Damian Duchamps' Blog

Afrikas Wildleben live in den Unterricht holen

Posted in Creative, Medienwelt by damianduchamps on Juli 26, 2016

Wie oft träumt man als Lehrer von tollen Exkursionen, vom Lernen vor Ort in Begleitung eines Experten. Leider lässt sich das nur selten realisieren. Zeit, Geld und Entfernung lassen diese Träume zerplatzen wie Seifenblasen. Und je weiter ein möglicher außerschulischer Lernort entfernt ist, desto geringer sind die Chancen, diesen jemals mit einer Lerngruppe besuchen zu können. Ins Wattenmeer könnte man eventuell noch kommen im Rahmen einer Klassenfahrt, doch der afrikanische Busch ist für uns so entfernt wie der Mond.

Manch einer erinnert sich an Kontakte von US amerikanischen Schulklassen zu Astronauten auf der ISS.  Schüler konnten dabei über eine Liveschaltung direkt mit den Astronauten sprechen, Fragen stellen und sie Experimente ausführen lassen, für die zuvor Materialien zu ISS geschafft worden waren. Tolle Sache, nur sind die Chancen, daran teilnehmen zu können, sehr begrenzt.

Es gibt jedoch andere Möglichkeiten, Liveschaltungen zu Experten zu bekommen. Eine davon möchte ich hier vorstellen. Sie ist geeignet für Lerngruppen ab Klasse 9 an Gymnasien und Gesamtschulen, die mit Englisch bilingual arbeiten. Fächer, für welche das Angebot von Interesse ist, sind Biologie und Englisch

Safari LIVE

Schon seit mehreren Jahren gibt es diese Live Drives und Live Bush Walks in einem Teil des südafrikanischen Kruger National Parks. Hier sind zweimal täglich für jeweils drei Stunden Teams unterwegs und stellen die Tier- und Pflanzenwelt im Ökosystem Busch vor. Zuschauer lernen dabei nicht nur große Säuger kennen, sondern auch Vögel, Insekten und Reptilien. Vorgestellt werden typische Lebensräume, Fortpflanzung und Ernährung. Die Safari Führer gehen auf das Wetter ein, die Geologie, den Jahreszeitenwechsel und die Arbeit als Safari Führer selbst. Man erfährt etwas über die Geschichte der Region, das Fährtenlesen und das Verhalten im Busch. Es geht bei den Touren nicht um Sensation, sondern Information.

2016-06-13 05.04.06

Spinne mit Beute (Screenshot Safari LIVE)

Die Führer sind sehr kundig und haben verschiedene Spezialgebiete. Bei den Touren mit Geländewagen oder zu Fuß sind in der Regel zwei Teams unterwegs, die beide über Funk und Satellit live senden und auf Fragen der Zuschauer reagieren. In der Regel hat man mehr als tausend Zuschauer aus aller Welt live dabei. Fragen können per E-Mail gestellt werden oder über einen Twitter Hashtag. Es wird immer wieder angeregt, Fragen zu stellen. Mitunter werden die Zuschauer gebeten, etwas zu recherchieren, wenn der Führer nicht weiter weiß.

2016-06-05 08.50.27

Eines der Teams, Safari Guide, Fährensucher und Kameramann mit Kamera (Screenshot Safari LIVE)

