Damian Duchamps' Blog

Gamification of education – Lernen ist ein Spiel

Posted in Medienwelt by damianduchamps on März 16, 2011

Gamification  ist als Konzept schon eine Weile in der Welt und momentan vor allem im Zusammenhang mit location basierten Plattformen verbreitet. Heute las ich einen Artikel in der Zeit Online (via @_Rya_) wieder davon, und es fiel mir eine Idee ein, die ich neulich hatte. Bisher ging es bei Gamification im Zusammenhang mit Schule mehr darum, Bildungsinhalte in Form von Spielen darzubieten (siehe Gamification of education), von Wirtschaftssimulationen als Computerspielen, bildungsorientierten virtuellen Onlinewelten bis zum Einsatz von Spielkonsolen wie der Nintendo WII im schulischen Kontext.

Um diesen Ansatz geht es mir hier nicht. Mir geht es um Gamification wie im Artikel Gamification in der US Wikipedia beschrieben, bei welcher das Verhalten von Menschen über Belohnungen virtueller Art gesteuert wird. Man nutzt den Spieltrieb des Menschen, welcher für das Erreichen bestimmter Belohnungen Mühen auf sich nimmt.

Warum überträgt man das Konzept nicht auf die Bildung? Völlig neu ist es eigentlich nicht. In der Grundschule sammeln Kinder schon seit Jahren Sterne, Aufkleber oder Stempel. Warum sollten Schüler nicht Badges sammeln? Badges gäbe es dann, sobald bestimmte Kompetenzen durch Erfüllen von Aufgabenstellungen erreicht wurden. Ähnlich wie in einem Kompetenzraster Punkte geklebt werden, wenn eine bestimmte Stufe erreicht ist, könnten Schüler eben Badges erhalten. Ähnlich wie bei 4Square, Gowalla oder vergleichbaren Programmen erhielten die Schüler bei Erreichen aller Badges eines bestimmten Kompetenzbereichs, ein Badge, welches diese quasi noch einmal zusammenfasst oder die Anzahl der gesammelten Badges belohnt (5 Grundniveaus geschafft oder 10, 20, 50 Englisch Badges gesammelt oder ähnlich). Badges könnten auch für soziales Engagement in der Schulgemeinschaft gesammelt werden, für den Nachweis von sozialen Kompetenzen, usw..

Wenn der spielerische Aspekt bei Erwachsenen funktioniert, wird er Schüler noch umso besser motivieren. Sammeln ist bei Kindern und Jugendlichen beliebt. Das System könnte in einem schulinternen Netz laufen, zugangsbeschränkt abrufbar online über verschiedene Geräte. Schulen würden dabei ihre geschlossene Community bilden. Je nachdem wie so ein System aufgezogen würde, könnte es schülerorientiertes Lernen sehr gut unterstützen, indem Schüler erlaubt, eigene Schwerpunkte setzen. Schüler würden selbst aussuchen, wem sie folgen und wer ihnen folgen darf.

Wer noch weiter denkt, könnte sich vielleicht sogar ein System vorstellen, in welchem Badges Noten ersetzen. Im Grunde reicht es doch, wenn Schüler nachweisen, dass sie eine Kompetenz erworben haben. Wer schneller und besser ist, sammelt dann eben mehr Badges.

Dazu noch ein Zitat, das sich zwar mehr auf game based learning bezieht, aber auch auf Gamification im hier gemeinten Sinn passt:

All kinds of games, not just video games, are incredibly powerful at engaging users voluntarily in learning new skills and solving challenges — and doing so on an ongoing basis. How can we apply these kinds of game designs to professional learning?

Learning experience designers have an opportunity to use game mechanics – rewards, achievements, levels and challenges – to make study and training fun by creating systems of competition that promote positive engagement and emotions. (aus The Future of Games for Learning)

Gamification Links

Advertisements

Amoklauf – sollte an jeder Schule ein Thema sein

Posted in Diverses by damianduchamps on März 7, 2011

Das Kollegium meiner Schule nahm vor kurzem an einer Fortbildung zum Thema Amoklauf an Schulen teil. Geladen war ein Experte aus Berlin. Es geht mir im Folgenden nicht darum, Werbung für den Experten zu machen. Statt dessen möchte ich kurz einige Punkte aus der Veranstaltung anreißen, die mir interessant erschienen und außerdem deutlich machen, wie dringlich es für jede Schule geboten ist, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Treffen kann es letztlich alle. Wer vorbereitet ist, hat zumindest eine Chance, eine sich anbahnende Tat zu verhindern.

Amokläufe an Schulen gibt es seit 1977. Insgesamt 124 solche Taten waren seither zu verzeichnen. Spitzenreiter sind die USA und direkt an zweiter Stelle folgt mit neun Fällen Deutschland. Die meisten Amokläufe wurden von männlichen Jugendlichen oder jungen Erwachsenen verübt. Etwa 5% der Täter sind weiblich. Diese Zahl entspricht der für Gewalttaten im Allgemeinen.

Interessant ist, dass alle bekannten Amokläufe große Ähnlichkeiten miteinander aufweisen bezüglich der Entwicklung der Täter zum Amoklauf hin. Kein einziger Amoklauf geschah aus heiterem Himmel. Nie war es eine Tat, die unvermittelt, ohne Vorgeschichte über eine Schule hereinbrach. Immer ging eine Entwicklung bei den Tätern voraus, welche über Monate und oft sogar über Jahre ablief, von der Umwelt jedoch nicht richtig wahrgenommen.

Bezeichnend ist auch der Nachahmungseffekt von diesen School Shootings. Ganz herausragend ist hierbei der Amoklauf an der Columbine Highschool. Diese Tat wurde von Überwachungskameras aufgezeichnet, es gab viel Material der Täter im Internet und alles wurde von Fernsehen und Zeitungen medial ausgeschlachtet. Den Medien kommt beim Thema Amoklauf eine besondere Rolle zu. Wie der Referent an mehreren Beispielen belegte, ist es vielen Tätern daran gelegen, vorangegangene Amokläufe bis ins Detail nachzuahmen. Das führt soweit, dass auch faktisch unrichtige Details, welche von den Medien verbreitet wurden, Vorbildcharakter erhalten.

Mich hat diese Tatsache sehr an das Phänomen erinnert, welches sich mit Goethes Roman die „Leiden des jungen Werther“ verbindet. Der im Roman geschilderte Selbstmord wurde anschließend von zahlreichen jungen Männern nachgeahmt. Dieses ging soweit, dass das Buch zeitweise verboten wurde. Der Fall an der amerikanischen Highschool löste im Land eine Welle von Amokläufen aus und wirkte bis nach Deutschland. Die Medien sind also gefordert, ihre Berichterstattung auf ein vernünftiges Maß zu begrenzen. Wichtig ist dabei, vor allem über die Opfer zu berichten, nicht jedoch über die Täter. Die Versuche des Referenten, auf Vertreter der Medien entsprechend einzuwirken, stießen nach seinen Angaben dort auf taube Ohren. Gewinne scheinen den Medien wichtiger. In Holland, wo es bisher noch keine vollzogenen Amokläufe gab, sind die Medien einsichtiger.

Am Beispiel des Amoklaufs an der Columbine Highschool zeichnete der Referent die Entwicklung der beiden Täter hin zu Amokläufern nach. Eher ungewöhnlich an diesem Fall ist das Auftreten zu zweit. Bisher gab es außer diesem nur einen weiteren Fall mit zwei Tätern.

Insgesamt ergibt sich für Amokläufer folgende Situation. Sie verlieren ihre sozialen Bindungen, sehen keine Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung mehr, geltende Normen und Werte sind nicht mehr die ihren. Typisch für die, welche zu Amokläufern werden, sind auch Gewaltfantasien. Grundsätzlich sind Gewaltfantasien nicht gefährlich. Bedenklich werden sie jedoch, wenn sie sehr extrem und konkret sind. Im Zusammenhang mit Amokläufen werden oft die so genannten Killerspiele am PC oder im Internet genannt. Killerspiele an sich machen noch keinen Amokläufer, so der Referent. Er erteilte damit den üblichen aktionistischen Rufen nach einem Verbot aller Killerspiele, die nach bisherigen Amokläufen laut wurden, eine eindeutige Absage. Allerdings können Killerspiele durchaus auf die bestehenden Gewaltfantasien von gefährdeten Jugendlichen wirken. Bei vielen Amokläufern war dieses der Fall.

Allen Amokläufern gemein ist bisher, dass sie eine Entwicklung durchmachen, bevor es zum Amoklauf selbst kommt. Im Grunde genommen sind es Menschen, die Hilfe benötigen und zahlreiche Signale aussenden. Der Referent sprach hier von red flags. Es geht ihm nicht darum, im Verborgenen ihre Tat vorzubereiten und dann auszuführen. Vielmehr wollen sie auf sich aufmerksam machen. Auch wenn sie ihre Tat beispielsweise mehr als ein Jahr zuvor planen und einen genauen Termin festsetzen, so muss dieses nicht heißen, dass sie ihre Tat unbedingt umsetzen wollen. Je mehr sich ihre Handlungsalternativen jedoch einschränken, desto wahrscheinlicher wird es, dass der Amoklauf schließlich als letzte Alternative in einer scheinbar ausweglosen Situation Realität wird. Meist kommt es dann jedoch anders, zum Glück. Nach Aussagen des Referenten gab es schon eine Reihe von Fällen, in welchen Schüler bereits in der Vorbereitungsphase ihres geplanten Amoklaufes waren und versteckten einzelne bis mehrere Waffen in der Schule, und hielten diese über Wochen dort versteckt.

Einen besonderen Stellenwert nimmt beim Vorlauf zu einem Amoklauf auch das Internet ein. In sozialen Netzwerken, welche von den Tätern benutzt werden, lässt sich der Weg bis hin zum Amoklauf auf sehr genau nachzeichnen. Texteinträge, Posts in Foren, Bilder und Videos sind die Elemente, mit denen sie sich selbst darstellen. Wichtig ist es von daher, dass man in schulischen Krisenteams zumindest einen Fachmann für diesen Bereich sitzen hat, oder einen in der Kontaktliste hat, auf den man im Notfall zurückgreifen kann. Potentielle Amokläufer nutzen das Internet auch, um Informationen über Amokläufe der Vergangenheit zu recherchieren.

Es sind viele verschiedene Facetten, die oft für sich alleine wenig Bedeutung haben, in Kombination jedoch sehr wohl. Auch aus diesem Grund macht es keinen Sinn, Checklisten anzulegen und abzuhaken, um zu ermitteln, welcher Schüler gefährdet sein könnte.

Kein Amokläufer ist ein geborener eiskalter Killer. Zum Töten muss der Mensch seine Tötungshemmung überwinden. Amokläufer verwenden viel Energie darauf, die Menschen in der Schule zu entmenschlichen. Nur so können sie die Tötungshemmung überwinden. Ein wichtiges Instrument sind dabei ihre Fantasien. Normalerweise können Menschen ohne Probleme von einem auf den anderen Moment von der Realität in die Fantasie und wieder zurück wechseln. Amokläufer vermischen häufig Realität und Fantasie. In vielen Fällen holt das Leid der Opfer, das Blut und die Geräusche, die Amokläufer schnell in die Realität zurück und sie stellen ihr Töten ein. Oft haben sie in Ihrer Fantasie den Amoklauf zigfach durchgespielt. Wenn er dann in der Realität abläuft, können unerwartete Ereignisse das in der Fantasie vorweggenommene Ereignis abrupt aus der Bahn werfen und aus dem coolen und brutalen Killer wird ein verstörter und planloser Täter.

Was kann Schule nun tun? In Schulen kann eine Menge geschehen. Jede Lehrerin und jeder Lehrer ist gefordert, die “red flags” nicht zu ignorieren, sondern an das Krisenteam der Schule weiterzugeben. In vielen Fällen vergangener Amokläufe wurden von einzelnen Lehrpersonen durchaus Signale gesehen. Nicht jedes Signal für sich deutet bereits auf eine Entwicklung zum Amokläufer hin. Zusammengenommen kann sich jedoch schnell ein anderes Bild ergeben. Aus diesem Grund ist es wichtig, bei entsprechend ungewöhnlichen Beobachtungen aktiv zu werden und die entsprechenden Stellen innerhalb der Schule zu informieren. Es ist nicht einmal notwendig, dass die einzelne Lehrkraft den betroffenen Schüler selbst zur Rede stellt.

Eine Fortbildung wie diese sollte eigentlich für jede Sekundarschule Pflicht sein. Was Lehrer hier lernen, kann Leben retten und die Traumatisierung unzähliger anderer Betroffener vermeiden. Als Spezialist auf diesem Gebiet hat der Referent, wie er schilderte, versucht das Thema an die entsprechenden Ministerien heranzutragen. Es ist keine Maßnahme, die teuer wäre. Trotzdem wurden zahlreiche fadenscheinige Gründe vorgetragen, weshalb die Maßnahme doch nicht umzusetzen sei. Einzig die Polizei, so der Referent, habe eine Menge gelernt und in Bewegung gesetzt. Bei den Schulen kommt bisher jedoch das wenigste an. Schade.

Da der Referent nicht umsonst kommt, empfiehlt es sich für Schulen die Interesse haben, sich zusammenzuschließen und ihn zu einem gemeinsamen Fortbildungstag einzuladen. Es lohnt sich definitiv. Mehr Infos findet man unter IGAK > Robertz.

Ich habe mich hier mit den Informationen aus der Veranstaltung auf einige interessante Punkte beschränkt. Aus „Sicherheitsgründen“ sollten nicht alle in der Veranstaltung besprochenen Punkte an die Öffentlichkeit gelangen, da man potentiellen Tätern so nicht in die Hände spielen möchte.

Tagged with: