihr die Kanzlerin. Uns beeindruckt ihr jedenfalls nicht damit.
  70. Wenn ihr uns nicht beeindruckt, werden eure Lernenden baden gehen. Verstehen die das nicht? Wenn sie es verstünden, würden sie euch nicht so reden lassen.
  71. Eure gelangweilten Abhandlungen über die „Bildung“ nerven uns. Wir erkennen uns in euren Projektionen nicht wieder — vielleicht weil wir wissen, dass wir bereits ganz wo anders sind.
  72. Wir mögen diesen neuen vernetzten Lernumgebungen viel mehr. In Wahrheit erschaffen wir sie.
  73. Ihr seid eingeladen, aber dies ist unsere Welt. Zieht eure Schuhe an der Tür aus. Wenn ihr mit uns gemeinsam lernen wollt, dann steigt runter von eurem Kamel!
  74. Wir sind immun gegen Politikergeschwafel. Vergesst es einfach.
  75. Wenn ihr mit uns reden wollt, dann erzählt uns was. Zur Abwechslung mal was Interessantes.
  76. Wir haben da ein paar Ideen für euch: ein paar neue Tools, die wir brauchen, einen besseren Service. Zeug, das voran bringen würde. Habt ihr ‘ne Minute?
  77. Du bist so sehr mit deinen Ränkespielen der Macht zu Gange, du hast keine Zeit unsere E-Mail zu beantworten? Ach, so was Dummes aber auch, ‘tschuldigung, wir kommen später wieder. Womöglich.
  78. Ihr wollt, dass wir euch die Renten zahlen? Dann gebt uns eure Aufmerksamkeit.
  79. Wir möchten, dass ihr runterkommt von eurem Trip, herauskommt aus eurer neurotischen Selbstbezogenheit, steigt ein in die Party.
  80. Macht euch keine Sorgen, ihr könnt immer noch politische Intrigen spinnen. Das heißt solange dies nicht das einzige ist, was ihr im Kopf habt.
  81. Habt ihr bemerkt, dass Macht an sich eine recht eindimensionale und langweilige Angelegenheit ist? Worüber könnten wir sonst noch reden?
  82. Dein Vorstellung von Bildung ist kaputt gegangen. Warum? Wir würden gerne den Fragen, der noch immer darauf beharrt. Eure Wissensstrategie macht keinen Sinn. Wir hätten gerne einen Chat mit eurer Schulministerin. Was meinst du, sie ist nicht im Hause?
  83. Wir möchten, dass ihr uns Lernende genauso ernst nehmt wie einen Lobbyisten der Pharmaindustrie.
  84. Wir kennen ein paar Leute aus dem Ministerium. Sie sind online recht cool. Habt ihr noch welche von der Sorte, die ihr versteckt? Dürfen sie rauskommen und mitspielen?
  85. Wenn wir Fragen haben, dann beantworten wir uns die gegenseitig. Wenn ihr „eure Leute“ nicht an so kurzer Leine halten würdet, würden sie vielleicht zu denen gehören, an die wir uns wenden.
  86. Wenn wir nicht gerade damit beschäftigt sind eure Kernlehrpläne umzusetzen, sind viele von uns eure Leute. Wir würden eher mit unseren Freunden online sprechen, als auf die Standards einzuhalten. Das würde uns allen besser tun als Verwaltungsarbeit. Aber ihr sagt uns, das sei nun mal so unsere Aufgabe.
  87. Wir würden uns freuen, wenn ihr kapiert, was hier abgeht. Das wäre wirklich toll. Aber glaubt ja nicht, dass wir deswegen die Luft anhalten.
  88. Wir haben besseres zu tun, als uns darüber Sorgen zu machen, ob ihr euch rechtzeitig wandeln könnt, um mit uns gemeinsam zu lernen. Das Lernen ist nur ein Teil eures Lebens. Bei uns scheint das anders zu sein. Denkt darüber nach: was ist besser?
  89. Wir haben wirkliche Macht, und wir wissen das. Wenn ihr das nicht erkennt, wird jemand anders daherkommen, jemand aufmerksameres, jemand interessanteres, jemand, mit dem es mehr Spaß macht zu spielen.
  90. Sogar in seiner simpelsten Variante ist unser neu entdecktes Gespräch interessanter als eure langweiligen Vorträge, unterhaltsamer als eure Vorlesungen und ganz bestimmt lebensnaher als eure abgestanden Schulbücher, die wir bisher gesehen haben.
  91. Unsere Treue gilt uns selbst — unseren Freunden, unseren neuen Verbündeten und Bekannten, ja sogar unseren Sparring-Partnern. Lehrer, die keinen Anteil an dieser Welt haben, haben auch keinen Zukunft.
  92. Der Staat haben Millionen von Euros für Subventionen ausgegeben. Warum hören sie nicht diese Zeitbombe des Schulwesens ticken? Der Einsatz ist hier sogar höher.
  93. Wir sind sowohl innerhalb der Schulen als auch außerhalb. Die Grenzen, die uns trennen, sehen heute aus wie die Berliner Mauer, aber sie sind wirklich nur ein Störfaktor. Wir wissen auch diese Mauer wird fallen. Wir werden von beiden Seiten daran arbeiten, um sie niederzureißen.
  94. Traditionellen Schulen mögen vernetzte Gespräche chaotisch erscheinen und wirr klingen. Aber wir organisieren uns schneller als diese Schulen. Wir haben bessere Tools, mehr neue Ideen und weniger Regeln, mit denen wir uns ausbremsen.
  95. Wir wachen gerade auf und verbinden uns miteinander. Wir schauen, aber wir warten nicht.

Bildschirme sind schlecht – oh no, not again!

Posted in Medienwelt by damianduchamps on April 27, 2010

Auf dem ersten Regionaltreffen des ADZ NRW kam es in einer der ersten Sessions direkt zum „Clash of Cultures“. Die Advokaten des Lernens mit und durch Web 2.0 stießen mit einer Vertreterin der alten Schule zusammen, die mehr an den Schaden durch das über Bildschirme transportierte Medium glaubte als den Gewinn. Wo die beiden von der „Blogschule“ Möglichkeiten sahen, dem Lernen neue Dimensionen zu eröffnen, sah sie zusätzliche Zeit vor dem Computer, die hinzuaddiert zur Zeit, die Kinder und Jugendliche zu Hause vor dem Computer mit Spiel und sozialen Netzen verbringen, ihren Raum zur Bewegung weiter reduziert. „Wenn ich von mir ausgehe,“ sagte sie, und das war für mich der Dreh- und Angelpunkt ihrer Argumentation.

Grundsätzliche Diskussionen dieser Art habe ich schon lange nicht mehr miterlebt und ich fühlte mich gleich um Jahre zurück in die Vergangenheit katapultiert. Interessant an ihrem Standpunkt war vor allem ihre spezielle Perspektive auf die Sache und die war mir neu. Kinder und Jugendliche verbringen zu Hause schon so viel Zeit am Computer, also muss die Schule da nicht noch zusätzlich Zeit oben drauf packen darf. Das klingt auf den ersten Blick nicht unvernünftig.

Natürlich gibt es auch heute noch die Diskussion darum, wie viel Zeit Kinder und Jugendliche vor ihren Computern verbringen sollten, und die Diskussion ist sicher nicht ohne Sinn. Wenn ich allerdings Auseinandersetzungen um die Computernutzung in der Schule höre, so wie die auf dem ersten ADZ NRW Treffen, dann beschleicht mich immer ein Gefühl, dass es letztlich um die Wertigkeit der Computernutzung geht. Besagte Dame („Wenn ich von mir ausgehe“) würde vermutlich kaum auf die Idee kommen, die Zeit, die unsere Kinder mit Lesen in Lehrbüchern, von Arbeitsblätter, von Overheadprojektionen oder in Schulheften verbringen, reduzieren zu wollen, wenn sich diese Kinder zu Hause täglich zwei bis vier Stunden in spannenden und interessanten Büchern vergrüben, anstatt diese Zeit vor dem Computer zu verbringen. Büchern haftet schon immer eine besondere Aura an. Niemand hinterfragt dabei, was Kinder und Jugendliche lesen, wenn sie nur lesen. Und wenn sie dabei tagelang nicht vor die Türe gehen, da sie von früh bis spät in einem spannenden Roman lesen, dann wird auch da niemand auf je auf die Idee kommen, auf den etwaigen Bewegungsmangel hinweisen.

