Damian Duchamps' Blog

Frischer Wind für die Bibliothek – Leseempfehlungen zum Anhören mit QR Code

Posted in Medienwelt, Tools, Uncategorized by damianduchamps on September 12, 2016

Vor allem über Pinterest stieß ich immer wieder auf ein Beispiel der Nutzung von QR Codes, welches in den USA schon in der Grundschule Anwendung findet und auch für weiterführende Schulen von Interesse ist. Es geht darum, Leseempfehlungen zu Büchern nicht nur im Schulheft zu verfassen und in der Klasse vorzutragen, sondern diese Empfehlung als Audiodatei aufzunehmen und über einen QR Code in der Schulbibliothek abrufbar für interessierte Mitschüler bereitzustellen. Die QR Codes werden auf eine Karte gedruckt, mit dem Cover des besprochenen Buches und samt dem Buch im Regal aufgestellt. Interessiert sich ein Schüler für dieses Buch und möchte mehr wissen, scannt er den QR Code mit seinem Smartphone und hört sich dann über den Browser die Buchbesprechung an, um danach zu entscheiden, ob das Buch für eine Lektüre von Interesse ist.

Die im Deutsch- oder Fremdsprachunterricht erarbeitete Buchempfehlung wird damit auf ein ganz neues Niveau gehoben. Schüler schreiben die Buchempfehlung jetzt für ein größeres Publikum und vor allem ein echtes Publikum, welches sich die Empfehlung nicht nur anhört, weil sie in der Klasse für eine Benotung vorgelesen wird. Außerdem müssen für die Aufnahme Vorgaben wie maximale Zeitdauer und gutes, fehlerfreies Vorlesen umgesetzt werden. Für die Bibliothek kann das die Attraktivität deutlich steigern. Gibt es keine Schulbibliothek kann das Vorhaben auch in Kooperation mit einer Stadt- oder Gemeindebibliothek umgesetzt werden. Im Idealfall verfügt die Bibliothek über ein frei zugängliches WLAN. Wie könnte so ein Vorhaben in der Schule aussehen?

Ein Workflow, wie er in der Praxis aussehen kann

Die folgende Beschreibung geht davon aus, dass Audioboom genutzt wird, um die Audiodateien online zum Anhören zu speichern. Nur der Lehrer hat einen Account und die App auf seinem Tablet oder Smartphone installiert. In der Lerngruppe sind Smartphones und/oder Tablets verfügbar. Im Idealfall kann jeder Schüler ein eigenes Gerät nutzen. Auf den von den Schülern genutzten Geräten sind kostenlose Audiorekorder Apps installiert. Das Thema Buchbesprechung steht an. Die Kriterien wurden erarbeitet. Das Vorlesen für eine Aufnahme wurde thematisiert und geübt.

  1. In der Schulbibliothek suchen sich die Schüler Bücher aus, die sie vorstellen möchten.
  2. Die Schüler lesen ihre Bücher und verfassen eine Buchbeschreibung.
  3. Die Buchbeschreibung wird mit einem Audiorecorder App aufgenommen.
  4. Über eine Form des Dateiaustausches, zum Beispiel Bluetooth, wird die fertige MP3 Datei auf das Lehrergerät übertragen.
  5. Der Lehrer lädt die MP3 Dateien über Audioboom in einen zuvor eingerichteten Account hoch.
  6. Zu jeder Datei wird ein Titel ergänzt. Auch das Hochladen eines Titelfotos ist möglich. (Dieser Schritt kann alternativ am PC/Notebook im Browser erfolgen.)
  7. Zu jeder Buchbesprechung wird der von Audioboom erzeugte QR Code ausgedruckt. (Für viele ist dieser Schritt leichter an einem PC/Notebook im Browser zu erledigen.)
  8. Vom Cover des jeweiligen gesprochenen Buches wird ein Foto gemacht und ausgedruckt.
  9. Jeder Schüler klebt das Foto des Buchcovers und den QR Code auf ein Stück Karton und schreibt den Titel und Autoren des Buches hinzu.
  10. In der Bibliothek wird die Karte zum Buch gestellt. Idealerweise werden Bücher mit diesen Buchbesprechungen wechselnd in ein Ausstellungsregal gestellt.

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Was wird für die praktische Umsetzung benötigt?

  • eine Schulbibliothek, auch eine Stadt- oder Gemeindebibliothek wären als Kooperationspartner denkbar
  • eine Möglichkeit, Audiodateien online abrufbar zu speichern
    • Audioboom: es können im kostenlosen Account unbegrenzt viele Dateien gespeichert werden, sofern sie eine Länge von 3 min nicht überschreiten
    • Dropbox: in der kostenlosen Variante stehen 2 GB zur Verfügung, eine 1,5 min Aufnahme entspricht in etwa 1,5 MB bei Standardkompression des mp3, Dateien müssen freigegeben werden
    • OneDrive: hängt vom jeweiligen Account ab
    • Schulserver etc.: abhängig von den lokalen Gegebenheiten
  • ein mobiler Zugang über ein offenes WLAN (Freigabebeschränkung z.B. nur auf Audioboom.com möglich) zu den Audiodateien
    • ins Internet, wenn die Dateien bei einem Internetdienst wie Audioboom abgelegt werden
    • ins lokale Netz, wenn die Dateien auf einem Speicherort im Haus abgelegt werden
  • Aufnahmemöglichkeiten wie Computer, Smartphones oder Tablets mit integriertem oder abschließbare Mikrofon und entsprechender Software/ Apps zur Aufnahme im mp3 Format
  • eine Möglichkeit, ein Bild vom Buchcover zu machen und auszudrucken
  • eine Möglichkeit, die Adresse des Speicherorts der Audiodatei als QR Code auszudrucken
    • bei Audioboom wird der QR Code in der App bzw. auf der Webseite angezeigt
    • bei anderen Speicherorten braucht es einen Dienst, die Adresse des Speicherorts in einen QR Code umzuwandeln, z.B. http://www.qr-code-generator.de
    • Karton, auf welchen das Bild des Buchcovers und der QR Code geklebt werden
  • ein Plakat für die Bibliothek
    • mit einem Hinweis auf den WLAN Zugang
    • mit einer Anleitung, wie man über Einscannen des QR Codes die Buchbesprechung im Audioformat mittels Smartphone abrufen kann
    • mit einem Hinweis auf die benötigte QR Code Scanner App und die Verfügbarkeit in den jeweiligen App Stores

Praktische Tipps

In Ergänzung zum vorgestellten Workflow folgen einige Tipps und Alternativen für die vorgestellte Vorgehensweise.

Verfassen der Buchbesprechung

Bevor die Buchbesprechung verfasst wird, reicht es nicht nur, zu besprechen, was eine Buchbesprechung ist und sich Beispiele anzusehen. Da die Buchbesprechung nicht zum Durchlesen gedacht ist, sollten auch Kriterien erarbeitet werden, die für eine Buchbesprechung gelten, die zum Anhören gedacht ist, wie maximale Zeitdauer und einfachere Satzstruktur.

Aufnahme der Buchbesprechung als Audiodatei

Für die Aufnahme bieten sich verschiedene Möglichkeiten an.

Aufnahmemöglichkeiten

Smartphone/Tablet

Die wohl einfachste Möglichkeit für eine Aufnahme bieten Smartphone und Tablet, da sie über ein integriertes Mikrofon verfügen und es passende Apps gibt.

  • Audioboom bietet ein eigenes App für Android und iOS an, in welchem direkt aufgenommen und hochgeladen werden kann. Auch das Hochladen von in andere Apps aufgenommenen Audiodateien ist möglich.
  • Nimmt jeder Schüler mit seinem Gerät auf, wird die mp3 Datei anschließend z.B. per Bluetooth auf das Lehrergerät übertragen und kann von dort hochgeladen werden.
PC/Notebook

Wird über einen PC oder ein Notebook aufgenommen ist ein integriertes oder externes Mikrofon notwendig. Das Hochladen erfolgt dann im Browser.

MP3 Player, Diktiergerät, Audiorekoder

Heute eher nicht mehr in Erwägung zuziehen, da heute genug Schüler Smartphones haben und es damit einfacher ist. Datei müsste dann auf PC übertragen werden.

Aufnahmeformat

Aufgenommen werden sollte in einem der folgenden Formate: mp3, m4a, wave

Achtung: vorinstallierte installierte Audiorekorder Apps nehmen oft in einem eigenen Format auf (g3p), das nicht für Upload geeignet ist (testen!) und umgewandelt werden müsste. Besser wird also ein separates App installiert. Es gibt viele kostenlose.

Umwandlung der URL der Audiodatei in einen QR Code

  • Audioboom stellt die QR Codes zur Verfügung, im App wie über die Webseite.
  • Online Dienste wie http://www.qr-code-generator.com/ oder auch Apps auf Smartphone/Tablet erlauben es URLs umzuwandeln, wenn ein anderer Speicherort als Audioboom genutzt wird.

Differenzieren in Google Classroom

Posted in Creative Commons, Datenschutz, Google Classroom, Tools by damianduchamps on September 11, 2016
Ein Hinweis zur datenschutzrechtlichen Problematik der Nutzung von Google Classroom in deutschen Schulen findet sich am Ende des Beitrags

Eines für alle

Problem

Innerhalb von Google Classroom kann man über das Anhängen von Dateien an ein Assignment an alle Schüler nur ein und dasselbe Material austeilen. Jeder erhält so das gleiche Material. Was, wenn man gerne differenzieren möchte?

Lösung

Will man differenzieren, muss man sich mit einem kleinen Trick behelfen.
Anstelle eines Materials, welches jeder Schüler in Kopie gleich erhält, wird ein nicht bearbeitbares Hyperdokument erstellt. Das ist nichts anderes als ein Dokument, welches Links enthält, die auf weitere Materialien verweisen.
Über dieses Hyperdokument, im Folgenden als das zentrale Arbeitsblatt bezeichnet, werden die Links zu den Differenzierungsmaterialien weitergegeben, welche die Schüler dann in ihren Drive kopieren, bearbeiten und anschließend als Lösung über die Aufgabenstellung/Assignment einreichen können.

(more…)

Padlet – das digitale Einsteigertool für Lehrer

Posted in Kompetenzen, Tools by damianduchamps on September 4, 2016

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Padlet ist eines der einfachsten und genialsten Tools, welche das Internet aktuell für den Unterricht zu bieten hat. Es ist eigentlich nichts anderes als eine Pinnwand, an welcher Inhalte ähnlich wie Haftnotizen gesammelt werden können. Was mir daran besonders gut gefällt, sind vier Dinge:

  • Vielseitigkeit
  • Plattformunabhängigkeit
  • einfachste Nutzung für Schüler wie Lehrer
  • deutsche Sprache

Selbst begegnete ich Padlet, damals noch Wallwisher, erstmals 2010. Ich fand es so ansprechend, dass ich es direkt mit einer Klasse 5 im Englischunterricht nutzte, um Vokabeln zu sammeln. Jeder bekam den Link und alle legten los. Es klappte gut. Leider ging es nur im PC-Raum und das war mir zu aufwändig. Dieses Schuljahr (nach drei Jahren ohne Schule) kam Padlet bei mir erstmals wirklich umfangreich im Unterricht mit Tablets und Smartphones zum Einsatz, um als Lehrer Inhalte bereitzustellen und für meine Schüler um Ergebnisse einer Gruppenarbeit zu sammeln und darzustellen. Das funktionierte sehr gut.

Padlet, ein Tool für Einsteiger

Wo Tablets, Smartphones, Laptops oder anderer Geräte mit Internetzugang in den Unterricht integriert sind, ist Padlet in der Regel bekannt und ein Werkzeug unter vielen. Aber aller Anfang ist schwer. Die Hürden erscheinen interessierten Lehrern oft höher als sie tatsächlich sind. Gerade für erste Gehversuche im Unterricht mit digitalen Tools braucht es Werkzeuge, die sehr einfach zu nutzen sind und keine Vorkenntnisse benötigen. Padlet ist ein solches Tool. Deshalb steht es bei meinen Fortbildungen immer ganz vorne.

Das digitale Plakat plus

Plakate, diese unhandlichen großen Papiere, mochte ich im Unterricht noch nie. Als Lehrer muss man sie erst einmal besorgen, schleppt sie dann herum, ist darauf angewiesen, dass die Schüler auch Schere, Kleber und Marker dabei haben und Material, aus welchem ausgeschnitten werden kann. Meist fehlt wieder einmal irgend etwas. Und anschließend hängen sie vielleicht irgendwo bevor sie letztendlich im Müll enden. Selbst habe ich wegen dieser organisatorischen Hürden auf den Einsatz von Plakaten im Unterricht weitestgehend verzichtet. Referendare sehe ich aber noch immer regelmäßig damit auf dem Weg in die nächste Unterrichtsstunde. Mindestens eine Vorführstunde zeigt einen „Museumsrundgang“.

Enter Padlet

Dank Padlet geht es nun einfacher, denn Padlet ist Plakat + Schere + Kleber + Marker in einem und das Rohmaterial für das Ausschneiden und „Aufkleben“ liefert das Internet. Vorbei sind die Tage, wo ein Schüler wieder einmal etwas vergessen hat und nicht mitmachen kann. Vergessen wird allenfalls noch der Link zum Padlet, doch den hat ja der Lehrer. Nichts liegt herum, verknickt und verstaubt und landet spätestens zum Schuljahresende im Mülleimer. Als Zugabe können auf diesem digitalen Poster auch noch Filme, Audioaufnahmen, zusätzliche Dokumente und Links zu anderen Inhalten im Internet hinzugefügt werden. Und Freunde und Familien der Schüler können sich das Werk zum Schluss über einen Link auch noch ansehen. Tada!

Plattformunabhängig

Minimalanforderung für die Nutzung von Padlet ist ein Internetzugang und ein Browser. Das geht auf jedem Gerät. Für iOS und Android gibt es Apps, über die Padlets aufgerufen und bearbeitet werden können. Ein integrierter QR Code Scanner erlaubt es, Padlets direkt über ihren QR Code im App zu öffnen. Die Bedienung über Touch ist einfach. Doppelt tippen öffnet ein neues Pad oder ein bestehendes für die Bearbeitung. Auch für Chrome OS ist eine Erweiterung verfügbar. Padlets können sehr groß werden. Solange nur kleine Texte eingegeben werden oder ein Bild eingefügt wird, kommt man mit einem Smartphone oder 7“ Tablet aus. Wird ein Padlet umfangreicher, muss ein größerer Bildschirm her.

Benötigtes Vorwissen

Wer einen Browser bedienen kann und des Lesens mächtig ist, kann Padlet. Punkt!

Einfach, einfacher, am einfachsten

Die Bedienung von Padlet ist sehr einfach. Man kann mit „Neues Padlet“ direkt loslegen und die Sache ausprobieren. Ein Assistent führt gut erklärend durch die ersten Schritte: Name, Beschreibung, Layout, Hintergrund und Freigabe. Selbst Mitbenutzer sind ohne Anmeldung möglich, wenn die Standardeinstellungen gewählt werden und die Mitbenutzer (Schüler) den Link erhalten. Direkt vom ersten Padlet aus ist anschließend eine Registrierung möglich, um das Padlet dauerhaft zu sichern. Einmal registriert lassen sich nach Bedarf weitere Padlets anlegen. Beim Benutzen erschließen sich weitere Funktionen recht gut von alleine, etwa dass man Text im Padlet auch formatieren, verlinken und in Listen strukturieren kann.

Doppelklick/+ und loslegen

Neue Pads also Inhaltsfelder werden per Doppelklick oder über das Plus-Zeichen unten rechts erstellt und können dann mit Inhalten gefüllt werden. Inhalte wie Webseiten, Bilder, Videos, Lieder, Dokumente und ähnlich lassen sich per Link einfügen. Fotos, Videos, Audiodateien und Dokumente lassen sich auch hochladen. Jedes Pad kann mit einer Überschrift versehen werden und Text aufnehmen. Text kann formatiert werden, wenn man ihn markiert. Durch Ziehen lassen Pads sich in Größe und Form verändern. Mit Doppelklick auf ein Pad lässt es sich erneut bearbeiten oder löschen.

Multi-User

Padlet ist das ideale Werkzeug für kollaboratives Arbeiten. Wer über den Link verfügt, kann je nach Einstellung schreiben oder moderieren. Schreiben bedeutet für den einzelnen User, dass nur selbst erstellte Pads bearbeitet werden können. Moderieren erlaubt auch das Bearbeiten fremder Pads im Padlet.

Einsatzbeispiele

Padlet ist im Mehrnutzer Einsatz vielfältig zu verwenden. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

  • Schüler erarbeiten ein Thema in Gruppen. Nach der Vorbereitung werden die gesammelten Ergebnisse in Form eines Padlet zusammengestellt, ähnlich wie auf einem Plakat. (Laptop, PC, Tablet größer 7“)
  • Brainstorming für ein Thema. Alle Schüler der Klasse erhalten den Link und können ihre Beiträge einstellen. (Smartphone geeignet)
  • Elfchen oder Haikus gesammelt veröffentlichen. Link/QR Code ins Heft kleben. (Smartphone geeignet)
  • Argumente für eine Erörterung sammeln, eine Seite pro, andere contra. (Smartphone geeignet)
  • LdL – Schüler unterrichten andere Schüler. Sie arbeiten im Team und bereiten ergänzendes Material für eine kleine Unterrichtseinheit in einem Padlet vor. (Laptop, PC, Tablet größer 7“)
  • Von der letzten Klassenfahrt. Ausgewählte Bilder werden mit kleinen Texten von jedem Schüler beigesteuert. (Smartphone geeignet)
  • Ergebnisse eines Kunstprojektes. Jeder Schüler fotografiert sein Bild mit einem Smartphone oder Tablet und lädt es mit einem kleinen Text ins Padlet. (Smartphone geeignet)
  • Planung einer Klassenfahrt. Wenn das Ziel steht, kann in einem Padlet das Programm vor Ort geplant und dargestellt werden, mit Bildern, Informationen, Links und Karten. (Laptop, PC, Tablet größer 7“)
  • Da die einzelnen Pads sich auch verschieben lassen, kann von Schülern in Gruppen ein vorgefertigtes Padlet gemeinsam sortiert werden: Wortgruppen, Verben regelmäßig/unregelmäßig, Oberbegriffe/ Unterbegriffe, … (Laptop, PC, Tablet größer 7“)
  • In einem Padlet wird ein Inhalt (Film, Text, Bild) eingebunden und mit einer Aufgabe versehen. Das Padlet wird in Anzahl der Schülergruppen dupliziert und den Gruppen zugeteilt. Diese bearbeiten dann die Aufgabenstellung. Nach Abschluss wird das Padlet durch Umstellen auf „kann lesen“ für die Bearbeitung gesperrt. Die Gruppen vergleichen nun ihre Ergebnisse. Auch ein Museumsrundgang könnte sich anschließen.
  • Im Kunstunterricht wurden Skulpturen erstellt. Schüler fotografieren ihre Skulptur und stellen das Foto mit einer Erklärung in ein Padlet der Kunstgruppe. (Smartphone geeignet)

Einzelnutzer

Padlet ist auch für einzelne Nutzer interessant. Da es kein Vorwissen braucht, bekommt hier jeder Lehrer die Möglichkeit, auf einfachste Art eine kleine Webseite zu erstellen. Aber auch Schüler können ihr Padlet erstellen.

Einsatzbeispiele

Immer wenn eine schnelle, einfache Webseite benötigt wird, ist man mit Padlet gut aufgehoben, um Inhalte ins Netz zu stellen.

  • Es geht mal eine Runde in den PC Raum. Über das Padlets werden Links mit Recherchenaufträgen weitergegeben. Der Link zum Padlet kann über einen Dienst wie bit.ly verkürzt werden
  • Für den Einstieg in ein neues Thema wird eine Seite mit Informationen vorbereitet.
  • Ein Padlet wird als zentrale Seite für eine Unterrichtsreihe angelegt mit Links zu anderen Webseiten, Links zu Schüler Padlets, …
  • Über ein Padlet werden Materialien, z.B. Arbeitsblätter zum Ansehen und Herunterladen für die Schüler bereitgestellt.
  • Ein Padlet wird als einfaches Blog genutzt.

Padlet motiviert

Da man mit Padlet leicht ein Publikum außerhalb der Schule erreichen kann, ist die Motivation bei vielen Schülern größer. Sie können anderen zeigen, was sie in der Schule machen, der Familie und den Freunden. Über einen Link kann das Padlet in die Schulhomepage eingebunden werden. Tipp: vor der Veröffentlichung sollte das Padlet schreibgeschützt werden.

Die Nutzung  von Padlet macht kompetent

Als Werkzeug ist Padlet eben mehr als ein Plakat aus Papier. In seiner einfachsten Nutzung kann es ein Plakat 1:1 in seiner Funktion ersetzen. Aber damit hört es nicht auf. Plakate sind statisch. Ein Padlet kann Filme und Animationen aufnehmen und Links zu anderen Webseiten. Außerdem kann ein Padlet leicht über den Klassenraum hinaus gezeigt werden. Hier sind die Möglichkeiten gegenüber dem Plakat deutlich erweitert (aus Sicht von Unterrichtenden: im SAMR Modell auf der Stufe Augmentation).

So wenig wie es beim Plakat nur darum geht, mit Schere, Kleber und Marker umgehen zu können, so wenig steht bei Padlet das Handling im Mittelpunkt. Sicher muss auch dieses eingeübt werden, doch im Vordergrund steht bei der Nutzung von Padlet im Unterricht je nach Thema die Darstellung von Inhalten und ihren Zusammenhängen, die Organisation der Arbeit im Team und die Absprache über die Inhalte und gemeinsame Standards der Darstellung, die Weitergabe von erarbeiteten Ergebnissen an andere innerhalb der Lerngruppe oder über sie hinaus in die Öffentlichkeit des Internets und mehr.

Schüler nutzen Padlet

Bei der Arbeit mit Plakaten kommen oft nur die zum Zuge, die eine schöne Handschrift haben oder gut zeichnen können. Padlet bietet auch grobmotorischen oder zurückhaltenden Schülern eine Möglichkeit, sich in die Teamarbeit einzubringen. Digital schreiben alle schön und der digitale Raum bietet der Kreativität bei der Gestaltung größere Freiräume.

Für Schüler kann Padlet ein erster Einstieg in die Arbeit mit Webseiten sein, da die grundlegenden Möglichkeiten der Einbindung von Inhalten sehr ähnlich sind. Schüler, die mit Padlet umgehen können, sind auch in der Lage, einen Beitrag in einem Blog zu schreiben und mit Links, Bildern, Videos etc. zu versehen. In der gemeinsamen Arbeit an einem Padlet üben Schüler zudem die nötigen sozialen Kompetenzen ein, welche erforderlich sind, ein gemeinsames Projekt zu erstellen. Ohne Regeln und Absprachen wird es nicht gehen. Anders als beim Plakat, wo meist nur einer arbeiten kann, können hier in einer Gruppe wirklich alle gleichzeitig arbeiten. Soll das Padlet veröffentlicht werden, so dass es auch über Google zu finden ist, bietet Padlet einen guten Anlass, sich mit dem Thema Urheberrecht und Creative Commons auseinanderzusetzen.

Lehrer nutzen Padlet

Lehrern bietet sich Padlet als ein Instrument an, mit welchem sie erste Gehversuche machen können beim Einsatz eines digitalen online basierten Tools zur Gestaltung ihres Unterrichtes. Sie werden dabei merken, dass Padlet gegenüber dem Plakat weitaus mehr Möglichkeiten bietet und selbst neue Lernanlässe bietet. Wer mit Padlet positive Erfahrungen sammelt, und das wird man, wird Zutrauen gewinnen, neugierig werden und sich auch nach anderen digitalen Tools umsehen.

Vor dem ersten Unterrichtseinsatz

Bevor man als Lehrer Padlet (oder andere digitale Werkzeuge) im Unterricht einsetzt, sollte man sich zunächst im Klaren sein, was man damit erreichen möchte. Es geht um Unterrichtsentwicklung. Padlet ist natürlich auch ein Lerngegenstand aber nur nachgeordnet. Welche Lerngelegenheiten möchte ich durch den Einsatz von Padlet im Unterricht für meine Schüler ermöglichen? Außerdem sollte man sich selbst ausreichend vertraut gemacht haben mit Padlet. Erschließen sie sich selbst Inhalte mit einem Padlet, nutzen sie es selbst zum Lernen, bereiten sie damit ein Thema auf. Mit dieser Erfahrung können sie abschätzen, welche Anforderungen Padlet an ihre Schüler stellt und welche Möglichkeiten es ihnen bietet, Lernprozesse zu gestalten, welche Lerngelegenheiten es ihnen erschließt. Nutzen sie Padlet gemeinsam mit Kollegen einer Fachkonferenz, um ihr schulinternes Curriculum weiterzuentwickeln oder ein neues Themenfeld gemeinsam aufzubereiten. So erfahren sie die Möglichkeiten kollaborativen Arbeitens mit Padlet selbst und können sie anschließend ihren Schülern vermitteln.

Lehrerfortbildung ohne ICT geht gar nicht

Posted in Alltag, Kompetenzen, Schulentwicklung by damianduchamps on August 15, 2016

In einem Video mit Will Richardson – TTT#342 Why School? with Will Richardson – in dem es auch um seine Schrift „Why School?“ geht, äußert er einen Gedanken, den ich sehr wichtig finde, wenn man sich mit dem Einsatz digitaler Endgeräte wie Tablets im Unterricht auseinandersetzt. Lehrer, so fordert er, müssten sich erst einmal für ein oder zwei Jahre selbst als Lernende vertraut machen mit den Geräten und Möglichkeiten, bevor sie diese im Unterricht einsetzen und Schülern in die Hand geben. Lehrer müssten selbst damit vertraut sein, sicher damit umgehen können und sie kompetent als Werkzeuge in ihrem eignen Lernen einsetzen können. Wenn der Lehrer selbst Lernender ist mit digitalen Werkzeugen, so Richardson, kann er besser beurteilen, wie man diese in einem Lernkontext mit Schülern einsetzt. Sonst würden es letztlich nur digitale Arbeitsblätter sein oder dass die Hausaufgaben auf einer Webseite hinterlegt werden. Richardson ist der Meinung, dass Schulen viel zu wenig darin investieren, ihre Lehrer mit den Geräten vertraut zu machen.

Viele Lehrer sind digitale Dünnbrettbohrer

Leider verhält es sich so, dass viele Lehrer wenig kompetent im Umgang mit digitalen Endgeräten sind, und das meint nicht nur die älteren Lehrkräfte. Auch bei jüngeren beobachtet man immer wieder, dass die Kenntnisse sehr oberflächlich sind. Im schulischen Kontext reicht es in der Regel für das Erstellen von sehr einfachen Arbeitsblättern und das Führen von Notenlisten. E-Mail nutzt man für Dienst-Mails notgedrungen. Man kann im Computerraum oder am interaktiven Whiteboard auch noch Videos von YouTube zeigen und eine Recherche durchführen. Vielleicht kann man Schülern auch noch Grundlagen einer Powerpoint Präsentation vermitteln. Damit endet es bei vielen dann auch schon. Die Lehrer, mit denen ich zu tun habe, nutzen Computer und das Internet nicht, um selbst damit zu lernen.

