Damian Duchamps' Blog

Schluss mit dem digitalen Schwebezustand

Posted in Medienwelt, Schulentwicklung, Schulpolitik, Uncategorized by damianduchamps on Januar 14, 2017

Wenn aktuell mal wieder beobachte, was sich in der Bildungslandschaft ereignet, vergeht mir die Lust an Schule und Schulentwicklung, an Entwicklung von Unterricht mit digitalen Tools und der Beratung von Schulen und Schulträgern dahingehend.

Der Grund dafür ist einfach. Es hängt alles in der Schwebe. Nichts ist wirklich klar definiert. Hier in NRW kommt nun GuteSchule#2020. Toll mag man meinen, endlich tut sich etwas. Nur, mehr als einen Topf voll Geld und ein paar grobe Vorgaben gibt es nicht. Bloß nichts festlegen, nein, keine festen Vorgaben machen, keine verbindlichen Ziele definieren. So kommt es, wie es kommen muss. Die einen sanieren damit Gebäude, an anderer Stelle baut man ganze Schulen neu davon, hört man, und ein klein wenig wird auch in digitale Infrastruktur investiert. Wenn das Jahr 2020 um ist, werden wir feststellen, dass die Standards an den Schulen in NRW weiterhin höchst unterschiedlich sind. Manche haben Breitbandanschluss und WLAN im gesamten Gebäude, für Schüler und Lehrer, andere endlich funktionierende Toiletten und dichte Dächer oder Klassenräume statt Container, jedoch noch immer keinen Breitbandanschluss und auch kein WLAN im Gebäude. Dass uns das als Land wirklich weiterbringt, werden nur Politiker behaupten, die sich in irgendeiner Vorzeigeschule in einer iPad Klasse von den Medien feiern lassen.

Und dann ist da ja noch das Milliardenpaket des Bundes. Auch hier wird es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht anders laufen. Schon jetzt regt sich Widerstand gegen Bevormundung durch den Bund. Am liebsten hätte man das Geld vermutlich in die Landestöpfe und würde dort damit nach eigenem Belieben verfahren, ohne exakte Zielvorgaben und ohne jegliche Rechenschaft.

Ich wünschte mir, es gäbe sehr eindeutige Vorgaben, sowohl vom Land als auch vom Bund, am besten miteinander abgestimmt. Könnte man nicht zeitliche Vorgaben machen und sagen, bis zum Jahre X hat dieses und jenes zu erfolgen?

  • alle Schulen, ohne Ausnahme, sind an Breitband angeschlossen
  • alle Schulgebäude sind mit WLAN ausgeleuchtet
  • alle Klassenräume haben Präsentationsmedien
  • alle Lehrerinnen und Lehrer sind fortgebildet/fit gemacht
  • alle Länder haben überarbeitete Fachcurricula
  • alle Schulen haben Medienkonzepte und angepasste Fachcurricula
  • alle Schulen können auf eine Basis online IT Infrastruktur zugreifen
  • alle Lehrer, die kein Privatgerät nutzen, haben ein Dienstgerät
  • alle Schüler haben digitale Endgeräte

Alle habe ich jeweils hervorgehoben, da es nicht sein kann, dass in einem reichen Land wie Deutschland, Schulen, Schüler und Lehrer benachteiligt werden, nur weil sie das Pech haben, in eine strukturschwachen Kommune zu leben oder weil im Falle von Schülern ihre Eltern nicht über ausreichend Einkommen verfügen. Alle schreibe ich auch, weil es nicht der Beliebigkeit kommunaler Verwaltungen und parteilichen Ideologie überlassen werden kann, was am Ende dabei herauskommt.

Ich denke, hier sollte es wirklich einen Konsens geben, egal wo die Bundesländer und ihre Regierungen schulpolitisch gerade stehen. Mögen sie sich an ihren Schulformen abarbeiten, wenn sie das denn brauchen, doch bitte nicht an solch grundlegenden Fragen wie der Ausrichtung unserer Schulen und ihres Unterrichts auf eine Zukunft, die schon längst begonnen hat.

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Wir brauchen den Generationenwechsel

Posted in Alltag, Hauptschule, Schulentwicklung by damianduchamps on Januar 12, 2011

Schulentwicklung braucht Kraft und Energie und zwar direkt vor Ort an den Schulen. Veränderung braucht jedoch auch Köpfe, die sich von alten Vorstellungen lösen können. Eine Episode in meiner Schule, einer kleinen Hauptschule im südlichen Westfalen, machte mir dieses heute wieder einmal mehr als deutlich.

Im überregionalen Teil der Tageszeitung zitierte man ein Gymnasiallehrer aus Ennepetal, der seinen Standpunkt gegen die Gemeinschaftsschule darlegte. Ich selbst hatte den Artikel bereits am Morgen beim Frühstück gelesen. Der Kollege vom Gymnasium spricht sich vor allem gegen längeren gemeinsamen Unterricht aus.

Für einen Teil der Kollegen in meiner Hauptschule war dieser Artikel regelrecht Wasser auf die Mühlen. Ein Kollege hatte den Artikel mitgebracht und reichte ihn in Kopien umher. Durch den Artikel fühlten sich die Kollegen, die ohnehin für das gegliederte Schulsystem sind, in ihrer Meinung mehr als bestätigt. Seht ihr meinten sie, genau das sagen wir auch immer. Gemeinsames Lernen, heterogene Lerngruppen, Inclusion und ähnlich sind ihnen Fremdworte. Sie fahren ihren Unterricht so, wie sie das seit Jahrzehnten tun. Früher hatten wir natürlich auch andere Schüler, die gehen jetzt auf die Realschule oder sogar auf das Gymnasium, sagen sie. Unsere Schüler jetzt, die sind doch einfach nur faul, meinen sie, die wollen nicht lernen, zuhause stimmt es nicht und deswegen wundert es auch nicht, dass sie immer weniger lernen. Die Klassenarbeiten fallen entsprechend von Jahr zu Jahr schlechter aus. Wer nicht will, den kannst du auch nicht fördern. Da müssen erst mal die Eltern. Und in dem Ton geht es weiter.

Und dann kommen natürlich die Migranten dran. Wir haben ja hier nur die Dümmsten. Und viele von ihnen wollen gar nicht hier sein. Am besten gehen sie zurück, dahin wo sie hergekommen sind, so hört man diese Kollegen reden (Sarrazin lässt grüßen – sie finden, was er sagt übrigens richtig).

Spricht man sie dann auf Finnland an, dann sind die Migranten genau das Argument, welches ihnen Recht gibt, dass das finnische Modell hier bei uns auf gar keinen Fall funktionieren kann, denn die haben ja keine oder kaum Migranten. In Kanada habe man zwar mehr Migranten, sagen sie, wenn man nun auf Kanada und dort die Provinz Ontario verweist, aber in Kanada suche man sich seine Einwanderer sehr gezielt aus. Wer dumm ist oder keine Leistung bringen will, der komme gar nicht ins Land hinein. Also lasse sich dieses System mit unserem auch nicht vergleichen, so ihr Argument. Danach wettert man dann vielleicht noch ein wenig auf verfehlte Immigrationspolitik in Deutschland.

Modernere Unterrichtsmethoden, ach hör mir damit auf, meinen sie. Eine jüngere Kollegin, die sehr offen unterrichtet und einen dieser älteren konservativen Kollegen bat, seinen Unterricht in ihrer Klasse doch entsprechend ein wenig anzupassen, bekam zu hören, dass man sich mit 30 Berufsjahren Erfahrung doch nichts von einer jüngeren Kollegen vorschreiben lassen müsse.

Veränderung, dagegen sind diese Kollegen, von denen ich hier berichte, eigentlich nicht. Sie wünschen Veränderung, wie so viele andere auch. Die Veränderung, die Sie sich vorstellen, bedeutet jedoch das Rad um mindestens 20 oder gar 30 Jahre zurück zu drehen.

Nein, sagten sie mal, als bei uns eine Gruppe Veränderungen anstoßen wollte, wir stellen uns euch nicht den Weg, denn ihr müsst sie noch länger unterrichten. Dass sie sich dann an den Veränderungen beteiligen, das könne man von ihnen wohl aber nicht mehr erwarten. Damit war das Thema für sie erledigt.

Was ich hier geschildert habe an Beobachtungen, trifft nur auf einen Teil meines Kollegiums zu und lässt sich auch nicht für alle Kollegen und Kolleginnen über 50 verallgemeinern und das möchte ich auch nicht. Es gibt unter den älteren Kolleginnen und Kollegen viele, die über lange Jahre sehr engagiert an ihrer Schule gearbeitet haben und dieses auch heute noch immer tun, wenn vielleicht auch teilweise mit gedrosselter Energie. Aus meiner Erfahrung muss ich jedoch sagen, dass die veränderungsresistenten überwiegend älteren Kollegen den Entwicklungsprozess meiner Schule nicht unwesentlich be- oder vielleicht sogar auch verhindern. Einige von ihnen werden zum Ende des Schuljahres pensioniert und das ist auch gut so. Sie haben über viele Jahre gute Arbeit geleistet und dafür respektiere ich sie sehr. Ich kann jedoch nicht akzeptieren, dass sie sich als Bildungsprofis selber von Lernprozessen ausschließen. Von daher muss ich sagen, ist es besser, dass sie endlich gehen.

Natürlich wird mit den älteren Kollegen auch eine Menge an Erfahrung gehen und der Schule vielleicht auch fehlen. Es bleibt außerdem zu abzuwarten, ob für die ausscheidenden Kollegen brauchbarer jüngerer Nachwuchs kommen wird. Auch wenn derzeit die Ausbildung an Universität und in Studienseminaren vielfach noch weit von zeitgemäßen didaktischen Ansätzen entfernt ist, so lässt sich alles dieses vernachlässigen, wenn die nachrückenden Lehrerinnen und Lehrer zumindest das notwendige Engagement und die Begeisterung mitbringen, um Schule endlich zu verändern und nach vorne zu bringen. Darauf hoffe ich, und ich hoffe wohl nicht alleine.

Was bitte ist „Individuelle Förderung“? (1)

Posted in Hauptschule, Schulentwicklung by damianduchamps on Juli 18, 2010

Wer ab und an in mein Blog schaut, hat gesehen, dass ich mich momentan mit dem Thema Individuelle Förderung intensiver beschäftige, denn an meiner Schule soll sich etwas bewegen in diese Richtung. In NRW ist Individuelle Förderung vom Schulgesetz vorgeschrieben, sogar dem Wortlaut nach.

Schulgesetz NRW (Stand: 15. 2. 2010)

Erster Teil

Allgemeine Grundlagen

Erster Abschnitt

Auftrag der Schule

§ 1

Recht auf Bildung, Erziehung und individuelle Förderung

(1) Jeder junge Mensch hat ohne Rücksicht auf seine wirtschaftliche Lage und Herkunft und sein Geschlecht ein Recht auf schulische Bildung, Erziehung und individuelle Förderung. Dieses Recht wird nach Maßgabe dieses Gesetzes gewährleistet.

Quelle: http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Schulrecht/Gesetze/SchulG_Info/Schulgesetz.pdf

Wie man verschiedentlich hört, setzen Gerichte in diesem Bundesland das Recht auf Individuelle Förderung in der Rechtsprechung bereits um. Eltern, die gegen Noten klagen oder das Sitzenbleiben ihres Kindes, erhalten Recht, da die betroffenen Schulen Individuelle Förderung in den seltensten Fällen nachweisen können.

Individuelle Förderung ist ein Begriff, der sich für mich im Laufe der Zeit gewandelt hat. Ich habe eine Vorstellung davon, jetzt, was ich darunter verstehe. Allerdings habe ich auch gemerkt, dass in meinem Kollegium die Vorstellungen dazu sehr auseinandergehen. In der Steuergruppe steht man meinen Vorstellungen recht nah, weil wir gemeinsam am Konzept arbeiten und ich ein wenig die Rolle des Vordenkers übernommen habe. Einige im Kollegium lehnen Individuelle Förderung mehr oder weniger ab und andere haben andere Ideen oder stehen irgendwo dazwischen.

Die meisten Informationen, die ich zum Thema Individuelle Förderung bisher hatte, fand ich im Netz. Dort findet sich viel und auch wieder nicht. Es gibt Informationen von Seiten der Schulministerien, Handreichungen, Materialien, Anleitungen, Konzepte einzelner Schulen, Ideen einzelner Lehrer und mehr. Viele Schulen aller Schulformen erwähnen auf ihren Seiten Individuelle Förderung, bleiben jedoch inhaltlich eher vage. Daneben finden sich einige Druckwerke aus der Fachwelt und Fördermaterialien der Verlage. Klett (und Auer, von denen sie Material übernommen haben) und Cornelsen scheinen dabei auf einer ähnlichen Linie zu liegen.

Aufgefallen ist mir bei meinen Recherchen, dass es scheinbar eine Reihe verschiedener Konzepte von Individueller Förderung gibt. Das ist also nicht nur ein Phänomen, das ich in meinem Kollegium beobachten konnte. Es scheint, jede Schule hat ein eigenes Konzept und nur einige Konzepte sind vergleichbar.

Für mich war das ein Grund, mich intensiver mit dem Begriff auseinanderzusetzen. Dazu habe ich noch einmal Revue passieren lassen, wie das mit meiner Vorstellung oder besser meinen Vorstellungen von Individueller Förderung war und sich diese entwickelt haben.

(more…)

Und manchmal hasse ich Lehrer …

Posted in Alltag by damianduchamps on Juli 8, 2010

Hier im Blog habe ich jetzt längere Zeit nichts geschrieben, obwohl es viel gegeben hätte, über das ich mich hätte auslassen können. Ich habe es mir verkniffen. An verschiedenen Stellen berichtete ich bereits von meinen Versuchen, mit der Steuergruppe meiner Schule gemeinsam ein Förderkonzept auf die Beine zu stellen und gekoppelt damit die Einführung des 60-Minuten-Taktes auf den Weg zu bringen.

Nach einigem Vorwärts und Rückwärts schien der 60-Minuten-Takt zunächst gestorben, dann doch wieder nicht, nachdem die Steuergruppe dafür gekämpft hatte, um dann letztlich doch abgesagt zu werden. Da hatte man bereits einiges an Zeit und Arbeit investiert in die Sache und es durch alle Gremien geboxt bis zur Schulkonferenz. Ein Förderband gibt es nun definitiv nicht. Vielleicht kommt der 60-Minuten-Takt nun nächstes Jahr, möglicherweise aber auch nie. Die Steuergruppe erfuhr als letztes davon, dass Schulleitung den 60-Minuten-Takt mal eben hatte fallen gelassen. Der Frust war entsprechend groß, nicht nur darüber, dass es keinen 60-Minuten-Takt mehr geben wird, sondern vor allem über das Vorgehen. Im nächsten Schritt kippte die Schulleitung dann mal eben das Förderkonzept der Steuergruppe. Inhaltlich habe sich doch nichts geändert, hieß es. Der Mitgliedern der Steuergruppe raubte das den Schlaf der Nacht des gleichen Tages und am Folgetag legte das Gremium die Arbeit nieder. Im Kollegium war und ist die Verwirrung groß. Auch eine eiligst auf Druck der Steuergruppe einberufene Lehrerkonferenz konnte nicht für alle Klarheit schaffen, rettete aber scheinbar zumindest einen Teil des Förderkonzeptes der Steuergruppe.

Zur gleichen Zeit beschäftigten sich verschiedene Kolleginnen und Kollegen in den Fachschaften mit dem Thema Fördermaterial. Es war einiges Material gekauft worden. Wenn auch noch lückenhaft, so sehen die Verlage im Fördern ein lohnendes Geschäftsfeld und bringen nun mehr und mehr Material auf den Markt. Zwar hatte die Steuergruppe ein Förderkonzept formuliert und einen Leitfaden für die Erstellung von Fördermaterial erstellt, trotzdem gab und gibt es Schwierigkeiten. Unterschiedliche Kollegen haben unterschiedliche Auffassungen vom Fördern. Das reicht von ein paar Übungsblätter bis zu differenziertem Material mit Einstufungs- und Abschlusstest. Kaum jemand sieht sich verpflichtet, sich an den Vorgaben der Steuergruppe zu orientieren, soweit sie bekannt sind. In den Fachkonferenzen konnte bisher teilweise keine Einigung erzielt werden, wie das Fördermaterial aussehen soll. Jeder meint, machen zu können, wie es ihr oder ihm passt.

Der Fairness halber muss man aber auch sagen, dass nur die wenigsten wirklich eine Ahnung vom Thema „Individuelle Förderung“ haben. Wer differenziertes Material erarbeiten soll oder will, muss natürlich auch in dieser Schiene denken können. Es herrscht also ein Defizit im professionellen Bereich und dazu ein Informationsdefizit. Die Zeit hat nicht für uns gearbeitet.

Mit der Lähmung der Arbeit der Steuergruppe stockte auch der Informationsfluss. Und nun stehen die Ferien vor der Tür. Im neuen Schuljahr soll der Förderunterricht mit drei Stunden je Woche für die Fünfer und Sechser beginnen. Das Chaos regiert in den Fachschaften. Meinen Vorschlag, den Start noch einmal um ein viertel Jahr zu verschieben, um Zeit zu gewinnen und durch Schulungen die Kollegen auf einen Stand zu bringen im Thema „Individuelle Förderung“ lehnte die Steuergruppe ab, da man Angst hat, dann beim Kollegium vollends an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Wir werden also irgendwie beginnen, jeder so wie es ihm passt. Die Steuergruppe soll anschließend sehen, dass sie alles (nachträglich) in Bahnen lenkt. Ein einheitliches Förderkonzept, keine Ahnung …

Was ich in meinem Kollegium so alles erlebe und erlebt habe, das zeigt mir immer wieder, wie wenig das Prinzip „Lebenslanges Lernen“ bei vielen Lehrerinnen und Lehrern angekommen ist. Ich arbeite mit vielen gestandenen Kolleginnen und Kollegen zusammen und ich achte sie für ihre Erfahrungen und das, was sie im Laufe vieler Dienstjahre geleistet haben. Sie haben viele Reformen und Reformen von Reformen miterlebt. Man hat sie vor jeden Karren gespannt und verheiz und verschlissen. Trotzdem habe ich kein Verständnis für den Mangel an Offenheit, den manche gegenüber den Bemühungen der Steuergruppe meiner Schule zeigen, die Schule für die Zukunft fit zu machen. Von gebildeten Leuten würde ich schon gerne etwas mehr Professionalität erwarten. Außerhalb des Bildungssystems, in der Wirtschaft könnte man sich vergleichbares Verhalten nicht erlauben. In Schulen machen viele der dort Arbeitenden schlicht und einfach, was sie wollen. Das kann mitunter zum Positiven wirken. Oft leider, so meine Erfahrung, wirkt es allerdings zum Negativen. Jeder macht, wie er will, und wenn man nicht will, tut man eben nichts und sitzt es aus. Teamarbeit, wen interessiert das? – Schülerzentriert unterrichten? Sollen sich die Schüler doch erst einmal ändern. – Schüler eigenständig arbeiten lassen mit Materialien, die das zulassen? Da kann man auch gleich eine Putzfrau dazustellen. – Schüler individuell fördern? Sollen wir jetzt jeden zum Abitur fördern? Nicht mit mir. Das und mehr hört man so und ähnlich immer wieder.

Und manchmal hasse ich Lehrer, und zwar genau deswegen.

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Wer etwas verändern will, macht sich leicht unbeliebt

Posted in Alltag, Schulentwicklung by damianduchamps on Mai 27, 2010

Ich bin nur ein Lehrer wie viele andere. In einer Sache unterscheide ich mich allerdings deutlich von einem großen Teil meiner Kolleginnen und Kollegen: ich möchte Dinge verändern, grundlegend und möglichst jetzt. Damit macht man sich allerdings schnell außerordentlich unbeliebt.

Wie mit anderen Dingen auch, habe ich mit denen im Kollegium, mit denen ich mich ohnehin verstehe und die ich entsprechend einschätze, geredet und ihre Bereitschaft zu Veränderungen ausgelotet. Da rannte ich bei einigen offene Türen ein. Dann folgte der erste Versuch, meine Schule von unten her zu verändern. Die kleine Gruppe, die sich dafür engagierte, arbeitete fleißig an einem Konzept und stellte dieses dem Kollegium vor. Offene Ablehnung hielt sich in Grenzen. Sie kam vor allem aus dem „konservativen Block der Neinsager„. Die Mehrheit äußerte sich nicht und stimmte für unser Vorhaben oder enthielt sich zumindest. Bei der Umsetzung scheiterte das Vorhaben dann letztlich. Es fanden sich keine weiteren Kollegen zur direkten Mitarbeit und von der Co-Schulleitung kam ein Torpedo direkt vor den Bug. Die Schulleitung, die das ganze zwar guthieß und auch unterstützte, versäumte es, rettend einzugreifen. Damit sank das Schiff und der Versuch, eine Veränderung einzuleiten hinterließ bei einigen im Kollegium einen bitteren Nachgeschmack, auch wenn sich für niemanden auch nur eine Minute etwas verändert hatte bis dahin.

Im Nachhinein muss ich sagen, war beim ersten Versuch die Strategie die falsche. Ich hatte versucht, das Pferd sozusagen von der falschen Stelle aufzuzäumen. Mein Versuch war übrigens nicht der erste Versuch, an der Schule etwas ins Rollen zu bringen. Da war schon einmal ein Kollege, wie ich jünger und sehr motiviert. Er engagierte sich zweihundertprozentig, hatte den Rückhalt der Schulleitung und scheiterte am Widerstand des Kollegiums, die so weitermachen wollten wie sie das immer getan hatten. Er hatte sich dabei sehr viele Feinde im Kollegium geschaffen. Folglich zog er die Konsequenz und suchte sich eine eigene Schule, die er als Schulleiter verändern konnte. Er bekam sie, klotze einige Jahre voll rein und veränderte die Schule tatsächlich, gegen den Widerstand des dortigen Kollegiums, unterstützt von der Schulaufsicht und den von dieser veranlassten Versetzungen nicht kooperierender Kollegiumsmitglieder.

Meinen zweiten Versuch startete ich zusammen mit der Steuergruppe. Die steht voll hinter der Idee, etwas zu verändern. Sie hatte sich beim ersten Versuch bereits ein wenig eingeklinkt, jedoch zu spät. Allen in der Steuergruppe ist klar, dass es kaum möglich ist, direkt etwas in den Köpfen der Kollegen zu verändern. Wieder steht die Schulleitung hinter der Sache und diesmal aktiver. Wir kamen also auf die Idee, durch äußere Veränderungen ein Zeichen zu setzen und so vielleicht innere Veränderungen anzustoßen. Das war dann die Idee mit dem 60-Minuten-Takt und dem Förderband (siehe dazu meine diversen Einträge in diesem Blog). Zunächst einmal erarbeiteten wir ein Leitbild für die Schule und Leitziele und holten dazu Eltern und Schüler ins Boot. Das stellten wir dann dem Kollegium vor und das musste es so, wie es war, absegnen. Versuche, es zu zerreden wurden abgeblockt, denn Schüler, Eltern, Steuergruppe und Schulleitung standen bereits voll dahinter. Abgeleitet aus Leitbild und Leitzielen wurde dem Kollegium nun die Absicht kund getan, größere Veränderungen einzuleiten. Später wurde noch einmal über den Zwischenstand der Arbeiten der Steuergruppe informiert. Es wurde außerdem noch einmal bekräftigt, dass es einen 60-Minuten-Takt und ein Förderband geben werde. Um das Kollegium auf das Thema individuelle Förderung einzustimmen und es auch etwas mit Wissen zu versorgen, wurde eine Fortbildung angesetzt.

Kommunikation ist so wichtig. An dieser Stelle läuft bei diesem Versuch einiges nicht so, wie es sollte. Zwar ist die Umstellung auf den neuen Zeittakt und das Förderband eine beschlossene Sache, doch wie wir dahin kamen, das sorgte schon für Zündstoff. Es wurde dem Lehrerkollegium eigentlich keine Möglichkeit zur Abstimmung gegeben. Es wurden mögliche Stundenpläne ausgehängt für einen 60-Minuten-Takt und dazu die Möglichkeit gegeben, Kritiken oder Änderungsvorschläge an ein Flipchart zu schreiben. Es kam kein einziger Eintrag. Die Schulleitung interpretierte das als Zustimmung und verzichtete auf eine Diskussion und Abstimmung (auch mit dem Hintergrund, dass eine Zustimmung dann vermutlich nicht zu erreichen gewesen wäre).

Der Fortbildungstermin wurde viel zu spät kommuniziert. Wir haben unseren Terminkalender online gestellt und verzichten auf den bisherigen kopierten. Viele Kollegen sehen aber keine Notwendigkeit, so scheint es, im Onlinekalender nachzuschauen, was ansteht. Sie machen das nicht, also machen sie es nicht. Deswegen wussten sie auch erst eine Woche vor dem Termin, dass er stattfindet, nämlich dann, als die Eltern per Schreiben informiert wurden. Der Unmut, der mit dem Anliegen an sich zu tun hat, wird so durch schlechte Kommunikation noch verstärkt.

Menschen sind Gewohnheitstiere. Was immer so war, wird immer so bleiben und was nicht sein kann, das darf auch nicht sein. So einfach kann man das fassen. Veränderungen verursachen Unsicherheit und Unsicherheit erzeugt Ablehnung. Noch ist im Kollegium meiner Schule wenig Information über die vorstehenden Veränderungen angekommen. Das hängt zum einen damit zusammen, dass auch die Steuergruppe noch nicht alle Informationen hat und geben kann. Es hängt auch damit zusammen, dass man dem Kollegium ein möglichst ausgereiftes Konzept vorlegen vorsetzen möchte und auch damit, dass man sich in der Steuergruppe davor fürchtet, das Kollegium redet, angestachelt vom „konservativen Block der Neinsager“ alles kaputt. Desinteresse des Kollegiums ist auch ein Grund. Jeder weiß, wer in der Steuergruppe ist und plant, man braucht nur fragen. Alle wissen, alles Tun der Steuergruppe, alle Planungen, sind ausführlich in einem Wiki dokumentiert und für jedermann einsichtig. Das geplante Schema für das Förderband wurde auf einer Schrankwand über eine Länge von vier Metern gut sichtbar mit Erklärungen aufgehängt. Nur wenige sahen es sich einmal genauer an.

So soll meine Schule nun grundlegend verändert werden. Jeder weiß, wie sehr ich die Sache mit vorantreibe. Manche machen meine Rolle vielleicht größer als sie ist. Dass ich mir mit diesem Versuch nur wenig Freunde machen werde, war mir klar. Die Hoffnung der Steuergruppe ist, dass wir mit dem Ergebnis überzeugen können. Darauf hoffe  ich natürlich auch, denn dann hätte ich mir deutlich weniger Feinde gemacht. Dafür aber muss die Sache erst einmal laufen und das braucht die Mitarbeit des Kollegiums, und da ist derzeit ein großes Fragezeichen.

Geld alleine löst keine Probleme

Posted in Schulentwicklung, Schulpolitik by damianduchamps on Mai 25, 2010

Deutschland muss sparen. So viel ist klar. Wenn es aber um die Frage geht, wo gespart werden kann und soll, dann scheiden sich die Geister. Für die einen ist der Bereich Bildung und Forschung definitiv ein Kandidat und für andere geht hier gar nichts und man möchte die Ausgaben sogar noch steigern in den kommenden Jahren. Was ist nun richtig? Oder muss die Frage vielleicht völlig anders gestellt werden?

Die FAZ griff das Thema am 24. Mai mit dem Artikel Sparen an der Bildung – aber richtig auf und versucht, eine Position in der Mitte zu finden (Dank für den Hinweis auf den Artikel an @janschuette). Der Autor, Winand von Petersdorff, ist der Meinung, dass man durchaus Ansätze zum Sparen finden kann, nämlich dort, wo Ausgaben nichts oder wenig bewirken. Als Extrembeispiele führt er Hochschulen an, die nicht einmal wissen, wie sie die Fülle an Geld sinnvoll ausgeben sollen. Richtig weist er darauf hin, dass zwischen der ins Bildungssystem investierten Geldmenge und  dem, was dabei herauskommt, nicht unbedingt ein proportionaler Zusammenhang bestehen muss. Die Gesamtschulen zeigen, denke ich, wie richtig er mit dieser Aussage liegt. Entsprechend erteilt er der Forderung nach kleineren Klassen zur Verbesserung des Lernerfolges eine klare Absage und stützt sich dabei auf Ergebnisse wissenschaftlicher Studien. Diesen Studien widerspreche ich auch nicht, denn Klassengröße ist nicht das entscheidende Kriterium für eine Verbesserung von Unterricht. Von daher stimme ich ihm hier auch zu. Allerdings würde ich nicht soweit gehen, nun auch gleich zu sagen, man könne Klassen ohne Nachteile vergrößern, um damit dann Personal (sprich Geld) zu sparen.

Eines stellt Winand von Petersdorff absolut richtig fest, Geld, welches für Bildung ausgegeben wird, kommt eher denen zu Gute, die es nicht brauchen als denen, die es am nötigsten hätten. Die schlechtere Stellung von Kindern aus bildungsfernen Schichten zeigt sich an vielen Stellen, von der Empfehlung der Grundschulen für eine weiterführende Schule, zur Entscheidung der Eltern dieser Kinder für eine Sekundarschule und eben auch darin, wie wenig diese Kinder von Bildungsausgaben profitieren. Eine Lösung dieses Problems sieht von Petersdorff im Timing von Bildungsinvestitionen. Um die nachteiligen Effekte der sozialen Herkunft  auf den Bildungserfolg zu reduzieren, spricht er sich für Investitionen in die frühkindliche Bildung aus. Aus der Sicht eines Hauptschullehrers kann ich dieses nur unterstützen. Viele der Kinder, mit denen ich zu tun habe, kommen mit großen Defiziten in verschiedensten Bereichen an meine Schule. Für Hauptschulen, deren Klientel sich heute überwiegend auf die Kinder bildungsferner Schichten beschränkt, ist das Alltag. Viele der Defizite, mit denen wir zu kämpfen haben, lassen sich auf Versäumnisse in der frühen Kindheit und Kindheit zurückführen. Wir als Schule können nur noch notdürftig kitten, doch beheben können wir die Defizite häufig nicht und so verfolgen sie diese Kinder ein Leben lang.

Die Übel, die unser Bildungssystem plagen, haben auch mit Geld zu tun und damit, wer von Bildungsinvestitionen profitiert und wer nicht. Für mich ist die zentrale Frage jedoch eine andere. Wie kann man die Struktur unseres Bildungssystems ändern, so dass alle davon gleichermaßen profitieren?

Ich glaube, Schule muss sich grundlegend verändern. Wer glaubt, unser bestehendes System durch Mehrausgaben zu besseren Ergebnissen zu bringen, kommt nicht vom Fleck. Was wir brauchen, ist eine neue Struktur, eine Revolution, wie Sir Ken Robinson fordert. Außerdem benötigen wir einen Unterricht, der Schülern als Individuen gerecht wird und ihnen ihre eigenen Lernwege ermöglicht. Das geht jedoch nicht ohne Lehrer, die in der Lage sind, anders zu unterrichten. Lehrer müssen fortgebildet werden, und es ist nicht mit ein paar Veranstaltungen hier und da und dort getan. Es muss eine nachhaltige Fortbildung sein, die Lehrer zu kompetenten Lehrern des 21. Jahrhunderts macht. Das kann nur über Wochen und Monate gehen, praktisch und unterrichtsbegleitend. Dafür braucht es Ressourcen. Lehrer müssen freigestellt werden für Fortbildung. Aus eigenen Mitteln können die meisten Schulen dieses derzeit kaum leisten.

An Hauptschulen wäre das vielleicht noch machbar, durch Vergrößerung der Klassen, da diese etwas kleiner sind als an anderen Schulformen. An Realschulen und Gymnasien mit Klassengrößen von 30 und mehr Schülern halte ich diesen Weg jedoch nicht für gangbar. Und in dem Moment, wo man zu der Lösung käme, größere Klassen wären machbar, würden findige Ministerialbeamte sofort den Stellenschlüssel, sprich das Schüler zu Lehrer Zahlenverhältnis, erhöhen und damit diese Möglichkeit zunichtemachen.

Die Lösung wäre, meiner Meinung nach, eine Zuteilung weiterer Lehrkräfte an die Schulen, um Lehrer über längere Zeiträume für Fortbildung freizusetzen. Das muss zumindest für eine Umbauphase von vermutlich fünf bis sieben Jahren möglich sein. Damit könnte man die Lehrer, die derzeit an Schulen arbeiten und noch auf mindestens 20 Jahre die Mehrheit in den Kollegien stellen, auf einen aktuellen Stand von schülerorientiertem Unterricht bringen. Fortbildung ist selbstverständlich für alle verpflichtend. Außerdem ist die Lehrerausbildung selbst auf den diesen Stand zu bringen, um nicht weiter Lehrernachwuchs zu produzieren, der in seinen Kompetenzen auf dem Stand von vor 20 Jahren ist. Mit einer auf diesem Weg bewirkten Veränderung von Schule könnte zudem der Lehrerberuf wieder zu einem attraktiven Beruf werden. Wir brauchen kluge Köpfe für die Schulen, die klügsten Köpfe überhaupt.

Beginnen sollte man am besten sofort. Es sind bereits zu viele Kinder in unserem System auf der Strecke geblieben. Schulen und Lehrer, die sich auf einen schülerorientierten Unterricht verstehen und diesen seit Jahren erfolgreich praktizieren, gibt es ausreichend. Von ihnen könnten wir lernen.

Förderkonzept – auf der Suche

Posted in Alltag, Hauptschule, Schulentwicklung by damianduchamps on Mai 24, 2010

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, möchte sich meine Schule (endlich) auf den Weg machen, einige grundlegende Dinge zu verändern. Dazu gehört auch ein Förderkonzept. Bisher haben wir zwar Förderempfehlungen geschrieben, nach Vorschrift. Die sind jedoch – meiner Meinung nach – das Papier, auf dem sie gedruckt sind, kaum Wert. Eine Förderwerkstatt haben wir noch, und da findet tatsächlich und wahrhaftig, als solche ausgewiesen, Förderung statt. Hier fördert eine Kollegin mit Montessoriausbildung die Fünfer und Sechser in den Fächern Deutsch und Mathematik. In der Regel können die Kinder nach einem halben Jahr ihre Leistungen um eine Notenstufe verbessern. Förderung erfolgt in Kleingruppen und die Schüler werden dazu aus dem regulären Unterricht dazu stundenweise herausgezogen. In den Genuss des Förderunterrichts kommt, wer in unseren kleinen Diagnosetests in Klasse Fünf auffällt oder später im Unterricht deutliche Probleme hat. Überwiegend sind es Kinder mit Migrantenhintergrund, dann solche mit verzögerter Entwicklung, Kinder mit Dyskalkulie, Dyslexi oder Legasthenie, und ab und an sind es auch die sprachlosen Kinder, Flüchtlingskinder aus Äthiopien oder Immigranten aus Polen oder sonst einem Land, die bei uns landen, ohne der deutschen Sprache mächtig zu sein.

Dass sich „meine Schule“ auf den Weg machen möchte, ist wohl mehr Wunschdenken. Es sind im Grunde genommen nur wenige, die das wirklich wollen, die Steuergruppe, der Schulleiter und ein paar Kollegen. Die Mehrheit möchte lieber so weiter machen wie bisher, auch wenn oft über immer ein immer größeres Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit im Unterricht geklagt wird in Gesprächen unter Kollegen.

Fördern, wozu, fragen viele. Wenn die faul sind und nicht wollen, hört man die Kolleginnen und Kollegen sagen, und damals da hatten wir noch Schüler, die was wollten, man sieht ja, aus denen ist noch was geworden, Ingenieure, Rechtsanwälte, aber heute, nein, die bringen doch keine Lernkultur mehr mit, alles nur Spaßgesellschaft, wenn die Eltern die mal erziehen würden, die sollten mal ihre Hausaufgaben machen, wie soll ich jemanden fördern, der nicht lernen will, …. und so geht die Litanei weiter, wenn es um das Thema geht. Warum sich viele im Kollegium größeren Veränderungen verschließen oder gar verweigern wollen, dafür gibt es viele Gründe, die von schlichtem Desinteresse bis zur in wenigen Jahren bevorstehenden Pensionierung reichen.

Klar ist an meiner Schule eines, es wird zum neuen Schuljahr strukturelle Veränderungen geben. Wir werden es mit dem 60-Minuten-Takt versuchen und wir werden ein Förderband einrichten. Förderband heißt das Konzept, da Fördern täglich stattfindet und zur gleichen Zeit und sich diese Förderzeit wie ein Band durch die Schulwoche zieht. Das Förderband soll eine halbe Stunde Dauer haben und mit ihm soll der Schulmorgen beginnen, viermal in der Woche. An einem Morgen soll die halbe Stunde für Klassengeschäfte zur Verfügung stehen. Bereits im Vorfeld hatten wir uns an einer anderen Schule ein Förderband angesehen. Das war die Overbergschule in Werl, eine Hauptschule wie die unsere, ausgezeichnet als Gütesiegelschule und so für eine Zeit ein Aushängeschild in der Schullandschaft NRW. In Aktion hatten wir das Förderband nicht gesehen. Die Schulleiterin hatte es uns vorgestellt mit viel Anschauungsmaterial. Die veränderten Arbeitsformen im Förderband hätten dann in den normalen Unterricht hinüber gewirkt und auch dort zu Veränderungen im positiven Sinn geführt. Das hatte uns gut gefallen. An der Overbergschule wählen die Schüler ihre Fördergruppen selbst und das Angebot geht über die Kernfächer hinaus. Fördermaterial haben die Lehrer der Schule gekauft sowie selbst erstellt, in großem Umfang. Um die Gruppen klein zu halten, sind zu Beginn des Schultages alle Lehrpersonen im Haus und man wirbt noch zusätzlich externe Helfer (Lese-Oma, etc.).

Wir in der Steuergruppe haben lange überlegt, wie wir die Sache angehen können. Im Hinterkopf hatten wir dabei immer das Wissen, dass ein Teil des Kollegiums ein Förderkonzept nur abnicken aber nicht wirklich mittragen wird. So beschlossen wir, das Fördern zunächst auf die drei Hauptfächer zu begrenzen, um die Sache für alle leichter zu machen. Da wir bezüglich der Zuteilung zu Förderthemen und -gruppen eher davon ausgehen, dass unsere Schüler weniger nach ihrem Förderbedarf entscheiden werden als nach Freundschaft und erwartetem Arbeitsaufwand, entschieden wir uns, dies in die Hand der Lehrer zu geben. Der Förderbedarf sollte sich aus dem vorherigen Halbjahr ergeben. Dazu entwickelten wir ein Raster, in welches die Fachlehrer am Ende eines Halbjahres für jeden Schüler den Förderbedarf eintragen. Das Raster hat fünf Themen- bzw. Kompetenzbereiche für jedes Halbjahr und drei Abstufungen: noch große Schwierigkeiten, teilweise noch Schwierigkeiten, kann das schon. Fachlehrer, die es sich einfach machen wollen, kreuzen einfach nur an. Wer mehr eintragen möchte kann dieses tun. Die fünf Themenschwerpunkte je Halbjahr waren von den Fachkonferenzen festzulegen. Das setzt aber auch voraus, dass in einer Jahrgangsstufe in einem Halbjahr zumindest die gleichen Themen behandelt werden. Bei uns ist das bisher außer in Englisch schon ein großes Problem. Alle Anstrengen in Mathematik scheiterten da in der Vergangenheit meines Wissens an der Eigenwilligkeit der Kollegen.

Praktisch stellten wir uns den Ablauf des Förderbandes wie folgt vor. Ein Schuljahr besteht aus zehn bis elf Förderperioden, von denen die erste in der zweiten Schulwoche beginnt. Es laufen immer zwei Fördermodule parallel, Montags und Donnerstags das eine, Dienstags und Freitags das andere, und am Mittwoch ist Klassenlehrerzeit. Je Jahrgang gibt es immer eine Fördergruppe mehr als es Klassen gibt. Das soll einmal die Gruppengröße bei ca. 15 Schülern halten und außerdem Kollegen daran hindern, normalen Unterricht zu machen, da sie so nie ihre Klasse bzw. ihren Kurs haben. Eine Förderperiode dauert somit vier oder fünf Wochen, womit ein Fördermodul mit vier bis fünf Stunden gefördert wird, verteilt auf acht bis zehn Halbstunden. Für jede Jahrgangsstufe gibt es ein Förderteam. Diesen stehen entsprechend der Gruppenzahl Räume zur Verfügung. Anhand des zum vorherigen Halbjahresende durch die Fachlehrer festgestellten Förderbedarfs werden die Schüler nun in Gruppen eingeteilt. Klassenlehrer haben zuvor den Förderbedarf ihrer Schüler in eine Übersichtsliste eingetragen. In den Fördergruppen findet zu Beginn ein Planungsgespräch statt mit den Schülern, so die Idee. Anschließend sollen die Schüler möglichst eigenständig an ihrem Thema arbeiten, wobei die Lehrperson lediglich beratende und unterstützende Funktion hat. Zum Ende des Fördermoduls bewerten die Schüler ihren Erfolg (noch große Schwierigkeiten, teilweise noch Schwierigkeiten, kann das schon). Verschiedene Fördermodule werden im Verlauf des Halbjahres mehrfach wiederholt, je nach Bedarf, um einmal allen Schülern mit entsprechendem Förderbedarf das Modul anbieten zu können und den Schülern, die nach einem ersten Durchlauf noch weiteren Förderbedarf haben, eine erneute Teilnahme am Modul zu ermöglichen.

Die Förderteams treffen sich im Laufe des Halbjahres regelmäßig, um die Zuteilung der Schüler zu den Gruppen zu regeln. Dabei können sie auch Themenänderungen vornehmen, wenn sich dieses aus dem aktuellen Bedarf ergeben sollte.

Um das eigenständige Arbeiten der Schüler im Fördermodul zu ermöglichen aber auch um fachfremde Kollegen beim Fördern in einem ihnen weniger vertrauten Bereich zu unterstützen, sollen für alle Fördermodule Materialpakete zusammengestellt werden. Die Inhalte sollen aus in der Schule über die Jahre gesammelten Materialien bestehen, aus neu erstellen Materialien und hinzugekauften. Vor allem in den unteren Jahrgangsstufen soll das Fördermaterial so angelegt sein, dass es verschiedene Zugänge zum Lerngegenstand ermöglicht. Für die zentrale Lagerung und Systematisierung der Materialienpakete soll es einen speziellen Raum geben.

Zu Beginn der Fünf, wo es keine Förderempfehlungen aus dem vorherigen Halbjahr gibt, sollen die Kinder getestet werden, um ihren Förderbedarf zu ermitteln. Erst danach soll ihre Förderung anlaufen. Starke Schüler aller aber vor allem der oberen Jahrgangsstufen sollen in ihren Stärken gefördert werden, indem sie in ihren starken Bereichen in Fördergruppen als Tutoren eingesetzt werden und dadurch ihre Stärken dort ausbauen. Dokumentiert wird die Förderung mit den Förderplänen und anderen Materialien in einem Förderportfolio über die Schulzeit hinweg.

Für mich klingt das System machbar. Der Aufwand für die Kollegen hält sich in Grenzen und der Verwaltungsaufwand sollte nicht zu groß sein. Ein Kraftakt ist jedoch die Zusammenstellung der Materialen zu Beginn und während des ersten Jahres. Später wird nur noch ergänzt und verbessert. Gute Materialien sollten es den Kollegen leicht machen und verhindern, dass selbst die, die wenig Interesse an der Veränderung haben, sich eben dieser Materialien bedienen anstatt einfach Kopien in die Gruppe zu geben oder sie sonst wie zu beschäftigen. Erhofft ist natürlich, dass Lehrer aus dem Förderunterricht Anregungen für ihren regulären Unterricht übernehmen, wenn sie sehen, wie gut es läuft (falls es gut läuft!). Wenn es so funktionierte, wäre das schön. Ich mache mir allerdings auch keine Illusionen, dass jeder mit Begeisterung mitmacht oder es nicht sogar Kollegen gibt, die sich nicht an die Regeln halten und machen, was ihnen passt. Anders als in der freien Wirtschaft scheint das in Schulen zur Normalität zu gehören.

Als Steuergruppe haben wir dieses Förderband erarbeitet und wollen es nach einem Jahr erstmals evaluieren. In einem Wiki haben wir bereits Fragen gesammelt für die Evaluation. Das hilft schon beim Erarbeiten des Konzeptes. Diese Woche machen wir eine Fortbildung zum Thema individuelle Förderung mit dem Kollegium. Eine Lehrerin, die sich durch Fortbildungen darauf spezialisiert hat und das Thema Förderband von zwei Schulen aus eigener Erfahrung kennt, wird die Veranstaltung leiten. Das Kollegium soll damit auf den Weg gebracht werden, sich mit dem Thema Fördermaterialien aktiv auseinanderzusetzen. Danach soll es daran gehen, diese Materialien dann, wie oben beschrieben, zusammenzustellen.

Im Planungsgespräch mit der Fortbildnerin redeten wir auch über unser Konzept für das Förderband. Sie findet es gut und hält es für machbar. Allerdings hat sie selbst andere Erfahrungen gemacht und sagte uns, Schüler wären am überzeugtesten bei einem Förderband dabei, wenn sie sähen, welchen Vorteil es hier und jetzt für sie brächte. Das wäre dann der Fall, wenn die Förderung einen unmittelbaren Bezug zu den gerade im Unterricht aktuellen Themen hätte. Außerdem solle man auch Sport in die Förderung einbeziehen, um Kinder mit Defiziten in Bewegung und Wahrnehmung dort zu fördern. Das hätte oft auch Auswirkungen auf andere Bereiche. Man solle nach ihrer Erfahrung generell in allen Fächern fördern. Das käme den Kollegen entgegen, die so nicht fachfremd fördern müssten. Viele kleine Gruppen, das klappt nach ihren Erfahrungen meist auch nur eingeschränkt, weshalb es dann letztlich doch auf Klassengruppen hinauslaufe. Habe man einen zusätzlichen Kollegen, könne dieser entweder in den Gruppen wechselnd unterstützen oder eben mal eine kleinere Gruppe herausziehen und in die Sporthalle gehen oder zu einem anderen Thema arbeiten. Es sei auch vorstellbar, dass man im Förderband mal eine Gruppenarbeit vom Vortag fortsetze oder  eine Gruppe etwas für den Sportunterricht aufbaue. Auch da sei Förderung möglich. Über Material, so sagte sie, brauche man sich zunächst weniger Gedanken machen, denn schließlich gebe es genug davon in der Schule verstreut und zu Hause bei den Kollegen.  Das solle man nehmen und eventuell ergänzen. So könne man die Arbeitsbelastung deutlich geringer halten. Diagnosematerial gäbe es mittlerweile ausreichend im Internet, wo man bei Bedarf drauf zugreifen könne.

Die Steuergruppe stellte nach dem Gespräch zunächst einmal unser bisheriges Konzept komplett in Frage. Und nun stehen wir wieder am Anfang, ohne ein Konzept. Was die Fortbildnerin gesagt hatte, klang vernünftig für die Mehrheit und mit Hinblick auf ein eher unwilliges Kollegium attraktiver.

Das kann ich schon nachvollziehen. Allerdings sehe ich auch, als jemand, der eher zu Pessimismus neigt, Schwachstellen. Ein Konzept wie dieses öffnet für mich der Beliebigkeit Tür und Tor. Ich habe lieber System, lieber ein Korsett, lieber Vorgaben, die es den Kollegen dann aber auch leicht machen können, die Richtung zu halten. Dass sich die Steuergruppe mit dem oben beschrieben Konzept im Kollegium weniger Freunde machen wird, ist aber auch klar. Grundsätzlich kann man natürlich sagen, jeder Unterricht ist Förderung. Doch damit macht man es sich nach meiner Meinung zu einfach.

Ein ehemaliger Kollege, der seit zwei Jahren an einer anderen kleineren Hauptschule unterrichtet, stellte uns mit einem seiner Kollegen das Förderband seiner neuen Schule vor. Dort reicht es mangels Lehrpersonal nur für Förderband mit Klassengruppen. Es wird dort schon anders gearbeitet als im normalen Unterricht, eigenständig. Man arbeitet viel mit Kopien und aus den Büchern und mit Starkheften in den oberen Klassen. Man hat ein Förderband und ist zufrieden damit. Mich sprach das nicht an. Ich erwarte mehr, vielleicht zu viel.

Förderkonzepte gibt es viele. Man findet einiges davon im Internet. Eine Schule fand ich, die legte viel Wert auf die Diagnose und ließ sich viele Kollegen für dieses Thema fortbilden, so dass man professionelle Testverfahren kompetent anwenden kann, um den Förderbedarf möglichst gut zu bestimmen. Eine andere Schule förderte täglich 45 Minuten und benotete diesen Förderunterricht sogar noch. Viele Schulen mit Förderband, die meisten, sind Ganztagsschulen. Sie können damit das Fördern noch anders integrieren. Wir müssen es mit der Stundentafel verrechnen, irgendwie. Das bedeutet, je eine Stunde weniger regulären Deutsch-, Mathematik- und Englischunterricht. Dazu kommt noch unsere zusätzliche Umstellung auf den 60-Minuten-Takt.

Das ist der Stand der Dinge an meiner Schule, was das Förderband und seine Organisation angeht. Irgendwie ist alles offen und was nun am Ende dabei herauskommt, kann ich nicht sagen. Der wichtigste Punkt wäre eigentlich eine Veränderung in den Köpfen der Lehrer an meiner Schule. Gäbe es die, bräuchte es nicht einmal die Krücke Förderband. Wir hoffen, und das ist die ungeschminkte Wahrheit, durch eine äußere, strukturelle Wandlung auf Dauer eine innere Veränderungen bewirken zu können.

Anhang:

Ein Mindmap zum Thema Förderband, Förderband-Organisation (ein paar PDFs)

Der Boden der Tatsachen

Posted in Alltag, Schulpolitik by damianduchamps on April 26, 2010

Es war ein tolles Wochenende auf dem 1. Regionaltreffen des ADZ NRW. Die Schule war inspirierend wie die Leute, die man kennenlernte. Passend schien die Sonne aus blauen Himmel, dazu der Frühling ließ flattern sein blaues Band. Und am Montag kommt man wieder in die Schule zurück. Der Himmel ist wolkenverhangen und man landet unsanft auf dem Boden der Tatsachen.

Unsere Schulen sind grau und trist, die Ausstattung ist mager, die Pädagogik die von gestern und die Motivation im Kollegium im Keller. Und es könnte doch so anders sein – man hat es ja gesehen. Ein Ding der Unmöglichkeit wäre es nicht, auch die anderen Schulen zu Schulen mit toller Lernatmosphäre zu machen, wo die Kinder mit deutlich mehr Interesse ans Lernen gehen und die Lehrer mit Freude in den Unterricht gehen, um mit ihren Schülern zu lernen.

Nichts ist unmöglich – eigentlich

Und gerade dieses Wissen, dass es nicht unmöglich wäre, es nicht wesentlich teurer wäre, die Ausstattung kindgerechter zu gestalten, dass es möglich wäre, den Lehrern ausreichend Freiraum für nachhaltige Fortbildungen zu geben und sie in Teams in Klassen zu schicken, gerade dieses Wissen macht es so unbegreiflich. Mangel an finanziellen Mitteln ist es nicht. Unser Land ist trotz gesunkener Steuereinnahmen in Folge der Rezession ein reiches Land. Die Politik, sie ist verantwortlich. Die Prioritäten werden falsch gesetzt. In Zeiten des Wahlkampfes ist Bildung in aller Munde. Politiker lieben das Thema und versprechen, alles zu verbessern. Nur wer wirklich naiv ist, schenkt ihren Worten vielleicht noch Glauben. Bildung hat keine gut bezahlte Lobby, die ihre Lobbyisten in den Bundestag schickt und die Abgeordneten zu teuren Geschäftsessen in Berlins beste Restaurants einlädt. Bildung kann keine Abgeordneten für 300.000 Euro im Jahr in „Gremien“ setzen, wo sie dreimal erscheinen, Kaffee trinken, spazieren gehen und damit ihrer Pflicht genüge getan haben. Und Bildung hat keine großen Wirtschaftslenker, welche die Politik mit Zuckerbrot und Peitsche dazu bewegen, gigantische Subventionssummen zur Stützung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit auf ihre Firmenkonten zu transferieren, zum Wohle aller versteht sich. Bildung kann auch nicht auf die Hilfe der EU hoffen, die subventioniert lieber die Hersteller von Gummibärchen, dass diese beim Handel im Ausland nicht benachteiligt werden. Keine Lobby bedeutet, kein Geld. Stattdessen herrscht Mangelverwaltung am Schulstandort Deutschland. Deutschland hat nur ein Kapital, Bildung.

Hürdenlauf

An meiner Schule setzten wir uns heute wieder dran an die Umsetzung des 60-Minuten-Taktes. Die Stundenplaner werden nun Stundentafeln erstellen und für alle Kollegen, soweit absehbar, die zur Verfügung stehenden Stunden auf 60 Minuten Stunden umrechnen, um planen zu können. Wie es dann hinterher wirklich aussehen wird, ist wie immer offen. Zwar erwartet man, dass zum Ende der Sommerferien alles steht, personal- und stundenplantechnisch, doch dank der Launen der Dezernenten und Staatssekrtäre und wie sie alle heißen, können zwei oder drei schnelle Entscheidungen in Arnsberg oder Düsseldorf sämtliche Planungen Tage vor Schuljahresbeginn wieder über den Haufen werfen. Bei uns im Kreis stehen wieder einmal Versetzungen an. Im Nachbarkreis fehlen Hauptschullehrer und im eigenen Kreis hat man leichte Überbesetzungen und ausgeglichene Besetzungen. Um 15 bis 20 Stellen soll es gehen. Auf einer Schulleiterdienstbesprechung wird das Personal dann hin- und her geschachert, Lehrer als Zählvieh. Und wenn dort entschieden ist, heißt das noch nicht, dass die Personalbewegungen ein Ende haben. Verunsicherung in allen Lehrerzimmern. Wen wird es treffen? Dass man so nicht planen kann, wen interessiert das? Mit der Standardsicherung schwingt man von oben die Peitsche und versucht die scheinselbständige Schule zu Höchstleistungen anzutreiben. )Von Schülern, die keine Motivation verspüren, in diesem System zu lernen und Eltern, die der Schule die Unterstützung verweigern, will ich hier gar nicht reden.)

Das ist der Boden der Tatsachen. Welcome back to reality!

