Damian Duchamps' Blog

Digitaler Wandel in Schule – Erfolg oder Misserfolg – wir haben es in der Hand

Posted in Kompetenzen, Schulentwicklung by damianduchamps on April 10, 2017

Der digitale Wandel braucht Zeit, mehr Zeit als manche ihm zugestehen wollen, sorgfältige Planung, gute Vorbereitung, Fortbildung, Gewöhnung, Routinierung, Selbstvertrauen, Mut und Vernetzung der Akteure, und einen kulturellen Wandel im Lehrerzimmer. Zahllose gescheiterte Projekte belegen weltweit, dass Projekte, die grundlegende Faktoren wie diese nicht berücksichtigen, zum Scheitern verurteilt sind, noch bevor sie begonnen haben.

Und auf einmal soll es schnell gehen mit dem digitalen Wandel von Schule

Lange haben sich unsere Schulen vor dem digitalen Wandel gedrückt, zu lange vermutlich. Es gab und gibt im schulischen Alltag jede Menge andere Probleme zu bewältigen, individuelle Förderung, Inklusion, Flüchtlinge und vieles mehr. Wer diesen Beitrag liest, weiß was gemeint ist. Und nun soll mit einem Mal ein digitaler Ruck durch die Schulen gehen. Finanzprogramme werden aufgelegt und Handlungsdruck wird aus der Politik auf die Städte und Kommunen und über diese an Schulen weitergegeben. Auf Landesebene wird aktuell das Strategiepapier der KMK in schulpolitische Vorgaben umgesetzt, welche schulischer Entwicklung die Marschrichtung für die kommenden Jahre vorgeben sollen. Medienkonzepte sind mit einem Mal wieder in aller Munde, zumindest in NRW. Dort werden Schulträger nun aktiv unter dem Druck des Programms Gute Schule 2020. Medienentwicklungspläne (MEP) müssen her, denn ohne Konzepte gibt es kein Geld für den Ausbau digitaler Infrastruktur an Schulen. Medienkonzepte werden eingefordert, auf deren Grundlage Beratungsfirmen wie Garbe & Lexis (der Name taucht scheinbar überall auf) den Schulträgern MEPs ausarbeiten. Ich höre von Zeitfenstern, die von wenigen Wochen reichen bis zu einem Dreivierteljahr. Schulen geraten gegenwärtig gewaltig unter Druck, denn sie sollen liefern, wenn sie nicht auf der Strecke bleiben wollen.

So schnell, wie viele sich das vorstellen, geht das mit dem digitalen Wandel der Schulen nicht. Gut Ding will Weile haben, und das hat viele Gründe.

Digitaler Wandel von Schule braucht kompetente Lehrkräfte

Fehler Nummer eins ist, dass man das Pferd von hinten aufzäumen möchte, in NRW zumindest. Idealerweise erstellen Schulen in NRW ihr Medienkonzept auf der Grundlage des Medienpass NRW. Dieser ist quasi ein Kompetenzraster mit Schnittstellen zu den Richtlinien und Lehrplänen und dockt an diese an. Prinzipiell ist das eine gute und hilfreiche Grundlage. Abgesehen davon, dass der Medienpass NRW in seiner aktuellen Ausgabe ziemlich veraltet ist und die neue, am KMK Strategiepapier orientierte Version noch in Arbeit ist, gibt es ein noch viel gravierenderes Problem. In Kollegien soll der Medienpass NRW helfen, die verschiedenen im Unterricht zu vermittelnden Kompetenzen und Teilkompetenzen auf die Fachbereiche aufzuteilen. In den Fachschäften sollen dann fachliche Lehr- und Lernmittelkonzepte entstehen, welche die Grundlage des schulischen Medienkonzeptes bilden. Und genau an dieser Stelle liegt das größte Problem.

  • Wie sollen die Lehrerinnen und Lehrer bitte in der Lage sein, zu entscheiden, welche Teilkompetenz sie in welchem Fach mit welcher Thematik verknüpft vermitteln können, wenn sie die Kompetenzen, welche sie den Kindern vermitteln sollen, vielfach selbst nicht einmal haben?
  • Wie sollen sie planen und entwicklen, wenn sie nicht einmal wissen, welche Möglichkeiten der digitale Wandel von Schule für die Unterrichtsentwicklung bereithält?

Man muss sich das einmal klar machen. Von Schulen werden mit der Erstellung eines Medienkonzeptes Entscheidungen erwartet, welche eine Tragweite auf Jahre haben. Den meisten Schulen fehlt dazu aber schlicht die Kompetenz. Frühere Medienkonzepte wurden oft von dem oder den Computerfreaks geschrieben. Die Folge waren PC Räume, die nur von wenigen genutzt wurden, und Klassenraum PCs und Medienecken zumeist ohne Internetanbindung, die vor sich hin gammelten. Drohen den Medienkonzepten, an denen jetzt geschrieben wird, und den daraus folgenden Investitionen ähnliche Schicksale? Wird man Tabletkoffer in jede Klasse stellen, die dann zweimal die Woche für ein paar interaktive Übungen, Videoschauen und Kahoot genutzt werden?

Dieses Problem ist nicht damit zu lösen, dass Medienberater in die Schulen geschickt werden, die auf ein oder zwei Konferenzen Input geben und Möglichkeiten vorstellen. Das reicht definitiv nicht.

Der digitale Wandel in Schulen braucht Zeit

Veränderung an Schulen funktioniert nicht im Hauruck-Verfahren. Wie man bei Richard Heinen lernen kann, dauern Innovationszyklen an Schulen zwischen 5 und 7 Jahren. Das ist vielen nicht klar, Schulen am allerwenigsten, scheint mir.

Jeder weiß, Schulträger müssen den Wandel finanzieren können. Selbst mit Unterstützung durch Landesprogramme bedeutet das eine Verteilung der Investition auf mehrere Jahre. Dieser Faktor ist wichtig, jedoch nicht der eigentlich entscheidende Faktor. Viel wichtiger ist der Faktor Mensch. Die Akteure vor Ort müssen überhaupt erst die Kompetenz besitzen, den digitalen Wandel an Schule zu gestalten. Die Kompetenz dazu erwerben Lehrerinnen und Lehrer mal nicht so eben bei ein paar Fortbildungen. Selbst ein oder zwei pädagogische Tage reichen hier nicht. Es braucht eine Menge mehr.

Selbst wenn Geld und Experten für Fortbildungen unbegrenzt zur Verfügung stünden, würde dieses den digitalen Wandel nicht wesentlich beschleunigen, denn dem Innovationspotenzial von Lehrerinnen und Lehrern sind Grenzen gesetzt. Die meisten von ihnen stehen mitten im Leben mit Familie und mit voller Stundenzahl und allem, was dieses an Schule nach sich zieht. Lehrkräfte, die in der EDU Szene unterwegs sind, die sich bei Twitter, über Blogs und bei Barcamps über ihren Unterricht im digitalen Wandel austauschen, die man als Vorreiter im digitalen Wandel von Schule sehen kann, sind häufig nicht erst seit gestern dabei. Ihre Kompetenzen haben sie sich meist über mehrere Jahre angeeignet. Wenn Lehrkräfte im Schulalltag in den digitalen Wandel einsteigen sollen, brauchen sie Zeit. Zusätzlicher Freiraum durch eine Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung für eine Übergangszeit könnte ihnen dafür Entlastung bieten. Doch diese Entlastung wird es nicht geben.

Schulen müssen also Möglichkeiten finden, wie sie Lehrerinnen und Lehrern die notwendigen Schritte in den digitalen Wandel ihre Unterrichtes erleichtern können, und sie müssen sich dabei Zeit geben.

Teachers in many schools have no idea how to manage email, or meetings, or how to organise themselves online. If we want this digital revolution to take place, it is going to take many many hours of patient explaining and demoing to veteran teachers.

Quelle: 21century teaching, Alicia Bankhofer, https://bankhoferedu.wordpress.com/2017/04/06/takeaways-from-the-edudays/

Der digitale Wandel in Schulen braucht Experten

Zunächst einmal müssen Lehrerinnen und Lehrer den digitalen Wandel in der Gestaltung von Lernprozessen an sich selbst zu vollziehen. Dazu braucht es Input von anderen, oft von außerhalb des Kollegiums. Hier taucht leider schon das nächste Problem auf. Es gibt noch längst nicht so viele Experten, wie man benötigte, die Kompetenzen in alle Schulen zu tragen, die erforderlich sind, um den digitalen Wandel auf den Weg zu bringen. Durch die eindrucksvollen Zahlen an Referenten auf Kongressen oder Teilgeber auf Barcamps darf man sich nicht täuschen lassen. Der Kreis dieser Personen ist sehr begrenzt und man sieht immer wieder die gleichen Namen und Gesichter. Vor Ort sieht es ganz anders aus. Das belegen sehr eindrücklich die Erfahrungen von @frausonnig, als diese Fachleute suchte, die auf einem pädagogischen Tag zum Thema Unterricht mit digitalen Werkzeugen, entsprechende Workshops abhalten sollten.

Insgesamt gab es im Schuljahr 2015/2016 in Deutschland 33.547 allgemeinbildende Schulen.

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/235954/umfrage/allgemeinbildende-schulen-in-deutschland-nach-schulart/

In Deutschland gab es im Schuljahr 2015/2016 insgesamt 754.726 Lehrer an allgemeinbildenden Schulen.

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/201496/umfrage/anzahl-der-lehrer-in-deutschland-nach-bundeslaendern/

Alleine in NRW gab es im Schuljahr 2015/16 laut dieser Statistik 167.266 Lehrkräfte. Insgesamt 60 volle Stellen hat das Land für Medienberater bereitgestellt. Wenn man davon ausgeht, dass diese mit mindestens 5 Stunden entlastet werden sollen, sprechen wir hier von maximal 300 Personen. Und von diesen sind noch längst nicht alle selbst soweit, dass man sagen kann, sie sind in der Lage ihre eigenen Lernprozesse digital zu gestalten. Aber selbst wenn sie es wären, so käme hier ein Medienberater auf mehr als 300 Lehrkräfte. Das Problem ist allerdings zu lösen, ohne dass man noch mehr Medienberater einstellt, ausbildet und zu Schulen schickt.

Der digitale Wandel in Schulen braucht einen kulturellen Wandel

Neben Input von außen durch Experten und Zeit, das Neue lernend umzusetzen, braucht es auch einen sehr grundsätzlichen Wandel im Selbstverständnis der Lehrkräfte. Selbstverständlich werden Lehrerinnen und Lehrern auf Nachfrage bestätigen, dass Lernen ein lebenslanger Prozess ist. Doch viele Lehrkräfte sehen sich selbst vor allem in der Rolle von Wissensvermittlern oder meinetwegen auch Vermittlern von Kompetenzen (+ Erzieher, Sozialarbeiter, Ersatzeltern, …). Ihre Rolle als Lernende sehen sie im System Schule selten. Das aber ist es genau der wunde Punkt. Solange sie nicht in der Lage sind, sich selbst als Lernende zu begreifen, als Lernende im Prozess des digitalen Wandels von Schule, die sowohl lernen am Wandel als auch diesen Wandel lernend gestalten sollen, solange wird Schule bleiben wie sie ist.

Schaffen Schulen mit ihren Lehrkräften diesen kulturellen Wandel, wird manches einfacher, denke ich. Lernende, die ihre Lernprozesse mit den Möglichkeiten des digitalen Wandels gestalten, sind in der Regel keine Einzelkämpfer. Sie vernetzen sich (PLN). Für die meisten Lehrkräfte reicht schon eine Vernetzung im Kollegium und das bedeutet mehr als das, wofür Jahrgangsstufen- oder Fachteams an den meisten Schulen bisher standen.

Eine Form, diese Vernetzung zu leben, können Mikrofortbildungen sein, regelmäßige kleine Fortbildungen, gespeist aus den bereits vorhandenen Kompetenzen in einem Kollegium, Fortbildungen mit Verabredungen zur Weiterarbeit und zum Ausprobieren im Unterricht. Auch gelegentliche Hospitationen können unterstützen oder Team-Teaching Stunden. Nicht alle Lehrerinnen und Lehrer müssen Twitter Nutzer werden. Twitter ist ein Kanal mit sehr hoher Informationsdichte und nicht jedermanns Sache. Für Schulen reicht es aus, wenn ein oder zwei Lehrkräfte Twitter nutzen, um neue Impulse für die Entwicklung in der Schule aufzunehmen und diese dann in Mikrofortbildungen im Kollegium weiterzugeben. Eine Möglichkeit zur Intensivierung der Vernetzung, den Austausch und die schnelle Hilfe untereinander kann aber ein Messenger Dienst wie WhatsApp sein. Viele Lehrerinnen und Lehrer nutzen diesen Dienst bereits, wenn sie auch privat in Kontakt stehen. Warum sollte es dann nicht genutzt werden, um Ideen zu teilen, Anregungen auszutauschen und sich auch bei kleineren Problemen zu unterstützen? Wo die Ablehnung gegenüber WhatsApp zu groß ist, bietet sich Telegram an, das weniger vorbelastet ist durch negative Schlagzeilen. Auch die Nutzung einer Cloud gestützten Office Lösung kann Vernetzung unterstützen, wenn sie im Kollegium genutzt wird, das gemeinsame Lernen, die Curriculum- und Schulprogrammarbeit und die Erstellung von Unterrichtsmaterialien zu gestalten.

Vernetzung bietet sich, wenn sie im Kollegium funktioniert, auch mit Schulen im Umfeld an. Warum soll jede Schule das Rad neu erfinden? Die Vernetzung von Schulen ist nicht neu und hat sich, wenn sie gepflegt wurde, schon in der Vergangenheit bewährt. Besuchen dann von einer der vernetzten Schulen ein oder zwei Personen diesen oder jenen Kongress zum Thema, Barcamps oder ähnlich, so kann dieses ausreichen, um weitere neue Impulse in die Schulen zu holen.

Die Aufgabe der Experten sehe ich deshalb vor allem als Katalysatoren im digitalen Wandel von Schule. Sie können definitiv nicht alle Lehrkräfte fit machen. Ihre Aufgabe ist vielmehr, den kulturellen Wandel in Schulen anzustoßen, bei den Planungen Impulse zu geben, die Vernetzung mit anderen Systemen vermitteln und ähnlich. Sie werden auch fortbilden und Input geben, doch den eigentlichen digitalen Wandel müssen Schulen als lernendes System selbst vollziehen. Genau dieses macht doch auch den digitalen Wandel aus, die Kompetenz, das eigene Lernen zu gestalten, sich zu vernetzen, zu kommunizieren, zu kollaborieren, kreativ zu sein und Kritik zu nutzen, um voran zu kommen. Schulen, die diesen Wandel in der eigenen Kultur schaffen, werden alle Informationen dazu finden. Es ist nichts Anderes, als was sie ihren Schülern vermitteln wollen.

Der Einstieg in den digitalen Wandel muss einfach sein

Viele Lehrkräfte haben keine Vorstellung davon, was heute überhaupt möglich ist und was es bedeutet, das eigene Lernen mit den Möglichkeiten des Digitalen zu gestalten. Doch das ist nicht der alleinige Grund, warum viele von ihnen sich nicht zutrauen, selbst digitale Technologien im Unterricht einzusetzen.

Es hat auch mit der eigenen Kompetenz im Umgang mit digitalen Technologien zu tun. Man kann heute sicherlich davon ausgehen, dass die Mehrheit der Lehrkräfte Computer nicht nur zum Online-Banking, Urlaub-Buchen und Online-Shopping, sondern auch zur Vorbereitung des Unterrichts nutzen. Über mehr als die Fähigkeit, einen Browser zu bedienen und die rudimentärsten Funktionen einer Textverarbeitung und Tabellenkalkulation zu nutzen, verfügen die meisten dabei jedoch nicht. Und auch wenn viele von ihnen mittlerweile Smartphones und auch Tablets besitzen, so nutzen sie meist nur die einfachsten Funktionen.

Diesen Hintergrund muss man berücksichtigen, wenn man Lehrkräften den Einstieg in den digitalen Wandel ihres Unterrichts nahebringen möchte. Der Einstieg muss deshalb einfach sein, mit ganz niederschwelligen Angeboten. Es muss Technologie sein, die ohne große Kenntnisse und mit wenig Fehlerpotential zu nutzen ist. Benötigt werden Tools bzw. Apps, die auf einfachstem Niveau zu nutzen sind und auch so zu Ergebnissen und Erfolgen führen.

Padlet, Kahoot, Plickers, QR-Codes und ähnlich erlebe ich als Angebote, die ankommen bei Lehrkräften, die ihre Ersten Gehversuche in der Entwicklung von Unterricht mit digitalen Werkzeugen machen, auch bei Menschen mit sehr wenig Vertrauen in die eigenen Kompetenzen im Umgang mit digitaler Technologie. Angebote wie die genannten vermitteln Erfolgserlebnisse und machen Mut, eben da sie noch recht einfach zu erlernen sind.

Und auch bei diesen Angeboten betone ich zu Beginn immer wieder, wie wichtig es ist, klein anzufangen und erst den nächsten Schritt zu wagen, wenn man sich sicher fühlt. Padlet kann man zunächst als eine Möglichkeit nutzen, einen motivierenden Unterrichtseinstieg zu gestalten, indem man ein digitales Poster gestaltet zum neuen Thema, mit kleinen Texten, Bildern und Videos. Die Vorbereitung dafür erfolgt zu Hause. Es ist nur wenig Technik notwendig. Schüler und ihre Geräte sind noch nicht eingeschlossen. Das Risiko, dass etwas schief gehen kann, ist noch sehr gering. Erst in der nächsten Stufe holt man die Schüler nach und nach ins Boot. Zunächst schreiben alle, der Reihe nach, auf ein Padlet. Und erst später erarbeiten Schüler dann auch Padlets in Gruppen.

Es geht beim Einsatz von Padlet, Kahoot, Plickers, QR-Codes und ähnlich zunächst nicht primär darum, Schülern Möglichkeiten zu geben, ihr Lernen zu gestalten oder mehr Spaß und Motivation in den Unterricht zu bringen. Das sind hier noch Nebenprodukte. Ganz zu Beginn, wenn Lehrkräfte beginnen, digitale Werkzeuge in ihren Unterricht einzubinden, stehen sie als Lernende im Mittelpunkt. Sie müssen Erfahrungen sammeln und Zugvertrauen gewinnen.

Was für Apps und ähnlich gilt, muss auch für die Technik gelten. Wer glaubt, man könne von Lehrkräften direkt erwarten, sie können über ein Software Menü das WLAN im Klassenraum mal eben ein- und ausschalten, der überfordert die meisten von ihnen. Für den Anfang kann man auch auf einfache Möglichkeiten setzen wie Access Points, die man in die Netzwerkdose steckt. Wer Tablets als Dokumentenkamera einsetzen soll, wird sich sicherer fühlen, wenn man Tablet und Projektor lediglich durch ein Kabel verbindet, eine App startet und die Übertragung steht. Man kann sicher davon ausgehen, dass viele Lehrkräfte zumindest ein Jahr brauchen werden, bis sie über ausreichend Erfahrung und Zuversicht verfügen, digitale Möglichkeiten regelmäßig in ihrem Unterricht einzusetzen. Unverzichtbar ist dabei die oben beschriebene Vernetzung der Lehrkräfte untereinander, da man sich gegenseitig helfen und ermuntern kann.

Fazit

Auch wenn die Zeit zu drängen scheint, den digitalen Wandel an Schulen nun endlich mit aller Macht voranzutreiben, so sollte man dabei den Faktor Mensch nicht außer Acht lassen. In unserer Gesellschaft sind digitale Technologien inzwischen zwar überall zu finden, doch nur ein kleinerer Teil der Nutzer ist in der Lage, sie tatsächlich mit einer Kompetenz zu nutzen, die über die rein oberflächliche Bedienung hinausgeht. Das gilt für Kinder und Jugendliche und es gilt auch für Lehrkräfte. Wer den digitalen Wandel an Schule aktiv gestalten soll, die Lehrkräfte also allen voran, muss überhaupt erst selbst in der Lage sein, sein Lernen mit digitalen Möglichkeiten zu gestalten. Erst dann weiß man als Lehrkraft überhaupt, worum es geht, was den Wandel ausmacht und wohin die Entwicklung gehen soll. Dann kann man die Veränderung anstoßen. Mit einem deutlichen zeitlichen Vorsprung werden Lehrkräfte über ausreichend Zuvertrauen zu sich selbst im Umgang mit digitalen Technologien im Unterricht haben, dass sie auch in der Lage sein werden, ihre Schülerinnen und Schüler auf den Weg zu bringen. Wenn die Schule den kulturellen Wandel im Selbstverständnis der Lehrkräfte vom Lehrenden zum Lernenden schafft, dann wird ihr auch der digitale Wandel des Unterrichts gelingen. Dafür braucht die Schule als lernendes System Zeit, wie auch die Menschen, die diesen Wandel gestalten sollen. Zeit bedeutet auch, dass die Entwicklung auf persönlicher wie institutioneller Ebene in einfachen, angemessenen Schritten erfolgt. Viele kleine Erfolge führen eher zum Ziel als viele große Rückschläge. Jeder Lehrer und jede Lehrerin muss ihren eigenen Weg finden. Gemeinsam, vernetzt, wird die Last auf viele Schultern verteilt. Die zentralen Kompetenzen für die Lernenden im 21. Jahrhundert, die 4 K, stehen irgendwo an Horizont als Fernziele, verpackt in Strategiepapiere, Empfehlungen, Kompetenzraster und bald auch in Lehrplänen und Richtlinien. Nicht jeder wird sie erreichen. Was wir unseren Schülerinnen und Schülern zubilligen, müssen wir auch den Lehrkräften zugestehen. Grundlegende Kompetenzen zur Entwicklung des eigenen Unterrichts im digitalen Wandel von Schule sollte jeder haben. Ohne wird es bald nicht mehr gehen. Doch nicht jeder muss zur Speerspitze des digitalen Wandels gehören. Und Schule ist, das war schon immer so, ein sehr behäbiges System.

Die Zeit war wohl einfach reif, dass mal jemand innehält und sich Gedanken macht, ob das, was sich aktuell an Entwicklung in Schule im Zusammenhang mit dem digitalen Wandel abzeichnet, so Sinn macht und funktionieren kann. Ich war da nicht der einzige. Deswegen siehe auch die sehr lesenswerten Beiträge:

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Die 4 Cs & Fake News

Posted in Kompetenzen, Medienwelt by damianduchamps on März 13, 2017

Spätestens seit dem Präsidentschaftswahlkampf der USA im Jahr 2016 ist Fake News ein Thema, das in der breiten Öffentlichkeit angekommen ist, auch in Schule. Sachlich falsche Informationen waren schon immer ein Thema, seit Schülerinnen und Schüler das Internet nutzen, um sich zu informieren. Neuer ist nur, dass jetzt auch vermehrt und sehr gezielt Nachrichten von einzelnen Personen, ideologischen Gruppierungen, Parteien und auch Staaten gezielt über das Internet verbreitet werden.

Die Herausforderung für die Nutzer des Internets und auch anderer Medien, über welche falsche Informationen verbreitet werden, ist die gleiche wie zuvor. Wie erkennt man sie?

Hier kommt die Medienkompetenz ins Spiel und eine 4 Cs (Critical Thinking, Communication, Collaboration, Creativity), der Kernkomptenzen unserer Zeit. Es geht um das Kritische Denken.

IFLA, die Internationale Vereinigung bibliothekarischer Verbände und Einrichtungen, nahm die Diskussion über fake news zum Anlass, eine Schritt-für-Schritt Anleitung zu erstellen, wie man fake news erkennen kann. Grundlage dafür war der Artikel How to Spot Fake News von FactCheck.org vom November 2016. Die acht Schritte sollten meiner Meinung nach jeder Schülerin und jedem Schüler  bekannt sein. Anknüpfungspunkte gibt es im Unterricht vieler Fächer, ob es um Kreationisten geht, Holocaust Leugner, Menschen, die an Chemtrails glauben, um Propaganda, Produktrezensionen, Werbung und vieles mehr. Alles ist auch im Internet vertreten, auf eigenen Webseiten oder auch nur bei Facebook.

Die Grafik von IFLA kann in verschiedenen Sprachen über How To Spot Fake News als PDF und JPEG heruntergeladen werden. Sie ist unter Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0 ) lizenziert (siehe auch IFLA Urheberrecht).

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14 Wege Leseverstehen digital zu trainieren

Posted in Uncategorized by damianduchamps on Februar 9, 2017

Wenn es im Schulalltag eine grundlegende Kulturtechnik gibt, bei welcher viele Schülern große Defizite aufweisen, dann ist es das Leseverstehen (siehe auch „Sie verstehen kaum, was sie lesen oder hören“).

Zum Trainieren des Leseverstehens gibt es viele bewährte Techniken, die seit Jahren im Unterricht genutzt werden. Es sind Techniken, mit denen Textteile hervorgehoben, Anmerkungen hinzugefügt, Texte gegliedert werden, usw.. Bislang finden sich diese Techniken vor allem im analogen Raum. Schule bewegt sich unaufhaltsam ins digitale Zeitalter. Smartphones, Tablets und Notebooks erobern den Unterricht. Sie bringen neue Möglichkeiten mit, das Leseverstehen zu trainieren. Doch auch bekannte Techniken lassen sich in den digitalen Raum übertragen. Was möglich ist und auch, warum es durchaus Sinn machen kann, analoge Techniken ins Digitale mitzunehmen, das soll im Folgenden dargestellt werden. Hier soll es jedoch nicht um die komplexeren Formen gehen, Leseverstehen zu üben, wie über interaktive Trainingsformate, Multiple Choice Abfragen oder Quizze, sondern um die ganz einfachen Möglichkeiten.

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Bildquelle: Pixabay.com, Public Domain

Viele, die weiterlesen, werden am Ende denken, wie simpel und naheliegend das alles doch ist, so einfach, dass man auch selbst hätte darauf kommen können, zu einfach vielleicht.

Hervorheben

Je nach Leseverstehensniveau werden verschiedene Wortarten, Eigennamen, wichtige Aussagen oder ähnlich während des Lesens hervorgehoben. Den bekannten Marker oder Buntstift zum Hervorheben von Text gibt es in nahezu jeder Textverarbeitung. Auch viele PDF Reader bieten die Funktion. Meist sind mehrere Farben vorhanden. Zur Bedeutung einer jeden Markierungsfarbe wird unter dem Text eine Legende angelegt. Je nach Unterrichtssituation wird sie zur Vergleichbarkeit vom Unterrichtenden vorgegeben.

Ausschwärzen

Eine Möglichkeit, einen Text zu verstehen, kann darin bestehen, unwichtige Bestandteile unkenntlich zu machen. Analog kann man dieses mit einem schwarzen Marker tun. Digital funktioniert es ähnlich wie das Hervorheben, nur dass als Farbe schwarz gewählt wird. Diese Funktion wird allerdings nicht von jedem Programm unterstützt.

Siehe auch Improve Reading Comprehension with Google Docs „Black Out“

Löschen

Löschen ist ähnlich wie das Ausschwärzen, hat jedoch den Nachteil, dass man später, falls sinnvoll, die gelöschten Textteile nicht wiederherstellen kann, ohne alle Änderungen am Text rückgängig zu machen. Umgehen kann man dieses Problem, indem man den Text vor der Reduktion auf das Wichtige in Kopie unter den Originaltext einfügt. Löschen funktioniert nur in Programmen, in denen Text editiert werden kann.

Textformat ändern

Textverarbeitung bietet je nach Programm verschiedene Möglichkeiten, Text zu formatieren. Diese Funktionen lassen sich nutzen, um sich ein Textverständnis zu erarbeiten.

Durchstreichen

Eine weitere Möglichkeit, Textteile als unwichtig zu markieren, bietet das Ausstreichen. Textverarbeitungen bieten hier oft die Möglichkeit für einfaches oder doppeltes Durchstreichen. Ein Vorteil dieser Technik besteht darin, dass der durchgestrichene Text noch lesbar ist.

Unterstreichen

Ganz wie in der analogen Welt unterstützen Textverarbeitungsprogramme und auch manche PDF Reader das Unterstreichen von Text, um diesen zu markieren.

Schrift fett oder kursiv setzen

Jeder Texteditor, und sei er auch noch so simpel, unterstützt das Hervorheben von Text durch Umstellen auf fett. Auch das kursiv stellen bietet sich als zusätzliche Möglichkeit zum Markieren von Textteilen an.

Schriftfarbe ändern

Vor allem in Kombination mit fetter Schrift kann die Veränderung der Schriftfarbe gut genutzt werden, um Text hervorzuheben.

Schriftart ändern

Egal welche der Möglichkeiten genutzt wird, die Schrift zu verändern, sei es Schriftart, Schriftgröße oder Großbuchstaben, Hauptsache ist, der veränderte Text hebt sich vom Rest des Textes deutlich ab.

Kommentare

Textverarbeitungsprogramme wie Microsoft Word, OpenOffice/LibreOffice, Pages und Google Docs erlauben es, Textteile zu markieren und über die Kommentarfunktion mit einem Kommentar zu versehen. In der analogen Welt entspreche dieses einem an den Rand des Texte geschriebenen Kommentar, nur das digital deutlich mehr Platz zum Schreiben zur Verfügung steht. Gibt es keine Kommentarfunktion, kann der Kommentar alternativ auch in Klammern und farbig markiert direkt in den Text eingefügt werden.

Zahlen, Emoji, Bilder einfügen

Um sich einen Text inhaltlich zu erschließen, kann es auch sinnvoll sein, in den Text Elemente einzufügen. Das können beispielsweise Zahlen sein, um bestimmte Strukturen deutlicher zu machen. Genauso können Emoji oder Bilder in den Text gefügt werden, um  erschlossene Inhalte zu verdeutlichen.

Text segmentieren

Zur Erschließung eines Textes kann es auch nützlich sein, diesen durch Aufteilung in Abschnitte inhaltlich zu erschließen. Was bei einem auf Papier gedruckten Text nur schwierig zu lösen ist, etwa durch Markierung von Segmenten durch Linien oder durch Zerschneiden des Textes mit einer Schere, gelingt digital viel einfacher, da der Text in einer Textverarbeitung flüssig ist.

Überschriften einfügen

Liegt ein Text in Abschnitten vor oder wurde von den Schülern in Abschnitte aufgeteilt, so lassen sich in einer Textverarbeitung leicht Überschriften einfügen. Zur besseren Kenntlich machen werden sie durch Formatierung hervorgehoben.

Einfügen von Zusammenfassungen

Bei längeren Texten bietet es sich an, inhaltlich erschlossene Abschnitte mit einem kleinen Text kurz zusammenzufassen. Zusammenfassungen kann man dann zum jeweiligen Abschnitt hinzufügen und durch eine passende Formatierung vom eigentlichen Text absetzen. Das könnte durch eine andere Schriftart, Farbe oder einen Rahmen um den Text herum erfolgen.

Text umstellen

Manche Texte werden verständlicher, wenn die Reihenfolge von Inhalten verändert wird. Um einen Text umzugliedern, braucht es analog Schere und Kleber, oder der Text muss neu abgeschrieben werden. Das braucht es digital nicht. Textpassagen lassen sich heraus trennen und an anderer Stelle wieder einfügen. Um die Umstellung eines Textes zu erleichtern, empfiehlt es sich, diesen vorher zu segmentieren.

Wortwolken erstellen

Dem Verständnis eines Textes kann es zuträglich sein, wenn man einen Überblick erhält über die verwendeten Worte. Das kann mit onlinebasierten Anwendungen wie Wordle und ähnlich erfolgen. Der Text wird markiert, kopiert und in die Anwendung eingefügt. Die Wortwolke gibt Aufschluss darüber, welche Wörter am häufigsten verwendet werden.

Text paraphrasieren

Enthält ein Text schwierige Wörter, so bietet sich an, diese nachzuschlagen und dann durch einfachere Wörter oder Umschreibungen zu ersetzen. Die Schüler erschließen sich so den Text und vereinfachen ihn für sich. Genauso können natürlich auch komplette Sätze oder Abschnitte vereinfacht werden. Bei der digitalen Arbeit besteht für Schüler hier der Vorteil, dass nicht der komplette Text neu geschrieben werden muss, sondern nur bestimmte Textteile.

Text kollaborativ erschließen

Auch analog können Schüler sich ein Text im Team inhaltlich erschließen. Über die digitale Funktion zur Zusammenarbeit an einem gemeinsamen Text geht dieses sogar noch besser, da die beteiligten Schüler ihre Kopie jeder für sich sehen, jedoch trotzdem gemeinsam mit den zuvor beschriebenen Verfahren bearbeiten können. Dafür benötigt es eine Textverarbeitung, die online Zusammenarbeit unterstützt. Beispiele dafür wären Google Docs oder Office 365, Etherpad oder Open 365.

Text (sinngestaltend) vorgelesen hören

Vor allem jüngeren Schülern hilft es, einen Text besser zu verstehen, wenn sie ihn sinngestaltend vorgelesen bekommen. Zusammenhänge zwischen verschiedenen Textteilen werden ihnen so deutlicher. Nicht jeder braucht diese Hilfe und manchen hilft es, wenn sie den Text sogar mehrfach anhören können und dabei mitlesen und markieren. Der Lehrer kann den Text dafür vorlesen und als MP3 digital für die Schüler zur Verfügung stellen.

An den Beispielen konnte hoffentlich gezeigt werden, welche einfachen und auch komplexeren Möglichkeiten sich mit digitalen Werkzeugen bieten, Leseverstehen zu trainieren. Die digitalen Techniken bieten dabei einen großen Vorteil gegenüber analogen Techniken. Veränderungen am Text lassen sich einfach rückgängig machen. Das ist in der analogen Welt oft nicht möglich. Außerdem ist die Bearbeitung von digitalen Texten, sofern sie kein nicht editierbares Format haben wie PDF, sehr viel flexibler als die von analogen Texten. Veränderungen in der Struktur, Ergänzungen und Reduzierungen lassen sich einfach einfügen. Abschreiben, Zerschneiden, Überkleben, Aufkleben und ähnlich entfallen.

Die meisten der beschrieben Techniken, Texte für eine Verbesserung des Leseverstehens durchzuarbeiten, unterstützen auch gleichzeitig die Erarbeitung und das Training  einfacher Grundfunktionen von Textverarbeitung. Viele der Funktionen sollten bereits mit Grundschülern nutzbar sein.

Alles, was es nun noch braucht, sind Texte. Die kann man aus digitalen Quellen bekommen, über Texterkennung einlesen oder einfach abtippen oder diktieren. Die letzteren beiden Möglichkeiten nutze ich gerne, um mich selbst mehr auf den Text einzulassen. So bereite ich mich am besten auf zu erwartende Schwierigkeiten meiner Schüler im Textverständnis vor.

Einer geht noch …

Posted in Alltag, Schulentwicklung, Schulpolitik by damianduchamps on Februar 7, 2017

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es langsam etwas viel wird für viele Lehrerinnen und Lehrer in unserem Schulsystem. Man kommt ohnehin nicht wirklich voran. Nichts geht und alles muss auf dem Weg in Richtung Zukunft, und dann kam auch noch die Digitalisierung mit allem, was sie mit sich bringt.

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Sie verstehen kaum, was sie lesen oder hören

Posted in Hauptschule, Kompetenzen, Uncategorized by damianduchamps on Februar 5, 2017

An meiner Schule wurden 2016 letztmalig die Lernstandserhebungen Klasse 8 durchgeführt, letztmalig da die Hauptschule ausläuft. Die Ergebnisse für meinen Englisch Grundkurs waren bescheiden. Sie lagen beim Leseverstehen komplett im Niveau 1 und 2. Auch das Hörverstehen war vergleichbar bescheiden. Im Parallelkurs gab es zumindest noch einige wenige Schüler im Niveau 3.

Verglichen mit dem Landesdurchschnitt für die Schulform und den entsprechenden Standorttyp 1 waren diese Ergebnisse jedoch nicht deutlich abweichend. Warum aber, so fragt man sich, ist das Niveau so gering? Warum ist es an meiner Schule so gering und warum ist es auch an vergleichbaren Schulen nicht besser?

Da mir auch die Ergebnisse für das Leseverstehen Deutsch vorlagen, verglich ich diese mit denen von Englisch. Die Ergebnisse in Deutsch umfassen die gesamte Klasse, die meines Grundkurses nur einen Teil der Klasse. Nicht überraschend ist zunächst die Beobachtung, dass sich die Ergebnisse im Leseverstehen der beiden Grundkurse Englisch im Fach Deutsch der jeweiligen Klassen widerspiegeln.

leseverstehen

Mit großer Wahrscheinlichkeit rekrutieren sich die Schüler meines Grundkurs Englisch eher aus denen, die auch in Deutsch im Leseverstehen lediglich Niveau 1 und 2 erreichten (siehe Grafik). Schüler, die schon nicht in der Lage sind, einen deutschen Text lesend mehr als oberflächlich zu verstehen, werden dieses auch bei der englischen Sprache nicht besser können. Liegt eigentlich nahe. Entsprechendes ist für das Hörverstehen zu vermuten, welches in Deutsch nicht getestet wurde.

Das Leseverstehen (Englisch) meiner Schüler und von Schülern an Schulen mit gleichem Standorttyp und an der Schulform insgesamt ist erstaunlich gering. Mit dem Auffinden einfacher Informationen an der Textoberfläche haben die Schülerinnen und Schüler wenig Probleme und auch das Auffinden von Informationen, die in der Aufgabenstellung etwas anders formuliert sind als im Text, klappt noch so einigermaßen. Darüber hinaus geht aber kaum etwas.

Dass meine Schüler in Englisch sehr schwach sind, das wusste ich schon vor der Lernstandserhebung, und ich kenne auch einen Teil der Ursachen. Auch im Unterricht und den Leistungsüberprüfungen zeigte sich das geringe Lese- und Hörverstehen immer wieder deutlich. Sehr überrascht hat mich jedoch das insgesamt geringe Niveau des Leseverstehens in Deutsch. Zwei Drittel der Schüler schaffen nicht mehr als Niveau 2 – Einfaches Verstehen: „Schülerinnen und Schüler können wesentliche Gedanken eines Textes verstehen und Informationen einander zuordnen.“ Sie sind jedoch nicht in der Lage, aus dem Gelesenen Schlüsse zu ziehen, zwischen den Zeilen zu lesen oder einen Text differenziert zu deuten. Und das gilt nicht nur für meine Schule, sondern auch darüber hinaus für Schulform und den Standorttyp.

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Diese Ergebnisse gelten für den Standorttyp der Stufe 1. Das ist noch der günstigste Standorttyp, hier ist die Welt noch relativ in Ordnung.

Standorttyp der Stufe 1

  • Unter 5% der Schülerinnen und Schüler haben – unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit – einen Migrationshintergrund.
  • Unter 5% der Schülerinnen und Schüler bekommen Sozialgeld nach SGB II oder kommen aus Familien, die den gesetzlich geregelten Eigenanteil im Rahmen der Lernmittelfreiheit nicht aufbringen können und zur Unterstützung Sozialhilfe nach SGB XII erhalten.
  • Für die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler gilt, dass die elterliche Wohnung in einem Wohngebiet liegt,
    • dessen Einwohnerinnen und Einwohner ein hohes Einkommen aufweisen, o in dem der Anteil der Empfängerinnen und Empfänger von SGB II Leistungen sehr gering ist,
    • welches einen sehr niedrigen Ausländeranteil aufweist,
    • welches einen sehr niedrigen Arbeitslosenanteil aufweist.
  • Die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler stammt aus einem Wohnumfeld mit einem hohen Wohnwert.

Quelle: Deskriptive Beschreibung der Standorttypen von Schulen bei den Lernstandserhebungen in Nordrhein-Westfalen.pdf

Man fragt sich nun, wie die Ergebnisse der Lernstandserhebung bei den anderen, ungünstigeren Standorttypen ausfallen werden, besser sicher nicht.

Das geringe Leseverstehen, welches die Lernstandserhebung Deutsch den Schülern der Klasse 8 attestiert, wird sich nach meinen Erfahrungen auch in den verbleibenden Jahren an der Schule bei den wenigsten merkenswert verbessern. Es beeinträchtigt so die gesamte Schullaufbahn dieser Schüler. Immer wenn es um schriftliche Aufgabenstellungen und Anweisungen geht oder wenn Informationen aus Texten entnommen werden sollen, werden diese Schüler deutliche Probleme haben, Probleme, weil sie nur unzureichend verstehen, worum es geht. Selbst in der Fremdsprache Englisch schlägt sich dieses nieder, noch einmal zusätzlich beeinträchtigt durch unzureichend verfügbares Vokabular. Vielen wird diese Beeinträchtigung nicht einmal bewusst sein, da das Gehirn so etwas einfach ausblendet oder kompensiert.

Doch hier hört es leider nicht auf. Diese jungen Menschen, die meiner Schule im günstigen Umfeld und die vielen anderen aus weniger günstigen Standorttypen mit wohl noch geringerem (Hör- und) Leseverstehen werden bald in die Gesellschaft entlassen. Dort müssen sie ein Leben lang mit ihrem geringen Leseverstehen zurecht kommen, wenn sie am Arbeitsplatz sind, wenn sie Verträge für Käufe oder Versicherungen unterschreiben, wenn sie sich über etwas informieren wollen und ähnlich. Und wenn ich an die parteipolitische Landschaft unseres Landes denke, dann werden sie Parteien begegnen, die mit Parolen in einer einfachen, griffigen Sprache daher kommen, genau wie für sie gemacht, eine Sprache, die auch sie verstehen, eine Sprache auf Niveaustufe 1.

Wer ihnen dann in Zeitungen, Magazinen, Talkrunden oder anderen textlastigen Formaten erklären und ausführlich auseinandersetzen möchte, warum diese Parteien vielleicht nicht so gut sind, polarisieren wollen, ein einseitiges Menschenbild zeichnen und ähnlich, wird sie nicht erreichen, denn sie werden kaum verstehen, was sie da lesen oder hören.

Vielleicht ist das jetzt ein sehr einfach gezeichnetes Bild. Es ist auch nicht neu, dass Schule viele junge Menschen nur unzureichend auf das Leben vorbereitet entlässt. Mir war es jedoch, angeknüpft an die Ergebnisse der LSE 8 meiner Schule, noch einmal ein Anlass zum Nachdenken über die Tragweite dieser Versäumnisse des Systems Schule.

Schluss mit dem digitalen Schwebezustand

Posted in Medienwelt, Schulentwicklung, Schulpolitik, Uncategorized by damianduchamps on Januar 14, 2017

Wenn aktuell mal wieder beobachte, was sich in der Bildungslandschaft ereignet, vergeht mir die Lust an Schule und Schulentwicklung, an Entwicklung von Unterricht mit digitalen Tools und der Beratung von Schulen und Schulträgern dahingehend.

Der Grund dafür ist einfach. Es hängt alles in der Schwebe. Nichts ist wirklich klar definiert. Hier in NRW kommt nun GuteSchule#2020. Toll mag man meinen, endlich tut sich etwas. Nur, mehr als einen Topf voll Geld und ein paar grobe Vorgaben gibt es nicht. Bloß nichts festlegen, nein, keine festen Vorgaben machen, keine verbindlichen Ziele definieren. So kommt es, wie es kommen muss. Die einen sanieren damit Gebäude, an anderer Stelle baut man ganze Schulen neu davon, hört man, und ein klein wenig wird auch in digitale Infrastruktur investiert. Wenn das Jahr 2020 um ist, werden wir feststellen, dass die Standards an den Schulen in NRW weiterhin höchst unterschiedlich sind. Manche haben Breitbandanschluss und WLAN im gesamten Gebäude, für Schüler und Lehrer, andere endlich funktionierende Toiletten und dichte Dächer oder Klassenräume statt Container, jedoch noch immer keinen Breitbandanschluss und auch kein WLAN im Gebäude. Dass uns das als Land wirklich weiterbringt, werden nur Politiker behaupten, die sich in irgendeiner Vorzeigeschule in einer iPad Klasse von den Medien feiern lassen.

Und dann ist da ja noch das Milliardenpaket des Bundes. Auch hier wird es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht anders laufen. Schon jetzt regt sich Widerstand gegen Bevormundung durch den Bund. Am liebsten hätte man das Geld vermutlich in die Landestöpfe und würde dort damit nach eigenem Belieben verfahren, ohne exakte Zielvorgaben und ohne jegliche Rechenschaft.

Ich wünschte mir, es gäbe sehr eindeutige Vorgaben, sowohl vom Land als auch vom Bund, am besten miteinander abgestimmt. Könnte man nicht zeitliche Vorgaben machen und sagen, bis zum Jahre X hat dieses und jenes zu erfolgen?

  • alle Schulen, ohne Ausnahme, sind an Breitband angeschlossen
  • alle Schulgebäude sind mit WLAN ausgeleuchtet
  • alle Klassenräume haben Präsentationsmedien
  • alle Lehrerinnen und Lehrer sind fortgebildet/fit gemacht
  • alle Länder haben überarbeitete Fachcurricula
  • alle Schulen haben Medienkonzepte und angepasste Fachcurricula
  • alle Schulen können auf eine Basis online IT Infrastruktur zugreifen
  • alle Lehrer, die kein Privatgerät nutzen, haben ein Dienstgerät
  • alle Schüler haben digitale Endgeräte

Alle habe ich jeweils hervorgehoben, da es nicht sein kann, dass in einem reichen Land wie Deutschland, Schulen, Schüler und Lehrer benachteiligt werden, nur weil sie das Pech haben, in eine strukturschwachen Kommune zu leben oder weil im Falle von Schülern ihre Eltern nicht über ausreichend Einkommen verfügen. Alle schreibe ich auch, weil es nicht der Beliebigkeit kommunaler Verwaltungen und parteilichen Ideologie überlassen werden kann, was am Ende dabei herauskommt.

Ich denke, hier sollte es wirklich einen Konsens geben, egal wo die Bundesländer und ihre Regierungen schulpolitisch gerade stehen. Mögen sie sich an ihren Schulformen abarbeiten, wenn sie das denn brauchen, doch bitte nicht an solch grundlegenden Fragen wie der Ausrichtung unserer Schulen und ihres Unterrichts auf eine Zukunft, die schon längst begonnen hat.

Warum Trump ein Argument für den digitalen Wandel in Schule ist

Posted in Kompetenzen, Medienwelt, Uncategorized by damianduchamps on November 9, 2016

Mit den Möglichkeiten sozialer Medien haben viele Menschen sehr viele Hoffnungen für die Demokratisierung der Welt verbunden. Das Internet demokratisiert die Medien und gibt jedem eine Stimme. An vielen Stellen hat man in den letzten Jahren gesehen, wie die sozialen Medien politische Bewegungen unterstützt und vorangetrieben haben. Der arabische Frühling ist ein Beispiel dafür. Die Türkei und ihre Unterdrückung der sozialen Medien ist ein anderes Beispiel für die Wirkungskraft von Twitter, Facebook, WhatsApp und ähnlich.
Bei der Wahl des neuen amerikanischen Präsidenten hat sich im Wahlkampf jedoch noch eine gänzlich andere Seite des Potenzials der sozialen Medien gezeigt. Wie kein anderer Präsidentschaftskandidat zuvor, verstand es Donald Trump, die sozialen Medien zu instrumentalisieren, für seine Zwecke. Die großen Medien, Fernsehsender und angesehene Tageszeitungen waren bisher für viele Menschen Instanzen verlässlicher Informationen, ähnlich wie Institutionen der Regierung, Behörden und Ministerien. In seinem Wahlkampf führte Trump ein Feldzug gegen diese Medien und Institutionen und sprach ihnen jegliche Glaubwürdigkeit ab. Was nicht wahr sein soll, kann nicht wahr sein. Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur. Das Establishment, so suggerierte Donald Trump, habe sich gemeinsam mit seiner Gegnerin gegen ihn verschworen und würde die Wahrheit aus diesem Grund manipulieren. Infolge glauben viele seiner Anhänger bisherigen traditionellen Quellen verlässlicher Berichterstattung und Information nicht länger. Sie begaben sich in die Trump Filterblase und bezogen ihre Informationen und die Trump Version von Wahrheit vor allem aus den sozialen Netzwerken, denen sie mehr Vertrauen und Glauben schenkten.

Welche Schlussfolgerungen muss man daraus für Schule und Bildung ziehen? Für mich ist ganz klar, der digitale Wandel sollte möglichst schnell in Schule kommen, um unsere Schülerinnen und Schüler als zukünftige Bürger und Wähler fit zu machen für die Herausforderungen einer Zukunft, in welcher es zunehmend wichtig wird, Fakt von Fiktion zu unterscheiden. Ganz zentral ist dabei die Vermittlung der 21st Century Skills, der 4 Cs, Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und im aktuellen Zusammenhang von besonderer Bedeutung, Kritik.

Schon jetzt kann man auch in Deutschland sehr gut verfolgen, wie Verschwörungstheorien ihre Kreise ziehen. Auf Facebook ist das sehr einfach. Gerüchte über Chemtrails, nicht zugelassene Martinsumzüge, übermäßige finanzielle Bevorzugung von Flüchtlingen und ähnlich machen die Runde. Für mich erschreckend, es sind in meinem Umfeld auf Facebook auch immer wieder ehemalige Schülerinnen und Schüler meine Hauptschule dabei. Es ist erschreckend, was für Dinge da umhinterfragt übernommen und weiterverbreitet werden.

Nur über Bildung und die Schulen kann unsere Gesellschaft die nachwachsenden Generationen stark machen, zukünftige Desinformationskampagnen und Manipulation von Informationen zu erkennen. Schüler müssen lernen, Informationen zu hinterfragen, andere Quellen zu finden, sei es von anderen Parteien oder gesellschaftlichen Gruppierungen oder auch von Nachrichtenorganen und Institutionen aus dem Ausland. Die Briten wären nicht hereingefallen auf die Behauptungen der Brexit Befürworter hätten sie diese hinterfragt und über andere Informationsquellen validiert.

Trump und Brexit machen mehr als deutlich, dass es höchste Zeit ist, dass Schule sich der Herausforderung stellt, und das ist nur möglich, wenn Schule den digitalen Wandel aktiv gestaltet und Verantwortung übernimmt. Das bedeutet auch, aus der Politik muss alle Unterstützung gegeben werden, dass   dieses gelingen kann, beginnend bei der Infrastruktur und endend bei der Qualifizierung des Personals. Unsere großen Parteien sollte ein natürliches Interesse daran haben, wollen sie nicht Gefahr laufen, irgendwann von einem ignoranten Aufschneider wie Trump ins politische Abseits gedrängt zu werden.

Fortbildung für den digitalen Wandel in Schule, wie ich sie wünschen würde

Posted in Schulentwicklung, Uncategorized by damianduchamps on November 6, 2016

Kürzlich war ich wieder einmal an einer Fortbildung beteiligt, an einem Gymnasium. Im Rahmen eines pädagogischen Tages sollte das Kollegium verschiedene Möglichkeiten kennenlernen, wie man mit Smartphones, Tablets, Laptops, Apps und Online-Angeboten im Unterricht arbeiten kann. Von Seiten der Schule war ein WLAN bereitgestellt, das in allen Workshop Räumen zur Verfügung stehen sollte. Die Teilnehmer brachten eigene Geräte mit, konnten jedoch auch Tablets aus einem Pool ausleihen. Das klang vielversprechend. In der Praxis sah es dann für mich jedoch leider nicht ganz so günstig aus und ich konnte meine Angebote nicht so umsetzen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Auch die Teilnehmer meiner Workshops hatten ihre Probleme mit der Technik. Zudem gab es immer wieder Aussetzer im WLAN. Aufgrund des sehr restriktiven Zugangs zum WLAN konnte ich mein übliches Set-up von Projektor und Tablet nicht nutzen, sondern musste improvisieren und auf Kabel und Notebook zurückgreifen. In einem meiner Workshops stellte ich Padlet vor. Schwierigkeiten ergaben sich hierbei durch die unterschiedlichen Displaygrößen der Mobilgeräte. Mit einem Smartphone ist Padlet, so gut dieses Werkzeug auch ist, nur eingeschränkt nutzbar. Und dann gab es da auch noch andere Probleme durch mangelnde Kompatibilität von Browsern (etwa dem Samsung Browser mit dem schönen Namen „Internet“) oder beispielsweise Schwierigkeit von iOS, Dateien über das nicht zugängliche Dateisystem hoch zu laden. Und Zugangsdaten für das WLAN hatte auch nicht jeder.

Probleme wie diese spiegeln sicherlich die Schwierigkeiten wieder, mit denen Schulen  konfrontiert sein können, wenn sie auf BYOD ohne Vorgaben und improvisierte WLAN-Lösungen setzen. Zu einer erfolgreichen und gewinnbringenden Fortbildung tragen derartige Probleme jedoch definitiv nicht bei. Aus diesem Grund habe ich mir Gedanken gemacht, welche Voraussetzungen es braucht, um wirklich gute Fortbildungen zu gestalten, mit denen wir Lehrerinnen und Lehrer befähigen können, den digitalen Wandel an ihren Schulen zu gestalten.

Lernen unter idealen Bedingungen

Günstig wäre es, wenn Lehrerinnen und Lehrer zunächst unter möglichst idealen Bedingungen lernen könnten. Unter idealen Bedingungen verstehe ich hierbei kein Setting, welches die technischen Möglichkeiten bis zum allerletzten ausreizt. Vorstellen würde ich mir vielmehr eine funktionierende, zuverlässige und gut zu bedienende Ausstattung auf einfachem Niveau. Das könnten einfache 10 Zoll Android Tablets sein, iPads, Chromebooks, oder wenn gar nicht anders möglich auch Notebooks oder Microsoft Surface Geräte. Mir persönlich würden, da ich damit gute Erfahrungen gemacht habe, Android Tablets reichen. Dazu sollte es ein stabiles WLAN geben, einen Projektor, der drahtlos verbunden ist, und einen Drucker. Außerdem sollte ein robuster Internetzugang vorhanden sein.

Man mag nun einwenden, und das habe ich über die Jahre immer und immer wieder gehört, dass man sich doch an den Gegebenheiten der jeweiligen Schule orientieren müsse, an dem, was dort vorhanden ist, da die Schule mit genau diesen Gegebenheiten arbeiten muss. Dieses Argument halte ich für unsinnig und zwar aus folgenden Gründen:

  • Lehrer sollten zuerst einmal erfahren, was überhaupt möglich ist und wie Unterricht idealerweise mit digitalen Tools gestaltet werden kann. Woher anders sollen sie sonst wissen, was machbar ist? Sie müssen positive Erfahrungen machen, müssen das Potenzial erfahren können und erkennen. Erst dann wird man sie wirklich für den digitalen Wandel gewinnen können. Dass dann an den einzelnen Schule sich dieses nicht unbedingt eins zu eins wird umsetzen lassen, ist eine andere Sache. Die Erfahrungen, welche die Lehrer in dem idealen Setting machen, werden aber die Richtschnur bilden für die Entwicklung, welche sie an ihrer Schule in Angriff nehmen. Sie wissen dann, was möglich ist, wie sie ihren Unterricht an der Schule verändern wollen und was sie dafür brauchen. Und dann werden sie sehen, dass sie die Bedingungen an ihrer Schule Schritt für Schritt in diese Richtung bringen, indem sie die schulinternen Lehrpläne entsprechend anpassen, das Lernmittelkonzept erstellen und ein entsprechendes Medienkonzept entwerfen.
  • Wer diesen Grund nicht akzeptiert, sollte sich vielleicht einmal fragen, warum Referendare noch immer für ihre Unterrichtsbesuche Traumstunden produzieren, Unterrichtsstunden, die sie in ihrem Berufsalltag so nie wieder durchführen werden, die einen enorm hohen Aufwand bedeutet haben, der im Alltag nicht zu leisten ist. Diese „Traumstunden“ sind aber eine Art Meisterstunden, eine Spitzenleistung, eine Richtschnur für zukünftiges Arbeiten. Auch wenn sie vergleichbare Stunden in ihrem Berufsalltag nie wieder halten werden, so wird die hohe Messlatte der Traumstunden trotzdem eine Richtung vorgeben für den Unterricht, den sie zukünftig halten.
  • Es ist darüber hinaus beruflicher Alltag von Lehrerinnen und Lehrern, Inhalte und Methoden an die jeweiligen Gegebenheiten ihrer Schule bzw. ihrer Lerngruppe anzupassen. Was als ideal vorgeben ist, lässt sich nur selten in der Praxis vor Ort umsetzen.

Wenn man den digitalen Wandel an die Schulen bringen will, muss man die Lehrerinnen und Lehrer dazu befähigen. Ich könnte mir hier in NRW vorstellen, dass jeder Kreis und jede kreisfreie Stadt dafür mindestens einen Raum irgendwo bereitstellt, in welchem 20-25 Lehrerinnen und Lehrer unter Anleitung lernen, mit mobilen Zugangsgeräten und dem Internet ihren Unterricht weiter zu entwickeln. Würde man einen solchen Raum mit Internetzugang, WLAN, 25 Android 10 Zoll Tablets, einem Projektor, einem Drucker, eventuell irgendwelchen Softwarelizenzen usw. ausstatten, so würden die Kosten dafür deutlich unter 10.000 € liegen.

Lehrer als Lernende

Schulen, die sich auf den Weg machen wollen, würden Lehrerinnen und Lehrer für eine Woche vom Unterricht freistellen. Damit das für die Schulen zu verkraften ist, wäre es dann in der Regel eine Lehrkraft pro Schule. Ähnlich wie in einem Praxisseminar an der Universität würden die Lehrkräfte dann zunächst einmal in die Rolle von Lernenden schlüpfen und darüber selbst erfahren, wie es sich mit den Möglichkeiten digitaler Zugangsgeräte und dem Internet, mit Apps, Online-Plattformen und ähnlich lernen lässt. Danach würden sie selbst in die Rolle der Lehrer schlüpfen und die andere Seite kennen lernen. Sie würden also selbst Stunden vorbereiten und durchführen. Ihre Schüler wären jeweils die anderen Lehrerinnen und Lehrer. Nach der jeweiligen Stunde würde man diese im Plenum besprechen. So würden die Lehrerinnen und Lehrer sowohl die Perspektive der Lernenden als auch der Unterrichtenden kennenlernen und hätten eine erste Basis für die Weiterentwicklung der eigenen Arbeit. Dazu wäre auch wichtig, nicht nur die zuverlässig funktionierenden Geräte aus der Raumausstattung zu nutzen, sondern auch immer wieder eigene Geräte wie kleinere Tablets, Tablets anderer Betriebssysteme und Smartphones usw. zu nutzen, um zu erfahren, welche zusätzlichen Möglichkeiten, Einschränkungen, Hürden etc. sich damit ergeben können. Und so würden dann Woche für Woche die Lehrerinnen und Lehrer der Schulen im Kreis bzw. der kreisfreien Stadt diese Praxisseminare durchlaufen. Ganz wichtig wäre mir bei diesen einwöchigen Praxisseminaren, dass die Teilnehmer sich von Anfang an untereinander vernetzen, um sich auch nachfolgend weiterhin auszutauschen, anzuregen und zu unterstützen.

Vielleicht wäre es günstig, wenn die jeweiligen Gruppen aus schulformgleichen Lehrkräften bestehen. Man würde also Grundschullehrer zusammen fortbilden, Sekundarstufe 1 Lehrer und Oberstufenlehrer. Es könnte vielleicht auch sinnvoll sein, Lehrer von Förderschulen und Förderschulpädagogen in Gruppen zusammenzufassen. Beginnen würde man am besten vermutlich zunächst mit interessierten Lehrkräften. Sie würden sich am ehesten gewinnen lassen und könnten so das Interesse anderer Kolleginnen und Kollegen an der Schule anregen. Die Zahl der Interessierten, der Willigen und der Zögerer ist in einem Kollegium in der Regel größer als die der Unwilligen und Verweigerer. Man könnte mit diesem System sicherlich eine große Zahl von Lehrkräften erreichen.

Für die Lehrkräfte, welche die erste Schulung durchlaufen haben, sollte es in regelmäßigen Abständen Möglichkeiten geben, sich zu treffen und auszutauschen, über das Vernetzen über das Internet hinaus.

Nach dem ersten Durchgang sollte später man einen weiteren Durchgang machen, der dann stärker auf fachspezifische Möglichkeiten des Unterrichts mit mobilen Endgeräten und dem Internet ausgerichtet ist. Sicherlich werden Lehrkräfte schon auf eigene Faust Möglichkeiten erkundet haben und diese einbringen können.

Fortbildung die Akteure

Um die Praxisseminare durchführen zu können, braucht es natürlich auch Personal, welches selbst in der Lage ist Unterricht entsprechend durchzuführen. Daran mangelt es momentan definitiv. Aus diesem Grunde würde ich zunächst alle Fachmoderatorinnen und Fachmoderatoren entsprechend schulen. Sie müssen ohnehin für ihre Fortbildungen in Zukunft in der Lage sein, das Thema zu integrieren. Ich würde für diesen Personenkreis die Schulungen noch deutlich ausführlicher vornehmen. Es wäre natürlich günstig, wenn diese Personen auch an ihren Schulen entsprechend praktische Erfahrungen sammeln könnten, um das, was sie in der Fortbildung gelernt haben, umzusetzen und zu vertiefen. Man hätte dann die Medienberater und die Fachmoderatoren, um die Praxisseminare durchzuführen. Das sollte ausreichen, um die Wochenstunden abzudecken, die es braucht für ein einwöchiges Praxisseminar.

Die Zukunft

Sobald neue Lehrerinnen und Lehrer in ihrem Studium und anschließend im Referendariat entsprechend ausgebildet werden, könnte die Fortbildung wie beschrieben eingestellt werden. Man würde dann neue Entwicklungen über regionale Netzwerktreffen, Edu Camps oder ähnlich an die Lehrerinnen und Lehrer herantragen und so die weitere Entwicklung der Schulen anstoßen.

Umsetzung vor Ort

Ich könnte mir vorstellen, dass sich diese Idee in der Praxis durchaus umgesetzten lässt. Zu klären wäre dafür, wer den Raum oder eventuell die Räume und die Kosten für die Ausstattung und den Betrieb trägt. In meinem Kreis gibt es sieben Kommunen. Wenn hier beispielsweise der Kreis einen Raum am Berufskolleg zur Verfügung stellte und die Infrastruktur (WLAN und Internetanbindung) und die Kommunen jeweils 1.000 € beisteuerten für die Ausstattung, dann wäre diese Idee finanziell umsetzbar. Da das Berufskolleg ohnehin technisch gut ausgestattet ist und bezüglich der IT betreut wird, könnte dieser eine Raum problemlos mit betreut werden. Denkbar wäre auch, dass der Raum vom Medienzentrum zur Verfügung gestellt wird. In größeren Städten mit großen Medienzentren nutzen Medienberater diese Räume schon lange für Fortbildungen. Das Kompetenzteam würde das Personal stellen. Die Freistellung von Lehrkräften für das Praxisseminar für eine ganze Woche wird für die Schulen nicht einfach sein und je nach Größe zu Belastungen führen. Es wäre ja im Prinzip so, als wäre auf Dauer einer Woche eine Lehrkraft krank, fehlt und muss vertreten werden. Normal müssen Schulen das irgendwie auffangen. Hier müsste vom Land Unterstützung kommen durch zusätzliche Lehrkräfte.

Würde sich meine Idee umsetzen lassen, wäre der Anschub für den digitalen Wandel in unseren Schulen sicherlich deutlich größer, als wenn man die Veränderung über Fortbildungen, wie ich sie zur Zeit in der Praxis erlebe, in Gang setzen will. Bei mir am Kreis werde ich mal werben für die Idee. Vielleicht zerplatzt meine Vorstellung wie eine Seifenblase, keine Ahnung, einen Versuch ist es mir aber Wert.

5 Mrd. € DigitalPakt#D sorgt für Goldgräberstimmung

Posted in Medienwelt, Schulentwicklung, Schulpolitik by damianduchamps on Oktober 13, 2016

Es ist schon interessant, welche Welle Frau Wanka mit ihrer Ankündigung des DigitalPakt#D lostritt. Um 5 Mrd. € geht es, die für 40.000 Schulen bis 2021 vom Bund bereitgestellt werden sollen. Überall bricht mit einem mal eine digitale Goldgräberstimmung aus und dabei sprechen wir bisher nur von einer Ankündigung. Man meint, das Geld schon zu riechen, doch es ist noch nicht einmal in der Haushaltsplanung des Bundes vorgesehen, zumindest offiziell noch nicht. Und dann ist da noch das  rechtlich wackelige Konstrukt des Artikel 91c im Grundgesetz, welches eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Informationstechnik zulasse, wo eine Kooperation sonst verboten ist.

In Regierungskreisen muss da schon länger etwas in Planung gewesen sein, denn schon im Mai 2015 meinte Prof. Dr. Wilfried Bos vom Institut für Schulentwicklungsforschung der Technischen Universität Dortmund als er auf einer Veranstaltung in Münster (Schulträgertagung, 29. April 2015) die Ergebnisse von ICILS vorstellte, die Koalition plane ein Milliardenprogramm. Er fügte jedoch auch direkt dazu, wenn dieses so liefe wie das Programm zum Ganztag, wo mit den Geldern überall einfach nur Mensen gebaut wurden, dann könne man es direkt vergessen. Das Video (51 min.) ist übrigens sehenswert, da es viele der aktuell diskutierten Punkte zur Umsetzung des DigitalPakt#D anspricht.

5 Mrd. € ist eine Menge Geld. Wie einige ausgerechnet haben, ist es dann auf die einzelne Schule gerechnet doch nicht so viel und dann ist ja noch die Frage, wie viel tatsächlich vor Ort ankommen wird. In der Industrie reibt man sich sicher schon die Hände. Wie es scheint, waren ja auch Experten aus diversen Stiftungen an der Erarbeitung des Programms nicht unwesentlich beteiligt.

Das DigitalPakt#D Programm soll zwar erst 2017 starten, doch schon bringen sich die verschiedenen Player in Position. Claims sind abzustecken. Wer kann was und wer soll was? Zuständigkeiten werden im Konzept zwar angesprochen, müssen für die Praxis jedoch noch genau ausgelotet werden. Der Bund, die Länder, die Kommunen, die Schulen, es ist ein weites Feld. Absprachen sind erforderlich, über Ländergrenzen hinaus. So sollen sich die Länder „auf ländergemeinsame technische Standards“ verpflichten. NRW ist gerade dabei Logineo NRW zu installieren. Das ist ein Standard, von dem noch nicht einmal sicher ist, ob sich die Schulen und Schulträger in NRW darauf einlassen werden, und nun soll ein ländergemeinsamer Standard her. In Hamburg nutzt man auch Logineo, doch kann NRW diesen Standard länderübergreifend einbringen? Auch das Hasso Plattner Institut scheint schon in Position mit der School-Cloud. Mit einem Pilot-Forschungsvorhaben hat man sich bereits versucht, einen vorderen Platz zu sichern. Es werden aber auch andere Player aus der Industrie nicht untätig warten, denn es lockt die Aussicht auf große Aufträge. Microsoft, Bertelsmann, die Schulbuchverlage, Plattformbetreiber, Hardwarehersteller, alle wollen dabei sein. 5 Mrd. auf 5 Jahre und damit wird es nicht enden, denn Hardware muss aktualisiert werden, Lizenzen für Software und Inhalte laufen nicht ewig. Wenn DigitalPakt#D funktioniert, dann zieht das Folgekosten hinter sich her, über die sich jetzt noch keiner Gedanken macht. Bildung kostet Geld und billiger als aktuell wird es ziemlich sicher nicht werden, eher teurer.

Es wird definitiv spannend werden. Schulen sollen ein überzeugendes Konzept vorlegen. Dieses ist Voraussetzung für die Förderung. Alternativ kann es auch ein Konzept des Schulträgers sein. Und damit nicht „einzelne Schulen mit der Erstellung eines Medienentwicklungskonzeptes überlastet sind,“ ist es möglich, dass die Schulträger ein Konzept entwickeln und entsprechend sinnvolle zentralisierte Strukturen aufbauen, die dann gefördert werden. (Wenn ich da an meinen Schulträger denke, dann wird man dort direkt für die Schulen entscheiden und den Schulen eine Struktur überstülpen.) Entsprechend bringt sich deshalb in NRW die Medienberatung in Position. Zu Gute Schule 2020 kommt nun noch der DigitalPakt#D hinzu. Schulen und Schulträger sind zu beraten, eine Herkulesaufgabe, die da auf die Medienberaterinnen und -berater zukommt. In anderen Bundesländer wird es bei den entsprechenden Institutionen ähnlich sein. Da sich viele Schulen bisher noch nicht auf den Weg gemacht haben und nicht mehr vorweisen können als PC-Räume, Medienecken, ein paar interaktive Whiteboards, ein wenig Schulung zum Handling von Office Anwendungen und Prävention, mit Medienkonzepten, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt sind, ist der Beratungsbedarf entsprechend hoch. Wer etwas abhaben will vom Kuchen, muss ein Konzept vorlegen können „zur Umsetzung digitaler Bildung auf Basis vorab festgelegter Kriterien.“ (Welche Kriterien dieses sind, wer sie festlegt und wer die Einhaltung prüft, ist scheinbar noch offen.)

Wie der DigitalPakt#D bei den Schulen selbst ankommen wird, muss man sehen. Ich vermute mal, die armen Lehrerinnen und Lehrer, von denen sich viele gerade in den wohlverdienten Herbstferien befinden, sehen eine riesige Lawine auf sich zu rollen, eine Lawine, deren Dimensionen sich nicht abschätzen lassen für den Einzelnen. Viele Schulen konnten sich dem Wandel bisher entziehen. Auf die altbewährte Art und Weise ging es ja auch noch immer. Diese Zeiten werden nun endgültig vorbei sein schätze ich. Sich dem Sog der digitalen Welt zu entziehen, wird nicht länger gelingen. Die Digger schnüren ihre Ranzen, packen die Werkzeuge und beladen die Wagen. Sie sind bereit, ihre Pfosten einzuschlagen und ihre Claims abzustecken, in jeder Schule, an jedem Arbeitsplatz, in jedem Klassenzimmer, in jeder Schultasche. Es riecht nach Gold …

 

#chat16 – Nachlese – Teil 1 – MIFD

Posted in Individuelle Förderung, Schulentwicklung, Tools by damianduchamps on Oktober 9, 2016

Nachdem ich mir einen kräftigen Tritt in den Allerwertesten gegeben hatte, war ich tatsächlich auch meiner Höhle gekommen und hatte mich aus dem südlichen Sauerland auf den Weg nach Hattingen gemacht. Es hat sich gelohnt, wie ich finde. Hier meine Nachlese.

MIFD (Modell individuelle Förderung digital)

Diese Session war für mich persönlich der größte Gewinn, da das Modell, welches Jan Hambusch (@teachham) und Tobias Rodemerk (@integrate2learn) vorstellten, mich bei meiner Arbeit ein ganzes Stück weiterbringen wird.

Infos über das Modell und einen Download des Posters mit dem Modell gibt es unter integrate2learn.de.

Gemäß der Vorgabe:

Frage nicht, „Welche App kann ich in Mathe verwenden?“ Frage: „Wie kann ich meinen Unterricht mit Tablets verändern?“

entstand ein Modell mit drei zentralen Handlungsfeldern für die individuelle Förderung mit digitalen Tools. Eine Grundlage bei der Erarbeitung des Modells war die Hattie Studie, worin die Wirksamkeit verschiedener Faktoren für das Gelingen von gutem Unterricht untersucht wurde. Die drei zentralen Elemente guten Unterrichts sind demnach die Klassenführung, die Diagnose und die Lernzeitgestaltung. Jedem dieser Elemente ist im Modell eine Handlungsebene untergeordnet mit jeweils drei Elementen, die um ihre Effektivität nach John Hattie ergänzt sind. Der Handlungsebene sind jeweils in einem weiteren Ring Eigenschaften von Apps zugeordnet und was diese zur Umsetzung der Handlungen auf der Handlungsebene beitragen können. Auf der äußersten Ebene, dem äußeren Ring, werden dann Apps aufgeführt, welche diese Eigenschaften haben. Berücksichtigt wurde bei der Auswahl der Apps auch das Kriterium Datenschutz. Über Ringe um die Apps in grün, gelb und rot wird markiert, ob sich die Apps in Bezug auf Datenschutz der Schüler ohne Bedenken einsetzen lassen, nur mit Einschränkungen oder ob die Risiken vielleicht zu hoch sein könnten.

Die Vorstellung des Modells beschränkte sich nicht auf dieses selbst, sondern wurde mit praktischen Beispielen fortgeführt. Am Beispiel verschiedener Apps/Online Tools wurde das Modell in Ausschnitten beleuchtet.

Ein Beispiel war etwa no red ink, welches Jan Hambusch im Englischunterricht am Berufskolleg einsetzt. Vorgestellt wurde auch formative als eine Möglichkeit für Lehrer, unmittelbares Feedback zu einer Aufgabe zu geben, während die Schüler daran arbeiten. Das Schöne dabei ist, dass der Lehrer die Arbeit aller Schüler direkt im Blick hat und sofort Unterstützung anbieten kann. Ein Tool wie dieses könnte Lehrer dazu verleiten, direkt Druck auf Schüler auszuüben, wenn diese nicht sofort mit der Arbeit beginnen oder eine Zeit lang nichts tun. Klar, dass dieses keine zuträgliche Idee wäre.

In seinem Englischunterricht lässt Jan Hambusch auch Videos erstellen. Hier nutzt er dann Coach’s eye Feedback durch eine direkte Annotierung im Video zu geben. Dieses sei deutlich effektiver als ein Feedback im Anschluss, da man so die Rückmeldung direkt an der Stelle gibt, wo sie inhaltlich hingehört.

Ein Beispiel für Audiofeedback am Beispiel Englischunterricht gab es ebenfalls. Schüler hatten den Auftrag, etwas zu sprechen und dieses aufzunehmen. Feedback erhalten sie durch ihre Mitschüler, mit denen sie ihre Aufnahme teilen, ebenfalls im Audioformat. Dieses sei sehr effektiv, meinte Jan Hambusch, da Schüler sehr wohl in der Lage seien, Fehler bei ihren Mitschülern zu erkennen. Die im Beispiel genutzte App war eine iPad App, Opinion Podcast, die eigentlich für das Erstellen von Podcasts gedacht ist. Sie bietet aber auch die Möglichkeit, Aufnahmen zu teilen. Das Verfahren ist auch mit anderen Apps möglich, solange sie eine Funktion haben, die eine Weitergabe der Aufnahme an andere erlaubt.

MIFD, das Modell individuelle Förderung digital, stellt für mich das erste umfassende und sachlich fundierte Konzept dar, individuelle Förderung in der Schule mit digitalen Möglichkeiten systematisch zu integrieren. Die Möglichkeiten, die sich für Unterricht bieten, sind enorm, und wer nach dem berühmten Mehrwert des Einsatzes von digitalen Tools im Unterricht sucht, der muss blind sein oder ideologisch völlig anti digital verbohrt, wenn er/sie ihn hier nicht erkennt.

Mir wird das Modell nicht nur bei der Weiterentwicklung meines eigenen Unterrichts wertvolle Anregungen bieten, sondern auch bei meinen zukünftigen Beratungen  von Schulen und Fortbildungen von Lehrern eine wichtige Rolle spielen.

Weitere Lektüre: MIFD in der Praxis: Diagnose und Selbsteinschätzung