Damian Duchamps' Blog

Neue Strukturen fordern neue Kompetenzen

Posted in Kompetenzen by damianduchamps on August 1, 2010

Mit dem Web 2.0 wird Goverment 2.0 möglich. Bürger können über Wertschöpfungsketten am Staat beteiligt werden. Wie das funktioniert erläutert Philipp Müller in dem Artikel Bürger machen Staat 2.0, auf den ich durch einen Tweet von @cervus stieß. Den Artikel fand ich ungemein interessant, nicht nur in Hinsicht auf sich ankündigende Veränderungen staatlicher Gestaltungsstrukturen, sondern auch wegen eines kleinen Ausschnittes, der sich mit gesellschaftlichen Veränderungen befasst.

Die Privatsphäre ist auch kein unumstößlicher Wert. Sie ist ein Kind der Moderne. Die Moderne hat uns diese Binaritäten wie privat und öffentlich, Arbeit und Freizeit, Staat und Wirtschaft, Wohlfühlen und Geldverdienen gebracht. Das Web 2.0 weicht diese scharfen Gegensätze nun wieder auf. Dabei stellt sich uns nicht mehr die Frage, ob wir das wollen – die richtige Frage lautet: Wie gehen wir damit um?  […] Wer im Web 2.0 auftritt, braucht eine sehr klare Vorstellung davon, wie viel er von sich hergeben will und welche Konsequenzen das möglicherweise haben kann. Und es darf natürlich keinen Zwang geben, ein defensiver Ansatz muss genauso erlaubt sein wie ein offensiver.

In dieser Form las ich das bisher noch nicht und es war mir auch nicht wirklich bewusst, scheint mir nun aber sehr logisch, wenn ich darüber nachdenke. Privatsphäre gab es früher nicht und Freizeit ebenso wenig. Noch weiter zurück lagen auch Staat und Wirtschaft sehr eng bei einander, in der ehemaligen DDR sogar noch bis zur Neuzeit.

Mit dem Netz verwischen einige dieser Trennungen wieder. Arbeit und Freizeit verschmelzen bei vielen Menschen, die im und mit dem Netz arbeiten. Teils geschieht das freiwillig, teils nicht. Manch einer arbeitet fast den ganzen Tag und empfindet es nicht als Arbeit. Andere sind durch das Netz und seine Möglichkeiten immer erreichbar, müssen auf Abruf antreten und haben keine Alternative.

Privatspäre ist eine mühsam gewonnene Abgrenzung des Individuums von der Masse. Gesetze sichern sie, um den Einzelnen vor dem Staat und seinen Instrumenten zu schützen. In unserer Gesellschaft, in der Meinungen und Überzeugungen frei sind, man nicht fürchten muss, sich der Verfolgung auszusetzen, wenn man anders denkt, reißen junge Menschen die Mauern zwischen Privatheit und Öffentlichkeit ein. Das geschieht im blinden Vertrauen auf diese Gegebenheiten. Ältere, die andere Systeme aus eigenem Erleben kennen oder zum Misstrauen gegenüber jeglicher Obrigkeit erzogen wurden, sind da skeptisch und können die Sichtweisen der jungen Generationen nicht nachvollziehen.

Der goldene Weg liegt wohl, wie so oft, irgendwo in der Mitte. Ein jeder muss seinen Weg hier finden. Schule hat dabei eine Aufgabe, und das bedeutet nicht nur Medienkompetenz. Der Begriff ist dafür viel zu eng, denn es ist mehr gefordert. Es geht darum, ein Bewusstsein zu schaffen, so dass junge Menschen befähigt werden, abzuwägen und zu entscheiden.

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