An meiner Schule ist es momentan sehr schwierig. Die Motivation ist schlecht wie die Stimmung auch, alle sind verunsichert und die Hürden bei der Umsetzung unseres Vorhabens scheinen gigantisch. Für mich heißt das, AUGEN ZU UND AB DUCH DIE MITTE.

Wir haben viel geplant, aber noch nichts vorzuweisen. Das soll sich in den nächsten Wochen ändern, wenn wir unsere Fortbildung machen und das Material fürs Förderband zusammentragen, erstellen, bestellen und so weiter. Schritt Eins ist jetzt das Erarbeiten der Förderschwerpunkte für die Halbjahre aller Jahrgangsstufen. Das soll bis Mitte Mai geschehen sein. Ich habe mit Google Docs Formulare vorbereitet, in welche die Förderschwerpunkte dann von den Fachkonferenzen eingetragen werden können, und am Ende hat man drei schöne Tabelle, für jedes Hauptfach eine, in denen alles übersichtlich zu finden sein sollte. Das kann ich dann schnell übertragen.

ADZNRW – 1. Regionaltreffen – Tag 2

Posted in Diverses by damianduchamps on April 25, 2010

Eine Session in der es grundsätzlich um die Rolle der Computer in der Schule geht, gab es dann nicht, unter anderem weil die beiden Personen, die einiges in Frage gestellt hatten am zweiten Tag nicht anwesend waren. Am Sonntag trat die Technik eindeutig in den Hintergrund, war aber trotzdem immer präsent, in den Tweets, die zwischendurch geschrieben wurden, den Mitschriften auf Notebooks (siehe ADZ BarCamp in Köln), dem Geocaching Abenteuer und der Twitter-Schnelleinführung kurz vor Ende des Treffens. Die eingeplanten Pausen entschleunigten das Programm und erlaubten nicht nur die Stärkung mit Obst und Getränken zwischendurch, sondern auch die interessanten Gespräche, zu denen sonst keine Möglichkeit bestanden hätte. Zunächst begann alles jedoch wie am Vortag mit der Erstellung des Sessionplans.

Lernen und Wissenschaffen

Inhaltlich war der Sonntag nicht minder anregend als der Samstag. Unter Lernen und Wissenschaffen stellte Hans-Josef Heck (@hansjosefheck) Überlegungen vor, die er sich im Rahmen ausgehend von einer vor 42 Jahren entstandenen Diplomarbeit zum Thema gemacht hat. Die sich anschließende Diskussion war teilweise kontrovers und bewegte sich doch sehr auf der Metaebene. Was Herr Heck vorstellte, scheint mir, soweit ich es verstanden habe, schon konsensfähig. Ich denke, ich werde mich mit dem Thema noch einmal beschäftigen. Es gibt eine Webseite mit mehr Informationen: Wissenschaffen und Handeln

Lernbüro

Die Internationale Friedensschule ist faszinierend. Auch wenn sie nicht die Vorstellung der Gründungsmitglieder in allem verwirklicht, was diese sich vorstellten, so finden sich hier doch Mengen an Dingen, von der Lehrer an anderen Schulen derzeit nur träumen können. Das fängt bei der Ausstattung an und hört bei den Formen des Lehrens und Lernens auf. Dorothea Vielmetter, Klassenlehrerin in der 6b, führte und in den Trakt der Sekundarstufe und in ihren Klassenraum. Was sie uns dort vorstellte, war die Methode Lernbüro, welches diese Schule in Anlehnung an die Max-Brauer-Schule (Hamburg) und die Bodenseeschule (Friedrichshafen) entwickelt hat. In den ersten beiden Stunden eines jeden Schultages arbeiten die Schüler der Doppelklassen eigenständig an ihren Aufgaben, die für eine bestimmte Zeit jeweils aus einem Fachgebiet stammen. Die Lehrerin fungiert als Lernberaterin, welche die Schüler aufsuchen können, wenn sie Fragen haben. Über ein Brett mit Klammern mit Namen können Schüler sich für ein Gespräch anmelden. Im Lernbüro  arbeiten Schüler überwiegend in Einzelarbeit und über kleine Steckampeln signalisieren sie, ob sie angesprochen werden können oder lieber ungestört arbeiten möchten. Was zu Lernen ist, gibt ein Kompetenzraster vor. Mit grünen Punkten werden erreichte Kompetenzen markiert. Ein Logbuch dokumentiert, die tägliche Arbeit, die mit der Planung des Lernmaterials beginnt, welches ein Schüler bearbeiten möchte und mit einem Abgleich von Zielen und Erreichtem endet. Eine Checkliste im Logbuch gibt vor, welche Aufgaben auf jeden Fall zu bearbeiten sind und dokumentieren Lernfortschritt. Über Smileys geben Lehrer Feedback zum Arbeitsverhalten.

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Wieder auf Kurs mit 60-Minuten-Takt

Posted in Alltag, Hauptschule by damianduchamps on April 22, 2010

Letzte Woche sah es noch fast so aus, als ob das an unserer Schule geplante Projekt 60-Minuten-Takt scheitern könnte. Nach verschiedenen Gesprächen ist die Steuergruppe nun wieder auf Kurs. Es bleibt dabei: wir werden ab dem nächsten Schuljahr 60-Minuten-Takt und 30-Minuten-Förderband einführen. In einer Lehrerkonferenz wurde dieses noch einmal bekräftigt.

Am Montag wird sich die Steuergruppe noch einmal mit den Stundenplanern treffen und Details absprechen, bzw. klären, wo noch Informationen fehlen. Bis Mitte Mai sollen die drei Fachkonferenzen Deutsch, Mathematik und Englisch für jedes Halbjahr für alle Jahrgänge jeweils fünf Förderschwerpunkte erarbeiten. Diese werden am Ende der Halbjahre dazu dienen, den Förderbedarf der Schüler schnell und einfach festzulegen. Entsprechend werden die Schüler dann im ersten Halbjahr des neuen Schuljahres ihren Fördergruppen zugeteilt werden.

Nächster Punkt ist das Thema Fördermaterial und individuelle Förderung. Wir wollen eine schulinterne Fortbildung machen. Eine Expertin haben wir schon. Zunächst wollten wir die Schulung in der letzten Ferienwoche machen. Doch das ist eigentlich zu spät und hilft uns jetzt nicht. Es muss bereits in den nächsten Wochen damit begonnen werden, für die Förderschwerpunkte Material zusammenzustellen. Aus alten Zeiten haben wir eine Menge. Da war ja mal Stationenlernen, Lernwerkstatt und so weiter. Davon existiert noch einiges, das vor vielen Jahren häufig in mühevoller Kleinarbeit erarbeitet wurde. Das kann man nun wieder verwenden, wenn man es wieder findet. Nun hoffen wir, die Expertin kann schon Ende Mai ihre Fortbildung mit uns durchführen.

Fördern ist so eine Sache. Wir wollen natürlich sehen, dass den Schülern möglichst viele Zugänge zum Lerngegenstand gegeben werden, im Idealfall in Richtung vorbereitete Lernumgebung. Es wird aber auch Kolleginnen und Kollegen geben, da machen wir uns keine Illusionen, die werden im Förderband vor allem auf Kopien setzen. Das lässt sich nur vermeiden, wenn wir ihnen genug alternatives Material an die Hand geben. Außerdem ist da ja noch das Problem mit den Fächern. Da wir erst einmal nur in den drei Hauptfächern fördern, lässt es sich nicht vermeiden, dass fachfremd gearbeitet werden muss. Bei Deutsch mag das noch recht einfach sein, bei Mathematik und Englisch, da ist es für Nichtfachleute schwierig.

Wir brauchen also Material und das muss gut sein, ob selbst erarbeitet, aus alten Beständen reaktiviert, von zu Hause mitgebracht oder neu gekauft. Den Fehler einer Schule im gleichen Schulamtsbezirk, die über ein Jahr lang in Hyperaktivität verfiel und so viel Material erstellte, dass sie es nun gar nicht alles braucht, den wollen wir vermeiden.