Damian Duchamps' Blog

Warum Trump ein Argument für den digitalen Wandel in Schule ist

Posted in Kompetenzen, Medienwelt, Uncategorized by damianduchamps on November 9, 2016

Mit den Möglichkeiten sozialer Medien haben viele Menschen sehr viele Hoffnungen für die Demokratisierung der Welt verbunden. Das Internet demokratisiert die Medien und gibt jedem eine Stimme. An vielen Stellen hat man in den letzten Jahren gesehen, wie die sozialen Medien politische Bewegungen unterstützt und vorangetrieben haben. Der arabische Frühling ist ein Beispiel dafür. Die Türkei und ihre Unterdrückung der sozialen Medien ist ein anderes Beispiel für die Wirkungskraft von Twitter, Facebook, WhatsApp und ähnlich.
Bei der Wahl des neuen amerikanischen Präsidenten hat sich im Wahlkampf jedoch noch eine gänzlich andere Seite des Potenzials der sozialen Medien gezeigt. Wie kein anderer Präsidentschaftskandidat zuvor, verstand es Donald Trump, die sozialen Medien zu instrumentalisieren, für seine Zwecke. Die großen Medien, Fernsehsender und angesehene Tageszeitungen waren bisher für viele Menschen Instanzen verlässlicher Informationen, ähnlich wie Institutionen der Regierung, Behörden und Ministerien. In seinem Wahlkampf führte Trump ein Feldzug gegen diese Medien und Institutionen und sprach ihnen jegliche Glaubwürdigkeit ab. Was nicht wahr sein soll, kann nicht wahr sein. Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur. Das Establishment, so suggerierte Donald Trump, habe sich gemeinsam mit seiner Gegnerin gegen ihn verschworen und würde die Wahrheit aus diesem Grund manipulieren. Infolge glauben viele seiner Anhänger bisherigen traditionellen Quellen verlässlicher Berichterstattung und Information nicht länger. Sie begaben sich in die Trump Filterblase und bezogen ihre Informationen und die Trump Version von Wahrheit vor allem aus den sozialen Netzwerken, denen sie mehr Vertrauen und Glauben schenkten.

Welche Schlussfolgerungen muss man daraus für Schule und Bildung ziehen? Für mich ist ganz klar, der digitale Wandel sollte möglichst schnell in Schule kommen, um unsere Schülerinnen und Schüler als zukünftige Bürger und Wähler fit zu machen für die Herausforderungen einer Zukunft, in welcher es zunehmend wichtig wird, Fakt von Fiktion zu unterscheiden. Ganz zentral ist dabei die Vermittlung der 21st Century Skills, der 4 Cs, Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und im aktuellen Zusammenhang von besonderer Bedeutung, Kritik.

Schon jetzt kann man auch in Deutschland sehr gut verfolgen, wie Verschwörungstheorien ihre Kreise ziehen. Auf Facebook ist das sehr einfach. Gerüchte über Chemtrails, nicht zugelassene Martinsumzüge, übermäßige finanzielle Bevorzugung von Flüchtlingen und ähnlich machen die Runde. Für mich erschreckend, es sind in meinem Umfeld auf Facebook auch immer wieder ehemalige Schülerinnen und Schüler meine Hauptschule dabei. Es ist erschreckend, was für Dinge da umhinterfragt übernommen und weiterverbreitet werden.

Nur über Bildung und die Schulen kann unsere Gesellschaft die nachwachsenden Generationen stark machen, zukünftige Desinformationskampagnen und Manipulation von Informationen zu erkennen. Schüler müssen lernen, Informationen zu hinterfragen, andere Quellen zu finden, sei es von anderen Parteien oder gesellschaftlichen Gruppierungen oder auch von Nachrichtenorganen und Institutionen aus dem Ausland. Die Briten wären nicht hereingefallen auf die Behauptungen der Brexit Befürworter hätten sie diese hinterfragt und über andere Informationsquellen validiert.

Trump und Brexit machen mehr als deutlich, dass es höchste Zeit ist, dass Schule sich der Herausforderung stellt, und das ist nur möglich, wenn Schule den digitalen Wandel aktiv gestaltet und Verantwortung übernimmt. Das bedeutet auch, aus der Politik muss alle Unterstützung gegeben werden, dass   dieses gelingen kann, beginnend bei der Infrastruktur und endend bei der Qualifizierung des Personals. Unsere großen Parteien sollte ein natürliches Interesse daran haben, wollen sie nicht Gefahr laufen, irgendwann von einem ignoranten Aufschneider wie Trump ins politische Abseits gedrängt zu werden.

Fortbildung für den digitalen Wandel in Schule, wie ich sie wünschen würde

Posted in Schulentwicklung, Uncategorized by damianduchamps on November 6, 2016

Kürzlich war ich wieder einmal an einer Fortbildung beteiligt, an einem Gymnasium. Im Rahmen eines pädagogischen Tages sollte das Kollegium verschiedene Möglichkeiten kennenlernen, wie man mit Smartphones, Tablets, Laptops, Apps und Online-Angeboten im Unterricht arbeiten kann. Von Seiten der Schule war ein WLAN bereitgestellt, das in allen Workshop Räumen zur Verfügung stehen sollte. Die Teilnehmer brachten eigene Geräte mit, konnten jedoch auch Tablets aus einem Pool ausleihen. Das klang vielversprechend. In der Praxis sah es dann für mich jedoch leider nicht ganz so günstig aus und ich konnte meine Angebote nicht so umsetzen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Auch die Teilnehmer meiner Workshops hatten ihre Probleme mit der Technik. Zudem gab es immer wieder Aussetzer im WLAN. Aufgrund des sehr restriktiven Zugangs zum WLAN konnte ich mein übliches Set-up von Projektor und Tablet nicht nutzen, sondern musste improvisieren und auf Kabel und Notebook zurückgreifen. In einem meiner Workshops stellte ich Padlet vor. Schwierigkeiten ergaben sich hierbei durch die unterschiedlichen Displaygrößen der Mobilgeräte. Mit einem Smartphone ist Padlet, so gut dieses Werkzeug auch ist, nur eingeschränkt nutzbar. Und dann gab es da auch noch andere Probleme durch mangelnde Kompatibilität von Browsern (etwa dem Samsung Browser mit dem schönen Namen „Internet“) oder beispielsweise Schwierigkeit von iOS, Dateien über das nicht zugängliche Dateisystem hoch zu laden. Und Zugangsdaten für das WLAN hatte auch nicht jeder.

Probleme wie diese spiegeln sicherlich die Schwierigkeiten wieder, mit denen Schulen  konfrontiert sein können, wenn sie auf BYOD ohne Vorgaben und improvisierte WLAN-Lösungen setzen. Zu einer erfolgreichen und gewinnbringenden Fortbildung tragen derartige Probleme jedoch definitiv nicht bei. Aus diesem Grund habe ich mir Gedanken gemacht, welche Voraussetzungen es braucht, um wirklich gute Fortbildungen zu gestalten, mit denen wir Lehrerinnen und Lehrer befähigen können, den digitalen Wandel an ihren Schulen zu gestalten.

Lernen unter idealen Bedingungen

Günstig wäre es, wenn Lehrerinnen und Lehrer zunächst unter möglichst idealen Bedingungen lernen könnten. Unter idealen Bedingungen verstehe ich hierbei kein Setting, welches die technischen Möglichkeiten bis zum allerletzten ausreizt. Vorstellen würde ich mir vielmehr eine funktionierende, zuverlässige und gut zu bedienende Ausstattung auf einfachem Niveau. Das könnten einfache 10 Zoll Android Tablets sein, iPads, Chromebooks, oder wenn gar nicht anders möglich auch Notebooks oder Microsoft Surface Geräte. Mir persönlich würden, da ich damit gute Erfahrungen gemacht habe, Android Tablets reichen. Dazu sollte es ein stabiles WLAN geben, einen Projektor, der drahtlos verbunden ist, und einen Drucker. Außerdem sollte ein robuster Internetzugang vorhanden sein.

Man mag nun einwenden, und das habe ich über die Jahre immer und immer wieder gehört, dass man sich doch an den Gegebenheiten der jeweiligen Schule orientieren müsse, an dem, was dort vorhanden ist, da die Schule mit genau diesen Gegebenheiten arbeiten muss. Dieses Argument halte ich für unsinnig und zwar aus folgenden Gründen:

  • Lehrer sollten zuerst einmal erfahren, was überhaupt möglich ist und wie Unterricht idealerweise mit digitalen Tools gestaltet werden kann. Woher anders sollen sie sonst wissen, was machbar ist? Sie müssen positive Erfahrungen machen, müssen das Potenzial erfahren können und erkennen. Erst dann wird man sie wirklich für den digitalen Wandel gewinnen können. Dass dann an den einzelnen Schule sich dieses nicht unbedingt eins zu eins wird umsetzen lassen, ist eine andere Sache. Die Erfahrungen, welche die Lehrer in dem idealen Setting machen, werden aber die Richtschnur bilden für die Entwicklung, welche sie an ihrer Schule in Angriff nehmen. Sie wissen dann, was möglich ist, wie sie ihren Unterricht an der Schule verändern wollen und was sie dafür brauchen. Und dann werden sie sehen, dass sie die Bedingungen an ihrer Schule Schritt für Schritt in diese Richtung bringen, indem sie die schulinternen Lehrpläne entsprechend anpassen, das Lernmittelkonzept erstellen und ein entsprechendes Medienkonzept entwerfen.
  • Wer diesen Grund nicht akzeptiert, sollte sich vielleicht einmal fragen, warum Referendare noch immer für ihre Unterrichtsbesuche Traumstunden produzieren, Unterrichtsstunden, die sie in ihrem Berufsalltag so nie wieder durchführen werden, die einen enorm hohen Aufwand bedeutet haben, der im Alltag nicht zu leisten ist. Diese „Traumstunden“ sind aber eine Art Meisterstunden, eine Spitzenleistung, eine Richtschnur für zukünftiges Arbeiten. Auch wenn sie vergleichbare Stunden in ihrem Berufsalltag nie wieder halten werden, so wird die hohe Messlatte der Traumstunden trotzdem eine Richtung vorgeben für den Unterricht, den sie zukünftig halten.
  • Es ist darüber hinaus beruflicher Alltag von Lehrerinnen und Lehrern, Inhalte und Methoden an die jeweiligen Gegebenheiten ihrer Schule bzw. ihrer Lerngruppe anzupassen. Was als ideal vorgeben ist, lässt sich nur selten in der Praxis vor Ort umsetzen.

Wenn man den digitalen Wandel an die Schulen bringen will, muss man die Lehrerinnen und Lehrer dazu befähigen. Ich könnte mir hier in NRW vorstellen, dass jeder Kreis und jede kreisfreie Stadt dafür mindestens einen Raum irgendwo bereitstellt, in welchem 20-25 Lehrerinnen und Lehrer unter Anleitung lernen, mit mobilen Zugangsgeräten und dem Internet ihren Unterricht weiter zu entwickeln. Würde man einen solchen Raum mit Internetzugang, WLAN, 25 Android 10 Zoll Tablets, einem Projektor, einem Drucker, eventuell irgendwelchen Softwarelizenzen usw. ausstatten, so würden die Kosten dafür deutlich unter 10.000 € liegen.

Lehrer als Lernende

Schulen, die sich auf den Weg machen wollen, würden Lehrerinnen und Lehrer für eine Woche vom Unterricht freistellen. Damit das für die Schulen zu verkraften ist, wäre es dann in der Regel eine Lehrkraft pro Schule. Ähnlich wie in einem Praxisseminar an der Universität würden die Lehrkräfte dann zunächst einmal in die Rolle von Lernenden schlüpfen und darüber selbst erfahren, wie es sich mit den Möglichkeiten digitaler Zugangsgeräte und dem Internet, mit Apps, Online-Plattformen und ähnlich lernen lässt. Danach würden sie selbst in die Rolle der Lehrer schlüpfen und die andere Seite kennen lernen. Sie würden also selbst Stunden vorbereiten und durchführen. Ihre Schüler wären jeweils die anderen Lehrerinnen und Lehrer. Nach der jeweiligen Stunde würde man diese im Plenum besprechen. So würden die Lehrerinnen und Lehrer sowohl die Perspektive der Lernenden als auch der Unterrichtenden kennenlernen und hätten eine erste Basis für die Weiterentwicklung der eigenen Arbeit. Dazu wäre auch wichtig, nicht nur die zuverlässig funktionierenden Geräte aus der Raumausstattung zu nutzen, sondern auch immer wieder eigene Geräte wie kleinere Tablets, Tablets anderer Betriebssysteme und Smartphones usw. zu nutzen, um zu erfahren, welche zusätzlichen Möglichkeiten, Einschränkungen, Hürden etc. sich damit ergeben können. Und so würden dann Woche für Woche die Lehrerinnen und Lehrer der Schulen im Kreis bzw. der kreisfreien Stadt diese Praxisseminare durchlaufen. Ganz wichtig wäre mir bei diesen einwöchigen Praxisseminaren, dass die Teilnehmer sich von Anfang an untereinander vernetzen, um sich auch nachfolgend weiterhin auszutauschen, anzuregen und zu unterstützen.

Vielleicht wäre es günstig, wenn die jeweiligen Gruppen aus schulformgleichen Lehrkräften bestehen. Man würde also Grundschullehrer zusammen fortbilden, Sekundarstufe 1 Lehrer und Oberstufenlehrer. Es könnte vielleicht auch sinnvoll sein, Lehrer von Förderschulen und Förderschulpädagogen in Gruppen zusammenzufassen. Beginnen würde man am besten vermutlich zunächst mit interessierten Lehrkräften. Sie würden sich am ehesten gewinnen lassen und könnten so das Interesse anderer Kolleginnen und Kollegen an der Schule anregen. Die Zahl der Interessierten, der Willigen und der Zögerer ist in einem Kollegium in der Regel größer als die der Unwilligen und Verweigerer. Man könnte mit diesem System sicherlich eine große Zahl von Lehrkräften erreichen.

Für die Lehrkräfte, welche die erste Schulung durchlaufen haben, sollte es in regelmäßigen Abständen Möglichkeiten geben, sich zu treffen und auszutauschen, über das Vernetzen über das Internet hinaus.

Nach dem ersten Durchgang sollte später man einen weiteren Durchgang machen, der dann stärker auf fachspezifische Möglichkeiten des Unterrichts mit mobilen Endgeräten und dem Internet ausgerichtet ist. Sicherlich werden Lehrkräfte schon auf eigene Faust Möglichkeiten erkundet haben und diese einbringen können.

Fortbildung die Akteure

Um die Praxisseminare durchführen zu können, braucht es natürlich auch Personal, welches selbst in der Lage ist Unterricht entsprechend durchzuführen. Daran mangelt es momentan definitiv. Aus diesem Grunde würde ich zunächst alle Fachmoderatorinnen und Fachmoderatoren entsprechend schulen. Sie müssen ohnehin für ihre Fortbildungen in Zukunft in der Lage sein, das Thema zu integrieren. Ich würde für diesen Personenkreis die Schulungen noch deutlich ausführlicher vornehmen. Es wäre natürlich günstig, wenn diese Personen auch an ihren Schulen entsprechend praktische Erfahrungen sammeln könnten, um das, was sie in der Fortbildung gelernt haben, umzusetzen und zu vertiefen. Man hätte dann die Medienberater und die Fachmoderatoren, um die Praxisseminare durchzuführen. Das sollte ausreichen, um die Wochenstunden abzudecken, die es braucht für ein einwöchiges Praxisseminar.

Die Zukunft

Sobald neue Lehrerinnen und Lehrer in ihrem Studium und anschließend im Referendariat entsprechend ausgebildet werden, könnte die Fortbildung wie beschrieben eingestellt werden. Man würde dann neue Entwicklungen über regionale Netzwerktreffen, Edu Camps oder ähnlich an die Lehrerinnen und Lehrer herantragen und so die weitere Entwicklung der Schulen anstoßen.

Umsetzung vor Ort

Ich könnte mir vorstellen, dass sich diese Idee in der Praxis durchaus umgesetzten lässt. Zu klären wäre dafür, wer den Raum oder eventuell die Räume und die Kosten für die Ausstattung und den Betrieb trägt. In meinem Kreis gibt es sieben Kommunen. Wenn hier beispielsweise der Kreis einen Raum am Berufskolleg zur Verfügung stellte und die Infrastruktur (WLAN und Internetanbindung) und die Kommunen jeweils 1.000 € beisteuerten für die Ausstattung, dann wäre diese Idee finanziell umsetzbar. Da das Berufskolleg ohnehin technisch gut ausgestattet ist und bezüglich der IT betreut wird, könnte dieser eine Raum problemlos mit betreut werden. Denkbar wäre auch, dass der Raum vom Medienzentrum zur Verfügung gestellt wird. In größeren Städten mit großen Medienzentren nutzen Medienberater diese Räume schon lange für Fortbildungen. Das Kompetenzteam würde das Personal stellen. Die Freistellung von Lehrkräften für das Praxisseminar für eine ganze Woche wird für die Schulen nicht einfach sein und je nach Größe zu Belastungen führen. Es wäre ja im Prinzip so, als wäre auf Dauer einer Woche eine Lehrkraft krank, fehlt und muss vertreten werden. Normal müssen Schulen das irgendwie auffangen. Hier müsste vom Land Unterstützung kommen durch zusätzliche Lehrkräfte.

Würde sich meine Idee umsetzen lassen, wäre der Anschub für den digitalen Wandel in unseren Schulen sicherlich deutlich größer, als wenn man die Veränderung über Fortbildungen, wie ich sie zur Zeit in der Praxis erlebe, in Gang setzen will. Bei mir am Kreis werde ich mal werben für die Idee. Vielleicht zerplatzt meine Vorstellung wie eine Seifenblase, keine Ahnung, einen Versuch ist es mir aber Wert.

5 Mrd. € DigitalPakt#D sorgt für Goldgräberstimmung

Posted in Medienwelt, Schulentwicklung, Schulpolitik by damianduchamps on Oktober 13, 2016

Es ist schon interessant, welche Welle Frau Wanka mit ihrer Ankündigung des DigitalPakt#D lostritt. Um 5 Mrd. € geht es, die für 40.000 Schulen bis 2021 vom Bund bereitgestellt werden sollen. Überall bricht mit einem mal eine digitale Goldgräberstimmung aus und dabei sprechen wir bisher nur von einer Ankündigung. Man meint, das Geld schon zu riechen, doch es ist noch nicht einmal in der Haushaltsplanung des Bundes vorgesehen, zumindest offiziell noch nicht. Und dann ist da noch das  rechtlich wackelige Konstrukt des Artikel 91c im Grundgesetz, welches eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Informationstechnik zulasse, wo eine Kooperation sonst verboten ist.

In Regierungskreisen muss da schon länger etwas in Planung gewesen sein, denn schon im Mai 2015 meinte Prof. Dr. Wilfried Bos vom Institut für Schulentwicklungsforschung der Technischen Universität Dortmund als er auf einer Veranstaltung in Münster (Schulträgertagung, 29. April 2015) die Ergebnisse von ICILS vorstellte, die Koalition plane ein Milliardenprogramm. Er fügte jedoch auch direkt dazu, wenn dieses so liefe wie das Programm zum Ganztag, wo mit den Geldern überall einfach nur Mensen gebaut wurden, dann könne man es direkt vergessen. Das Video (51 min.) ist übrigens sehenswert, da es viele der aktuell diskutierten Punkte zur Umsetzung des DigitalPakt#D anspricht.

5 Mrd. € ist eine Menge Geld. Wie einige ausgerechnet haben, ist es dann auf die einzelne Schule gerechnet doch nicht so viel und dann ist ja noch die Frage, wie viel tatsächlich vor Ort ankommen wird. In der Industrie reibt man sich sicher schon die Hände. Wie es scheint, waren ja auch Experten aus diversen Stiftungen an der Erarbeitung des Programms nicht unwesentlich beteiligt.

Das DigitalPakt#D Programm soll zwar erst 2017 starten, doch schon bringen sich die verschiedenen Player in Position. Claims sind abzustecken. Wer kann was und wer soll was? Zuständigkeiten werden im Konzept zwar angesprochen, müssen für die Praxis jedoch noch genau ausgelotet werden. Der Bund, die Länder, die Kommunen, die Schulen, es ist ein weites Feld. Absprachen sind erforderlich, über Ländergrenzen hinaus. So sollen sich die Länder „auf ländergemeinsame technische Standards“ verpflichten. NRW ist gerade dabei Logineo NRW zu installieren. Das ist ein Standard, von dem noch nicht einmal sicher ist, ob sich die Schulen und Schulträger in NRW darauf einlassen werden, und nun soll ein ländergemeinsamer Standard her. In Hamburg nutzt man auch Logineo, doch kann NRW diesen Standard länderübergreifend einbringen? Auch das Hasso Plattner Institut scheint schon in Position mit der School-Cloud. Mit einem Pilot-Forschungsvorhaben hat man sich bereits versucht, einen vorderen Platz zu sichern. Es werden aber auch andere Player aus der Industrie nicht untätig warten, denn es lockt die Aussicht auf große Aufträge. Microsoft, Bertelsmann, die Schulbuchverlage, Plattformbetreiber, Hardwarehersteller, alle wollen dabei sein. 5 Mrd. auf 5 Jahre und damit wird es nicht enden, denn Hardware muss aktualisiert werden, Lizenzen für Software und Inhalte laufen nicht ewig. Wenn DigitalPakt#D funktioniert, dann zieht das Folgekosten hinter sich her, über die sich jetzt noch keiner Gedanken macht. Bildung kostet Geld und billiger als aktuell wird es ziemlich sicher nicht werden, eher teurer.

Es wird definitiv spannend werden. Schulen sollen ein überzeugendes Konzept vorlegen. Dieses ist Voraussetzung für die Förderung. Alternativ kann es auch ein Konzept des Schulträgers sein. Und damit nicht „einzelne Schulen mit der Erstellung eines Medienentwicklungskonzeptes überlastet sind,“ ist es möglich, dass die Schulträger ein Konzept entwickeln und entsprechend sinnvolle zentralisierte Strukturen aufbauen, die dann gefördert werden. (Wenn ich da an meinen Schulträger denke, dann wird man dort direkt für die Schulen entscheiden und den Schulen eine Struktur überstülpen.) Entsprechend bringt sich deshalb in NRW die Medienberatung in Position. Zu Gute Schule 2020 kommt nun noch der DigitalPakt#D hinzu. Schulen und Schulträger sind zu beraten, eine Herkulesaufgabe, die da auf die Medienberaterinnen und -berater zukommt. In anderen Bundesländer wird es bei den entsprechenden Institutionen ähnlich sein. Da sich viele Schulen bisher noch nicht auf den Weg gemacht haben und nicht mehr vorweisen können als PC-Räume, Medienecken, ein paar interaktive Whiteboards, ein wenig Schulung zum Handling von Office Anwendungen und Prävention, mit Medienkonzepten, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt sind, ist der Beratungsbedarf entsprechend hoch. Wer etwas abhaben will vom Kuchen, muss ein Konzept vorlegen können „zur Umsetzung digitaler Bildung auf Basis vorab festgelegter Kriterien.“ (Welche Kriterien dieses sind, wer sie festlegt und wer die Einhaltung prüft, ist scheinbar noch offen.)

Wie der DigitalPakt#D bei den Schulen selbst ankommen wird, muss man sehen. Ich vermute mal, die armen Lehrerinnen und Lehrer, von denen sich viele gerade in den wohlverdienten Herbstferien befinden, sehen eine riesige Lawine auf sich zu rollen, eine Lawine, deren Dimensionen sich nicht abschätzen lassen für den Einzelnen. Viele Schulen konnten sich dem Wandel bisher entziehen. Auf die altbewährte Art und Weise ging es ja auch noch immer. Diese Zeiten werden nun endgültig vorbei sein schätze ich. Sich dem Sog der digitalen Welt zu entziehen, wird nicht länger gelingen. Die Digger schnüren ihre Ranzen, packen die Werkzeuge und beladen die Wagen. Sie sind bereit, ihre Pfosten einzuschlagen und ihre Claims abzustecken, in jeder Schule, an jedem Arbeitsplatz, in jedem Klassenzimmer, in jeder Schultasche. Es riecht nach Gold …

 

#chat16 – Nachlese – Teil 1 – MIFD

Posted in Individuelle Förderung, Schulentwicklung, Tools by damianduchamps on Oktober 9, 2016

Nachdem ich mir einen kräftigen Tritt in den Allerwertesten gegeben hatte, war ich tatsächlich auch meiner Höhle gekommen und hatte mich aus dem südlichen Sauerland auf den Weg nach Hattingen gemacht. Es hat sich gelohnt, wie ich finde. Hier meine Nachlese.

MIFD (Modell individuelle Förderung digital)

Diese Session war für mich persönlich der größte Gewinn, da das Modell, welches Jan Hambusch (@teachham) und Tobias Rodemerk (@integrate2learn) vorstellten, mich bei meiner Arbeit ein ganzes Stück weiterbringen wird.

Infos über das Modell und einen Download des Posters mit dem Modell gibt es unter integrate2learn.de.

Gemäß der Vorgabe:

Frage nicht, „Welche App kann ich in Mathe verwenden?“ Frage: „Wie kann ich meinen Unterricht mit Tablets verändern?“

entstand ein Modell mit drei zentralen Handlungsfeldern für die individuelle Förderung mit digitalen Tools. Eine Grundlage bei der Erarbeitung des Modells war die Hattie Studie, worin die Wirksamkeit verschiedener Faktoren für das Gelingen von gutem Unterricht untersucht wurde. Die drei zentralen Elemente guten Unterrichts sind demnach die Klassenführung, die Diagnose und die Lernzeitgestaltung. Jedem dieser Elemente ist im Modell eine Handlungsebene untergeordnet mit jeweils drei Elementen, die um ihre Effektivität nach John Hattie ergänzt sind. Der Handlungsebene sind jeweils in einem weiteren Ring Eigenschaften von Apps zugeordnet und was diese zur Umsetzung der Handlungen auf der Handlungsebene beitragen können. Auf der äußersten Ebene, dem äußeren Ring, werden dann Apps aufgeführt, welche diese Eigenschaften haben. Berücksichtigt wurde bei der Auswahl der Apps auch das Kriterium Datenschutz. Über Ringe um die Apps in grün, gelb und rot wird markiert, ob sich die Apps in Bezug auf Datenschutz der Schüler ohne Bedenken einsetzen lassen, nur mit Einschränkungen oder ob die Risiken vielleicht zu hoch sein könnten.

Die Vorstellung des Modells beschränkte sich nicht auf dieses selbst, sondern wurde mit praktischen Beispielen fortgeführt. Am Beispiel verschiedener Apps/Online Tools wurde das Modell in Ausschnitten beleuchtet.

Ein Beispiel war etwa no red ink, welches Jan Hambusch im Englischunterricht am Berufskolleg einsetzt. Vorgestellt wurde auch formative als eine Möglichkeit für Lehrer, unmittelbares Feedback zu einer Aufgabe zu geben, während die Schüler daran arbeiten. Das Schöne dabei ist, dass der Lehrer die Arbeit aller Schüler direkt im Blick hat und sofort Unterstützung anbieten kann. Ein Tool wie dieses könnte Lehrer dazu verleiten, direkt Druck auf Schüler auszuüben, wenn diese nicht sofort mit der Arbeit beginnen oder eine Zeit lang nichts tun. Klar, dass dieses keine zuträgliche Idee wäre.

In seinem Englischunterricht lässt Jan Hambusch auch Videos erstellen. Hier nutzt er dann Coach’s eye Feedback durch eine direkte Annotierung im Video zu geben. Dieses sei deutlich effektiver als ein Feedback im Anschluss, da man so die Rückmeldung direkt an der Stelle gibt, wo sie inhaltlich hingehört.

Ein Beispiel für Audiofeedback am Beispiel Englischunterricht gab es ebenfalls. Schüler hatten den Auftrag, etwas zu sprechen und dieses aufzunehmen. Feedback erhalten sie durch ihre Mitschüler, mit denen sie ihre Aufnahme teilen, ebenfalls im Audioformat. Dieses sei sehr effektiv, meinte Jan Hambusch, da Schüler sehr wohl in der Lage seien, Fehler bei ihren Mitschülern zu erkennen. Die im Beispiel genutzte App war eine iPad App, Opinion Podcast, die eigentlich für das Erstellen von Podcasts gedacht ist. Sie bietet aber auch die Möglichkeit, Aufnahmen zu teilen. Das Verfahren ist auch mit anderen Apps möglich, solange sie eine Funktion haben, die eine Weitergabe der Aufnahme an andere erlaubt.

MIFD, das Modell individuelle Förderung digital, stellt für mich das erste umfassende und sachlich fundierte Konzept dar, individuelle Förderung in der Schule mit digitalen Möglichkeiten systematisch zu integrieren. Die Möglichkeiten, die sich für Unterricht bieten, sind enorm, und wer nach dem berühmten Mehrwert des Einsatzes von digitalen Tools im Unterricht sucht, der muss blind sein oder ideologisch völlig anti digital verbohrt, wenn er/sie ihn hier nicht erkennt.

Mir wird das Modell nicht nur bei der Weiterentwicklung meines eigenen Unterrichts wertvolle Anregungen bieten, sondern auch bei meinen zukünftigen Beratungen  von Schulen und Fortbildungen von Lehrern eine wichtige Rolle spielen.

Frischer Wind für die Bibliothek – Leseempfehlungen zum Anhören mit QR Code

Posted in Medienwelt, Tools, Uncategorized by damianduchamps on September 12, 2016

Vor allem über Pinterest stieß ich immer wieder auf ein Beispiel der Nutzung von QR Codes, welches in den USA schon in der Grundschule Anwendung findet und auch für weiterführende Schulen von Interesse ist. Es geht darum, Leseempfehlungen zu Büchern nicht nur im Schulheft zu verfassen und in der Klasse vorzutragen, sondern diese Empfehlung als Audiodatei aufzunehmen und über einen QR Code in der Schulbibliothek abrufbar für interessierte Mitschüler bereitzustellen. Die QR Codes werden auf eine Karte gedruckt, mit dem Cover des besprochenen Buches und samt dem Buch im Regal aufgestellt. Interessiert sich ein Schüler für dieses Buch und möchte mehr wissen, scannt er den QR Code mit seinem Smartphone und hört sich dann über den Browser die Buchbesprechung an, um danach zu entscheiden, ob das Buch für eine Lektüre von Interesse ist.

Die im Deutsch- oder Fremdsprachunterricht erarbeitete Buchempfehlung wird damit auf ein ganz neues Niveau gehoben. Schüler schreiben die Buchempfehlung jetzt für ein größeres Publikum und vor allem ein echtes Publikum, welches sich die Empfehlung nicht nur anhört, weil sie in der Klasse für eine Benotung vorgelesen wird. Außerdem müssen für die Aufnahme Vorgaben wie maximale Zeitdauer und gutes, fehlerfreies Vorlesen umgesetzt werden. Für die Bibliothek kann das die Attraktivität deutlich steigern. Gibt es keine Schulbibliothek kann das Vorhaben auch in Kooperation mit einer Stadt- oder Gemeindebibliothek umgesetzt werden. Im Idealfall verfügt die Bibliothek über ein frei zugängliches WLAN. Wie könnte so ein Vorhaben in der Schule aussehen?

Ein Workflow, wie er in der Praxis aussehen kann

Die folgende Beschreibung geht davon aus, dass Audioboom genutzt wird, um die Audiodateien online zum Anhören zu speichern. Nur der Lehrer hat einen Account und die App auf seinem Tablet oder Smartphone installiert. In der Lerngruppe sind Smartphones und/oder Tablets verfügbar. Im Idealfall kann jeder Schüler ein eigenes Gerät nutzen. Auf den von den Schülern genutzten Geräten sind kostenlose Audiorekorder Apps installiert. Das Thema Buchbesprechung steht an. Die Kriterien wurden erarbeitet. Das Vorlesen für eine Aufnahme wurde thematisiert und geübt.

  1. In der Schulbibliothek suchen sich die Schüler Bücher aus, die sie vorstellen möchten.
  2. Die Schüler lesen ihre Bücher und verfassen eine Buchbeschreibung.
  3. Die Buchbeschreibung wird mit einem Audiorecorder App aufgenommen.
  4. Über eine Form des Dateiaustausches, zum Beispiel Bluetooth, wird die fertige MP3 Datei auf das Lehrergerät übertragen.
  5. Der Lehrer lädt die MP3 Dateien über Audioboom in einen zuvor eingerichteten Account hoch.
  6. Zu jeder Datei wird ein Titel ergänzt. Auch das Hochladen eines Titelfotos ist möglich. (Dieser Schritt kann alternativ am PC/Notebook im Browser erfolgen.)
  7. Zu jeder Buchbesprechung wird der von Audioboom erzeugte QR Code ausgedruckt. (Für viele ist dieser Schritt leichter an einem PC/Notebook im Browser zu erledigen.)
  8. Vom Cover des jeweiligen gesprochenen Buches wird ein Foto gemacht und ausgedruckt.
  9. Jeder Schüler klebt das Foto des Buchcovers und den QR Code auf ein Stück Karton und schreibt den Titel und Autoren des Buches hinzu.
  10. In der Bibliothek wird die Karte zum Buch gestellt. Idealerweise werden Bücher mit diesen Buchbesprechungen wechselnd in ein Ausstellungsregal gestellt.

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Was wird für die praktische Umsetzung benötigt?

  • eine Schulbibliothek, auch eine Stadt- oder Gemeindebibliothek wären als Kooperationspartner denkbar
  • eine Möglichkeit, Audiodateien online abrufbar zu speichern
    • Audioboom: es können im kostenlosen Account unbegrenzt viele Dateien gespeichert werden, sofern sie eine Länge von 3 min nicht überschreiten
    • Dropbox: in der kostenlosen Variante stehen 2 GB zur Verfügung, eine 1,5 min Aufnahme entspricht in etwa 1,5 MB bei Standardkompression des mp3, Dateien müssen freigegeben werden
    • OneDrive: hängt vom jeweiligen Account ab
    • Schulserver etc.: abhängig von den lokalen Gegebenheiten
  • ein mobiler Zugang über ein offenes WLAN (Freigabebeschränkung z.B. nur auf Audioboom.com möglich) zu den Audiodateien
    • ins Internet, wenn die Dateien bei einem Internetdienst wie Audioboom abgelegt werden
    • ins lokale Netz, wenn die Dateien auf einem Speicherort im Haus abgelegt werden
  • Aufnahmemöglichkeiten wie Computer, Smartphones oder Tablets mit integriertem oder abschließbare Mikrofon und entsprechender Software/ Apps zur Aufnahme im mp3 Format
  • eine Möglichkeit, ein Bild vom Buchcover zu machen und auszudrucken
  • eine Möglichkeit, die Adresse des Speicherorts der Audiodatei als QR Code auszudrucken
    • bei Audioboom wird der QR Code in der App bzw. auf der Webseite angezeigt
    • bei anderen Speicherorten braucht es einen Dienst, die Adresse des Speicherorts in einen QR Code umzuwandeln, z.B. http://www.qr-code-generator.de
    • Karton, auf welchen das Bild des Buchcovers und der QR Code geklebt werden
  • ein Plakat für die Bibliothek
    • mit einem Hinweis auf den WLAN Zugang
    • mit einer Anleitung, wie man über Einscannen des QR Codes die Buchbesprechung im Audioformat mittels Smartphone abrufen kann
    • mit einem Hinweis auf die benötigte QR Code Scanner App und die Verfügbarkeit in den jeweiligen App Stores

Praktische Tipps

In Ergänzung zum vorgestellten Workflow folgen einige Tipps und Alternativen für die vorgestellte Vorgehensweise.

Verfassen der Buchbesprechung

Bevor die Buchbesprechung verfasst wird, reicht es nicht nur, zu besprechen, was eine Buchbesprechung ist und sich Beispiele anzusehen. Da die Buchbesprechung nicht zum Durchlesen gedacht ist, sollten auch Kriterien erarbeitet werden, die für eine Buchbesprechung gelten, die zum Anhören gedacht ist, wie maximale Zeitdauer und einfachere Satzstruktur.

Aufnahme der Buchbesprechung als Audiodatei

Für die Aufnahme bieten sich verschiedene Möglichkeiten an.

Aufnahmemöglichkeiten

Smartphone/Tablet

Die wohl einfachste Möglichkeit für eine Aufnahme bieten Smartphone und Tablet, da sie über ein integriertes Mikrofon verfügen und es passende Apps gibt.

  • Audioboom bietet ein eigenes App für Android und iOS an, in welchem direkt aufgenommen und hochgeladen werden kann. Auch das Hochladen von in andere Apps aufgenommenen Audiodateien ist möglich.
  • Nimmt jeder Schüler mit seinem Gerät auf, wird die mp3 Datei anschließend z.B. per Bluetooth auf das Lehrergerät übertragen und kann von dort hochgeladen werden.
PC/Notebook

Wird über einen PC oder ein Notebook aufgenommen ist ein integriertes oder externes Mikrofon notwendig. Das Hochladen erfolgt dann im Browser.

MP3 Player, Diktiergerät, Audiorekoder

Heute eher nicht mehr in Erwägung zuziehen, da heute genug Schüler Smartphones haben und es damit einfacher ist. Datei müsste dann auf PC übertragen werden.

Aufnahmeformat

Aufgenommen werden sollte in einem der folgenden Formate: mp3, m4a, wave

Achtung: vorinstallierte installierte Audiorekorder Apps nehmen oft in einem eigenen Format auf (g3p), das nicht für Upload geeignet ist (testen!) und umgewandelt werden müsste. Besser wird also ein separates App installiert. Es gibt viele kostenlose.

Umwandlung der URL der Audiodatei in einen QR Code

  • Audioboom stellt die QR Codes zur Verfügung, im App wie über die Webseite.
  • Online Dienste wie http://www.qr-code-generator.com/ oder auch Apps auf Smartphone/Tablet erlauben es URLs umzuwandeln, wenn ein anderer Speicherort als Audioboom genutzt wird.

Differenzieren in Google Classroom

Posted in Creative Commons, Datenschutz, Google Classroom, Tools by damianduchamps on September 11, 2016
Ein Hinweis zur datenschutzrechtlichen Problematik der Nutzung von Google Classroom in deutschen Schulen findet sich am Ende des Beitrags

Eines für alle

Problem

Innerhalb von Google Classroom kann man über das Anhängen von Dateien an ein Assignment an alle Schüler nur ein und dasselbe Material austeilen. Jeder erhält so das gleiche Material. Was, wenn man gerne differenzieren möchte?

Lösung

Will man differenzieren, muss man sich mit einem kleinen Trick behelfen.
Anstelle eines Materials, welches jeder Schüler in Kopie gleich erhält, wird ein nicht bearbeitbares Hyperdokument erstellt. Das ist nichts anderes als ein Dokument, welches Links enthält, die auf weitere Materialien verweisen.
Über dieses Hyperdokument, im Folgenden als das zentrale Arbeitsblatt bezeichnet, werden die Links zu den Differenzierungsmaterialien weitergegeben, welche die Schüler dann in ihren Drive kopieren, bearbeiten und anschließend als Lösung über die Aufgabenstellung/Assignment einreichen können.

(more…)

Padlet – das digitale Einsteigertool für Lehrer

Posted in Kompetenzen, Tools by damianduchamps on September 4, 2016

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Padlet ist eines der einfachsten und genialsten Tools, welche das Internet aktuell für den Unterricht zu bieten hat. Es ist eigentlich nichts anderes als eine Pinnwand, an welcher Inhalte ähnlich wie Haftnotizen gesammelt werden können. Was mir daran besonders gut gefällt, sind vier Dinge:

  • Vielseitigkeit
  • Plattformunabhängigkeit
  • einfachste Nutzung für Schüler wie Lehrer
  • deutsche Sprache

Selbst begegnete ich Padlet, damals noch Wallwisher, erstmals 2010. Ich fand es so ansprechend, dass ich es direkt mit einer Klasse 5 im Englischunterricht nutzte, um Vokabeln zu sammeln. Jeder bekam den Link und alle legten los. Es klappte gut. Leider ging es nur im PC-Raum und das war mir zu aufwändig. Dieses Schuljahr (nach drei Jahren ohne Schule) kam Padlet bei mir erstmals wirklich umfangreich im Unterricht mit Tablets und Smartphones zum Einsatz, um als Lehrer Inhalte bereitzustellen und für meine Schüler um Ergebnisse einer Gruppenarbeit zu sammeln und darzustellen. Das funktionierte sehr gut.

Padlet, ein Tool für Einsteiger

Wo Tablets, Smartphones, Laptops oder anderer Geräte mit Internetzugang in den Unterricht integriert sind, ist Padlet in der Regel bekannt und ein Werkzeug unter vielen. Aber aller Anfang ist schwer. Die Hürden erscheinen interessierten Lehrern oft höher als sie tatsächlich sind. Gerade für erste Gehversuche im Unterricht mit digitalen Tools braucht es Werkzeuge, die sehr einfach zu nutzen sind und keine Vorkenntnisse benötigen. Padlet ist ein solches Tool. Deshalb steht es bei meinen Fortbildungen immer ganz vorne.

Das digitale Plakat plus

Plakate, diese unhandlichen großen Papiere, mochte ich im Unterricht noch nie. Als Lehrer muss man sie erst einmal besorgen, schleppt sie dann herum, ist darauf angewiesen, dass die Schüler auch Schere, Kleber und Marker dabei haben und Material, aus welchem ausgeschnitten werden kann. Meist fehlt wieder einmal irgend etwas. Und anschließend hängen sie vielleicht irgendwo bevor sie letztendlich im Müll enden. Selbst habe ich wegen dieser organisatorischen Hürden auf den Einsatz von Plakaten im Unterricht weitestgehend verzichtet. Referendare sehe ich aber noch immer regelmäßig damit auf dem Weg in die nächste Unterrichtsstunde. Mindestens eine Vorführstunde zeigt einen „Museumsrundgang“.

Enter Padlet

Dank Padlet geht es nun einfacher, denn Padlet ist Plakat + Schere + Kleber + Marker in einem und das Rohmaterial für das Ausschneiden und „Aufkleben“ liefert das Internet. Vorbei sind die Tage, wo ein Schüler wieder einmal etwas vergessen hat und nicht mitmachen kann. Vergessen wird allenfalls noch der Link zum Padlet, doch den hat ja der Lehrer. Nichts liegt herum, verknickt und verstaubt und landet spätestens zum Schuljahresende im Mülleimer. Als Zugabe können auf diesem digitalen Poster auch noch Filme, Audioaufnahmen, zusätzliche Dokumente und Links zu anderen Inhalten im Internet hinzugefügt werden. Und Freunde und Familien der Schüler können sich das Werk zum Schluss über einen Link auch noch ansehen. Tada!

Plattformunabhängig

Minimalanforderung für die Nutzung von Padlet ist ein Internetzugang und ein Browser. Das geht auf jedem Gerät. Für iOS und Android gibt es Apps, über die Padlets aufgerufen und bearbeitet werden können. Ein integrierter QR Code Scanner erlaubt es, Padlets direkt über ihren QR Code im App zu öffnen. Die Bedienung über Touch ist einfach. Doppelt tippen öffnet ein neues Pad oder ein bestehendes für die Bearbeitung. Auch für Chrome OS ist eine Erweiterung verfügbar. Padlets können sehr groß werden. Solange nur kleine Texte eingegeben werden oder ein Bild eingefügt wird, kommt man mit einem Smartphone oder 7“ Tablet aus. Wird ein Padlet umfangreicher, muss ein größerer Bildschirm her.

Benötigtes Vorwissen

Wer einen Browser bedienen kann und des Lesens mächtig ist, kann Padlet. Punkt!

Einfach, einfacher, am einfachsten

Die Bedienung von Padlet ist sehr einfach. Man kann mit „Neues Padlet“ direkt loslegen und die Sache ausprobieren. Ein Assistent führt gut erklärend durch die ersten Schritte: Name, Beschreibung, Layout, Hintergrund und Freigabe. Selbst Mitbenutzer sind ohne Anmeldung möglich, wenn die Standardeinstellungen gewählt werden und die Mitbenutzer (Schüler) den Link erhalten. Direkt vom ersten Padlet aus ist anschließend eine Registrierung möglich, um das Padlet dauerhaft zu sichern. Einmal registriert lassen sich nach Bedarf weitere Padlets anlegen. Beim Benutzen erschließen sich weitere Funktionen recht gut von alleine, etwa dass man Text im Padlet auch formatieren, verlinken und in Listen strukturieren kann.

Doppelklick/+ und loslegen

Neue Pads also Inhaltsfelder werden per Doppelklick oder über das Plus-Zeichen unten rechts erstellt und können dann mit Inhalten gefüllt werden. Inhalte wie Webseiten, Bilder, Videos, Lieder, Dokumente und ähnlich lassen sich per Link einfügen. Fotos, Videos, Audiodateien und Dokumente lassen sich auch hochladen. Jedes Pad kann mit einer Überschrift versehen werden und Text aufnehmen. Text kann formatiert werden, wenn man ihn markiert. Durch Ziehen lassen Pads sich in Größe und Form verändern. Mit Doppelklick auf ein Pad lässt es sich erneut bearbeiten oder löschen.

Multi-User

Padlet ist das ideale Werkzeug für kollaboratives Arbeiten. Wer über den Link verfügt, kann je nach Einstellung schreiben oder moderieren. Schreiben bedeutet für den einzelnen User, dass nur selbst erstellte Pads bearbeitet werden können. Moderieren erlaubt auch das Bearbeiten fremder Pads im Padlet.

Einsatzbeispiele

Padlet ist im Mehrnutzer Einsatz vielfältig zu verwenden. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

  • Schüler erarbeiten ein Thema in Gruppen. Nach der Vorbereitung werden die gesammelten Ergebnisse in Form eines Padlet zusammengestellt, ähnlich wie auf einem Plakat. (Laptop, PC, Tablet größer 7“)
  • Brainstorming für ein Thema. Alle Schüler der Klasse erhalten den Link und können ihre Beiträge einstellen. (Smartphone geeignet)
  • Elfchen oder Haikus gesammelt veröffentlichen. Link/QR Code ins Heft kleben. (Smartphone geeignet)
  • Argumente für eine Erörterung sammeln, eine Seite pro, andere contra. (Smartphone geeignet)
  • LdL – Schüler unterrichten andere Schüler. Sie arbeiten im Team und bereiten ergänzendes Material für eine kleine Unterrichtseinheit in einem Padlet vor. (Laptop, PC, Tablet größer 7“)
  • Von der letzten Klassenfahrt. Ausgewählte Bilder werden mit kleinen Texten von jedem Schüler beigesteuert. (Smartphone geeignet)
  • Ergebnisse eines Kunstprojektes. Jeder Schüler fotografiert sein Bild mit einem Smartphone oder Tablet und lädt es mit einem kleinen Text ins Padlet. (Smartphone geeignet)
  • Planung einer Klassenfahrt. Wenn das Ziel steht, kann in einem Padlet das Programm vor Ort geplant und dargestellt werden, mit Bildern, Informationen, Links und Karten. (Laptop, PC, Tablet größer 7“)
  • Da die einzelnen Pads sich auch verschieben lassen, kann von Schülern in Gruppen ein vorgefertigtes Padlet gemeinsam sortiert werden: Wortgruppen, Verben regelmäßig/unregelmäßig, Oberbegriffe/ Unterbegriffe, … (Laptop, PC, Tablet größer 7“)
  • In einem Padlet wird ein Inhalt (Film, Text, Bild) eingebunden und mit einer Aufgabe versehen. Das Padlet wird in Anzahl der Schülergruppen dupliziert und den Gruppen zugeteilt. Diese bearbeiten dann die Aufgabenstellung. Nach Abschluss wird das Padlet durch Umstellen auf „kann lesen“ für die Bearbeitung gesperrt. Die Gruppen vergleichen nun ihre Ergebnisse. Auch ein Museumsrundgang könnte sich anschließen.
  • Im Kunstunterricht wurden Skulpturen erstellt. Schüler fotografieren ihre Skulptur und stellen das Foto mit einer Erklärung in ein Padlet der Kunstgruppe. (Smartphone geeignet)

Einzelnutzer

Padlet ist auch für einzelne Nutzer interessant. Da es kein Vorwissen braucht, bekommt hier jeder Lehrer die Möglichkeit, auf einfachste Art eine kleine Webseite zu erstellen. Aber auch Schüler können ihr Padlet erstellen.

Einsatzbeispiele

Immer wenn eine schnelle, einfache Webseite benötigt wird, ist man mit Padlet gut aufgehoben, um Inhalte ins Netz zu stellen.

  • Es geht mal eine Runde in den PC Raum. Über das Padlets werden Links mit Recherchenaufträgen weitergegeben. Der Link zum Padlet kann über einen Dienst wie bit.ly verkürzt werden
  • Für den Einstieg in ein neues Thema wird eine Seite mit Informationen vorbereitet.
  • Ein Padlet wird als zentrale Seite für eine Unterrichtsreihe angelegt mit Links zu anderen Webseiten, Links zu Schüler Padlets, …
  • Über ein Padlet werden Materialien, z.B. Arbeitsblätter zum Ansehen und Herunterladen für die Schüler bereitgestellt.
  • Ein Padlet wird als einfaches Blog genutzt.

Padlet motiviert

Da man mit Padlet leicht ein Publikum außerhalb der Schule erreichen kann, ist die Motivation bei vielen Schülern größer. Sie können anderen zeigen, was sie in der Schule machen, der Familie und den Freunden. Über einen Link kann das Padlet in die Schulhomepage eingebunden werden. Tipp: vor der Veröffentlichung sollte das Padlet schreibgeschützt werden.

Die Nutzung  von Padlet macht kompetent

Als Werkzeug ist Padlet eben mehr als ein Plakat aus Papier. In seiner einfachsten Nutzung kann es ein Plakat 1:1 in seiner Funktion ersetzen. Aber damit hört es nicht auf. Plakate sind statisch. Ein Padlet kann Filme und Animationen aufnehmen und Links zu anderen Webseiten. Außerdem kann ein Padlet leicht über den Klassenraum hinaus gezeigt werden. Hier sind die Möglichkeiten gegenüber dem Plakat deutlich erweitert (aus Sicht von Unterrichtenden: im SAMR Modell auf der Stufe Augmentation).

So wenig wie es beim Plakat nur darum geht, mit Schere, Kleber und Marker umgehen zu können, so wenig steht bei Padlet das Handling im Mittelpunkt. Sicher muss auch dieses eingeübt werden, doch im Vordergrund steht bei der Nutzung von Padlet im Unterricht je nach Thema die Darstellung von Inhalten und ihren Zusammenhängen, die Organisation der Arbeit im Team und die Absprache über die Inhalte und gemeinsame Standards der Darstellung, die Weitergabe von erarbeiteten Ergebnissen an andere innerhalb der Lerngruppe oder über sie hinaus in die Öffentlichkeit des Internets und mehr.

Schüler nutzen Padlet

Bei der Arbeit mit Plakaten kommen oft nur die zum Zuge, die eine schöne Handschrift haben oder gut zeichnen können. Padlet bietet auch grobmotorischen oder zurückhaltenden Schülern eine Möglichkeit, sich in die Teamarbeit einzubringen. Digital schreiben alle schön und der digitale Raum bietet der Kreativität bei der Gestaltung größere Freiräume.

Für Schüler kann Padlet ein erster Einstieg in die Arbeit mit Webseiten sein, da die grundlegenden Möglichkeiten der Einbindung von Inhalten sehr ähnlich sind. Schüler, die mit Padlet umgehen können, sind auch in der Lage, einen Beitrag in einem Blog zu schreiben und mit Links, Bildern, Videos etc. zu versehen. In der gemeinsamen Arbeit an einem Padlet üben Schüler zudem die nötigen sozialen Kompetenzen ein, welche erforderlich sind, ein gemeinsames Projekt zu erstellen. Ohne Regeln und Absprachen wird es nicht gehen. Anders als beim Plakat, wo meist nur einer arbeiten kann, können hier in einer Gruppe wirklich alle gleichzeitig arbeiten. Soll das Padlet veröffentlicht werden, so dass es auch über Google zu finden ist, bietet Padlet einen guten Anlass, sich mit dem Thema Urheberrecht und Creative Commons auseinanderzusetzen.

Lehrer nutzen Padlet

Lehrern bietet sich Padlet als ein Instrument an, mit welchem sie erste Gehversuche machen können beim Einsatz eines digitalen online basierten Tools zur Gestaltung ihres Unterrichtes. Sie werden dabei merken, dass Padlet gegenüber dem Plakat weitaus mehr Möglichkeiten bietet und selbst neue Lernanlässe bietet. Wer mit Padlet positive Erfahrungen sammelt, und das wird man, wird Zutrauen gewinnen, neugierig werden und sich auch nach anderen digitalen Tools umsehen.

Vor dem ersten Unterrichtseinsatz

Bevor man als Lehrer Padlet (oder andere digitale Werkzeuge) im Unterricht einsetzt, sollte man sich zunächst im Klaren sein, was man damit erreichen möchte. Es geht um Unterrichtsentwicklung. Padlet ist natürlich auch ein Lerngegenstand aber nur nachgeordnet. Welche Lerngelegenheiten möchte ich durch den Einsatz von Padlet im Unterricht für meine Schüler ermöglichen? Außerdem sollte man sich selbst ausreichend vertraut gemacht haben mit Padlet. Erschließen sie sich selbst Inhalte mit einem Padlet, nutzen sie es selbst zum Lernen, bereiten sie damit ein Thema auf. Mit dieser Erfahrung können sie abschätzen, welche Anforderungen Padlet an ihre Schüler stellt und welche Möglichkeiten es ihnen bietet, Lernprozesse zu gestalten, welche Lerngelegenheiten es ihnen erschließt. Nutzen sie Padlet gemeinsam mit Kollegen einer Fachkonferenz, um ihr schulinternes Curriculum weiterzuentwickeln oder ein neues Themenfeld gemeinsam aufzubereiten. So erfahren sie die Möglichkeiten kollaborativen Arbeitens mit Padlet selbst und können sie anschließend ihren Schülern vermitteln.

Lehrerfortbildung ohne ICT geht gar nicht

Posted in Alltag, Kompetenzen, Schulentwicklung by damianduchamps on August 15, 2016

In einem Video mit Will Richardson – TTT#342 Why School? with Will Richardson – in dem es auch um seine Schrift „Why School?“ geht, äußert er einen Gedanken, den ich sehr wichtig finde, wenn man sich mit dem Einsatz digitaler Endgeräte wie Tablets im Unterricht auseinandersetzt. Lehrer, so fordert er, müssten sich erst einmal für ein oder zwei Jahre selbst als Lernende vertraut machen mit den Geräten und Möglichkeiten, bevor sie diese im Unterricht einsetzen und Schülern in die Hand geben. Lehrer müssten selbst damit vertraut sein, sicher damit umgehen können und sie kompetent als Werkzeuge in ihrem eignen Lernen einsetzen können. Wenn der Lehrer selbst Lernender ist mit digitalen Werkzeugen, so Richardson, kann er besser beurteilen, wie man diese in einem Lernkontext mit Schülern einsetzt. Sonst würden es letztlich nur digitale Arbeitsblätter sein oder dass die Hausaufgaben auf einer Webseite hinterlegt werden. Richardson ist der Meinung, dass Schulen viel zu wenig darin investieren, ihre Lehrer mit den Geräten vertraut zu machen.

Viele Lehrer sind digitale Dünnbrettbohrer

Leider verhält es sich so, dass viele Lehrer wenig kompetent im Umgang mit digitalen Endgeräten sind, und das meint nicht nur die älteren Lehrkräfte. Auch bei jüngeren beobachtet man immer wieder, dass die Kenntnisse sehr oberflächlich sind. Im schulischen Kontext reicht es in der Regel für das Erstellen von sehr einfachen Arbeitsblättern und das Führen von Notenlisten. E-Mail nutzt man für Dienst-Mails notgedrungen. Man kann im Computerraum oder am interaktiven Whiteboard auch noch Videos von YouTube zeigen und eine Recherche durchführen. Vielleicht kann man Schülern auch noch Grundlagen einer Powerpoint Präsentation vermitteln. Damit endet es bei vielen dann auch schon. Die Lehrer, mit denen ich zu tun habe, nutzen Computer und das Internet nicht, um selbst damit zu lernen.

Wer nicht selbst kompetent ist, wird ICT auch eher nicht im Unterricht nutzen

Wer sich selbst nicht sicher fühlt, wird im Unterricht lieber beim Bewährten bleiben. Warum soll man sich auf etwas einlassen, was zu Misserfolgen und Frustration führt? Warum soll man etwas nutzen, von dessen Nutzen man nicht überzeugt ist, weil man selbst keine positiven Erfahrungen damit gemacht hat? Wie soll man, selbst wenn man willig ist, digitale Werkzeuge im Unterricht gewinnbringend einsetzen, wenn man nicht weiß wie? Ich denke, es liegt bei Lehrkräften in der Regel nicht am mangelnden Willen, doch man kann es nicht und weiß nicht, was möglich ist. Natürlich kann man gemeinsam mit den Schülern lernen, wie Ulf Blanke (@ulfblanke) richtig sagt. Doch wer schon über ausreichend Erfahrungen verfügt, wer den Schülern zumindest in einigen Bereichen einige Schritte voraus ist, der wird erfolgreicher sein. Für jemanden der selbst über eine gute Kompetenz verfügt, sagt es sich „Schüler und Lehrer können auch gemeinsam lernen“ sehr leicht. Man darf dabei nicht vergessen, dass auch Schüler das Lernen mit dem Internet nicht erfunden haben. Sicher können sie YouTube nutzen, um Anleitung zum Lösen von Problemen zu finden. Das ist aber nicht alles. Es passt darüber hinaus nicht zum Selbstverständnis vieler Lehrkräfte, sich ohne ausreichenden Hintergrund in neue Fahrwasser zu begeben. Es könnte zu vieles schief gehen, so die Sorge.

Lehrerfortbildungen sind so 1.0

Als ich das Video mit Will Richardson sah und seine Forderung nach dem Vertrautmachen von Lehrkräften mit Tablets bevor sie es Schülern in die Hände geben, hörte, dachte ich sofort an die Lehrerfortbildungen im Land und die diversen offiziellen Kongresse, so wie ich sie zumindest aus NRW kenne. Die digitalen Möglichkeiten werden dort so gut wie gar nicht genutzt. Dass auf einem Kongress für die Schulträger, Medienzentren und Medienberater etwa eine Twitterwall als Backchannel genutzt wird oder eine Möglichkeit der gemeinsamen Dokumentation über ein Etherpad, darauf wartet man vergebens. Lediglich der Vortragende nutzt Notebook und Projektor, vielleicht noch mit Internetanschluss.

Nicht viel anders verhält es sich bei vielen offiziellen Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer durch die Moderatoren der Kompetenzteams. Die Moderatoren nutzen vielleicht digitale Präsentationstechniken und einige sehr wenige Teilnehmer machen vielleicht Notizen auf Notebook oder Tablet. Darauf beschränkt sich dann der Einsatz digitaler Werkzeuge. In Arbeitsphasen werden bekannte Moderationstechniken genutzt, wie sie bei den Moderatorenschulungen vermittelt werden, Platzdeckchen, Plakat erstellen, Museumsrundgang, Karten beschriften und an eine Pinnwand heften. Und um die tollen Ergebnisse zu sichern, macht hinterher vielleicht noch jemand ein paar Fotos. Wenn ich das als Teilnehmer erlebe, denke ich, ich bin im Schul-Museum.

Keine Lehrerfortbildungen mehr ohne digitale Werkzeuge

Sicher gibt es auch Ausnahmen von den geschilderten analogen Zuständen in der Lehrerfortbildung, etwa in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern. Allerdings geht es dort vor allem um den Einsatz digitaler Möglichkeiten im Unterricht. Lehrer probieren aus, was sie mit ihren Schülern machen können. Das ist schon ein Stück besser als gar nichts. Wenn Lehrer kompetent werden sollen in der Nutzung digitaler Werkzeuge zum gestalten eigener Lernprozesse, und das müssen sie, dann müssen sie eine Möglichkeit bekommen, zumindest eine Grundkompetenz zu erhalten. Von da aus müssen sie sich selbst auf den Weg machen, sich mit Kollegen vernetzen und gemeinsam mit den Schülern lernen.

Bei der Sache gibt es natürlich einen Haken. Auch die Moderatoren sind mehrheitlich nicht kompetent in der Nutzung von digitalen Werkzeugen für das eigene Lernen. Das schlägt sich nicht nur im Fehlen dieser Thematik in den Inhalten der fachlichen Fortbildungen nieder, sondern eben auch in der Gestaltung der Fortbildungen selbst.

Folglich müsste man zunächst die Moderatoren selbst kompetent machen. Da die meisten von ihnen selbst Lehrerinnen und Lehrer an Schulen sind, sollten sie die beste Unterstützung bekommen, dass sie an ihren Schulen auch digitale Werkzeuge im Unterricht nutzen können. Nur dann werden sie als Lernende und Lehrende die notwendigen Kompetenzen erlangen. Im nächsten Schritt könnten sie dann ihre Fortbildungsmodule überarbeiten und ihr Portfolio an Moderationstechniken auf digital umstellen.

Im letzten Schritt bilden sie dann unter Einsatz von digitalen Möglichkeiten Lehrende weiter und helfen ihnen so nicht nur fachlich auf den Weg, sondern auch dabei, selbst zu Lernenden zu werden, die in der Lage sind die digitalen Möglichkeiten für sich zu nutzen, womit sie in die Lage versetzt werden, diese Möglichkeiten auch in ihrem eigenen Unterricht einzusetzen und dabei ihren Schülern lernendes Vorbild sind.

Selbiges gilt im Prinzip auch für die Lehrerausbildung an Universitäten und Seminaren. Es wird leider nicht reichen, wenn man Informatik zum Gegenstand jeglicher Lehrerausbildung macht, denn die kann man sich auch noch aus Bücher aneignen.

Zuverlässiger Internetzugang ist absolute Bedingung für den Unterricht im digitalen Zeitalter

Posted in Medienwelt, Schulentwicklung by damianduchamps on August 2, 2016

Aus eigener oft leidvoller Erfahrung weiß ich, wie wichtig ein zuverlässiger und stabiler Internetzugang für den Unterricht mit digitalen Tools ist. Sicher kann man auch auf einem einzelnen Gerät arbeiten ohne Internetzugriff oder im lokalen Netz der Schule, doch ohne einen aktiven Zugang zum Internet ist vieles nicht möglich. Viele Anwendungen setzen auf Vernetzung, vermutlich sogar die Mehrheit. Ohne den Server im Internet sind sie in ihrer Funktionalität meist extrem eingeschränkt oder sogar überhaupt nicht zu nutzen. Padlet oder Kahoot wären Beispiele für letzteren Fall. Das gleiche gilt für viele LMS, außer sie liegen auf dem Schulserver im Schulgebäude.

Wer seine Unterrichtsstunden mit dem Einsatz von Tablets, Laptops, Smartphones und interaktivem Whiteboard plant, setzt ein funktionierendes Internet voraus. Mit der Verfügbarkeit des Internetzugangs steht und fällt jedoch die geplante Stunde. Die Verbindung ins Internet muss deswegen verlässlich verfügbar sein, so wie das Wasser, welches aus der Leitung kommt oder der Strom aus der Leitung.

Erlebt man als Lehrer mehrfach, wie eine geplante Stunde am fehlenden Internetzugang scheitert, wird man in Zukunft lieber komplett verzichten. Natürlich kann man improvisieren, doch immer wieder macht man das nicht. Fehler suchen können auch nur die technisch versierten Lehrenden, aber auch das geht nur begrenzt, da es oft viel Zeit braucht, während der die Schüler etwas zu tun haben müssen. Von daher muss jede Schule über einen absolut verlässlichen Internetzugang verfügen. Technisch ist das einfach zu lösen, durch mehrere Zugänge. Im Idealfall hat jede Schule mindestens zwei Internetzugänge. Diese sollten am besten unterschiedliche Techniken und Anbieter nutzen. Viele Schulen haben einen Telekom@School Anschluss (DSL). Diesen kombiniert man idealerweise mit einem Kabelanschluss. Ist dieser nicht verfügbar, kann es auch ein anderer sein, je nachdem, was verfügbar ist, Richtfunk, mobiles Internet (LTE/4G), Freifunk, Meshnetzwerk, Satellit, …  . Es sollten nach Möglichkeit nur nicht zwei Anschlüsse sein, welche die gleiche „Leitung“ nutzen, wie oft bei DSL der Fall. Ein weiterer Vorteil der Bündelung von einem oder mehreren Anschlüssen ist neben der Ausfallsicherheit die stärkere Gesamtleistung des Internetzugangs.

Sicher werden manche Schulträger die Sinnhaftigkeit eines Doppel- oder Mehrfachanschlusses bezweifeln. Die Argumente haben Schulen aber auf ihrer Seite. So wie auch für viele Firmen eine hohe Ausfallsicherheit unverzichtbar ist, so trifft dieses auch für Schulen zu, wenn sie ihren Unterricht mit digitalen Tools gestalten. An den Kosten kann es eigentlich nicht scheitern. Im Budget für eine Schule im Sekundarbereich macht ein Internetzugang den geringsten Anteil aus. Bei kleinen Grundschulen mag das anders allerdings aussehen.

Auch die Technik ist verfügbar. Die Bündelung (engl. bonding) mehrerer Anschlüsse kann direkt im Server erfolgen über mehrere Karten und entsprechende Software oder wesentlich einfacher durch ein Zusatzgerät. Mushroom bietet beispielsweise ein solches an, welches mit zusätzlichen Online Dienstleistungen betrieben werden kann (und ohne). Für Schulen sollte die Hardware ohne zusätzliche Online-Services reichen. Das Gerät kann bis zu 8 Leitungen verschiedener Anbieter und Übertragungswege bündeln.

Fazit: Bei der Ausstattungsplanung für einen Unterricht mit digitalen Tools, die ohne eine Nutzung des Internets auf Dauer kaum Sinn macht, sollte auf jeden Fall eine zuverlässige Anbindung der Schule ans Internet berücksichtigt werden. Selbst für Schulen in Regionen mit schlechter Internetanbindung kann die Bündelung verschiedener Anbieter Sinn machen, auch um die Breite der Anbindung zu erhöhen.

Selbstverständlich ist für einen gelingenden Unterricht mit Informations- und Kommunikationstechnologien von technischer Seite die Zuverlässigkeit im schulischen WLAN und den anderen technischen Komponenten ebenfalls eine absolut unabdingbare Voraussetzung, die bei der Planung zu berücksichtigen ist.


Mehr Informationen zum Thema findet man auch unter Stichworten wie „multi wan“, „multiple wan“, „dual wan“ und „link aggregation“. Man unterscheidet verschiedene Techniken, wie mit Anfragen von Clients ins Internet umgegangen wird. Wird load balancing genutzt oder nicht? Für Linux Server gibt es Software Bundle, die sich auf mulitiple wan verstehen. Auf all diese Technologien soll hier jedoch nicht eingegangen werden. Siehe auch Kanalbündelung bei Wikipedia (und etwas ausführlicher Channel Bonding in der englischsprachigen Wikipedia).

 

 

 

 

 

Afrikas Wildleben live in den Unterricht holen

Posted in Creative, Medienwelt by damianduchamps on Juli 26, 2016

Wie oft träumt man als Lehrer von tollen Exkursionen, vom Lernen vor Ort in Begleitung eines Experten. Leider lässt sich das nur selten realisieren. Zeit, Geld und Entfernung lassen diese Träume zerplatzen wie Seifenblasen. Und je weiter ein möglicher außerschulischer Lernort entfernt ist, desto geringer sind die Chancen, diesen jemals mit einer Lerngruppe besuchen zu können. Ins Wattenmeer könnte man eventuell noch kommen im Rahmen einer Klassenfahrt, doch der afrikanische Busch ist für uns so entfernt wie der Mond.

Manch einer erinnert sich an Kontakte von US amerikanischen Schulklassen zu Astronauten auf der ISS.  Schüler konnten dabei über eine Liveschaltung direkt mit den Astronauten sprechen, Fragen stellen und sie Experimente ausführen lassen, für die zuvor Materialien zu ISS geschafft worden waren. Tolle Sache, nur sind die Chancen, daran teilnehmen zu können, sehr begrenzt.

Es gibt jedoch andere Möglichkeiten, Liveschaltungen zu Experten zu bekommen. Eine davon möchte ich hier vorstellen. Sie ist geeignet für Lerngruppen ab Klasse 9 an Gymnasien und Gesamtschulen, die mit Englisch bilingual arbeiten. Fächer, für welche das Angebot von Interesse ist, sind Biologie und Englisch

Safari LIVE

Schon seit mehreren Jahren gibt es diese Live Drives und Live Bush Walks in einem Teil des südafrikanischen Kruger National Parks. Hier sind zweimal täglich für jeweils drei Stunden Teams unterwegs und stellen die Tier- und Pflanzenwelt im Ökosystem Busch vor. Zuschauer lernen dabei nicht nur große Säuger kennen, sondern auch Vögel, Insekten und Reptilien. Vorgestellt werden typische Lebensräume, Fortpflanzung und Ernährung. Die Safari Führer gehen auf das Wetter ein, die Geologie, den Jahreszeitenwechsel und die Arbeit als Safari Führer selbst. Man erfährt etwas über die Geschichte der Region, das Fährtenlesen und das Verhalten im Busch. Es geht bei den Touren nicht um Sensation, sondern Information.

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Spinne mit Beute (Screenshot Safari LIVE)

Die Führer sind sehr kundig und haben verschiedene Spezialgebiete. Bei den Touren mit Geländewagen oder zu Fuß sind in der Regel zwei Teams unterwegs, die beide über Funk und Satellit live senden und auf Fragen der Zuschauer reagieren. In der Regel hat man mehr als tausend Zuschauer aus aller Welt live dabei. Fragen können per E-Mail gestellt werden oder über einen Twitter Hashtag. Es wird immer wieder angeregt, Fragen zu stellen. Mitunter werden die Zuschauer gebeten, etwas zu recherchieren, wenn der Führer nicht weiter weiß.

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Eines der Teams, Safari Guide, Fährensucher und Kameramann mit Kamera (Screenshot Safari LIVE)

School Drives

Für Schulen auf aller Welt gibt es ein besonderes Angebot, den School Drive. Dafür meldet man sich zuvor an und die Safari Führer begrüßen die Klassen zur verabredeten Zeit und widmen sich dann vor allem den Fragen der Schüler.
Bevor man einen School Drive macht, empfiehlt es sich, einfach mal so live zuzuschauen oder Aufzeichnungen anzuschauen. Das hilft einmal, sich in die Thematik einzustimmen und abschätzen zu können, was man erwarten kann. Außerdem erhalten die Lerngruppen so die Möglichkeit, sich auf das Englisch einzustellen. Die Safari Führer sprechen ein sehr gut verständliches Englisch mit einem leichten südafrikanischen Akzent.
Das Live Video schaut man sich über YouTube an. Es empfiehlt sich ein Projektor. Brauchbare Lautsprecher sind wichtig. Die Fragen stellt, von denen einige in der Lerngruppe vorbereitet werden sollten, man am besten über Twitter. Dafür richtet man sich einen Twitter Account ein. Den Twitter Handle teilt man bei der Anmeldung über E-Mail mit. Die Safari Führer lesen die Fragen nicht selbst, sondern bekommen sie aus der Zentrale, über welche der Video Live Stream gesteuert wird, vorgelesen. Sie wiederholen die Frage dann und den Namen des Fragenden und geben dann eine Antwort. Dabei stellen sie sich auf das Alter der Schüler ein und die Region, aus welcher sie kommen. Zusätzlich zum Projektor sollte es noch weitere Bildschirme geben, Tablet oder Laptops, über welche Screenshots von vorgestellten Tieren, Pflanzen und Landschaften gemacht werden können. Die Screenshots lassen für Projektmappen und Präsentation verwenden und dürfen sogar im Internet veröffentlicht werden, wenn beispielsweise eine Webseite, ein Blog, ein Wiki oder ein Prezi erstellt werden sollen.

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Elefant interessiert sich für den Geländewagen. (Screenshot Safari LIVE)

Da die Führungen live sind, weiß man nie, was kommt, wie viele Tiere man sehen wird und welche. Interessant zu wissen ist, dass es im südlichen Afrika auch Jahreszeiten gibt, die auch auf auf das Leben der Pflanzen Auswirkungen haben. Im trockenen Winter färbt sich das Laub gelb und im Frühjahr, wenn der Regen kommt, wird alles grün.

Die Zeitzone passt

Die Live Safaris sind für Schulen in Deutschland von Interesse, da die Zeit während der Sommerzeit in Süd-Afrika parallel zu der unseren läuft. In Süd-Afrika gibt es keine Zeitumstellung. Im europäischen Winter verschiebt sich dann die Süd Afrikanische Zeit um eine Stunde zu uns.

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Löwenfährte im Sand (Screenshot Safari LIVE)

Es gibt eine Live Safari morgens (sunrise safari)  von 6 bis 9 (im afrikanischen Winter von 6:30 bis 9:30 Uhr). Diese ist für deutsche Schulen in den ersten beiden Unterrichtsstunden live zu sehen. Die Nachmittagssafari (sunset safari) von 15 bis 18 Uhr ist für deutsche Schulen nicht nutzbar.

Links

Weitere Infos

Safari Live ist Teil von WildEarth, das wiederum zu National Geographic gehört. Daher kommt vermutlich auch das Angebot für Schulen, welches US Schulen bei der Sonnenuntergangssafari

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Zwei Hawk Eagle (Screenshot Safari LIVE)

Die Aufzeichnung der Live Safaris lassen sich auch zeitversetzt sehen. Der Stream läuft auf eine Länge von drei Stunden im Kanal von Safari LIVE. Das heißt, drei Stunden nach der letzten Live Minute um 9 (bzw. 9:30) ist der Stream nicht mehr zu sehen. Bis dahin kann man aber zeitversetzt sehen, jedoch keine Fragen stellen.

Es gibt zum Live Stream auf YouTube eine Chat unter den Zuschauern aus aller Welt. Hier könnte man eventuell auch Fragen stellen zu einzelnen Tieren, da es unter den Zuschauern einige Experten gibt, die schon länger zusehen und die Geschichte mancher der Raubtiere, die im Bereich von Safari Live ihr Revier haben, gut kennen. Man sollte im Hinterkopf halten, dass dieser Chat nicht moderiert ist und der Austausch dort nicht nur um die Tiere geht, aber meist.

Im Folgenden versuche ich kurz, die Anknüpfung der Nutzung von Safari Live im Unterricht an die Lehrpläne und den Medienpass NRW darzustellen, immer bezogen auf eine Klasse 9 am Gymnasium oder an einer Gesamtschule wo Biologie bilingual mit Englisch unterrichtet wird.

Anknüpfung an den Lehrplan Biologie Sek I NRW

Im Fach Biologie eignet sich Live Safari gut, wenn es um die Themen Biotope und Ökosysteme geht.

Jahrgangsstufen 7/9

„Erkundung und Beschreibung eines ausgewählten Biotops (Produzenten, Konsumenten, Destruenten), Nahrungsbeziehungen, Energieumwandlung, Energiefluss, offene Systeme, Veränderung von Ökosystemen durch Eingriffe des Menschen, Biotop- und Artenschutz an ausgewählten Beispielen, Treibhauseffekt und Nachhaltigkeit.“
Erkunden eines Ökosystems

Bis Jahrgangsstufe 9

  • „beschreiben ein ausgewähltes Ökosystem im Wechsel der Jahreszeiten“
  • „ermitteln mit Hilfe geeigneter Bestimmungsliteratur im Ökosystem häufig vorkommende Arten“
  • „erklären Angepasstheiten von Organismen an die Umwelt und belegen diese, z. B. an SchnabelformenNahrung, Blüten-Insekte“
  • „beschreiben die für ein Ökosystem charakteristischen Arten und erklären deren Bedeutung im Gesamtgefüge.“
  • „erklären die Bedeutung ausgewählter Umweltbedingungen für ein Ökosystem z. B. Licht, Temperatur, Feuchtigkeit“

Quelle: Lehrplannavigator NRW

Oberstufe

Inhaltsfeld 5 – Ökologie

Die Dynamik von Populationen könnte man dann im Kontext afrikanischer Busch besprechen.

Anknüpfung an den Lehrplan Englisch Sek I NRW

Hier nur auf Rezeption, die Fragestellungen und das Anmelden bezogen.

Kompetenzerwartungen am Ende der Jahrgangsstufe 9

Hörverstehen und Hör-Sehverstehen

  • medial vermittelten einfachen authentischen oder adaptierten Sachtexten (u. a. Fernsehnachrichten, Interviews, Diskussionen) wesentliche Informationen entnehmen

Umgang mit Texten und Medien

  • im Bereich Medienkompetenz die Möglichkeiten des Internets aufgabenbezogen für Recherche, Kommunikation und sprachliches Lernen nutzen.

Quelle: KLP Englisch

Anknüpfung  an den Medienpass NRW

Als Lehrer in NRW schaue ich auch auf den Medienpass NRW und die Kompetenzen, welche dort abgebildet sind. Eine Einbindung von Safari Live mit Fragen an die Safari Führer würde in den Kompetenzbereich Kommunizieren und Kooperieren fallen.

  • Schülerinnen und Schüler kommunizieren verantwortungsbewusst, sicher und eigenständig und nutzen digitale Medien zur Zusammenarbeit.
  • Schülerinnen und Schüler … kommunizieren adressatengerecht, verantwortungsbewusst…

Werden z.B. Screenshots erstellt für eine spätere Nutzung oder es wird eine Aufzeichnung des Live Streams erstellt, um alles noch einmal ansehen zu können, fällt dieses unter Bedienen und Anwenden. Am ehesten würde dieses in den Bereich

  • wenden erweiterte Bearbeitungsfunktionen von Audio- und Videoprogrammen an

fallen.

Da es mit der reinen Rezeption des Live Videos und der Antworten der Safari Führer nicht getan ist, wird im Anschluss sicherlich ein Produkt entstehen, womit auch der Kompetenzbereich Produzieren und Präsentieren einbezogen wäre.

  • entwickeln einen detaillierten Projektplan für die Erstellung eines Medienproduktes
  • erstellen selbstständig ein Medienprodukt und setzen dabei unterschiedliche Gestaltungselemente bewusst ein.
  • präsentieren ihre Ergebnisse zielgruppenorientiert und achten auf ihre Körpersprache und Stimme.

 

Tipps für den Unterricht

  • Die Anfrage für einen School Drive an das Team von Safari LIVE sollte in der Lerngruppe erstellt werden.
  • Vor dem School Drive sollten einige Folgen geschaut werden, um
    • eine Erwartungshaltung zu wecken
    • eine Gewöhnung an das Englisch der Safari Führer zu ermöglichen
    • sich mit neuem Vokabular vertraut zu machen
    • das Setting kennenzulernen
    • den Ablauf einer Live Safari kennenzulernen
    • die Tiere, Pflanzen und Geographie schon ein wenig zu erleben
  • Vor dem School Drive sollten auf der Grundlage der zuvor geschauten Live Safaris und des Unterrichtsthemas Fragen erstellt werden
  • Ein Klassentwitter Account sollte angelegt werden (Namen bei der Anfrage dem Team mitteilen!)
  • Alternativ können die Fragen über E-Mail gestellt werden questions@wildearth.tv
  • Es sollte geübt werden, Screenshots zu erstellen
  • mehrere Schüler könnten gemeinsam mittels eine Etherpads ein Live Protokoll erstellen, um vor allem die vielen Namen der Tiere und Pflanzen notieren zu können
  • Es sollte eine Aufgabenverteilung vorgenommen werden
    • Protokollanten
    • Namen nachschlagen
    • neue Fragen erstellen, wenn die vorbereiteten nicht passen oder Nachfragen erforderlich sind
  • In Anlehnung an Chell’s Safari Live Summary Blog könnten Schüler im Anschluss ebenfalls so eine Zusammenfassung erstellen
  • Zwei frei verfügbare Handbücher für Fährtenlesen (da immer wieder Fährten gezeigt werden)

 

Noch ein paar Gedanken

Es wäre schön, wenn es mehr Gelegenheiten für Schüler gäbe, in dieser Art mit Experten vor Ort in einer Video-Liveschaltung kommunizieren zu können. Ich würde mir so etwas vor allem für für besondere Biotope, eben wie das Wattenmeer, die Bergwelt der Alpen, das Altmühl-Tal und ähnlich wünschen. Auch Museen könnten so etwas anbieten. Wie man bei Safari Live sieht, ist die Qualität eines echten Austauschs, wenn die Experten den Blick auf Details lenken, wesentlich wertvoller als wenn nur ein virtueller Museumsrundgang gemacht wird. Ich frage mich, warum nicht auch Museen diese Möglichkeit nutzen. Gerade mit einem starken WLAN oder auf dem Gelände, etwa wenn es eine historische Stätte ist, kann so etwas leicht umgesetzt werden. Es würde die Welt deutlich intensiver in die Klassenzimmer holen. Technisch ist das alles gar nicht so aufwändig. Selbst draußen in der Natur lässt es sich relativ leicht realisieren, wenn eine ausreichende Verbindung ins Mobilnetz vorhanden ist (siehe z.B. Teleporter). Vielleicht steckt sogar eine Geschäftsidee dahinter?

Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten, die Begrenztheit von Bilden und Videos zumindest ein Stück weit zu erweitern. Virtuelle Museumsrundgänge (siehe 5 museos con visitas virtuales para descubrir sin moverte de clase) lassen fremde Räume erkunden wie auch Google Streetview und ähnliche Projekte. Ein Stück weiter geht dann das Google Projekt „Google Expeditions“ in welchem Schüler mit Smartphone und Google Cardboard als 3D Brille, Räume nicht nur in 360° Sicht erfahren, sondern räumlich.
In nicht allzu ferner Zukunft wird es sicherlich virtuelle Touren geben, in welcher Schüler in dreidimensionale Räume eintauchen, und dort einer Führung folgen, in einer fremden Stadt, einer Fabrik, im tropischen Regenwald, in der Antarktis oder einfach nur im Wattenmeer oder den Donauauen.
Ein kleines Stück auf den Weg gemacht haben sich die Macher von SafariLive, vorerst noch ohne 3D (aber sie experimentieren bereits damit).

Ich hoffe, ich kann mit diesem Beitrag den einen oder anderen anregen, die Erfahrungen, welche Safari LIVE Schülern bringen kann, für den eigenen Unterricht zu nutzen.