School Drives

Für Schulen auf aller Welt gibt es ein besonderes Angebot, den School Drive. Dafür meldet man sich zuvor an und die Safari Führer begrüßen die Klassen zur verabredeten Zeit und widmen sich dann vor allem den Fragen der Schüler.
Bevor man einen School Drive macht, empfiehlt es sich, einfach mal so live zuzuschauen oder Aufzeichnungen anzuschauen. Das hilft einmal, sich in die Thematik einzustimmen und abschätzen zu können, was man erwarten kann. Außerdem erhalten die Lerngruppen so die Möglichkeit, sich auf das Englisch einzustellen. Die Safari Führer sprechen ein sehr gut verständliches Englisch mit einem leichten südafrikanischen Akzent.
Das Live Video schaut man sich über YouTube an. Es empfiehlt sich ein Projektor. Brauchbare Lautsprecher sind wichtig. Die Fragen stellt, von denen einige in der Lerngruppe vorbereitet werden sollten, man am besten über Twitter. Dafür richtet man sich einen Twitter Account ein. Den Twitter Handle teilt man bei der Anmeldung über E-Mail mit. Die Safari Führer lesen die Fragen nicht selbst, sondern bekommen sie aus der Zentrale, über welche der Video Live Stream gesteuert wird, vorgelesen. Sie wiederholen die Frage dann und den Namen des Fragenden und geben dann eine Antwort. Dabei stellen sie sich auf das Alter der Schüler ein und die Region, aus welcher sie kommen. Zusätzlich zum Projektor sollte es noch weitere Bildschirme geben, Tablet oder Laptops, über welche Screenshots von vorgestellten Tieren, Pflanzen und Landschaften gemacht werden können. Die Screenshots lassen für Projektmappen und Präsentation verwenden und dürfen sogar im Internet veröffentlicht werden, wenn beispielsweise eine Webseite, ein Blog, ein Wiki oder ein Prezi erstellt werden sollen.

2016-06-11 06.19.21

Elefant interessiert sich für den Geländewagen. (Screenshot Safari LIVE)

Da die Führungen live sind, weiß man nie, was kommt, wie viele Tiere man sehen wird und welche. Interessant zu wissen ist, dass es im südlichen Afrika auch Jahreszeiten gibt, die auch auf auf das Leben der Pflanzen Auswirkungen haben. Im trockenen Winter färbt sich das Laub gelb und im Frühjahr, wenn der Regen kommt, wird alles grün.

Die Zeitzone passt

Die Live Safaris sind für Schulen in Deutschland von Interesse, da die Zeit während der Sommerzeit in Süd-Afrika parallel zu der unseren läuft. In Süd-Afrika gibt es keine Zeitumstellung. Im europäischen Winter verschiebt sich dann die Süd Afrikanische Zeit um eine Stunde zu uns.

2016-06-05 07.00.26

Löwenfährte im Sand (Screenshot Safari LIVE)

Es gibt eine Live Safari morgens (sunrise safari)  von 6 bis 9 (im afrikanischen Winter von 6:30 bis 9:30 Uhr). Diese ist für deutsche Schulen in den ersten beiden Unterrichtsstunden live zu sehen. Die Nachmittagssafari (sunset safari) von 15 bis 18 Uhr ist für deutsche Schulen nicht nutzbar.

Links

Weitere Infos

Safari Live ist Teil von WildEarth, das wiederum zu National Geographic gehört. Daher kommt vermutlich auch das Angebot für Schulen, welches US Schulen bei der Sonnenuntergangssafari

2016-06-12 13.59.20

Zwei Hawk Eagle (Screenshot Safari LIVE)

Die Aufzeichnung der Live Safaris lassen sich auch zeitversetzt sehen. Der Stream läuft auf eine Länge von drei Stunden im Kanal von Safari LIVE. Das heißt, drei Stunden nach der letzten Live Minute um 9 (bzw. 9:30) ist der Stream nicht mehr zu sehen. Bis dahin kann man aber zeitversetzt sehen, jedoch keine Fragen stellen.

Es gibt zum Live Stream auf YouTube eine Chat unter den Zuschauern aus aller Welt. Hier könnte man eventuell auch Fragen stellen zu einzelnen Tieren, da es unter den Zuschauern einige Experten gibt, die schon länger zusehen und die Geschichte mancher der Raubtiere, die im Bereich von Safari Live ihr Revier haben, gut kennen. Man sollte im Hinterkopf halten, dass dieser Chat nicht moderiert ist und der Austausch dort nicht nur um die Tiere geht, aber meist.

Im Folgenden versuche ich kurz, die Anknüpfung der Nutzung von Safari Live im Unterricht an die Lehrpläne und den Medienpass NRW darzustellen, immer bezogen auf eine Klasse 9 am Gymnasium oder an einer Gesamtschule wo Biologie bilingual mit Englisch unterrichtet wird.

Anknüpfung an den Lehrplan Biologie Sek I NRW

Im Fach Biologie eignet sich Live Safari gut, wenn es um die Themen Biotope und Ökosysteme geht.