Schule kommt um die Nutzung der neuen Medien nicht umhin, sie darf sich ihnen nicht verweigern (wie es heute noch mehrheitlich geschieht). Unsere Welt verändert sich radikal und Schule ist keine Insel, die sich abschotten kann oder sollte. Schule muss auf ein Leben in dieser sich verändernden Gesellschaft vorbereiten.

Eltern sind nicht besser in der Lage, ihre Kinder auf die sich verändernde Welt vorzubereiten als Schule, eher schlechter, wie die Erfahrung vielfach belegt. Neue Medien sind für die Kinder und Jugendliche von heute wie die Luft die sie atmen und das ist so und es wird so bleiben. Wenn es notwendig ist, Zeit mit den neuen Medien zu reduzieren, dann zu allerletzt in den Schulen, denn Schule ist in der Lage, der Nutzung dieser Medien einen Mehrwert zu verleihen, der über Konsumieren und Kommunizieren hinausgeht. Kinder und Jugendliche nutzen die neuen Medien intensiver als die Generationen vor ihnen, doch sie kratzen oft nur an der Oberfläche dessen, was für sie damit möglich wird. Hier ist Schule gefordert. Wenn also Zeit vor dem Computer reduziert werden muss, dann eher im häuslichen Umfeld und nicht in der Schule.

Ich kann mir vorstellen, dass mit zunehmend mobiler Nutzung der neuen Medienwelten, es ohnehin zu einer Verlagerung dieser Diskussion kommen wird. Häusliche Mediennutzung, die derzeit meist unbeaufsichtigt in Kinder- und Jugendzimmern stattfindet, wir sich in mobiler Form noch weiter der Kontrolle der Erwachsenen entziehen. And what about that?

Tagged with: , ,

Der Boden der Tatsachen

Posted in Alltag, Schulpolitik by damianduchamps on April 26, 2010

Es war ein tolles Wochenende auf dem 1. Regionaltreffen des ADZ NRW. Die Schule war inspirierend wie die Leute, die man kennenlernte. Passend schien die Sonne aus blauen Himmel, dazu der Frühling ließ flattern sein blaues Band. Und am Montag kommt man wieder in die Schule zurück. Der Himmel ist wolkenverhangen und man landet unsanft auf dem Boden der Tatsachen.

Unsere Schulen sind grau und trist, die Ausstattung ist mager, die Pädagogik die von gestern und die Motivation im Kollegium im Keller. Und es könnte doch so anders sein – man hat es ja gesehen. Ein Ding der Unmöglichkeit wäre es nicht, auch die anderen Schulen zu Schulen mit toller Lernatmosphäre zu machen, wo die Kinder mit deutlich mehr Interesse ans Lernen gehen und die Lehrer mit Freude in den Unterricht gehen, um mit ihren Schülern zu lernen.

Nichts ist unmöglich – eigentlich

Und gerade dieses Wissen, dass es nicht unmöglich wäre, es nicht wesentlich teurer wäre, die Ausstattung kindgerechter zu gestalten, dass es möglich wäre, den Lehrern ausreichend Freiraum für nachhaltige Fortbildungen zu geben und sie in Teams in Klassen zu schicken, gerade dieses Wissen macht es so unbegreiflich. Mangel an finanziellen Mitteln ist es nicht. Unser Land ist trotz gesunkener Steuereinnahmen in Folge der Rezession ein reiches Land. Die Politik, sie ist verantwortlich. Die Prioritäten werden falsch gesetzt. In Zeiten des Wahlkampfes ist Bildung in aller Munde. Politiker lieben das Thema und versprechen, alles zu verbessern. Nur wer wirklich naiv ist, schenkt ihren Worten vielleicht noch Glauben. Bildung hat keine gut bezahlte Lobby, die ihre Lobbyisten in den Bundestag schickt und die Abgeordneten zu teuren Geschäftsessen in Berlins beste Restaurants einlädt. Bildung kann keine Abgeordneten für 300.000 Euro im Jahr in „Gremien“ setzen, wo sie dreimal erscheinen, Kaffee trinken, spazieren gehen und damit ihrer Pflicht genüge getan haben. Und Bildung hat keine großen Wirtschaftslenker, welche die Politik mit Zuckerbrot und Peitsche dazu bewegen, gigantische Subventionssummen zur Stützung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit auf ihre Firmenkonten zu transferieren, zum Wohle aller versteht sich. Bildung kann auch nicht auf die Hilfe der EU hoffen, die subventioniert lieber die Hersteller von Gummibärchen, dass diese beim Handel im Ausland nicht benachteiligt werden. Keine Lobby bedeutet, kein Geld. Stattdessen herrscht Mangelverwaltung am Schulstandort Deutschland. Deutschland hat nur ein Kapital, Bildung.

Hürdenlauf

An meiner Schule setzten wir uns heute wieder dran an die Umsetzung des 60-Minuten-Taktes. Die Stundenplaner werden nun Stundentafeln erstellen und für alle Kollegen, soweit absehbar, die zur Verfügung stehenden Stunden auf 60 Minuten Stunden umrechnen, um planen zu können. Wie es dann hinterher wirklich aussehen wird, ist wie immer offen. Zwar erwartet man, dass zum Ende der Sommerferien alles steht, personal- und stundenplantechnisch, doch dank der Launen der Dezernenten und Staatssekrtäre und wie sie alle heißen, können zwei oder drei schnelle Entscheidungen in Arnsberg oder Düsseldorf sämtliche Planungen Tage vor Schuljahresbeginn wieder über den Haufen werfen. Bei uns im Kreis stehen wieder einmal Versetzungen an. Im Nachbarkreis fehlen Hauptschullehrer und im eigenen Kreis hat man leichte Überbesetzungen und ausgeglichene Besetzungen. Um 15 bis 20 Stellen soll es gehen. Auf einer Schulleiterdienstbesprechung wird das Personal dann hin- und her geschachert, Lehrer als Zählvieh. Und wenn dort entschieden ist, heißt das noch nicht, dass die Personalbewegungen ein Ende haben. Verunsicherung in allen Lehrerzimmern. Wen wird es treffen? Dass man so nicht planen kann, wen interessiert das? Mit der Standardsicherung schwingt man von oben die Peitsche und versucht die scheinselbständige Schule zu Höchstleistungen anzutreiben. )Von Schülern, die keine Motivation verspüren, in diesem System zu lernen und Eltern, die der Schule die Unterstützung verweigern, will ich hier gar nicht reden.)

Das ist der Boden der Tatsachen. Welcome back to reality!

An meiner Schule ist es momentan sehr schwierig. Die Motivation ist schlecht wie die Stimmung auch, alle sind verunsichert und die Hürden bei der Umsetzung unseres Vorhabens scheinen gigantisch. Für mich heißt das, AUGEN ZU UND AB DUCH DIE MITTE.

Wir haben viel geplant, aber noch nichts vorzuweisen. Das soll sich in den nächsten Wochen ändern, wenn wir unsere Fortbildung machen und das Material fürs Förderband zusammentragen, erstellen, bestellen und so weiter. Schritt Eins ist jetzt das Erarbeiten der Förderschwerpunkte für die Halbjahre aller Jahrgangsstufen. Das soll bis Mitte Mai geschehen sein. Ich habe mit Google Docs Formulare vorbereitet, in welche die Förderschwerpunkte dann von den Fachkonferenzen eingetragen werden können, und am Ende hat man drei schöne Tabelle, für jedes Hauptfach eine, in denen alles übersichtlich zu finden sein sollte. Das kann ich dann schnell übertragen.

ADZNRW – 1. Regionaltreffen – Tag 2

Posted in Diverses by damianduchamps on April 25, 2010

Eine Session in der es grundsätzlich um die Rolle der Computer in der Schule geht, gab es dann nicht, unter anderem weil die beiden Personen, die einiges in Frage gestellt hatten am zweiten Tag nicht anwesend waren. Am Sonntag trat die Technik eindeutig in den Hintergrund, war aber trotzdem immer präsent, in den Tweets, die zwischendurch geschrieben wurden, den Mitschriften auf Notebooks (siehe ADZ BarCamp in Köln), dem Geocaching Abenteuer und der Twitter-Schnelleinführung kurz vor Ende des Treffens. Die eingeplanten Pausen entschleunigten das Programm und erlaubten nicht nur die Stärkung mit Obst und Getränken zwischendurch, sondern auch die interessanten Gespräche, zu denen sonst keine Möglichkeit bestanden hätte. Zunächst begann alles jedoch wie am Vortag mit der Erstellung des Sessionplans.

Lernen und Wissenschaffen

Inhaltlich war der Sonntag nicht minder anregend als der Samstag. Unter Lernen und Wissenschaffen stellte Hans-Josef Heck (@hansjosefheck) Überlegungen vor, die er sich im Rahmen ausgehend von einer vor 42 Jahren entstandenen Diplomarbeit zum Thema gemacht hat. Die sich anschließende Diskussion war teilweise kontrovers und bewegte sich doch sehr auf der Metaebene. Was Herr Heck vorstellte, scheint mir, soweit ich es verstanden habe, schon konsensfähig. Ich denke, ich werde mich mit dem Thema noch einmal beschäftigen. Es gibt eine Webseite mit mehr Informationen: Wissenschaffen und Handeln

Lernbüro

Die Internationale Friedensschule ist faszinierend. Auch wenn sie nicht die Vorstellung der Gründungsmitglieder in allem verwirklicht, was diese sich vorstellten, so finden sich hier doch Mengen an Dingen, von der Lehrer an anderen Schulen derzeit nur träumen können. Das fängt bei der Ausstattung an und hört bei den Formen des Lehrens und Lernens auf. Dorothea Vielmetter, Klassenlehrerin in der 6b, führte und in den Trakt der Sekundarstufe und in ihren Klassenraum. Was sie uns dort vorstellte, war die Methode Lernbüro, welches diese Schule in Anlehnung an die Max-Brauer-Schule (Hamburg) und die Bodenseeschule (Friedrichshafen) entwickelt hat. In den ersten beiden Stunden eines jeden Schultages arbeiten die Schüler der Doppelklassen eigenständig an ihren Aufgaben, die für eine bestimmte Zeit jeweils aus einem Fachgebiet stammen. Die Lehrerin fungiert als Lernberaterin, welche die Schüler aufsuchen können, wenn sie Fragen haben. Über ein Brett mit Klammern mit Namen können Schüler sich für ein Gespräch anmelden. Im Lernbüro  arbeiten Schüler überwiegend in Einzelarbeit und über kleine Steckampeln signalisieren sie, ob sie angesprochen werden können oder lieber ungestört arbeiten möchten. Was zu Lernen ist, gibt ein Kompetenzraster vor. Mit grünen Punkten werden erreichte Kompetenzen markiert. Ein Logbuch dokumentiert, die tägliche Arbeit, die mit der Planung des Lernmaterials beginnt, welches ein Schüler bearbeiten möchte und mit einem Abgleich von Zielen und Erreichtem endet. Eine Checkliste im Logbuch gibt vor, welche Aufgaben auf jeden Fall zu bearbeiten sind und dokumentieren Lernfortschritt. Über Smileys geben Lehrer Feedback zum Arbeitsverhalten.

(more…)

ADZNRW – 1. Regionaltreffen

Posted in Diverses by damianduchamps on April 25, 2010

Am Wochenende fand in der Internationalen Friedensschule im Norden Kölns das erste Regionaltreffen des Archiv der Zukunft – Netzwerkes für NRW statt. Dass die Internationalen Friedensschule Ort des Treffens wurde, ist kein Zufall, denn die Leiterin dieser Schule gehört zu den Gründungsmitgliedern des Archiv der Zukunft. Die Zahl der Teilnehmer und Teilnehmerinnen war deutlich geringer als ich und vermutlich auch die Organisatoren der Veranstaltung erwartet hatten. Circa ein Fünftel oder Viertel der Teilnehmer waren Lehrerinnen und Lehrer aus der Schule selbst. Vielleicht lag es daran, wie auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht wurde. Es findet sich wohl ein Hinweis auf der Seite des Netzwerkes: 1. Regionalkonferenz NRW am 24.-25.4.2010, ob das aber ausreicht? Ich erfuhr davon über mein PLN, genauer gesagt über einen Tweet von Felix Schaumburg (@schb) und da ich das Archiv der Zukunft kannte und neugierig wurde, verfolgte ich den Link und meldete mich fix an. Einige weitere Infos fanden sich übrigens auch unter dem Hashtag adznrw (#adznrw).

