Damian Duchamps' Blog

14 Wege Leseverstehen digital zu trainieren

Posted in Uncategorized by damianduchamps on Februar 9, 2017

Wenn es im Schulalltag eine grundlegende Kulturtechnik gibt, bei welcher viele Schülern große Defizite aufweisen, dann ist es das Leseverstehen (siehe auch „Sie verstehen kaum, was sie lesen oder hören“).

Zum Trainieren des Leseverstehens gibt es viele bewährte Techniken, die seit Jahren im Unterricht genutzt werden. Es sind Techniken, mit denen Textteile hervorgehoben, Anmerkungen hinzugefügt, Texte gegliedert werden, usw.. Bislang finden sich diese Techniken vor allem im analogen Raum. Schule bewegt sich unaufhaltsam ins digitale Zeitalter. Smartphones, Tablets und Notebooks erobern den Unterricht. Sie bringen neue Möglichkeiten mit, das Leseverstehen zu trainieren. Doch auch bekannte Techniken lassen sich in den digitalen Raum übertragen. Was möglich ist und auch, warum es durchaus Sinn machen kann, analoge Techniken ins Digitale mitzunehmen, das soll im Folgenden dargestellt werden. Hier soll es jedoch nicht um die komplexeren Formen gehen, Leseverstehen zu üben, wie über interaktive Trainingsformate, Multiple Choice Abfragen oder Quizze, sondern um die ganz einfachen Möglichkeiten.

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Bildquelle: Pixabay.com, Public Domain

Viele, die weiterlesen, werden am Ende denken, wie simpel und naheliegend das alles doch ist, so einfach, dass man auch selbst hätte darauf kommen können, zu einfach vielleicht.

Hervorheben

Je nach Leseverstehensniveau werden verschiedene Wortarten, Eigennamen, wichtige Aussagen oder ähnlich während des Lesens hervorgehoben. Den bekannten Marker oder Buntstift zum Hervorheben von Text gibt es in nahezu jeder Textverarbeitung. Auch viele PDF Reader bieten die Funktion. Meist sind mehrere Farben vorhanden. Zur Bedeutung einer jeden Markierungsfarbe wird unter dem Text eine Legende angelegt. Je nach Unterrichtssituation wird sie zur Vergleichbarkeit vom Unterrichtenden vorgegeben.

Ausschwärzen

Eine Möglichkeit, einen Text zu verstehen, kann darin bestehen, unwichtige Bestandteile unkenntlich zu machen. Analog kann man dieses mit einem schwarzen Marker tun. Digital funktioniert es ähnlich wie das Hervorheben, nur dass als Farbe schwarz gewählt wird. Diese Funktion wird allerdings nicht von jedem Programm unterstützt.

Siehe auch Improve Reading Comprehension with Google Docs „Black Out“

Löschen

Löschen ist ähnlich wie das Ausschwärzen, hat jedoch den Nachteil, dass man später, falls sinnvoll, die gelöschten Textteile nicht wiederherstellen kann, ohne alle Änderungen am Text rückgängig zu machen. Umgehen kann man dieses Problem, indem man den Text vor der Reduktion auf das Wichtige in Kopie unter den Originaltext einfügt. Löschen funktioniert nur in Programmen, in denen Text editiert werden kann.

Textformat ändern

Textverarbeitung bietet je nach Programm verschiedene Möglichkeiten, Text zu formatieren. Diese Funktionen lassen sich nutzen, um sich ein Textverständnis zu erarbeiten.

Durchstreichen

Eine weitere Möglichkeit, Textteile als unwichtig zu markieren, bietet das Ausstreichen. Textverarbeitungen bieten hier oft die Möglichkeit für einfaches oder doppeltes Durchstreichen. Ein Vorteil dieser Technik besteht darin, dass der durchgestrichene Text noch lesbar ist.

Unterstreichen

Ganz wie in der analogen Welt unterstützen Textverarbeitungsprogramme und auch manche PDF Reader das Unterstreichen von Text, um diesen zu markieren.

Schrift fett oder kursiv setzen

Jeder Texteditor, und sei er auch noch so simpel, unterstützt das Hervorheben von Text durch Umstellen auf fett. Auch das kursiv stellen bietet sich als zusätzliche Möglichkeit zum Markieren von Textteilen an.

Schriftfarbe ändern

Vor allem in Kombination mit fetter Schrift kann die Veränderung der Schriftfarbe gut genutzt werden, um Text hervorzuheben.

Schriftart ändern

Egal welche der Möglichkeiten genutzt wird, die Schrift zu verändern, sei es Schriftart, Schriftgröße oder Großbuchstaben, Hauptsache ist, der veränderte Text hebt sich vom Rest des Textes deutlich ab.

Kommentare

Textverarbeitungsprogramme wie Microsoft Word, OpenOffice/LibreOffice, Pages und Google Docs erlauben es, Textteile zu markieren und über die Kommentarfunktion mit einem Kommentar zu versehen. In der analogen Welt entspreche dieses einem an den Rand des Texte geschriebenen Kommentar, nur das digital deutlich mehr Platz zum Schreiben zur Verfügung steht. Gibt es keine Kommentarfunktion, kann der Kommentar alternativ auch in Klammern und farbig markiert direkt in den Text eingefügt werden.

Zahlen, Emoji, Bilder einfügen

Um sich einen Text inhaltlich zu erschließen, kann es auch sinnvoll sein, in den Text Elemente einzufügen. Das können beispielsweise Zahlen sein, um bestimmte Strukturen deutlicher zu machen. Genauso können Emoji oder Bilder in den Text gefügt werden, um  erschlossene Inhalte zu verdeutlichen.

Text segmentieren

Zur Erschließung eines Textes kann es auch nützlich sein, diesen durch Aufteilung in Abschnitte inhaltlich zu erschließen. Was bei einem auf Papier gedruckten Text nur schwierig zu lösen ist, etwa durch Markierung von Segmenten durch Linien oder durch Zerschneiden des Textes mit einer Schere, gelingt digital viel einfacher, da der Text in einer Textverarbeitung flüssig ist.

Überschriften einfügen

Liegt ein Text in Abschnitten vor oder wurde von den Schülern in Abschnitte aufgeteilt, so lassen sich in einer Textverarbeitung leicht Überschriften einfügen. Zur besseren Kenntlich machen werden sie durch Formatierung hervorgehoben.

Einfügen von Zusammenfassungen

Bei längeren Texten bietet es sich an, inhaltlich erschlossene Abschnitte mit einem kleinen Text kurz zusammenzufassen. Zusammenfassungen kann man dann zum jeweiligen Abschnitt hinzufügen und durch eine passende Formatierung vom eigentlichen Text absetzen. Das könnte durch eine andere Schriftart, Farbe oder einen Rahmen um den Text herum erfolgen.

Text umstellen

Manche Texte werden verständlicher, wenn die Reihenfolge von Inhalten verändert wird. Um einen Text umzugliedern, braucht es analog Schere und Kleber, oder der Text muss neu abgeschrieben werden. Das braucht es digital nicht. Textpassagen lassen sich heraus trennen und an anderer Stelle wieder einfügen. Um die Umstellung eines Textes zu erleichtern, empfiehlt es sich, diesen vorher zu segmentieren.

Wortwolken erstellen

Dem Verständnis eines Textes kann es zuträglich sein, wenn man einen Überblick erhält über die verwendeten Worte. Das kann mit onlinebasierten Anwendungen wie Wordle und ähnlich erfolgen. Der Text wird markiert, kopiert und in die Anwendung eingefügt. Die Wortwolke gibt Aufschluss darüber, welche Wörter am häufigsten verwendet werden.

Text paraphrasieren

Enthält ein Text schwierige Wörter, so bietet sich an, diese nachzuschlagen und dann durch einfachere Wörter oder Umschreibungen zu ersetzen. Die Schüler erschließen sich so den Text und vereinfachen ihn für sich. Genauso können natürlich auch komplette Sätze oder Abschnitte vereinfacht werden. Bei der digitalen Arbeit besteht für Schüler hier der Vorteil, dass nicht der komplette Text neu geschrieben werden muss, sondern nur bestimmte Textteile.

Text kollaborativ erschließen

Auch analog können Schüler sich ein Text im Team inhaltlich erschließen. Über die digitale Funktion zur Zusammenarbeit an einem gemeinsamen Text geht dieses sogar noch besser, da die beteiligten Schüler ihre Kopie jeder für sich sehen, jedoch trotzdem gemeinsam mit den zuvor beschriebenen Verfahren bearbeiten können. Dafür benötigt es eine Textverarbeitung, die online Zusammenarbeit unterstützt. Beispiele dafür wären Google Docs oder Office 365, Etherpad oder Open 365.

Text (sinngestaltend) vorgelesen hören

Vor allem jüngeren Schülern hilft es, einen Text besser zu verstehen, wenn sie ihn sinngestaltend vorgelesen bekommen. Zusammenhänge zwischen verschiedenen Textteilen werden ihnen so deutlicher. Nicht jeder braucht diese Hilfe und manchen hilft es, wenn sie den Text sogar mehrfach anhören können und dabei mitlesen und markieren. Der Lehrer kann den Text dafür vorlesen und als MP3 digital für die Schüler zur Verfügung stellen.

An den Beispielen konnte hoffentlich gezeigt werden, welche einfachen und auch komplexeren Möglichkeiten sich mit digitalen Werkzeugen bieten, Leseverstehen zu trainieren. Die digitalen Techniken bieten dabei einen großen Vorteil gegenüber analogen Techniken. Veränderungen am Text lassen sich einfach rückgängig machen. Das ist in der analogen Welt oft nicht möglich. Außerdem ist die Bearbeitung von digitalen Texten, sofern sie kein nicht editierbares Format haben wie PDF, sehr viel flexibler als die von analogen Texten. Veränderungen in der Struktur, Ergänzungen und Reduzierungen lassen sich einfach einfügen. Abschreiben, Zerschneiden, Überkleben, Aufkleben und ähnlich entfallen.

Die meisten der beschrieben Techniken, Texte für eine Verbesserung des Leseverstehens durchzuarbeiten, unterstützen auch gleichzeitig die Erarbeitung und das Training  einfacher Grundfunktionen von Textverarbeitung. Viele der Funktionen sollten bereits mit Grundschülern nutzbar sein.

Alles, was es nun noch braucht, sind Texte. Die kann man aus digitalen Quellen bekommen, über Texterkennung einlesen oder einfach abtippen oder diktieren. Die letzteren beiden Möglichkeiten nutze ich gerne, um mich selbst mehr auf den Text einzulassen. So bereite ich mich am besten auf zu erwartende Schwierigkeiten meiner Schüler im Textverständnis vor.

Sie verstehen kaum, was sie lesen oder hören

Posted in Hauptschule, Kompetenzen, Uncategorized by damianduchamps on Februar 5, 2017

An meiner Schule wurden 2016 letztmalig die Lernstandserhebungen Klasse 8 durchgeführt, letztmalig da die Hauptschule ausläuft. Die Ergebnisse für meinen Englisch Grundkurs waren bescheiden. Sie lagen beim Leseverstehen komplett im Niveau 1 und 2. Auch das Hörverstehen war vergleichbar bescheiden. Im Parallelkurs gab es zumindest noch einige wenige Schüler im Niveau 3.

Verglichen mit dem Landesdurchschnitt für die Schulform und den entsprechenden Standorttyp 1 waren diese Ergebnisse jedoch nicht deutlich abweichend. Warum aber, so fragt man sich, ist das Niveau so gering? Warum ist es an meiner Schule so gering und warum ist es auch an vergleichbaren Schulen nicht besser?

Da mir auch die Ergebnisse für das Leseverstehen Deutsch vorlagen, verglich ich diese mit denen von Englisch. Die Ergebnisse in Deutsch umfassen die gesamte Klasse, die meines Grundkurses nur einen Teil der Klasse. Nicht überraschend ist zunächst die Beobachtung, dass sich die Ergebnisse im Leseverstehen der beiden Grundkurse Englisch im Fach Deutsch der jeweiligen Klassen widerspiegeln.

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Mit großer Wahrscheinlichkeit rekrutieren sich die Schüler meines Grundkurs Englisch eher aus denen, die auch in Deutsch im Leseverstehen lediglich Niveau 1 und 2 erreichten (siehe Grafik). Schüler, die schon nicht in der Lage sind, einen deutschen Text lesend mehr als oberflächlich zu verstehen, werden dieses auch bei der englischen Sprache nicht besser können. Liegt eigentlich nahe. Entsprechendes ist für das Hörverstehen zu vermuten, welches in Deutsch nicht getestet wurde.

Das Leseverstehen (Englisch) meiner Schüler und von Schülern an Schulen mit gleichem Standorttyp und an der Schulform insgesamt ist erstaunlich gering. Mit dem Auffinden einfacher Informationen an der Textoberfläche haben die Schülerinnen und Schüler wenig Probleme und auch das Auffinden von Informationen, die in der Aufgabenstellung etwas anders formuliert sind als im Text, klappt noch so einigermaßen. Darüber hinaus geht aber kaum etwas.

Dass meine Schüler in Englisch sehr schwach sind, das wusste ich schon vor der Lernstandserhebung, und ich kenne auch einen Teil der Ursachen. Auch im Unterricht und den Leistungsüberprüfungen zeigte sich das geringe Lese- und Hörverstehen immer wieder deutlich. Sehr überrascht hat mich jedoch das insgesamt geringe Niveau des Leseverstehens in Deutsch. Zwei Drittel der Schüler schaffen nicht mehr als Niveau 2 – Einfaches Verstehen: „Schülerinnen und Schüler können wesentliche Gedanken eines Textes verstehen und Informationen einander zuordnen.“ Sie sind jedoch nicht in der Lage, aus dem Gelesenen Schlüsse zu ziehen, zwischen den Zeilen zu lesen oder einen Text differenziert zu deuten. Und das gilt nicht nur für meine Schule, sondern auch darüber hinaus für Schulform und den Standorttyp.

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Diese Ergebnisse gelten für den Standorttyp der Stufe 1. Das ist noch der günstigste Standorttyp, hier ist die Welt noch relativ in Ordnung.

Standorttyp der Stufe 1

  • Unter 5% der Schülerinnen und Schüler haben – unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit – einen Migrationshintergrund.
  • Unter 5% der Schülerinnen und Schüler bekommen Sozialgeld nach SGB II oder kommen aus Familien, die den gesetzlich geregelten Eigenanteil im Rahmen der Lernmittelfreiheit nicht aufbringen können und zur Unterstützung Sozialhilfe nach SGB XII erhalten.
  • Für die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler gilt, dass die elterliche Wohnung in einem Wohngebiet liegt,
    • dessen Einwohnerinnen und Einwohner ein hohes Einkommen aufweisen, o in dem der Anteil der Empfängerinnen und Empfänger von SGB II Leistungen sehr gering ist,
    • welches einen sehr niedrigen Ausländeranteil aufweist,
    • welches einen sehr niedrigen Arbeitslosenanteil aufweist.
  • Die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler stammt aus einem Wohnumfeld mit einem hohen Wohnwert.

Quelle: Deskriptive Beschreibung der Standorttypen von Schulen bei den Lernstandserhebungen in Nordrhein-Westfalen.pdf

Man fragt sich nun, wie die Ergebnisse der Lernstandserhebung bei den anderen, ungünstigeren Standorttypen ausfallen werden, besser sicher nicht.

Das geringe Leseverstehen, welches die Lernstandserhebung Deutsch den Schülern der Klasse 8 attestiert, wird sich nach meinen Erfahrungen auch in den verbleibenden Jahren an der Schule bei den wenigsten merkenswert verbessern. Es beeinträchtigt so die gesamte Schullaufbahn dieser Schüler. Immer wenn es um schriftliche Aufgabenstellungen und Anweisungen geht oder wenn Informationen aus Texten entnommen werden sollen, werden diese Schüler deutliche Probleme haben, Probleme, weil sie nur unzureichend verstehen, worum es geht. Selbst in der Fremdsprache Englisch schlägt sich dieses nieder, noch einmal zusätzlich beeinträchtigt durch unzureichend verfügbares Vokabular. Vielen wird diese Beeinträchtigung nicht einmal bewusst sein, da das Gehirn so etwas einfach ausblendet oder kompensiert.

Doch hier hört es leider nicht auf. Diese jungen Menschen, die meiner Schule im günstigen Umfeld und die vielen anderen aus weniger günstigen Standorttypen mit wohl noch geringerem (Hör- und) Leseverstehen werden bald in die Gesellschaft entlassen. Dort müssen sie ein Leben lang mit ihrem geringen Leseverstehen zurecht kommen, wenn sie am Arbeitsplatz sind, wenn sie Verträge für Käufe oder Versicherungen unterschreiben, wenn sie sich über etwas informieren wollen und ähnlich. Und wenn ich an die parteipolitische Landschaft unseres Landes denke, dann werden sie Parteien begegnen, die mit Parolen in einer einfachen, griffigen Sprache daher kommen, genau wie für sie gemacht, eine Sprache, die auch sie verstehen, eine Sprache auf Niveaustufe 1.

Wer ihnen dann in Zeitungen, Magazinen, Talkrunden oder anderen textlastigen Formaten erklären und ausführlich auseinandersetzen möchte, warum diese Parteien vielleicht nicht so gut sind, polarisieren wollen, ein einseitiges Menschenbild zeichnen und ähnlich, wird sie nicht erreichen, denn sie werden kaum verstehen, was sie da lesen oder hören.

Vielleicht ist das jetzt ein sehr einfach gezeichnetes Bild. Es ist auch nicht neu, dass Schule viele junge Menschen nur unzureichend auf das Leben vorbereitet entlässt. Mir war es jedoch, angeknüpft an die Ergebnisse der LSE 8 meiner Schule, noch einmal ein Anlass zum Nachdenken über die Tragweite dieser Versäumnisse des Systems Schule.

Schluss mit dem digitalen Schwebezustand

Posted in Medienwelt, Schulentwicklung, Schulpolitik, Uncategorized by damianduchamps on Januar 14, 2017

Wenn aktuell mal wieder beobachte, was sich in der Bildungslandschaft ereignet, vergeht mir die Lust an Schule und Schulentwicklung, an Entwicklung von Unterricht mit digitalen Tools und der Beratung von Schulen und Schulträgern dahingehend.

Der Grund dafür ist einfach. Es hängt alles in der Schwebe. Nichts ist wirklich klar definiert. Hier in NRW kommt nun GuteSchule#2020. Toll mag man meinen, endlich tut sich etwas. Nur, mehr als einen Topf voll Geld und ein paar grobe Vorgaben gibt es nicht. Bloß nichts festlegen, nein, keine festen Vorgaben machen, keine verbindlichen Ziele definieren. So kommt es, wie es kommen muss. Die einen sanieren damit Gebäude, an anderer Stelle baut man ganze Schulen neu davon, hört man, und ein klein wenig wird auch in digitale Infrastruktur investiert. Wenn das Jahr 2020 um ist, werden wir feststellen, dass die Standards an den Schulen in NRW weiterhin höchst unterschiedlich sind. Manche haben Breitbandanschluss und WLAN im gesamten Gebäude, für Schüler und Lehrer, andere endlich funktionierende Toiletten und dichte Dächer oder Klassenräume statt Container, jedoch noch immer keinen Breitbandanschluss und auch kein WLAN im Gebäude. Dass uns das als Land wirklich weiterbringt, werden nur Politiker behaupten, die sich in irgendeiner Vorzeigeschule in einer iPad Klasse von den Medien feiern lassen.

Und dann ist da ja noch das Milliardenpaket des Bundes. Auch hier wird es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht anders laufen. Schon jetzt regt sich Widerstand gegen Bevormundung durch den Bund. Am liebsten hätte man das Geld vermutlich in die Landestöpfe und würde dort damit nach eigenem Belieben verfahren, ohne exakte Zielvorgaben und ohne jegliche Rechenschaft.

Ich wünschte mir, es gäbe sehr eindeutige Vorgaben, sowohl vom Land als auch vom Bund, am besten miteinander abgestimmt. Könnte man nicht zeitliche Vorgaben machen und sagen, bis zum Jahre X hat dieses und jenes zu erfolgen?

  • alle Schulen, ohne Ausnahme, sind an Breitband angeschlossen
  • alle Schulgebäude sind mit WLAN ausgeleuchtet
  • alle Klassenräume haben Präsentationsmedien
  • alle Lehrerinnen und Lehrer sind fortgebildet/fit gemacht
  • alle Länder haben überarbeitete Fachcurricula
  • alle Schulen haben Medienkonzepte und angepasste Fachcurricula
  • alle Schulen können auf eine Basis online IT Infrastruktur zugreifen
  • alle Lehrer, die kein Privatgerät nutzen, haben ein Dienstgerät
  • alle Schüler haben digitale Endgeräte

Alle habe ich jeweils hervorgehoben, da es nicht sein kann, dass in einem reichen Land wie Deutschland, Schulen, Schüler und Lehrer benachteiligt werden, nur weil sie das Pech haben, in eine strukturschwachen Kommune zu leben oder weil im Falle von Schülern ihre Eltern nicht über ausreichend Einkommen verfügen. Alle schreibe ich auch, weil es nicht der Beliebigkeit kommunaler Verwaltungen und parteilichen Ideologie überlassen werden kann, was am Ende dabei herauskommt.

Ich denke, hier sollte es wirklich einen Konsens geben, egal wo die Bundesländer und ihre Regierungen schulpolitisch gerade stehen. Mögen sie sich an ihren Schulformen abarbeiten, wenn sie das denn brauchen, doch bitte nicht an solch grundlegenden Fragen wie der Ausrichtung unserer Schulen und ihres Unterrichts auf eine Zukunft, die schon längst begonnen hat.

Warum Trump ein Argument für den digitalen Wandel in Schule ist

Posted in Kompetenzen, Medienwelt, Uncategorized by damianduchamps on November 9, 2016

Mit den Möglichkeiten sozialer Medien haben viele Menschen sehr viele Hoffnungen für die Demokratisierung der Welt verbunden. Das Internet demokratisiert die Medien und gibt jedem eine Stimme. An vielen Stellen hat man in den letzten Jahren gesehen, wie die sozialen Medien politische Bewegungen unterstützt und vorangetrieben haben. Der arabische Frühling ist ein Beispiel dafür. Die Türkei und ihre Unterdrückung der sozialen Medien ist ein anderes Beispiel für die Wirkungskraft von Twitter, Facebook, WhatsApp und ähnlich.
Bei der Wahl des neuen amerikanischen Präsidenten hat sich im Wahlkampf jedoch noch eine gänzlich andere Seite des Potenzials der sozialen Medien gezeigt. Wie kein anderer Präsidentschaftskandidat zuvor, verstand es Donald Trump, die sozialen Medien zu instrumentalisieren, für seine Zwecke. Die großen Medien, Fernsehsender und angesehene Tageszeitungen waren bisher für viele Menschen Instanzen verlässlicher Informationen, ähnlich wie Institutionen der Regierung, Behörden und Ministerien. In seinem Wahlkampf führte Trump ein Feldzug gegen diese Medien und Institutionen und sprach ihnen jegliche Glaubwürdigkeit ab. Was nicht wahr sein soll, kann nicht wahr sein. Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur. Das Establishment, so suggerierte Donald Trump, habe sich gemeinsam mit seiner Gegnerin gegen ihn verschworen und würde die Wahrheit aus diesem Grund manipulieren. Infolge glauben viele seiner Anhänger bisherigen traditionellen Quellen verlässlicher Berichterstattung und Information nicht länger. Sie begaben sich in die Trump Filterblase und bezogen ihre Informationen und die Trump Version von Wahrheit vor allem aus den sozialen Netzwerken, denen sie mehr Vertrauen und Glauben schenkten.

Welche Schlussfolgerungen muss man daraus für Schule und Bildung ziehen? Für mich ist ganz klar, der digitale Wandel sollte möglichst schnell in Schule kommen, um unsere Schülerinnen und Schüler als zukünftige Bürger und Wähler fit zu machen für die Herausforderungen einer Zukunft, in welcher es zunehmend wichtig wird, Fakt von Fiktion zu unterscheiden. Ganz zentral ist dabei die Vermittlung der 21st Century Skills, der 4 Cs, Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und im aktuellen Zusammenhang von besonderer Bedeutung, Kritik.

Schon jetzt kann man auch in Deutschland sehr gut verfolgen, wie Verschwörungstheorien ihre Kreise ziehen. Auf Facebook ist das sehr einfach. Gerüchte über Chemtrails, nicht zugelassene Martinsumzüge, übermäßige finanzielle Bevorzugung von Flüchtlingen und ähnlich machen die Runde. Für mich erschreckend, es sind in meinem Umfeld auf Facebook auch immer wieder ehemalige Schülerinnen und Schüler meine Hauptschule dabei. Es ist erschreckend, was für Dinge da umhinterfragt übernommen und weiterverbreitet werden.

Nur über Bildung und die Schulen kann unsere Gesellschaft die nachwachsenden Generationen stark machen, zukünftige Desinformationskampagnen und Manipulation von Informationen zu erkennen. Schüler müssen lernen, Informationen zu hinterfragen, andere Quellen zu finden, sei es von anderen Parteien oder gesellschaftlichen Gruppierungen oder auch von Nachrichtenorganen und Institutionen aus dem Ausland. Die Briten wären nicht hereingefallen auf die Behauptungen der Brexit Befürworter hätten sie diese hinterfragt und über andere Informationsquellen validiert.

Trump und Brexit machen mehr als deutlich, dass es höchste Zeit ist, dass Schule sich der Herausforderung stellt, und das ist nur möglich, wenn Schule den digitalen Wandel aktiv gestaltet und Verantwortung übernimmt. Das bedeutet auch, aus der Politik muss alle Unterstützung gegeben werden, dass   dieses gelingen kann, beginnend bei der Infrastruktur und endend bei der Qualifizierung des Personals. Unsere großen Parteien sollte ein natürliches Interesse daran haben, wollen sie nicht Gefahr laufen, irgendwann von einem ignoranten Aufschneider wie Trump ins politische Abseits gedrängt zu werden.

Fortbildung für den digitalen Wandel in Schule, wie ich sie wünschen würde

Posted in Schulentwicklung, Uncategorized by damianduchamps on November 6, 2016

Kürzlich war ich wieder einmal an einer Fortbildung beteiligt, an einem Gymnasium. Im Rahmen eines pädagogischen Tages sollte das Kollegium verschiedene Möglichkeiten kennenlernen, wie man mit Smartphones, Tablets, Laptops, Apps und Online-Angeboten im Unterricht arbeiten kann. Von Seiten der Schule war ein WLAN bereitgestellt, das in allen Workshop Räumen zur Verfügung stehen sollte. Die Teilnehmer brachten eigene Geräte mit, konnten jedoch auch Tablets aus einem Pool ausleihen. Das klang vielversprechend. In der Praxis sah es dann für mich jedoch leider nicht ganz so günstig aus und ich konnte meine Angebote nicht so umsetzen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Auch die Teilnehmer meiner Workshops hatten ihre Probleme mit der Technik. Zudem gab es immer wieder Aussetzer im WLAN. Aufgrund des sehr restriktiven Zugangs zum WLAN konnte ich mein übliches Set-up von Projektor und Tablet nicht nutzen, sondern musste improvisieren und auf Kabel und Notebook zurückgreifen. In einem meiner Workshops stellte ich Padlet vor. Schwierigkeiten ergaben sich hierbei durch die unterschiedlichen Displaygrößen der Mobilgeräte. Mit einem Smartphone ist Padlet, so gut dieses Werkzeug auch ist, nur eingeschränkt nutzbar. Und dann gab es da auch noch andere Probleme durch mangelnde Kompatibilität von Browsern (etwa dem Samsung Browser mit dem schönen Namen „Internet“) oder beispielsweise Schwierigkeit von iOS, Dateien über das nicht zugängliche Dateisystem hoch zu laden. Und Zugangsdaten für das WLAN hatte auch nicht jeder.

Probleme wie diese spiegeln sicherlich die Schwierigkeiten wieder, mit denen Schulen  konfrontiert sein können, wenn sie auf BYOD ohne Vorgaben und improvisierte WLAN-Lösungen setzen. Zu einer erfolgreichen und gewinnbringenden Fortbildung tragen derartige Probleme jedoch definitiv nicht bei. Aus diesem Grund habe ich mir Gedanken gemacht, welche Voraussetzungen es braucht, um wirklich gute Fortbildungen zu gestalten, mit denen wir Lehrerinnen und Lehrer befähigen können, den digitalen Wandel an ihren Schulen zu gestalten.

Lernen unter idealen Bedingungen

Günstig wäre es, wenn Lehrerinnen und Lehrer zunächst unter möglichst idealen Bedingungen lernen könnten. Unter idealen Bedingungen verstehe ich hierbei kein Setting, welches die technischen Möglichkeiten bis zum allerletzten ausreizt. Vorstellen würde ich mir vielmehr eine funktionierende, zuverlässige und gut zu bedienende Ausstattung auf einfachem Niveau. Das könnten einfache 10 Zoll Android Tablets sein, iPads, Chromebooks, oder wenn gar nicht anders möglich auch Notebooks oder Microsoft Surface Geräte. Mir persönlich würden, da ich damit gute Erfahrungen gemacht habe, Android Tablets reichen. Dazu sollte es ein stabiles WLAN geben, einen Projektor, der drahtlos verbunden ist, und einen Drucker. Außerdem sollte ein robuster Internetzugang vorhanden sein.

Man mag nun einwenden, und das habe ich über die Jahre immer und immer wieder gehört, dass man sich doch an den Gegebenheiten der jeweiligen Schule orientieren müsse, an dem, was dort vorhanden ist, da die Schule mit genau diesen Gegebenheiten arbeiten muss. Dieses Argument halte ich für unsinnig und zwar aus folgenden Gründen:

  • Lehrer sollten zuerst einmal erfahren, was überhaupt möglich ist und wie Unterricht idealerweise mit digitalen Tools gestaltet werden kann. Woher anders sollen sie sonst wissen, was machbar ist? Sie müssen positive Erfahrungen machen, müssen das Potenzial erfahren können und erkennen. Erst dann wird man sie wirklich für den digitalen Wandel gewinnen können. Dass dann an den einzelnen Schule sich dieses nicht unbedingt eins zu eins wird umsetzen lassen, ist eine andere Sache. Die Erfahrungen, welche die Lehrer in dem idealen Setting machen, werden aber die Richtschnur bilden für die Entwicklung, welche sie an ihrer Schule in Angriff nehmen. Sie wissen dann, was möglich ist, wie sie ihren Unterricht an der Schule verändern wollen und was sie dafür brauchen. Und dann werden sie sehen, dass sie die Bedingungen an ihrer Schule Schritt für Schritt in diese Richtung bringen, indem sie die schulinternen Lehrpläne entsprechend anpassen, das Lernmittelkonzept erstellen und ein entsprechendes Medienkonzept entwerfen.
  • Wer diesen Grund nicht akzeptiert, sollte sich vielleicht einmal fragen, warum Referendare noch immer für ihre Unterrichtsbesuche Traumstunden produzieren, Unterrichtsstunden, die sie in ihrem Berufsalltag so nie wieder durchführen werden, die einen enorm hohen Aufwand bedeutet haben, der im Alltag nicht zu leisten ist. Diese „Traumstunden“ sind aber eine Art Meisterstunden, eine Spitzenleistung, eine Richtschnur für zukünftiges Arbeiten. Auch wenn sie vergleichbare Stunden in ihrem Berufsalltag nie wieder halten werden, so wird die hohe Messlatte der Traumstunden trotzdem eine Richtung vorgeben für den Unterricht, den sie zukünftig halten.
  • Es ist darüber hinaus beruflicher Alltag von Lehrerinnen und Lehrern, Inhalte und Methoden an die jeweiligen Gegebenheiten ihrer Schule bzw. ihrer Lerngruppe anzupassen. Was als ideal vorgeben ist, lässt sich nur selten in der Praxis vor Ort umsetzen.

Wenn man den digitalen Wandel an die Schulen bringen will, muss man die Lehrerinnen und Lehrer dazu befähigen. Ich könnte mir hier in NRW vorstellen, dass jeder Kreis und jede kreisfreie Stadt dafür mindestens einen Raum irgendwo bereitstellt, in welchem 20-25 Lehrerinnen und Lehrer unter Anleitung lernen, mit mobilen Zugangsgeräten und dem Internet ihren Unterricht weiter zu entwickeln. Würde man einen solchen Raum mit Internetzugang, WLAN, 25 Android 10 Zoll Tablets, einem Projektor, einem Drucker, eventuell irgendwelchen Softwarelizenzen usw. ausstatten, so würden die Kosten dafür deutlich unter 10.000 € liegen.

Lehrer als Lernende

Schulen, die sich auf den Weg machen wollen, würden Lehrerinnen und Lehrer für eine Woche vom Unterricht freistellen. Damit das für die Schulen zu verkraften ist, wäre es dann in der Regel eine Lehrkraft pro Schule. Ähnlich wie in einem Praxisseminar an der Universität würden die Lehrkräfte dann zunächst einmal in die Rolle von Lernenden schlüpfen und darüber selbst erfahren, wie es sich mit den Möglichkeiten digitaler Zugangsgeräte und dem Internet, mit Apps, Online-Plattformen und ähnlich lernen lässt. Danach würden sie selbst in die Rolle der Lehrer schlüpfen und die andere Seite kennen lernen. Sie würden also selbst Stunden vorbereiten und durchführen. Ihre Schüler wären jeweils die anderen Lehrerinnen und Lehrer. Nach der jeweiligen Stunde würde man diese im Plenum besprechen. So würden die Lehrerinnen und Lehrer sowohl die Perspektive der Lernenden als auch der Unterrichtenden kennenlernen und hätten eine erste Basis für die Weiterentwicklung der eigenen Arbeit. Dazu wäre auch wichtig, nicht nur die zuverlässig funktionierenden Geräte aus der Raumausstattung zu nutzen, sondern auch immer wieder eigene Geräte wie kleinere Tablets, Tablets anderer Betriebssysteme und Smartphones usw. zu nutzen, um zu erfahren, welche zusätzlichen Möglichkeiten, Einschränkungen, Hürden etc. sich damit ergeben können. Und so würden dann Woche für Woche die Lehrerinnen und Lehrer der Schulen im Kreis bzw. der kreisfreien Stadt diese Praxisseminare durchlaufen. Ganz wichtig wäre mir bei diesen einwöchigen Praxisseminaren, dass die Teilnehmer sich von Anfang an untereinander vernetzen, um sich auch nachfolgend weiterhin auszutauschen, anzuregen und zu unterstützen.

Vielleicht wäre es günstig, wenn die jeweiligen Gruppen aus schulformgleichen Lehrkräften bestehen. Man würde also Grundschullehrer zusammen fortbilden, Sekundarstufe 1 Lehrer und Oberstufenlehrer. Es könnte vielleicht auch sinnvoll sein, Lehrer von Förderschulen und Förderschulpädagogen in Gruppen zusammenzufassen. Beginnen würde man am besten vermutlich zunächst mit interessierten Lehrkräften. Sie würden sich am ehesten gewinnen lassen und könnten so das Interesse anderer Kolleginnen und Kollegen an der Schule anregen. Die Zahl der Interessierten, der Willigen und der Zögerer ist in einem Kollegium in der Regel größer als die der Unwilligen und Verweigerer. Man könnte mit diesem System sicherlich eine große Zahl von Lehrkräften erreichen.

Für die Lehrkräfte, welche die erste Schulung durchlaufen haben, sollte es in regelmäßigen Abständen Möglichkeiten geben, sich zu treffen und auszutauschen, über das Vernetzen über das Internet hinaus.

Nach dem ersten Durchgang sollte später man einen weiteren Durchgang machen, der dann stärker auf fachspezifische Möglichkeiten des Unterrichts mit mobilen Endgeräten und dem Internet ausgerichtet ist. Sicherlich werden Lehrkräfte schon auf eigene Faust Möglichkeiten erkundet haben und diese einbringen können.

Fortbildung die Akteure

Um die Praxisseminare durchführen zu können, braucht es natürlich auch Personal, welches selbst in der Lage ist Unterricht entsprechend durchzuführen. Daran mangelt es momentan definitiv. Aus diesem Grunde würde ich zunächst alle Fachmoderatorinnen und Fachmoderatoren entsprechend schulen. Sie müssen ohnehin für ihre Fortbildungen in Zukunft in der Lage sein, das Thema zu integrieren. Ich würde für diesen Personenkreis die Schulungen noch deutlich ausführlicher vornehmen. Es wäre natürlich günstig, wenn diese Personen auch an ihren Schulen entsprechend praktische Erfahrungen sammeln könnten, um das, was sie in der Fortbildung gelernt haben, umzusetzen und zu vertiefen. Man hätte dann die Medienberater und die Fachmoderatoren, um die Praxisseminare durchzuführen. Das sollte ausreichen, um die Wochenstunden abzudecken, die es braucht für ein einwöchiges Praxisseminar.

Die Zukunft

Sobald neue Lehrerinnen und Lehrer in ihrem Studium und anschließend im Referendariat entsprechend ausgebildet werden, könnte die Fortbildung wie beschrieben eingestellt werden. Man würde dann neue Entwicklungen über regionale Netzwerktreffen, Edu Camps oder ähnlich an die Lehrerinnen und Lehrer herantragen und so die weitere Entwicklung der Schulen anstoßen.

Umsetzung vor Ort

Ich könnte mir vorstellen, dass sich diese Idee in der Praxis durchaus umgesetzten lässt. Zu klären wäre dafür, wer den Raum oder eventuell die Räume und die Kosten für die Ausstattung und den Betrieb trägt. In meinem Kreis gibt es sieben Kommunen. Wenn hier beispielsweise der Kreis einen Raum am Berufskolleg zur Verfügung stellte und die Infrastruktur (WLAN und Internetanbindung) und die Kommunen jeweils 1.000 € beisteuerten für die Ausstattung, dann wäre diese Idee finanziell umsetzbar. Da das Berufskolleg ohnehin technisch gut ausgestattet ist und bezüglich der IT betreut wird, könnte dieser eine Raum problemlos mit betreut werden. Denkbar wäre auch, dass der Raum vom Medienzentrum zur Verfügung gestellt wird. In größeren Städten mit großen Medienzentren nutzen Medienberater diese Räume schon lange für Fortbildungen. Das Kompetenzteam würde das Personal stellen. Die Freistellung von Lehrkräften für das Praxisseminar für eine ganze Woche wird für die Schulen nicht einfach sein und je nach Größe zu Belastungen führen. Es wäre ja im Prinzip so, als wäre auf Dauer einer Woche eine Lehrkraft krank, fehlt und muss vertreten werden. Normal müssen Schulen das irgendwie auffangen. Hier müsste vom Land Unterstützung kommen durch zusätzliche Lehrkräfte.

Würde sich meine Idee umsetzen lassen, wäre der Anschub für den digitalen Wandel in unseren Schulen sicherlich deutlich größer, als wenn man die Veränderung über Fortbildungen, wie ich sie zur Zeit in der Praxis erlebe, in Gang setzen will. Bei mir am Kreis werde ich mal werben für die Idee. Vielleicht zerplatzt meine Vorstellung wie eine Seifenblase, keine Ahnung, einen Versuch ist es mir aber Wert.

Frischer Wind für die Bibliothek – Leseempfehlungen zum Anhören mit QR Code

Posted in Medienwelt, Tools, Uncategorized by damianduchamps on September 12, 2016

Vor allem über Pinterest stieß ich immer wieder auf ein Beispiel der Nutzung von QR Codes, welches in den USA schon in der Grundschule Anwendung findet und auch für weiterführende Schulen von Interesse ist. Es geht darum, Leseempfehlungen zu Büchern nicht nur im Schulheft zu verfassen und in der Klasse vorzutragen, sondern diese Empfehlung als Audiodatei aufzunehmen und über einen QR Code in der Schulbibliothek abrufbar für interessierte Mitschüler bereitzustellen. Die QR Codes werden auf eine Karte gedruckt, mit dem Cover des besprochenen Buches und samt dem Buch im Regal aufgestellt. Interessiert sich ein Schüler für dieses Buch und möchte mehr wissen, scannt er den QR Code mit seinem Smartphone und hört sich dann über den Browser die Buchbesprechung an, um danach zu entscheiden, ob das Buch für eine Lektüre von Interesse ist.

Die im Deutsch- oder Fremdsprachunterricht erarbeitete Buchempfehlung wird damit auf ein ganz neues Niveau gehoben. Schüler schreiben die Buchempfehlung jetzt für ein größeres Publikum und vor allem ein echtes Publikum, welches sich die Empfehlung nicht nur anhört, weil sie in der Klasse für eine Benotung vorgelesen wird. Außerdem müssen für die Aufnahme Vorgaben wie maximale Zeitdauer und gutes, fehlerfreies Vorlesen umgesetzt werden. Für die Bibliothek kann das die Attraktivität deutlich steigern. Gibt es keine Schulbibliothek kann das Vorhaben auch in Kooperation mit einer Stadt- oder Gemeindebibliothek umgesetzt werden. Im Idealfall verfügt die Bibliothek über ein frei zugängliches WLAN. Wie könnte so ein Vorhaben in der Schule aussehen?

Ein Workflow, wie er in der Praxis aussehen kann

Die folgende Beschreibung geht davon aus, dass Audioboom genutzt wird, um die Audiodateien online zum Anhören zu speichern. Nur der Lehrer hat einen Account und die App auf seinem Tablet oder Smartphone installiert. In der Lerngruppe sind Smartphones und/oder Tablets verfügbar. Im Idealfall kann jeder Schüler ein eigenes Gerät nutzen. Auf den von den Schülern genutzten Geräten sind kostenlose Audiorekorder Apps installiert. Das Thema Buchbesprechung steht an. Die Kriterien wurden erarbeitet. Das Vorlesen für eine Aufnahme wurde thematisiert und geübt.

  1. In der Schulbibliothek suchen sich die Schüler Bücher aus, die sie vorstellen möchten.
  2. Die Schüler lesen ihre Bücher und verfassen eine Buchbeschreibung.
  3. Die Buchbeschreibung wird mit einem Audiorecorder App aufgenommen.
  4. Über eine Form des Dateiaustausches, zum Beispiel Bluetooth, wird die fertige MP3 Datei auf das Lehrergerät übertragen.
  5. Der Lehrer lädt die MP3 Dateien über Audioboom in einen zuvor eingerichteten Account hoch.
  6. Zu jeder Datei wird ein Titel ergänzt. Auch das Hochladen eines Titelfotos ist möglich. (Dieser Schritt kann alternativ am PC/Notebook im Browser erfolgen.)
  7. Zu jeder Buchbesprechung wird der von Audioboom erzeugte QR Code ausgedruckt. (Für viele ist dieser Schritt leichter an einem PC/Notebook im Browser zu erledigen.)
  8. Vom Cover des jeweiligen gesprochenen Buches wird ein Foto gemacht und ausgedruckt.
  9. Jeder Schüler klebt das Foto des Buchcovers und den QR Code auf ein Stück Karton und schreibt den Titel und Autoren des Buches hinzu.
  10. In der Bibliothek wird die Karte zum Buch gestellt. Idealerweise werden Bücher mit diesen Buchbesprechungen wechselnd in ein Ausstellungsregal gestellt.

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Was wird für die praktische Umsetzung benötigt?

  • eine Schulbibliothek, auch eine Stadt- oder Gemeindebibliothek wären als Kooperationspartner denkbar
  • eine Möglichkeit, Audiodateien online abrufbar zu speichern
    • Audioboom: es können im kostenlosen Account unbegrenzt viele Dateien gespeichert werden, sofern sie eine Länge von 3 min nicht überschreiten
    • Dropbox: in der kostenlosen Variante stehen 2 GB zur Verfügung, eine 1,5 min Aufnahme entspricht in etwa 1,5 MB bei Standardkompression des mp3, Dateien müssen freigegeben werden
    • OneDrive: hängt vom jeweiligen Account ab
    • Schulserver etc.: abhängig von den lokalen Gegebenheiten
  • ein mobiler Zugang über ein offenes WLAN (Freigabebeschränkung z.B. nur auf Audioboom.com möglich) zu den Audiodateien
    • ins Internet, wenn die Dateien bei einem Internetdienst wie Audioboom abgelegt werden
    • ins lokale Netz, wenn die Dateien auf einem Speicherort im Haus abgelegt werden
  • Aufnahmemöglichkeiten wie Computer, Smartphones oder Tablets mit integriertem oder abschließbare Mikrofon und entsprechender Software/ Apps zur Aufnahme im mp3 Format
  • eine Möglichkeit, ein Bild vom Buchcover zu machen und auszudrucken
  • eine Möglichkeit, die Adresse des Speicherorts der Audiodatei als QR Code auszudrucken
    • bei Audioboom wird der QR Code in der App bzw. auf der Webseite angezeigt
    • bei anderen Speicherorten braucht es einen Dienst, die Adresse des Speicherorts in einen QR Code umzuwandeln, z.B. http://www.qr-code-generator.de
    • Karton, auf welchen das Bild des Buchcovers und der QR Code geklebt werden
  • ein Plakat für die Bibliothek
    • mit einem Hinweis auf den WLAN Zugang
    • mit einer Anleitung, wie man über Einscannen des QR Codes die Buchbesprechung im Audioformat mittels Smartphone abrufen kann
    • mit einem Hinweis auf die benötigte QR Code Scanner App und die Verfügbarkeit in den jeweiligen App Stores

Praktische Tipps

In Ergänzung zum vorgestellten Workflow folgen einige Tipps und Alternativen für die vorgestellte Vorgehensweise.

Verfassen der Buchbesprechung

Bevor die Buchbesprechung verfasst wird, reicht es nicht nur, zu besprechen, was eine Buchbesprechung ist und sich Beispiele anzusehen. Da die Buchbesprechung nicht zum Durchlesen gedacht ist, sollten auch Kriterien erarbeitet werden, die für eine Buchbesprechung gelten, die zum Anhören gedacht ist, wie maximale Zeitdauer und einfachere Satzstruktur.

Aufnahme der Buchbesprechung als Audiodatei

Für die Aufnahme bieten sich verschiedene Möglichkeiten an.

Aufnahmemöglichkeiten

Smartphone/Tablet

Die wohl einfachste Möglichkeit für eine Aufnahme bieten Smartphone und Tablet, da sie über ein integriertes Mikrofon verfügen und es passende Apps gibt.

  • Audioboom bietet ein eigenes App für Android und iOS an, in welchem direkt aufgenommen und hochgeladen werden kann. Auch das Hochladen von in andere Apps aufgenommenen Audiodateien ist möglich.
  • Nimmt jeder Schüler mit seinem Gerät auf, wird die mp3 Datei anschließend z.B. per Bluetooth auf das Lehrergerät übertragen und kann von dort hochgeladen werden.
PC/Notebook

Wird über einen PC oder ein Notebook aufgenommen ist ein integriertes oder externes Mikrofon notwendig. Das Hochladen erfolgt dann im Browser.

MP3 Player, Diktiergerät, Audiorekoder

Heute eher nicht mehr in Erwägung zuziehen, da heute genug Schüler Smartphones haben und es damit einfacher ist. Datei müsste dann auf PC übertragen werden.

Aufnahmeformat

Aufgenommen werden sollte in einem der folgenden Formate: mp3, m4a, wave

Achtung: vorinstallierte installierte Audiorekorder Apps nehmen oft in einem eigenen Format auf (g3p), das nicht für Upload geeignet ist (testen!) und umgewandelt werden müsste. Besser wird also ein separates App installiert. Es gibt viele kostenlose.

Umwandlung der URL der Audiodatei in einen QR Code

  • Audioboom stellt die QR Codes zur Verfügung, im App wie über die Webseite.
  • Online Dienste wie http://www.qr-code-generator.com/ oder auch Apps auf Smartphone/Tablet erlauben es URLs umzuwandeln, wenn ein anderer Speicherort als Audioboom genutzt wird.

OER – zentrale Probleme, die übersehen werden, und Lösungsansätze

Posted in Creative Commons, OER, Uncategorized by damianduchamps on Juli 22, 2016

Veranstaltungen wie das OER Fachforum 2016 im März in Berlin zeigen, dass OER mittlerweile nicht mehr nur in einem kleinen Kreis von Interessierten Thema ist, sondern auf eine breitere Basis gestellt wurde, wo man gemeinsam nach Lösungen sucht. Doch auch wenn es bereits eine gewisse Entwicklung gegeben hat, etwa durch die Aufnahme von OER in bestehende Plattformen, bleiben manche Probleme, die OER von Anfang an im deutschsprachigen Raum Schwierigkeiten machen, weiter bestehen. Das spiegelt sich auch im Programm des Fachforums wieder.

Ich möchte im Folgenden zwei Probleme aufgreifen, welche mir bisher viel zu wenig beachtet scheinen. Überwiegend beschreibe ich diese Probleme am Beispiel von Arbeitsblättern, weil mir diese die zur Zeit meist genutzte Form von OER scheint. Zu den dargestellten Problem sind Lösungen möglich, die auch, wenn man sie weiter denkt, einen Bezug zur gesamten Infrastruktur von OER haben.

OER leben von der Grundidee der freien Nutzung, des Remixens und des Teilens. Erklärt man Neulingen die verschiedenen Lizenzen von Creative Commons, so sind diese als einzelne Lizenzform oder in Kombination noch recht leicht zu verstehen. Nennung des Urhebers, Weitergabe unter gleichen Bedingungen, nicht-kommerzielle Nutzung, keine Ableitungen (Veränderungen) kann man auf einer rein theoretischen Ebene auch als jemand, der Creative Commons bisher nicht kannte, nachvollziehen. In der Praxis sieht das dann aber ganz anders aus.

Wo liegen die zentralen Probleme?

Die Probleme in der Praxis zeigen sich weniger in der einfachen Nutzung von OER. Arbeitsblätter werden oft einfach herunter geladen, vervielfältigt und im Unterricht eingesetzt. Selbst wenn sie abgeändert werden, ist das unproblematisch, da sie bisher, anders als der Idee von OER entsprechend, nicht wieder im Netz landen, um geteilt zu werden. Die Probleme ergeben sich vor allem dann, wenn eine spätere Veröffentlichung (Teilen) beabsichtigt ist.

Erstellen

Wie ein komplett selbst ohne jegliche fremde Inhalte erstelltes Arbeitsmaterial lizenziert werden kann, um als OER genutzt werden zu können, ist noch recht einfach. Jeder Neuling versteht hier, dass man selbst als Urheber zumindest eine Nennung des eigenen Namens (CC BY) einfordern kann. Kein Problem. Aber dann wird es schon komplexer. Viele OER Materialien, denen man begegnet, werden unter „gleichen Bedingungen“ (SA) weitergegeben. Was in der Theorie zunächst einfach klingt, wird jetzt zur unlösbaren Frage. Was heißt denn zu gleichen Bedingungen in meinem Fall? Was sind eigentlich meine Bedingungen? Wie mache ich diese deutlich? Es soll doch OER sein. Muss ich auch nicht-kommerziell (NC) angeben, um sicherzustellen, dass nicht andere meine Arbeit zu Geld machen?

Remixen

Eröffnen sich beim Lizenzieren von komplett selbsterstellten Materialien schon die ersten schwierigen Fragen zur Verwendung der Creative Commons Lizenzen, öffnet sich bei der Integration von fremden Materialien im selbst erstellen Unterrichtsmaterial ein ganzes Fass an Fragen. In das neue Arbeitsblatt, welches auch als OER veröffentlicht werden soll, will man ein Bild integrieren, das auf Flickr gefunden wurde. Wo findet man dort nun die Lizenzinformationen? Vielleicht finden sich die Buchstabenkennzeichnungen, die man kennt, vielleicht sind es Symbole. Manchmal steht einfach nur „Some rights reserved“ dort. Durch das Einfügen von externen Materialien wird die Frage nach der Lizenzierung des erstellten Arbeitsblattes mit einem Mal deutlich komplexer. Kann ich mein Arbeitsblatt noch CC BY SA lizenzieren, wenn das tolle Bild, welches ich gefunden habe, CC BY SA NC ist oder Public Domain? Sehr ähnliche Fragestellungen ergeben sich, wenn bestehende OER remixt werden sollen.

Veröffentlichen

Wer die beschriebenen Hürden mit der praktischen Nutzung der Creative Commons Lizenzen beim Erstellen eigener Materialien oder beim Remixen überwunden hat, steht nun vor dem nächsten Problem. Wie stellt man das Material wieder anderen zur Verfügung als OER? Nicht jeder hat eine eigene Webseite, die genutzt werden könnte. Dezidierte Portale, die OER sammeln und zur Verfügung stellen, wie 4teachers dieses für von Lehrern erstellte Materialien anbietet, gibt es bisher nicht. Wohin also? Eigene Webseite, wie geht das? Wer erfährt dann davon? ZUM.de weiß nicht, ist ja mehr als eine Arbeitsblattsammlung, aber man hat ja nur ein Arbeitsblatt.

Suchen und finden

Deutlich komplexer als auf den ersten Blick ersichtlich ist auch noch die Suche nach OER. Entweder man sucht gezielt auf einem bestehenden Portal wieEdutags.de oder auf einem Landesbildungsserver (weitere Möglichkeiten siehe Anlaufstellen auf open-educational-ressources.de) und ist dann auf deren Inhalte, Kataloge oder Metasuchen beschränkt oder man nutzt die Google Suche mit Lizenzfilterung. Es gibt jedoch viel mehr OER bzw. Creative Commons lizenzierte Materialien als diese Quellen erschließen. Die Meta Suche von Creative Commons verweist vor allem zu frei nutzbaren Medien wie Bildern, Grafiken, Videos und Audiodateien. Die Schwierigkeit hier ist, dass man die Suchmöglichkeiten kennen muss und dann auch je nach Fall in der Lage sein sollte, über Fremdsprachen zu suchen, um weitere Ergebnisse zu finden. Neben Bildern, Videos und Audio lassen sich so auch Texte finden. Die Suche gestaltet sich hier jedoch komplexer, da die Eingrenzung der Suchergebnisse schwieriger und die Beurteilung, ob der gefundene Text sich für den gedachten Zweck eignet, aufwändiger ist. Eine Suche etwa nach Anspruchsniveau des Textes und Umfang ist nicht möglich.

Was ist zu tun?

Die Beseitigung der beschriebenen Schwierigkeiten lässt sich am einfachsten durch eine starke Vereinfachung der Nutzung erreichen. Man muss die Dinge so einfach gestalten, dass sie ohne Expertenwissen nutzbar sind. Sie müssen quasi selbsterklärend sein. Die Nutzung von Creative Commons Lizenzen im Zusammenhang mit OER erfordert Wissen, über welches Normalnutzer nicht verfügen. Es ist zu schwierig.

Bei OER heißt das, wie oben ausführlich beschrieben. Es ist in der täglichen Praxis zu schwierig:

  • eigene Materialien richtig zu lizenzieren
  • Lizenzinformationen bei fremden Materialien aufzufinden und diese richtig einzubinden
  • zu verstehen, welche Lizenzformen wie kombiniert werden können
  • remixte Materialien richtig zu lizenzieren

Und außerdem ist es im Lehreralltag zu schwierig,

  • erstellte oder remixte Materialien zu veröffentlichen.

Was benötigt wird, ist eine Plattform, welche es Nutzern erleichtert, Materialien zu erstellen und dabei fremde frei nutzbare Inhalte einzubinden, bestehende Materialien zu remixen und das Endprodukt wiederum zu veröffentlichen/teilen. Dabei hilft die Plattform den Nutzern, passende frei nutzbare Inhalte zu finden für das Erstellen oder Remixen und Creative Commons Lizenzen richtig zu nutzen und zu kombinieren. Eine Plattform, welche dieses leistet, wäre auch gleichzeitig eine mögliche zentrale Anlaufstelle für das Auffinden von über das ganze Netz verstreuten OER und anderen frei lizenzierten Medien und Materialien.

Wer jetzt denkt, toller Traum, wie soll das gehen, der liegt falsch. Warum? Die Bausteine, um eine derartige Plattform zu erstellen, sind zum großen Teil bereits vorhanden und müssen nur entsprechend kombiniert werden. Manche Elemente befinden sich noch in der Entwicklung, doch ihr Potential für eine Plattform für das Erstellen, Remixen, Veröffentlichen und Finden von OER ist bereits erkennbar.

Es geht hier nicht um DIE eine Plattform, denn diese wird es vermutlich nie geben. Seit es OER gibt, leben diese verstreut über das Netz (siehe auch OER-Plattformen der Zukunft – eine Übersicht auf LRZ). Die Mehrheit der gegenwärtigen Plattformen ist überwiegend statisch, Verzeichnisse, Linksammlungen oder Register mit Tags, zum Auffinden von Inhalten. Andere sind große in sich recht statische Repositorien, die durch ihre Nutzer nach und nach erweitert werden. Eine Plattform, wie die beschriebene kann jedoch über ihre Suche eine Klammer bilden.

KI

Zentrales Element der Plattform ist eine Meta Suche, welche Künstliche Intelligenz nutzt.

Betrachtet man gegenwärtige Entwicklungen in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI), deep learning, machine learning und ähnlich, so zeichnet sich bereits recht gut ab, welches Potential hier entsteht. Computer sind so schon heute in der Lage, große Mengen an Inhalten in überschaubarer Zeit zu sichten, zu bewerten und zu verschlagworten. Ein gutes Beispiel, was möglich ist, bietet Google Fotos. Diese Plattform kann ihr unbekannte Fotos nach Inhalten durchsuchen. Sucht man nach einem roten Schuh, und in der zur Verfügung stehenden Bilderquelle ist ein solches Bild dabei, kann diese Plattform das Foto finden, ohne es zuvor gesehen zu haben, ohne dass das Bild mit einem Schlagwort versehen ist und es ist auch egal, ob der Schuh alleine abgebildet ist oder am Fuß einer Person.

Welches Potential sich gegenwärtig aufbaut, zeigen auch Beispiele wie der Google Knowledge Graph, den jeder schon gesehen, aber vielleicht noch nicht genauer angeschaut hat. Über den Google Knowledge Graph unterfüttert Google Suchergebnisse mit Informationen, die mittels semantischer Suche aus verschiedenen Quellen in einer Inhaltsbox zusammengezogen werden. Diese sind dann eben keine lose Reihung von Suchergebnissen, sondern haben eine sinnvolle Struktur (z.B. Benjamin Franklin). Vergleichbare Zusammenstellungen von Inhalten zu einem Thema oder einer Frage zeigt auch WolframAlpha. Auch die Google Suche selbst und Sortierung der Suchergebnisse arbeitet mittlerweile auf der Basis von KI und nicht mehr rein auf dem mechanischen Katalogisieren des Internets.

KI und eine OER Plattform – Suche

Künstliche Intelligenz und die damit zusammenhängenden Technologien werden vieles verändern in dieser Welt, vor allem, den Umgang mit großen Mengen von Daten. Es gibt bereits jetzt deutlich mehr OER und Creative Commons lizenzierte Inhalte und Medien als man vermutet, nur ist es schwierig, diese zusammenzuführen, da sie sich auf viele Plattformen verteilen. Mit entsprechendem Training wird eine Künstliche Intelligenz in der Lage sein, die innerhalb der Plattform vorliegenden Inhalte, sowie externe Inhalte nach Kriterien wie Thema, Anspruchsniveau, Nutzungszusammenhang, Lizenzierung und ähnlich zu sichten und zur Verfügung zu stellen. Inhalte und Lizenzen werden dabei als Module zusammenzufassen, die dann genauso eine Einheit bilden wie auf Flickr oder Wikimedia ein Bild und seine Lizenzierung. Diese Modularität wird, wie auch Torsten Budumlu im Beitrag OER-Plattformen der Zukunft – eine Übersicht meiner Ansicht nach richtig einschätzt, entscheidend sein wie auch die Möglichkeit zu Kollaboration.

KI und eine OER Plattform – Erstellen und Remixen

Aufbauend auf der intelligenten Suchfunktion und der Modularisierung stellt die Plattform außerdem einen Bereich bereit, auf welchem Nutzer OER erstellen, remixen und in verschiedenen Formaten veröffentlichen können.

Die Plattform bietet beim Besuch die Wahl, ob man bestehende Inhalte sucht oder neue Inhalte erstellen will. Startet man mit der Suche nach den oben genannten Kriterien, erhält man eine Anzahl Suchergebnisse. Entscheidet man sich für ein Suchergebnis erscheint die Option, dieses zur Grundlage zu machen für eigene Anpassungen bzw. für Remixen. Die Ansicht wechselt dann in den Arbeitsmodus. In Orientierung am bestehenden Inhalt des ausgewählten Materials tauchen nun in Feldern um dieses Material passende verwandte Inhalte auf. Was passen könnte, bewertet die künstliche Intelligenz der Meta Suche der Plattform am Inhalt des ausgewählten Materials. Es werden so passend Bilder, Videos, Audiomaterialien, Informationstexte, Begriffsdefinitionen, interaktive Übungen, Projektvorschläge, Links und ähnlich angeboten, die man einfach in das ausgewählte Material hineinziehen kann, so wie man aus dem gewählten Material Inhalte herauslöschen kann. Es entsteht so ein neues Material, ob das ein Arbeitsblatt sein soll, eine Lerneinheit für eine Lernplattform, ein Modul für ein interaktives Whiteboard oder ähnlich.

Wer komplett neue Inhalte oder Materialien erstellen will, startet direkt im Arbeitsmodus. Man kann Voreinstellungen vornehmen zur vorgesehenen Lerngruppe, dem Fach, dem Anspruchsniveau etc.. Dann schreibt man eine Überschrift, erstellt vielleicht schon eine Struktur und die Plattform liest mit und bietet nach kurzer Zeit passende Inhalte an, die dann direkt in der laufenden Erstellung des neuen Materials integriert werden können. Die Plattform kümmert sich beim Erstellen wie auch beim Remixen um die Lizenzierung. Sie prüft die Passung zur Lizenzierung schon genutzter Inhalte und übernimmt beim Integrieren eines Inhaltes oder Moduls die Urheberrechtsangaben und baut sie in das neue oder remixte Material mit ein. Der Nutzer braucht sich mit diesem Aspekt nicht befassen, außer es wird ein komplett neues Material erstellt und der Nutzer muss sich für eine Lizenzierung entscheiden.

Bereitstellen/Teilen

Für Nutzer ohne technischen Hintergrund und die Möglichkeit, erstellte oder gemixte OER auf einer eigenen Webseite zu veröffentlichen oder diese auf anderen Seiten einzustellen, sollte die Plattform eine Möglichkeit bieten, ihre Materialien direkt in der Plattform selbst abzulegen. Werden die Materialien in der Plattform erstellt, wäre das die naheliegende Option. Außerdem sollte die Plattform in der Lage sein, die erstellten Inhalte in verschiedenen Formaten bereitzustellen, so wie Google Docs in der Lage ist, ein PDF auszugeben oder ein docx und wie andere Software oder Plattformen HTML ausgeben können oder Scorm kompatible Formate.

Wie schon erwähnt, die Technologien bestehen bereits in großen Teilen. Selbst Künstliche Intelligenz sollte bereits im gegenwärtigen Entwicklungsstand nutzbar sein im beschriebenen Sinne. Anbieter wie Google stellen diese Software sogar zur Verfügung.

Google selbst ist auch ein gutes Beispiel für eine Plattform, die Inhalte durchsucht und dann entsprechende Werbung bereitstellt. Auch die automatischen Vorschläge von Suchbegriffen bei der Eingabe eines Schlagwortes sind ein Beispiel für die Steuerung von Suchen über Inhalte. Auf anderen Plattformen finden sich ähnliche Anwendungen.

tutory.de

Das alles klingt sehr nach Zukunftsmusik, ist es aber nicht, wie das Beispiel tutory.de zeigt. Eine ganze Reihe der oben beschriebenen Eigenschaften einer Plattform für OER ist in tutory bereits verwirklicht, in Ansätzen erkennbar oder vorstellbar.

tutory ist eine Online Plattform, auf welcher OER erstellt und geteilt werden können. Die Macher haben meiner Meinung nach einen guten Weg in die richtige Richtung eingeschlagen. Vorerst kann man in der Plattform nur Arbeitsblätter erstellen und die Funktionen sind bisher recht beschränkt. Noch steht tutory.de am Anfang, doch die Plattform zeigt die Tendenz gut an, wohin die Entwicklung gehen sollte, um die Erstellung, das Remixen und auch das Teilen von OER für Normalnutzer zu vereinfachen. In Bezug auf die Vereinfachung von OER sollen hier kurz die Elemente herausgestellt werden, welche wegweisend sind.

Module

Ein Arbeitsblatt besteht aus diversen Modulen. Das sind Bilder, Textblöcke, Überschriften, Formeln, Tabellen und graphischen Elementen. Die Modularisierung erinnert etwas an die Textverarbeitung von Pages oder Layoutprogramme, ihre Funktion geht jedoch über das Layouten einer Seite hinaus. Jedes Bild und jeder Textbaustein sind auch gleichzeitig Träger ihrer Lizenzinformationen bzw. mit diesen verknüpft.

Neu erstellen und remixen

In tutory ist es einmal möglich, neue Materialien zu erstellen oder bestehende als Grundlage eines neuen Materiales zu nehmen. Für letzteres wird eine Kopie angelegt, die sich dann nach eigenen Vorstellungen verändern lässt, indem Inhalte gelöscht und neue hinzufügt werden. Neue Materialien werden mit Klassenstufe, Bildungsgang, Fachbereich, Sozialform und Arbeitsmethode getaggt und mit Überschrift, Beschreibung und Begriffe versehen, was das Finden in der Suche hinterher ermöglicht.

Integrierte Suche nach Creative Commons lizenziertem Bildmaterial

In die Erstellungs- und Bearbeitungsfunktion integriert ist eine Suche nach Bildmaterial auf Pixabay, OpenClipart, Wikimedia und Flickr, vergleichbar der Creative Commons Suche. Der besondere Clou ist hier, dass der Nutzer ein Bild in sein OER übernehmen kann und die Plattform integriert es samt der Lizenzinformationen. Das erleichtert diesen Teil für Nutzer ungemein und könnte weiter ausgebaut werden.

Durchsucht werden über die Medienplattformen hinaus auch noch alle Inhalte in der tutory selbst, also Bilder, Aufgabenstellungen, Hinweise, Zitate etc.. Während die Bildersuche schon sehr gut funktioniert, gibt es hier aber noch Verbesserungsbedarf.

Lizenzierung

tutory behandelt ein Arbeitsblatt als eine Zusammenstellung von Modulen. Jedes Modul wird einzeln lizenziert. Fremde Materialien werden mit den Lizenzen des Ursprungs versehen. Ein Text aus der Wikipedia erhält etwa die damit verbundene „Creative Commons Attribution/Share Alike“ Lizenz. Auch ein Link zur Herkunft und ein Autor werden benannt. Für eigene Inhalte gibt man sich selbst als Autoren an und wählt eine Lizenz. Bevor ein Arbeitsblatt veröffentlich werden kann und in den Materialpool der Plattform gelangt, wo alle Nutzer darauf zurückgreifen können, muss der komplette Inhalt urheberrechtlich abgesichert sein, sprich also jedes Modul Erst dann steht das Arbeitsblatt bzw. stehen die Module in der Allgemeinen Suche zur Verfügung. tutory bietet neben der Public Domain Lizenzierung CC BY und CC BY SA Lizenzierung und Unterstützung bei der Auswahl an. Die Lizenzierung ist über die Plattform abrufbar. Auf dem Arbeitsblatt findet sich in der PDF Form lediglich ein Link dazu.

Veröffentlichen/Teilen

Nach Absicherung der Lizenzierung der Module können die Inhalte auf tutory veröffentlicht werden. Es ist möglich, auf dann auf dieseAuch ein Download als PDF Arbeitsblatt ist möglich. Dieses kann über den direkten Link geteilt werden.

Ausblick

Ich hoffe, ich konnte in etwa umreißen, wo ich die zentralen Probleme bei der Nutzung von OER sehe und welche Lösungen sich meiner Meinung nach abzeichnen. Natürlich gibt es auch noch die Probleme um die Bekanntheit, die Akzeptanz, die Qualität und die Finanzierung von OER. Aber um die sollte es hier nicht gehen. Sicher ist für mich jedoch, dass ohne eine Lösung der von mir genannten Probleme OER nicht wirklich funktionieren wird, außer man verzichtet auf das Remixen und Erstellen durch die breite Masse der Nutzer und setzt statt dessen auf bezahlte Autoren. Das aber wäre nicht im Sinne von OER, wie es sich eigentlich versteht.

Künstliche Intelligenz wird auch in OER Einzug halten, in der einen oder anderen Form. Das ist absehbar, da KI viele Bereiche des Digitalen besetzen wird. Für OER wäre es ein Gewinn und würde viele Probleme lösen, von der Erstellung und dem Remixen bis zum Suchen und Finden.

Lehrer des 21. Jahrunderts sind die Lerner des 21. Jahrunderts

Posted in Kompetenzen, Medienwelt, Schulentwicklung, Schulpolitik, Uncategorized by damianduchamps on April 30, 2016

An vielen Stellen herrscht mittlerweile kein Zweifel mehr daran, dass das Lernen des 21. Jahrhunderts anders aussieht als es gegenwärtig noch an der Mehrheit der Schulen praktiziert wird.

Wer sich in der Bildungslandschaft umschaut, sieht, dass sich schon recht deutlich herauskristallisiert hat, wie das Lernen des 21. Jahrhunderts aussieht, denn es gibt bereits Schulen, wo es praktiziert und weiterentwickelt wird. Schaut man sich die Beispiele näher an, wird aber auch sehr schnell klar, was die Akteure auszeichnet.

Sie alle selbst sind Lerner des 21. Jahrhunderts.

Es sind die André Spangs, Alicia Bankhofers, Thorsten Larbigs, Jörg Lohrers, Gerhard Bless und so weiter dieser Welt. Sie alle leben vor, wofür sie stehen, indem sie die Lernmöglichkeiten des 21. Jahrhunderts aktiv nutzen, um ihre eigenen Kompetenzen zu erweitern. Das heißt, sie bauen sich ihre persönlichen Lernnetzwerke auf, suchen sich Informationen im Netz, nehmen an MOOCs teil, schauen Lernvideos, sie schreiben Blogs, podcasten, erstellen Videos, veranstalten edChats, erstellen gemeinsam Dinge, …, sie erwerben Kompetenzen und teilen sie mit anderen und wachsen dabei weiter.

Was bedeutet das für die Entwicklung des Bildungssystems selbst hin zu einem Bildungssystem des 21. Jahrhunderts?

Man kann, so denke ich, sicher davon ausgehen, dass die Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer digitale Technologien nutzen, im privaten Umfeld wie in der Unterrichtsvorbereitung. Trotzdem fällt es ihnen extrem schwer, sich in Bezug auf Unterricht auf digitale Technologien einzulassen. Welche enorme Bedeutung das Lernen des 21. Jahrhunderts für Schule hat, übersteigt ihren Vorstellungshorizont sogar komplett, und das nicht ohne Grund.

Der beste Englischlehrer ist nicht nur Pädagoge, sondern beherrscht die englische Sprache perfekt, der beste Biologielehrer ist Biologe und Pädagoge und der beste Mathematiklehrer ist Mathematiker mit Leib und Seele und Pädagoge. Wer Schüler zu Lernern des 21. Jahrhunderts machen soll, muss deshalb selbst ein Super-Lerner des 21. Jahrhunderts sein. Nach modernem Rollenverständnis vermitteln Pädagogen heute schon lange nicht mehr nur Wissen, sondern auch das Lernen selbst. Und immer schon lernen Lehrer in ihrer Ausbildung auch selbst mit den Methoden, die sie hinterher als Lehrer in ihrer täglichen Arbeit nutzen sollen.

Wenn Lehrerinnen und Lehrer also nicht selbst aus eigener Praxis in der Entwicklung und Erweiterung ihrer beruflichen Professionalität erfahren haben, wie das Lernen des 21. Jahrhunderts funktioniert und welchen Gewinn es ihnen bringt, dann können sie dieses weder in ihren beruflichen Alltag integrieren noch verstehen, warum dazu überhaupt eine Notwendigkeit besteht. Dann wundert es auch nicht, wenn Schulen noch immer Smartphones verbieten und man an Schulen oft nur Einzelkämpfer findet, die mit digitalen Technologien in ihrem Unterricht arbeiten und sich auf den Weg gemacht haben, ihre Schüler die Chance gehen, sich zu Lernern des 21. Jahrhunderts zu entwickeln.

Für die Praxis bedeutet dieses:

  • Die Lehrerausbildung muss so schnell wie möglich umgestellt werden, um aus Lehramtsstudenten und Referendaren Lerner des 21. Jahrhunderts zu machen
  • Die Lehrerfortbildung muss umgestellt werden, um Lehrer zu Lernern des 21. Jahrhunderts zu machen
  • Für den Übergang müssen Lehrer an den Schulen massiv entlastet werden, um den Raum zu erhalten, sich zu Lernern des 21. Jahrhunderts zu entwickeln

Schulen stehen gegenwärtig unter einem enormen Druck von vielen Seiten. Inklusion, Flüchtlinge, G8/G9, demographischer Wandel und gesellschaftliche Probleme, die in die Schulen schwappen, lassen unter den gegebenen Bedingungen nicht viel Luft für einzelne Themen. Mit Tafel, Buch, Stift und Heft hat Unterricht immer funktioniert und für viele Lehrer stehen deshalb digitale Technologien ziemlich weit hinten auf der Prioritätenliste. Wenn sich also etwas ändern soll, und es muss sich etwas ändern, dringend, dann braucht es einer gewaltigen gemeinsamen Anstrengung. Ohne einen Schub aus der Politik und die entsprechenden Mittel, um die Lehrerausbildung und -fortbildung wie oben beschrieben, zu verändern, wird es nicht gehen. Dafür braucht es politischen Willen. Man hörte mal etwas munkeln von einem milliardenschweren Programm aus Berlin. Das war schon 2015 und es ging wohl mehr um Ausstattung von Schulen. Von daher ist der Ausblick gegenwärtig nicht sehr optimistisch, auch wenn zu spüren ist, dass an vielen Schulen so langsam Aufbruchstimmung einkehrt in Bezug auf digitale Technologien und Unterricht.

ICT @ school = 50% Prävention + 30% Handling + 20% sonstwas

Posted in Uncategorized by damianduchamps on April 29, 2016

„Kompetenzen für das Leben, Lernen und Arbeiten in der digitalen Welt müssen entlang des gesamten Bildungsweges in allen Fächern erworben werden. Der kompetente Umgang mit digitalen Medien wird zu einer neuen Kulturtechnik – neben Schreiben, Lesen, Rechnen.“

Quelle: https://land.nrw/sites/default/files/asset/document/thesenpapier_bildungviernull_090316.pdf
Thesenpapier Bildung 4.0

Es dauert nicht mehr lange und der Todestag des großen Dichters und Denkers Goethe jährt sich zum 200. Male. Kehrte er heute noch einmal zurück, so würde er in dieser Welt vieles nicht mehr wieder erkennen und verstehen. Auf den Straßen sähe er Menschen umherlaufen, die kleine Gegenstände an ihre Ohren pressen oder auf kleine Gegenstände blicken, auf denen sie mit den Fingern herum tippen. Andere liefen mit Schnüren aus den Ohren kommend, die in ihren Hosentaschen enden, herum. Menschen säßen in Kisten aus Metall, die sich von alleine bewegen. Käme er zu den Menschen nach Hause, fände er die Kinder vor Glasscheiben sitzen, die in fremde Welten schauen lassen und dabei halten sie kleine Geräte in der Hand und bewegen ihre Finger schnell. Vieles in unserer Welt wäre Goethe extrem befremdlich. Doch sobald er eine Schule beträte, würde er sich wieder zu Hause fühlen. Tafel und Kreide, das wäre ihm bekannt. In manchen Klassenräumen würde er sich vielleicht darüber wundern, dass die Tafeln weiß sind.

Es hat sich nicht wirklich viel verändert in den Schulen seit Goethe verstorben ist. Bis vor gar nicht so langer Zeit wunderte das vielleicht nicht, denn auch die Welt hat sich in vielen Bereichen nur sehr langsam verändert. Bis Veränderungen in der Schule Einzug halten, dauerte es schon immer eine Weile . Wissenschaftliche Erkenntnisse brauchen eine Zeit, bis sie Eingang in die aktuellen Lehrwerke finden. So ist es auch mit den Technologien gewesen. Aber das Radio, der Kassettenrekorder, das Fernsehen, die DVD und ähnlich haben Eingang gefunden in die Schule. Zentrales und beherrschendes Element von Schule und Unterricht sind jedoch immer Tafel und Kreide, Buch, Heft und Stift geblieben.

Mit der aufkommenden Digitalisierung hat es jedoch Veränderungen gegeben, die so umfassend sind, dass sie auch in vielen Bereichen unseres Lebens große Veränderungen bewirkt haben und noch immer bewirken. Das Berufsleben ist seither großen Umwälzungen unterworfen, alte Berufe verschwinden oder verändern sich und neue entstehen. Nicht anders verhält es sich mit der individuellen Lebensgestaltung, wo die Digitalisierung völlig neue Möglichkeiten eröffnet hat. Auch die Politik ist von der Digitalisierung nicht verschont geblieben. Soziale Medien eröffnen der Demokratisierung politischer Prozesse neue Möglichkeiten, etwa durch Meinungsbildung, Petitionen und Mitbestimmung. Die Welt der Nachrichten ist gerade dabei sich grundlegend umzugestalten. Zeitungen müssen sich neu aufstellen, wenn sie nicht untergehen wollen in einer Zeit, wo das Internet die Nachrichten vom Vortag zum Schnee von gestern macht. Wie groß diese Veränderungen sind, welche die Digitalisierung mit sich bringt, das dürfte wohl bei vielen Menschen mittlerweile angekommen sein. Selbst Lehrerinnen und Lehrer nutzen Computer alltäglich zur Vorbereitung ihres Unterrichts und nutzen privat Smartphones und Tablets. Im Unterricht selbst haben die häufig noch immer als „neue Medien“ bezeichneten digitalen Technologien noch kaum Einzug gehalten.

Bei meinen Gesprächen mit Lehrern verschiedener Schulen merke ich immer wieder, dass die digitalen Technologien meist sehr einseitig betrachtet werden. Sehr häufig werden sie reduziert auf das Gefahrenpotenzial und das Handling. Wenn man digitale Technologien in den Unterricht bringen möchte, dann vor allem, um sich mit Themen wie Cybermobbing, illegalen Downloads, Suchterhalten, Netiquette und ähnlich zu beschäftigen. Außerdem möchte man den Schülern vermitteln, wie man mit einer Textverarbeitung Texte in einem bestimmten Format erfassen kann, etwa als Lebenslauf oder Brief, wie man Zahlen mit einer Tabellenverarbeitung erfasst und verarbeitet oder wie man eine Präsentation erstellt. Vielleicht hat man dann auch noch die Idee, Smartboards einzuführen, weil man mit diesen Tafeln leichter Filme zeigen kann. Hin und wieder begegne ich Schulen, die gerne eine Tablet Klasse einrichten möchten. Es wird mir so immer wieder sehr deutlich vor Augen geführt, dass Schulen häufig gar nicht abschätzen können, welche umfassende Bedeutung die Digitalisierung für das Leben ihrer Schülerinnen und Schüler hat und haben wird und welche Rolle Schule bei der Vorbereitung auf dieses Leben spielt.

Ich behelfe mir dann gerne mit einer Analogie. Das Automobil eignet sich recht gut, denn jeder versteht seine Bedeutung.
Das Auto ist vor allem ein Mittel, um Personen und Gegenstände von A nach B zu befördern. Autofahren ist nicht ungefährlich, auch wenn es heute längst nicht mehr so gefährlich ist wie es einst war. 2014 wurden mehr als 2 Millionen Unfälle polizeilich erfasst. Davon gingen mehr als 300.000 mit Personenschaden aus und es gab dabei fast 400.000 Verunglückte, 3.377 Tote und 67.732 Schwerverletzte. Wie mögen die Zahlen 1991 ausgesehen haben, als es mehr als 11.000 Verkehrstote gab? Noch weiter zurück in die Vergangenheit geschaut wird die Zahl noch größer gewesen sein. Angesichts der Gefährdung, welche vom Automobil ausgeht, wundert man sich, dass es dieses Fahrzeug überhaupt gibt. Würden Städte ähnlich reagieren wie Schulen, die Smartphones verbieten, so wären heute aus Gründen der Verkehrssicherheit in nahezu allen Städten Fahrzeuge verboten. In Fahrschule würden Fahrschüler auf einem großen Platz lernen, geradeaus zu fahren, rückwärts, Kurven, Beschleunigen und Bremsen, das Sauberhalten eines Autos und wie man sich richtig anschnallt. Direkt in den Straßenverkehr führe man nicht. Dafür würde man sich dann aber in der Theorie mittels Texten, Grafiken, Filmen und Simulationen sehr intensiv mit Prävention auseinandersetzen, mit Themen wie rücksichtsvollem Fahren, Fahren in der Nähe von Passanten, Gefahren beim schnellen Fahren, Fahren bei Dunkelheit, Fahren bei Regen, Fahren bei Schnee, Fahren in engen Kurven, Fahren über kleine Hindernisse und ähnlich. Um die präventive Arbeit nachhaltig zu gestalten würde man mit den Fahrschülern über viele Stunden, Plakate erstellen, sie mit einem Tuch vor Augen durch Hindernisparcours laufen lassen und Rollenspiele spielen.

Was diese Analogie deutlich machen soll, ist die eingeschränkte Sicht von Schule auf digitale Technologien. Viele Schulen reduzieren sie auf die Vermittlung einiger grundlegender Techniken, Recherche im Internet, Erstellen eines Textdokumentes, Rechnen mit Tabellenkalkulation, Erstellen einer Präsentation und Prävention, also Cybermobbing, Sexting, Pädophile im Netz, Netiquette, Spielsucht, Urheberrecht und ähnlich. Das soll nicht bedeuten, dass Prävention keinen Stellenwert hat. Den hat sie definitiv, so wie in der Fahrschule auch das Thema Sicherheit im Lehrplan steht. Prävention ist ein Thema und dann gibt es noch sehr viele andere Themen. Sie sind nicht nur Lerngegenstand, sondern ermöglichen andere, neue Formen des Lernens. Und dieser muss Schule sich ebenfalls annehmen, als Herausforderung und Möglichkeit.

So wie das Auto dazu dient, etwas von A nach B zu befördern, so haben auch digitale Technologien ihre Rolle in unserem Leben, und im Leben unserer Kinder wird ihre Bedeutung noch zunehmen. Ohne die Kompetenz, mit digitalen Technologien umgehen zu können, werden unsere Kinder nicht in der Lage sein, ihr Leben in der Gesellschaft erfolgreich gestalten zu können. Kinder brauchen digitale Technologien, um sich individuelle Lernmöglichkeiten zu erschließen auf dem Weg zum lebenslangen Lernen, um an der Gesellschaft teilzuhaben, ihr privates Leben gestalten zu können und im Beruf bestehen zu können. Es gibt in unserer Gesellschaft nur eine Instanz, welche diese Kompetenzen grundlegend vermitteln kann und das ist die Schule. Lernen hat über Jahrhunderte mit Tafel und Kreide, Buch, Heft und Stift funktioniert. Digitale Technologien verändern die Welt nachhaltig und so auch Schule. Tradierte Möglichkeiten erweitern sich durch digitale Technologien, denn sie sind nicht einfach nur eine Substitution des Bekannten, sondern bieten neue Formen der Gestaltung von Lernen (und Lehren), Möglichkeiten, die bisher undenkbar waren.

Grundlagen des Umgangs mit digitalen Technologien, die Bedienung von Software/Apps und verantwortungsvoller und sicherer Umgang mit diesen Möglichkeiten müssen vermittelt werden. Da endet die Aufgabe der Schule dann jedoch nicht. Es muss weiter gehen, hinaus in den Straßenverkehr, um zur Analogie zurückzukehren. Schüler müssen die Möglichkeit erhalten, mit digitalen Technologien ihr individuelles Lernen zu gestalten.

Am Ziel sind wir mit dem Einsatz von digitaler Technologie im Unterricht, wenn sie so selbstverständlich geworden ist, wie Tafel  und Kreide es von jeher waren, wie das Wasser, welches aus dem Wasserhahn fließt. Sie soll so alltäglich sein, dass sie quasi unsichtbar ist. (Das bedeutet natürlich auch, dass sie zuverlässig ist, absolut zuverlässig, denn wie kann ich Unterricht planen, der digitale Technologien einschließt, wenn ich mich nicht darauf verlassen kann. Das wäre so, wie wenn ich mich nicht auf den Strom in der Klasse verlassen könnte und es wäre an manchen Wintermorgen dunkel im Klassenzimmer.)

In NRW hat OER eine Chance zur Institutionalisierung

Posted in Uncategorized by damianduchamps on Oktober 9, 2013

Leider bin ich durch meine Erkrankung seit einiger Zeit etwas außen vor, was das Thema OER angeht. In der kurzen Zeit, bevor meine Erkrankung erneut ausbrach, konnte ich jedoch auch ein klein wenig in Person aktiv sein.

Nach der Lektüre des sehr interessanten Rückblicks zum OER Camp in Köln, OER weiter institutionalisieren, möchte ich das, was dort geschrieben wird nur unterstützen und kann aus meinen Gesprächen bestätigen, dass zumindest in NRW Bewegung in der Sache ist, allerdings nicht aus der Ecke Open NRW Strategie, wie der Autor des Berichtes vorschlägt. Vielmehr wurde in NRW der Anstoß zur Institutionalisierung durch die Anhörung im Landtag gegeben. In Folge dieser Anhörung beschäftigt man sich nun Im Auftrag der Schulleitung habe ich eine Dienst E-Mail Adresse eingerichtet. Weitere Informationen dazu finden sich im Auftrag des Ministeriums in der Medienberatung NRW mit dem Thema OER. Den dort mit der Sache befassten Personen ist durchaus klar, welche Bedeutung OER gerade in der Lehrerfortbildung zukommt. Seit Jahrzehnten ist es dort wie vermutlich in allen Bundesländern üblich gewesen, Materialien für die Lehrerfortbildung zu erstellen, welche das Urheberrecht der Verlage permanent verletzten. Zwar gibt es die Vereinbarungen der Bildungsverlage mit den Kultusministerien, nach denen eine bestimmte Menge an Kopien aus Schulbüchern erlaubt ist, doch bezieht sich diese ausdrücklich auf Unterricht. Lehrerfortbildung ist aber kein Unterricht im Sinne der Vereinbarungen. Es gibt zudem sogar schon länger eine Weisung aus dem Schulministerium, Materialien der Lehrerfortbildung öffentlich zu machen. Da dieses aus urheberrechtlichen Gründen nicht möglich war, speiste man das Ministerium damit ab, dass man die erarbeiteten Materialien in nicht öffentlichen Intranets publizieren würde. Der ursprünglichen Weisung des Ministeriums entsprach das aber nicht wirklich. Die in der Lehrerfortbildung tätigen Personen, meist auch Lehrer, müssen also umdenken und urheberrechtlich unbedenkliche Materialien nutzen. Und da bleiben nur die OER. Die Bretter, welche zu bohren sind, sind recht dick. Es gibt den offiziellen Auftrag als Resultat der Anhörung und die sachlichen Zwänge. Nicht umsonst war eine der in der Medienberatung mit dem Thema befassten Personen Speaker auf der Konferenz in Berlin. Ich bin von daher sehr zuversichtlich, dass sich in NRW von offizieller Seite etwas bewegen wird.

Siehe auch Lothar Palm von learnline.nrw zum Einfluss der Netzgemeinde auf die Durchsetzung von OER

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