Wer nicht selbst kompetent ist, wird ICT auch eher nicht im Unterricht nutzen

Wer sich selbst nicht sicher fühlt, wird im Unterricht lieber beim Bewährten bleiben. Warum soll man sich auf etwas einlassen, was zu Misserfolgen und Frustration führt? Warum soll man etwas nutzen, von dessen Nutzen man nicht überzeugt ist, weil man selbst keine positiven Erfahrungen damit gemacht hat? Wie soll man, selbst wenn man willig ist, digitale Werkzeuge im Unterricht gewinnbringend einsetzen, wenn man nicht weiß wie? Ich denke, es liegt bei Lehrkräften in der Regel nicht am mangelnden Willen, doch man kann es nicht und weiß nicht, was möglich ist. Natürlich kann man gemeinsam mit den Schülern lernen, wie Ulf Blanke (@ulfblanke) richtig sagt. Doch wer schon über ausreichend Erfahrungen verfügt, wer den Schülern zumindest in einigen Bereichen einige Schritte voraus ist, der wird erfolgreicher sein. Für jemanden der selbst über eine gute Kompetenz verfügt, sagt es sich „Schüler und Lehrer können auch gemeinsam lernen“ sehr leicht. Man darf dabei nicht vergessen, dass auch Schüler das Lernen mit dem Internet nicht erfunden haben. Sicher können sie YouTube nutzen, um Anleitung zum Lösen von Problemen zu finden. Das ist aber nicht alles. Es passt darüber hinaus nicht zum Selbstverständnis vieler Lehrkräfte, sich ohne ausreichenden Hintergrund in neue Fahrwasser zu begeben. Es könnte zu vieles schief gehen, so die Sorge.

Lehrerfortbildungen sind so 1.0

Als ich das Video mit Will Richardson sah und seine Forderung nach dem Vertrautmachen von Lehrkräften mit Tablets bevor sie es Schülern in die Hände geben, hörte, dachte ich sofort an die Lehrerfortbildungen im Land und die diversen offiziellen Kongresse, so wie ich sie zumindest aus NRW kenne. Die digitalen Möglichkeiten werden dort so gut wie gar nicht genutzt. Dass auf einem Kongress für die Schulträger, Medienzentren und Medienberater etwa eine Twitterwall als Backchannel genutzt wird oder eine Möglichkeit der gemeinsamen Dokumentation über ein Etherpad, darauf wartet man vergebens. Lediglich der Vortragende nutzt Notebook und Projektor, vielleicht noch mit Internetanschluss.

Nicht viel anders verhält es sich bei vielen offiziellen Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer durch die Moderatoren der Kompetenzteams. Die Moderatoren nutzen vielleicht digitale Präsentationstechniken und einige sehr wenige Teilnehmer machen vielleicht Notizen auf Notebook oder Tablet. Darauf beschränkt sich dann der Einsatz digitaler Werkzeuge. In Arbeitsphasen werden bekannte Moderationstechniken genutzt, wie sie bei den Moderatorenschulungen vermittelt werden, Platzdeckchen, Plakat erstellen, Museumsrundgang, Karten beschriften und an eine Pinnwand heften. Und um die tollen Ergebnisse zu sichern, macht hinterher vielleicht noch jemand ein paar Fotos. Wenn ich das als Teilnehmer erlebe, denke ich, ich bin im Schul-Museum.

Keine Lehrerfortbildungen mehr ohne digitale Werkzeuge

Sicher gibt es auch Ausnahmen von den geschilderten analogen Zuständen in der Lehrerfortbildung, etwa in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern. Allerdings geht es dort vor allem um den Einsatz digitaler Möglichkeiten im Unterricht. Lehrer probieren aus, was sie mit ihren Schülern machen können. Das ist schon ein Stück besser als gar nichts. Wenn Lehrer kompetent werden sollen in der Nutzung digitaler Werkzeuge zum gestalten eigener Lernprozesse, und das müssen sie, dann müssen sie eine Möglichkeit bekommen, zumindest eine Grundkompetenz zu erhalten. Von da aus müssen sie sich selbst auf den Weg machen, sich mit Kollegen vernetzen und gemeinsam mit den Schülern lernen.

Bei der Sache gibt es natürlich einen Haken. Auch die Moderatoren sind mehrheitlich nicht kompetent in der Nutzung von digitalen Werkzeugen für das eigene Lernen. Das schlägt sich nicht nur im Fehlen dieser Thematik in den Inhalten der fachlichen Fortbildungen nieder, sondern eben auch in der Gestaltung der Fortbildungen selbst.

Folglich müsste man zunächst die Moderatoren selbst kompetent machen. Da die meisten von ihnen selbst Lehrerinnen und Lehrer an Schulen sind, sollten sie die beste Unterstützung bekommen, dass sie an ihren Schulen auch digitale Werkzeuge im Unterricht nutzen können. Nur dann werden sie als Lernende und Lehrende die notwendigen Kompetenzen erlangen. Im nächsten Schritt könnten sie dann ihre Fortbildungsmodule überarbeiten und ihr Portfolio an Moderationstechniken auf digital umstellen.

Im letzten Schritt bilden sie dann unter Einsatz von digitalen Möglichkeiten Lehrende weiter und helfen ihnen so nicht nur fachlich auf den Weg, sondern auch dabei, selbst zu Lernenden zu werden, die in der Lage sind die digitalen Möglichkeiten für sich zu nutzen, womit sie in die Lage versetzt werden, diese Möglichkeiten auch in ihrem eigenen Unterricht einzusetzen und dabei ihren Schülern lernendes Vorbild sind.

Selbiges gilt im Prinzip auch für die Lehrerausbildung an Universitäten und Seminaren. Es wird leider nicht reichen, wenn man Informatik zum Gegenstand jeglicher Lehrerausbildung macht, denn die kann man sich auch noch aus Bücher aneignen.

Zuverlässiger Internetzugang ist absolute Bedingung für den Unterricht im digitalen Zeitalter

Posted in Medienwelt, Schulentwicklung by damianduchamps on August 2, 2016

Aus eigener oft leidvoller Erfahrung weiß ich, wie wichtig ein zuverlässiger und stabiler Internetzugang für den Unterricht mit digitalen Tools ist. Sicher kann man auch auf einem einzelnen Gerät arbeiten ohne Internetzugriff oder im lokalen Netz der Schule, doch ohne einen aktiven Zugang zum Internet ist vieles nicht möglich. Viele Anwendungen setzen auf Vernetzung, vermutlich sogar die Mehrheit. Ohne den Server im Internet sind sie in ihrer Funktionalität meist extrem eingeschränkt oder sogar überhaupt nicht zu nutzen. Padlet oder Kahoot wären Beispiele für letzteren Fall. Das gleiche gilt für viele LMS, außer sie liegen auf dem Schulserver im Schulgebäude.

Wer seine Unterrichtsstunden mit dem Einsatz von Tablets, Laptops, Smartphones und interaktivem Whiteboard plant, setzt ein funktionierendes Internet voraus. Mit der Verfügbarkeit des Internetzugangs steht und fällt jedoch die geplante Stunde. Die Verbindung ins Internet muss deswegen verlässlich verfügbar sein, so wie das Wasser, welches aus der Leitung kommt oder der Strom aus der Leitung.

Erlebt man als Lehrer mehrfach, wie eine geplante Stunde am fehlenden Internetzugang scheitert, wird man in Zukunft lieber komplett verzichten. Natürlich kann man improvisieren, doch immer wieder macht man das nicht. Fehler suchen können auch nur die technisch versierten Lehrenden, aber auch das geht nur begrenzt, da es oft viel Zeit braucht, während der die Schüler etwas zu tun haben müssen. Von daher muss jede Schule über einen absolut verlässlichen Internetzugang verfügen. Technisch ist das einfach zu lösen, durch mehrere Zugänge. Im Idealfall hat jede Schule mindestens zwei Internetzugänge. Diese sollten am besten unterschiedliche Techniken und Anbieter nutzen. Viele Schulen haben einen Telekom@School Anschluss (DSL). Diesen kombiniert man idealerweise mit einem Kabelanschluss. Ist dieser nicht verfügbar, kann es auch ein anderer sein, je nachdem, was verfügbar ist, Richtfunk, mobiles Internet (LTE/4G), Freifunk, Meshnetzwerk, Satellit, …  . Es sollten nach Möglichkeit nur nicht zwei Anschlüsse sein, welche die gleiche „Leitung“ nutzen, wie oft bei DSL der Fall. Ein weiterer Vorteil der Bündelung von einem oder mehreren Anschlüssen ist neben der Ausfallsicherheit die stärkere Gesamtleistung des Internetzugangs.

Sicher werden manche Schulträger die Sinnhaftigkeit eines Doppel- oder Mehrfachanschlusses bezweifeln. Die Argumente haben Schulen aber auf ihrer Seite. So wie auch für viele Firmen eine hohe Ausfallsicherheit unverzichtbar ist, so trifft dieses auch für Schulen zu, wenn sie ihren Unterricht mit digitalen Tools gestalten. An den Kosten kann es eigentlich nicht scheitern. Im Budget für eine Schule im Sekundarbereich macht ein Internetzugang den geringsten Anteil aus. Bei kleinen Grundschulen mag das anders allerdings aussehen.

Auch die Technik ist verfügbar. Die Bündelung (engl. bonding) mehrerer Anschlüsse kann direkt im Server erfolgen über mehrere Karten und entsprechende Software oder wesentlich einfacher durch ein Zusatzgerät. Mushroom bietet beispielsweise ein solches an, welches mit zusätzlichen Online Dienstleistungen betrieben werden kann (und ohne). Für Schulen sollte die Hardware ohne zusätzliche Online-Services reichen. Das Gerät kann bis zu 8 Leitungen verschiedener Anbieter und Übertragungswege bündeln.

Fazit: Bei der Ausstattungsplanung für einen Unterricht mit digitalen Tools, die ohne eine Nutzung des Internets auf Dauer kaum Sinn macht, sollte auf jeden Fall eine zuverlässige Anbindung der Schule ans Internet berücksichtigt werden. Selbst für Schulen in Regionen mit schlechter Internetanbindung kann die Bündelung verschiedener Anbieter Sinn machen, auch um die Breite der Anbindung zu erhöhen.

Selbstverständlich ist für einen gelingenden Unterricht mit Informations- und Kommunikationstechnologien von technischer Seite die Zuverlässigkeit im schulischen WLAN und den anderen technischen Komponenten ebenfalls eine absolut unabdingbare Voraussetzung, die bei der Planung zu berücksichtigen ist.


Mehr Informationen zum Thema findet man auch unter Stichworten wie „multi wan“, „multiple wan“, „dual wan“ und „link aggregation“. Man unterscheidet verschiedene Techniken, wie mit Anfragen von Clients ins Internet umgegangen wird. Wird load balancing genutzt oder nicht? Für Linux Server gibt es Software Bundle, die sich auf mulitiple wan verstehen. Auf all diese Technologien soll hier jedoch nicht eingegangen werden. Siehe auch Kanalbündelung bei Wikipedia (und etwas ausführlicher Channel Bonding in der englischsprachigen Wikipedia).

 

 

 

 

 

Afrikas Wildleben live in den Unterricht holen

Posted in Creative, Medienwelt by damianduchamps on Juli 26, 2016

Wie oft träumt man als Lehrer von tollen Exkursionen, vom Lernen vor Ort in Begleitung eines Experten. Leider lässt sich das nur selten realisieren. Zeit, Geld und Entfernung lassen diese Träume zerplatzen wie Seifenblasen. Und je weiter ein möglicher außerschulischer Lernort entfernt ist, desto geringer sind die Chancen, diesen jemals mit einer Lerngruppe besuchen zu können. Ins Wattenmeer könnte man eventuell noch kommen im Rahmen einer Klassenfahrt, doch der afrikanische Busch ist für uns so entfernt wie der Mond.

Manch einer erinnert sich an Kontakte von US amerikanischen Schulklassen zu Astronauten auf der ISS.  Schüler konnten dabei über eine Liveschaltung direkt mit den Astronauten sprechen, Fragen stellen und sie Experimente ausführen lassen, für die zuvor Materialien zu ISS geschafft worden waren. Tolle Sache, nur sind die Chancen, daran teilnehmen zu können, sehr begrenzt.

Es gibt jedoch andere Möglichkeiten, Liveschaltungen zu Experten zu bekommen. Eine davon möchte ich hier vorstellen. Sie ist geeignet für Lerngruppen ab Klasse 9 an Gymnasien und Gesamtschulen, die mit Englisch bilingual arbeiten. Fächer, für welche das Angebot von Interesse ist, sind Biologie und Englisch

Safari LIVE

Schon seit mehreren Jahren gibt es diese Live Drives und Live Bush Walks in einem Teil des südafrikanischen Kruger National Parks. Hier sind zweimal täglich für jeweils drei Stunden Teams unterwegs und stellen die Tier- und Pflanzenwelt im Ökosystem Busch vor. Zuschauer lernen dabei nicht nur große Säuger kennen, sondern auch Vögel, Insekten und Reptilien. Vorgestellt werden typische Lebensräume, Fortpflanzung und Ernährung. Die Safari Führer gehen auf das Wetter ein, die Geologie, den Jahreszeitenwechsel und die Arbeit als Safari Führer selbst. Man erfährt etwas über die Geschichte der Region, das Fährtenlesen und das Verhalten im Busch. Es geht bei den Touren nicht um Sensation, sondern Information.

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Spinne mit Beute (Screenshot Safari LIVE)

Die Führer sind sehr kundig und haben verschiedene Spezialgebiete. Bei den Touren mit Geländewagen oder zu Fuß sind in der Regel zwei Teams unterwegs, die beide über Funk und Satellit live senden und auf Fragen der Zuschauer reagieren. In der Regel hat man mehr als tausend Zuschauer aus aller Welt live dabei. Fragen können per E-Mail gestellt werden oder über einen Twitter Hashtag. Es wird immer wieder angeregt, Fragen zu stellen. Mitunter werden die Zuschauer gebeten, etwas zu recherchieren, wenn der Führer nicht weiter weiß.

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Eines der Teams, Safari Guide, Fährensucher und Kameramann mit Kamera (Screenshot Safari LIVE)

School Drives

Für Schulen auf aller Welt gibt es ein besonderes Angebot, den School Drive. Dafür meldet man sich zuvor an und die Safari Führer begrüßen die Klassen zur verabredeten Zeit und widmen sich dann vor allem den Fragen der Schüler.
Bevor man einen School Drive macht, empfiehlt es sich, einfach mal so live zuzuschauen oder Aufzeichnungen anzuschauen. Das hilft einmal, sich in die Thematik einzustimmen und abschätzen zu können, was man erwarten kann. Außerdem erhalten die Lerngruppen so die Möglichkeit, sich auf das Englisch einzustellen. Die Safari Führer sprechen ein sehr gut verständliches Englisch mit einem leichten südafrikanischen Akzent.
Das Live Video schaut man sich über YouTube an. Es empfiehlt sich ein Projektor. Brauchbare Lautsprecher sind wichtig. Die Fragen stellt, von denen einige in der Lerngruppe vorbereitet werden sollten, man am besten über Twitter. Dafür richtet man sich einen Twitter Account ein. Den Twitter Handle teilt man bei der Anmeldung über E-Mail mit. Die Safari Führer lesen die Fragen nicht selbst, sondern bekommen sie aus der Zentrale, über welche der Video Live Stream gesteuert wird, vorgelesen. Sie wiederholen die Frage dann und den Namen des Fragenden und geben dann eine Antwort. Dabei stellen sie sich auf das Alter der Schüler ein und die Region, aus welcher sie kommen. Zusätzlich zum Projektor sollte es noch weitere Bildschirme geben, Tablet oder Laptops, über welche Screenshots von vorgestellten Tieren, Pflanzen und Landschaften gemacht werden können. Die Screenshots lassen für Projektmappen und Präsentation verwenden und dürfen sogar im Internet veröffentlicht werden, wenn beispielsweise eine Webseite, ein Blog, ein Wiki oder ein Prezi erstellt werden sollen.

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Elefant interessiert sich für den Geländewagen. (Screenshot Safari LIVE)

Da die Führungen live sind, weiß man nie, was kommt, wie viele Tiere man sehen wird und welche. Interessant zu wissen ist, dass es im südlichen Afrika auch Jahreszeiten gibt, die auch auf auf das Leben der Pflanzen Auswirkungen haben. Im trockenen Winter färbt sich das Laub gelb und im Frühjahr, wenn der Regen kommt, wird alles grün.

Die Zeitzone passt

Die Live Safaris sind für Schulen in Deutschland von Interesse, da die Zeit während der Sommerzeit in Süd-Afrika parallel zu der unseren läuft. In Süd-Afrika gibt es keine Zeitumstellung. Im europäischen Winter verschiebt sich dann die Süd Afrikanische Zeit um eine Stunde zu uns.

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Löwenfährte im Sand (Screenshot Safari LIVE)

Es gibt eine Live Safari morgens (sunrise safari)  von 6 bis 9 (im afrikanischen Winter von 6:30 bis 9:30 Uhr). Diese ist für deutsche Schulen in den ersten beiden Unterrichtsstunden live zu sehen. Die Nachmittagssafari (sunset safari) von 15 bis 18 Uhr ist für deutsche Schulen nicht nutzbar.

Links

Weitere Infos

Safari Live ist Teil von WildEarth, das wiederum zu National Geographic gehört. Daher kommt vermutlich auch das Angebot für Schulen, welches US Schulen bei der Sonnenuntergangssafari

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Zwei Hawk Eagle (Screenshot Safari LIVE)

Die Aufzeichnung der Live Safaris lassen sich auch zeitversetzt sehen. Der Stream läuft auf eine Länge von drei Stunden im Kanal von Safari LIVE. Das heißt, drei Stunden nach der letzten Live Minute um 9 (bzw. 9:30) ist der Stream nicht mehr zu sehen. Bis dahin kann man aber zeitversetzt sehen, jedoch keine Fragen stellen.

Es gibt zum Live Stream auf YouTube eine Chat unter den Zuschauern aus aller Welt. Hier könnte man eventuell auch Fragen stellen zu einzelnen Tieren, da es unter den Zuschauern einige Experten gibt, die schon länger zusehen und die Geschichte mancher der Raubtiere, die im Bereich von Safari Live ihr Revier haben, gut kennen. Man sollte im Hinterkopf halten, dass dieser Chat nicht moderiert ist und der Austausch dort nicht nur um die Tiere geht, aber meist.

Im Folgenden versuche ich kurz, die Anknüpfung der Nutzung von Safari Live im Unterricht an die Lehrpläne und den Medienpass NRW darzustellen, immer bezogen auf eine Klasse 9 am Gymnasium oder an einer Gesamtschule wo Biologie bilingual mit Englisch unterrichtet wird.

Anknüpfung an den Lehrplan Biologie Sek I NRW

Im Fach Biologie eignet sich Live Safari gut, wenn es um die Themen Biotope und Ökosysteme geht.

Jahrgangsstufen 7/9

„Erkundung und Beschreibung eines ausgewählten Biotops (Produzenten, Konsumenten, Destruenten), Nahrungsbeziehungen, Energieumwandlung, Energiefluss, offene Systeme, Veränderung von Ökosystemen durch Eingriffe des Menschen, Biotop- und Artenschutz an ausgewählten Beispielen, Treibhauseffekt und Nachhaltigkeit.“
Erkunden eines Ökosystems

Bis Jahrgangsstufe 9

  • „beschreiben ein ausgewähltes Ökosystem im Wechsel der Jahreszeiten“
  • „ermitteln mit Hilfe geeigneter Bestimmungsliteratur im Ökosystem häufig vorkommende Arten“
  • „erklären Angepasstheiten von Organismen an die Umwelt und belegen diese, z. B. an SchnabelformenNahrung, Blüten-Insekte“
  • „beschreiben die für ein Ökosystem charakteristischen Arten und erklären deren Bedeutung im Gesamtgefüge.“
  • „erklären die Bedeutung ausgewählter Umweltbedingungen für ein Ökosystem z. B. Licht, Temperatur, Feuchtigkeit“

Quelle: Lehrplannavigator NRW

Oberstufe

Inhaltsfeld 5 – Ökologie

Die Dynamik von Populationen könnte man dann im Kontext afrikanischer Busch besprechen.

Anknüpfung an den Lehrplan Englisch Sek I NRW

Hier nur auf Rezeption, die Fragestellungen und das Anmelden bezogen.

Kompetenzerwartungen am Ende der Jahrgangsstufe 9

Hörverstehen und Hör-Sehverstehen

  • medial vermittelten einfachen authentischen oder adaptierten Sachtexten (u. a. Fernsehnachrichten, Interviews, Diskussionen) wesentliche Informationen entnehmen

Umgang mit Texten und Medien

  • im Bereich Medienkompetenz die Möglichkeiten des Internets aufgabenbezogen für Recherche, Kommunikation und sprachliches Lernen nutzen.

Quelle: KLP Englisch

Anknüpfung  an den Medienpass NRW

Als Lehrer in NRW schaue ich auch auf den Medienpass NRW und die Kompetenzen, welche dort abgebildet sind. Eine Einbindung von Safari Live mit Fragen an die Safari Führer würde in den Kompetenzbereich Kommunizieren und Kooperieren fallen.

  • Schülerinnen und Schüler kommunizieren verantwortungsbewusst, sicher und eigenständig und nutzen digitale Medien zur Zusammenarbeit.
  • Schülerinnen und Schüler … kommunizieren adressatengerecht, verantwortungsbewusst…

Werden z.B. Screenshots erstellt für eine spätere Nutzung oder es wird eine Aufzeichnung des Live Streams erstellt, um alles noch einmal ansehen zu können, fällt dieses unter Bedienen und Anwenden. Am ehesten würde dieses in den Bereich

  • wenden erweiterte Bearbeitungsfunktionen von Audio- und Videoprogrammen an

fallen.

Da es mit der reinen Rezeption des Live Videos und der Antworten der Safari Führer nicht getan ist, wird im Anschluss sicherlich ein Produkt entstehen, womit auch der Kompetenzbereich Produzieren und Präsentieren einbezogen wäre.

  • entwickeln einen detaillierten Projektplan für die Erstellung eines Medienproduktes
  • erstellen selbstständig ein Medienprodukt und setzen dabei unterschiedliche Gestaltungselemente bewusst ein.
  • präsentieren ihre Ergebnisse zielgruppenorientiert und achten auf ihre Körpersprache und Stimme.

 

Tipps für den Unterricht

  • Die Anfrage für einen School Drive an das Team von Safari LIVE sollte in der Lerngruppe erstellt werden.
  • Vor dem School Drive sollten einige Folgen geschaut werden, um
    • eine Erwartungshaltung zu wecken
    • eine Gewöhnung an das Englisch der Safari Führer zu ermöglichen
    • sich mit neuem Vokabular vertraut zu machen
    • das Setting kennenzulernen
    • den Ablauf einer Live Safari kennenzulernen
    • die Tiere, Pflanzen und Geographie schon ein wenig zu erleben
  • Vor dem School Drive sollten auf der Grundlage der zuvor geschauten Live Safaris und des Unterrichtsthemas Fragen erstellt werden
  • Ein Klassentwitter Account sollte angelegt werden (Namen bei der Anfrage dem Team mitteilen!)
  • Alternativ können die Fragen über E-Mail gestellt werden questions@wildearth.tv
  • Es sollte geübt werden, Screenshots zu erstellen
  • mehrere Schüler könnten gemeinsam mittels eine Etherpads ein Live Protokoll erstellen, um vor allem die vielen Namen der Tiere und Pflanzen notieren zu können
  • Es sollte eine Aufgabenverteilung vorgenommen werden
    • Protokollanten
    • Namen nachschlagen
    • neue Fragen erstellen, wenn die vorbereiteten nicht passen oder Nachfragen erforderlich sind
  • In Anlehnung an Chell’s Safari Live Summary Blog könnten Schüler im Anschluss ebenfalls so eine Zusammenfassung erstellen
  • Zwei frei verfügbare Handbücher für Fährtenlesen (da immer wieder Fährten gezeigt werden)

 

Noch ein paar Gedanken

Es wäre schön, wenn es mehr Gelegenheiten für Schüler gäbe, in dieser Art mit Experten vor Ort in einer Video-Liveschaltung kommunizieren zu können. Ich würde mir so etwas vor allem für für besondere Biotope, eben wie das Wattenmeer, die Bergwelt der Alpen, das Altmühl-Tal und ähnlich wünschen. Auch Museen könnten so etwas anbieten. Wie man bei Safari Live sieht, ist die Qualität eines echten Austauschs, wenn die Experten den Blick auf Details lenken, wesentlich wertvoller als wenn nur ein virtueller Museumsrundgang gemacht wird. Ich frage mich, warum nicht auch Museen diese Möglichkeit nutzen. Gerade mit einem starken WLAN oder auf dem Gelände, etwa wenn es eine historische Stätte ist, kann so etwas leicht umgesetzt werden. Es würde die Welt deutlich intensiver in die Klassenzimmer holen. Technisch ist das alles gar nicht so aufwändig. Selbst draußen in der Natur lässt es sich relativ leicht realisieren, wenn eine ausreichende Verbindung ins Mobilnetz vorhanden ist (siehe z.B. Teleporter). Vielleicht steckt sogar eine Geschäftsidee dahinter?

Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten, die Begrenztheit von Bilden und Videos zumindest ein Stück weit zu erweitern. Virtuelle Museumsrundgänge (siehe 5 museos con visitas virtuales para descubrir sin moverte de clase) lassen fremde Räume erkunden wie auch Google Streetview und ähnliche Projekte. Ein Stück weiter geht dann das Google Projekt „Google Expeditions“ in welchem Schüler mit Smartphone und Google Cardboard als 3D Brille, Räume nicht nur in 360° Sicht erfahren, sondern räumlich.
In nicht allzu ferner Zukunft wird es sicherlich virtuelle Touren geben, in welcher Schüler in dreidimensionale Räume eintauchen, und dort einer Führung folgen, in einer fremden Stadt, einer Fabrik, im tropischen Regenwald, in der Antarktis oder einfach nur im Wattenmeer oder den Donauauen.
Ein kleines Stück auf den Weg gemacht haben sich die Macher von SafariLive, vorerst noch ohne 3D (aber sie experimentieren bereits damit).

Ich hoffe, ich kann mit diesem Beitrag den einen oder anderen anregen, die Erfahrungen, welche Safari LIVE Schülern bringen kann, für den eigenen Unterricht zu nutzen.

OER – zentrale Probleme, die übersehen werden, und Lösungsansätze

Posted in Creative Commons, OER, Uncategorized by damianduchamps on Juli 22, 2016

Veranstaltungen wie das OER Fachforum 2016 im März in Berlin zeigen, dass OER mittlerweile nicht mehr nur in einem kleinen Kreis von Interessierten Thema ist, sondern auf eine breitere Basis gestellt wurde, wo man gemeinsam nach Lösungen sucht. Doch auch wenn es bereits eine gewisse Entwicklung gegeben hat, etwa durch die Aufnahme von OER in bestehende Plattformen, bleiben manche Probleme, die OER von Anfang an im deutschsprachigen Raum Schwierigkeiten machen, weiter bestehen. Das spiegelt sich auch im Programm des Fachforums wieder.

Ich möchte im Folgenden zwei Probleme aufgreifen, welche mir bisher viel zu wenig beachtet scheinen. Überwiegend beschreibe ich diese Probleme am Beispiel von Arbeitsblättern, weil mir diese die zur Zeit meist genutzte Form von OER scheint. Zu den dargestellten Problem sind Lösungen möglich, die auch, wenn man sie weiter denkt, einen Bezug zur gesamten Infrastruktur von OER haben.

OER leben von der Grundidee der freien Nutzung, des Remixens und des Teilens. Erklärt man Neulingen die verschiedenen Lizenzen von Creative Commons, so sind diese als einzelne Lizenzform oder in Kombination noch recht leicht zu verstehen. Nennung des Urhebers, Weitergabe unter gleichen Bedingungen, nicht-kommerzielle Nutzung, keine Ableitungen (Veränderungen) kann man auf einer rein theoretischen Ebene auch als jemand, der Creative Commons bisher nicht kannte, nachvollziehen. In der Praxis sieht das dann aber ganz anders aus.

Wo liegen die zentralen Probleme?

Die Probleme in der Praxis zeigen sich weniger in der einfachen Nutzung von OER. Arbeitsblätter werden oft einfach herunter geladen, vervielfältigt und im Unterricht eingesetzt. Selbst wenn sie abgeändert werden, ist das unproblematisch, da sie bisher, anders als der Idee von OER entsprechend, nicht wieder im Netz landen, um geteilt zu werden. Die Probleme ergeben sich vor allem dann, wenn eine spätere Veröffentlichung (Teilen) beabsichtigt ist.

Erstellen

Wie ein komplett selbst ohne jegliche fremde Inhalte erstelltes Arbeitsmaterial lizenziert werden kann, um als OER genutzt werden zu können, ist noch recht einfach. Jeder Neuling versteht hier, dass man selbst als Urheber zumindest eine Nennung des eigenen Namens (CC BY) einfordern kann. Kein Problem. Aber dann wird es schon komplexer. Viele OER Materialien, denen man begegnet, werden unter „gleichen Bedingungen“ (SA) weitergegeben. Was in der Theorie zunächst einfach klingt, wird jetzt zur unlösbaren Frage. Was heißt denn zu gleichen Bedingungen in meinem Fall? Was sind eigentlich meine Bedingungen? Wie mache ich diese deutlich? Es soll doch OER sein. Muss ich auch nicht-kommerziell (NC) angeben, um sicherzustellen, dass nicht andere meine Arbeit zu Geld machen?

Remixen

Eröffnen sich beim Lizenzieren von komplett selbsterstellten Materialien schon die ersten schwierigen Fragen zur Verwendung der Creative Commons Lizenzen, öffnet sich bei der Integration von fremden Materialien im selbst erstellen Unterrichtsmaterial ein ganzes Fass an Fragen. In das neue Arbeitsblatt, welches auch als OER veröffentlicht werden soll, will man ein Bild integrieren, das auf Flickr gefunden wurde. Wo findet man dort nun die Lizenzinformationen? Vielleicht finden sich die Buchstabenkennzeichnungen, die man kennt, vielleicht sind es Symbole. Manchmal steht einfach nur „Some rights reserved“ dort. Durch das Einfügen von externen Materialien wird die Frage nach der Lizenzierung des erstellten Arbeitsblattes mit einem Mal deutlich komplexer. Kann ich mein Arbeitsblatt noch CC BY SA lizenzieren, wenn das tolle Bild, welches ich gefunden habe, CC BY SA NC ist oder Public Domain? Sehr ähnliche Fragestellungen ergeben sich, wenn bestehende OER remixt werden sollen.

Veröffentlichen

Wer die beschriebenen Hürden mit der praktischen Nutzung der Creative Commons Lizenzen beim Erstellen eigener Materialien oder beim Remixen überwunden hat, steht nun vor dem nächsten Problem. Wie stellt man das Material wieder anderen zur Verfügung als OER? Nicht jeder hat eine eigene Webseite, die genutzt werden könnte. Dezidierte Portale, die OER sammeln und zur Verfügung stellen, wie 4teachers dieses für von Lehrern erstellte Materialien anbietet, gibt es bisher nicht. Wohin also? Eigene Webseite, wie geht das? Wer erfährt dann davon? ZUM.de weiß nicht, ist ja mehr als eine Arbeitsblattsammlung, aber man hat ja nur ein Arbeitsblatt.

Suchen und finden

Deutlich komplexer als auf den ersten Blick ersichtlich ist auch noch die Suche nach OER. Entweder man sucht gezielt auf einem bestehenden Portal wieEdutags.de oder auf einem Landesbildungsserver (weitere Möglichkeiten siehe Anlaufstellen auf open-educational-ressources.de) und ist dann auf deren Inhalte, Kataloge oder Metasuchen beschränkt oder man nutzt die Google Suche mit Lizenzfilterung. Es gibt jedoch viel mehr OER bzw. Creative Commons lizenzierte Materialien als diese Quellen erschließen. Die Meta Suche von Creative Commons verweist vor allem zu frei nutzbaren Medien wie Bildern, Grafiken, Videos und Audiodateien. Die Schwierigkeit hier ist, dass man die Suchmöglichkeiten kennen muss und dann auch je nach Fall in der Lage sein sollte, über Fremdsprachen zu suchen, um weitere Ergebnisse zu finden. Neben Bildern, Videos und Audio lassen sich so auch Texte finden. Die Suche gestaltet sich hier jedoch komplexer, da die Eingrenzung der Suchergebnisse schwieriger und die Beurteilung, ob der gefundene Text sich für den gedachten Zweck eignet, aufwändiger ist. Eine Suche etwa nach Anspruchsniveau des Textes und Umfang ist nicht möglich.

Was ist zu tun?

Die Beseitigung der beschriebenen Schwierigkeiten lässt sich am einfachsten durch eine starke Vereinfachung der Nutzung erreichen. Man muss die Dinge so einfach gestalten, dass sie ohne Expertenwissen nutzbar sind. Sie müssen quasi selbsterklärend sein. Die Nutzung von Creative Commons Lizenzen im Zusammenhang mit OER erfordert Wissen, über welches Normalnutzer nicht verfügen. Es ist zu schwierig.

Bei OER heißt das, wie oben ausführlich beschrieben. Es ist in der täglichen Praxis zu schwierig:

  • eigene Materialien richtig zu lizenzieren
  • Lizenzinformationen bei fremden Materialien aufzufinden und diese richtig einzubinden
  • zu verstehen, welche Lizenzformen wie kombiniert werden können
  • remixte Materialien richtig zu lizenzieren

Und außerdem ist es im Lehreralltag zu schwierig,

  • erstellte oder remixte Materialien zu veröffentlichen.

Was benötigt wird, ist eine Plattform, welche es Nutzern erleichtert, Materialien zu erstellen und dabei fremde frei nutzbare Inhalte einzubinden, bestehende Materialien zu remixen und das Endprodukt wiederum zu veröffentlichen/teilen. Dabei hilft die Plattform den Nutzern, passende frei nutzbare Inhalte zu finden für das Erstellen oder Remixen und Creative Commons Lizenzen richtig zu nutzen und zu kombinieren. Eine Plattform, welche dieses leistet, wäre auch gleichzeitig eine mögliche zentrale Anlaufstelle für das Auffinden von über das ganze Netz verstreuten OER und anderen frei lizenzierten Medien und Materialien.

Wer jetzt denkt, toller Traum, wie soll das gehen, der liegt falsch. Warum? Die Bausteine, um eine derartige Plattform zu erstellen, sind zum großen Teil bereits vorhanden und müssen nur entsprechend kombiniert werden. Manche Elemente befinden sich noch in der Entwicklung, doch ihr Potential für eine Plattform für das Erstellen, Remixen, Veröffentlichen und Finden von OER ist bereits erkennbar.

Es geht hier nicht um DIE eine Plattform, denn diese wird es vermutlich nie geben. Seit es OER gibt, leben diese verstreut über das Netz (siehe auch OER-Plattformen der Zukunft – eine Übersicht auf LRZ). Die Mehrheit der gegenwärtigen Plattformen ist überwiegend statisch, Verzeichnisse, Linksammlungen oder Register mit Tags, zum Auffinden von Inhalten. Andere sind große in sich recht statische Repositorien, die durch ihre Nutzer nach und nach erweitert werden. Eine Plattform, wie die beschriebene kann jedoch über ihre Suche eine Klammer bilden.

KI

Zentrales Element der Plattform ist eine Meta Suche, welche Künstliche Intelligenz nutzt.

Betrachtet man gegenwärtige Entwicklungen in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI), deep learning, machine learning und ähnlich, so zeichnet sich bereits recht gut ab, welches Potential hier entsteht. Computer sind so schon heute in der Lage, große Mengen an Inhalten in überschaubarer Zeit zu sichten, zu bewerten und zu verschlagworten. Ein gutes Beispiel, was möglich ist, bietet Google Fotos. Diese Plattform kann ihr unbekannte Fotos nach Inhalten durchsuchen. Sucht man nach einem roten Schuh, und in der zur Verfügung stehenden Bilderquelle ist ein solches Bild dabei, kann diese Plattform das Foto finden, ohne es zuvor gesehen zu haben, ohne dass das Bild mit einem Schlagwort versehen ist und es ist auch egal, ob der Schuh alleine abgebildet ist oder am Fuß einer Person.

Welches Potential sich gegenwärtig aufbaut, zeigen auch Beispiele wie der Google Knowledge Graph, den jeder schon gesehen, aber vielleicht noch nicht genauer angeschaut hat. Über den Google Knowledge Graph unterfüttert Google Suchergebnisse mit Informationen, die mittels semantischer Suche aus verschiedenen Quellen in einer Inhaltsbox zusammengezogen werden. Diese sind dann eben keine lose Reihung von Suchergebnissen, sondern haben eine sinnvolle Struktur (z.B. Benjamin Franklin). Vergleichbare Zusammenstellungen von Inhalten zu einem Thema oder einer Frage zeigt auch WolframAlpha. Auch die Google Suche selbst und Sortierung der Suchergebnisse arbeitet mittlerweile auf der Basis von KI und nicht mehr rein auf dem mechanischen Katalogisieren des Internets.

KI und eine OER Plattform – Suche

Künstliche Intelligenz und die damit zusammenhängenden Technologien werden vieles verändern in dieser Welt, vor allem, den Umgang mit großen Mengen von Daten. Es gibt bereits jetzt deutlich mehr OER und Creative Commons lizenzierte Inhalte und Medien als man vermutet, nur ist es schwierig, diese zusammenzuführen, da sie sich auf viele Plattformen verteilen. Mit entsprechendem Training wird eine Künstliche Intelligenz in der Lage sein, die innerhalb der Plattform vorliegenden Inhalte, sowie externe Inhalte nach Kriterien wie Thema, Anspruchsniveau, Nutzungszusammenhang, Lizenzierung und ähnlich zu sichten und zur Verfügung zu stellen. Inhalte und Lizenzen werden dabei als Module zusammenzufassen, die dann genauso eine Einheit bilden wie auf Flickr oder Wikimedia ein Bild und seine Lizenzierung. Diese Modularität wird, wie auch Torsten Budumlu im Beitrag OER-Plattformen der Zukunft – eine Übersicht meiner Ansicht nach richtig einschätzt, entscheidend sein wie auch die Möglichkeit zu Kollaboration.

KI und eine OER Plattform – Erstellen und Remixen

Aufbauend auf der intelligenten Suchfunktion und der Modularisierung stellt die Plattform außerdem einen Bereich bereit, auf welchem Nutzer OER erstellen, remixen und in verschiedenen Formaten veröffentlichen können.

Die Plattform bietet beim Besuch die Wahl, ob man bestehende Inhalte sucht oder neue Inhalte erstellen will. Startet man mit der Suche nach den oben genannten Kriterien, erhält man eine Anzahl Suchergebnisse. Entscheidet man sich für ein Suchergebnis erscheint die Option, dieses zur Grundlage zu machen für eigene Anpassungen bzw. für Remixen. Die Ansicht wechselt dann in den Arbeitsmodus. In Orientierung am bestehenden Inhalt des ausgewählten Materials tauchen nun in Feldern um dieses Material passende verwandte Inhalte auf. Was passen könnte, bewertet die künstliche Intelligenz der Meta Suche der Plattform am Inhalt des ausgewählten Materials. Es werden so passend Bilder, Videos, Audiomaterialien, Informationstexte, Begriffsdefinitionen, interaktive Übungen, Projektvorschläge, Links und ähnlich angeboten, die man einfach in das ausgewählte Material hineinziehen kann, so wie man aus dem gewählten Material Inhalte herauslöschen kann. Es entsteht so ein neues Material, ob das ein Arbeitsblatt sein soll, eine Lerneinheit für eine Lernplattform, ein Modul für ein interaktives Whiteboard oder ähnlich.

Wer komplett neue Inhalte oder Materialien erstellen will, startet direkt im Arbeitsmodus. Man kann Voreinstellungen vornehmen zur vorgesehenen Lerngruppe, dem Fach, dem Anspruchsniveau etc.. Dann schreibt man eine Überschrift, erstellt vielleicht schon eine Struktur und die Plattform liest mit und bietet nach kurzer Zeit passende Inhalte an, die dann direkt in der laufenden Erstellung des neuen Materials integriert werden können. Die Plattform kümmert sich beim Erstellen wie auch beim Remixen um die Lizenzierung. Sie prüft die Passung zur Lizenzierung schon genutzter Inhalte und übernimmt beim Integrieren eines Inhaltes oder Moduls die Urheberrechtsangaben und baut sie in das neue oder remixte Material mit ein. Der Nutzer braucht sich mit diesem Aspekt nicht befassen, außer es wird ein komplett neues Material erstellt und der Nutzer muss sich für eine Lizenzierung entscheiden.

Bereitstellen/Teilen

Für Nutzer ohne technischen Hintergrund und die Möglichkeit, erstellte oder gemixte OER auf einer eigenen Webseite zu veröffentlichen oder diese auf anderen Seiten einzustellen, sollte die Plattform eine Möglichkeit bieten, ihre Materialien direkt in der Plattform selbst abzulegen. Werden die Materialien in der Plattform erstellt, wäre das die naheliegende Option. Außerdem sollte die Plattform in der Lage sein, die erstellten Inhalte in verschiedenen Formaten bereitzustellen, so wie Google Docs in der Lage ist, ein PDF auszugeben oder ein docx und wie andere Software oder Plattformen HTML ausgeben können oder Scorm kompatible Formate.

Wie schon erwähnt, die Technologien bestehen bereits in großen Teilen. Selbst Künstliche Intelligenz sollte bereits im gegenwärtigen Entwicklungsstand nutzbar sein im beschriebenen Sinne. Anbieter wie Google stellen diese Software sogar zur Verfügung.

Google selbst ist auch ein gutes Beispiel für eine Plattform, die Inhalte durchsucht und dann entsprechende Werbung bereitstellt. Auch die automatischen Vorschläge von Suchbegriffen bei der Eingabe eines Schlagwortes sind ein Beispiel für die Steuerung von Suchen über Inhalte. Auf anderen Plattformen finden sich ähnliche Anwendungen.

tutory.de

Das alles klingt sehr nach Zukunftsmusik, ist es aber nicht, wie das Beispiel tutory.de zeigt. Eine ganze Reihe der oben beschriebenen Eigenschaften einer Plattform für OER ist in tutory bereits verwirklicht, in Ansätzen erkennbar oder vorstellbar.

tutory ist eine Online Plattform, auf welcher OER erstellt und geteilt werden können. Die Macher haben meiner Meinung nach einen guten Weg in die richtige Richtung eingeschlagen. Vorerst kann man in der Plattform nur Arbeitsblätter erstellen und die Funktionen sind bisher recht beschränkt. Noch steht tutory.de am Anfang, doch die Plattform zeigt die Tendenz gut an, wohin die Entwicklung gehen sollte, um die Erstellung, das Remixen und auch das Teilen von OER für Normalnutzer zu vereinfachen. In Bezug auf die Vereinfachung von OER sollen hier kurz die Elemente herausgestellt werden, welche wegweisend sind.

Module

Ein Arbeitsblatt besteht aus diversen Modulen. Das sind Bilder, Textblöcke, Überschriften, Formeln, Tabellen und graphischen Elementen. Die Modularisierung erinnert etwas an die Textverarbeitung von Pages oder Layoutprogramme, ihre Funktion geht jedoch über das Layouten einer Seite hinaus. Jedes Bild und jeder Textbaustein sind auch gleichzeitig Träger ihrer Lizenzinformationen bzw. mit diesen verknüpft.

Neu erstellen und remixen

In tutory ist es einmal möglich, neue Materialien zu erstellen oder bestehende als Grundlage eines neuen Materiales zu nehmen. Für letzteres wird eine Kopie angelegt, die sich dann nach eigenen Vorstellungen verändern lässt, indem Inhalte gelöscht und neue hinzufügt werden. Neue Materialien werden mit Klassenstufe, Bildungsgang, Fachbereich, Sozialform und Arbeitsmethode getaggt und mit Überschrift, Beschreibung und Begriffe versehen, was das Finden in der Suche hinterher ermöglicht.

Integrierte Suche nach Creative Commons lizenziertem Bildmaterial

In die Erstellungs- und Bearbeitungsfunktion integriert ist eine Suche nach Bildmaterial auf Pixabay, OpenClipart, Wikimedia und Flickr, vergleichbar der Creative Commons Suche. Der besondere Clou ist hier, dass der Nutzer ein Bild in sein OER übernehmen kann und die Plattform integriert es samt der Lizenzinformationen. Das erleichtert diesen Teil für Nutzer ungemein und könnte weiter ausgebaut werden.

Durchsucht werden über die Medienplattformen hinaus auch noch alle Inhalte in der tutory selbst, also Bilder, Aufgabenstellungen, Hinweise, Zitate etc.. Während die Bildersuche schon sehr gut funktioniert, gibt es hier aber noch Verbesserungsbedarf.

Lizenzierung

tutory behandelt ein Arbeitsblatt als eine Zusammenstellung von Modulen. Jedes Modul wird einzeln lizenziert. Fremde Materialien werden mit den Lizenzen des Ursprungs versehen. Ein Text aus der Wikipedia erhält etwa die damit verbundene „Creative Commons Attribution/Share Alike“ Lizenz. Auch ein Link zur Herkunft und ein Autor werden benannt. Für eigene Inhalte gibt man sich selbst als Autoren an und wählt eine Lizenz. Bevor ein Arbeitsblatt veröffentlich werden kann und in den Materialpool der Plattform gelangt, wo alle Nutzer darauf zurückgreifen können, muss der komplette Inhalt urheberrechtlich abgesichert sein, sprich also jedes Modul Erst dann steht das Arbeitsblatt bzw. stehen die Module in der Allgemeinen Suche zur Verfügung. tutory bietet neben der Public Domain Lizenzierung CC BY und CC BY SA Lizenzierung und Unterstützung bei der Auswahl an. Die Lizenzierung ist über die Plattform abrufbar. Auf dem Arbeitsblatt findet sich in der PDF Form lediglich ein Link dazu.

Veröffentlichen/Teilen

Nach Absicherung der Lizenzierung der Module können die Inhalte auf tutory veröffentlicht werden. Es ist möglich, auf dann auf dieseAuch ein Download als PDF Arbeitsblatt ist möglich. Dieses kann über den direkten Link geteilt werden.

Ausblick

Ich hoffe, ich konnte in etwa umreißen, wo ich die zentralen Probleme bei der Nutzung von OER sehe und welche Lösungen sich meiner Meinung nach abzeichnen. Natürlich gibt es auch noch die Probleme um die Bekanntheit, die Akzeptanz, die Qualität und die Finanzierung von OER. Aber um die sollte es hier nicht gehen. Sicher ist für mich jedoch, dass ohne eine Lösung der von mir genannten Probleme OER nicht wirklich funktionieren wird, außer man verzichtet auf das Remixen und Erstellen durch die breite Masse der Nutzer und setzt statt dessen auf bezahlte Autoren. Das aber wäre nicht im Sinne von OER, wie es sich eigentlich versteht.

Künstliche Intelligenz wird auch in OER Einzug halten, in der einen oder anderen Form. Das ist absehbar, da KI viele Bereiche des Digitalen besetzen wird. Für OER wäre es ein Gewinn und würde viele Probleme lösen, von der Erstellung und dem Remixen bis zum Suchen und Finden.

Schule – Chaos mit Ansage, System ohne System


Posted in Schulentwicklung, Schulpolitik by damianduchamps on Mai 15, 2016

Dieser Tage hatte ich mit dem System Schule mal wieder ein Erlebnis, welches bei mir das Fass zum überlaufen brachte, wo ich tatsächlich mal wieder mit dem Gedanken spielte, alles einfach hinzuschmeißen.

Ich bin in der Lehrerfortbildung tätig und dafür mit einigen Stunden entlastet. Nun hat man mir angeboten, meine Entlastung auszuweiten. Ich könnte also mehr Stunden in der Fortbildung tätig sein und würde dafür weniger unterrichten. Bisher war so etwas relativ einfach geregelt. Man sprach sich mit der Leitung des Kompetenzteams, welche die Fortbildung vor Ort regelt, ab, diese beantragte entsprechende Stunden bei der Bezirksregierung und wenn alles in Ordnung war, bekam man die zusätzlichen Stunden genehmigt. Das geht jetzt nicht mehr. Jetzt muss ich mich bewerben, „mit den üblichen Unterlagen,“ und dann zu einem Bewerbungsgespräch zur Bezirksregierung fahren. Selbst wenn ich, der ich einige Jahre in der Fortbildung tätig bin, meine Tätigkeit dort nur um zwei Stunden erweitern möchte, muss ich diese Prozedur über mich ergehen lassen. Wer sich das bei der Bezirksregierung ausgedacht hat, dem sollte man dafür mindestens das Bundesverdienstkreuz verleihen. Letztlich ist dieses Erlebnis aber nur symptomatisch für das Chaos in unserem Schulsystem.

Nun ja, so kam also der ganze Frust mit diesem System in mir wieder einmal hoch. Und das hat Gründe, denn ich bin zwar auch nur ein Rad im Getriebe, doch ich habe Augen und Ohren und bin, auch durch dieses Schulsystem, zu Kritik erzogen worden. Zum Glück.

Als ich 1970 als Erstklässler das erste Mal mit Schule zu tun hatte, war das Schulsystem noch weitestgehend in Ordnung. Es war ein System, welches bundeseinheitlich ziemlich gleichförmig angelegt war, dreigliedrig und zumindest vom Prinzip her durchlässig nach unten wie nach oben. Überall begann man mit der ersten Fremdsprache in der Klasse fünf und mit der zweiten in der Klasse sieben. Nach und nach wurde überall der Abschluss der Klasse zehn eingeführt, auch wenn ein Hauptschulabschluss nach Klasse neun weiterhin möglich war. Aber es zeichneten sich bereits erste Versuche an, das System aufzubrechen. Die Gesamtschule wurde eingeführt. Chancengleichheit für alle, war die Losung. Grundsätzlich war das sicher keine schlechte Idee. Auch die katholische Tochter vom Lande oder der Sohn des Arbeiters sollte die Gelegenheit erhalten, das Abitur zu machen und zu studieren. Was aber im Laufe der Jahrzehnte daraus wurde, ist schlichtweg eine Katastrophe.

Wirklich besser wurde wenig. Auch wenn nach außen hin zunächst noch alles ziemlich gleich war, begann das System auseinander zu driften. Ein Abitur aus Nordrhein-Westfalen galt zum meiner Abi-Zeit in Bayern nichts. Wer sein Abitur in einer Gesamtschule in Nordrhein Westfalen ablegte, lag im Stoff deutlich hinter einem Abiturienten vom Gymnasium zurück.

Schule entwickelte sich im Spannungsfeld der parteipolitischen Ideologien, auf Landesebene bis hinunter in die Kommunen. In den CDU und CSU regierten Bundesländern blieb man eher konservativ beim bewährten System und setzte auf Leistung und Elitenförderung. In den SPD-regierten Bundesländern war man dagegen deutlich experimentierfreudiger. Das Mantra, unter dem das geschah, lautete „Chancengleichheit.“ Immer wieder wurde in den SPD Ländern mit oft zweifelhaftem Erfolg versucht, die Dinge zum Besseren zu verändern. Die Gesamtschule kam ins Spiel. Schulversuche und Leuchtturmprojekte blieben in der Regel allerdings ohne Folgen, weil sich die dahinter liegenden Konzepte auch bei erfolgreichen Ergebnissen, politisch nicht durchsetzen ließen. Viele junge motivierte Lehrer wurden so im Laufe der Jahre verheizt. Man ließ sie neue Konzepte auszuarbeiten, Lehrpläne schreiben usw. bis sie lernten, Reformen einfach auszusitzen. Diese Generation Lehrer ist mittlerweile fast komplett im Ruhestand und die meisten sind froh darüber. Aus ihrer Sicht hat sich das Schulsystem im Laufe der Jahrzehnte in unserem Land nicht verbessert.

Wenn man die Entwicklung über die vielen Jahre beobachtet, hat man das Gefühl, das System Schule driftet mehr und mehr auseinander. Aus dem einst relativ einheitlichen System ist mittlerweile etwas geworden, wo es schwierig ist, überhaupt noch von einem System zu sprechen. Vor wenigen Jahren hieß es einmal im Spiegel, dass wir in Deutschland mittlerweile über 50 verschiedene Schulformen haben, zumindest dem Namen nach. Mit der Einführung von G8 ist alles nur noch chaotischer geworden. In manchen Bundesländern beginnt man nun mit der zweiten Fremdsprache bereits in der sechsten Klasse. In anderen ist man bei der Klasse sieben geblieben. Familien, die von einem Bundesland in ein anderes wechseln wollen, werden dadurch vor enorme Probleme gestellt. Viele Kinder müssen ein Jahr wiederholen, weil sie das erste Jahr der neuen Fremdsprache verpasst haben. Wer von einer Hauptschule oder einer Realschule zum Gymnasium in die Oberstufe wechselt, muss bei einem G8 Gymnasium die Klasse zehn wiederholen, da diese dort bereits zur Oberstufe zählt.

Das G8 war von seiner Grundidee sicherlich in Ordnung. Man wollte eine Angleichung an andere Länder in Europa. Doch wie so oft in diesem System Schule scheiterte das alles am System selbst. Damit G8 funktionieren kann, mussten die Schulen ihre Lehrpläne in den einzelnen Fächern reduzieren. Ganz wenigen Schulen gelang dieses. Bei der Mehrheit der Gymnasien funktionierte es überhaupt nicht. Keine Fachschaft war dort bereit, etwas zu streichen. Das sollten gefälligst die anderen tun, die weniger wichtigen Fächer. Und so wurde der Schwarze Peter hin und her geschoben und zum Schluss wurde gar nichts gestrichen. Die Leidtragenden sind die Schüler und die Familien. Gestiegener Druck und weniger Freizeit sind eine Folge. Irgendwann erkannte auch die Politik, dass es so nicht weitergehen konnte. An vielen Stellen kam zudem der Wunsch auf, wieder zurück zu G9 zu gehen. Wo die Politik es dann zuließ, wechselten tatsächlich Gymnasien wieder zurück zu G9. Gleichzeitig versuchte man für die G8 Gymnasien die Situation zu entschärfen. Anstelle der Reduktion im Stoffumfang, den die Gymnasien nicht geschafft hatten, setzte man jetzt bei den Hausaufgaben an. Weniger Hausaufgaben. Ob das nun zu einem Erfolg geführt hat, darüber hat man bisher nichts gehört. Ich wage, zu bezweifeln, dass die Situation sich geändert hat. Auch hier werden die einzelnen Fächer weiterhin auf dem alten Umfang der Hausaufgaben bestanden haben und den schwarzen Peter an die anderen weitergegeben haben.

Und parallel verschwinden nun nach und nach die Hauptschulen und an vielen Stellen auch die Realschulen. Stattdessen hat man hier in Nordrhein-Westfalen nun jede Menge neue Gesamtschulen und Sekundarschulen und ein paar Gemeinschaftsschulen. Letztere entstanden in dem Versuch der SPD, das Schulsystem umzukrempeln. Der Versuch scheiterte dann aber am Widerstand der CDU. Neue Gemeinschaftsschulen gab es nicht mehr nach dem Schulfrieden, doch da die gerade entstandenen Bestandsschutz haben, existieren sie weiter. Wenn man die Gesamtlage in NRW betrachtet, so entwickelt sich das System tendenziell zu einem zweigliedrigen Schulsystem. Auf der einen Seite sind die Gymnasien, welche gut 40 % aller Schüler aus den Grundschulen aufnehmen. Und dann sind da noch die anderen Schulen: Gesamtschulen, Sekundarschulen, Realschulen und Hauptschulen und die wenigen Gemeinschaftsschulen. Wirklich zweigliedrig kann das System jedoch nicht werden. Wie an verschiedenen Stellen im ganzen Land zu sehen ist, passen hier einige Sachen nicht zusammen. Es entstehen vor allem unsägliche und unnötige Konkurrenzsituationen zwischen Schulen.

Immer wieder wird deutlich, dass die gesellschaftlichen Vorstellungen von Schule mit denen der Politik nicht deckungsgleich sind. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Politik von Parteien gemacht wird, die nicht von 80 oder 90 % der Bevölkerung gewählt werden. Sie vertreten damit auch bildungspolitische Ideologien, die nur von einem kleineren Teil der Bevölkerung unterstützt werden. Hinzu kommt, dass viele Eltern, vor allem wenn sie selbst einen mittleren oder gehobenen Bildungsabschluss haben, ihre Kinder auf einem Gymnasium sehen möchten. Sie sollen später bessere Chancen haben und definitiv nicht mit den ganzen Kindern aus dem bildungsfernen Schichten auf eine Schule gehen, „nicht mit den Migrantenkindern, nicht mit den Blöden, nicht mit den Asozialen, nicht mit den Förderschülern (Inklusion ist gut, aber bitte nicht in der Klasse meines Kindes).“ Ihre Kinder sollen auf jeden Fall Abitur machen. Und außerdem klingt es ja auch viel besser, wenn man sagen kann, mein Kind geht aufs Gymnasium. Und Gesamtschulen entwickeln sich jetzt, wo die Hauptschulen wegfallen, mehr und mehr zum Sammelbecken für all jene Kinder, die eben nirgendwo anders unterkommen. Wer möchte es Eltern übel nehmen, wenn sie ihr Kind dort nicht hinschicken wollen? Der Politik scheint das aber egal. Aufgrund der rechtlichen Strukturen ist es auch nicht möglich, das Schulsystem nun tatsächlich in ein zweigliedriges umzuwandeln.

Hier bei mir vor Ort im südlichen Westfalen sehe ich das ganz deutlich. Man hat neue Gesamtschulen aufgemacht und Sekundarschulen und die Hauptschulen laufen nun alle aus. Aber die Realschulen verschwinden nicht komplett. Es wurde sogar eine in privater Trägerschaft neu eröffnet und gibt noch eine weitere in privater Trägerschaft, welche die Politik nicht einfach schließen kann. Eine andere, die geschlossen werden sollte, bleibt nun doch bestehen, zumindest vorerst. Alle können sich vor Anmeldungen kaum retten. Die Gesamtschulen und die Sekundarschule hingegen haben enorme Probleme durch diese Konkurrenz der Gymnasien und Realschulen. Ihnen fehlen die Kinder mit gymnasialer Empfehlung. Sie bekommen zum Teil nicht einmal ausreichend viele Schüler, um die Vorgaben für die Genehmigung ihrer Schulform zu erfüllen. Die Eltern stimmen mit den Füßen ab. Sie wollen die Gesamtschule nicht. Hier auf dem Land wollen die Eltern auch keinen gebundenen Ganztag. Auf die Gesamtschulen und die Sekundarschule geht nur, wer muss.

Der demographische Wandel verstärkt das Problem noch einmal zusätzlich. Die Gymnasien müssten, wenn nur Kinder mit einem über die Jahre unveränderten Leistungsniveau aufgenommen würden, eigentlich schrumpfen. Das würde für die Gymnasien jedoch weniger Mittelzuweisungen und weniger Lehrerstellen bedeuten. Verhindern können sie das nur, indem sie auch weniger geeignete Schüler aufnehmen. In Folge haben die Gymnasien nun deutlich mehr schwächere Schüler, die sie bis zum Abitur „fördern“ müssen und die restlichen Schulen, von den Realschulen abgesehen, erhalten nur noch was über bleibt und werden so immer mehr zum Sammelbecken für den traurigen Rest. Obwohl schon seit Jahren immer mehr Kinder auf die Gymnasien gehen, die in der Vergangenheit nie dort aufgenommen worden wären, steigt die Zahl der Schüler, die ihr Abitur mit eins machen. Gleichzeitig klagen aber die Hochschulen und Universitäten über immer weniger studierfähige junge Studenten. Wie passt das bitte zusammen?

Das alte dreigliedrige Schulsystem hat zu seiner Zeit sehr gut funktioniert. Es war ein Modell, welches im Großen und Ganzen den Anforderungen seiner Gesellschaft und Wirtschaft entsprach. Heute wäre dieses Schulsystem nicht mehr angemessen. Wie durch eine Vielzahl von Studien festgestellt wurde, hat unser Schulsystem die Tendenz, soziale Benachteiligungen zu verstärken. Alle Versuche, dem entgegenzusteuern, haben keine Verbesserung gebracht, sondern die Tendenz sogar noch weiter zementiert. Das dreigliedrige Schulsystem hat heute keine Berechtigung mehr. Ein Umbau war definitiv erforderlich, um das Schulsystem an veränderte gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedingenden anzupassen. Leider aber war niemand in der Lage, die Fliehkräfte, welche sich aus parteiideologischen Überzeugungen, lokalpolitischen Eitelkeiten, gesellschaftlichen Veränderungen, wirtschaftlichen Anforderungen, demographischen Entwicklungen und finanziellen Sachzwängen ergaben in eine gemeinsame Richtung zu lenken, um das alte Schulsystem in ein neues kohärentes System zu überführen. Ein Grund, warum das nicht gelang, liegt in den politischen Strukturen Deutschlands begründet. Wesentlich entscheidender für die Probleme mit unserem Bildungssystem dürfte jedoch der fehlende gesellschaftliche Konsens sein, wie ein über alle Bundesländer und Kommunen hinweg einheitliches Schulsystem aussehen könnte.

Schulpolitik ist kein Schlachtfeld, auf welchem sich Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker, Menschen mit Ideologien und Eitelkeiten austoben können. Hier geht es um die Zukunft von Menschen, um die Zukunft eines Landes. Lösungen, die einen großen Teil der Gesellschaft nicht mitnehmen und über Machtpolitik, politisches Geschachere oder Schulfrieden zustande kommen, sind keine Lösungen. Das macht die aktuelle Situation wohl mehr als deutlich.

Vielleicht wäre es für die Politik endlich einmal an der Zeit, die bildungspolitischen Ideologien zu begraben und stattdessen einen gesellschaftlichen Konsens zu finden, der dann gemeinschaftlich und bundesweit umgesetzt wird!

Bewundern kann man in dieser Situation, wo eine Besserung auf absehbare Zeit nicht einmal zu erwarten ist, nur die Mitbürger, die als Lehrerinnen und Lehrer täglich ihr Bestes geben, um den Schaden, den dieses System an Kindern und Jugendlichen verursacht, so gering wie möglich zu halten. Viele von ihnen, die allen Widernissen zum Trotz dieses System aushalten, sehen ihr Lehrersein noch immer als Berufung und nicht bloß als Beruf. Dass sie in diesem häufig so menschenverachtenden System oft ihre Gesundheit lassen müssen und häufiger unter Burn-out leiden als andere Berufsgruppen, wundert da nicht. Sie haben täglich mit den Unzulänglichkeiten dieses Systems zu kämpfen. Man kann es ihnen nicht hoch genug anrechnen, dass sie trotzdem ein Maximum leisten. Zu den Leidtragenden in diesem System zählt neben den Lehrern leider auch eine noch größere Zahl an Kindern, Kinder, die nicht die Schule bekommen, die sie eigentlich haben sollten.

QR Codes – Pimp those boring textbooks!

Posted in Creative, Medienwelt, Tools by damianduchamps on Mai 5, 2016

Langweilig und schon bei Drucklegung veraltet

Vermutlich bin ich nicht der einzige, der die Schulbücher, mit denen er im Alltag zu tun hat, unausstehlich langweilig findet. In meinem Fall ist dieses das Englischlehrwerk, welches mittlerweile in die Jahre gekommen ist. Der Band für die Klasse 8 wurde 2007 auf den Markt gebracht und war sicherlich mindestens ein Jahr, wenn nicht länger, in Vorbereitung. Entsprechend veraltet sind die Inhalte. Die jungen Menschen aus den USA und Kanada, die dort vorgestellt werden, nutzen noch keine Smartphones, kennen kein WhatsApp oder SnapChat, schreiben dafür aber E-Mails und man sieht sie, wenn überhaupt im Zusammenhang mit Computern, vor uralten Modellen sitzen. Die vorgestellten Schauspieler, Sportstars, Musiker und Bands sagen den Schülern von heute kaum noch etwas. Internet Berühmtheiten – Fehlanzeige. Und selbst die Fotos, die eigentlich relativ überdauernde Landschaften, Gebäude, Personen und ähnlich zeigen sollen, um den Schülern einen Eindruck zu geben, wie es in diesen Ländern aussieht, sehen aus als wären sie aus dem Fotoalbum meiner Großeltern entnommen. Auch von der Struktur her insgesamt kann mich dieses Lehrwerk nicht vom Hocker reißen. Die angesprochenen Inhalte mit Bezugspunkten zur Lebenswelt der Schüler sind letztlich nur Vehikel, um neues Vokabular und Grammatik zu transportieren. Einzelne Units mit Projekten sollen das Buch in seiner Eintönigkeit auflockern.

Wenn ich mein Englischbuch aufschlage, dann fällt es mir extrem schwer, den Schülern gegenüber begeistert, motiviert und inspiriert zu wirken. Und wie muss dieses Buch erst auf meine Schüler selbst wirken, die täglich im Internet unterwegs sind, wo sie viele schöne Bilder sehen und vielfältigste Layouts und Schriftarten, Animationen und Videos?

Ganz ohne Lehrbuch?

Als Schule ist man nicht verpflichtet, mit einem Lehrwerk zu unterrichten. Man kann, wenn man möchte, die Inhalte in Orientierung an den Richtlinien und Lehrplänen komplett selbst zusammenstellen. Das allerdings kostet natürlich einiges an Zeit und Energie und ist alleine schwierig zu leisten. Eine größere Fachschaft könnte das schon leisten. Oft wird ein Fach wie Englisch jedoch auch fachfremd unterrichtet. Für Lehrer, die ein Fach nicht studiert haben, kann ein Lehrwerk mit den umfangreichen Begleitmaterialien inklusive der didaktischen Hinweise eine große Hilfe sein. Solche Unterstützung würde bei selbst zusammengestellten Materialien fehlen. Mitunter verlangen sogar Schüler nach einem Buch, da sie einen Grammatik- und Vokabelteil haben möchten, den sie zum Nachschlagen und Lernen nutzen können. Das ist vor allem dann der Fall, wenn im Unterricht versäumt wird, entsprechende Unterlagen gemeinsam mit den Schülern systematisch anzulegen.

Das Englischlehrwerk aufbohren

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Mindesthaltbarkeitsdatum verlängern

Eine Möglichkeit, das offizielle Lehrwerk trotz aller seiner Beschränkungen doch zu nutzen, besteht darin, seine Möglichkeiten einfach zu erweitern. Das macht die Arbeit damit nicht nur interessanter und motivierender, sondern kann sogar Kosten sparen helfen, da man das Lehrwerk so länger nutzen kann.

Ein Lehrwerk aufzuwerten, ist relativ einfach mit etwas Arbeit  und ohne zusätzliche Kosten möglich.

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Let’s go 4 Unit 7 – Canada mit QR Code zu einem Padlet

Eine Möglichkeit dazu sind QR Codes. Je nach Schule und Bundesland werden die Fachbücher von Eltern oder Schule angeschafft. Bei Lehrwerken, die im Besitz der Schule sind, und an die Schüler ausgeliehen werden, kann nach Absprache mit dem Schulträger das Schulbuch um QR Codes erweitert werden. Diese verweisen dann auf Inhalte, die im Internet zu finden sind. Anders als bei den Angeboten mancher Verlage über Web Codes, die auf Inhalte aus dem Angebot des Verlages hinweisen, können hier eigene Inhalte hinterlegt werden.

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Padlet Canada

Verweisen kann man auf Inhalte jeder Art – Informationstexte, Nachrichtentexte, Wikipedia Einträge, Fotos, Videos, Audiomaterial wie Podcasts, Hörgeschichten und ähnlich und natürlich auch interaktive Übungen, etwa mit LearningApps erstellt, und Quiz-Formate. Im Vokabelteil könnte man auf Quizlet Übungen für das Vokabeltraining verlinken. Außerdem könnten, falls gewünscht, Arbeitsblätter zum Download vom Schulserver oder ähnlich eingebunden werden. Hervorragend geeignet sind hier in allen Bereichen auf jeden Fall freie Bildungsmaterialien (OER).

Voraussetzungen

Auch wenn in einer Fachschaft alle willig sind, müssen einige Vorbedingungen erfüllt sein, um ein Lehrwerk über QR Codes und damit verlinkte externe Inhalte/Übungen aufwerten zu können.

  • Das betreffende Lehrwerk muss im Besitz der Schule/ des Schulträger sein.
    • Einkleben von QR Codes muss genehmigt sein
  • Sollen die Möglichkeiten im Unterricht sinnvoll genutzt werden,
    • sollten idealerweise alle Klassenräume/Fachräume Internetzugang haben
    • sollten möglichst viele Schüler über digitale Endgeräte Zugriff auf das Internet haben
      • Schulgeräte und/oder Schülergeräte (BYOD)
    • sollten möglichst alle Schüler auch zu Hause das Internet nutzen können
    • sollte zumindest eine regelmäßige Nutzung eines PC Raums möglich sein
  • Die Nutzung von externen Inhalten im Internet darf zumindest in Bezug auf von Lehrern ausgewählte Inhalte nicht durch Firewalls und/oder Filtersoftware blockiert sein

Je nach Nutzungsszenario kann es sinnvoll sein, die QR Codes mit einem verkürzten Link (z.B. über einen Dienst wie http://bit.ly verkürzt) zu ergänzen, der im Bedarfsfall abgetippt werden kann.

Schritt für Schritt

  1. Die Fachschaft entschließt sich, das Fachbuch aufzupimpen
  2. Rechtliche Fragen, ob das Buch mit QR Code Stickern versehen werden darf, werden geklärt.
  3. In einer Fachschaftssitzung arbeitet man beispielhaft ein Thema aus einem Jahrgang auf, um allen Beteiligten zu zeigen, wie es geht.
    1. Gezeigt wird, wo man externe Inhalte findet.
    2. Ein Kriterienkatalog für die Materialauswahl wird erstellt: Anspruchsniveau, maximale Länge der Videos, Bildqualität, Länge von Audiomaterialien, Urheberrecht (nutzbare Lizenzformen, Creative Commons Lizenzen, Public Domain), …
    3. Plattformen für das Finden bzw. Erstellen von interaktiven Aufgaben werden vorgestellt.
    4. Absprache, welche Übungsformen, man wofür nutzen will.
    5. Konventionen für das Benennen von erstellten bzw. auf eigene Bedürfnisse angepassten externen Übungen werden vereinbart.
    6. Erstellen von QR Codes bzw. Sammlung von Links für das Erstellen der QR Codes
  4. Drucken von QR Codes auf Avery/Zweckform Etiketten (oder ähnlich) und Einkleben in Lehrwerk
  5. Erster Praxistest und Nachbesserung falls notwendig.
  6. Aufteilung der restlichen Themen/Units aus dem Jahrgang und Überarbeitung in Teams.
  7. Praxistest mit den anderen Überarbeitungen im Jahrgang und Nachbesserung wo notwendig.
  8. Aufpimpen des kompletten Fachbuches, zu dem gearbeitet wurde, mit QR Codes für den nächsten Durchgang.
  9. Ausweitung auf andere Jahrgänge/Fächer.

Wie im Unterricht nutzen

Bevor man sich entschließt, ein Fachbuch mit QR Codes aufzubohren, sollte man sich auf jeden Fall Gedanken machen, wie man die externen Inhalte für den Unterricht nutzen kann.

Primär frontale Nutzung – Schüler Nachnutzung

Nicht jede Schule verfügt über die Möglichkeit, Schüler im Unterricht mit digitalen Endgeräten ins Internet zu schicken. Dann nutzt der Lehrer die Inhalte im Unterricht:

  • über einen Projektor, der mit Notebook, Tablet oder Smartphone gekoppelt ist
  • über ein interaktives Whiteboard

Bei beiden Varianten ist es durchaus möglich, dass einzelne Schüler interaktive Übungen machen und dabei von den Mitschülern unterstützt werden. Alle Schüler haben anschließend die Möglichkeit, die externen Materialien auch noch einmal zu Hause zu nutzen. Die Materialien könnten auch als Hausaufgaben genutzt werden. Bei Plattformen mit der Möglichkeit zur Registrierung (z.B. Quizlet, Edpuzzle, …) hat der Lehrer sogar eine Kontrolle über den Zugriff durch die Schüler.

Flipped Classroom

In vielen Schulen ist die Möglichkeit für Lehrer, zumindest einen Projektor im Fachraum oder Klassenraum nutzen zu können, nicht gegeben. Aber auch hier kann es Sinn machen, das Fachbuch mit QR Codes zu ergänzen. Im Sinne von Flipped Classroom können über die QR Codes auch Videos und Materialien verlinkt werden, mit denen sich Schüler zu Hause mit einem Stoff auseinandersetzen, der dann im Unterricht geübt und vertieft wird. Im Englischunterricht wäre das z.B. bei Grammatik Themen denkbar, siehe z.B. English Grammar Reported Speech: Questions von Alicia Bankhofer.

Außerdem können Schüler auch weitere verlinkte Materialien nutzen für andere Formen von Hausaufgaben, mit denen sie Inhalte für den Unterricht vorbereiten oder Themen vertiefen.

Nutzung im PC Raum

Ich selbst gehe im Englischunterricht nicht gerne extra in den PC Raum. Aber „zur Not frisst der Teufel die Fliegen auch ohne Salz.“ Wenn gar nichts geht, ist ein PC Raum besser als nichts. Da die PCs dort in der Regel nicht über Webcams verfügen, welche die QR Codes einlesen können, ist es hier wichtig, dass die Links auch abgetippt werden können. Es sollten außerdem Köpfhörer verfügbar sein oder von den Schülern mitgebracht werden.

Notebook Wagen/Tablet Koffer

Bteht die Möglichkeit, zumindest für eingeschränkte Zeiträume, Notebooks oder Tablets für die Lerngruppe zu bekommen, hat man deutlich bessere Möglichkeiten. Wenn nur diese Möglichkeit besteht, könnte man sich in der Fachschaft absprechen, dass jede Lerngruppe in einem Schuljahr zumindest eine Stoffeinheit/Unit mit Internetzugriff und Endgeräten in der Klasse durcharbeiten kann.

Je nach Fach könnte man so auch zunächst nur eine bestimmte Unit/Stoffeinheit mit externem Material und QR Codes erweitern. Sobald sich mehr Möglichkeiten für Notebooks oder Tablets in den Lerngruppen ergeben, weitet man dann die Vorhaben dann in den Fachbüchern aus, wie oben beschrieben.

BYOD

Die umfangreichsten Möglichkeiten bieten sich sicherlich, wenn alle Schüler dauerhaft eigene Geräte im Unterricht nutzen können (BYOD). Dann könnten die erweiterten Inhalte des Lehrwerks regelmäßig im Unterricht eingesetzt werden. Zu beachten ist hierbei noch: nicht alle Inhalte aus dem Internet stellen sich auf allen Geräten gleich gut dar. Gerade auf Geräten mit kleineren Displays kann es z.B. bei interaktiven Übungen zu Problemen kommen. Das sollte man vorher testen.

Weitere Szenarien

Schulen, die mit lokalen Lernmanagement Systemen/Lernplattformen arbeiten, könnten auch auf Inhalte innerhalb dieses Systems verlinken, wenn diese über ein internes Netz für Schüler und Lehrer erreichbar sind. Gleiches ist für Verlinkungen auf Lernmanagement Systeme/Lernplattformen denkbar, die auch von außen über das Internet erreicht werden können.

Ausweitung auf andere Fächer

Hat sich das System in einem Fach bewährt, wird auch in anderen Fächern schnell der Wunsch aufkommen, diese Möglichkeit zu nutzen. Dieser Schritt ist dann vergleichsweise einfach.

Lehrer des 21. Jahrunderts sind die Lerner des 21. Jahrunderts

Posted in Kompetenzen, Medienwelt, Schulentwicklung, Schulpolitik, Uncategorized by damianduchamps on April 30, 2016

An vielen Stellen herrscht mittlerweile kein Zweifel mehr daran, dass das Lernen des 21. Jahrhunderts anders aussieht als es gegenwärtig noch an der Mehrheit der Schulen praktiziert wird.

Wer sich in der Bildungslandschaft umschaut, sieht, dass sich schon recht deutlich herauskristallisiert hat, wie das Lernen des 21. Jahrhunderts aussieht, denn es gibt bereits Schulen, wo es praktiziert und weiterentwickelt wird. Schaut man sich die Beispiele näher an, wird aber auch sehr schnell klar, was die Akteure auszeichnet.

Sie alle selbst sind Lerner des 21. Jahrhunderts.

Es sind die André Spangs, Alicia Bankhofers, Thorsten Larbigs, Jörg Lohrers, Gerhard Bless und so weiter dieser Welt. Sie alle leben vor, wofür sie stehen, indem sie die Lernmöglichkeiten des 21. Jahrhunderts aktiv nutzen, um ihre eigenen Kompetenzen zu erweitern. Das heißt, sie bauen sich ihre persönlichen Lernnetzwerke auf, suchen sich Informationen im Netz, nehmen an MOOCs teil, schauen Lernvideos, sie schreiben Blogs, podcasten, erstellen Videos, veranstalten edChats, erstellen gemeinsam Dinge, …, sie erwerben Kompetenzen und teilen sie mit anderen und wachsen dabei weiter.

Was bedeutet das für die Entwicklung des Bildungssystems selbst hin zu einem Bildungssystem des 21. Jahrhunderts?

Man kann, so denke ich, sicher davon ausgehen, dass die Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer digitale Technologien nutzen, im privaten Umfeld wie in der Unterrichtsvorbereitung. Trotzdem fällt es ihnen extrem schwer, sich in Bezug auf Unterricht auf digitale Technologien einzulassen. Welche enorme Bedeutung das Lernen des 21. Jahrhunderts für Schule hat, übersteigt ihren Vorstellungshorizont sogar komplett, und das nicht ohne Grund.

Der beste Englischlehrer ist nicht nur Pädagoge, sondern beherrscht die englische Sprache perfekt, der beste Biologielehrer ist Biologe und Pädagoge und der beste Mathematiklehrer ist Mathematiker mit Leib und Seele und Pädagoge. Wer Schüler zu Lernern des 21. Jahrhunderts machen soll, muss deshalb selbst ein Super-Lerner des 21. Jahrhunderts sein. Nach modernem Rollenverständnis vermitteln Pädagogen heute schon lange nicht mehr nur Wissen, sondern auch das Lernen selbst. Und immer schon lernen Lehrer in ihrer Ausbildung auch selbst mit den Methoden, die sie hinterher als Lehrer in ihrer täglichen Arbeit nutzen sollen.

Wenn Lehrerinnen und Lehrer also nicht selbst aus eigener Praxis in der Entwicklung und Erweiterung ihrer beruflichen Professionalität erfahren haben, wie das Lernen des 21. Jahrhunderts funktioniert und welchen Gewinn es ihnen bringt, dann können sie dieses weder in ihren beruflichen Alltag integrieren noch verstehen, warum dazu überhaupt eine Notwendigkeit besteht. Dann wundert es auch nicht, wenn Schulen noch immer Smartphones verbieten und man an Schulen oft nur Einzelkämpfer findet, die mit digitalen Technologien in ihrem Unterricht arbeiten und sich auf den Weg gemacht haben, ihre Schüler die Chance gehen, sich zu Lernern des 21. Jahrhunderts zu entwickeln.

Für die Praxis bedeutet dieses:

  • Die Lehrerausbildung muss so schnell wie möglich umgestellt werden, um aus Lehramtsstudenten und Referendaren Lerner des 21. Jahrhunderts zu machen
  • Die Lehrerfortbildung muss umgestellt werden, um Lehrer zu Lernern des 21. Jahrhunderts zu machen
  • Für den Übergang müssen Lehrer an den Schulen massiv entlastet werden, um den Raum zu erhalten, sich zu Lernern des 21. Jahrhunderts zu entwickeln

Schulen stehen gegenwärtig unter einem enormen Druck von vielen Seiten. Inklusion, Flüchtlinge, G8/G9, demographischer Wandel und gesellschaftliche Probleme, die in die Schulen schwappen, lassen unter den gegebenen Bedingungen nicht viel Luft für einzelne Themen. Mit Tafel, Buch, Stift und Heft hat Unterricht immer funktioniert und für viele Lehrer stehen deshalb digitale Technologien ziemlich weit hinten auf der Prioritätenliste. Wenn sich also etwas ändern soll, und es muss sich etwas ändern, dringend, dann braucht es einer gewaltigen gemeinsamen Anstrengung. Ohne einen Schub aus der Politik und die entsprechenden Mittel, um die Lehrerausbildung und -fortbildung wie oben beschrieben, zu verändern, wird es nicht gehen. Dafür braucht es politischen Willen. Man hörte mal etwas munkeln von einem milliardenschweren Programm aus Berlin. Das war schon 2015 und es ging wohl mehr um Ausstattung von Schulen. Von daher ist der Ausblick gegenwärtig nicht sehr optimistisch, auch wenn zu spüren ist, dass an vielen Schulen so langsam Aufbruchstimmung einkehrt in Bezug auf digitale Technologien und Unterricht.