Interessant für mich war die Mischung der Teilnehmer. Es waren da die Web 2.0 Nerds und die anderen und beide Gruppen waren mit zumindest zum Teil von einander abweichenden Erwartungen gekommen. Die Themen des Barcamps waren eindeutig in mehr „Lernen mit und durch neue Medien“ und „Schule und Lernen“ generell getrennt. Beide Seiten waren aber insgesamt offen für die andere Seite, wobei einige der Teilnehmer schon ihre Schwierigkeiten mit, vor allem, Arbeiten mit dem Computer und online hatten. Da gab es dann Versuche, Grundsatzdiskussionen zu starten, doch das war nicht Ziel der einzelnen Sessions. Wohl aber wäre es möglich gewesen, eine solche Session für den Sonntag zu planen.

Tag 2 – mehr dazu im folgenden Post –  Siehe auch 1. ADZ Barcamp 2010 in Köln von Felix Schaumburg (@schb)

Warum ich SchILD-NRW nicht mag

Posted in Alltag by damianduchamps on April 23, 2010

SchILD wirf vom Land NRW als kostenlose „ausgereifte Software für die Schulverwaltung“ angepriesen. Davon ist dieses Programm meiner Meinung nach weit entfernt.

Alte Zeiten

Früher waren es Karteikarten, Aktenordner und Postverkehr, heute ist es SchILD-NRW in Kopplung mit anderen Programmen und dem Internet. An meiner Schule gibt es noch heute Karteikarten für die Schüler, rote für die Mädchen und blaue für die Jungen. Sie laufen aber langsam aus. Unsere Fünfer haben schon Ausdrucke. Da muss nun kein Lehrer mehr Noten eintragen und Versetzungen. Zum Glück! Ein Problem weg – neues Problem da. Es heißt SchILD-NRW und ist die Universalwaffe des Landes NRW für alle Schulformen zur Erfassung von Schüler- und Leistungsdaten.
Damals gab es viele Lösungen. Jede Schule hatte da ihre eigene, und die hatten viele Lösungen. Viele waren von versierten Lehrern in Eigenarbeit erstellt worden und funktionierten mehr oder weniger gut. Wir hatten das Glück, einen Lehrer zu haben, der sich mit Access extrem gut auskannte und ein Programm strickte mit Schnittstellen zu einem eigenen Schulbuchprogramm und einem eigenen Praktikumsprogramm. Es lieferte die richtigen Daten für die Statistiken des Landes. Alles war gut. Der Experte saß im Haus und hatte für alles eine Lösung.

Dann kam SchILD-NRW

Wir stiegen dann auch um, mussten wir ja letztlich. Es war schmerzlos, denn unser Experte hatte entsprechende Exportmöglichkeiten geschaffen. Meistens läuft es mit SchILD-NRW soweit im grünen Bereich, leider aber nicht immer. Vor allem das Drucken macht immer wieder Schwierigkeiten. Da stimmen Formulare im Layout nicht. Inhalte und Linien verschieben sich aus undefinierbaren Gründen. Die Fehler zu beheben ist schwierig, selbst wenn man sich gut auskennt, kann es Stunden dauern, bis man dahinter kommt. Teilweise findet man im Forum Hilfe, teilweise.

Drucken

Das Drucken ist ein Fall für sich, vor allem weil es extrem zeitaufwändig ist. Der Druck mehrseitiger Listen kann viele Minuten dauern. Das hängt mit der Struktur des Programms zusammen, das sich die Daten aus einer Datenbank holt und dann die Seiten einzeln „zeichnen“ muss. Ist es notwenig Korrekturen an einem so genannten Report vorzunehmen, wartet man sich zum Ansehen der Änderungen in der Vorschau zu Tode, denn jede Seite muss bei mehrseitigen Reports erzeugt und „gezeichnet“ werden. Für meine Begriffe ist das eine Katastrophe. Hier wird die wertvolle Arbeitszeit der Nutzer mit Warten verschwendet. Wir haben mittlerweile für den Konrektor, der mit SchILD-NRW täglich arbeiten muss, einen Zweitrechner angeschafft, an dem er arbeiten kann, während der andere Rechner auf ein Ergebnis der Vorschau oder des Druckauftrages wartet.

Updates

Das Programm selbst hat aber auch seine Macken. Erstaunlich ist die Häufigkeit der Updates. Ein Update folgt auf das nächste, ein Update behebt die Fehler des vorherigen Updates. Natürlich reagieren Updates auch auf veränderte Anforderungen, neue gesetzliche Vorgaben und so weiter. Die Ursachen für die Probleme mit SchILD-NRW liegen tief. So wie das mal gehört habe, gründet es auf der Entwicklung von Lehrern. Es war ein Programm wie das, welches unser Experte entwickelt hatte und seines hätte auch das offizielle Programm werden können. Irgendwann erkor man also dieses Programm zum Standard für NRWs Schulen. Die „Erfinder“ entwickelten es zunächst wohl auch noch eine Zeit lang fort. Dann wurde es wohl an eine Firma übergeben. Ich vermute, ein Teil der Probleme dieses hoch komplexen Programms, beruhen auf der Erblast, die das SchILD-NRW mit sich herumträgt. Komplett neu erstellen will man es vermutlich aus Kostengründen nicht. Es werden nur Teile komplett erneuert, wie der neue Reportexplorer.

Zumutung

SchILD-NRW finde ich eine Zumutung für Schulen. Der Einarbeitungsaufwand ist zu hoch, es gibt zu viele Fehler und Probleme und die Bedienbarkeit lässt zu wünsche übrig. Anlass für diesen Eintrag im Blog war ein Vorfall heute, bei dem das Programm beim Starten mit einem Mal 160 Instanzen (siehe Bild) versuchte zu öffnen und damit den Rechner in die Knie zwang. Das hatten wir schon öfter nebst Inkompatibilitäten mit Druckern und ähnlichem. Ein Minolta W2400, Farblaser, führte zu unkontrollierbaren Fehlern und wir mussten einen neuen Drucker anschaffen. SchILD-NRW ist für mich ein Trauerspiel und ich denke viele Schulen können mir zustimmen. Ändern wird es leider nichts.

Wieder auf Kurs mit 60-Minuten-Takt

Posted in Alltag, Hauptschule by damianduchamps on April 22, 2010

Letzte Woche sah es noch fast so aus, als ob das an unserer Schule geplante Projekt 60-Minuten-Takt scheitern könnte. Nach verschiedenen Gesprächen ist die Steuergruppe nun wieder auf Kurs. Es bleibt dabei: wir werden ab dem nächsten Schuljahr 60-Minuten-Takt und 30-Minuten-Förderband einführen. In einer Lehrerkonferenz wurde dieses noch einmal bekräftigt.

Am Montag wird sich die Steuergruppe noch einmal mit den Stundenplanern treffen und Details absprechen, bzw. klären, wo noch Informationen fehlen. Bis Mitte Mai sollen die drei Fachkonferenzen Deutsch, Mathematik und Englisch für jedes Halbjahr für alle Jahrgänge jeweils fünf Förderschwerpunkte erarbeiten. Diese werden am Ende der Halbjahre dazu dienen, den Förderbedarf der Schüler schnell und einfach festzulegen. Entsprechend werden die Schüler dann im ersten Halbjahr des neuen Schuljahres ihren Fördergruppen zugeteilt werden.

Nächster Punkt ist das Thema Fördermaterial und individuelle Förderung. Wir wollen eine schulinterne Fortbildung machen. Eine Expertin haben wir schon. Zunächst wollten wir die Schulung in der letzten Ferienwoche machen. Doch das ist eigentlich zu spät und hilft uns jetzt nicht. Es muss bereits in den nächsten Wochen damit begonnen werden, für die Förderschwerpunkte Material zusammenzustellen. Aus alten Zeiten haben wir eine Menge. Da war ja mal Stationenlernen, Lernwerkstatt und so weiter. Davon existiert noch einiges, das vor vielen Jahren häufig in mühevoller Kleinarbeit erarbeitet wurde. Das kann man nun wieder verwenden, wenn man es wieder findet. Nun hoffen wir, die Expertin kann schon Ende Mai ihre Fortbildung mit uns durchführen.

Fördern ist so eine Sache. Wir wollen natürlich sehen, dass den Schülern möglichst viele Zugänge zum Lerngegenstand gegeben werden, im Idealfall in Richtung vorbereitete Lernumgebung. Es wird aber auch Kolleginnen und Kollegen geben, da machen wir uns keine Illusionen, die werden im Förderband vor allem auf Kopien setzen. Das lässt sich nur vermeiden, wenn wir ihnen genug alternatives Material an die Hand geben. Außerdem ist da ja noch das Problem mit den Fächern. Da wir erst einmal nur in den drei Hauptfächern fördern, lässt es sich nicht vermeiden, dass fachfremd gearbeitet werden muss. Bei Deutsch mag das noch recht einfach sein, bei Mathematik und Englisch, da ist es für Nichtfachleute schwierig.

Wir brauchen also Material und das muss gut sein, ob selbst erarbeitet, aus alten Beständen reaktiviert, von zu Hause mitgebracht oder neu gekauft. Den Fehler einer Schule im gleichen Schulamtsbezirk, die über ein Jahr lang in Hyperaktivität verfiel und so viel Material erstellte, dass sie es nun gar nicht alles braucht, den wollen wir vermeiden.

Lernen = Transformieren

Posted in Diverses by damianduchamps on April 21, 2010

„Wissen zu vermitteln – das ist eine ziemlich niedrige und primitive Version von dem, was Lernen eigentlich sein könnte. Die wirklich großen Momente des Lernens haben nichts mit Memorieren, sondern mit Transformieren zu tun.“ – Michael Wesch auf Pisa-Versteher

Lernen verändert uns und es hat mit bloßem Auswendiglernen nichts zu tun. Da stimme ich voll zu. Es sollte in Schule nicht vorrangig um das Memorieren gehen. Das Memorieren als Training für das Gedächtnis hat jedoch durchaus noch seine Berechtigung. Wissen vermitteln möchte ich zunächst nicht automatisch mit Memorieren gleichgesetzt wissen. Deswegen halte ich es auch nicht zwingend für eine „niedrige und primitive Version“ des Lernens, denn ich habe selbst genug interessante Vorträge mit Aha-Erlebnissen gehabt. Die Ted Talks, finde ich, sind da ein gutes Beispiel. Bei manchen geht es nur um den Unterhaltungswert, klar. Bei vielen jedoch geht es um Wissen, um die Vermittlung von Zusammenhängen und Einsichten. Das können transformative Erlebnisse sein, wie auch die Lektüre eines Buches. Was ich sagen möchte ist, auch vermitteltes Wissen kann transformieren und vermitteltes Wissen bedeutet für  mich nicht zwingend Memorieren.

Aber vielleicht verstehe ich Michael Wesch auch einfach nicht richtig.

Tagged with:

War da nicht mal PISA?

Posted in Schulpolitik by damianduchamps on April 21, 2010

Dieses Statement von Frau Sommer habe ich in letzter Zeit (Wahlkampfzeit) mehrfach gehört, auch von Herrn Rüttgers:

„Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass längeres gemeinsames Lernen bis Klasse 6 oder 10 zu besseren Leistungen führt. Mangels wissenschaftlicher Beweise lehnt die Landesregierung einen Umbau der Schulen ab“, erklärte Schulministerin Barbara Sommer (CDU) gegenüber wdr.de.

Quelle: Droht in NRW ein Schulkampf?

Diese Aussage nervt mich ganz gewaltig und ich frage mich, ob PISA schon vergessen ist. Laut PISA und nachfolgenden Bildungsberichten ergab sich für Deutschland, dass unser System der sehr früh beginnenden Selektion und anschließender Differenzierung die in der Gesellschaft bestehenden sozialen Unterschiede in Bezug auf die Bildungschancen tendenziell eher verstärkt als ausgleicht. So zumindest habe ich das in Erinnerung (siehe auch Bericht über den Deutschlandbesuch des UN-Sonderberichterstatters für das Recht auf Bildung).

Von daher finde ich diese Aussage so unsinnig wie nur unsinnig. Für mich klingt das eher wie das, was es wohl ist, ein parteipolitisches Mantra, welches stupide daher gebetet wird, wenn immer die Sprache auf Veränderungen am bestehenden System kommt. Zwar kontert die CDU gerne damit, dass in ihrer Amtszeit in NRW die Einrichtung von so vielen Gesamtschulen wie noch nie genehmigt wurde, doch das trifft den Punkt nicht, denn auch an der Gesamtschule wird selektiert und differenziert. Es ist schade, dass die Schulentwicklung seit Jahrzehnten nicht weiter ist als ein Spielball der Politik. Auf die Vernunft hört hier keiner.

Tagged with: