Damian Duchamps' Blog

Lehrer des 21. Jahrunderts sind die Lerner des 21. Jahrunderts

Posted in Kompetenzen, Medienwelt, Schulentwicklung, Schulpolitik, Uncategorized by damianduchamps on April 30, 2016

An vielen Stellen herrscht mittlerweile kein Zweifel mehr daran, dass das Lernen des 21. Jahrhunderts anders aussieht als es gegenwärtig noch an der Mehrheit der Schulen praktiziert wird.

Wer sich in der Bildungslandschaft umschaut, sieht, dass sich schon recht deutlich herauskristallisiert hat, wie das Lernen des 21. Jahrhunderts aussieht, denn es gibt bereits Schulen, wo es praktiziert und weiterentwickelt wird. Schaut man sich die Beispiele näher an, wird aber auch sehr schnell klar, was die Akteure auszeichnet.

Sie alle selbst sind Lerner des 21. Jahrhunderts.

Es sind die André Spangs, Alicia Bankhofers, Thorsten Larbigs, Jörg Lohrers, Gerhard Bless und so weiter dieser Welt. Sie alle leben vor, wofür sie stehen, indem sie die Lernmöglichkeiten des 21. Jahrhunderts aktiv nutzen, um ihre eigenen Kompetenzen zu erweitern. Das heißt, sie bauen sich ihre persönlichen Lernnetzwerke auf, suchen sich Informationen im Netz, nehmen an MOOCs teil, schauen Lernvideos, sie schreiben Blogs, podcasten, erstellen Videos, veranstalten edChats, erstellen gemeinsam Dinge, …, sie erwerben Kompetenzen und teilen sie mit anderen und wachsen dabei weiter.

Was bedeutet das für die Entwicklung des Bildungssystems selbst hin zu einem Bildungssystem des 21. Jahrhunderts?

Man kann, so denke ich, sicher davon ausgehen, dass die Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer digitale Technologien nutzen, im privaten Umfeld wie in der Unterrichtsvorbereitung. Trotzdem fällt es ihnen extrem schwer, sich in Bezug auf Unterricht auf digitale Technologien einzulassen. Welche enorme Bedeutung das Lernen des 21. Jahrhunderts für Schule hat, übersteigt ihren Vorstellungshorizont sogar komplett, und das nicht ohne Grund.

Der beste Englischlehrer ist nicht nur Pädagoge, sondern beherrscht die englische Sprache perfekt, der beste Biologielehrer ist Biologe und Pädagoge und der beste Mathematiklehrer ist Mathematiker mit Leib und Seele und Pädagoge. Wer Schüler zu Lernern des 21. Jahrhunderts machen soll, muss deshalb selbst ein Super-Lerner des 21. Jahrhunderts sein. Nach modernem Rollenverständnis vermitteln Pädagogen heute schon lange nicht mehr nur Wissen, sondern auch das Lernen selbst. Und immer schon lernen Lehrer in ihrer Ausbildung auch selbst mit den Methoden, die sie hinterher als Lehrer in ihrer täglichen Arbeit nutzen sollen.

Wenn Lehrerinnen und Lehrer also nicht selbst aus eigener Praxis in der Entwicklung und Erweiterung ihrer beruflichen Professionalität erfahren haben, wie das Lernen des 21. Jahrhunderts funktioniert und welchen Gewinn es ihnen bringt, dann können sie dieses weder in ihren beruflichen Alltag integrieren noch verstehen, warum dazu überhaupt eine Notwendigkeit besteht. Dann wundert es auch nicht, wenn Schulen noch immer Smartphones verbieten und man an Schulen oft nur Einzelkämpfer findet, die mit digitalen Technologien in ihrem Unterricht arbeiten und sich auf den Weg gemacht haben, ihre Schüler die Chance gehen, sich zu Lernern des 21. Jahrhunderts zu entwickeln.

Für die Praxis bedeutet dieses:

  • Die Lehrerausbildung muss so schnell wie möglich umgestellt werden, um aus Lehramtsstudenten und Referendaren Lerner des 21. Jahrhunderts zu machen
  • Die Lehrerfortbildung muss umgestellt werden, um Lehrer zu Lernern des 21. Jahrhunderts zu machen
  • Für den Übergang müssen Lehrer an den Schulen massiv entlastet werden, um den Raum zu erhalten, sich zu Lernern des 21. Jahrhunderts zu entwickeln

Schulen stehen gegenwärtig unter einem enormen Druck von vielen Seiten. Inklusion, Flüchtlinge, G8/G9, demographischer Wandel und gesellschaftliche Probleme, die in die Schulen schwappen, lassen unter den gegebenen Bedingungen nicht viel Luft für einzelne Themen. Mit Tafel, Buch, Stift und Heft hat Unterricht immer funktioniert und für viele Lehrer stehen deshalb digitale Technologien ziemlich weit hinten auf der Prioritätenliste. Wenn sich also etwas ändern soll, und es muss sich etwas ändern, dringend, dann braucht es einer gewaltigen gemeinsamen Anstrengung. Ohne einen Schub aus der Politik und die entsprechenden Mittel, um die Lehrerausbildung und -fortbildung wie oben beschrieben, zu verändern, wird es nicht gehen. Dafür braucht es politischen Willen. Man hörte mal etwas munkeln von einem milliardenschweren Programm aus Berlin. Das war schon 2015 und es ging wohl mehr um Ausstattung von Schulen. Von daher ist der Ausblick gegenwärtig nicht sehr optimistisch, auch wenn zu spüren ist, dass an vielen Schulen so langsam Aufbruchstimmung einkehrt in Bezug auf digitale Technologien und Unterricht.

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ICT @ school = 50% Prävention + 30% Handling + 20% sonstwas

Posted in Uncategorized by damianduchamps on April 29, 2016

„Kompetenzen für das Leben, Lernen und Arbeiten in der digitalen Welt müssen entlang des gesamten Bildungsweges in allen Fächern erworben werden. Der kompetente Umgang mit digitalen Medien wird zu einer neuen Kulturtechnik – neben Schreiben, Lesen, Rechnen.“

Quelle: https://land.nrw/sites/default/files/asset/document/thesenpapier_bildungviernull_090316.pdf
Thesenpapier Bildung 4.0

Es dauert nicht mehr lange und der Todestag des großen Dichters und Denkers Goethe jährt sich zum 200. Male. Kehrte er heute noch einmal zurück, so würde er in dieser Welt vieles nicht mehr wieder erkennen und verstehen. Auf den Straßen sähe er Menschen umherlaufen, die kleine Gegenstände an ihre Ohren pressen oder auf kleine Gegenstände blicken, auf denen sie mit den Fingern herum tippen. Andere liefen mit Schnüren aus den Ohren kommend, die in ihren Hosentaschen enden, herum. Menschen säßen in Kisten aus Metall, die sich von alleine bewegen. Käme er zu den Menschen nach Hause, fände er die Kinder vor Glasscheiben sitzen, die in fremde Welten schauen lassen und dabei halten sie kleine Geräte in der Hand und bewegen ihre Finger schnell. Vieles in unserer Welt wäre Goethe extrem befremdlich. Doch sobald er eine Schule beträte, würde er sich wieder zu Hause fühlen. Tafel und Kreide, das wäre ihm bekannt. In manchen Klassenräumen würde er sich vielleicht darüber wundern, dass die Tafeln weiß sind.

Es hat sich nicht wirklich viel verändert in den Schulen seit Goethe verstorben ist. Bis vor gar nicht so langer Zeit wunderte das vielleicht nicht, denn auch die Welt hat sich in vielen Bereichen nur sehr langsam verändert. Bis Veränderungen in der Schule Einzug halten, dauerte es schon immer eine Weile . Wissenschaftliche Erkenntnisse brauchen eine Zeit, bis sie Eingang in die aktuellen Lehrwerke finden. So ist es auch mit den Technologien gewesen. Aber das Radio, der Kassettenrekorder, das Fernsehen, die DVD und ähnlich haben Eingang gefunden in die Schule. Zentrales und beherrschendes Element von Schule und Unterricht sind jedoch immer Tafel und Kreide, Buch, Heft und Stift geblieben.

Mit der aufkommenden Digitalisierung hat es jedoch Veränderungen gegeben, die so umfassend sind, dass sie auch in vielen Bereichen unseres Lebens große Veränderungen bewirkt haben und noch immer bewirken. Das Berufsleben ist seither großen Umwälzungen unterworfen, alte Berufe verschwinden oder verändern sich und neue entstehen. Nicht anders verhält es sich mit der individuellen Lebensgestaltung, wo die Digitalisierung völlig neue Möglichkeiten eröffnet hat. Auch die Politik ist von der Digitalisierung nicht verschont geblieben. Soziale Medien eröffnen der Demokratisierung politischer Prozesse neue Möglichkeiten, etwa durch Meinungsbildung, Petitionen und Mitbestimmung. Die Welt der Nachrichten ist gerade dabei sich grundlegend umzugestalten. Zeitungen müssen sich neu aufstellen, wenn sie nicht untergehen wollen in einer Zeit, wo das Internet die Nachrichten vom Vortag zum Schnee von gestern macht. Wie groß diese Veränderungen sind, welche die Digitalisierung mit sich bringt, das dürfte wohl bei vielen Menschen mittlerweile angekommen sein. Selbst Lehrerinnen und Lehrer nutzen Computer alltäglich zur Vorbereitung ihres Unterrichts und nutzen privat Smartphones und Tablets. Im Unterricht selbst haben die häufig noch immer als „neue Medien“ bezeichneten digitalen Technologien noch kaum Einzug gehalten.

Bei meinen Gesprächen mit Lehrern verschiedener Schulen merke ich immer wieder, dass die digitalen Technologien meist sehr einseitig betrachtet werden. Sehr häufig werden sie reduziert auf das Gefahrenpotenzial und das Handling. Wenn man digitale Technologien in den Unterricht bringen möchte, dann vor allem, um sich mit Themen wie Cybermobbing, illegalen Downloads, Suchterhalten, Netiquette und ähnlich zu beschäftigen. Außerdem möchte man den Schülern vermitteln, wie man mit einer Textverarbeitung Texte in einem bestimmten Format erfassen kann, etwa als Lebenslauf oder Brief, wie man Zahlen mit einer Tabellenverarbeitung erfasst und verarbeitet oder wie man eine Präsentation erstellt. Vielleicht hat man dann auch noch die Idee, Smartboards einzuführen, weil man mit diesen Tafeln leichter Filme zeigen kann. Hin und wieder begegne ich Schulen, die gerne eine Tablet Klasse einrichten möchten. Es wird mir so immer wieder sehr deutlich vor Augen geführt, dass Schulen häufig gar nicht abschätzen können, welche umfassende Bedeutung die Digitalisierung für das Leben ihrer Schülerinnen und Schüler hat und haben wird und welche Rolle Schule bei der Vorbereitung auf dieses Leben spielt.

Ich behelfe mir dann gerne mit einer Analogie. Das Automobil eignet sich recht gut, denn jeder versteht seine Bedeutung.
Das Auto ist vor allem ein Mittel, um Personen und Gegenstände von A nach B zu befördern. Autofahren ist nicht ungefährlich, auch wenn es heute längst nicht mehr so gefährlich ist wie es einst war. 2014 wurden mehr als 2 Millionen Unfälle polizeilich erfasst. Davon gingen mehr als 300.000 mit Personenschaden aus und es gab dabei fast 400.000 Verunglückte, 3.377 Tote und 67.732 Schwerverletzte. Wie mögen die Zahlen 1991 ausgesehen haben, als es mehr als 11.000 Verkehrstote gab? Noch weiter zurück in die Vergangenheit geschaut wird die Zahl noch größer gewesen sein. Angesichts der Gefährdung, welche vom Automobil ausgeht, wundert man sich, dass es dieses Fahrzeug überhaupt gibt. Würden Städte ähnlich reagieren wie Schulen, die Smartphones verbieten, so wären heute aus Gründen der Verkehrssicherheit in nahezu allen Städten Fahrzeuge verboten. In Fahrschule würden Fahrschüler auf einem großen Platz lernen, geradeaus zu fahren, rückwärts, Kurven, Beschleunigen und Bremsen, das Sauberhalten eines Autos und wie man sich richtig anschnallt. Direkt in den Straßenverkehr führe man nicht. Dafür würde man sich dann aber in der Theorie mittels Texten, Grafiken, Filmen und Simulationen sehr intensiv mit Prävention auseinandersetzen, mit Themen wie rücksichtsvollem Fahren, Fahren in der Nähe von Passanten, Gefahren beim schnellen Fahren, Fahren bei Dunkelheit, Fahren bei Regen, Fahren bei Schnee, Fahren in engen Kurven, Fahren über kleine Hindernisse und ähnlich. Um die präventive Arbeit nachhaltig zu gestalten würde man mit den Fahrschülern über viele Stunden, Plakate erstellen, sie mit einem Tuch vor Augen durch Hindernisparcours laufen lassen und Rollenspiele spielen.

Was diese Analogie deutlich machen soll, ist die eingeschränkte Sicht von Schule auf digitale Technologien. Viele Schulen reduzieren sie auf die Vermittlung einiger grundlegender Techniken, Recherche im Internet, Erstellen eines Textdokumentes, Rechnen mit Tabellenkalkulation, Erstellen einer Präsentation und Prävention, also Cybermobbing, Sexting, Pädophile im Netz, Netiquette, Spielsucht, Urheberrecht und ähnlich. Das soll nicht bedeuten, dass Prävention keinen Stellenwert hat. Den hat sie definitiv, so wie in der Fahrschule auch das Thema Sicherheit im Lehrplan steht. Prävention ist ein Thema und dann gibt es noch sehr viele andere Themen. Sie sind nicht nur Lerngegenstand, sondern ermöglichen andere, neue Formen des Lernens. Und dieser muss Schule sich ebenfalls annehmen, als Herausforderung und Möglichkeit.

So wie das Auto dazu dient, etwas von A nach B zu befördern, so haben auch digitale Technologien ihre Rolle in unserem Leben, und im Leben unserer Kinder wird ihre Bedeutung noch zunehmen. Ohne die Kompetenz, mit digitalen Technologien umgehen zu können, werden unsere Kinder nicht in der Lage sein, ihr Leben in der Gesellschaft erfolgreich gestalten zu können. Kinder brauchen digitale Technologien, um sich individuelle Lernmöglichkeiten zu erschließen auf dem Weg zum lebenslangen Lernen, um an der Gesellschaft teilzuhaben, ihr privates Leben gestalten zu können und im Beruf bestehen zu können. Es gibt in unserer Gesellschaft nur eine Instanz, welche diese Kompetenzen grundlegend vermitteln kann und das ist die Schule. Lernen hat über Jahrhunderte mit Tafel und Kreide, Buch, Heft und Stift funktioniert. Digitale Technologien verändern die Welt nachhaltig und so auch Schule. Tradierte Möglichkeiten erweitern sich durch digitale Technologien, denn sie sind nicht einfach nur eine Substitution des Bekannten, sondern bieten neue Formen der Gestaltung von Lernen (und Lehren), Möglichkeiten, die bisher undenkbar waren.

Grundlagen des Umgangs mit digitalen Technologien, die Bedienung von Software/Apps und verantwortungsvoller und sicherer Umgang mit diesen Möglichkeiten müssen vermittelt werden. Da endet die Aufgabe der Schule dann jedoch nicht. Es muss weiter gehen, hinaus in den Straßenverkehr, um zur Analogie zurückzukehren. Schüler müssen die Möglichkeit erhalten, mit digitalen Technologien ihr individuelles Lernen zu gestalten.

Am Ziel sind wir mit dem Einsatz von digitaler Technologie im Unterricht, wenn sie so selbstverständlich geworden ist, wie Tafel  und Kreide es von jeher waren, wie das Wasser, welches aus dem Wasserhahn fließt. Sie soll so alltäglich sein, dass sie quasi unsichtbar ist. (Das bedeutet natürlich auch, dass sie zuverlässig ist, absolut zuverlässig, denn wie kann ich Unterricht planen, der digitale Technologien einschließt, wenn ich mich nicht darauf verlassen kann. Das wäre so, wie wenn ich mich nicht auf den Strom in der Klasse verlassen könnte und es wäre an manchen Wintermorgen dunkel im Klassenzimmer.)

Schulhomepage – Datenschutzfalle – Social Plugins?

Posted in Datenschutz, Schule und Recht by damianduchamps on April 17, 2016

Auch auf Schulhomepages ist es nicht unüblich, Social Plugins wie den Facebook Like oder Teilen auf Facebook Button, einen Twitter, Google+ oder Pinterest Button anzubieten. Im Prinzip ist das auch keine schlechte Idee, ermöglicht man so den Besuchern, Gefallen anzuzeigen oder Inhalte der Schulhomepage in ihren sozialen Netzwerken zu teilen.

Aber leider gibt es da ein klitzekleines Problemchen.

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By aha-soft-icons, deviant art; CC BY 3.0

Über Social Plugins hinterlassen Besucher einer Webseite Spuren. Klickt ein Besucher also den Facebook Like Button unter einem interessanten Beitrag über eine tolle Schulveranstaltung, so wird dieses bei Facebook registriert und mit dem Profil des Facebook Nutzers verknüpft. Das gilt auch, wenn man den Inhalt über Facebook teilt. Als Facebook User fügt man so wieder ein kleines Mosaiksteinchen zu seinem Persönlichkeitsprofil hinzu und hilft Facebook damit, ein gläsernes virtuelles Double seiner selbst zu erstellen. Den meisten Facebook Usern wird dieses nicht einmal bewusst sein.Doch wer sich jedoch mit diesen Dingen beschäftigt, sollte das wissen. Vielen ist allerdings nicht bekannt, dass die Tracking Funktion des Facebook Like Buttons auch aktiv ist, ohne dass der Button aktiv geklickt wird. Der Like Button registriert dann zumindest den Besuch der Seite – und auch das ist keine wertlose Information für Facebook. Was für den Facebook Like Button gilt und natürlich auch den Teilen auf Facebook Button, das gilt auch für viele andere Social Plugins von Twitter und Pocket bis zu WordPress und Pinterest. Solange der User nicht anonym im Netz unterwegs ist, erfassen diese Plugins seine Spur und zeichnen sie beim jeweiligen Anbieter auf, auch ohne dass „Gefällt mir“ oder „Teilen“ geklickt wurde.

Und hier wird die Sache nun spannend, egal ob es sich um gewerbliche Internetauftritte handelt oder um die von Schulen. In dem Moment, wo auf einer Schulhomepage Social Plugins integriert sind, kann durch diese Plugins das Thema Datenschutz zum Problem werden. Gemäß Paragraf 13 des TMG (Telemedien Gesetzes) ist es rechtswidrig, personenbezogene Daten ohne Zustimmung der Nutzer an Dritte – Betreiber entsprechender Dienste – zu übertragen. Und genau das geschieht hier. Gleiches gilt übrigens auch, wenn die Schulhomepage externe Statistik-Tools nutzt oder Web-Schriftarten („Webfonts“), die nicht auf dem Webserver der Schulhomepage selbst gespeichert sind, sondern von Anbietern wie Google fremdgeladen werden beim Aufruf eines Inhalts von der Homepage der Schule.

Das Landgericht Düsseldorf entschied Anfang 2016 (Az. 12 O 151/15, pdf), dass durch die Einbindung von Social Plugins auf Webseiten gegen die Datenschutzvorschriften verstoßen wird.

Welche Möglichkeiten hat man nun als Betreiber einer Schulhomepage, nicht gegen die Datenschutzvorschriften zu verstoßen?

  1. Social Plugins entfernen – anders als Firmen sind Schulen nicht existentiell auf die Dienste von Facebook & Co. angewiesen, um die soziale Reichweite der Informationen auf der Schulhomepage zu vergrößern
  2. Datenschutzerklärung anpassen – viele Schulen werden zwar ein Impressum für ihre Homepage haben, denn das ist verpflichtend. Eine Datenschutzerklärung werden sie aber oft nicht haben. Es wäre also vielleicht eine Idee, einmal eine solche anzulegen. Das kann man kostenlos auf e-recht24.de (Datenschutzerklärung erstellen) erledigen.
  3. Sharing Buttons ändern – es gibt die Möglichkeit, die Sharing Buttons von Facebook & Co. anzupassen, so dass sie beim Aufruf einer Webseite vom User bei Bedarf aktiviert werden müssen, bevor man sie zum Teilen nutzen kann.

Datenschutz auf der Schulhomepage ist nun die eine Sache, was diese Social Plugins angeht. Versäumnisse, eine entsprechende Datenschutzerklärung auf der Webseite vorzuhalten, könnten aber Folgen haben, wie man damals bei Einführung der Impressumspflicht sah. Firmen wurden reihenweise abgemahnt von spezialisierten Anwälten. Ob Ähnliches nun auch hier folgen wird, ist schwierig abzuschätzen. Inwieweit damals auch Schulen abgemahnt wurden oder ob es überhaupt solche Fälle gab, ist mir nicht bekannt. Von daher ist es auch nicht einfach zu sagen, ob für Schulen von einer fehlenden Datenschutzerklärung ein Gefahr ausgehen könnte. Ich denke, es muss noch etwas Zeit ins Land gehen, bevor einschlägige Seiten oder Ministerien hier Empfehlungen abgeben.

Wie man die Sharing Buttons ändert und noch ein paar Hintergründe zur Thematik findet man unter Abmahnwelle durch Social Plugins? So kannst du dich schützen (auf t3n).

Mehr zum Fall vor dem Landgericht Düsseldorf gibt es unter Gerichtsurteil: „Social-Plugins“ dürfen keine Daten ohne Zustimmung erheben auf Netzpolitik.org

Und Cookies?

Wie man seit einiger Zeit beim Besuch vieler Webseiten sieht, ist auch das Thema Cookies aktuell. Mit einem Screen am oberen oder unteren Rand der Webseite wird man über den Einsatz von Cookies informiert. Auch hier geht es um Datenschutz. Dass Cookies für Schulhomepages ein Thema sein können, zeigt beispielsweise ein Beitrag auf lo-recht von 2003. Wer mehr zum Thema Cookies und Datenschutz wissen möchte, liest den Beitrag Cookie-Hinweis gemäß Google ab 30.09.2015 Pflicht! Was haben Websitebetreiber zu beachten?

Die Kontrollverlustangst der Schulen

Posted in Medienwelt, Schulentwicklung by damianduchamps on April 11, 2016

An vielen Schulen scheint sich mittlerweile die Erkenntnis durchzusetzen, dass sich in Bezug auf den Einsatz von digitalen Technologien im Unterricht etwas tun muss. Selbst bei Schulträgern habe ich in letzter Zeit mehrfach deutliches Interesse oder zumindest eine große Offenheit für den Einsatz von Tablets im Unterricht oder sogar Your Own Device (BYOD) feststellen können. Im Vergleich mit vielen anderen Ländern hinken wir in Deutschland beim Einsatz digitaler Technologien im Unterricht sehr hinterher. Von daher machen die geschilderten Beobachtungen bei einigen Schulen und Schulträgern zumindest ein wenig Hoffnung.

Leider aber gibt es aber auch noch immer Fälle, wo man an Schulen auf dem Stand von vor fünf Jahren stehen geblieben ist. Meine Schule teilt sich das Gebäude mit zwei weiteren Schulen, einer Realschule, die in zwei Jahren schließen wird, genau wie meine eigene Hauptschule, und einer Gesamtschule im Aufbau. Wo man an anderen Schulen von Bring BYOD redet, ist man an meinem Schulzentrum noch immer krampfhaft bemüht, das Thema Smartphone unter Kontrolle zu halten. Symptomatisch für die gesamte Einstellung zum Smartphone am Schulzentrum ist schon der Name der Regelung, welche den Umgang mit damit regelt. Wir sprechen hier nicht etwa von„Smartphone Regeln “, sondern von einem „Handy Verbot“. Sicherlich kann man das Smartphone noch immer unter dem Oberbegriff Handy fassen, doch letztlich ist der Begriff Handy ein Begriff von gestern. So veraltet wie die Begrifflichkeit ist auch das Verhalten der Schulen am Schulzentrum. Das Verbot besagt eigentlich, dass Handys, also Smartphones, nicht mitgebracht werden dürfen in die Schule. Dass dieses Verbot illusorisch ist, weiß jeder. Von daher wird das Mitbringen trotz Verbotes toleriert. Es gibt genug Eltern, die sogar darauf bestehen, dass ihre Kinder das Smartphone mitnehmen, um im Notfall erreichbar zu sein. Das Argument, in der Schule gebe es doch ein Telefon, welches die Schüler benutzen können, zählt bei diesen Eltern nicht, da die Kommunikation nicht nur telefonisch, sondern oft auch über soziale Medien, allen voran WhatsApp, abläuft. Die Schüler haben also ihre Smartphones dabei. Laut Handy Verbot dürfen sie diese jedoch nicht benutzen. Und dieses Verbot gilt nicht nur im Unterricht, sondern auch in der Pause und auf dem gesamten Schulgelände. In Notfällen ist erst ein Lehrer zu fragen, bevor das Smartphone aus der Tasche geholt werden darf, um beispielsweise die Mutter anzurufen, ihr eine Nachricht zu senden oder eine Nachricht zu lesen, die sie geschickt hat. Wird man als Schüler erwischt mit dem Smartphone in der Hand, nehmen viele Lehrer den Schülern das Smartphone sofort weg. Es wird dann im Sekretariat der jeweiligen Schule abgegeben und die Schüler können es sich am Ende des Unterrichtstages abholen. Nach dem dritten Verstoß müssen die Eltern erscheinen, um das Smartphone abzuholen. Rechtlich ist dieses ein völliges Unding, was der Schulleitung der Gesamtschule jedoch egal ist. Die Oberhand behalten, ist hier wichtiger.

Das ist schon ziemlich extrem. Und wie extrem das Verbot durchgesetzt wird, zeigen die folgenden zwei Beispiele.

Beispiel 1: In der 5 Minuten Pause versucht eine Schülerin der Klasse acht einer Mitschülerin zu helfen, deren Smartphone nicht richtig funktioniert. Sie nimmt deren Smartphone in die Hand, öffnet es, entnimmt den Akku und setzt ihn gerade wieder ein als ein Lehrer vorbeikommt und dieses sieht. Er nimmt der Schülerin das Smartphone weg.

Beispiel 2: Ein Schüler der Klasse zehn geht am Ende des Schultages zum Ausgang des Schulhofes in Richtung der wartenden Busse. Er zieht das Smartphone aus der Hosentasche, um nach eigenen Aussagen nach der Uhrzeit zu schauen. Die Schulleitung der Gesamtschule geht hinter ihm, sieht ihn und nimmt ihm das Smartphone weg. Die Begründung ist, er habe gegen das Handyverbot verstoßen.

Für mich ist diese extrem restriktive Regelung am Schulzentrum für die Nutzung von Smartphones ein ganz klares Beispiel für Kontrollverlustangst. Diese Angst ist symptomatisch für Schulleitungen und Lehrer, die es nicht verstanden haben. Es gibt noch immer viele, die so denken. Die Spuren dieser Angst, einem völlig entfesselten Medium gegenüberzustehen und dieses weder zu verstehen, noch es beherrschen zu können, finden sich vielerorts. In vielen Konzepten zum Einsatz von digitalen Medien finden sich präventive Maßnahmen völlig überproportioniert wieder. Das erinnert schon sehr an die Präventionskonzepte zu Zigaretten, Alkohol und anderen Drogen. Cybermobbing, Internetsucht, Computerspielsucht, Onlineabofallen, Pädophile im Internet, Netiquette, Prävention, verantwortungsvoller Umgang und ähnliche Schlagworte finden sich in manchen Medienkonzepten häufiger als solche, welche die Möglichkeiten beschreiben, Lernen und Lehren mit digitalen Technologien zu gestalten. Neben der völlig überdimensionierten Prävention gibt es dann noch je nach Schule etwas Textverarbeitung für das Schreiben eines Lebenslaufes und einer Bewerbung, rudimentäre Tabellenkalkulation, da das in den Lernstandserhebungen gefordert wird, etwas präsentieren und Online Recherche und vielleicht auch Programmierung. Alles findet im PC Raum statt, wo die PCs sicher weggesperrt sind. Das sagt eine Menge aus. Natürlich kann mit Smartphones und ihren vielen technischen Möglichkeiten für Bild-, Video- und Tonaufnahmen gekoppelt mit permanentem Onlinezugang, mit Computern, Spielkonsolen und sozialen Netzwerken jede Menge Missbrauch getrieben werden. Und es gibt diesen Missbrauch auch und jede Menge Gefahren und beides muss in der Schule thematisiert werden, so wie in der Fahrschule auch unverantwortliches Verhalten und die Gefahren im Straßenverkehr zur Sprache kommen. Hauptthema in der Fahrschule ist jedoch das Fahren, die Teilnahme am Straßenverkehr, und entsprechend muss für die Schule die Gestaltung  von Unterricht selbst mit digitalen Technologien den größten Anteil am gesamten Konzept einnehmen.

Für Schulen, welche den Umgang mit Smartphones noch immer extrem restriktiv handhaben, ist der Schritt zu Konzepten wie BYOD sehr schwierig. Man muss dafür erst einmal ein solches Verbot kippen und quasi ins Gegenteil verkehren. Das bedeutet anstrengende Überzeugungsarbeit und teilweise auch schwere Kämpfe für die, die etwas verändern wollen. Über Jahre gehegte Überzeugungen müssen aufgegeben werden. Man hat Angst, mit einem Mal die Glaubwürdigkeit zu verlieren. Und das alles nur, weil solche Schulen bisher nicht in der Lage waren, das Thema Smartphone in der Schule pädagogisch anzugehen. Ich bin mal gespannt, wie das an meinem Schulzentrum weitergeht. Die Zeit wird auch dort nicht stehen bleiben.