Damian Duchamps' Blog

Warum ich mir wegen dieser Seite in Bezug auf Datenschutz keine Sorgen mache

Posted in Uncategorized by damianduchamps on Mai 19, 2018

Seit Wochen schon habe ich auf dieser Website eine Datenschutzerklärung und ein Impressum, nicht einfach so, sondern weil ich mich mit der Thematik auseinandergesetzt habe. Mit diesem kleinen Beitrag möchte ich kurz erklären, warum ich mir bei dieser kostenlosen WordPress.com Website keine Sorgen mache, in irgendeinen Konflikt mit den neuen Vorgaben der Datenschutz Grundverordnung zu kommen. Meine Darstellung in einem Google Doc hat einige Diskussion ausgelöst, zu Recht. Denen, die diese Darstellung in Frage gestellt haben, möchte ich hiermit danken. Es war wohl etwas zu sehr vereinfacht und auch sachlich nicht korrekt. Ich betrachte im Folgenden nur die WordPress.com free Variante. Zum Personal Plan schreibe ich am Schluss etwas.

Die beiden Fragen, um die es hier vor allem geht, sind:

  1. Brauche ich für eine kostenlose WordPress Seite eine Datenschutzerklärung und wenn ja, wie muss sie aussehen?

  2. Kann ich bei einer kostenlosen WordPress Seite wegen fehlender oder fehlerhafter Datenschutzerklärung abgemahnt oder mit einem Bußgeld belegt werden?

Die Datenschutzerklärung ist im Zusammenhang mit der Informationspflicht nach der DSGVO zu sehen.

Was sagt die DSGVO zum Thema Informationspflicht?

Nach der Datenschutz Grundverordnung haben Bürger der EU ein Recht darauf, informiert zu werden, wenn personenbezogene Daten direkt bei ihnen erhoben werden (Art. 13 DSGVO). Das ist bei einer WordPress Seite sicherlich der Fall, auch bei einer kostenlosen. Gemäß Art. 12 DSGVO trifft der Verantwortlichegeeignete Maßnahmen, um der betroffenen Person alle Informationen gemäß den Artikeln 13 und 14 und alle Mitteilungen gemäß den Artikeln 15 bis 22 und Artikel 34, die sich auf die Verarbeitung beziehen, in präziser, transparenter, verständlicher und leicht zugänglicher Form in einer klaren und einfachen Sprache zu übermitteln„.

Es geht hier um den Verantwortlichen. Die Frage ist nun, wer ist bei der kostenlosen WordPress Variante der Verantwortliche?

Wie definiert die DSGVO einen Verantwortlichen?

Nach Art. 4 Abs 7 meint „„Verantwortlicher“ die natürliche oder juristische Person, Behörde, Einrichtung oder andere Stelle, die allein oder gemeinsam mit anderen über die Zwecke und Mittel der Verarbeitung von personenbezogenen Daten entscheidet;“

Der normale Blogger ist in der Regel eine natürliche Person. Wird die WordPress Seite von mehreren Personen betrieben, hat man mehrere natürliche Personen. Entscheiden diese nun tatsächlich alleine bzw. gemeinsam? Um das beurteilen zu können, muss man sich näher mit WordPress und seiner Verarbeitung von personenbezogenen Daten beschäftigen.

Kontrolle über die „Zwecke und Mittel der Verarbeitung von personenbezogenen Daten“

Kontrolle durch den Seitenbetreiber

Bei einem kostenlosen WordPress hat die Person, welche es betreibt, im Vergleich zu selbst gehosteten oder dem Premium und Business Paket nur eine stark beschränkte Möglichkeit, die Verarbeitung von personenbezogenen Daten zu beeinflussen.

Funktionen

Dazu gehört:

  • Kommentare zulassen oder abschalten
  • Bei aktivierter Kommentarfunktion, Angabe von E-Mail und Name einfordern
  • Kommentare nur nach Nutzerregistrierung zulassen
  • Kommentare moderieren
  • Nutzerregistrierung zulassen oder abschalten
  • Kommentare verfolgen aktivieren oder deaktivieren
  • Blog folgen aktivieren oder deaktivieren
  • Social Media Sharing aktivieren
Zusatzfunktionen

Außerdem ist es möglich, über Wigets zusätzliche Funktionen zu aktivieren, welche eine zusätzliche Erhebung und Verarbeitung personenbezogener Daten zur Folge haben. Dazu gehören die Einbindung:

  • einer Google Maps Karte mit dem eigenen Standort
  • einer Google Translate Funktion
  • des eigenen Instagram
  • des eigenen Goodreads
  • der Twitter Timline
  • von Google Videos
  • der Funktion dem Blog per E-Mail zu folgen
  • einer Newsletter Funktion über MailChimp
  • eines EventBrite Calenders

Kontrolle durch Automattic/Worpress

Sämtliche Basisfunktionen können jedoch nicht beeinflusst werden. Hier bestimmt alleine WordPress über Zwecke und Mittel der Verarbeitung von personenbezogenen Daten. Dazu gehört:

  • die Erfassung und Auswertung der User IP und weiterer Daten zu Browser, Betriebssystem, Ort, Zeit, …
  • die Schaltung von Werbung
  • das Setzen von Cookies, soweit sie nicht mit den oben genannten Funktionen zusammenhängen
  • das Nutzung von Google Web Fonts
  • die Auswertung mit Google Analytics
  • die Verarbeitung der Daten auf Servern mit unbestimmter Lokalität
  • das Tracking durch diverse in WordPress integrierte Dienste

Diese Kontrolle über Zwecke und Mittel der Verarbeitung von personenbezogenen Daten durch WordPress geht weit über die hinaus, die ein normaler Hoster hat, wenn man dort sein WordPress installiert. Selbst wenn der Betreiber der WordPress Seite keinerlei Gewinnerzielungsabsicht verfolgt, so ist ganz klar, dass WordPress diese verfolgt und genau dafür auch sehr gezielt Daten der Besucher und Nutzer der kostenlosen WordPress Seiten verarbeitet, spricht auswertet.

Was bedeutet das nun für die Verantwortlichkeit?

Aus der bisherigen Beschreibung sollte klar geworden sein, dass der Betreiber der kostenlosen WordPress Seite definitiv nicht alleine die Verantwortung trägt. Er trägt aber zumindest einen Teil der Verantwortung trägt für die Verarbeitung von personenbezogenen Daten der Besucher und Nutzer seiner Seite. Der andere Teil der Verantwortung liegt jedoch eindeutig nicht bei ihm, sondern bei Automattic, der Firma hinter WordPress.com.

Wenn der Betreiber einer WordPress Seite sämtliche Funktionen deaktiviert, die zu einer Verarbeitung von personenbezogenen Daten führen und keine Zusatzfunktionen aktiviert, könnte man argumentieren, dass er dann im Sinne der DSGVO auch nicht mehr als Verantwortlicher über „Zwecke und Mittel der Verarbeitung von personenbezogenen Daten entscheidet;„. Anders herum könnte man jedoch argumentieren, dass wer entscheidet, ob bestimmte personenbezogene Daten nicht verarbeitet werden oder nicht, indem er Funktionen von WordPress deaktiviert bzw. nicht aktiviert, damit auch ein Verantwortlicher ist.

Ich bin nicht der Meinung, dass man eine Verantwortung für sämtliche auf einer kostenlosen WordPress Seite verarbeiteten Daten der Person zuweisen kann, welche die Seite betreibt, weil sie sich entschieden hat, dieses Angebot für das Betreiben ihrer Website zu nutzen. Das „vertragliche“ Verhältnis von WordPress Website Betreiber und Automattic entspricht auch keiner klassischen Auftragsverarbeitung, da Automattic dem Betreiber der Website gegenüber nicht weisungsgebunden ist.

Der Betreiber trägt so, gemäß der Definition der DSGVO, gemeinsam mit Automattic die Verantwortung.

Was bedeutet das nun in Bezug auf eine Datenschutzerklärung?

Es ist also definitiv zu empfehlen, dass der Betreiber einer kostenlosen WordPress Seite eine Datenschutzerklärung in seine Seite integriert und darüber hinaus (nach aktuellem Stand, Mai 2018) bei den Widgets auch die Anzeige des EU Cookie Law Banners aktiviert.

Wie diese Datenschutzerklärung nun aussehen sollte, hängt nach meiner Einschätzung sehr davon ab, wie viel Einfluss man als Betreiber der Website auf die Erhebung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten der Besucher und Nutzer nimmt.

Keine Funktionen aktiviert = weniger verantwortlich

Wer alle Funktionen abschaltet, die zu einer Erhebung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten führen (keine Kommentare, kein Folgen, …), und auch keine Widgets aktiviert, die dieses zur Folge haben, ist zwar (mit großer Wahrscheinlichkeit) noch immer ein Verantwortlicher nach der DSGVO, kann jedoch für den größeren Teil der Verantwortlichkeit auf WordPress/Automattic verweisen.

Entsprechend sollte die Datenschutzerklärung auf die Tatsache hinweisen, dass es sich bei der Website um eine kostenlose WordPress Site handelt und dass dort durch den Anbieter Automattic personenbezogenen Daten erhoben und verarbeitet werden, dass man darauf jedoch keinen Einfluss hat und man sich entsprechend zur Wahrnehmung seiner Rechte auf Auskunft, Löschung und Sperrung an Automattic wenden muss. Das alles wird durch einen Link zur Datenschutzerklärung von Automattic ergänzt.

Es ist sicher kein Fehler, wenn man einige grundlegende Informationen zum Datenschutz angibt bezüglich SSL, Cookies, Referrer und Server Logfiles.

mehr Funktionen aktiviert = mehr Verantwortung

Wer in seiner kostenlosen WordPress Site einige oder alle der oben beschriebenen Funktionen aktiviert lässt bzw. aktiviert und/oder Zusatzfunktionen in Betrieb nimmt oder möglicherweise auch Affiliate Links einbindet, der trägt damit ganz eindeutig Verantwortung. Entsprechend ist der Betreiber verpflichtet, den Besuchern und Nutzern seiner Seite alle nach der DSGVO erforderlichen Informationen bezüglich der Verarbeitung von personenbezogenen Daten zu geben. Das heißt, es muss eine Information zu jeder aktiven Funktion und der damit verbundenen Verarbeitung von personenbezogenen Daten in die Datenschutzerklärung aufgenommen werden: die Kommentar Funktion, die Folgen Funktion, die Benachrichtigung über neue Posts per E-Mail Funktion usw. Je nach Funktion ist auch ein Hinweis auf eine Datenübermittlung an Dritte erforderlich.

Ganz egal, welche Funktionen des kostenlosen WordPress man nutzt, ein Hinweis auf die Datenschutzerklärung von WordPress.com ist immer unverzichtbar.

WordPress Personal Plan

Der Personal Plan von WordPress kostet Geld. Die Zahl der angebotenen Funktionen ist etwas größer, die Möglichkeit auf die Verarbeitung von personenbezogenen Daten Einfluss zu nehmen, damit auch. Sehr weit scheinen sich die Einflussmöglichkeiten vom kostenlosen WordPress in Bezug auf personenbezogene Daten jedoch nicht zu unterscheiden. Von daher sollten die Angaben zum kostenlosen WordPress sich weitestgehend übertragen lassen. Automattic schaltet hier zwar keine Anzeigen, wird möglicherweise jedoch trotzdem Daten auswerten. Dieses wäre zu prüfen. Falls Automattic wirklich nur Daten im Auftrag des zahlenden Kunden verarbeitet, wäre auch ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung abzuschließen.

Spielt die Gewinnerzielungsabsicht eine Rolle bezüglich einer Datenschutzerklärung?

Ist der Betrieb einer Website mit einer Gewinnerzielungsabsicht verbunden, so leitet sich daraus nicht direkt die Erfordernis nach einer Datenschutzerklärung ab. Dieser Punkt ist eher von Bedeutung, wenn es um die Impressumspflicht geht. Bindet man beispielsweise Affiliate Links zu Amazon ein, so ergibt sich darauf, egal ob dieses bei einem kostenlosen oder kostenpflichtigen WordPress erfolgt, die Erfordernis, in der Datenschutzerklärung auf die damit verbundene Erhebung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten hinzuweisen. Gleiches gilt, wenn ich ein Analytics Tool nutze, um die Inhalte meiner Seite mit dem Ziel einer besseren Bewerbung eines Buches zu optimieren. Ein anderes Thema sind jedoch Abmahnungen.

Kann man für eine kostenlose WordPress Website abgemahnt oder mit Bußgeld belegt werden?

Solange man eine Webseite ohne kommerzielle Interessen betreibt, gibt es für andere kaum Angriffsfläche.

Abmahnungen

Ohne kommerzielle Interessen bzw. Gewinnerzielungsabsicht ist kein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht möglich. Abmahnungen könnten höchstens das Urheberrecht betreffen oder die Verletzung von Persönlichkeitsrechten.

Bußgeld

Eine Beschwerde bei den Aufsichtsbehörden ist eigentlich nur dann zu erwarten, wenn über die Webseite gegen Vorgaben der Datenschutzgesetzgebung verstoßen wird. Das könnte der Fall sein, wenn man beispielsweise einer Löschaufforderung nicht nachkommt oder man ohne Information der Betroffenen und ohne rechtliche Grundlage gesammelte Nutzerdaten (z.B. E-Mail Adressen, Namen) an Dritte verkauft oder für unerwünschte Werbemails nutzt. Auch das Fehlen einer Datenschutzerklärung selbst könnte durchaus ein Beschwerdegrund sein, vor allem, wenn die Website sich nicht auf die grundlegenden Funktionen beschränkt und nicht sämtliche Optionen ausgenutzt wurden, die Erhebung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten auf das Minimum zu begrenzen (siehe oben).
Sollte es zu einer Beschwerde bei den Aufsichtsbehörden kommen, so ist auch hier mit einem Bußgeld nicht in jedem Fall zu rechnen. Zunächst würde eine Stellungnahme eingefordert. Dann gäbe es immer noch Zeit und Gelegenheit, zu reagieren und Veränderungen vorzunehmen, falls dieses möglich ist.
Solange man auf die Datenschutzerklärung des Anbieters verweist und in der eigenen Datenschutzerklärung die Datenerhebung durch den Anbieter so gut wie möglich erklärt, sollte man der Verpflichtung zum Führen einer Datenschutzerklärung ausreichend nachgekommen sein.
Die Wahrscheinlichkeit, dass man durch Veröffentlichung von Daten über die Webseite auf Schadensersatz verklagt werden kann, ist ebenfalls sehr gering, vor allem dann, wenn man keine Nutzerdaten, etwa solche, die über die Kommentarfunktion erhoben werden (zum Beispiel Nutzername und E-Mail-Adresse) veröffentlicht.

Schadenersatz

Nichts ist unmöglich. Im Prinzip wäre es auch denkbar, egal ob eine Website auf dem kostenlosen WordPress betrieben oder selbst gehostet wird, dass aus einem Verstoß gegen die Vorgaben der DSGVO auf einer Website eine Schadensersatzforderung abgeleitet wird, weil dem Betroffenen ein Schaden entstanden ist.

Fazit

Nachdem ich mich jetzt noch einmal sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt habe und dank der Einwendungen und Anregungen von Andreas Kalt, Axel Krommer, Armin Hanisch, Bildungsdings und Maik Riecken sollte ich mit diesem Beitrag jetzt mehr Klarheit in das Thema gebracht haben.

Auch bei kostenlosen WordPress Seiten sollte man eine Datenschutzerklärung haben, die zumindest in Grundzügen erklärt, dass die Seite kostenlos genutzt wird, es dadurch in bestimmten Bereichen keinen Möglichkeiten gibt, die Zwecke und Mittel der Verarbeitung von personenbezogenen Daten zu beeinflussen und in diesem Bereich die Datenschutzerklärung von Automattic gilt. Außerdem sollten für alle Funktionen, die man als Betreiber der Seite selbst beeinflussen kann, soweit man sie nutzt, in der Datenschutzerklärung Informationen gegeben werden. Und da ich es auf dieser Seite entsprechend halte mit der Datenschutzerklärung (und dem Impressum) mache ich mir keine Sorgen.

Nachtrag

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Datenschutz und Schule – wo ansetzen?

Posted in Datenschutz, Google Classroom, Schule und Recht by damianduchamps on April 2, 2018

Meinen letzten Beitrag “Zu Hülfe, der Datenschutz …” hatte ich mit dem Fazit geschlossen “Es müssen nur alle wollen, endlich Stellung beziehen und Schulen und Lehrkräften unterstützend zur Seite stehen.” Bei Twitter stellte später Matthias Förtsch die Frage, wer denn “alle” seien und wo man hier ansetzen müsse.

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Im Beitrag hatte ich die Verantwortlichen zwar genannt, möchte hier aber noch einmal konkreter werden.

Das grundlegende Problem für Schulen besteht aktuell darin, dass Lehrkräfte bestimmte Softwareprodukte und Plattformen im Unterricht nutzen möchten, es jedoch in den wenigsten Fällen rechtsverbindliche Aussagen von vorgesetzten Dienststellen gibt, ob und wie die Nutzung in Bezug auf datenschutzrechtliche Vorgaben möglich ist. Die daraus resultierende Unsicherheit bei Lehrern, Schulleitungen und Schulträgern führt dazu, dass viele Lösungen in Schule nie oder nur unbefriedigend realisiert werden können, was zu einer zusätzlichen Erschwernis bei der Entwicklung des Unterrichts mit digitalen Medien führt.

Ein Beispiel aus NRW – keine Hilfe ist wenig hilfreich

Symptomatisch hierfür ist für mich ein Beispiel aus NRW. Hier ging es um ein Berufskolleg, welches Office 365 im Unterricht einsetzen möchte. Man war sich nicht sicher, ob bzw. Wie dieses datenschutzrechtlich möglich ist. Eine Anfrage im Dezember 2016 bei der Landesdatenschutzbehörde erbrachte als Ergebnis lediglich, dass ein Bundesländer übergreifendes Verfahren zur datenschutzrechtlichen Beurteilung von Microsoft Office 365 noch nicht abgeschlossen sei, da Microsoft nicht alle Fragen verbindlich beantwortet habe, und außerdem sei es ohnehin das Ministerium für Schule und Bildung, welches die “datenschutzrechtliche Ressortverantwortung” trage. Eine Empfehlung könne man von Seiten der LDI für die Nutzung von Office 365 wegen der ungeklärten Fragen nicht aussprechen. In einer Antwort bestätigt das Ministerium für Schule und Bildung seine Verantwortung, “der Hinweis der LDI auf die Verantwortung des MSW für die Einhaltung des Datenschutzes im Schulbereich ist ohne jeden Zweifel zutreffend” und verweist dann auf den zuständigen schulischen Datenschutzbeauftragten und ergänzt, dass man “als oberste Landesbehörde die Bearbeitung aller Einzelfälle zu Fragen des schulischen Datenschutzes” nicht übernehmen könne. Dass es hierbei eigentlich nicht um einen Einzelfall, sondern um eine grundsätzliche Frage geht, scheint man nicht zu sehen, will man vielleicht auch nicht sehen. Das Ende vom Lied, es hat sich bis heute nichts getan. Die Schule kommt nicht weiter, wie so viele andere.

Beispiele aus anderen Bundesländern – wo etwas geht

Dass es auch völlig anders gehen kann, zeigt das Beispiel Hessen, wo der dortige Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (LDI) sich im August 2017 ganz klar positionierte in Bezug auf die Nutzung von Office 365 unter Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorgaben. Er kommt zu dem Schluss, dass eine Nutzung im pädagogischen Bereich möglich ist und erklärt, was dabei zu beachten ist.

Vergleichbar ist eine offizielle Stellungnahme der LDI von Rheinland Pfalz zu den Anforderungen für den schulischen Einsatz von Google-Classroom und Cloud Angeboten wie Office 365 und Google generell.

Auch in Niedersachsen äußerte sich in einem Tätigkeitsbericht die Landesbeauftragte für Datenschutz zur Nutzung der Cloud Version von Office 365. Sie kam in ihrem Tätigkeitsbericht für 2013/14 zu dem Schluss, dass eine Nutzung nicht zulässig wäre (Anmerkung: das Cloud Angebot entsprach zu der Zeit noch nicht der aktuellen Variante).

In Baden-Württemberg nimmt das Kultusministerium ganz aktuell in der FAQ Datenschutz an Schulen EUDSGVO (03/2018) Stellung zum Thema Cloud Computing und sagt, unter welchen Bedingungen die Nutzung möglich ist und was getan werden muss. Genannt werden als Beispiele Beispiele für Cloud-Computing “Dropbox, Microsoft Cloud Services (z.B. Office365, Azure), Google Drive, iCloud sowie weitere Web 2.0 Anwendungen.” Abschließend gibt sie sogar eine Empfehlung ab. Das ginge sicher noch besser, etwa über einen Rahmenvertrag (siehe unten Beispiel Kanton Zürich) doch hiermit haben Schulen schon einmal eine klare Handlungsmöglichkeit.

Die Zuständigen: Schulministerien und Landesdatenschutzbehörden

Die Zuständigkeiten sind, was Schule und Datenschutz in grundsätzlichen Fragen angeht, eigentlich klar. Das jeweilige Schulministerium eines jeden Bundeslandes trägt die datenschutzrechtliche Ressortverantwortung. Damit liegt es auch an diesen Ministerien, die Schulen zu unterstützen und rechtlich abzusichern, vor allem wenn es um grundlegende Fragen geht. Office 365, G-Suite for Education und Apple und seine Bildungsangebote gehören heute zu den Produkten, welche Schulen vorrangig einsetzen möchten. Oft tun sie dieses auch schon, dann aber entweder mit Einschränkungen und Behelfslösungen oder ohne datenschutzrechtliche Absicherung in einer rechtlichen Grauzone. Und das ist kein haltbarer Zustand.

Neben den Schulministerien spielen jedoch auch die Landesdatenschutzbehörden eine Rolle, wie die Beispiele aus Hessen, Rheinland Pfalz und Niedersachsen deutlich zeigen.

Wie es gehen könnte

Das Beispiel der jetzt kurz vor Inkrafttreten stehenden Datenschutz Grundverordnung zeigt sehr gut, wie Organisationen mit dem Thema Datenschutz umgehen. Man beauftragt in der Regel Juristen damit, die Prozesse innerhalb der Organisation auf die Konformität mit den rechtlichen Vorgaben zu überprüfen und bei Bedarf entsprechende Anpassungen auszuarbeiten. Die Juristen stammen bei großen Organisationen aus der eigenen Rechtsabteilung, bei kleineren Organisationen bedient man sich externer Fachleute. Dieses Vorgehen findet man in der Wirtschaft bei Einzelunternehmen und Verbänden wie auch in Behörden.

Entsprechend dieser Strukturen gibt es auch Mechanismen, die in Gang gesetzt werden, wenn in laufenden Prozessen datenschutzrechtliche Fragestellungen oder Probleme auftreten.

Will eine Organisation die Dienste eines großen Anbieters wie Microsoft, Google, Apple, SAP oder ähnlich nutzen, dann werden hier Verträge abgeschlossen. Und auch hier greifen wieder die Strukturen der Organisation. Es wird geprüft, rechtlich geprüft, ob Dienste des Anbieters den eigenen Ansprüchen in Bezug auf Vertraulichkeit wie aber auch den Vorgaben in Bezug auf den Datenschutz, so zutreffend, entsprechen. Die großen Anbieter digitaler Dienstleistungen verfügen in der Regel über fertige Vertragswerke. Außerdem lassen sich die großen Anbieter von verschiedenen Organisationen zertifizieren. Über die Zertifizierung kann leicht nachgewiesen werden, ob bestimmte rechtliche Vorgaben und Standards eingehalten werden. Wenn dieses nicht ausreichend ist oder den Vorstellungen der Organisation entspricht, wird mit dem Anbieter verhandelt. In der Folge werden Vertragswerke angepasst und bei Bedarf auch Anpassungen an den Diensten des Anbieters entsprechend der Vorgaben der Organisation vorgenommen.

Geht es um die Nutzung von Software oder Cloud-Diensten in Behörden, Universitäten und Schulen werden in der Regel sogenannte Rahmenverträge abgeschlossen. Es kommt dabei jedoch auch darauf an, wer den Rahmenvertrag aushandelt und abschließt. Wie ein solcher Rahmenvertrag für Schulen aussehen könnte, zeigt das Beispiel des Kantons Zürich in der Schweiz. Hier wurde zur datenschutzkonformen Bearbeitung von Personendaten über das Schweizer Medieninstitut für Bildung und Kultur (educa.ch) mit Microsoft ein Rahmenvertrag für den Einsatz von Office 365 in den Primar- und Sekundarschulen geschlossen. Eine Übersicht auf den Seiten des Datenschutzbeauftragten des Kanton Zürich zeigt an, welche Office 365 Komponenten innerhalb des Rahmenvertrages datenschutzkonform genutzt werden können. Bevor dieser Rahmenvertrag möglich wurde, sorgte man in der Schweiz durch eine Vertragsanpassung mit Microsoft dafür, dass die Office 365 Cloud-Dienste von Schulen datenschutzrechtlich unbedenklich eingesetzt werden können.

Auch in Österreich hat man eine Lösung für Schulen geschaffen. Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung hat einen Rahmenvertrag mit Microsoft abgeschlossen. Schulen können die Cloud Lösung von MS Office 365 datenschutzrechtlich sicher nutzen. Welche Bedingungen erfüllt werden müssen, ist klar genannt, eine Einwilligung der Schüler und eine Weiterleitung der Schülerdaten an Microsoft durch die Schule selbst.

Einen Rahmenvertrag gibt es in Deutschland schon

Rahmenverträge mit Microsoft gibt es in Deutschland bereits, für Schulen den mit FWU. Dieser „FWU-Vertrag“ 3.0 wurde Ende 2016 abgeschlossen mit dem Ziel „viele Möglichkeiten der Nutzung von Cloud-Diensten, um für Schulen, Lehrende und Schüler/innen gemeinsam eine moderne und zukunftssichere Lehr- und Lernumgebung zu gestalten.“ Das Problem bei diesem Rahmenvertrag ist jedoch, wie das Beispiel aus NRW zeigt, dass er ohne verbindliche Aussagen des Schulministeriums oder der Landesdatenschutzbehörde für Schulen wertlos ist. Die Aussagen gibt es nicht, da die beiden Behörden mit größter Wahrscheinlichkeit nicht an den Verhandlungen beteiligt waren.

Wie man in Deutschland handeln sollte

Es muss also Klarheit geschaffen werden durch Schulministerien und Landesdatenschutzbehörden. Es reicht nicht, wenn ein Unternehmen wie FWU einen Vertrag mit Microsoft aushandelt, wenn dieses nicht die rechtliche Autorität hat, den Rahmen im Sinne des Datenschutzes für Schulen verbindlich auszuhandeln. Wenn die Datenschutzbehörden weiter auf Antworten von Microsoft waren wollen, wie oben beschrieben, werden sie ewig warten, vermute ich. Man muss verhandeln. Mit der Peitsche der DS-GVO drohen braucht man wohl nicht mehr. Vielleicht hilft es aber, mit der Möhre zu locken.

Ehrlich gesagt sehe ich wenig Sinn darin, wenn jedes Bundesland für sich in Verhandlungen mit den großen Anbietern wie Microsoft, Apple und Google tritt. Die Konferenz der unabhängigen Datenschutzbehörden des Bundes und der Länder und ihre Arbeitskreise arbeiten ohnehin regelmäßig gemeinsame Positionen zu datenschutzrechtlichen Themen aus, wie Beispiele zu Lernplattformen und Cloud Computing zeigen. Wenn der Bund mit einer Grundgesetzänderung nun ohnehin mehr Verantwortung in der Bildung übernimmt, sollte doch nichts dagegen sprechen, wenn entsprechende Rahmenverträge durch den Bund ausgehandelt würden, einschließlich der dazu notwendigen Vertragsänderungen. Immerhin würde der Bund mehr als 30.000 allgemeinbildende Schulen vertreten mit ungefähr 8,37 Millionen Schülern (statista), eine große Möhre, auch für Microsoft, Apple und Google. Für die Konzerne ginge es um ein größeres Finanzvolumen bzw. im Falle von Google um mehr Nutzer, die sich mit der Marke anfreunden. Damit hätte der Bund wesentlich mehr Gewicht in den Verhandlungen und könnte leichter nationale Datenschutzvorgaben, soweit sie von der DS-GVO abweichen, und Vertragskonditionen durchsetzen. Dass solches Sinn macht und möglich ist, zeigen das Beispiel Österreich.

Die letzte Frage

Die Frage, welche nun am Schluss bleibt, nachdem benannt ist, wer alles wollen muss, ist letztlich, wo genau man nun die Hebel ansetzen muss, um die Schulministerien und Landesdatenschutzbehörden bzw. den Bund zum Handeln zu bewegen.

Meine Recherchen zum Thema lassen vermuten, dass es zwar bei den Schulministerien und Landesdatenschutzbehörden immer wieder vereinzelte Anfragen von Schulen gibt, die dann jedoch, wenn überhaupt, nur einzeln beantwortet werden, und oft mit einer Antwort, die nicht weiterhilft. Einzelne Bundesländer zeigen zumindest, dass sie in die richtige Richtung denken. Es bräuchte aber wohl eine konzertierte Aktion, um alle diese trägen Kolosse von übergeordneten Behörden der Länder (die Schulministerien und Landesdatenschutzbehörden) bzw. des Bundes (das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Bundesdatenschutzbeauftragte) zum Handeln zu bewegen. Vielleicht ist dort nicht einmal klar, dass hier Handeln dringend erforderlich ist, vor allem jetzt,wo Geld kein Problem sein soll, wo Schulen und Schulträger Weichen stellen müssen.

 

Zu Hülfe, der Datenschutz …

Posted in Datenschutz, Schule und Recht, Schulentwicklung by damianduchamps on März 30, 2018

Vor einem halben Jahr setzte ich mich hier im Blog mit Datenschutz und Schule auseinander und rief zu einem pragmatischen Umgang mit dem Thema Datenschutz auf. Besser geworden ist seither nichts, erwartungsgemäß. Nicht umsonst merkt Svenja Busson, die Schulen weltweit besucht hat, um gelungene Beispiele für den Einsatz von digitalen Medien im Unterricht zu sammeln, im Spiegel Interview kritisch an zur Situation in Deutschland: “Die Lehrer täten sich leichter, wenn der Datenschutz – den ich auch wichtig finde – nicht ganz so rigide wäre.” Datenschutz bremst, so wie er gegenwärtig im Bereich der Bildung gehandhabt wird, Schulen in Deutschland weiterhin massiv aus. Und dieses macht sich jetzt umso mehr bemerkbar, wo sich Schulen in großer Zahl endlich auf den Weg machen, digitale Medien in ihren Unterricht zu integrieren. Geld sei kein Problem und werde es in den nächsten Jahren auch nicht sein, hörte man Ende 2017 bei einer Tagung in Düsseldorf aus dem Ministerium für Schule und Bildung NRW. Klingt gut. Freut uns. Das sind wirklich einmal gute Perspektiven, wenn da der Datenschutz nicht wäre. Wenn Schulen und Schulträger planen, wenn Medienkonzepte und Medienentwicklungspläne erstellt werden, spielt Datenschutz auch dabei eine Rolle, doch eher eine, die Lösungen verhindert. Keiner möchte in die Falle tappen. Alle wollen auf Nummer sicher gehen. Zu viele Fragen sind ungeklärt, zu wenige Antworten zu finden. Allzu oft kommen dann altbewährte Lösungen heraus, abgeschottete Windows Netzwerke mit Thin-Clients, Totalkontrolle und streng gefiltertem Internetzugang, interaktiven Whiteboards und bei IT Dienstleistern gehosteten LMS. Mitunter sind durchaus einmal brauchbare Lösungen dabei, doch meist ist die Umsetzung von pädagogischen Vorstellungen, die auf zeitgemäßes Lernen setzen, die die 4K im Blick haben, kaum möglich. Möchte eine Schule lieber auf iPads setzen, geht dieses leider nur mit Einschränkungen. Keine persönlichen Daten, denn die landen auf Servern von Apple und die können überall stehen, auch in den USA. Da mag Apple ganz aktuell bei der Vorstellung eines neuen iPads und neuer Software in einer Schule in Chicago noch versichern, dass die von Schulen selbst generierten und Schülern zugewiesenen Apple IDs von Apple selbst nie eingesehen würden, egal. Es geht nicht. Shared iPad, die Lösung, mit welcher mehrere Schüler ein iPad teilen können mit eigenen Accounts – geht nicht, da die Daten beim Nutzerwechsel in die iCloud gesichert werden. Die Nutzung der neuen Funktion der iWork Apps Pages, Numbers und Keynote auf iPads zur Echtzeit Kollaboration, ganz im Sinne der 4K, geht nicht, da die Synchronisation über die iCloud läuft und dieses mit den datenschutzrechtlichen Vorgaben, so wie man sie zur Zeit handhabt, nicht vereinbar ist. Am sichersten fährt man als Schule zur Zeit, wenn man iPads ohne individuelle Benutzerkonten für Schüler einsetzt. Auch individuelle Benutzer sind möglich, wenn sie über einen virtuellen Desktop als Zugangsgeräte zu einem Windows Netzwerk eingesetzt werden. Office 365 sieht man von Seiten der Wirtschaft gerne in Schulen, bereitet es doch die zukünftigen Mitarbeiter auf die Nutzung der in Firmen meistverbreiteten Office Suite vor. Das Microsoft Produkt mit OneNote Classroom und Teams bietet tolle Möglichkeiten zum kollaborativen Arbeiten. Und wenn es sein muss, bietet man sogar noch eine Cloud in deutscher Datentreuhand. Alles toll, sollte man meinen. Leider nicht. Es gibt offiziell kein grünes Licht, dass Schulen Office 365 vernünftig nutzen können, ohne datenschutzrechtliche Vorgaben zu verletzen. G-Suite for Education und Chromebooks sind in den USA und vielen Ländern der Welt ein Erfolgsmodell, gut zu nutzen für Schüler wie Lehrkräfte, ideal für die Umsetzung der 4K, einfachst zu administrieren, doch für staatliche Schulen in Deutschland mehr oder weniger ein No-go. Auch hier fehlt grünes Licht für eine datenschutzrechtlich abgesicherte Nutzung. Die Liste ließe sich fortsetzen mit zahllosen Apps und Webplattformen, die für die Unterrichtsentwicklung mit digitalen Medien fantastische Möglichkeiten bieten, wäre da nicht das Thema Datenschutz. Will man in Schule digital arbeiten, so ist dieses eigentlich nur dann sinnvoll, wenn Schüler mit Klarnamen arbeiten können. Die Nutzung von Pseudonymen, wie ich sie im September als pragmatischen Ausweg vorschlug, ist zwar durchaus machbar, doch im schulischen Alltag auf Dauer nicht zweckmäßig. Kommunikation und Kollaboration funktionieren eindeutig besser, wenn man mit echten Namen arbeitet. Auch Lehrkräften kann nicht zugemutet werden, dass sie Pseudonyme mit Listen abgleichen, wenn sie digitale Lernprodukte bewerten sollen.

Im Februar hat das Thema Datenschutz in NRW mit der neuen verpflichtenden Genehmigung, welche Lehrkräfte nun benötigen, wenn sie Daten ihrer Schüler auf einem privaten Endgeräten verarbeiten wollen, zusätzliche Brisanz erhalten. Lehrkräfte und Schulleitungen fühlen sich von den Vorgaben überfordert, Hauptpersonalräte und Gewerkschaften raten davon ab, die Genehmigung zu unterzeichnen und fordern Dienstgeräte. Die LDI NRW liegt mit ihrer Einschätzung auf gleicher Linie. Axel Krommer deutet in seinem Beitrag Anzeichen der Krise II die Genehmigung als ein weiteres Phänomen der Krise in der Übergangszeit zwischen dem Gutenberg-Paradigma und dem Turing-Paradigma. Der Datenschutz, so Krommer, bremse die digitalen Arbeits- und Kommunikationsprozesse aus und unterstütze damit im Extremfall unter dem Motto „Datenschutz vor Pädagogik!“ die Stift-und-Block-Kultur. Die Lösung heißt für ihn deshalb, “Zeitgemäße Bildung wird nur Hand in Hand mit zeitgemäßem Datenschutz möglich sein.”

Als wenn die vielen ungelösten Problem mit dem Datenschutz in Schule nicht reichen würden, rückt nun der Tag näher, an welchem die Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) in Kraft tritt. Schon seit zwei Jahren wissen wir, was kommt. Die europäischen Länder spezifizieren die nationale Ausgestaltung in Form der Datenschutzgesetze der Länder. Arbeitsgruppen diverser Wirtschaftsbereiche sind seit dieser Zeit damit beschäftigt, Strategien auszuarbeiten, wie man die Vorgaben der DS-GVO umsetzen kann. Die DS-GVO stärkt die Rechte der einzelnen Person im Sinne der informationellen Selbstbestimmung und soll sie vor Missbrauch der personenbezogenen Daten schützen. Entsprechend sind die mit Verstößen verbundenen Sanktionen deutlich stärker als sie es bisher waren.

Auch vor der Bildung macht das Thema DS-GVO nicht halt, wenngleich aktuell noch keine unmittelbar davon abgeleiteten Regelungen im schulischen Bereich bekannt sind, zumindest nicht in NRW. Veröffentlicht wurden bisher nur eine Übersicht und Hilfestellungen der Datenschutzkonferenz zu den anstehenden Veränderungen in Schule. “Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die DS-GVO für die Datenverarbeitung durch öffentliche Stellen eine Vielzahl von Veränderungen vorsieht.” fasst die Landesbeauftragte für Datenschutz in Niedersachsen die Lage zusammen.

Und als wenn das noch nicht genug wäre, sorgen sich nun auch bloggende Lehrkräfte und Verantwortliche für Schulhomepages, aufgeschreckt durch Artikel wie Datenschutzgrundverordnung: Neue Abmahngefahren für Websites und DSGVO: Was freie Journalisten und Blogger jetzt tun müssen, ob ihnen bei ihren Blogs irgendwelche Gefahren durch die Nutzung von Inhalten aus fremden Quellen, Web-Fonts und Analyse-Tools drohen.

Zu Hülfe, der Datenschutz … möchte man rufen. Wie ein drohendes Unwetter zieht der 25. Mai herauf und keiner weiß so recht, was passieren wird. Statt Klarheit herrscht überall Unsicherheit. Wie bei so vielen Dingen fehlen klare, eindeutige Vorgaben, an denen man sich orientieren kann.

Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist ein Grundrecht und Datenschutz damit Pflicht. Wie die unermessliche Datensammelwut von Facebook und Co. und Datenskandale wie Cambridge Analytica bestens illustrieren, sind Regelungen dringend von Nöten, um das Individuum zu schützen. Das Kind ist, was den Datenschutz angeht, quasi schon in den Brunnen gefallen. Die riesigen Internetkonzerne, die mittlerweile teilweise das wirtschaftliche Volumen großer Volkswirtschaften haben, konnten das Internet quasi in Wildwest Manier ungehindert und unreguliert für sich erobern. Die DS-GVO Europas kommt nun im letzten Moment um die Ecke, um zu retten, was noch zu  retten ist, und um für die Zukunft die Weichen zu stellen für einen besseren Schutz der personenbezogenen Daten der Menschen.

Bei der DS-GVO geht es um Recht und Gesetz, wie auch bei den davon abgeleiteten nationalen Regelungen, den Datenschutzgesetzen und Verordnungen. Wenn das Recht eindeutig wäre, bedürfte es nicht Heerscharen von Juristen, die es auslegen. Am Ende entscheidet die Auslegung über die Durchsetzung von Recht, in letzter Instanz vor Gericht. Und so gibt es auch beim Datenschutz keine absolute Eindeutigkeit. Man findet Auslegungen, die eher restriktiver Natur sind und solche, welche die Paragraphen freiheitlicher interpretieren.

Und so kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass es den Schöpfern der DS-GVO nicht darum geht, das Internet zu zerbrechen, denn dafür ist seine Bedeutung zu groß.

Vor diesem Hintergrund sollte man auch die aktuelle Situation betrachten. Wenn man die anfangs beschriebenen Schwierigkeiten, die wir als Lehrkräfte, Schulleitungen und Schulträger (und bloggende Lehrer) mit dem Datenschutz haben, zusammengefasst betrachtet, so haben alle die gleichen Ursachen: Überforderung, Unsicherheit, Angst.

  • Als Nutzer digitaler Medien sind wir alle mit dem Datenschutz, so wie er momentan in Deutschland gehandhabt wird, komplett überfordert.
  • Überfordert scheinen auch die verantwortlichen Stellen, Ministerien und Landesdatenschutzbehörden, denn anders ist nicht zu erklären, warum von diesen keine eindeutigen Aussagen zu erhalten sind, ob und wie die oben genannten Plattformen genutzt werden können.
  • In Folge herrscht unter Lehrkräften, Schulleitungen und Schulträgern eine extreme Unsicherheit.
  • Jeder hat Angst vor den möglichen rechtlichen Konsequenzen, falls mal etwas schief geht.

Und in dieser Kombination lähmt der Datenschutz die Entwicklung in Deutschland massiv. Vieles, was möglich wäre, unterbleibt.

Was wir brauchen, um aus dieser Misere herauszukommen, ist ein Ende der Unsicherheit. Verantwortliche Stellen müssen klare Stellung beziehen, eindeutige Aussagen machen, was geht und was nicht – und dabei sollte man die Vorgaben der Datenschutz Gesetzgebung eher freiheitlich und ermöglichend auslegen als restriktiv und verhindernd.

Dass dieses möglich ist, zeigen die Beispiele vieler Länder um uns herum. Der Schweiz, deren Schulen beispielsweise G-Suite for Education nutzen können, wird vermutlich niemand vorwerfen wollen, leichtfertig mit den personenbezogenen Daten ihrer Bürger umzugehen. Was in anderen Ländern möglich ist, sollte also auch bei uns in Deutschland gehen.

Die Sorge, dass große Konzerne wie Microsoft, Apple und Google die Daten von Schülern und Lehrern für eigene Zwecke missbrauchen könnten, ist sicherlich berechtigt. Doch auch hier gibt es Lösungen. Die heißen Gesetze. Man braucht Institutionen, die über die Einhaltung der Vorgaben des Datenschutzes wachen. Es gibt sie, von staatlicher Seite wie im NGO Bereich. Und werden Verstöße festgestellt, werden die Verantwortlichen mit den Mitteln des Gesetzes zur Rechenschaft gezogen und mit Sanktionen belegt.

Nicht verhindern können wir, wenn im Zuge polizeilicher oder geheimdienstlicher Ermittlungen US Behörden Zugriff auf Daten erhalten, die auf den europäischen Servern von US Firmen liegen. Dass man darin jedoch einen Grund sieht, die Cloud Produkte von US Firmen für deutsche Schulen generell zu verbieten, halte ich für absolut übertrieben. Greifen europäische und deutsche Ermittlungsbehörden nicht auch auf diese Daten zu?

Auch für die Genehmigung für Lehrkräfte in NRW, schulische Daten auf privaten Endgeräten zu verarbeiten, sind praktikable Lösungen möglich. Der aktuelle Ansatz, die rechtliche Verantwortung komplett auf Schulleitungen und Lehrkräfte abwälzen zu wollen, ist ganz sicher nicht der richtige Weg. Hier muss die Landesregierung dringend nachbessern. Dienstgeräte sind eine Möglichkeit, aber keine billige, denn diese Geräte müssen nicht nur beschafft, sondern auch professionell gemanagt werden, um Sicherheit zu bieten. Das Land muss die Lehrkräfte und Schulleitungen aus der alleinigen Haftung entlassen und sie rechtlich absichern. Klar ist, wenn grobe Fahrlässigkeit nachzuweisen ist mit einem Datenschutzverstoß, dann sollte das auch rechtliche Konsequenzen haben. In allen anderen Fällen sollte jedoch das Land die Haftung für seine Schulleitungen und Lehrkräfte übernehmen. Vielleicht sollte das Land NRW hier eine entsprechende Versicherung abschließen. Außerdem sollte es möglich sein, dass Lehrkräfte, die auf ein Dienstgerät verzichten und lieber ein eigenes Gerät nutzen, dieses tun können. Auch sie müssen vom Land rechtlich in Schutz genommen werden, wenngleich bei ihnen eine begrenzte Mithaftung vorstellbar wäre. In der Regel werden vor allem erfahrenere Benutzer eigene Geräte anstelle von Dienstgeräten haben wollen, und die wissen meist, was sie tun.

Das Inkrafttreten der DS-GVO wird in Bezug auf den Datenschutz nicht nur einen besseren Schutz für die Bürger bringen, sondern für Schule auch neue Möglichkeiten eröffnen. Warum? Da die DS-GVO dafür sorgt, dass wir in allen europäischen Mitgliedstaaten ein einheitliches Datenschutzrecht habe und damit auch ein einheitliches Datenschutzniveau, können wir in Deutschland endlich auch die tollen Online Angebote aus anderen europäischen Ländern nutzen, die uns bisher verwehrt geblieben sind. Sie haben ab dem 25. Mai 2018 den gleichen datenschutzrechtlichen Status wie deutsche Angebote.

Und was die Sorgen der bloggenden Lehrkräfte angeht und die Betreiber von Schulhomepages, hier sollte man mit dem rechten Augenmaß an die Sache herangehen. Es ist durchaus zu erwarten, dass Abmahn-Haie in der Anfangszeit nach Inkrafttreten der DS-GVO ihr Unwesen treiben werden. Allerdings ist auch damit zu rechnen,  dass die Gesetzgeber diesem Treiben schnell ein Ende setzen werden. Dass man sich als Blogger Gedanken machen muss, ob bei der Nutzung von Google Web Fonts, von Google Analytics, der Einbindung von LearningApps und von YouTube Videos oder beim Abgeben von Kommentaren Daten erhoben werden, ist abstrus. Das hat auch nichts mehr mit Datenschutz zu tun im Sinne der Gesetzgebung zu tun. Diese Daten werden überall erhoben. Sie gehören zum Internet und jeder, der als medienkompetenter Nutzer im Internet unterwegs ist, ist sich darüber im Klaren. Das ist wie im Straßenverkehr. Jeder kennt die Regeln, weiß, wie es läuft, und nur, wenn es Abweichungen davon gibt, werden wir durch Schilder darauf hingewiesen. Viel wichtiger ist es für Betreiber von (nichtkommerziellen) Webseiten, dass sie grundsätzlich versuchen, die Erhebung von Daten der Besucher auf ein notwendiges Minimum zu beschränken und dass sie die Erhebung außergewöhnlicher Daten anzeigen und genau dafür eine Einwilligung einholen.

So aussichtslos wie manches scheint, ist es in Bezug auf den Datenschutz und die Schule eigentlich gar nicht bestellt. Alle beschriebenen Probleme sind lösbar. Es müssen nur alle wollen, endlich Stellung beziehen und Schulen und Lehrkräften unterstützend zur Seite stehen. Und auch für die Blogger wird nichts so schlimm kommen, wie von manchen befürchtet. Und die DS-GVO wird nach einigen Anlaufschwierigkeiten mit der alltäglichen Umsetzung ein Gewinn sein, für alle.

Datenschutz & Schule – nur Pragmatismus bringt uns weiter

Posted in Datenschutz, Medienwelt, Schulentwicklung, Schulpolitik by damianduchamps on September 29, 2017

Mal ganz ehrlich, Datenschutz und Schule gehen momentan gar nicht zusammen. Schulen sollen digitale Lösungen in den Unterricht integrieren, doch ständig erhebt jemand warnend den Zeigefinger und sagt, in Bezug auf den Schutz der persönlichen Daten der Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte geht dieses nicht und das nicht und grundsätzlich geht sowieso gar nichts. Mit solch einem Ansatz werden wir nicht weiterkommen. Das ist nichts anderes als Verhinderungskultur. Was wir brauchen, sind Lösungsansätze, die uns im schulischen Alltag weiterbringen anstatt uns zu blockieren. Datenschutzschutzbeauftragte sollten nicht nur sagen, was nicht geht, sondern Schulen helfen, pragmatische Lösungen zu finden.

Damit hier kein Missverständnis aufkommt aufkommt, den Schutz der persönlichen Daten von Schülerinnen und Schülern halte ich für absolut unverzichtbar.

Wenn wir in der Schule vom Schutz der persönlichen Daten sprechen, gehen wir von Vorstellungen aus, die meiner Meinung nach völlig unrealistisch und überzogen sind. Natürlich sollen und müssen persönliche Daten geschützt werden. Dazu sind wir verpflichtet und es ist selbstverständlich. Ein Restrisiko ist jedoch nie auszuschließen, wie überall im Leben. Beim Datenschutz versuchen wir jedoch genau dieses. Man tut so, als müsse ist den perfekten Schutz geben, und ist man sich da nicht sicher, so ist die Lösung tabu, die Lernplattform, das App, das Lernmanagementsystem können nicht genutzt werden.

Landesdatenschutzbeauftragte geben für die Microsoft Cloud Deutschland kein grünes Licht, weil noch Unklarheit über irgendein Komma besteht in der Dokumentation. Derweil nutzen große Konzerne die Lösung schon lange, denn diese Lösungen sind von diversen Instituten der Wirtschaft und von anderen Institutionen zertifiziert und geprüft. Das gilt auch für die G-Suite von Google. Bei Firmen geht es um Wirtschaftsdaten und Wirtschaftsspionage. Das hat in der Regel mehr Gewicht als persönliche Daten, denn es geht um Millionen- oder Milliardenbeträge.
Man fragt sich, warum geht in Schule nicht, was in der Wirtschaft geht? Die Wirtschaft hat nicht weniger zu verlieren als Schule mit persönlichen Daten.

Wenn es um Schule und Datenschutz geht, fehlt uns ein vernünftiges Maß. Im Schulleben außerhalb der digitalen Welt sieht das völlig anders aus. Seien wir doch mal realistisch. Verzichten wir darauf, mit unseren Schülerinnen und Schülern ins Schwimmbad zu gehen, nur weil eventuell ein Kind sich nicht an die Regeln halten könnte und vom Rand ins Becken springt, oder heimlich auf das Dreimeterbrett klettert unter herrunter springt? Nein, tun wir nicht. Wir nehmen das Risiko in Kauf, denn es gibt keinen absoluten Schutz. Ja, aber beim Schutz der persönlichen Daten, könnte so etwas doch lebenslange Folgen haben, wird mancher nun entgegnen. Doch könnte es nicht auch lebenslange Folgen haben, wenn eines der Kinder beim Schwimmunterricht nun doch vom Rand springt und verletzt sich dabei so, dass es lebenslänglich unter den Folgen zu leiden hat? Ich hoffe, an diesem Beispiel aus der analogen Welt wird deutlich, dass wir, wenn wir vom Thema Datenschutz sprechen, vollkommen überzogen reagieren. Den absoluten Schutz der persönlichen Daten gibt es nicht. Das soll nicht heißen, dass wir leichtfertig oder fahrlässig umgehen sollten mit den persönlichen Daten der uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler. Was wir jedoch brauchen, sind pragmatische Lösungen, die einen möglichst großen Schutz der persönlichen Daten ermöglichen und Schule gleichzeitig nicht unnötig ausbremsen, indem jegliche Lösung aus Datenschutzgründen negiert wird.

Um dieses zu erreichen, braucht es eigentlich gar nicht viel. Für mich gibt es einige Grundsätze, die, wenn man sie beachtet, viele Lösungen ermöglichen.

Persönliche Daten von Schülerinnen und Schülern gehören grundsätzlich nicht in Lernplattformen, Lernmanagementsysteme, Apps oder ähnlich
Namen

Wer zwingt uns dazu, dass Schülerinnen und Schüler mit ihren echten Namen in einem Lernmanagementsystem angemeldet sein müssen? Eine pragmatische Lösung könnte darin bestehen, stattdessen Pseudonyme zu verwenden oder anonymisierte Account Namen. Natürlich müssen Lehrkräfte in der Lage sein, diese Pseudonyme oder anonymisierten Accountnamen Schülern zuzuordnen. Man kann jetzt einwenden, dass sich diese Daten verbinden lassen und schon weiß man wieder, wer wer ist. Das funktioniert immer. Und selbst aus anonymisierten Daten kann man mit etwas Geschick wieder eine Zuordnung herstellen, wenn man das will. Den perfekten Schutz vor “bösen” Konzernen oder Geheimdiensten gibt es nicht. So realistisch muss man einfach sein. Und selbst wenn wir ein System haben, welches den deutschen Datenschutzvorgaben absolut genügt (auf Server in Deutschland laufend, alle Vorschriften erfüllt und so weiter), auch dann gibt es keine absolute Sicherheit. Die Server könnten gehackt und die Kontodaten gestohlen werden. Und wenn die Schüler sich von ihren Smartphones oder von zu Hause aus in der Plattform einloggen, mit einem Pseudonym oder anonymisierten Account, dann könnten natürlich, wenn man Standortdaten oder Gerätedaten ausliest und diese möglicherweise noch mit gestohlenen Daten vom Einwohnermeldeamt kombiniert oder mit Daten von einem sozialen Netzwerk, die exakten persönlichen Daten der Personen herausgefunden werden. Lässt sich alles konstruieren, alles ist möglich. Aber hallo! Bleiben wir doch einfach mal realistisch. Auf dem Weg in die Schule sind auch schon Kinder überfahren worden. Lassen wir die Kinder deshalb nicht in die Schule laufen? Es gibt immer ein gewisses Restrisiko im Leben.

Noten

Es sollte auch völlig klar sein, dass Noten in jeglicher Form, Leistungsbewertungen, nichts in Lernplattformen, Lernmanagementsystem oder ähnlich zu suchen haben. Das schließt aber nicht aus, dass man innerhalb der Plattform Feedback gibt und Angaben macht, ob eine Aufgabe gelöst ist oder nicht. Das genau ist eine der Stärken digitaler Plattformen, das unmittelbare Feedback, um Schülerinnen und Schülern in ihren Lernprozessen zu unterstützen. Und solange Schülerinnen und Schüler keine Accounts nutzen, die direkt über den Namen persönlich zuordenbar sind, sehe ich darin kein Problem. Und da es auch keine Erfordernis gibt, Noten direkt über eine Plattform mitzuteilen, sehe ich darin auch keinen Grund, solche Plattformen nicht zu nutzen.

Nutzungsordnung & pädagogischer Auftrag

Dass persönliche Daten in schulischen digitalen Anwendungen nichts zu suchen haben, kann man Schülerinnen und Schülern durchaus verständlich machen. Auch in anderen Plattformen sollten Schülerinnen Schüler mit ihren persönlichen Daten sparsam umgehen. In einer schulischen Anwendung können sie lernen, wie man persönliche Daten vermeidet. Es ist ein pädagogischer Auftrag der Schule, dieses zu vermitteln. Ich nutze Google Classroom und meine Schülerinnen und Schüler wissen, dass persönliche Daten nichts in der Plattform zu suchen haben. Sie sprechen sich untereinander in der Plattform mit ihren englischen Pseudonymen an. Das funktioniert wunderbar. Über eine Nutzungsordnung haben wir geregelt, dass persönliche Daten nicht in Google Classroom auftauchen. Geregelt ist dort auch, dass der Nutzer Account nicht mit privaten Accounts verknüpft wird. Was aber, wenn sich jemand nicht an diese Regel hält? Was wenn die Accounts zu Hause auf dem heimischen PC verknüpft werden, da auf dem gleichen PC auch die Daten des privaten Accounts sind? Was, wenn auf dem privaten Gerät ein Trojaner mitliest? Pech gehabt! Auch wenn wir unsere Schülerinnen und Schüler immer wieder ermahnen, nicht auf dem Treppengeländer herunter zu rutschen, so tun es leider doch immer wieder welche und alle Jahre wieder liegt jemand unten am Fuß der Treppe und hat sich den Arm gebrochen. So ist das Leben.

Pragmatismus ist gefragt

Wie ich hoffentlich zeigen konnte, kann man, wenn man mit den Anforderungen an den Schutz der persönlichen Daten unserer Schülerinnen und Schüler auf einem realistischen, alltagstauglichen Maß bleibt, durchaus pragmatische Lösungen finden, um im schulischen Alltag zurecht zu kommen. Es bringt niemanden weiter, wenn wir durch überhöhte, unrealistische und auch praktisch nicht einlösbare Anforderungen in Bezug auf den Datenschutz an der Nutzung sehr vieler digitaler Angebote gehindert werden. Leider haben deutsche Firmen im internationalen Vergleich kaum etwas zu bieten, was vergleichbar wäre zu Office 365 mit der Cloud, G-Suite for Education oder Edmodo, Formative und vielen weiteren Apps und Plattformen, die für ein zeitgemäßes Lernen in Schule unverzichtbar sind. Und ganz ehrlich, wer garantiert uns, dass deutsche Firmen und Geheimdienste weniger Interesse an den persönlichen Daten der uns anvertrauten Schülerinnen und Schülern haben?

Datenschützer sind gefragt, praktikable Lösungen zu bieten

Meiner Meinung nach sollten die Datenschützer auf jeder Ebene, vom schulischen Datenschutzbeauftragten bis zu den Landesdatenschutzbeauftragten und den entsprechenden Verantwortlichen in den Ministerien für Schule ihre Aufgabe nicht primär darin sehen, nur den warnenden Zeigefinger zu heben und dieses und jenes zu verbieten. Natürlich sollen sie Schulen helfen, den Schutz der persönlichen Daten ihrer Schülerinnen Schüler so gut wie möglich sicherzustellen und nicht in irgendwelche Fallen zu tappen. Ganz wichtig wäre jedoch auch, dass diese Institutionen nach Lösungen suchen, wie man digitale Angebote trotzdem nutzen kann, ohne die persönlichen Daten der Schülerinnen und Schüler zu gefährden, und Schulen beim Finden solcher Möglichkeiten unterstützen. Außerdem sollten sie eine Aufgabe darin sehen, gemeinsam mit den Anbietern digitaler Angebote Lösungen zu finden, welche Schulen in ihren Verpflichtungen in Bezug auf den Datenschutz unterstützen. Bei der Vielzahl der Angebote kann dieses sicher nicht nur mit einer begrenzten Zahl von Angeboten erfolgen. Es wäre aber schon hilfreich, wenn es englischsprachige Orientierungshilfen für die Anbieter von Lernplattformen, Apps und LMS gäbe, die ihnen helfen könnten, ihre Angebote auf deutsche Datenschutzanforderungen auszurichten. Darauf könnten dann Schulen, die ein Angebot nutzen wollen, diese Anbieter verweisen. Wenn wir hier pragmatischer sind, wenn Schulen Unterstützung erhalten, wenn sie loslegen können, dann wird der deutsche Markt für Anbieter aus anderen Ländern auch attraktiver und das wiederum macht es für diese Firmen interessanter, den deutschen Markt mit seinen speziellen Anforderungen stärker bei der Entwicklung von Angeboten zu berücksichtigen, sei es dass man beispielsweise Server in Deutschland aufstellt oder anmietet oder dass man angepasste Formen der Nutzerregistrierung und -verwaltung und der Speicherung von Daten anbietet.

Datenschutz und Schule muss definitiv neu gedacht werden, vor allem von den oben genannten Institutionen. Wir brauchen pragmatische Lösungen, keine Kultur der Verhinderung und Beschränkung, sondern eine der Ermöglichung.

Noch gut zu wissen

Was vielen vermutlich nicht klar ist: wenn wir ohne persönliche Daten arbeiten, entfallen viele der engen Vorschriften der Datenschutzgesetzgebung. Werden keine persönlichen Daten verarbeitet, braucht es kein Verfahrensverzeichnis und auch keinen Vertrag zur Datenverarbeitung im Auftrag mit dem Anbieter einer digitalen Plattform. Eine Absicherung mit einer Nutzungsvereinbarung ist dabei aber unbedingt erforderlich. Ohne begibt sich die Schule auf juristisches Glatteis! Sind die Produkte, welche Schüler etwa in einer Plattform wie Office 365 mit der Cloud produzieren, frei von persönlichen Daten und auch sonst nicht zuordenbar, sehe ich keine Erfordernis diese Daten als persönliche Daten zu behandeln. Wenn überhaupt, dann geht es hier noch um Urheberrechte der Schüler. Es muss an dieser Stelle jedoch angemerkt werden, dass dieses nicht jeder Datenschutzbeauftragte das so sieht. Genauso, wie es auch Datenschutzbeauftragte gibt, die meinen, auch nicht persönliche Daten dürfen nicht in Drittstaaten gehen. Deshalb auch mein Appell, pragmatisch zu denken.

Auch mit einer informierten und freiwilligen Einwilligung der Betroffenen geht eigentlich alles. Für Schulen ist dieses allerdings eine Lösung, von der ich abraten würde.

Digitaler Wandel in Schule – Erfolg oder Misserfolg – wir haben es in der Hand

Posted in Kompetenzen, Schulentwicklung by damianduchamps on April 10, 2017

Der digitale Wandel braucht Zeit, mehr Zeit als manche ihm zugestehen wollen, sorgfältige Planung, gute Vorbereitung, Fortbildung, Gewöhnung, Routinierung, Selbstvertrauen, Mut und Vernetzung der Akteure, und einen kulturellen Wandel im Lehrerzimmer. Zahllose gescheiterte Projekte belegen weltweit, dass Projekte, die grundlegende Faktoren wie diese nicht berücksichtigen, zum Scheitern verurteilt sind, noch bevor sie begonnen haben.

Und auf einmal soll es schnell gehen mit dem digitalen Wandel von Schule

Lange haben sich unsere Schulen vor dem digitalen Wandel gedrückt, zu lange vermutlich. Es gab und gibt im schulischen Alltag jede Menge andere Probleme zu bewältigen, individuelle Förderung, Inklusion, Flüchtlinge und vieles mehr. Wer diesen Beitrag liest, weiß was gemeint ist. Und nun soll mit einem Mal ein digitaler Ruck durch die Schulen gehen. Finanzprogramme werden aufgelegt und Handlungsdruck wird aus der Politik auf die Städte und Kommunen und über diese an Schulen weitergegeben. Auf Landesebene wird aktuell das Strategiepapier der KMK in schulpolitische Vorgaben umgesetzt, welche schulischer Entwicklung die Marschrichtung für die kommenden Jahre vorgeben sollen. Medienkonzepte sind mit einem Mal wieder in aller Munde, zumindest in NRW. Dort werden Schulträger nun aktiv unter dem Druck des Programms Gute Schule 2020. Medienentwicklungspläne (MEP) müssen her, denn ohne Konzepte gibt es kein Geld für den Ausbau digitaler Infrastruktur an Schulen. Medienkonzepte werden eingefordert, auf deren Grundlage Beratungsfirmen wie Garbe & Lexis (der Name taucht scheinbar überall auf) den Schulträgern MEPs ausarbeiten. Ich höre von Zeitfenstern, die von wenigen Wochen reichen bis zu einem Dreivierteljahr. Schulen geraten gegenwärtig gewaltig unter Druck, denn sie sollen liefern, wenn sie nicht auf der Strecke bleiben wollen.

So schnell, wie viele sich das vorstellen, geht das mit dem digitalen Wandel der Schulen nicht. Gut Ding will Weile haben, und das hat viele Gründe.

Digitaler Wandel von Schule braucht kompetente Lehrkräfte

Fehler Nummer eins ist, dass man das Pferd von hinten aufzäumen möchte, in NRW zumindest. Idealerweise erstellen Schulen in NRW ihr Medienkonzept auf der Grundlage des Medienpass NRW. Dieser ist quasi ein Kompetenzraster mit Schnittstellen zu den Richtlinien und Lehrplänen und dockt an diese an. Prinzipiell ist das eine gute und hilfreiche Grundlage. Abgesehen davon, dass der Medienpass NRW in seiner aktuellen Ausgabe ziemlich veraltet ist und die neue, am KMK Strategiepapier orientierte Version noch in Arbeit ist, gibt es ein noch viel gravierenderes Problem. In Kollegien soll der Medienpass NRW helfen, die verschiedenen im Unterricht zu vermittelnden Kompetenzen und Teilkompetenzen auf die Fachbereiche aufzuteilen. In den Fachschäften sollen dann fachliche Lehr- und Lernmittelkonzepte entstehen, welche die Grundlage des schulischen Medienkonzeptes bilden. Und genau an dieser Stelle liegt das größte Problem.

  • Wie sollen die Lehrerinnen und Lehrer bitte in der Lage sein, zu entscheiden, welche Teilkompetenz sie in welchem Fach mit welcher Thematik verknüpft vermitteln können, wenn sie die Kompetenzen, welche sie den Kindern vermitteln sollen, vielfach selbst nicht einmal haben?
  • Wie sollen sie planen und entwicklen, wenn sie nicht einmal wissen, welche Möglichkeiten der digitale Wandel von Schule für die Unterrichtsentwicklung bereithält?

Man muss sich das einmal klar machen. Von Schulen werden mit der Erstellung eines Medienkonzeptes Entscheidungen erwartet, welche eine Tragweite auf Jahre haben. Den meisten Schulen fehlt dazu aber schlicht die Kompetenz. Frühere Medienkonzepte wurden oft von dem oder den Computerfreaks geschrieben. Die Folge waren PC Räume, die nur von wenigen genutzt wurden, und Klassenraum PCs und Medienecken zumeist ohne Internetanbindung, die vor sich hin gammelten. Drohen den Medienkonzepten, an denen jetzt geschrieben wird, und den daraus folgenden Investitionen ähnliche Schicksale? Wird man Tabletkoffer in jede Klasse stellen, die dann zweimal die Woche für ein paar interaktive Übungen, Videoschauen und Kahoot genutzt werden?

Dieses Problem ist nicht damit zu lösen, dass Medienberater in die Schulen geschickt werden, die auf ein oder zwei Konferenzen Input geben und Möglichkeiten vorstellen. Das reicht definitiv nicht.

Der digitale Wandel in Schulen braucht Zeit

Veränderung an Schulen funktioniert nicht im Hauruck-Verfahren. Wie man bei Richard Heinen lernen kann, dauern Innovationszyklen an Schulen zwischen 5 und 7 Jahren. Das ist vielen nicht klar, Schulen am allerwenigsten, scheint mir.

Jeder weiß, Schulträger müssen den Wandel finanzieren können. Selbst mit Unterstützung durch Landesprogramme bedeutet das eine Verteilung der Investition auf mehrere Jahre. Dieser Faktor ist wichtig, jedoch nicht der eigentlich entscheidende Faktor. Viel wichtiger ist der Faktor Mensch. Die Akteure vor Ort müssen überhaupt erst die Kompetenz besitzen, den digitalen Wandel an Schule zu gestalten. Die Kompetenz dazu erwerben Lehrerinnen und Lehrer mal nicht so eben bei ein paar Fortbildungen. Selbst ein oder zwei pädagogische Tage reichen hier nicht. Es braucht eine Menge mehr.

Selbst wenn Geld und Experten für Fortbildungen unbegrenzt zur Verfügung stünden, würde dieses den digitalen Wandel nicht wesentlich beschleunigen, denn dem Innovationspotenzial von Lehrerinnen und Lehrern sind Grenzen gesetzt. Die meisten von ihnen stehen mitten im Leben mit Familie und mit voller Stundenzahl und allem, was dieses an Schule nach sich zieht. Lehrkräfte, die in der EDU Szene unterwegs sind, die sich bei Twitter, über Blogs und bei Barcamps über ihren Unterricht im digitalen Wandel austauschen, die man als Vorreiter im digitalen Wandel von Schule sehen kann, sind häufig nicht erst seit gestern dabei. Ihre Kompetenzen haben sie sich meist über mehrere Jahre angeeignet. Wenn Lehrkräfte im Schulalltag in den digitalen Wandel einsteigen sollen, brauchen sie Zeit. Zusätzlicher Freiraum durch eine Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung für eine Übergangszeit könnte ihnen dafür Entlastung bieten. Doch diese Entlastung wird es nicht geben.

Schulen müssen also Möglichkeiten finden, wie sie Lehrerinnen und Lehrern die notwendigen Schritte in den digitalen Wandel ihre Unterrichtes erleichtern können, und sie müssen sich dabei Zeit geben.

Teachers in many schools have no idea how to manage email, or meetings, or how to organise themselves online. If we want this digital revolution to take place, it is going to take many many hours of patient explaining and demoing to veteran teachers.

Quelle: 21century teaching, Alicia Bankhofer, https://bankhoferedu.wordpress.com/2017/04/06/takeaways-from-the-edudays/

Der digitale Wandel in Schulen braucht Experten

Zunächst einmal müssen Lehrerinnen und Lehrer den digitalen Wandel in der Gestaltung von Lernprozessen an sich selbst zu vollziehen. Dazu braucht es Input von anderen, oft von außerhalb des Kollegiums. Hier taucht leider schon das nächste Problem auf. Es gibt noch längst nicht so viele Experten, wie man benötigte, die Kompetenzen in alle Schulen zu tragen, die erforderlich sind, um den digitalen Wandel auf den Weg zu bringen. Durch die eindrucksvollen Zahlen an Referenten auf Kongressen oder Teilgeber auf Barcamps darf man sich nicht täuschen lassen. Der Kreis dieser Personen ist sehr begrenzt und man sieht immer wieder die gleichen Namen und Gesichter. Vor Ort sieht es ganz anders aus. Das belegen sehr eindrücklich die Erfahrungen von @frausonnig, als diese Fachleute suchte, die auf einem pädagogischen Tag zum Thema Unterricht mit digitalen Werkzeugen, entsprechende Workshops abhalten sollten.

Insgesamt gab es im Schuljahr 2015/2016 in Deutschland 33.547 allgemeinbildende Schulen.

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/235954/umfrage/allgemeinbildende-schulen-in-deutschland-nach-schulart/

In Deutschland gab es im Schuljahr 2015/2016 insgesamt 754.726 Lehrer an allgemeinbildenden Schulen.

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/201496/umfrage/anzahl-der-lehrer-in-deutschland-nach-bundeslaendern/

Alleine in NRW gab es im Schuljahr 2015/16 laut dieser Statistik 167.266 Lehrkräfte. Insgesamt 60 volle Stellen hat das Land für Medienberater bereitgestellt. Wenn man davon ausgeht, dass diese mit mindestens 5 Stunden entlastet werden sollen, sprechen wir hier von maximal 300 Personen. Und von diesen sind noch längst nicht alle selbst soweit, dass man sagen kann, sie sind in der Lage ihre eigenen Lernprozesse digital zu gestalten. Aber selbst wenn sie es wären, so käme hier ein Medienberater auf mehr als 300 Lehrkräfte. Das Problem ist allerdings zu lösen, ohne dass man noch mehr Medienberater einstellt, ausbildet und zu Schulen schickt.

Der digitale Wandel in Schulen braucht einen kulturellen Wandel

Neben Input von außen durch Experten und Zeit, das Neue lernend umzusetzen, braucht es auch einen sehr grundsätzlichen Wandel im Selbstverständnis der Lehrkräfte. Selbstverständlich werden Lehrerinnen und Lehrern auf Nachfrage bestätigen, dass Lernen ein lebenslanger Prozess ist. Doch viele Lehrkräfte sehen sich selbst vor allem in der Rolle von Wissensvermittlern oder meinetwegen auch Vermittlern von Kompetenzen (+ Erzieher, Sozialarbeiter, Ersatzeltern, …). Ihre Rolle als Lernende sehen sie im System Schule selten. Das aber ist es genau der wunde Punkt. Solange sie nicht in der Lage sind, sich selbst als Lernende zu begreifen, als Lernende im Prozess des digitalen Wandels von Schule, die sowohl lernen am Wandel als auch diesen Wandel lernend gestalten sollen, solange wird Schule bleiben wie sie ist.

Schaffen Schulen mit ihren Lehrkräften diesen kulturellen Wandel, wird manches einfacher, denke ich. Lernende, die ihre Lernprozesse mit den Möglichkeiten des digitalen Wandels gestalten, sind in der Regel keine Einzelkämpfer. Sie vernetzen sich (PLN). Für die meisten Lehrkräfte reicht schon eine Vernetzung im Kollegium und das bedeutet mehr als das, wofür Jahrgangsstufen- oder Fachteams an den meisten Schulen bisher standen.

Eine Form, diese Vernetzung zu leben, können Mikrofortbildungen sein, regelmäßige kleine Fortbildungen, gespeist aus den bereits vorhandenen Kompetenzen in einem Kollegium, Fortbildungen mit Verabredungen zur Weiterarbeit und zum Ausprobieren im Unterricht. Auch gelegentliche Hospitationen können unterstützen oder Team-Teaching Stunden. Nicht alle Lehrerinnen und Lehrer müssen Twitter Nutzer werden. Twitter ist ein Kanal mit sehr hoher Informationsdichte und nicht jedermanns Sache. Für Schulen reicht es aus, wenn ein oder zwei Lehrkräfte Twitter nutzen, um neue Impulse für die Entwicklung in der Schule aufzunehmen und diese dann in Mikrofortbildungen im Kollegium weiterzugeben. Eine Möglichkeit zur Intensivierung der Vernetzung, den Austausch und die schnelle Hilfe untereinander kann aber ein Messenger Dienst wie WhatsApp sein. Viele Lehrerinnen und Lehrer nutzen diesen Dienst bereits, wenn sie auch privat in Kontakt stehen. Warum sollte es dann nicht genutzt werden, um Ideen zu teilen, Anregungen auszutauschen und sich auch bei kleineren Problemen zu unterstützen? Wo die Ablehnung gegenüber WhatsApp zu groß ist, bietet sich Telegram an, das weniger vorbelastet ist durch negative Schlagzeilen. Auch die Nutzung einer Cloud gestützten Office Lösung kann Vernetzung unterstützen, wenn sie im Kollegium genutzt wird, das gemeinsame Lernen, die Curriculum- und Schulprogrammarbeit und die Erstellung von Unterrichtsmaterialien zu gestalten.

Vernetzung bietet sich, wenn sie im Kollegium funktioniert, auch mit Schulen im Umfeld an. Warum soll jede Schule das Rad neu erfinden? Die Vernetzung von Schulen ist nicht neu und hat sich, wenn sie gepflegt wurde, schon in der Vergangenheit bewährt. Besuchen dann von einer der vernetzten Schulen ein oder zwei Personen diesen oder jenen Kongress zum Thema, Barcamps oder ähnlich, so kann dieses ausreichen, um weitere neue Impulse in die Schulen zu holen.

Die Aufgabe der Experten sehe ich deshalb vor allem als Katalysatoren im digitalen Wandel von Schule. Sie können definitiv nicht alle Lehrkräfte fit machen. Ihre Aufgabe ist vielmehr, den kulturellen Wandel in Schulen anzustoßen, bei den Planungen Impulse zu geben, die Vernetzung mit anderen Systemen vermitteln und ähnlich. Sie werden auch fortbilden und Input geben, doch den eigentlichen digitalen Wandel müssen Schulen als lernendes System selbst vollziehen. Genau dieses macht doch auch den digitalen Wandel aus, die Kompetenz, das eigene Lernen zu gestalten, sich zu vernetzen, zu kommunizieren, zu kollaborieren, kreativ zu sein und Kritik zu nutzen, um voran zu kommen. Schulen, die diesen Wandel in der eigenen Kultur schaffen, werden alle Informationen dazu finden. Es ist nichts Anderes, als was sie ihren Schülern vermitteln wollen.

Der Einstieg in den digitalen Wandel muss einfach sein

Viele Lehrkräfte haben keine Vorstellung davon, was heute überhaupt möglich ist und was es bedeutet, das eigene Lernen mit den Möglichkeiten des Digitalen zu gestalten. Doch das ist nicht der alleinige Grund, warum viele von ihnen sich nicht zutrauen, selbst digitale Technologien im Unterricht einzusetzen.

Es hat auch mit der eigenen Kompetenz im Umgang mit digitalen Technologien zu tun. Man kann heute sicherlich davon ausgehen, dass die Mehrheit der Lehrkräfte Computer nicht nur zum Online-Banking, Urlaub-Buchen und Online-Shopping, sondern auch zur Vorbereitung des Unterrichts nutzen. Über mehr als die Fähigkeit, einen Browser zu bedienen und die rudimentärsten Funktionen einer Textverarbeitung und Tabellenkalkulation zu nutzen, verfügen die meisten dabei jedoch nicht. Und auch wenn viele von ihnen mittlerweile Smartphones und auch Tablets besitzen, so nutzen sie meist nur die einfachsten Funktionen.

Diesen Hintergrund muss man berücksichtigen, wenn man Lehrkräften den Einstieg in den digitalen Wandel ihres Unterrichts nahebringen möchte. Der Einstieg muss deshalb einfach sein, mit ganz niederschwelligen Angeboten. Es muss Technologie sein, die ohne große Kenntnisse und mit wenig Fehlerpotential zu nutzen ist. Benötigt werden Tools bzw. Apps, die auf einfachstem Niveau zu nutzen sind und auch so zu Ergebnissen und Erfolgen führen.

Padlet, Kahoot, Plickers, QR-Codes und ähnlich erlebe ich als Angebote, die ankommen bei Lehrkräften, die ihre Ersten Gehversuche in der Entwicklung von Unterricht mit digitalen Werkzeugen machen, auch bei Menschen mit sehr wenig Vertrauen in die eigenen Kompetenzen im Umgang mit digitaler Technologie. Angebote wie die genannten vermitteln Erfolgserlebnisse und machen Mut, eben da sie noch recht einfach zu erlernen sind.

Und auch bei diesen Angeboten betone ich zu Beginn immer wieder, wie wichtig es ist, klein anzufangen und erst den nächsten Schritt zu wagen, wenn man sich sicher fühlt. Padlet kann man zunächst als eine Möglichkeit nutzen, einen motivierenden Unterrichtseinstieg zu gestalten, indem man ein digitales Poster gestaltet zum neuen Thema, mit kleinen Texten, Bildern und Videos. Die Vorbereitung dafür erfolgt zu Hause. Es ist nur wenig Technik notwendig. Schüler und ihre Geräte sind noch nicht eingeschlossen. Das Risiko, dass etwas schief gehen kann, ist noch sehr gering. Erst in der nächsten Stufe holt man die Schüler nach und nach ins Boot. Zunächst schreiben alle, der Reihe nach, auf ein Padlet. Und erst später erarbeiten Schüler dann auch Padlets in Gruppen.

Es geht beim Einsatz von Padlet, Kahoot, Plickers, QR-Codes und ähnlich zunächst nicht primär darum, Schülern Möglichkeiten zu geben, ihr Lernen zu gestalten oder mehr Spaß und Motivation in den Unterricht zu bringen. Das sind hier noch Nebenprodukte. Ganz zu Beginn, wenn Lehrkräfte beginnen, digitale Werkzeuge in ihren Unterricht einzubinden, stehen sie als Lernende im Mittelpunkt. Sie müssen Erfahrungen sammeln und Zugvertrauen gewinnen.

Was für Apps und ähnlich gilt, muss auch für die Technik gelten. Wer glaubt, man könne von Lehrkräften direkt erwarten, sie können über ein Software Menü das WLAN im Klassenraum mal eben ein- und ausschalten, der überfordert die meisten von ihnen. Für den Anfang kann man auch auf einfache Möglichkeiten setzen wie Access Points, die man in die Netzwerkdose steckt. Wer Tablets als Dokumentenkamera einsetzen soll, wird sich sicherer fühlen, wenn man Tablet und Projektor lediglich durch ein Kabel verbindet, eine App startet und die Übertragung steht. Man kann sicher davon ausgehen, dass viele Lehrkräfte zumindest ein Jahr brauchen werden, bis sie über ausreichend Erfahrung und Zuversicht verfügen, digitale Möglichkeiten regelmäßig in ihrem Unterricht einzusetzen. Unverzichtbar ist dabei die oben beschriebene Vernetzung der Lehrkräfte untereinander, da man sich gegenseitig helfen und ermuntern kann.

Fazit

Auch wenn die Zeit zu drängen scheint, den digitalen Wandel an Schulen nun endlich mit aller Macht voranzutreiben, so sollte man dabei den Faktor Mensch nicht außer Acht lassen. In unserer Gesellschaft sind digitale Technologien inzwischen zwar überall zu finden, doch nur ein kleinerer Teil der Nutzer ist in der Lage, sie tatsächlich mit einer Kompetenz zu nutzen, die über die rein oberflächliche Bedienung hinausgeht. Das gilt für Kinder und Jugendliche und es gilt auch für Lehrkräfte. Wer den digitalen Wandel an Schule aktiv gestalten soll, die Lehrkräfte also allen voran, muss überhaupt erst selbst in der Lage sein, sein Lernen mit digitalen Möglichkeiten zu gestalten. Erst dann weiß man als Lehrkraft überhaupt, worum es geht, was den Wandel ausmacht und wohin die Entwicklung gehen soll. Dann kann man die Veränderung anstoßen. Mit einem deutlichen zeitlichen Vorsprung werden Lehrkräfte über ausreichend Zuvertrauen zu sich selbst im Umgang mit digitalen Technologien im Unterricht haben, dass sie auch in der Lage sein werden, ihre Schülerinnen und Schüler auf den Weg zu bringen. Wenn die Schule den kulturellen Wandel im Selbstverständnis der Lehrkräfte vom Lehrenden zum Lernenden schafft, dann wird ihr auch der digitale Wandel des Unterrichts gelingen. Dafür braucht die Schule als lernendes System Zeit, wie auch die Menschen, die diesen Wandel gestalten sollen. Zeit bedeutet auch, dass die Entwicklung auf persönlicher wie institutioneller Ebene in einfachen, angemessenen Schritten erfolgt. Viele kleine Erfolge führen eher zum Ziel als viele große Rückschläge. Jeder Lehrer und jede Lehrerin muss ihren eigenen Weg finden. Gemeinsam, vernetzt, wird die Last auf viele Schultern verteilt. Die zentralen Kompetenzen für die Lernenden im 21. Jahrhundert, die 4 K, stehen irgendwo an Horizont als Fernziele, verpackt in Strategiepapiere, Empfehlungen, Kompetenzraster und bald auch in Lehrplänen und Richtlinien. Nicht jeder wird sie erreichen. Was wir unseren Schülerinnen und Schülern zubilligen, müssen wir auch den Lehrkräften zugestehen. Grundlegende Kompetenzen zur Entwicklung des eigenen Unterrichts im digitalen Wandel von Schule sollte jeder haben. Ohne wird es bald nicht mehr gehen. Doch nicht jeder muss zur Speerspitze des digitalen Wandels gehören. Und Schule ist, das war schon immer so, ein sehr behäbiges System.

Die Zeit war wohl einfach reif, dass mal jemand innehält und sich Gedanken macht, ob das, was sich aktuell an Entwicklung in Schule im Zusammenhang mit dem digitalen Wandel abzeichnet, so Sinn macht und funktionieren kann. Ich war da nicht der einzige. Deswegen siehe auch die sehr lesenswerten Beiträge:

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Die 4 Cs & Fake News

Posted in Kompetenzen, Medienwelt by damianduchamps on März 13, 2017

Spätestens seit dem Präsidentschaftswahlkampf der USA im Jahr 2016 ist Fake News ein Thema, das in der breiten Öffentlichkeit angekommen ist, auch in Schule. Sachlich falsche Informationen waren schon immer ein Thema, seit Schülerinnen und Schüler das Internet nutzen, um sich zu informieren. Neuer ist nur, dass jetzt auch vermehrt und sehr gezielt Nachrichten von einzelnen Personen, ideologischen Gruppierungen, Parteien und auch Staaten gezielt über das Internet verbreitet werden.

Die Herausforderung für die Nutzer des Internets und auch anderer Medien, über welche falsche Informationen verbreitet werden, ist die gleiche wie zuvor. Wie erkennt man sie?

Hier kommt die Medienkompetenz ins Spiel und eine 4 Cs (Critical Thinking, Communication, Collaboration, Creativity), der Kernkomptenzen unserer Zeit. Es geht um das Kritische Denken.

IFLA, die Internationale Vereinigung bibliothekarischer Verbände und Einrichtungen, nahm die Diskussion über fake news zum Anlass, eine Schritt-für-Schritt Anleitung zu erstellen, wie man fake news erkennen kann. Grundlage dafür war der Artikel How to Spot Fake News von FactCheck.org vom November 2016. Die acht Schritte sollten meiner Meinung nach jeder Schülerin und jedem Schüler  bekannt sein. Anknüpfungspunkte gibt es im Unterricht vieler Fächer, ob es um Kreationisten geht, Holocaust Leugner, Menschen, die an Chemtrails glauben, um Propaganda, Produktrezensionen, Werbung und vieles mehr. Alles ist auch im Internet vertreten, auf eigenen Webseiten oder auch nur bei Facebook.

Die Grafik von IFLA kann in verschiedenen Sprachen über How To Spot Fake News als PDF und JPEG heruntergeladen werden. Sie ist unter Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0 ) lizenziert (siehe auch IFLA Urheberrecht).

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14 Wege Leseverstehen digital zu trainieren

Posted in Uncategorized by damianduchamps on Februar 9, 2017

Wenn es im Schulalltag eine grundlegende Kulturtechnik gibt, bei welcher viele Schülern große Defizite aufweisen, dann ist es das Leseverstehen (siehe auch „Sie verstehen kaum, was sie lesen oder hören“).

Zum Trainieren des Leseverstehens gibt es viele bewährte Techniken, die seit Jahren im Unterricht genutzt werden. Es sind Techniken, mit denen Textteile hervorgehoben, Anmerkungen hinzugefügt, Texte gegliedert werden, usw.. Bislang finden sich diese Techniken vor allem im analogen Raum. Schule bewegt sich unaufhaltsam ins digitale Zeitalter. Smartphones, Tablets und Notebooks erobern den Unterricht. Sie bringen neue Möglichkeiten mit, das Leseverstehen zu trainieren. Doch auch bekannte Techniken lassen sich in den digitalen Raum übertragen. Was möglich ist und auch, warum es durchaus Sinn machen kann, analoge Techniken ins Digitale mitzunehmen, das soll im Folgenden dargestellt werden. Hier soll es jedoch nicht um die komplexeren Formen gehen, Leseverstehen zu üben, wie über interaktive Trainingsformate, Multiple Choice Abfragen oder Quizze, sondern um die ganz einfachen Möglichkeiten.

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Bildquelle: Pixabay.com, Public Domain

Viele, die weiterlesen, werden am Ende denken, wie simpel und naheliegend das alles doch ist, so einfach, dass man auch selbst hätte darauf kommen können, zu einfach vielleicht.

Hervorheben

Je nach Leseverstehensniveau werden verschiedene Wortarten, Eigennamen, wichtige Aussagen oder ähnlich während des Lesens hervorgehoben. Den bekannten Marker oder Buntstift zum Hervorheben von Text gibt es in nahezu jeder Textverarbeitung. Auch viele PDF Reader bieten die Funktion. Meist sind mehrere Farben vorhanden. Zur Bedeutung einer jeden Markierungsfarbe wird unter dem Text eine Legende angelegt. Je nach Unterrichtssituation wird sie zur Vergleichbarkeit vom Unterrichtenden vorgegeben.

Ausschwärzen

Eine Möglichkeit, einen Text zu verstehen, kann darin bestehen, unwichtige Bestandteile unkenntlich zu machen. Analog kann man dieses mit einem schwarzen Marker tun. Digital funktioniert es ähnlich wie das Hervorheben, nur dass als Farbe schwarz gewählt wird. Diese Funktion wird allerdings nicht von jedem Programm unterstützt.

Siehe auch Improve Reading Comprehension with Google Docs „Black Out“

Löschen

Löschen ist ähnlich wie das Ausschwärzen, hat jedoch den Nachteil, dass man später, falls sinnvoll, die gelöschten Textteile nicht wiederherstellen kann, ohne alle Änderungen am Text rückgängig zu machen. Umgehen kann man dieses Problem, indem man den Text vor der Reduktion auf das Wichtige in Kopie unter den Originaltext einfügt. Löschen funktioniert nur in Programmen, in denen Text editiert werden kann.

Textformat ändern

Textverarbeitung bietet je nach Programm verschiedene Möglichkeiten, Text zu formatieren. Diese Funktionen lassen sich nutzen, um sich ein Textverständnis zu erarbeiten.

Durchstreichen

Eine weitere Möglichkeit, Textteile als unwichtig zu markieren, bietet das Ausstreichen. Textverarbeitungen bieten hier oft die Möglichkeit für einfaches oder doppeltes Durchstreichen. Ein Vorteil dieser Technik besteht darin, dass der durchgestrichene Text noch lesbar ist.

Unterstreichen

Ganz wie in der analogen Welt unterstützen Textverarbeitungsprogramme und auch manche PDF Reader das Unterstreichen von Text, um diesen zu markieren.

Schrift fett oder kursiv setzen

Jeder Texteditor, und sei er auch noch so simpel, unterstützt das Hervorheben von Text durch Umstellen auf fett. Auch das kursiv stellen bietet sich als zusätzliche Möglichkeit zum Markieren von Textteilen an.

Schriftfarbe ändern

Vor allem in Kombination mit fetter Schrift kann die Veränderung der Schriftfarbe gut genutzt werden, um Text hervorzuheben.

Schriftart ändern

Egal welche der Möglichkeiten genutzt wird, die Schrift zu verändern, sei es Schriftart, Schriftgröße oder Großbuchstaben, Hauptsache ist, der veränderte Text hebt sich vom Rest des Textes deutlich ab.

Kommentare

Textverarbeitungsprogramme wie Microsoft Word, OpenOffice/LibreOffice, Pages und Google Docs erlauben es, Textteile zu markieren und über die Kommentarfunktion mit einem Kommentar zu versehen. In der analogen Welt entspreche dieses einem an den Rand des Texte geschriebenen Kommentar, nur das digital deutlich mehr Platz zum Schreiben zur Verfügung steht. Gibt es keine Kommentarfunktion, kann der Kommentar alternativ auch in Klammern und farbig markiert direkt in den Text eingefügt werden.

Zahlen, Emoji, Bilder einfügen

Um sich einen Text inhaltlich zu erschließen, kann es auch sinnvoll sein, in den Text Elemente einzufügen. Das können beispielsweise Zahlen sein, um bestimmte Strukturen deutlicher zu machen. Genauso können Emoji oder Bilder in den Text gefügt werden, um  erschlossene Inhalte zu verdeutlichen.

Text segmentieren

Zur Erschließung eines Textes kann es auch nützlich sein, diesen durch Aufteilung in Abschnitte inhaltlich zu erschließen. Was bei einem auf Papier gedruckten Text nur schwierig zu lösen ist, etwa durch Markierung von Segmenten durch Linien oder durch Zerschneiden des Textes mit einer Schere, gelingt digital viel einfacher, da der Text in einer Textverarbeitung flüssig ist.

Überschriften einfügen

Liegt ein Text in Abschnitten vor oder wurde von den Schülern in Abschnitte aufgeteilt, so lassen sich in einer Textverarbeitung leicht Überschriften einfügen. Zur besseren Kenntlich machen werden sie durch Formatierung hervorgehoben.

Einfügen von Zusammenfassungen

Bei längeren Texten bietet es sich an, inhaltlich erschlossene Abschnitte mit einem kleinen Text kurz zusammenzufassen. Zusammenfassungen kann man dann zum jeweiligen Abschnitt hinzufügen und durch eine passende Formatierung vom eigentlichen Text absetzen. Das könnte durch eine andere Schriftart, Farbe oder einen Rahmen um den Text herum erfolgen.

Text umstellen

Manche Texte werden verständlicher, wenn die Reihenfolge von Inhalten verändert wird. Um einen Text umzugliedern, braucht es analog Schere und Kleber, oder der Text muss neu abgeschrieben werden. Das braucht es digital nicht. Textpassagen lassen sich heraus trennen und an anderer Stelle wieder einfügen. Um die Umstellung eines Textes zu erleichtern, empfiehlt es sich, diesen vorher zu segmentieren.

Wortwolken erstellen

Dem Verständnis eines Textes kann es zuträglich sein, wenn man einen Überblick erhält über die verwendeten Worte. Das kann mit onlinebasierten Anwendungen wie Wordle und ähnlich erfolgen. Der Text wird markiert, kopiert und in die Anwendung eingefügt. Die Wortwolke gibt Aufschluss darüber, welche Wörter am häufigsten verwendet werden.

Text paraphrasieren

Enthält ein Text schwierige Wörter, so bietet sich an, diese nachzuschlagen und dann durch einfachere Wörter oder Umschreibungen zu ersetzen. Die Schüler erschließen sich so den Text und vereinfachen ihn für sich. Genauso können natürlich auch komplette Sätze oder Abschnitte vereinfacht werden. Bei der digitalen Arbeit besteht für Schüler hier der Vorteil, dass nicht der komplette Text neu geschrieben werden muss, sondern nur bestimmte Textteile.

Text kollaborativ erschließen

Auch analog können Schüler sich ein Text im Team inhaltlich erschließen. Über die digitale Funktion zur Zusammenarbeit an einem gemeinsamen Text geht dieses sogar noch besser, da die beteiligten Schüler ihre Kopie jeder für sich sehen, jedoch trotzdem gemeinsam mit den zuvor beschriebenen Verfahren bearbeiten können. Dafür benötigt es eine Textverarbeitung, die online Zusammenarbeit unterstützt. Beispiele dafür wären Google Docs oder Office 365, Etherpad oder Open 365.

Text (sinngestaltend) vorgelesen hören

Vor allem jüngeren Schülern hilft es, einen Text besser zu verstehen, wenn sie ihn sinngestaltend vorgelesen bekommen. Zusammenhänge zwischen verschiedenen Textteilen werden ihnen so deutlicher. Nicht jeder braucht diese Hilfe und manchen hilft es, wenn sie den Text sogar mehrfach anhören können und dabei mitlesen und markieren. Der Lehrer kann den Text dafür vorlesen und als MP3 digital für die Schüler zur Verfügung stellen.

An den Beispielen konnte hoffentlich gezeigt werden, welche einfachen und auch komplexeren Möglichkeiten sich mit digitalen Werkzeugen bieten, Leseverstehen zu trainieren. Die digitalen Techniken bieten dabei einen großen Vorteil gegenüber analogen Techniken. Veränderungen am Text lassen sich einfach rückgängig machen. Das ist in der analogen Welt oft nicht möglich. Außerdem ist die Bearbeitung von digitalen Texten, sofern sie kein nicht editierbares Format haben wie PDF, sehr viel flexibler als die von analogen Texten. Veränderungen in der Struktur, Ergänzungen und Reduzierungen lassen sich einfach einfügen. Abschreiben, Zerschneiden, Überkleben, Aufkleben und ähnlich entfallen.

Die meisten der beschrieben Techniken, Texte für eine Verbesserung des Leseverstehens durchzuarbeiten, unterstützen auch gleichzeitig die Erarbeitung und das Training  einfacher Grundfunktionen von Textverarbeitung. Viele der Funktionen sollten bereits mit Grundschülern nutzbar sein.

Alles, was es nun noch braucht, sind Texte. Die kann man aus digitalen Quellen bekommen, über Texterkennung einlesen oder einfach abtippen oder diktieren. Die letzteren beiden Möglichkeiten nutze ich gerne, um mich selbst mehr auf den Text einzulassen. So bereite ich mich am besten auf zu erwartende Schwierigkeiten meiner Schüler im Textverständnis vor.

Einer geht noch …

Posted in Alltag, Schulentwicklung, Schulpolitik by damianduchamps on Februar 7, 2017

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es langsam etwas viel wird für viele Lehrerinnen und Lehrer in unserem Schulsystem. Man kommt ohnehin nicht wirklich voran. Nichts geht und alles muss auf dem Weg in Richtung Zukunft, und dann kam auch noch die Digitalisierung mit allem, was sie mit sich bringt.

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Sie verstehen kaum, was sie lesen oder hören

Posted in Hauptschule, Kompetenzen, Uncategorized by damianduchamps on Februar 5, 2017

An meiner Schule wurden 2016 letztmalig die Lernstandserhebungen Klasse 8 durchgeführt, letztmalig da die Hauptschule ausläuft. Die Ergebnisse für meinen Englisch Grundkurs waren bescheiden. Sie lagen beim Leseverstehen komplett im Niveau 1 und 2. Auch das Hörverstehen war vergleichbar bescheiden. Im Parallelkurs gab es zumindest noch einige wenige Schüler im Niveau 3.

Verglichen mit dem Landesdurchschnitt für die Schulform und den entsprechenden Standorttyp 1 waren diese Ergebnisse jedoch nicht deutlich abweichend. Warum aber, so fragt man sich, ist das Niveau so gering? Warum ist es an meiner Schule so gering und warum ist es auch an vergleichbaren Schulen nicht besser?

Da mir auch die Ergebnisse für das Leseverstehen Deutsch vorlagen, verglich ich diese mit denen von Englisch. Die Ergebnisse in Deutsch umfassen die gesamte Klasse, die meines Grundkurses nur einen Teil der Klasse. Nicht überraschend ist zunächst die Beobachtung, dass sich die Ergebnisse im Leseverstehen der beiden Grundkurse Englisch im Fach Deutsch der jeweiligen Klassen widerspiegeln.

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Mit großer Wahrscheinlichkeit rekrutieren sich die Schüler meines Grundkurs Englisch eher aus denen, die auch in Deutsch im Leseverstehen lediglich Niveau 1 und 2 erreichten (siehe Grafik). Schüler, die schon nicht in der Lage sind, einen deutschen Text lesend mehr als oberflächlich zu verstehen, werden dieses auch bei der englischen Sprache nicht besser können. Liegt eigentlich nahe. Entsprechendes ist für das Hörverstehen zu vermuten, welches in Deutsch nicht getestet wurde.

Das Leseverstehen (Englisch) meiner Schüler und von Schülern an Schulen mit gleichem Standorttyp und an der Schulform insgesamt ist erstaunlich gering. Mit dem Auffinden einfacher Informationen an der Textoberfläche haben die Schülerinnen und Schüler wenig Probleme und auch das Auffinden von Informationen, die in der Aufgabenstellung etwas anders formuliert sind als im Text, klappt noch so einigermaßen. Darüber hinaus geht aber kaum etwas.

Dass meine Schüler in Englisch sehr schwach sind, das wusste ich schon vor der Lernstandserhebung, und ich kenne auch einen Teil der Ursachen. Auch im Unterricht und den Leistungsüberprüfungen zeigte sich das geringe Lese- und Hörverstehen immer wieder deutlich. Sehr überrascht hat mich jedoch das insgesamt geringe Niveau des Leseverstehens in Deutsch. Zwei Drittel der Schüler schaffen nicht mehr als Niveau 2 – Einfaches Verstehen: „Schülerinnen und Schüler können wesentliche Gedanken eines Textes verstehen und Informationen einander zuordnen.“ Sie sind jedoch nicht in der Lage, aus dem Gelesenen Schlüsse zu ziehen, zwischen den Zeilen zu lesen oder einen Text differenziert zu deuten. Und das gilt nicht nur für meine Schule, sondern auch darüber hinaus für Schulform und den Standorttyp.

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Diese Ergebnisse gelten für den Standorttyp der Stufe 1. Das ist noch der günstigste Standorttyp, hier ist die Welt noch relativ in Ordnung.

Standorttyp der Stufe 1

  • Unter 5% der Schülerinnen und Schüler haben – unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit – einen Migrationshintergrund.
  • Unter 5% der Schülerinnen und Schüler bekommen Sozialgeld nach SGB II oder kommen aus Familien, die den gesetzlich geregelten Eigenanteil im Rahmen der Lernmittelfreiheit nicht aufbringen können und zur Unterstützung Sozialhilfe nach SGB XII erhalten.
  • Für die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler gilt, dass die elterliche Wohnung in einem Wohngebiet liegt,
    • dessen Einwohnerinnen und Einwohner ein hohes Einkommen aufweisen, o in dem der Anteil der Empfängerinnen und Empfänger von SGB II Leistungen sehr gering ist,
    • welches einen sehr niedrigen Ausländeranteil aufweist,
    • welches einen sehr niedrigen Arbeitslosenanteil aufweist.
  • Die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler stammt aus einem Wohnumfeld mit einem hohen Wohnwert.

Quelle: Deskriptive Beschreibung der Standorttypen von Schulen bei den Lernstandserhebungen in Nordrhein-Westfalen.pdf

Man fragt sich nun, wie die Ergebnisse der Lernstandserhebung bei den anderen, ungünstigeren Standorttypen ausfallen werden, besser sicher nicht.

Das geringe Leseverstehen, welches die Lernstandserhebung Deutsch den Schülern der Klasse 8 attestiert, wird sich nach meinen Erfahrungen auch in den verbleibenden Jahren an der Schule bei den wenigsten merkenswert verbessern. Es beeinträchtigt so die gesamte Schullaufbahn dieser Schüler. Immer wenn es um schriftliche Aufgabenstellungen und Anweisungen geht oder wenn Informationen aus Texten entnommen werden sollen, werden diese Schüler deutliche Probleme haben, Probleme, weil sie nur unzureichend verstehen, worum es geht. Selbst in der Fremdsprache Englisch schlägt sich dieses nieder, noch einmal zusätzlich beeinträchtigt durch unzureichend verfügbares Vokabular. Vielen wird diese Beeinträchtigung nicht einmal bewusst sein, da das Gehirn so etwas einfach ausblendet oder kompensiert.

Doch hier hört es leider nicht auf. Diese jungen Menschen, die meiner Schule im günstigen Umfeld und die vielen anderen aus weniger günstigen Standorttypen mit wohl noch geringerem (Hör- und) Leseverstehen werden bald in die Gesellschaft entlassen. Dort müssen sie ein Leben lang mit ihrem geringen Leseverstehen zurecht kommen, wenn sie am Arbeitsplatz sind, wenn sie Verträge für Käufe oder Versicherungen unterschreiben, wenn sie sich über etwas informieren wollen und ähnlich. Und wenn ich an die parteipolitische Landschaft unseres Landes denke, dann werden sie Parteien begegnen, die mit Parolen in einer einfachen, griffigen Sprache daher kommen, genau wie für sie gemacht, eine Sprache, die auch sie verstehen, eine Sprache auf Niveaustufe 1.

Wer ihnen dann in Zeitungen, Magazinen, Talkrunden oder anderen textlastigen Formaten erklären und ausführlich auseinandersetzen möchte, warum diese Parteien vielleicht nicht so gut sind, polarisieren wollen, ein einseitiges Menschenbild zeichnen und ähnlich, wird sie nicht erreichen, denn sie werden kaum verstehen, was sie da lesen oder hören.

Vielleicht ist das jetzt ein sehr einfach gezeichnetes Bild. Es ist auch nicht neu, dass Schule viele junge Menschen nur unzureichend auf das Leben vorbereitet entlässt. Mir war es jedoch, angeknüpft an die Ergebnisse der LSE 8 meiner Schule, noch einmal ein Anlass zum Nachdenken über die Tragweite dieser Versäumnisse des Systems Schule.

Schluss mit dem digitalen Schwebezustand

Posted in Medienwelt, Schulentwicklung, Schulpolitik, Uncategorized by damianduchamps on Januar 14, 2017

Wenn aktuell mal wieder beobachte, was sich in der Bildungslandschaft ereignet, vergeht mir die Lust an Schule und Schulentwicklung, an Entwicklung von Unterricht mit digitalen Tools und der Beratung von Schulen und Schulträgern dahingehend.

Der Grund dafür ist einfach. Es hängt alles in der Schwebe. Nichts ist wirklich klar definiert. Hier in NRW kommt nun GuteSchule#2020. Toll mag man meinen, endlich tut sich etwas. Nur, mehr als einen Topf voll Geld und ein paar grobe Vorgaben gibt es nicht. Bloß nichts festlegen, nein, keine festen Vorgaben machen, keine verbindlichen Ziele definieren. So kommt es, wie es kommen muss. Die einen sanieren damit Gebäude, an anderer Stelle baut man ganze Schulen neu davon, hört man, und ein klein wenig wird auch in digitale Infrastruktur investiert. Wenn das Jahr 2020 um ist, werden wir feststellen, dass die Standards an den Schulen in NRW weiterhin höchst unterschiedlich sind. Manche haben Breitbandanschluss und WLAN im gesamten Gebäude, für Schüler und Lehrer, andere endlich funktionierende Toiletten und dichte Dächer oder Klassenräume statt Container, jedoch noch immer keinen Breitbandanschluss und auch kein WLAN im Gebäude. Dass uns das als Land wirklich weiterbringt, werden nur Politiker behaupten, die sich in irgendeiner Vorzeigeschule in einer iPad Klasse von den Medien feiern lassen.

Und dann ist da ja noch das Milliardenpaket des Bundes. Auch hier wird es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht anders laufen. Schon jetzt regt sich Widerstand gegen Bevormundung durch den Bund. Am liebsten hätte man das Geld vermutlich in die Landestöpfe und würde dort damit nach eigenem Belieben verfahren, ohne exakte Zielvorgaben und ohne jegliche Rechenschaft.

Ich wünschte mir, es gäbe sehr eindeutige Vorgaben, sowohl vom Land als auch vom Bund, am besten miteinander abgestimmt. Könnte man nicht zeitliche Vorgaben machen und sagen, bis zum Jahre X hat dieses und jenes zu erfolgen?

  • alle Schulen, ohne Ausnahme, sind an Breitband angeschlossen
  • alle Schulgebäude sind mit WLAN ausgeleuchtet
  • alle Klassenräume haben Präsentationsmedien
  • alle Lehrerinnen und Lehrer sind fortgebildet/fit gemacht
  • alle Länder haben überarbeitete Fachcurricula
  • alle Schulen haben Medienkonzepte und angepasste Fachcurricula
  • alle Schulen können auf eine Basis online IT Infrastruktur zugreifen
  • alle Lehrer, die kein Privatgerät nutzen, haben ein Dienstgerät
  • alle Schüler haben digitale Endgeräte

Alle habe ich jeweils hervorgehoben, da es nicht sein kann, dass in einem reichen Land wie Deutschland, Schulen, Schüler und Lehrer benachteiligt werden, nur weil sie das Pech haben, in eine strukturschwachen Kommune zu leben oder weil im Falle von Schülern ihre Eltern nicht über ausreichend Einkommen verfügen. Alle schreibe ich auch, weil es nicht der Beliebigkeit kommunaler Verwaltungen und parteilichen Ideologie überlassen werden kann, was am Ende dabei herauskommt.

Ich denke, hier sollte es wirklich einen Konsens geben, egal wo die Bundesländer und ihre Regierungen schulpolitisch gerade stehen. Mögen sie sich an ihren Schulformen abarbeiten, wenn sie das denn brauchen, doch bitte nicht an solch grundlegenden Fragen wie der Ausrichtung unserer Schulen und ihres Unterrichts auf eine Zukunft, die schon längst begonnen hat.