Damian Duchamps' Blog

Schule – Chaos mit Ansage, System ohne System


Posted in Schulentwicklung, Schulpolitik by damianduchamps on Mai 15, 2016

Dieser Tage hatte ich mit dem System Schule mal wieder ein Erlebnis, welches bei mir das Fass zum überlaufen brachte, wo ich tatsächlich mal wieder mit dem Gedanken spielte, alles einfach hinzuschmeißen.

Ich bin in der Lehrerfortbildung tätig und dafür mit einigen Stunden entlastet. Nun hat man mir angeboten, meine Entlastung auszuweiten. Ich könnte also mehr Stunden in der Fortbildung tätig sein und würde dafür weniger unterrichten. Bisher war so etwas relativ einfach geregelt. Man sprach sich mit der Leitung des Kompetenzteams, welche die Fortbildung vor Ort regelt, ab, diese beantragte entsprechende Stunden bei der Bezirksregierung und wenn alles in Ordnung war, bekam man die zusätzlichen Stunden genehmigt. Das geht jetzt nicht mehr. Jetzt muss ich mich bewerben, „mit den üblichen Unterlagen,“ und dann zu einem Bewerbungsgespräch zur Bezirksregierung fahren. Selbst wenn ich, der ich einige Jahre in der Fortbildung tätig bin, meine Tätigkeit dort nur um zwei Stunden erweitern möchte, muss ich diese Prozedur über mich ergehen lassen. Wer sich das bei der Bezirksregierung ausgedacht hat, dem sollte man dafür mindestens das Bundesverdienstkreuz verleihen. Letztlich ist dieses Erlebnis aber nur symptomatisch für das Chaos in unserem Schulsystem.

Nun ja, so kam also der ganze Frust mit diesem System in mir wieder einmal hoch. Und das hat Gründe, denn ich bin zwar auch nur ein Rad im Getriebe, doch ich habe Augen und Ohren und bin, auch durch dieses Schulsystem, zu Kritik erzogen worden. Zum Glück.

Als ich 1970 als Erstklässler das erste Mal mit Schule zu tun hatte, war das Schulsystem noch weitestgehend in Ordnung. Es war ein System, welches bundeseinheitlich ziemlich gleichförmig angelegt war, dreigliedrig und zumindest vom Prinzip her durchlässig nach unten wie nach oben. Überall begann man mit der ersten Fremdsprache in der Klasse fünf und mit der zweiten in der Klasse sieben. Nach und nach wurde überall der Abschluss der Klasse zehn eingeführt, auch wenn ein Hauptschulabschluss nach Klasse neun weiterhin möglich war. Aber es zeichneten sich bereits erste Versuche an, das System aufzubrechen. Die Gesamtschule wurde eingeführt. Chancengleichheit für alle, war die Losung. Grundsätzlich war das sicher keine schlechte Idee. Auch die katholische Tochter vom Lande oder der Sohn des Arbeiters sollte die Gelegenheit erhalten, das Abitur zu machen und zu studieren. Was aber im Laufe der Jahrzehnte daraus wurde, ist schlichtweg eine Katastrophe.

Wirklich besser wurde wenig. Auch wenn nach außen hin zunächst noch alles ziemlich gleich war, begann das System auseinander zu driften. Ein Abitur aus Nordrhein-Westfalen galt zum meiner Abi-Zeit in Bayern nichts. Wer sein Abitur in einer Gesamtschule in Nordrhein Westfalen ablegte, lag im Stoff deutlich hinter einem Abiturienten vom Gymnasium zurück.

Schule entwickelte sich im Spannungsfeld der parteipolitischen Ideologien, auf Landesebene bis hinunter in die Kommunen. In den CDU und CSU regierten Bundesländern blieb man eher konservativ beim bewährten System und setzte auf Leistung und Elitenförderung. In den SPD-regierten Bundesländern war man dagegen deutlich experimentierfreudiger. Das Mantra, unter dem das geschah, lautete „Chancengleichheit.“ Immer wieder wurde in den SPD Ländern mit oft zweifelhaftem Erfolg versucht, die Dinge zum Besseren zu verändern. Die Gesamtschule kam ins Spiel. Schulversuche und Leuchtturmprojekte blieben in der Regel allerdings ohne Folgen, weil sich die dahinter liegenden Konzepte auch bei erfolgreichen Ergebnissen, politisch nicht durchsetzen ließen. Viele junge motivierte Lehrer wurden so im Laufe der Jahre verheizt. Man ließ sie neue Konzepte auszuarbeiten, Lehrpläne schreiben usw. bis sie lernten, Reformen einfach auszusitzen. Diese Generation Lehrer ist mittlerweile fast komplett im Ruhestand und die meisten sind froh darüber. Aus ihrer Sicht hat sich das Schulsystem im Laufe der Jahrzehnte in unserem Land nicht verbessert.

Wenn man die Entwicklung über die vielen Jahre beobachtet, hat man das Gefühl, das System Schule driftet mehr und mehr auseinander. Aus dem einst relativ einheitlichen System ist mittlerweile etwas geworden, wo es schwierig ist, überhaupt noch von einem System zu sprechen. Vor wenigen Jahren hieß es einmal im Spiegel, dass wir in Deutschland mittlerweile über 50 verschiedene Schulformen haben, zumindest dem Namen nach. Mit der Einführung von G8 ist alles nur noch chaotischer geworden. In manchen Bundesländern beginnt man nun mit der zweiten Fremdsprache bereits in der sechsten Klasse. In anderen ist man bei der Klasse sieben geblieben. Familien, die von einem Bundesland in ein anderes wechseln wollen, werden dadurch vor enorme Probleme gestellt. Viele Kinder müssen ein Jahr wiederholen, weil sie das erste Jahr der neuen Fremdsprache verpasst haben. Wer von einer Hauptschule oder einer Realschule zum Gymnasium in die Oberstufe wechselt, muss bei einem G8 Gymnasium die Klasse zehn wiederholen, da diese dort bereits zur Oberstufe zählt.

Das G8 war von seiner Grundidee sicherlich in Ordnung. Man wollte eine Angleichung an andere Länder in Europa. Doch wie so oft in diesem System Schule scheiterte das alles am System selbst. Damit G8 funktionieren kann, mussten die Schulen ihre Lehrpläne in den einzelnen Fächern reduzieren. Ganz wenigen Schulen gelang dieses. Bei der Mehrheit der Gymnasien funktionierte es überhaupt nicht. Keine Fachschaft war dort bereit, etwas zu streichen. Das sollten gefälligst die anderen tun, die weniger wichtigen Fächer. Und so wurde der Schwarze Peter hin und her geschoben und zum Schluss wurde gar nichts gestrichen. Die Leidtragenden sind die Schüler und die Familien. Gestiegener Druck und weniger Freizeit sind eine Folge. Irgendwann erkannte auch die Politik, dass es so nicht weitergehen konnte. An vielen Stellen kam zudem der Wunsch auf, wieder zurück zu G9 zu gehen. Wo die Politik es dann zuließ, wechselten tatsächlich Gymnasien wieder zurück zu G9. Gleichzeitig versuchte man für die G8 Gymnasien die Situation zu entschärfen. Anstelle der Reduktion im Stoffumfang, den die Gymnasien nicht geschafft hatten, setzte man jetzt bei den Hausaufgaben an. Weniger Hausaufgaben. Ob das nun zu einem Erfolg geführt hat, darüber hat man bisher nichts gehört. Ich wage, zu bezweifeln, dass die Situation sich geändert hat. Auch hier werden die einzelnen Fächer weiterhin auf dem alten Umfang der Hausaufgaben bestanden haben und den schwarzen Peter an die anderen weitergegeben haben.

Und parallel verschwinden nun nach und nach die Hauptschulen und an vielen Stellen auch die Realschulen. Stattdessen hat man hier in Nordrhein-Westfalen nun jede Menge neue Gesamtschulen und Sekundarschulen und ein paar Gemeinschaftsschulen. Letztere entstanden in dem Versuch der SPD, das Schulsystem umzukrempeln. Der Versuch scheiterte dann aber am Widerstand der CDU. Neue Gemeinschaftsschulen gab es nicht mehr nach dem Schulfrieden, doch da die gerade entstandenen Bestandsschutz haben, existieren sie weiter. Wenn man die Gesamtlage in NRW betrachtet, so entwickelt sich das System tendenziell zu einem zweigliedrigen Schulsystem. Auf der einen Seite sind die Gymnasien, welche gut 40 % aller Schüler aus den Grundschulen aufnehmen. Und dann sind da noch die anderen Schulen: Gesamtschulen, Sekundarschulen, Realschulen und Hauptschulen und die wenigen Gemeinschaftsschulen. Wirklich zweigliedrig kann das System jedoch nicht werden. Wie an verschiedenen Stellen im ganzen Land zu sehen ist, passen hier einige Sachen nicht zusammen. Es entstehen vor allem unsägliche und unnötige Konkurrenzsituationen zwischen Schulen.

Immer wieder wird deutlich, dass die gesellschaftlichen Vorstellungen von Schule mit denen der Politik nicht deckungsgleich sind. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Politik von Parteien gemacht wird, die nicht von 80 oder 90 % der Bevölkerung gewählt werden. Sie vertreten damit auch bildungspolitische Ideologien, die nur von einem kleineren Teil der Bevölkerung unterstützt werden. Hinzu kommt, dass viele Eltern, vor allem wenn sie selbst einen mittleren oder gehobenen Bildungsabschluss haben, ihre Kinder auf einem Gymnasium sehen möchten. Sie sollen später bessere Chancen haben und definitiv nicht mit den ganzen Kindern aus dem bildungsfernen Schichten auf eine Schule gehen, „nicht mit den Migrantenkindern, nicht mit den Blöden, nicht mit den Asozialen, nicht mit den Förderschülern (Inklusion ist gut, aber bitte nicht in der Klasse meines Kindes).“ Ihre Kinder sollen auf jeden Fall Abitur machen. Und außerdem klingt es ja auch viel besser, wenn man sagen kann, mein Kind geht aufs Gymnasium. Und Gesamtschulen entwickeln sich jetzt, wo die Hauptschulen wegfallen, mehr und mehr zum Sammelbecken für all jene Kinder, die eben nirgendwo anders unterkommen. Wer möchte es Eltern übel nehmen, wenn sie ihr Kind dort nicht hinschicken wollen? Der Politik scheint das aber egal. Aufgrund der rechtlichen Strukturen ist es auch nicht möglich, das Schulsystem nun tatsächlich in ein zweigliedriges umzuwandeln.

Hier bei mir vor Ort im südlichen Westfalen sehe ich das ganz deutlich. Man hat neue Gesamtschulen aufgemacht und Sekundarschulen und die Hauptschulen laufen nun alle aus. Aber die Realschulen verschwinden nicht komplett. Es wurde sogar eine in privater Trägerschaft neu eröffnet und gibt noch eine weitere in privater Trägerschaft, welche die Politik nicht einfach schließen kann. Eine andere, die geschlossen werden sollte, bleibt nun doch bestehen, zumindest vorerst. Alle können sich vor Anmeldungen kaum retten. Die Gesamtschulen und die Sekundarschule hingegen haben enorme Probleme durch diese Konkurrenz der Gymnasien und Realschulen. Ihnen fehlen die Kinder mit gymnasialer Empfehlung. Sie bekommen zum Teil nicht einmal ausreichend viele Schüler, um die Vorgaben für die Genehmigung ihrer Schulform zu erfüllen. Die Eltern stimmen mit den Füßen ab. Sie wollen die Gesamtschule nicht. Hier auf dem Land wollen die Eltern auch keinen gebundenen Ganztag. Auf die Gesamtschulen und die Sekundarschule geht nur, wer muss.

Der demographische Wandel verstärkt das Problem noch einmal zusätzlich. Die Gymnasien müssten, wenn nur Kinder mit einem über die Jahre unveränderten Leistungsniveau aufgenommen würden, eigentlich schrumpfen. Das würde für die Gymnasien jedoch weniger Mittelzuweisungen und weniger Lehrerstellen bedeuten. Verhindern können sie das nur, indem sie auch weniger geeignete Schüler aufnehmen. In Folge haben die Gymnasien nun deutlich mehr schwächere Schüler, die sie bis zum Abitur „fördern“ müssen und die restlichen Schulen, von den Realschulen abgesehen, erhalten nur noch was über bleibt und werden so immer mehr zum Sammelbecken für den traurigen Rest. Obwohl schon seit Jahren immer mehr Kinder auf die Gymnasien gehen, die in der Vergangenheit nie dort aufgenommen worden wären, steigt die Zahl der Schüler, die ihr Abitur mit eins machen. Gleichzeitig klagen aber die Hochschulen und Universitäten über immer weniger studierfähige junge Studenten. Wie passt das bitte zusammen?

Das alte dreigliedrige Schulsystem hat zu seiner Zeit sehr gut funktioniert. Es war ein Modell, welches im Großen und Ganzen den Anforderungen seiner Gesellschaft und Wirtschaft entsprach. Heute wäre dieses Schulsystem nicht mehr angemessen. Wie durch eine Vielzahl von Studien festgestellt wurde, hat unser Schulsystem die Tendenz, soziale Benachteiligungen zu verstärken. Alle Versuche, dem entgegenzusteuern, haben keine Verbesserung gebracht, sondern die Tendenz sogar noch weiter zementiert. Das dreigliedrige Schulsystem hat heute keine Berechtigung mehr. Ein Umbau war definitiv erforderlich, um das Schulsystem an veränderte gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedingenden anzupassen. Leider aber war niemand in der Lage, die Fliehkräfte, welche sich aus parteiideologischen Überzeugungen, lokalpolitischen Eitelkeiten, gesellschaftlichen Veränderungen, wirtschaftlichen Anforderungen, demographischen Entwicklungen und finanziellen Sachzwängen ergaben in eine gemeinsame Richtung zu lenken, um das alte Schulsystem in ein neues kohärentes System zu überführen. Ein Grund, warum das nicht gelang, liegt in den politischen Strukturen Deutschlands begründet. Wesentlich entscheidender für die Probleme mit unserem Bildungssystem dürfte jedoch der fehlende gesellschaftliche Konsens sein, wie ein über alle Bundesländer und Kommunen hinweg einheitliches Schulsystem aussehen könnte.

Schulpolitik ist kein Schlachtfeld, auf welchem sich Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker, Menschen mit Ideologien und Eitelkeiten austoben können. Hier geht es um die Zukunft von Menschen, um die Zukunft eines Landes. Lösungen, die einen großen Teil der Gesellschaft nicht mitnehmen und über Machtpolitik, politisches Geschachere oder Schulfrieden zustande kommen, sind keine Lösungen. Das macht die aktuelle Situation wohl mehr als deutlich.

Vielleicht wäre es für die Politik endlich einmal an der Zeit, die bildungspolitischen Ideologien zu begraben und stattdessen einen gesellschaftlichen Konsens zu finden, der dann gemeinschaftlich und bundesweit umgesetzt wird!

Bewundern kann man in dieser Situation, wo eine Besserung auf absehbare Zeit nicht einmal zu erwarten ist, nur die Mitbürger, die als Lehrerinnen und Lehrer täglich ihr Bestes geben, um den Schaden, den dieses System an Kindern und Jugendlichen verursacht, so gering wie möglich zu halten. Viele von ihnen, die allen Widernissen zum Trotz dieses System aushalten, sehen ihr Lehrersein noch immer als Berufung und nicht bloß als Beruf. Dass sie in diesem häufig so menschenverachtenden System oft ihre Gesundheit lassen müssen und häufiger unter Burn-out leiden als andere Berufsgruppen, wundert da nicht. Sie haben täglich mit den Unzulänglichkeiten dieses Systems zu kämpfen. Man kann es ihnen nicht hoch genug anrechnen, dass sie trotzdem ein Maximum leisten. Zu den Leidtragenden in diesem System zählt neben den Lehrern leider auch eine noch größere Zahl an Kindern, Kinder, die nicht die Schule bekommen, die sie eigentlich haben sollten.

QR Codes – Pimp those boring textbooks!

Posted in Creative, Medienwelt, Tools by damianduchamps on Mai 5, 2016

Langweilig und schon bei Drucklegung veraltet

Vermutlich bin ich nicht der einzige, der die Schulbücher, mit denen er im Alltag zu tun hat, unausstehlich langweilig findet. In meinem Fall ist dieses das Englischlehrwerk, welches mittlerweile in die Jahre gekommen ist. Der Band für die Klasse 8 wurde 2007 auf den Markt gebracht und war sicherlich mindestens ein Jahr, wenn nicht länger, in Vorbereitung. Entsprechend veraltet sind die Inhalte. Die jungen Menschen aus den USA und Kanada, die dort vorgestellt werden, nutzen noch keine Smartphones, kennen kein WhatsApp oder SnapChat, schreiben dafür aber E-Mails und man sieht sie, wenn überhaupt im Zusammenhang mit Computern, vor uralten Modellen sitzen. Die vorgestellten Schauspieler, Sportstars, Musiker und Bands sagen den Schülern von heute kaum noch etwas. Internet Berühmtheiten – Fehlanzeige. Und selbst die Fotos, die eigentlich relativ überdauernde Landschaften, Gebäude, Personen und ähnlich zeigen sollen, um den Schülern einen Eindruck zu geben, wie es in diesen Ländern aussieht, sehen aus als wären sie aus dem Fotoalbum meiner Großeltern entnommen. Auch von der Struktur her insgesamt kann mich dieses Lehrwerk nicht vom Hocker reißen. Die angesprochenen Inhalte mit Bezugspunkten zur Lebenswelt der Schüler sind letztlich nur Vehikel, um neues Vokabular und Grammatik zu transportieren. Einzelne Units mit Projekten sollen das Buch in seiner Eintönigkeit auflockern.

Wenn ich mein Englischbuch aufschlage, dann fällt es mir extrem schwer, den Schülern gegenüber begeistert, motiviert und inspiriert zu wirken. Und wie muss dieses Buch erst auf meine Schüler selbst wirken, die täglich im Internet unterwegs sind, wo sie viele schöne Bilder sehen und vielfältigste Layouts und Schriftarten, Animationen und Videos?

Ganz ohne Lehrbuch?

Als Schule ist man nicht verpflichtet, mit einem Lehrwerk zu unterrichten. Man kann, wenn man möchte, die Inhalte in Orientierung an den Richtlinien und Lehrplänen komplett selbst zusammenstellen. Das allerdings kostet natürlich einiges an Zeit und Energie und ist alleine schwierig zu leisten. Eine größere Fachschaft könnte das schon leisten. Oft wird ein Fach wie Englisch jedoch auch fachfremd unterrichtet. Für Lehrer, die ein Fach nicht studiert haben, kann ein Lehrwerk mit den umfangreichen Begleitmaterialien inklusive der didaktischen Hinweise eine große Hilfe sein. Solche Unterstützung würde bei selbst zusammengestellten Materialien fehlen. Mitunter verlangen sogar Schüler nach einem Buch, da sie einen Grammatik- und Vokabelteil haben möchten, den sie zum Nachschlagen und Lernen nutzen können. Das ist vor allem dann der Fall, wenn im Unterricht versäumt wird, entsprechende Unterlagen gemeinsam mit den Schülern systematisch anzulegen.

Das Englischlehrwerk aufbohren

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Mindesthaltbarkeitsdatum verlängern

Eine Möglichkeit, das offizielle Lehrwerk trotz aller seiner Beschränkungen doch zu nutzen, besteht darin, seine Möglichkeiten einfach zu erweitern. Das macht die Arbeit damit nicht nur interessanter und motivierender, sondern kann sogar Kosten sparen helfen, da man das Lehrwerk so länger nutzen kann.

Ein Lehrwerk aufzuwerten, ist relativ einfach mit etwas Arbeit  und ohne zusätzliche Kosten möglich.

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Let’s go 4 Unit 7 – Canada mit QR Code zu einem Padlet

Eine Möglichkeit dazu sind QR Codes. Je nach Schule und Bundesland werden die Fachbücher von Eltern oder Schule angeschafft. Bei Lehrwerken, die im Besitz der Schule sind, und an die Schüler ausgeliehen werden, kann nach Absprache mit dem Schulträger das Schulbuch um QR Codes erweitert werden. Diese verweisen dann auf Inhalte, die im Internet zu finden sind. Anders als bei den Angeboten mancher Verlage über Web Codes, die auf Inhalte aus dem Angebot des Verlages hinweisen, können hier eigene Inhalte hinterlegt werden.

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Padlet Canada

Verweisen kann man auf Inhalte jeder Art – Informationstexte, Nachrichtentexte, Wikipedia Einträge, Fotos, Videos, Audiomaterial wie Podcasts, Hörgeschichten und ähnlich und natürlich auch interaktive Übungen, etwa mit LearningApps erstellt, und Quiz-Formate. Im Vokabelteil könnte man auf Quizlet Übungen für das Vokabeltraining verlinken. Außerdem könnten, falls gewünscht, Arbeitsblätter zum Download vom Schulserver oder ähnlich eingebunden werden. Hervorragend geeignet sind hier in allen Bereichen auf jeden Fall freie Bildungsmaterialien (OER).

Voraussetzungen

Auch wenn in einer Fachschaft alle willig sind, müssen einige Vorbedingungen erfüllt sein, um ein Lehrwerk über QR Codes und damit verlinkte externe Inhalte/Übungen aufwerten zu können.

  • Das betreffende Lehrwerk muss im Besitz der Schule/ des Schulträger sein.
    • Einkleben von QR Codes muss genehmigt sein
  • Sollen die Möglichkeiten im Unterricht sinnvoll genutzt werden,
    • sollten idealerweise alle Klassenräume/Fachräume Internetzugang haben
    • sollten möglichst viele Schüler über digitale Endgeräte Zugriff auf das Internet haben
      • Schulgeräte und/oder Schülergeräte (BYOD)
    • sollten möglichst alle Schüler auch zu Hause das Internet nutzen können
    • sollte zumindest eine regelmäßige Nutzung eines PC Raums möglich sein
  • Die Nutzung von externen Inhalten im Internet darf zumindest in Bezug auf von Lehrern ausgewählte Inhalte nicht durch Firewalls und/oder Filtersoftware blockiert sein

Je nach Nutzungsszenario kann es sinnvoll sein, die QR Codes mit einem verkürzten Link (z.B. über einen Dienst wie http://bit.ly verkürzt) zu ergänzen, der im Bedarfsfall abgetippt werden kann.

Schritt für Schritt

  1. Die Fachschaft entschließt sich, das Fachbuch aufzupimpen
  2. Rechtliche Fragen, ob das Buch mit QR Code Stickern versehen werden darf, werden geklärt.
  3. In einer Fachschaftssitzung arbeitet man beispielhaft ein Thema aus einem Jahrgang auf, um allen Beteiligten zu zeigen, wie es geht.
    1. Gezeigt wird, wo man externe Inhalte findet.
    2. Ein Kriterienkatalog für die Materialauswahl wird erstellt: Anspruchsniveau, maximale Länge der Videos, Bildqualität, Länge von Audiomaterialien, Urheberrecht (nutzbare Lizenzformen, Creative Commons Lizenzen, Public Domain), …
    3. Plattformen für das Finden bzw. Erstellen von interaktiven Aufgaben werden vorgestellt.
    4. Absprache, welche Übungsformen, man wofür nutzen will.
    5. Konventionen für das Benennen von erstellten bzw. auf eigene Bedürfnisse angepassten externen Übungen werden vereinbart.
    6. Erstellen von QR Codes bzw. Sammlung von Links für das Erstellen der QR Codes
  4. Drucken von QR Codes auf Avery/Zweckform Etiketten (oder ähnlich) und Einkleben in Lehrwerk
  5. Erster Praxistest und Nachbesserung falls notwendig.
  6. Aufteilung der restlichen Themen/Units aus dem Jahrgang und Überarbeitung in Teams.
  7. Praxistest mit den anderen Überarbeitungen im Jahrgang und Nachbesserung wo notwendig.
  8. Aufpimpen des kompletten Fachbuches, zu dem gearbeitet wurde, mit QR Codes für den nächsten Durchgang.
  9. Ausweitung auf andere Jahrgänge/Fächer.

Wie im Unterricht nutzen

Bevor man sich entschließt, ein Fachbuch mit QR Codes aufzubohren, sollte man sich auf jeden Fall Gedanken machen, wie man die externen Inhalte für den Unterricht nutzen kann.

Primär frontale Nutzung – Schüler Nachnutzung

Nicht jede Schule verfügt über die Möglichkeit, Schüler im Unterricht mit digitalen Endgeräten ins Internet zu schicken. Dann nutzt der Lehrer die Inhalte im Unterricht:

  • über einen Projektor, der mit Notebook, Tablet oder Smartphone gekoppelt ist
  • über ein interaktives Whiteboard

Bei beiden Varianten ist es durchaus möglich, dass einzelne Schüler interaktive Übungen machen und dabei von den Mitschülern unterstützt werden. Alle Schüler haben anschließend die Möglichkeit, die externen Materialien auch noch einmal zu Hause zu nutzen. Die Materialien könnten auch als Hausaufgaben genutzt werden. Bei Plattformen mit der Möglichkeit zur Registrierung (z.B. Quizlet, Edpuzzle, …) hat der Lehrer sogar eine Kontrolle über den Zugriff durch die Schüler.

Flipped Classroom

In vielen Schulen ist die Möglichkeit für Lehrer, zumindest einen Projektor im Fachraum oder Klassenraum nutzen zu können, nicht gegeben. Aber auch hier kann es Sinn machen, das Fachbuch mit QR Codes zu ergänzen. Im Sinne von Flipped Classroom können über die QR Codes auch Videos und Materialien verlinkt werden, mit denen sich Schüler zu Hause mit einem Stoff auseinandersetzen, der dann im Unterricht geübt und vertieft wird. Im Englischunterricht wäre das z.B. bei Grammatik Themen denkbar, siehe z.B. English Grammar Reported Speech: Questions von Alicia Bankhofer.

Außerdem können Schüler auch weitere verlinkte Materialien nutzen für andere Formen von Hausaufgaben, mit denen sie Inhalte für den Unterricht vorbereiten oder Themen vertiefen.

Nutzung im PC Raum

Ich selbst gehe im Englischunterricht nicht gerne extra in den PC Raum. Aber „zur Not frisst der Teufel die Fliegen auch ohne Salz.“ Wenn gar nichts geht, ist ein PC Raum besser als nichts. Da die PCs dort in der Regel nicht über Webcams verfügen, welche die QR Codes einlesen können, ist es hier wichtig, dass die Links auch abgetippt werden können. Es sollten außerdem Köpfhörer verfügbar sein oder von den Schülern mitgebracht werden.

Notebook Wagen/Tablet Koffer

Bteht die Möglichkeit, zumindest für eingeschränkte Zeiträume, Notebooks oder Tablets für die Lerngruppe zu bekommen, hat man deutlich bessere Möglichkeiten. Wenn nur diese Möglichkeit besteht, könnte man sich in der Fachschaft absprechen, dass jede Lerngruppe in einem Schuljahr zumindest eine Stoffeinheit/Unit mit Internetzugriff und Endgeräten in der Klasse durcharbeiten kann.

Je nach Fach könnte man so auch zunächst nur eine bestimmte Unit/Stoffeinheit mit externem Material und QR Codes erweitern. Sobald sich mehr Möglichkeiten für Notebooks oder Tablets in den Lerngruppen ergeben, weitet man dann die Vorhaben dann in den Fachbüchern aus, wie oben beschrieben.

BYOD

Die umfangreichsten Möglichkeiten bieten sich sicherlich, wenn alle Schüler dauerhaft eigene Geräte im Unterricht nutzen können (BYOD). Dann könnten die erweiterten Inhalte des Lehrwerks regelmäßig im Unterricht eingesetzt werden. Zu beachten ist hierbei noch: nicht alle Inhalte aus dem Internet stellen sich auf allen Geräten gleich gut dar. Gerade auf Geräten mit kleineren Displays kann es z.B. bei interaktiven Übungen zu Problemen kommen. Das sollte man vorher testen.

Weitere Szenarien

Schulen, die mit lokalen Lernmanagement Systemen/Lernplattformen arbeiten, könnten auch auf Inhalte innerhalb dieses Systems verlinken, wenn diese über ein internes Netz für Schüler und Lehrer erreichbar sind. Gleiches ist für Verlinkungen auf Lernmanagement Systeme/Lernplattformen denkbar, die auch von außen über das Internet erreicht werden können.

Ausweitung auf andere Fächer

Hat sich das System in einem Fach bewährt, wird auch in anderen Fächern schnell der Wunsch aufkommen, diese Möglichkeit zu nutzen. Dieser Schritt ist dann vergleichsweise einfach.

Lehrer des 21. Jahrunderts sind die Lerner des 21. Jahrunderts

Posted in Kompetenzen, Medienwelt, Schulentwicklung, Schulpolitik, Uncategorized by damianduchamps on April 30, 2016

An vielen Stellen herrscht mittlerweile kein Zweifel mehr daran, dass das Lernen des 21. Jahrhunderts anders aussieht als es gegenwärtig noch an der Mehrheit der Schulen praktiziert wird.

Wer sich in der Bildungslandschaft umschaut, sieht, dass sich schon recht deutlich herauskristallisiert hat, wie das Lernen des 21. Jahrhunderts aussieht, denn es gibt bereits Schulen, wo es praktiziert und weiterentwickelt wird. Schaut man sich die Beispiele näher an, wird aber auch sehr schnell klar, was die Akteure auszeichnet.

Sie alle selbst sind Lerner des 21. Jahrhunderts.

Es sind die André Spangs, Alicia Bankhofers, Thorsten Larbigs, Jörg Lohrers, Gerhard Bless und so weiter dieser Welt. Sie alle leben vor, wofür sie stehen, indem sie die Lernmöglichkeiten des 21. Jahrhunderts aktiv nutzen, um ihre eigenen Kompetenzen zu erweitern. Das heißt, sie bauen sich ihre persönlichen Lernnetzwerke auf, suchen sich Informationen im Netz, nehmen an MOOCs teil, schauen Lernvideos, sie schreiben Blogs, podcasten, erstellen Videos, veranstalten edChats, erstellen gemeinsam Dinge, …, sie erwerben Kompetenzen und teilen sie mit anderen und wachsen dabei weiter.

Was bedeutet das für die Entwicklung des Bildungssystems selbst hin zu einem Bildungssystem des 21. Jahrhunderts?

Man kann, so denke ich, sicher davon ausgehen, dass die Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer digitale Technologien nutzen, im privaten Umfeld wie in der Unterrichtsvorbereitung. Trotzdem fällt es ihnen extrem schwer, sich in Bezug auf Unterricht auf digitale Technologien einzulassen. Welche enorme Bedeutung das Lernen des 21. Jahrhunderts für Schule hat, übersteigt ihren Vorstellungshorizont sogar komplett, und das nicht ohne Grund.

Der beste Englischlehrer ist nicht nur Pädagoge, sondern beherrscht die englische Sprache perfekt, der beste Biologielehrer ist Biologe und Pädagoge und der beste Mathematiklehrer ist Mathematiker mit Leib und Seele und Pädagoge. Wer Schüler zu Lernern des 21. Jahrhunderts machen soll, muss deshalb selbst ein Super-Lerner des 21. Jahrhunderts sein. Nach modernem Rollenverständnis vermitteln Pädagogen heute schon lange nicht mehr nur Wissen, sondern auch das Lernen selbst. Und immer schon lernen Lehrer in ihrer Ausbildung auch selbst mit den Methoden, die sie hinterher als Lehrer in ihrer täglichen Arbeit nutzen sollen.

Wenn Lehrerinnen und Lehrer also nicht selbst aus eigener Praxis in der Entwicklung und Erweiterung ihrer beruflichen Professionalität erfahren haben, wie das Lernen des 21. Jahrhunderts funktioniert und welchen Gewinn es ihnen bringt, dann können sie dieses weder in ihren beruflichen Alltag integrieren noch verstehen, warum dazu überhaupt eine Notwendigkeit besteht. Dann wundert es auch nicht, wenn Schulen noch immer Smartphones verbieten und man an Schulen oft nur Einzelkämpfer findet, die mit digitalen Technologien in ihrem Unterricht arbeiten und sich auf den Weg gemacht haben, ihre Schüler die Chance gehen, sich zu Lernern des 21. Jahrhunderts zu entwickeln.

Für die Praxis bedeutet dieses:

  • Die Lehrerausbildung muss so schnell wie möglich umgestellt werden, um aus Lehramtsstudenten und Referendaren Lerner des 21. Jahrhunderts zu machen
  • Die Lehrerfortbildung muss umgestellt werden, um Lehrer zu Lernern des 21. Jahrhunderts zu machen
  • Für den Übergang müssen Lehrer an den Schulen massiv entlastet werden, um den Raum zu erhalten, sich zu Lernern des 21. Jahrhunderts zu entwickeln

Schulen stehen gegenwärtig unter einem enormen Druck von vielen Seiten. Inklusion, Flüchtlinge, G8/G9, demographischer Wandel und gesellschaftliche Probleme, die in die Schulen schwappen, lassen unter den gegebenen Bedingungen nicht viel Luft für einzelne Themen. Mit Tafel, Buch, Stift und Heft hat Unterricht immer funktioniert und für viele Lehrer stehen deshalb digitale Technologien ziemlich weit hinten auf der Prioritätenliste. Wenn sich also etwas ändern soll, und es muss sich etwas ändern, dringend, dann braucht es einer gewaltigen gemeinsamen Anstrengung. Ohne einen Schub aus der Politik und die entsprechenden Mittel, um die Lehrerausbildung und -fortbildung wie oben beschrieben, zu verändern, wird es nicht gehen. Dafür braucht es politischen Willen. Man hörte mal etwas munkeln von einem milliardenschweren Programm aus Berlin. Das war schon 2015 und es ging wohl mehr um Ausstattung von Schulen. Von daher ist der Ausblick gegenwärtig nicht sehr optimistisch, auch wenn zu spüren ist, dass an vielen Schulen so langsam Aufbruchstimmung einkehrt in Bezug auf digitale Technologien und Unterricht.

ICT @ school = 50% Prävention + 30% Handling + 20% sonstwas

Posted in Uncategorized by damianduchamps on April 29, 2016

„Kompetenzen für das Leben, Lernen und Arbeiten in der digitalen Welt müssen entlang des gesamten Bildungsweges in allen Fächern erworben werden. Der kompetente Umgang mit digitalen Medien wird zu einer neuen Kulturtechnik – neben Schreiben, Lesen, Rechnen.“

Quelle: https://land.nrw/sites/default/files/asset/document/thesenpapier_bildungviernull_090316.pdf
Thesenpapier Bildung 4.0

Es dauert nicht mehr lange und der Todestag des großen Dichters und Denkers Goethe jährt sich zum 200. Male. Kehrte er heute noch einmal zurück, so würde er in dieser Welt vieles nicht mehr wieder erkennen und verstehen. Auf den Straßen sähe er Menschen umherlaufen, die kleine Gegenstände an ihre Ohren pressen oder auf kleine Gegenstände blicken, auf denen sie mit den Fingern herum tippen. Andere liefen mit Schnüren aus den Ohren kommend, die in ihren Hosentaschen enden, herum. Menschen säßen in Kisten aus Metall, die sich von alleine bewegen. Käme er zu den Menschen nach Hause, fände er die Kinder vor Glasscheiben sitzen, die in fremde Welten schauen lassen und dabei halten sie kleine Geräte in der Hand und bewegen ihre Finger schnell. Vieles in unserer Welt wäre Goethe extrem befremdlich. Doch sobald er eine Schule beträte, würde er sich wieder zu Hause fühlen. Tafel und Kreide, das wäre ihm bekannt. In manchen Klassenräumen würde er sich vielleicht darüber wundern, dass die Tafeln weiß sind.

Es hat sich nicht wirklich viel verändert in den Schulen seit Goethe verstorben ist. Bis vor gar nicht so langer Zeit wunderte das vielleicht nicht, denn auch die Welt hat sich in vielen Bereichen nur sehr langsam verändert. Bis Veränderungen in der Schule Einzug halten, dauerte es schon immer eine Weile . Wissenschaftliche Erkenntnisse brauchen eine Zeit, bis sie Eingang in die aktuellen Lehrwerke finden. So ist es auch mit den Technologien gewesen. Aber das Radio, der Kassettenrekorder, das Fernsehen, die DVD und ähnlich haben Eingang gefunden in die Schule. Zentrales und beherrschendes Element von Schule und Unterricht sind jedoch immer Tafel und Kreide, Buch, Heft und Stift geblieben.

Mit der aufkommenden Digitalisierung hat es jedoch Veränderungen gegeben, die so umfassend sind, dass sie auch in vielen Bereichen unseres Lebens große Veränderungen bewirkt haben und noch immer bewirken. Das Berufsleben ist seither großen Umwälzungen unterworfen, alte Berufe verschwinden oder verändern sich und neue entstehen. Nicht anders verhält es sich mit der individuellen Lebensgestaltung, wo die Digitalisierung völlig neue Möglichkeiten eröffnet hat. Auch die Politik ist von der Digitalisierung nicht verschont geblieben. Soziale Medien eröffnen der Demokratisierung politischer Prozesse neue Möglichkeiten, etwa durch Meinungsbildung, Petitionen und Mitbestimmung. Die Welt der Nachrichten ist gerade dabei sich grundlegend umzugestalten. Zeitungen müssen sich neu aufstellen, wenn sie nicht untergehen wollen in einer Zeit, wo das Internet die Nachrichten vom Vortag zum Schnee von gestern macht. Wie groß diese Veränderungen sind, welche die Digitalisierung mit sich bringt, das dürfte wohl bei vielen Menschen mittlerweile angekommen sein. Selbst Lehrerinnen und Lehrer nutzen Computer alltäglich zur Vorbereitung ihres Unterrichts und nutzen privat Smartphones und Tablets. Im Unterricht selbst haben die häufig noch immer als „neue Medien“ bezeichneten digitalen Technologien noch kaum Einzug gehalten.

Bei meinen Gesprächen mit Lehrern verschiedener Schulen merke ich immer wieder, dass die digitalen Technologien meist sehr einseitig betrachtet werden. Sehr häufig werden sie reduziert auf das Gefahrenpotenzial und das Handling. Wenn man digitale Technologien in den Unterricht bringen möchte, dann vor allem, um sich mit Themen wie Cybermobbing, illegalen Downloads, Suchterhalten, Netiquette und ähnlich zu beschäftigen. Außerdem möchte man den Schülern vermitteln, wie man mit einer Textverarbeitung Texte in einem bestimmten Format erfassen kann, etwa als Lebenslauf oder Brief, wie man Zahlen mit einer Tabellenverarbeitung erfasst und verarbeitet oder wie man eine Präsentation erstellt. Vielleicht hat man dann auch noch die Idee, Smartboards einzuführen, weil man mit diesen Tafeln leichter Filme zeigen kann. Hin und wieder begegne ich Schulen, die gerne eine Tablet Klasse einrichten möchten. Es wird mir so immer wieder sehr deutlich vor Augen geführt, dass Schulen häufig gar nicht abschätzen können, welche umfassende Bedeutung die Digitalisierung für das Leben ihrer Schülerinnen und Schüler hat und haben wird und welche Rolle Schule bei der Vorbereitung auf dieses Leben spielt.

Ich behelfe mir dann gerne mit einer Analogie. Das Automobil eignet sich recht gut, denn jeder versteht seine Bedeutung.
Das Auto ist vor allem ein Mittel, um Personen und Gegenstände von A nach B zu befördern. Autofahren ist nicht ungefährlich, auch wenn es heute längst nicht mehr so gefährlich ist wie es einst war. 2014 wurden mehr als 2 Millionen Unfälle polizeilich erfasst. Davon gingen mehr als 300.000 mit Personenschaden aus und es gab dabei fast 400.000 Verunglückte, 3.377 Tote und 67.732 Schwerverletzte. Wie mögen die Zahlen 1991 ausgesehen haben, als es mehr als 11.000 Verkehrstote gab? Noch weiter zurück in die Vergangenheit geschaut wird die Zahl noch größer gewesen sein. Angesichts der Gefährdung, welche vom Automobil ausgeht, wundert man sich, dass es dieses Fahrzeug überhaupt gibt. Würden Städte ähnlich reagieren wie Schulen, die Smartphones verbieten, so wären heute aus Gründen der Verkehrssicherheit in nahezu allen Städten Fahrzeuge verboten. In Fahrschule würden Fahrschüler auf einem großen Platz lernen, geradeaus zu fahren, rückwärts, Kurven, Beschleunigen und Bremsen, das Sauberhalten eines Autos und wie man sich richtig anschnallt. Direkt in den Straßenverkehr führe man nicht. Dafür würde man sich dann aber in der Theorie mittels Texten, Grafiken, Filmen und Simulationen sehr intensiv mit Prävention auseinandersetzen, mit Themen wie rücksichtsvollem Fahren, Fahren in der Nähe von Passanten, Gefahren beim schnellen Fahren, Fahren bei Dunkelheit, Fahren bei Regen, Fahren bei Schnee, Fahren in engen Kurven, Fahren über kleine Hindernisse und ähnlich. Um die präventive Arbeit nachhaltig zu gestalten würde man mit den Fahrschülern über viele Stunden, Plakate erstellen, sie mit einem Tuch vor Augen durch Hindernisparcours laufen lassen und Rollenspiele spielen.

Was diese Analogie deutlich machen soll, ist die eingeschränkte Sicht von Schule auf digitale Technologien. Viele Schulen reduzieren sie auf die Vermittlung einiger grundlegender Techniken, Recherche im Internet, Erstellen eines Textdokumentes, Rechnen mit Tabellenkalkulation, Erstellen einer Präsentation und Prävention, also Cybermobbing, Sexting, Pädophile im Netz, Netiquette, Spielsucht, Urheberrecht und ähnlich. Das soll nicht bedeuten, dass Prävention keinen Stellenwert hat. Den hat sie definitiv, so wie in der Fahrschule auch das Thema Sicherheit im Lehrplan steht. Prävention ist ein Thema und dann gibt es noch sehr viele andere Themen. Sie sind nicht nur Lerngegenstand, sondern ermöglichen andere, neue Formen des Lernens. Und dieser muss Schule sich ebenfalls annehmen, als Herausforderung und Möglichkeit.

So wie das Auto dazu dient, etwas von A nach B zu befördern, so haben auch digitale Technologien ihre Rolle in unserem Leben, und im Leben unserer Kinder wird ihre Bedeutung noch zunehmen. Ohne die Kompetenz, mit digitalen Technologien umgehen zu können, werden unsere Kinder nicht in der Lage sein, ihr Leben in der Gesellschaft erfolgreich gestalten zu können. Kinder brauchen digitale Technologien, um sich individuelle Lernmöglichkeiten zu erschließen auf dem Weg zum lebenslangen Lernen, um an der Gesellschaft teilzuhaben, ihr privates Leben gestalten zu können und im Beruf bestehen zu können. Es gibt in unserer Gesellschaft nur eine Instanz, welche diese Kompetenzen grundlegend vermitteln kann und das ist die Schule. Lernen hat über Jahrhunderte mit Tafel und Kreide, Buch, Heft und Stift funktioniert. Digitale Technologien verändern die Welt nachhaltig und so auch Schule. Tradierte Möglichkeiten erweitern sich durch digitale Technologien, denn sie sind nicht einfach nur eine Substitution des Bekannten, sondern bieten neue Formen der Gestaltung von Lernen (und Lehren), Möglichkeiten, die bisher undenkbar waren.

Grundlagen des Umgangs mit digitalen Technologien, die Bedienung von Software/Apps und verantwortungsvoller und sicherer Umgang mit diesen Möglichkeiten müssen vermittelt werden. Da endet die Aufgabe der Schule dann jedoch nicht. Es muss weiter gehen, hinaus in den Straßenverkehr, um zur Analogie zurückzukehren. Schüler müssen die Möglichkeit erhalten, mit digitalen Technologien ihr individuelles Lernen zu gestalten.

Am Ziel sind wir mit dem Einsatz von digitaler Technologie im Unterricht, wenn sie so selbstverständlich geworden ist, wie Tafel  und Kreide es von jeher waren, wie das Wasser, welches aus dem Wasserhahn fließt. Sie soll so alltäglich sein, dass sie quasi unsichtbar ist. (Das bedeutet natürlich auch, dass sie zuverlässig ist, absolut zuverlässig, denn wie kann ich Unterricht planen, der digitale Technologien einschließt, wenn ich mich nicht darauf verlassen kann. Das wäre so, wie wenn ich mich nicht auf den Strom in der Klasse verlassen könnte und es wäre an manchen Wintermorgen dunkel im Klassenzimmer.)

Schulhomepage – Datenschutzfalle – Social Plugins?

Posted in Datenschutz, Schule und Recht by damianduchamps on April 17, 2016

Auch auf Schulhomepages ist es nicht unüblich, Social Plugins wie den Facebook Like oder Teilen auf Facebook Button, einen Twitter, Google+ oder Pinterest Button anzubieten. Im Prinzip ist das auch keine schlechte Idee, ermöglicht man so den Besuchern, Gefallen anzuzeigen oder Inhalte der Schulhomepage in ihren sozialen Netzwerken zu teilen.

Aber leider gibt es da ein klitzekleines Problemchen.

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By aha-soft-icons, deviant art; CC BY 3.0

Über Social Plugins hinterlassen Besucher einer Webseite Spuren. Klickt ein Besucher also den Facebook Like Button unter einem interessanten Beitrag über eine tolle Schulveranstaltung, so wird dieses bei Facebook registriert und mit dem Profil des Facebook Nutzers verknüpft. Das gilt auch, wenn man den Inhalt über Facebook teilt. Als Facebook User fügt man so wieder ein kleines Mosaiksteinchen zu seinem Persönlichkeitsprofil hinzu und hilft Facebook damit, ein gläsernes virtuelles Double seiner selbst zu erstellen. Den meisten Facebook Usern wird dieses nicht einmal bewusst sein.Doch wer sich jedoch mit diesen Dingen beschäftigt, sollte das wissen. Vielen ist allerdings nicht bekannt, dass die Tracking Funktion des Facebook Like Buttons auch aktiv ist, ohne dass der Button aktiv geklickt wird. Der Like Button registriert dann zumindest den Besuch der Seite – und auch das ist keine wertlose Information für Facebook. Was für den Facebook Like Button gilt und natürlich auch den Teilen auf Facebook Button, das gilt auch für viele andere Social Plugins von Twitter und Pocket bis zu WordPress und Pinterest. Solange der User nicht anonym im Netz unterwegs ist, erfassen diese Plugins seine Spur und zeichnen sie beim jeweiligen Anbieter auf, auch ohne dass „Gefällt mir“ oder „Teilen“ geklickt wurde.

Und hier wird die Sache nun spannend, egal ob es sich um gewerbliche Internetauftritte handelt oder um die von Schulen. In dem Moment, wo auf einer Schulhomepage Social Plugins integriert sind, kann durch diese Plugins das Thema Datenschutz zum Problem werden. Gemäß Paragraf 13 des TMG (Telemedien Gesetzes) ist es rechtswidrig, personenbezogene Daten ohne Zustimmung der Nutzer an Dritte – Betreiber entsprechender Dienste – zu übertragen. Und genau das geschieht hier. Gleiches gilt übrigens auch, wenn die Schulhomepage externe Statistik-Tools nutzt oder Web-Schriftarten („Webfonts“), die nicht auf dem Webserver der Schulhomepage selbst gespeichert sind, sondern von Anbietern wie Google fremdgeladen werden beim Aufruf eines Inhalts von der Homepage der Schule.

Das Landgericht Düsseldorf entschied Anfang 2016 (Az. 12 O 151/15, pdf), dass durch die Einbindung von Social Plugins auf Webseiten gegen die Datenschutzvorschriften verstoßen wird.

Welche Möglichkeiten hat man nun als Betreiber einer Schulhomepage, nicht gegen die Datenschutzvorschriften zu verstoßen?

  1. Social Plugins entfernen – anders als Firmen sind Schulen nicht existentiell auf die Dienste von Facebook & Co. angewiesen, um die soziale Reichweite der Informationen auf der Schulhomepage zu vergrößern
  2. Datenschutzerklärung anpassen – viele Schulen werden zwar ein Impressum für ihre Homepage haben, denn das ist verpflichtend. Eine Datenschutzerklärung werden sie aber oft nicht haben. Es wäre also vielleicht eine Idee, einmal eine solche anzulegen. Das kann man kostenlos auf e-recht24.de (Datenschutzerklärung erstellen) erledigen.
  3. Sharing Buttons ändern – es gibt die Möglichkeit, die Sharing Buttons von Facebook & Co. anzupassen, so dass sie beim Aufruf einer Webseite vom User bei Bedarf aktiviert werden müssen, bevor man sie zum Teilen nutzen kann.

Datenschutz auf der Schulhomepage ist nun die eine Sache, was diese Social Plugins angeht. Versäumnisse, eine entsprechende Datenschutzerklärung auf der Webseite vorzuhalten, könnten aber Folgen haben, wie man damals bei Einführung der Impressumspflicht sah. Firmen wurden reihenweise abgemahnt von spezialisierten Anwälten. Ob Ähnliches nun auch hier folgen wird, ist schwierig abzuschätzen. Inwieweit damals auch Schulen abgemahnt wurden oder ob es überhaupt solche Fälle gab, ist mir nicht bekannt. Von daher ist es auch nicht einfach zu sagen, ob für Schulen von einer fehlenden Datenschutzerklärung ein Gefahr ausgehen könnte. Ich denke, es muss noch etwas Zeit ins Land gehen, bevor einschlägige Seiten oder Ministerien hier Empfehlungen abgeben.

Wie man die Sharing Buttons ändert und noch ein paar Hintergründe zur Thematik findet man unter Abmahnwelle durch Social Plugins? So kannst du dich schützen (auf t3n).

Mehr zum Fall vor dem Landgericht Düsseldorf gibt es unter Gerichtsurteil: „Social-Plugins“ dürfen keine Daten ohne Zustimmung erheben auf Netzpolitik.org

Und Cookies?

Wie man seit einiger Zeit beim Besuch vieler Webseiten sieht, ist auch das Thema Cookies aktuell. Mit einem Screen am oberen oder unteren Rand der Webseite wird man über den Einsatz von Cookies informiert. Auch hier geht es um Datenschutz. Dass Cookies für Schulhomepages ein Thema sein können, zeigt beispielsweise ein Beitrag auf lo-recht von 2003. Wer mehr zum Thema Cookies und Datenschutz wissen möchte, liest den Beitrag Cookie-Hinweis gemäß Google ab 30.09.2015 Pflicht! Was haben Websitebetreiber zu beachten?

Die Kontrollverlustangst der Schulen

Posted in Medienwelt, Schulentwicklung by damianduchamps on April 11, 2016

An vielen Schulen scheint sich mittlerweile die Erkenntnis durchzusetzen, dass sich in Bezug auf den Einsatz von digitalen Technologien im Unterricht etwas tun muss. Selbst bei Schulträgern habe ich in letzter Zeit mehrfach deutliches Interesse oder zumindest eine große Offenheit für den Einsatz von Tablets im Unterricht oder sogar Your Own Device (BYOD) feststellen können. Im Vergleich mit vielen anderen Ländern hinken wir in Deutschland beim Einsatz digitaler Technologien im Unterricht sehr hinterher. Von daher machen die geschilderten Beobachtungen bei einigen Schulen und Schulträgern zumindest ein wenig Hoffnung.

Leider aber gibt es aber auch noch immer Fälle, wo man an Schulen auf dem Stand von vor fünf Jahren stehen geblieben ist. Meine Schule teilt sich das Gebäude mit zwei weiteren Schulen, einer Realschule, die in zwei Jahren schließen wird, genau wie meine eigene Hauptschule, und einer Gesamtschule im Aufbau. Wo man an anderen Schulen von Bring BYOD redet, ist man an meinem Schulzentrum noch immer krampfhaft bemüht, das Thema Smartphone unter Kontrolle zu halten. Symptomatisch für die gesamte Einstellung zum Smartphone am Schulzentrum ist schon der Name der Regelung, welche den Umgang mit damit regelt. Wir sprechen hier nicht etwa von„Smartphone Regeln “, sondern von einem „Handy Verbot“. Sicherlich kann man das Smartphone noch immer unter dem Oberbegriff Handy fassen, doch letztlich ist der Begriff Handy ein Begriff von gestern. So veraltet wie die Begrifflichkeit ist auch das Verhalten der Schulen am Schulzentrum. Das Verbot besagt eigentlich, dass Handys, also Smartphones, nicht mitgebracht werden dürfen in die Schule. Dass dieses Verbot illusorisch ist, weiß jeder. Von daher wird das Mitbringen trotz Verbotes toleriert. Es gibt genug Eltern, die sogar darauf bestehen, dass ihre Kinder das Smartphone mitnehmen, um im Notfall erreichbar zu sein. Das Argument, in der Schule gebe es doch ein Telefon, welches die Schüler benutzen können, zählt bei diesen Eltern nicht, da die Kommunikation nicht nur telefonisch, sondern oft auch über soziale Medien, allen voran WhatsApp, abläuft. Die Schüler haben also ihre Smartphones dabei. Laut Handy Verbot dürfen sie diese jedoch nicht benutzen. Und dieses Verbot gilt nicht nur im Unterricht, sondern auch in der Pause und auf dem gesamten Schulgelände. In Notfällen ist erst ein Lehrer zu fragen, bevor das Smartphone aus der Tasche geholt werden darf, um beispielsweise die Mutter anzurufen, ihr eine Nachricht zu senden oder eine Nachricht zu lesen, die sie geschickt hat. Wird man als Schüler erwischt mit dem Smartphone in der Hand, nehmen viele Lehrer den Schülern das Smartphone sofort weg. Es wird dann im Sekretariat der jeweiligen Schule abgegeben und die Schüler können es sich am Ende des Unterrichtstages abholen. Nach dem dritten Verstoß müssen die Eltern erscheinen, um das Smartphone abzuholen. Rechtlich ist dieses ein völliges Unding, was der Schulleitung der Gesamtschule jedoch egal ist. Die Oberhand behalten, ist hier wichtiger.

Das ist schon ziemlich extrem. Und wie extrem das Verbot durchgesetzt wird, zeigen die folgenden zwei Beispiele.

Beispiel 1: In der 5 Minuten Pause versucht eine Schülerin der Klasse acht einer Mitschülerin zu helfen, deren Smartphone nicht richtig funktioniert. Sie nimmt deren Smartphone in die Hand, öffnet es, entnimmt den Akku und setzt ihn gerade wieder ein als ein Lehrer vorbeikommt und dieses sieht. Er nimmt der Schülerin das Smartphone weg.

Beispiel 2: Ein Schüler der Klasse zehn geht am Ende des Schultages zum Ausgang des Schulhofes in Richtung der wartenden Busse. Er zieht das Smartphone aus der Hosentasche, um nach eigenen Aussagen nach der Uhrzeit zu schauen. Die Schulleitung der Gesamtschule geht hinter ihm, sieht ihn und nimmt ihm das Smartphone weg. Die Begründung ist, er habe gegen das Handyverbot verstoßen.

Für mich ist diese extrem restriktive Regelung am Schulzentrum für die Nutzung von Smartphones ein ganz klares Beispiel für Kontrollverlustangst. Diese Angst ist symptomatisch für Schulleitungen und Lehrer, die es nicht verstanden haben. Es gibt noch immer viele, die so denken. Die Spuren dieser Angst, einem völlig entfesselten Medium gegenüberzustehen und dieses weder zu verstehen, noch es beherrschen zu können, finden sich vielerorts. In vielen Konzepten zum Einsatz von digitalen Medien finden sich präventive Maßnahmen völlig überproportioniert wieder. Das erinnert schon sehr an die Präventionskonzepte zu Zigaretten, Alkohol und anderen Drogen. Cybermobbing, Internetsucht, Computerspielsucht, Onlineabofallen, Pädophile im Internet, Netiquette, Prävention, verantwortungsvoller Umgang und ähnliche Schlagworte finden sich in manchen Medienkonzepten häufiger als solche, welche die Möglichkeiten beschreiben, Lernen und Lehren mit digitalen Technologien zu gestalten. Neben der völlig überdimensionierten Prävention gibt es dann noch je nach Schule etwas Textverarbeitung für das Schreiben eines Lebenslaufes und einer Bewerbung, rudimentäre Tabellenkalkulation, da das in den Lernstandserhebungen gefordert wird, etwas präsentieren und Online Recherche und vielleicht auch Programmierung. Alles findet im PC Raum statt, wo die PCs sicher weggesperrt sind. Das sagt eine Menge aus. Natürlich kann mit Smartphones und ihren vielen technischen Möglichkeiten für Bild-, Video- und Tonaufnahmen gekoppelt mit permanentem Onlinezugang, mit Computern, Spielkonsolen und sozialen Netzwerken jede Menge Missbrauch getrieben werden. Und es gibt diesen Missbrauch auch und jede Menge Gefahren und beides muss in der Schule thematisiert werden, so wie in der Fahrschule auch unverantwortliches Verhalten und die Gefahren im Straßenverkehr zur Sprache kommen. Hauptthema in der Fahrschule ist jedoch das Fahren, die Teilnahme am Straßenverkehr, und entsprechend muss für die Schule die Gestaltung  von Unterricht selbst mit digitalen Technologien den größten Anteil am gesamten Konzept einnehmen.

Für Schulen, welche den Umgang mit Smartphones noch immer extrem restriktiv handhaben, ist der Schritt zu Konzepten wie BYOD sehr schwierig. Man muss dafür erst einmal ein solches Verbot kippen und quasi ins Gegenteil verkehren. Das bedeutet anstrengende Überzeugungsarbeit und teilweise auch schwere Kämpfe für die, die etwas verändern wollen. Über Jahre gehegte Überzeugungen müssen aufgegeben werden. Man hat Angst, mit einem Mal die Glaubwürdigkeit zu verlieren. Und das alles nur, weil solche Schulen bisher nicht in der Lage waren, das Thema Smartphone in der Schule pädagogisch anzugehen. Ich bin mal gespannt, wie das an meinem Schulzentrum weitergeht. Die Zeit wird auch dort nicht stehen bleiben.

Warum klappt es in unseren Schulen nicht mit der Vermittlung der Kompetenzen zur Nutzung digtaler Medien?

Posted in Alltag, Medienwelt by damianduchamps on Oktober 18, 2013

Nach meinen Erfahrungen liegen die Probleme mit den neuen digitalen Medien vor allem in der mangelnden Kompetenz der Erwachsenen begründet. Nach einer optimistischen Schätzung würde ich sagen, dass an einer normalen Schule maximal 20% der Lehrerinnen und Lehrer über eine ausreichende Kompetenz verfügen, digitale Medien sinnvoll in den Unterricht zu integrieren und zu vermitteln. Selbst jüngere Lehrerinnen und Lehrer verfügen oft nur über ein oberflächliches Wissen. Das hat im Studium dazu gereicht, Informationen zu finden, sich auf Portalen der Universität anzumelden und Klausurergebnisse nachzusehen und Semesterarbeiten und Referate zu verfassen. Die Kenntnisse in der Textverarbeitung beschränken sich bei vielen dabei auf minimalste Funktionen wie Fett, Unterstrichen, Linksbündig, Blocksatz und ähnlich. Wie man einen Tabulator nutzt oder eine Gliederung erstellt mit den Funktionen der Textverarbeitung, wissen die meisten nicht. Was sie beherrschen, haben sie durch Ausprobieren herausgefunden oder von Freunden gezeigt bekommen. Über eine systematisch vermittelte Grundkompetenz in Sachen digitaler Medien verfügen die meisten nicht. Eigentlich müsste sich die Lehrerausbildung dieses Thema auf die Fahnen schreiben. Doch das wird nur selten möglich sein, wenn das Referendariat auf ein Jahr verkürzt ist und die Seminarleitungen oft selbst nicht über die notwendigen Kompetenzen verfügen.
So lavieren sich viele Erwachsene in unserem Land durch das digitale Leben. Man kann Online-Banking, einen Urlaub buchen, Wissen in der Wikipedia nachschlagen und bei Amazon einkaufen. Ein Wiki nutzen, ein Blog betreiben, kollaborativ einen Text mit Google Docs erstellen? Fehlanzeige. Auch in der Nutzung von Smartphones sind viele Erwachsene kaum in der Lage das Potential der tragbaren Mini-Computer auszunutzen. Mit Mühe schafft man es noch WhatsApp zu kaufen und zu installieren. Ich habe im Kollegium meiner Schule junge Lehrer erlebt, die ihr Android Smartphone so nutzten, wie sie es aus der Verpackung holten, ohne Anmeldung bei Google, ohne zusätzliche Apps zu installieren. Telefonieren, SMS, Fotos machen und das war es. Wie man diese Fotos verschicken kann, lernen manche noch so gerade eben. Mehr von diesem technischen Zeug ist ihnen zu viel. Da haben sie nicht die Geduld oder die Zeit. Wie sollen solche Menschen im Unterricht Tablets einsetzen oder gar mit dem BYOD Prinzip arbeiten?
Unsere Kinder scheinen auf den ersten Blick sehr kompetent im Umgang mit Smartphones und Computern. Sie tippen flink und finden sich auf Webseiten schnell zurecht. Nur wenige schaffen es mit Interesse tiefer in die Materie einzusteigen. Die Mehrheit bewegt sich an der dünnen Oberfläche der Medienkompetenz. Das ist vielleicht vergleichbar dem Autofahren. Sie können das Auto bewegen, haben aber nie die Fahrschule besucht und die Regeln gelernt. So fallen viele Lehrpersonen auf den scheinbar kompetenten Umgang ihrer Schülerinnen und Schüler hinein und denken, die können alles. Pustekuchen! Nichts können diese Kinder wirklich richtig. Und so werden sie erwachsen, haben zwar keine Hemmungen vor dem Umgang mit den digitalen Medien, können sie aber auch nicht wirklich richtig nutzen.
So ist es bestellt bei uns. Wen es dann noch wundert, dass es kaum jemanden gibt, weder in der Schule, noch im Elternhaus, der unserem Nachwuchs einen kompetenten Umgang mit den digitalen Medien beibringen kann, der hat keine Ahnung, wie es wirklich aussieht bei uns.

Ich habe diesen Beitrag als Antwort auf den Beitrag Digitale Evolution: Wie steht es um die Bildung und Mediennutzung in Deutschland? von Mike Schnoor geschrieben.

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In NRW hat OER eine Chance zur Institutionalisierung

Posted in Uncategorized by damianduchamps on Oktober 9, 2013

Leider bin ich durch meine Erkrankung seit einiger Zeit etwas außen vor, was das Thema OER angeht. In der kurzen Zeit, bevor meine Erkrankung erneut ausbrach, konnte ich jedoch auch ein klein wenig in Person aktiv sein.

Nach der Lektüre des sehr interessanten Rückblicks zum OER Camp in Köln, OER weiter institutionalisieren, möchte ich das, was dort geschrieben wird nur unterstützen und kann aus meinen Gesprächen bestätigen, dass zumindest in NRW Bewegung in der Sache ist, allerdings nicht aus der Ecke Open NRW Strategie, wie der Autor des Berichtes vorschlägt. Vielmehr wurde in NRW der Anstoß zur Institutionalisierung durch die Anhörung im Landtag gegeben. In Folge dieser Anhörung beschäftigt man sich nun Im Auftrag der Schulleitung habe ich eine Dienst E-Mail Adresse eingerichtet. Weitere Informationen dazu finden sich im Auftrag des Ministeriums in der Medienberatung NRW mit dem Thema OER. Den dort mit der Sache befassten Personen ist durchaus klar, welche Bedeutung OER gerade in der Lehrerfortbildung zukommt. Seit Jahrzehnten ist es dort wie vermutlich in allen Bundesländern üblich gewesen, Materialien für die Lehrerfortbildung zu erstellen, welche das Urheberrecht der Verlage permanent verletzten. Zwar gibt es die Vereinbarungen der Bildungsverlage mit den Kultusministerien, nach denen eine bestimmte Menge an Kopien aus Schulbüchern erlaubt ist, doch bezieht sich diese ausdrücklich auf Unterricht. Lehrerfortbildung ist aber kein Unterricht im Sinne der Vereinbarungen. Es gibt zudem sogar schon länger eine Weisung aus dem Schulministerium, Materialien der Lehrerfortbildung öffentlich zu machen. Da dieses aus urheberrechtlichen Gründen nicht möglich war, speiste man das Ministerium damit ab, dass man die erarbeiteten Materialien in nicht öffentlichen Intranets publizieren würde. Der ursprünglichen Weisung des Ministeriums entsprach das aber nicht wirklich. Die in der Lehrerfortbildung tätigen Personen, meist auch Lehrer, müssen also umdenken und urheberrechtlich unbedenkliche Materialien nutzen. Und da bleiben nur die OER. Die Bretter, welche zu bohren sind, sind recht dick. Es gibt den offiziellen Auftrag als Resultat der Anhörung und die sachlichen Zwänge. Nicht umsonst war eine der in der Medienberatung mit dem Thema befassten Personen Speaker auf der Konferenz in Berlin. Ich bin von daher sehr zuversichtlich, dass sich in NRW von offizieller Seite etwas bewegen wird.

Siehe auch Lothar Palm von learnline.nrw zum Einfluss der Netzgemeinde auf die Durchsetzung von OER

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OER – in Deutschland am Bedarf vorbei gedacht?

Posted in Alltag, OER, Urheberrecht by damianduchamps on April 3, 2013

Setzt man sich mit der Frage auseinander, warum es mit freien Bildungsinhalten (OER) in Deutschland nicht so recht vorangehen möchte, so begegnet man unweigerlich immer wieder der Gegenfrage nach dem Warum. Vielmals wird eine Notwendigkeit für OER an sich angezweifelt. Stellt sich ein Erfolg für OER in Deutschland nur deshalb nicht ein, weil es keinen Platz hat in unserem Bildungssystem? Brauchen wir hier in der Bildungsrepublik Deutschland überhaupt OER? Und falls nun doch, wer braucht es dann, wie soll man es einordnen und welchen Stellenwert soll es haben?

Das sind sehr grundlegende Fragen, welche die gesamte Auseinandersetzung um OER in Frage stellen. Anhörungen wie die im Landtag NRW haben letztlich auch ein vorrangiges Ziel in der Klärung der Frage, ob OER überhaupt ein Gegenstand ist, welcher ein Engagement erforderlich macht. Bisher ist das Thema OER von Seiten der Politik mehr als stiefmütterlich behandelt worden, wie das quasi nicht vorhandene Engagement auf europäischer wie internationaler Ebene belegt. Böse Zungen mögen behaupten, dass dieses erfolgreicher Lobbyarbeit der Bildungsverlage geschuldet ist. Andere machen die Ursache vielleicht in der Blindheit des Systems fest.Was bleibt, ist die Frage:

Braucht Deutschland also OER oder nicht?

Eine Antwort ist vielschichtig.

Eine Frage des Geldes

Wir sind kein armes Land. Von daher werden OER in Deutschland nie den Stellenwert haben, den sie etwa auf dem afrikanischen Kontinent entwickeln, wo finanzielle Ressourcen extrem knapp sind, sowohl auf Seiten des Staates und seiner Bildungsinstitutionen als auch bei den Bürgern. In Ländern, wo Geld sowohl über die Verfügbarkeit von Bildungsinhalten als auch den Zugang zu denselben entscheidet, übernehmen OER die Rolle, Bildungsinhalte verfügbar sowie zugängig zu machen. In Deutschland brauchen OER diese Rolle nicht in gleichem Maße übernehmen. Wohl aber sind auch in unserem Land Finanzmittel höchst ungleich verteilt. Das beginnt bei den Bildungsetats der Bundesländer und Kommunen und geht weiter bei den Budgets der Schulen und Fachschaften und endet beim Einkommen der Eltern und dem persönlichen Lehr- und Lernmittelbudget der Lehrkräfte.

Beispiele für die vom Geld gesetzten Grenzen im Bildungsalltag kennt jeder, der im System tätig ist. Es sind etwa die  alltäglichen Schwierigkeiten, je nach Schulform und Einzugsgebiet, wenn in der Klasse ein weiteres Arbeitsheft für Geschichte angeschafft werden soll, der Schuletat dieses nicht hergibt, das Jahresbudget der Fachschaft von 200 € es ebenfalls nicht zulässt und auch die Eltern teils große Probleme haben, das Geld aufzubringen. Oder es ist das neue Fachbuch, das nicht angeschafft werden kann, da die der Schuletat bereits durch drängendere Anschaffungen ausgeschöpft ist.

In einer Zeit, in welcher staatlich institutionelle wie persönliche Finanzmittel eher knapper als umfangreicher werden, kommen OER von daher definitiv eine ausgleichende und ermöglichende Rolle zu.

Eine Frage der Rechtmäßigkeit

Nicht zu entkoppeln von der Frage des Geldes sind das Urheberrecht und Vereinbarungen zwischen Urhebern und Nutzern in Form von Lizenzierungen, welche die Grenzen des Urheberrechts gegen Geld in bestimmten Bereichen zurücknehmen. Im schulischen Alltag mögen sich Lehrerinnen und Lehrer oftmals über diese Grenzen hinwegsetzen, etwa die persönlich erworbene Kopiervorlage im ganzen Kollegium nutzen, die Software über die Zahl der erworbenen Lizenzen hinaus installieren oder die digitalisierte Buchseite an einen Kollegen weitergeben. Dass sie dieses oftmals tun, weil das Geld knapp ist, macht daraus keine legale Sache. Es mag im Alltag zwar pragmatisch sein, doch legal und ohne schlechtes Gewissen wäre schöner. OER bieten hier einen Ausweg, der auch Lehrern in Deutschland helfen könnte.

Wir wachsen gerade hinein in ein Zeitalter zunehmender Vernetzung zwischen Lehrern in Deutschland, aber auch über Landesgrenzen hinaus, in eine Kultur des Kopierens, Teilens, Adaptierens und Remixens. Ohne OER, die nicht den engen urheberrechtlichen Fesseln der Verlagsmaterialien unterworfen sind, wird das Potential einer  solchen Entwicklung kaum komplett auszuschöpfen sein. Auch hier besteht also ein eindeutiger Bedarf.

Eine Frage des Angebotes

Selbst wenn das Angebot der Verlage in manchen Bereichen schier unendlich scheint, so gibt es doch immer wieder Inhalte, die von den Verlagen mit ihren Angeboten nicht abgedeckt werden, etwa weil die potentielle Nutzergruppe keine ausreichende Größe besitzt. Englischlehrbücher für Schüler mit Förderbedarf sind beispielsweise solch ein kleiner Markt und das Angebot der Verlage ist entsprechend bescheiden. Themenhefte zur Regionalgeschichte für den Geschichtsunterricht im regionalen Kontext stellen einen noch kleineren Markt dar und das Angebot tendiert hier folglich gegen Null. Es gibt sicher noch viele Nischenprodukte, auch solche, die durchaus bundesweit Abnehmer fänden, wenn auch nur in sehr kleiner Zahl. An dieser Stelle könnten OER eine wertvolle Ergänzung zum bestehenden Verlagssortiment darstellen.

Verbreitung von Bildungsinhalten weltweit

Englisch ist eine Weltsprache und Inhalte in englischer Sprache können von daher in sehr vielen Ländern der Welt für Bildungszwecke genutzt werden, selbst wenn sie dafür in eine andere Sprache übersetzt werden. Aus diesem Grund kommt gerade englischsprachigen OER eine besondere Rolle zu. Wer OER in englischer Sprache erstellt, mag dieses zwar nicht unbedingt mit der Intention tun, damit auch Menschen in Afrika, Asien oder wo auch immer man die englische Sprache versteht, die Möglichkeit zur Nutzung zu eröffnen, doch durch die Sprache ergibt sich dieses quasi automatisch. Vor allem die reichen englischprachigen Länder in Nordamerika und Europa können so andere Länder auf dem ganzen Globus an ihren Bildungsinhalten teilhaben lassen. Da Deutsch eine Sprache mit einer weltweit eher geringen Verbreitung ist, kommt auch OER in deutscher Sprache die zuvor beschriebene Rolle so gut wie gar nicht zu. Abgesehen von der internationalen Nutzung durch Deutsch als Fremdsprache (DaF) gibt es kaum eine Nutzung und auch eine Übersetzung in andere Sprachen dürfte höchst selten sein.

Idealismus

OER haben auch etwas mit Weltverbesserung zu tun, mit dem Glauben, durch die Befreiung von Bildungsinhalten aus urheberrechtlichen und finanziellen Zwängen, die Welt und die Menschen, die auf ihr leben, ein Stück weit weiter zu bringen auf dem Weg in eine neue, bessere Gesellschaft. Dieser Gedanke des Teilhabenlassens, des Miteinander bei der Erstellung und Nutzung, des grenzenlosen Austauschs schwang bei OER von Anbeginn an mit wie etwa auch bei der Wikipedia. Bisher sind es wohl auch vermutlich überwiegend Idealisten in Sachen Bildung, die sich hier in Deutschland mit dem Thema OER auseinandersetzen und versuchen, es voranzubringen. Ein wenig mehr an Idealismus, getragen durch OER und die Möglichkeiten des Internets, ständen auch der deutschen Bildungslandschaft nicht schlecht, könnte vielleicht auch helfen, die traditionellen Einzelkämpfer aus ihren Arbeitszimmern zu locken zu einer Vernetzung über die Grenzen des Kollegiums hinaus. Letzteres ist nun aber schon sehr idealistisch😉

Brauchen wir also in Deutschland überhaupt OER?

Ich würde sagen, auf jeden Fall. Wenn auch die Verbreitung von Bildungsinhalten in der Welt für uns nur eine absolut untergeordnete Rolle spielt und Idealismus etwas für Unverbesserliche ist, so kann OER doch auch in Deutschland entscheidend dazu beitragen, finanzielle Benachteiligungen auszugleichen, eine urheberrechtlich abgesicherte Kultur lokaler, überregionaler und auch internationaler Vernetzung unterstützen und nicht zuletzt die Angebote der Verlage in Nischen und als Alternative ergänzen und zu fortwährender Innovation bewegen.

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Auf den Punkt gebracht – warum Lehrer OER nutzen sollten

Posted in Alltag, OER, Urheberrecht by damianduchamps on April 2, 2013

Als Antwort auf meinen Artikel zu der Frage, ob OER die Zielgruppe Lehrer in Deutschland erreicht, frage Martin Lindner auf Twitter: „gibts irgendwo eine bündige auflistung der 3 wichtigsten vorteile von OER? warum sollten sich die lehrer anders verhalten?

Ob es eine solche kurze Auflistung gibt, kann ich nicht sagen. Für mich stehen aus der Sicht von Lehrern folgende Gründe an erster Stelle: Bezahlbarkeit, freie legale Nachnutzbarkeit für Lehrer und Schüler im Unterricht 

  • unbegrenzt viele Materialien ohne Budgetgrenzen/Blick auf den Geldbeutel nutzen können
    • Unterricht erfolgt zwar meist auf der Basis von Lehrbüchern, doch in vielen Fächern werden diese regelmäßig um zusätzliche Materialien ergänzt. Aus zeitlichen Gründen können Lehrer diese zusätzlichen Materialen nicht alle selbst erstellen.
    • Eine Lösung besteht im käuflichen Erwerb von den Verlagen. Dem Kauf setzen  das begrenzte Schul- bzw. Fachschaftsbudget, die Finanzkraft der Eltern oder im Falle einer privaten Anschaffung die Möglichkeiten des eigenen Geldbeutels Grenzen. – OER können unentgeltlich genutzt werden.
    • Eine weitere Lösung besteht im Ausleihen oder Kopieren von Kollegen. – Meist ist das nicht legal, außer es handelt sich um selbst erstellte Materialien. OER können legal kopiert und brauchen von daher nicht ausgeliehen werden.
    • Als Lösung bietet sich auch die Suche im Netz an oder Nutzung von Materialien von Online Materialbörsen. – Die Nutzung über den eigenen Unterricht hinaus ist rechtlich nicht immer eindeutig geklärt. Ebenso wenig geklärt ist die Möglichkeit, Anpassungen vorzunehmen oder die Inhalte weiterzuverarbeiten. Mit OER ist das kein Problem.
  • Materialien frei nutzen, verändern und legal weitergeben können
    • Die Nutzung von Verlagsmaterialien ist immer mit Kosten verbunden und der Freiheitsgrad der Nutzung ist immer beschränkt. – OER können immer ohne finanziellen Aufwand für Erwerb oder Lizenzierung genutzt werden. Die Mehrheit der Materialien erlaubt Anpassung, Veränderung und Kombination mit anderen OER oder eigenen Materialien.
    • Selbst Materialien aus Kopiervorlagen dürfen nur von dem genutzt werden, der sie anschafft. Schullizenzen erlauben weder die legale Nutzung der entsprechend lizenzierten Materialien bei einem Wechsel der Schule noch die legale Weitergabe etwa an einen befreundeten Kollegen an einer anderen Schule. – OER können von jedermann in der Schule genutzt und an andere außerhalb der Schule weitergegeben werden.
    • Verlagsmaterialien können und dürfen oft nicht legal verändert werden. – OER Materialien dürfen mehrheitlich legal verändert werden.
    • Verlagsmaterialien haben nur stark eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten auf digitalen Medien. – Für OER gelten keinerlei Beschränkungen bezüglich einer digitalen Nutzung per se. Sie können im Intra-Net wie im öffentlichen Internet genutzt und auch weitergegeben werden.
  • Lernern/ Schülern ermöglichen, Lernprodukte legal öffentlich zugängig zu machen
    • Seit das Internet in den Unterricht eingezogen ist, können Schüler ihre Arbeiten im Internet veröffentlichen, wenn dieses von Seiten der Schule ermöglicht wird. Die große Einschränkung war und ist dabei jedoch immer, dass nur Materialien verwendet werden können, die nicht durch Urheberrechte der Verlage geschützt sind, was im Fall von Schülerwebseiten vor allem Abbildungen, Filmsequenzen und Audiomaterialien meint. – Lehrer können Schülern mit OER freie Materialien anbieten, welche auch im Internet veröffentlich werden können.

Diese Beschreibung der Vorteile einer Nutzung von OER gehen von einer offenen Lizenzierung – ohne Einschränkungen,  wie sie sich durch die Creative Commons Lizenz No Derivatives ergibt – aus.

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