Jahrgangsstufen 7/9

„Erkundung und Beschreibung eines ausgewählten Biotops (Produzenten, Konsumenten, Destruenten), Nahrungsbeziehungen, Energieumwandlung, Energiefluss, offene Systeme, Veränderung von Ökosystemen durch Eingriffe des Menschen, Biotop- und Artenschutz an ausgewählten Beispielen, Treibhauseffekt und Nachhaltigkeit.“
Erkunden eines Ökosystems

Bis Jahrgangsstufe 9

  • „beschreiben ein ausgewähltes Ökosystem im Wechsel der Jahreszeiten“
  • „ermitteln mit Hilfe geeigneter Bestimmungsliteratur im Ökosystem häufig vorkommende Arten“
  • „erklären Angepasstheiten von Organismen an die Umwelt und belegen diese, z. B. an SchnabelformenNahrung, Blüten-Insekte“
  • „beschreiben die für ein Ökosystem charakteristischen Arten und erklären deren Bedeutung im Gesamtgefüge.“
  • „erklären die Bedeutung ausgewählter Umweltbedingungen für ein Ökosystem z. B. Licht, Temperatur, Feuchtigkeit“

Quelle: Lehrplannavigator NRW

Oberstufe

Inhaltsfeld 5 – Ökologie

Die Dynamik von Populationen könnte man dann im Kontext afrikanischer Busch besprechen.

Anknüpfung an den Lehrplan Englisch Sek I NRW

Hier nur auf Rezeption, die Fragestellungen und das Anmelden bezogen.

Kompetenzerwartungen am Ende der Jahrgangsstufe 9

Hörverstehen und Hör-Sehverstehen

  • medial vermittelten einfachen authentischen oder adaptierten Sachtexten (u. a. Fernsehnachrichten, Interviews, Diskussionen) wesentliche Informationen entnehmen

Umgang mit Texten und Medien

  • im Bereich Medienkompetenz die Möglichkeiten des Internets aufgabenbezogen für Recherche, Kommunikation und sprachliches Lernen nutzen.

Quelle: KLP Englisch

Anknüpfung  an den Medienpass NRW

Als Lehrer in NRW schaue ich auch auf den Medienpass NRW und die Kompetenzen, welche dort abgebildet sind. Eine Einbindung von Safari Live mit Fragen an die Safari Führer würde in den Kompetenzbereich Kommunizieren und Kooperieren fallen.

  • Schülerinnen und Schüler kommunizieren verantwortungsbewusst, sicher und eigenständig und nutzen digitale Medien zur Zusammenarbeit.
  • Schülerinnen und Schüler … kommunizieren adressatengerecht, verantwortungsbewusst…

Werden z.B. Screenshots erstellt für eine spätere Nutzung oder es wird eine Aufzeichnung des Live Streams erstellt, um alles noch einmal ansehen zu können, fällt dieses unter Bedienen und Anwenden. Am ehesten würde dieses in den Bereich

  • wenden erweiterte Bearbeitungsfunktionen von Audio- und Videoprogrammen an

fallen.

Da es mit der reinen Rezeption des Live Videos und der Antworten der Safari Führer nicht getan ist, wird im Anschluss sicherlich ein Produkt entstehen, womit auch der Kompetenzbereich Produzieren und Präsentieren einbezogen wäre.

  • entwickeln einen detaillierten Projektplan für die Erstellung eines Medienproduktes
  • erstellen selbstständig ein Medienprodukt und setzen dabei unterschiedliche Gestaltungselemente bewusst ein.
  • präsentieren ihre Ergebnisse zielgruppenorientiert und achten auf ihre Körpersprache und Stimme.

 

Tipps für den Unterricht

  • Die Anfrage für einen School Drive an das Team von Safari LIVE sollte in der Lerngruppe erstellt werden.
  • Vor dem School Drive sollten einige Folgen geschaut werden, um
    • eine Erwartungshaltung zu wecken
    • eine Gewöhnung an das Englisch der Safari Führer zu ermöglichen
    • sich mit neuem Vokabular vertraut zu machen
    • das Setting kennenzulernen
    • den Ablauf einer Live Safari kennenzulernen
    • die Tiere, Pflanzen und Geographie schon ein wenig zu erleben
  • Vor dem School Drive sollten auf der Grundlage der zuvor geschauten Live Safaris und des Unterrichtsthemas Fragen erstellt werden
  • Ein Klassentwitter Account sollte angelegt werden (Namen bei der Anfrage dem Team mitteilen!)
  • Alternativ können die Fragen über E-Mail gestellt werden questions@wildearth.tv
  • Es sollte geübt werden, Screenshots zu erstellen
  • mehrere Schüler könnten gemeinsam mittels eine Etherpads ein Live Protokoll erstellen, um vor allem die vielen Namen der Tiere und Pflanzen notieren zu können
  • Es sollte eine Aufgabenverteilung vorgenommen werden
    • Protokollanten
    • Namen nachschlagen
    • neue Fragen erstellen, wenn die vorbereiteten nicht passen oder Nachfragen erforderlich sind
  • In Anlehnung an Chell’s Safari Live Summary Blog könnten Schüler im Anschluss ebenfalls so eine Zusammenfassung erstellen
  • Zwei frei verfügbare Handbücher für Fährtenlesen (da immer wieder Fährten gezeigt werden)

 

Noch ein paar Gedanken

Es wäre schön, wenn es mehr Gelegenheiten für Schüler gäbe, in dieser Art mit Experten vor Ort in einer Video-Liveschaltung kommunizieren zu können. Ich würde mir so etwas vor allem für für besondere Biotope, eben wie das Wattenmeer, die Bergwelt der Alpen, das Altmühl-Tal und ähnlich wünschen. Auch Museen könnten so etwas anbieten. Wie man bei Safari Live sieht, ist die Qualität eines echten Austauschs, wenn die Experten den Blick auf Details lenken, wesentlich wertvoller als wenn nur ein virtueller Museumsrundgang gemacht wird. Ich frage mich, warum nicht auch Museen diese Möglichkeit nutzen. Gerade mit einem starken WLAN oder auf dem Gelände, etwa wenn es eine historische Stätte ist, kann so etwas leicht umgesetzt werden. Es würde die Welt deutlich intensiver in die Klassenzimmer holen. Technisch ist das alles gar nicht so aufwändig. Selbst draußen in der Natur lässt es sich relativ leicht realisieren, wenn eine ausreichende Verbindung ins Mobilnetz vorhanden ist (siehe z.B. Teleporter). Vielleicht steckt sogar eine Geschäftsidee dahinter?

Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten, die Begrenztheit von Bilden und Videos zumindest ein Stück weit zu erweitern. Virtuelle Museumsrundgänge (siehe 5 museos con visitas virtuales para descubrir sin moverte de clase) lassen fremde Räume erkunden wie auch Google Streetview und ähnliche Projekte. Ein Stück weiter geht dann das Google Projekt „Google Expeditions“ in welchem Schüler mit Smartphone und Google Cardboard als 3D Brille, Räume nicht nur in 360° Sicht erfahren, sondern räumlich.
In nicht allzu ferner Zukunft wird es sicherlich virtuelle Touren geben, in welcher Schüler in dreidimensionale Räume eintauchen, und dort einer Führung folgen, in einer fremden Stadt, einer Fabrik, im tropischen Regenwald, in der Antarktis oder einfach nur im Wattenmeer oder den Donauauen.
Ein kleines Stück auf den Weg gemacht haben sich die Macher von SafariLive, vorerst noch ohne 3D (aber sie experimentieren bereits damit).

Ich hoffe, ich kann mit diesem Beitrag den einen oder anderen anregen, die Erfahrungen, welche Safari LIVE Schülern bringen kann, für den eigenen Unterricht zu nutzen.

Werbeanzeigen

QR Codes – Pimp those boring textbooks!

Posted in Creative, Medienwelt, Tools by damianduchamps on Mai 5, 2016

Langweilig und schon bei Drucklegung veraltet

Vermutlich bin ich nicht der einzige, der die Schulbücher, mit denen er im Alltag zu tun hat, unausstehlich langweilig findet. In meinem Fall ist dieses das Englischlehrwerk, welches mittlerweile in die Jahre gekommen ist. Der Band für die Klasse 8 wurde 2007 auf den Markt gebracht und war sicherlich mindestens ein Jahr, wenn nicht länger, in Vorbereitung. Entsprechend veraltet sind die Inhalte. Die jungen Menschen aus den USA und Kanada, die dort vorgestellt werden, nutzen noch keine Smartphones, kennen kein WhatsApp oder SnapChat, schreiben dafür aber E-Mails und man sieht sie, wenn überhaupt im Zusammenhang mit Computern, vor uralten Modellen sitzen. Die vorgestellten Schauspieler, Sportstars, Musiker und Bands sagen den Schülern von heute kaum noch etwas. Internet Berühmtheiten – Fehlanzeige. Und selbst die Fotos, die eigentlich relativ überdauernde Landschaften, Gebäude, Personen und ähnlich zeigen sollen, um den Schülern einen Eindruck zu geben, wie es in diesen Ländern aussieht, sehen aus als wären sie aus dem Fotoalbum meiner Großeltern entnommen. Auch von der Struktur her insgesamt kann mich dieses Lehrwerk nicht vom Hocker reißen. Die angesprochenen Inhalte mit Bezugspunkten zur Lebenswelt der Schüler sind letztlich nur Vehikel, um neues Vokabular und Grammatik zu transportieren. Einzelne Units mit Projekten sollen das Buch in seiner Eintönigkeit auflockern.

Wenn ich mein Englischbuch aufschlage, dann fällt es mir extrem schwer, den Schülern gegenüber begeistert, motiviert und inspiriert zu wirken. Und wie muss dieses Buch erst auf meine Schüler selbst wirken, die täglich im Internet unterwegs sind, wo sie viele schöne Bilder sehen und vielfältigste Layouts und Schriftarten, Animationen und Videos?

Ganz ohne Lehrbuch?

Als Schule ist man nicht verpflichtet, mit einem Lehrwerk zu unterrichten. Man kann, wenn man möchte, die Inhalte in Orientierung an den Richtlinien und Lehrplänen komplett selbst zusammenstellen. Das allerdings kostet natürlich einiges an Zeit und Energie und ist alleine schwierig zu leisten. Eine größere Fachschaft könnte das schon leisten. Oft wird ein Fach wie Englisch jedoch auch fachfremd unterrichtet. Für Lehrer, die ein Fach nicht studiert haben, kann ein Lehrwerk mit den umfangreichen Begleitmaterialien inklusive der didaktischen Hinweise eine große Hilfe sein. Solche Unterstützung würde bei selbst zusammengestellten Materialien fehlen. Mitunter verlangen sogar Schüler nach einem Buch, da sie einen Grammatik- und Vokabelteil haben möchten, den sie zum Nachschlagen und Lernen nutzen können. Das ist vor allem dann der Fall, wenn im Unterricht versäumt wird, entsprechende Unterlagen gemeinsam mit den Schülern systematisch anzulegen.

Das Englischlehrwerk aufbohren

Mindesthaltbarkeitsdatum-verlaengern

Mindesthaltbarkeitsdatum verlängern

Eine Möglichkeit, das offizielle Lehrwerk trotz aller seiner Beschränkungen doch zu nutzen, besteht darin, seine Möglichkeiten einfach zu erweitern. Das macht die Arbeit damit nicht nur interessanter und motivierender, sondern kann sogar Kosten sparen helfen, da man das Lehrwerk so länger nutzen kann.

Ein Lehrwerk aufzuwerten, ist relativ einfach mit etwas Arbeit  und ohne zusätzliche Kosten möglich.

lg4u7-qr-code-s

Let’s go 4 Unit 7 – Canada mit QR Code zu einem Padlet

Eine Möglichkeit dazu sind QR Codes. Je nach Schule und Bundesland werden die Fachbücher von Eltern oder Schule angeschafft. Bei Lehrwerken, die im Besitz der Schule sind, und an die Schüler ausgeliehen werden, kann nach Absprache mit dem Schulträger das Schulbuch um QR Codes erweitert werden. Diese verweisen dann auf Inhalte, die im Internet zu finden sind. Anders als bei den Angeboten mancher Verlage über Web Codes, die auf Inhalte aus dem Angebot des Verlages hinweisen, können hier eigene Inhalte hinterlegt werden.

padlet-canada-s

Padlet Canada

Verweisen kann man auf Inhalte jeder Art – Informationstexte, Nachrichtentexte, Wikipedia Einträge, Fotos, Videos, Audiomaterial wie Podcasts, Hörgeschichten und ähnlich und natürlich auch interaktive Übungen, etwa mit LearningApps erstellt, und Quiz-Formate. Im Vokabelteil könnte man auf Quizlet Übungen für das Vokabeltraining verlinken. Außerdem könnten, falls gewünscht, Arbeitsblätter zum Download vom Schulserver oder ähnlich eingebunden werden. Hervorragend geeignet sind hier in allen Bereichen auf jeden Fall freie Bildungsmaterialien (OER).

Voraussetzungen

Auch wenn in einer Fachschaft alle willig sind, müssen einige Vorbedingungen erfüllt sein, um ein Lehrwerk über QR Codes und damit verlinkte externe Inhalte/Übungen aufwerten zu können.

  • Das betreffende Lehrwerk muss im Besitz der Schule/ des Schulträger sein.
    • Einkleben von QR Codes muss genehmigt sein
  • Sollen die Möglichkeiten im Unterricht sinnvoll genutzt werden,
    • sollten idealerweise alle Klassenräume/Fachräume Internetzugang haben
    • sollten möglichst viele Schüler über digitale Endgeräte Zugriff auf das Internet haben
      • Schulgeräte und/oder Schülergeräte (BYOD)
    • sollten möglichst alle Schüler auch zu Hause das Internet nutzen können
    • sollte zumindest eine regelmäßige Nutzung eines PC Raums möglich sein
  • Die Nutzung von externen Inhalten im Internet darf zumindest in Bezug auf von Lehrern ausgewählte Inhalte nicht durch Firewalls und/oder Filtersoftware blockiert sein

Je nach Nutzungsszenario kann es sinnvoll sein, die QR Codes mit einem verkürzten Link (z.B. über einen Dienst wie http://bit.ly verkürzt) zu ergänzen, der im Bedarfsfall abgetippt werden kann.

Schritt für Schritt

  1. Die Fachschaft entschließt sich, das Fachbuch aufzupimpen
  2. Rechtliche Fragen, ob das Buch mit QR Code Stickern versehen werden darf, werden geklärt.
  3. In einer Fachschaftssitzung arbeitet man beispielhaft ein Thema aus einem Jahrgang auf, um allen Beteiligten zu zeigen, wie es geht.
    1. Gezeigt wird, wo man externe Inhalte findet.
    2. Ein Kriterienkatalog für die Materialauswahl wird erstellt: Anspruchsniveau, maximale Länge der Videos, Bildqualität, Länge von Audiomaterialien, Urheberrecht (nutzbare Lizenzformen, Creative Commons Lizenzen, Public Domain), …
    3. Plattformen für das Finden bzw. Erstellen von interaktiven Aufgaben werden vorgestellt.
    4. Absprache, welche Übungsformen, man wofür nutzen will.
    5. Konventionen für das Benennen von erstellten bzw. auf eigene Bedürfnisse angepassten externen Übungen werden vereinbart.
    6. Erstellen von QR Codes bzw. Sammlung von Links für das Erstellen der QR Codes
  4. Drucken von QR Codes auf Avery/Zweckform Etiketten (oder ähnlich) und Einkleben in Lehrwerk
  5. Erster Praxistest und Nachbesserung falls notwendig.
  6. Aufteilung der restlichen Themen/Units aus dem Jahrgang und Überarbeitung in Teams.
  7. Praxistest mit den anderen Überarbeitungen im Jahrgang und Nachbesserung wo notwendig.
  8. Aufpimpen des kompletten Fachbuches, zu dem gearbeitet wurde, mit QR Codes für den nächsten Durchgang.
  9. Ausweitung auf andere Jahrgänge/Fächer.

Wie im Unterricht nutzen

Bevor man sich entschließt, ein Fachbuch mit QR Codes aufzubohren, sollte man sich auf jeden Fall Gedanken machen, wie man die externen Inhalte für den Unterricht nutzen kann.

Primär frontale Nutzung – Schüler Nachnutzung

Nicht jede Schule verfügt über die Möglichkeit, Schüler im Unterricht mit digitalen Endgeräten ins Internet zu schicken. Dann nutzt der Lehrer die Inhalte im Unterricht:

  • über einen Projektor, der mit Notebook, Tablet oder Smartphone gekoppelt ist
  • über ein interaktives Whiteboard

Bei beiden Varianten ist es durchaus möglich, dass einzelne Schüler interaktive Übungen machen und dabei von den Mitschülern unterstützt werden. Alle Schüler haben anschließend die Möglichkeit, die externen Materialien auch noch einmal zu Hause zu nutzen. Die Materialien könnten auch als Hausaufgaben genutzt werden. Bei Plattformen mit der Möglichkeit zur Registrierung (z.B. Quizlet, Edpuzzle, …) hat der Lehrer sogar eine Kontrolle über den Zugriff durch die Schüler.

Flipped Classroom

In vielen Schulen ist die Möglichkeit für Lehrer, zumindest einen Projektor im Fachraum oder Klassenraum nutzen zu können, nicht gegeben. Aber auch hier kann es Sinn machen, das Fachbuch mit QR Codes zu ergänzen. Im Sinne von Flipped Classroom können über die QR Codes auch Videos und Materialien verlinkt werden, mit denen sich Schüler zu Hause mit einem Stoff auseinandersetzen, der dann im Unterricht geübt und vertieft wird. Im Englischunterricht wäre das z.B. bei Grammatik Themen denkbar, siehe z.B. English Grammar Reported Speech: Questions von Alicia Bankhofer.

Außerdem können Schüler auch weitere verlinkte Materialien nutzen für andere Formen von Hausaufgaben, mit denen sie Inhalte für den Unterricht vorbereiten oder Themen vertiefen.

Nutzung im PC Raum

Ich selbst gehe im Englischunterricht nicht gerne extra in den PC Raum. Aber „zur Not frisst der Teufel die Fliegen auch ohne Salz.“ Wenn gar nichts geht, ist ein PC Raum besser als nichts. Da die PCs dort in der Regel nicht über Webcams verfügen, welche die QR Codes einlesen können, ist es hier wichtig, dass die Links auch abgetippt werden können. Es sollten außerdem Köpfhörer verfügbar sein oder von den Schülern mitgebracht werden.

Notebook Wagen/Tablet Koffer

Bteht die Möglichkeit, zumindest für eingeschränkte Zeiträume, Notebooks oder Tablets für die Lerngruppe zu bekommen, hat man deutlich bessere Möglichkeiten. Wenn nur diese Möglichkeit besteht, könnte man sich in der Fachschaft absprechen, dass jede Lerngruppe in einem Schuljahr zumindest eine Stoffeinheit/Unit mit Internetzugriff und Endgeräten in der Klasse durcharbeiten kann.

Je nach Fach könnte man so auch zunächst nur eine bestimmte Unit/Stoffeinheit mit externem Material und QR Codes erweitern. Sobald sich mehr Möglichkeiten für Notebooks oder Tablets in den Lerngruppen ergeben, weitet man dann die Vorhaben dann in den Fachbüchern aus, wie oben beschrieben.

BYOD

Die umfangreichsten Möglichkeiten bieten sich sicherlich, wenn alle Schüler dauerhaft eigene Geräte im Unterricht nutzen können (BYOD). Dann könnten die erweiterten Inhalte des Lehrwerks regelmäßig im Unterricht eingesetzt werden. Zu beachten ist hierbei noch: nicht alle Inhalte aus dem Internet stellen sich auf allen Geräten gleich gut dar. Gerade auf Geräten mit kleineren Displays kann es z.B. bei interaktiven Übungen zu Problemen kommen. Das sollte man vorher testen.

Weitere Szenarien

Schulen, die mit lokalen Lernmanagement Systemen/Lernplattformen arbeiten, könnten auch auf Inhalte innerhalb dieses Systems verlinken, wenn diese über ein internes Netz für Schüler und Lehrer erreichbar sind. Gleiches ist für Verlinkungen auf Lernmanagement Systeme/Lernplattformen denkbar, die auch von außen über das Internet erreicht werden können.

Ausweitung auf andere Fächer

Hat sich das System in einem Fach bewährt, wird auch in anderen Fächern schnell der Wunsch aufkommen, diese Möglichkeit zu nutzen. Dieser Schritt ist dann vergleichsweise einfach.